Der Geruch der Politiker: Olfaktorische Marker politischer Ideologie

Im Volksmund gibt es schon seit langem die Wendung: “jemanden nicht riechen können”, eine Wendung, die darauf hinweist, dass Abneigungen mit einem entsprechendem Geruch einhergehen, vielleicht von diesem entsprechenden Geruch verursacht werden.

Was in die eine Richtung geht, geht auch in die andere Richtung,  haben sich Rose McDermott, Dustin Tingley und Peter K. Hatemi wohl gedacht und untersucht, in welcher Weise eine geteilte politische Ideologie und entsprechend eine Sympathie mit als Wohlgeruch empfundenen Ausdünstungen einhergeht.

Was zunächst wie ein Scherz klingt, ist keiner: Die Soziobiologie macht es möglich, und der Link zwischen dem Geruch und der politischen Ideologie erfolgt über die Partnerwahl:

“… individuals tend to be more attracted to the odor of those whose major histocompatibility complex (MHC) offers optimal complementarity to one’s own” (2)”

olfactory bulbMit dem MHC wird beschrieben, dass zwischen dem Bulbus olfactorius im Gehirn, bei dem die Gerüche ankomme,n und den Amygdala, dem Zentrum der Emotionen sowie dem Hippocampus, der zentralen Erinnerungsstelle im Gehirn eine direkte Verbindung besteht, woraus manche geschlossen haben, dass es evolutionär von Vorteil ist, wenn man gleichriechende Partner auswählt, weil ein gleicher Geruch soziale und andere Kompatibilität verrät, die sich in der Aufzucht des Nachwuchses als positiv herausgestellt haben.

Von hier bis zur politischen Ideologie ist es, folgt man McDermott, Tingley und Hatemi, nur ein kurzer Weg:

“… olfactory signals communicate important characteristics of mate quality, providing an efficient evolutionary mechanism by which to enhance reproduction. In this way, attraction to the smell of those with similar attitudes may reflect the ontological remnants of a more primitive behavioral adaption designed to ensure reproductive success” (3).

Kurz: der Geruch der politischen Einstellung zieht gleichriechende, politische Eingestelltean und stößt anders riechende, politisch Eingestellte ab. Der entsprechende Mechanismus soll ein evolutionäres Erbe darstellen, denn was geschehen wäre, wenn ein linker Neanderthaler sich in einen rechten Neanderthaler verliebt hätte, man mag es sich kaum vorstellen.

“For example, greater disgust sensitivity, which is intimately interconnected with the neural substrates of smell, predicts more conservative positions, particularly around issues involving morality and sexual reproduction”. (2)

skunk pepeDas erklärt doch einiges – oder? McDermott, Tingley und Hatemi haben nicht nur behauptet, was wir berichtet haben, nein, sie haben es auch getestet. Einundzwanzig Zielsubjekte, zehn konservativ, elf liberal wurden von 125 Probanden erschnüffelt und nach dem Geruchserlebnis, wurde der Geruch auf einer Likert-Skala bewertet. Ergebnis: Der Geruch von ideologisch nahestehenden Personen wurde besser bewertet als der Geruch von ideologisch fernstehenden Personen.

Wir können feststellen: Die Auswahl von Partnern, Freunden, die ideologische Zuordnung erfolgt über den Geruch, über geruchliche Signale, die von einander ideologisch nahestehenden Personen ausgehen und entsprechend empfangen werden.

Das hat uns zu denken gegeben, und wir haben uns überlegt, wie man die Ergebnisse aus dem de facto Zweiparteiensystem der USA (konservativ – liberal) auf das Mehrparteiensystem Deutschlands übertragen könnte.

Die Antwort ist einfach. Im folgenden haben wir die geruchlichen Signale, die olfaktorischen Marker zusammengestellt, die Politiker, Anhänger und Mitläufer deutscher Parteien gemeinsam haben, die Wiedererkennungswerte, die dazu führen, dass man sich gegenseitig erkennt und attraktiv und als ideologisch auf der gleichen Wellenlänge findet.

Hier die Ergebnisse:

Partei Olfaktorischer Marker
Alternative für Deutschland Rasierwasser (nicht zu teuer), Kleiderstärke, Calvin Klein “Man”, Auto-Lufterfrischer “Ocean Fresh”
Christlich Demokratische Union Kölnisch Wasser, Babypuder, L’eau de Caméléon
Christlich Soziale Union Bierzelt, Achselschweiß, Tabak, Fettgeruch (Bratwurst und Sauerkraut)
Freie Demokratische Partei Verwesungsgeruch, Mottenkugeln
Grüne/Bündnis 90 Dung, Fusschweiß, abgestandener Pullovergeruch, Kernseife und Braunkohle-Duft (DDR-Geruch)
Piraten Toilettensteine, Benzin, Brandbeschleuniger

Das ist natürlich nur eine Auswahl der wichtigsten Gerüche. Wer aus eigener Erfahrung noch Gerüche beisteuern will, für die genannten oder von uns noch nicht berücksichtigte Parteien, der kann das gerne tun. Wir leisten hier Pionierarbeit für die Olfaktorische Theorie der Demokratie.

 

McDermott, Rose, Tingley, Rose & Hatemi, Peter K. (2014). Assortative Mating on Ideology Could Operate Thorugh Olfactory Cues. American Journal of Political Science (Online First)

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3 Responses to Der Geruch der Politiker: Olfaktorische Marker politischer Ideologie

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  2. lilulujan says:

    wie riecht wohl der anarchist oder der voluntarist? da haett ich gerne ein parfuem davon…
    gruss

  3. PRADA Bügelwasser says:

    Dann müssen Nationalsozialisten nach Kartoffeln riechen.

    Braun, deutsch, biologisch und erdgebunden. 🙂

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