Linksjugend und Luftangriff auf Dresden: Projekt Mensch gescheitert

Als wir vor rund 20 Jahren von Toronto nach Vancouver mit dem Zug gefahren sind, saßen wir bei einem Abendessen zwei US-Amerikanern, Vater und Sohn, gegenüber. Wie üblich bei solchen Reisen hat sich ein lebhaftes Gespräch entwickelt, die Herkunft der Gesprächspartner ein Teil davon. Und dann, mitten im Gespräch und völlig unvermittelt, hat der ältere der beiden US-Amerikaner gesagt. I am deeply sorry for Dresden. Das kam wie der Blitz aus heiterem Himmel, denn weder Dresden noch der Krieg waren zu diesem Zeitpunkt oder später Thema. Er sei, so hat er erläuternd angeführt, als Pilot der US-Air Force am Angriff auf Dresden beteiligt gewesen. Nach dem Krieg, noch 1945, habe er die Stadt besucht und die Zerstörung gesehen. Das, so sagt er, sei nicht notwendig gewesen. It was a crime.

Bundesarchiv, Bild 146-1994-041-07 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de,

Wie man sich vorstellen kann, hat dieser Beitrag das Gespräch erst einmal für betretenes Schweigen gesorgt. Es hat eine Weile gedauert, bis wir wieder miteinander über Gott und die Welt geredet haben. Die Möglichkeit, sich dem eigenen Essen zu widmen, ist in manchen Situationen ein Segen. Die Episode hat sich tief in unsere Erinnerung eingegraben. Sie ist bis heute das, das man wohl eine Anekdote nennt, geblieben, und sie ist ein Beispiel für das, was Menschen eigentlich teilen sollen: Empathie. Die Fähigkeit, die Welt mit den Augen anderer zu sehen, Freude und Leid zumindest im Ansatz nachempfinden zu können.

Die Linksjugend SoLid in Dresden ist zu Empathie nicht fähig. Sie ist ein Indiz für ein vollständiges Scheitern des Projekts Mensch.

Dresden, der Angriff auf Dresden, der vom 13. bis zum 15 Februar von der britischen RAF und der USAAF ausgeführt wurde, hat nicht nur die Innenstadt von Dresden in Schutt und Asche gelegt und nichts zuletzt durch den Abwurf von Brandbomben zu einem Feuersturm geführt und irgendwo zwischen 25.000 und 35.000 Opfern hinterlassen, er ist auch bis heute Teil des Stoffs, aus dem die Diskussionen darüber sind, was im Krieg erlaubt ist und was nicht.



Paul Addison schreibt in der Gesamtbetrachtung der Beiträge, des von ihm mit-herausgegebenen Buchs “Firestorm – The Bombing of Dresden”:

“As various contributors remark: Dresden has become a symbol for things greater than itself: the bombings of civilians, the horrors of total war; man’s inhumanity to man.” (216)

Ein Kriegsereignis wie die Bombardierung von Dresden, die viel prominenter in der Geschichte verblieben ist, als die Bombardierung von Hamburg, die schlimmer war als die von Dresden, wie der Genozid an den Ukrainern durch den anderen Sozialisten Stalin, die Millionen Opfer, die SS und deutsche Truppen in Europa hinterlassen haben, sie stellen eine Vielzahl von moralischen und ethischen Fragen, appellieren an menschliches Mitgefühl und forderen letztlich dazu auf, zumindest ansatzweise zu versuchen zu begreifen, warum geschehen konnte, was geschehen ist, wie z.B. Dresden in der Form, in der es geschah, geschehen konnte oder musste.

Ein Brief, den Winston Churchill im März 1945 an den Oberkommandierenden der RAF, Sir Arthur Harris, den Air Officer Commanding-in-Chief des RAF Bomber Commands, geschrieben hat [also an Bomber oder Butcher Harris, wie ihn seine Zeitgenossen nannten, übrigens nicht, wegen der Angriffe auf Hamburg oder Dresden, wie manche verirrte Geister in Deutschland glauben, sondern weil er vollkommen indifferent gegenüber den immensen Verlusten der RAF zu sein schien (tatsächlich hatte ein Pilot in der RAF eine geringere Überlebenswahrscheinlichkeit als ein Soldat in den Gräben des Ersten Weltkriegs)], und der Anlass war, dass Harris und Churchill aneinander geraten sind, hilft hier weiter:

“The destruction of Dresden remains a serious query against the conduct of Allied bombing”, schreibt Churchull, denn es sei “simply for the sake of increasing terror” durchgeführt worden. Frei übersetzt: Die Zerstörung von Dresden stellt die Art und Weise, Alliierter Bombardements in Frage. Die Bombardierung wurde nur ausgeführt um Terror zu verbreiten (zitiert nach Addison 2006: 214)

Für diese Ausführungen hat Churchill eine heftige Reaktion von Arthur Harris geerntet: Die Luftangriffe auf Dresden seien strategisch notwendig gewesen, denn durch sie werde die Dauer des Kriegs (und damit die Anzahl alliierter Verluste) reduziert. Harris fährt fort: “Dresden was a mass of munitions works, an intact government centre, and a key transportation point to the East. It is now none of these things”. [In Dresden war Kriegsindustrie massiert, es gab eine intakte Regierung, und es war die Drehscheibe für die Versorgung des Ostens. Es ist nun nichts mehr davon.]



Die Auseinandersetzung fasst zusammen, worum sich die Diskussion bis heute dreht, um das moralische Dilemma, das sich in Kriegssituationen regelmäßig stellt: Bringt man kurzfristig große menschliche Opfer in der Hoffnung, den Krieg schnell zu beenden oder gibt es Grenzen, die gelten, auch wenn sich der Krieg dadurch verlängert und die eigenen Opfer dadurch steigen, und wo verlaufen diese Grenzen.

Ehrlich gesagt, wir sind froh, keine solche Entscheidung treffen zu müssen. Was in Dresden natürlich noch dazukommt und die Diskussion in der Nachfolge und seit nunmehr 75 Jahren beherrscht, das sind die zivilen Opfer. Irgendwo zwischen 25.000 und 35.000 liegt wohl die Zahl der Opfer. Die erste Zahl findet sich heute in den meisten offiziellen Publikationen, die zweite Zahl wird dem Polizeichef von Dresden zugeschrieben und u.a. von Addison (2006: 214) berichtet. Aus den genannten Gründen ist Dresden, wie oben bereits dargestellt, mehr als Dresden, es ist ein Symbol für die Bombardierung von Zivilisten, die Schrecken eines totalen Krieges und ein Beispiel für das, was Menschen einander antun können.

“As various contributors remark: Dresden has become a symbol for things greater than itsel: the bombings of civilians, the horrors of total war; man’s inhumanity to man.” (216)

Von derartigen durchaus in Empathie und mit Bedauern gemachten Feststellungen, die ein normaler Mensch treffen muss, wenn er sich nur eine Minute vorstellt, es säße im Luftschutzkeller, sei stundenlangen Luftangriffen von mehr als 1.300 Bombern ausgesetzt, drei Tage hintereinander, und versucht, trotz der Detonationen im Sekundentakt oder der Angst um sein Leben nicht wahnsinnig zu werden, ist bei der Linksjugend in Dresden nicht zu finden. Die Linksjugend ist ein Beleg dafür, dass das Projekt Mensch in Teilen gescheitert ist.

Derartige Parolen des Hasses und der fehlenden Empathie kann nur ein ideologischer Roboter von sich geben, dem jegliches menschliche Empfinden abhanden gekommen ist oder der es nie hatte. Auch die Opfer auf deutscher Seite waren Menschen. Und man kann, wie wir, Deutschland seit Jahrzehnten den Rücken gekehrt haben, den Nationalsozialismus und alles, was ihn auszeichnet, zutiefst verachten, den Alliierten dankbar dafür sein, dass sie es Deutschland ermöglicht haben, eine kurze Phase der Prosperität und Freiheit zu durchleben, von der nicht zuletzt wir profitiert haben und es dennoch bedauern, dass Tausende deutscher Menschen vom 13. bis zum 15. Februar in Dresden ihr Leben verloren haben, darunter mit Sicherheit sehr viele, die den Nazis nicht sonderlich wohlgesonnen waren. Wer nur Nazis und sich selbst kennt, ist ein gescheitertes menschliches Projekt, von dem wir nicht wirklich wissen, was man damit tun soll. Wie es zu solchen Existenzen kommen kann, was ihnen ihre Eltern mit auf den Weg gegeben haben, was sie in der Schule gelernt haben, was sie zu derart zu Empathie und Mitgefühl unfähigen ideologischen Bots gemacht hat, das sind alles interessante Frage, deren Antworten vermutlich da ansetzen, wo es wirklich wehtut, z.B. am Sozialstaat und der Tatsache, dass er es ermöglicht, von anderen zu leben ohne diesen anderen dankbar zu sein.

Wer nicht weiß, dass er von anderen ausgehalten wird, wer denkt, er habe Rechte anderen gegenüber ohne dass diese Rechte mit Pflichten einhergehen, wer in diesem Bewusstsein erzogen wird und dieses Bewusstsein erhalten kann, weil er vom Staat ausgehalten wird, der wird wohl notwendiger Weise zum narzisstischen Roboter auf der Suche nach einem einfachen Programm, das er abspielen kann, um sich selbst die Illusion zu vermitteln, er sei am Leben. Ob ideologische Roboter wie die oben abgebildeten am Leben sind, das wissen wir nicht, aber wir haben so unsere Zweifel. Und mit diesen Zweifeln haben wir Zweifel an der Funktionsfähigkeit einer Gesellschaft, in der Extremisten, die nur sich und ihre Feinde kennen, vor allem in linken Ghettos aus dem Boden schießen wie die Pilze. Eine Gesellschaft lebt davon, dass ihre Mitglieder kooperieren. Um kooperieren zu können, muss man Goodwill und Empathie mitbringen. Wo beides fehlt, bleibt nur, was Thomas Hobbes als Naturzustand beschrieben hat: Der Krieg aller gegen alle.




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