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Feindbild „Auto“: Per Junk Studie verdammt

„Der Verkehr bürdet der Allgemeinheit in Deutschland immer höhere Lasten auf“. Das darf Dirk Flege, der Geschäftführer des Verkehrsbündisses „Allianz pro Schiene“ [!sic] auf kostbarem Platz in der ARD tagesschau, die doch nach Aussage ihres ehemaligen Chefredakteurs nur Meldungen von nationalem und internationalem und gesellschaftlichem Interesse veröffentlichen, unwidersprochen in der ARD tagesschau sagen.

Wenig verwunderlich darf er das unter dem Titel „Externe Kosten: Verschleppte Verkehrswende viel teurer“ [als irgendwas]. Der Text, bei dem man die zur Vortäuschung von Intellektualität in tiefe Falten gelegte Stirn von Philipp Wundersee vom WDR, der wohl nach dem Schema verfährt: „Ihr werden Euch wundern, was ich alles seh“ in Studien, richtig greifen kann, ist ein weiteres Puzzleteil im Krieg der Kollektivisten (oder Hauruck-Sozialisten) gegen die individuelle (Bewegungs-)Freiheit, ein weiterer Anschlag auf die Grundrechte von Bürgern, die ihnen, einmal mehr mit Verweis auf die nächsten Generation gestohlen werden sollen, oder wie der Wunderseher des WDR schreibt: „Daher fordert Flege die Politik auf, dringend zu handeln, denn die externen Kosten durch den Verkehr würden vor allem die künftigen Generationen tragen“.

Wir nennen das scaremongering, den Versuch, Angst zu verbreiten ohne Basis, ohne Anlass und ohne Berechtigung und natürlich gibt es vom Journalisten „Wundersee“ keinerlei kritischen Ton in seinem Jubelbeitrag zu der Studie, die die „Allianz pro Schiene“ bestellt hat und die doch tatsächlich zu einem für die „Allianz pro Schiene“ sehr positiven Ergebnis kommt. Geliefert wie bestellt, kann man da nur sagen.

Und damit auch jeder weiß, wie sich ein guter Mensch, der sich mehr um Ungeborene als um Geborene sorgt, verhält, deshalb leitet Wundersee, seinen Beitrag mit Thomas Arenz ein. Arenz ist eigentlich ein guter Deutscher, denn er pendelt mit der Bahn. 40 Kilometer von zuhause bis zum Arbeitsplatz. Löblich. Dafür bekommt er auch ein Fleißkärtchen von Wundersee. Zuweilen sticht Arenz jedoch der Hafer oder der Teufel spricht ihm ein und dann setzt sich dieses Umweltferkel doch tatsächlich in sein Auto und fährt, das muss man sich einmal vorstellen: fährt zur Arbeit, mit dem Auto, dem AUTO. Und an diesen Tagen, da produziert der Thomas Arenz viel mehr Kosten als an den Tagen, an denen er sich in die U-Bahn zwängt, sehr zum Ärger seiner Mitreisenden in der überfüllten Bahn, denen er Kosten verursacht, die in der bestellten Studie nicht berücksichtigt sind.

Bestellt hat also die „Allianz pro Schiene“ die Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass Schienenverkehr viel günstiger ist als Autoverkehr, was für ein Zufall, beim Schweizer infras-Institut. Davon haben Sie noch nie etwas gehört? Kein Problem – wir auch nicht. Cuno Bieler und Daniel Sutter, nicht minder unbekannt als ihr Institut „infras“, zeichnen für die „Studie“ verantwortlich, die auf 38 Seiten Platz gefunden hat, zwei Seiten Deckblatt, eine Seite Inhaltsverzeichnis, vier Seiten Zusammenfassung, zwei Seiten Anhang und zwei Seiten Literatur verbleiben 27 Seiten „Studie“ und die Hoffnung, dass die „Allianz pro Schiene“ so richtig viel Geld in dieser „Studie“ versenkt hat.





Zentral für das Werk von Cuno Bieler und Daniel Sutter ist die folgende Tabelle, die sie auf Seite 12 präsentieren.

Bieler & Sutter (2019): 12

 

Zu sehen ist die Anzahl der Personenkilometer bzw. der Tonnenkilometer, die auf die einzelnen Verkehrsträger entfallen. Alles, was die beiden aus der Schweiz, von „infras“, im weiteren Verlauf anstellen, basiert auf dieser Tabelle und besteht im Wesentlichen darin, die Zahlen in der letzten Spalte mit lustigen Parametern zu multiplizieren, die sie in der Regel beim Umweltbundeamt entlehnt haben. Wenn man multipliziert, erhält man gemeinhin eine Summe, hier die Summe dessen, was die Autoren als „gesamte externe Kosten“ bezeichnen, worunter sie Kosten verstehen, die angeblich die Allgemeinheit tragen muss. 149 Milliarden Euro kommen am Ende zusammen, 94,5% gehen, so die Autoren, auf die Kappe des Straßenverkehrs, also von Pkw, Lkw und Motorrädern.

Nun setzen sich die „gesamten externen Kosten“ aus sechs einzelnen Kosten zusammen, die sich dahingehend voneinander unterscheiden, dass die Autoren unterschiedliche Parameter mit den in der oben abgebildeten Tabelle zu findenden Personen- bzw. Tonnenkilometer multipliziert haben. Sie haben einen Parameter für Klimakosten, einen für Kosten durch Luftschadstoffe, einen für Lärmkosten, einen für Kosten in Natur- und Landwirtschaft, einen für Unfallkosten…

Unfallkosten…



Es macht natürlich keinen Sinn, die Unfallkosten, die sich mit einem individuellen Fortbewegungsmittel wie einem Auto oder einem Lkw oder einen Motorrad verbinden, den Kosten, die bei einem Zugunglück oder einem Flugzeugabsturz entstehen, gegenüberzustellen. Um genau zu sein, das ist ein Spiel mit gezinkten Karten. Nicht nur deshalb, weil die viel größere Anzahl von Pkw und Lkw und Motorräder natürlich mit viel mehr Unfällen einhergeht als die relativ beschauliche Anzahl von Zügen und Schiffen und Flugzeugen. Sondern vor allem deshalb, weil die Autoren die externen Kosten, die durch die Anreise zu Flughäfen, Bahnhöfen und Schiffsanlegestellen entstehen, schlicht weg unberücksichtigt lassen. Das ist so, als wollte man die Kosten einer Notoperation im Krankenhaus nach einem Unfall berechnen, ohne den Notarzt, die Sanitäter, die Feuerwehr, die den Verletzten aus dem Schrott, der einst ein Zugabteil war, geschnippelt hat und ohne die ganzen Helfer berechnen, die notwendig waren, um diesen einen Menschen ins Krankenhaus zu bringen. Es ist, mit einem Wort: Humbug.

Es ist derselbe Humbug, der dazu führt, dass unbedarfte Redakteure, die ansonsten Wunder sehen, nicht bemerken, wenn Ihnen etwas Wunderliches untergejubelt wird, das nicht nur aussieht wie Junk, sich liest, wie Junk, sich anhört, wie Junk, sondern Junk ist.

Kommen wir zurück zur Tabelle oben, Tabelle 3 im Text der beiden von infras, dem Institut, das wir nach dieser Studie auch nicht kennenlernen wollen. Schon ein kurzer Blick zeigt, dass auf Straßenverkehr viel mehr Personen- und Tonnenkilometer entfallen als auf Eisenbahnverkehr, Luftverkehr und Binnenschiffverkehr. Der Anteil von Straßenverkehr am gesamten Verkehrsaufkommen beträgt: 84,3%. Wundert sich noch jemand, dass der Verkehrsträger, der für mehr als vier Fünftel des Verkehrsaufkommens verantwortlich ist, auch für die meisten externen Kosten verantwortlich ist?

Wer sich darüber wundert, der wundert sich vermutlich auch darüber, dass die Mannschaft, die fünf Tore geschossen hat, gewinnt und nicht die, die nur drei Tore geschossen hat (Kleine Reminiszenz an den FCK, der noch gewinnen kann).

Und es gibt noch mehr worüber man sich nicht wundern muss.

Tut man das, was die beiden Autoren von dem Institut, das nach diesem Mist am besten aufgelöst wird, vermeiden wie der Teufel das Weihwasser, nämlich die berechneten Kosten zum Verkehrsaufkommen in Beziehung setzen, einfach weil der, der mehr Fahrtleistung erbringt auch mehr Kosten verursacht, was wir getan haben, dann erhält man für die 84,3% Straßenverkehr die folgenden Ergebnisse:

Anteil des Straßenverkehrs an den Klimakosten: 87,1%

Anteil des Straßenverkehrs an den Kosten durch Luftschadstoffe: 79,4%

Anteil des Straßenverkehrs an den Lärmkosten: 54,7%

Anteil an den Natur- und Landschaftskosten: 87,1%

Anteil an den Vor- und nachgelagerten Prozesskosten: 78,5%

Mit anderen Worten, der Straßenverkehr, Pkw, Lkw und Motorräder, sind, berechnet auf Grundlage der Daten, die Cuno Bieler und Daniel Sutter in ihrem Bericht verwenden, das, was man ein sehr effizientes, kosteneffizientes Verkehrsmittel nennt. Kein Grund also, von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die ganze Aussage, nach der Verkehr auf die Schiene soll, wegen den Kosten und der nächsten Generation, ladidadilada, basiert auf dem Taschenspielertrick, die Unfallkosten für den Straßenverkehr einzubeziehen und für die anderen Verkehrsmittel, zu denen man anreisen muss, zu unterschlagen.

Das ist hart an der Grenze krimineller Energie – von welcher Seite kann jeder für sich entscheiden.

Bleibt abschließend noch die Frage, wozu derartiger Unsinn, derartiger Mist verbrochen, beauftragt und geliefert wird. Offenkundig wird ein Krieg gegen individuelle Fortbewegung geführt, ein Krieg gegen individuelle Freiheit, dessen Ziel darin besteht, die Entwicklung ins 18. Jahrhundert zurückzudrehen und Fortbewegung wieder zu einem seltenen Gut zu machen. Das ergibt sich schon daraus, dass derartige Studien schon vom Ansatz her Blödsinn sind. Sollen Notärzte in Zukunft mit dem Zug anreisen? Sollen Dörfer wie Weyher oder Roschbach mittels des neu zu grabenden Modenbachkanals an den nächsten Bahnhof angeschlossen werden? Wie sollen Menschen auf dem Land ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln organisieren, täglich fünfmal mit dem Rad zwischen Supermarkt und zuhause oder im eigenen Garten auf dem Balkon des Mietshauses?

Angebliche Studien wie die aus der Schweiz, von infras, sind keine wissenschaftlichen, es sind ideologische Studien, die a) Lobbypolitik legitimieren sollen oder b) den Boden für die Beseitigung individueller Freizügigkeit im eigenen Auto bereiten sollen oder c) den neuen Sozialismus vorbereiten, in dem dann so kostbare Güter wie Straßenverkehr wieder nur den Parteigenossen vorbehalten sind.


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