Zensur im Hochschul-Totalitarismus: Universitätsdozenten als Freiheitsräuber

Szientismus ist eine Zutat zum Totalitarismus. Szientismus zeichnet sich durch eine Reihe von Einfältigkeiten aus:

  • Die Welt wird als vollkommen transparent angesehen, Zusammenhänge offenbaren sich quasi von selbst, wenn sie von Wissenschaftlern nur richtig analysiert werden.
  • Kein Bereich der Welt, ob er materiell oder spirituell ist, ob er lebt oder nicht, ist vor dem vollständigen Durchdringen durch Wissenschaft sicher. Alles ist erkenn- und erklärbar.
  • Ist das, was die “Welt im innersten zusammenhält” erst erkannt, sind die Zusammenhänge in Natur und Gesellschaft erst erforscht, dann können Menschen regelnd, planend und die Zukunft gestaltend eingreifen.

Dieser Szientismus ist das Gegenteil von Wissenschaft, denn er setzt wissenschaftliche Erkenntnis mit Wahrheit gleich, macht damit den wissenschaftlichen Prozess zu einem endlichen und leitet aus diesem umfassenden Anspruch die Berechtigung ab, in die Leben von Menschen, das Funktionieren von Gesellschaften steuernd einzugreifen. Im Gegensatz dazu ist Wissenschaft eine Methode, die dem Ziel dient, sich der Wahrheit anzunähern. Wahrheit indes, ist eine regulative Idee, denn niemand kann wissen, wann Wahrheit erreicht ist. Um sicherzustellen, dass wissenschaftliche Erkenntnis die derzeit am besten belegte Erkenntnis ist, ist Kritik die wichtigste Methode, also genau das, was Szientisten, die die Wahrheit gefunden zu haben glauben, nicht zulassen können. Kurz: Es gibt nichts, was zwischen Wissenschaft und Szientismus, wie er sich z.B. bei den Klimawandelgläubigen findet, vermittelt.



Szientismus ist ein Projekt, das in den Totalitarismus führt, Wissenschaft ein Projekt, das Freiheit voraussetzt und verteidigt.

Eine sehr gute Darstellung der Rolle des Szientismus auf dem Weg in den Totalitarismus, findet sich bei Tzvetan Todorov, den Dr. habil. Heike Diefenbach hier besprochen hat.

Bislang hatten wir den Szientismus in der Theorie, der Konzeption, nun haben wir ein Beispiel. Es kommt von der Universität Bielefeld, der Hochschule Fulda und der Hochschule der Gesundheitswissenschaft Bremen. Kevin Dadczynski, Katharina Rathmann, Melanie Messer und Orkan Okan haben sich zusammen getan, um “etwas mit Corona” zu machen, wie wir das vor einiger Zeit beschrieben haben. Herausgekommen ist dabei eine Online-Befragung, an der 14.896 Studenten teilgenommen haben, zu Fragen der “Gesundheitskompetenz”.

Die Online-Befragung, das ist wichtig, wurde von März bis April 2020 durchgeführt, also zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die internationalen Reaktionen auf SARS-CoV-2 nicht unbedingt durch Kohärenz und Konsistenz ausgezeichnet haben, zu einem Zeitpunkt, zu dem in Deutschland die verantwortlichen Politiker noch der Meinung waren, das Tragen von Masken sei nicht notwendig, eine Zeit, zu der über die Übertragungswege von SARS-CoV-2 weitgehend Uneinigkeit geherrscht hat, eine Zeit, zu der das Genom von SARS-CoV-2, vor allem wegen der sechs in ihm enthaltenen Inserts viele Fragen aufgeworfen hat, die bis heute nicht beantwortet sind, kurz, in der sich, wie das in der Wissenschaft so ist, alles im Fluss befunden hat. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Da Wissenschaft ein fortlaufendes Projekt ist, das ständig neues Wissen generiert und altes verwirft, weil es sich als falsch herausgestellt hat, kann das auch gar nicht anders sein. Es sei denn, man ist Szientist und glaubt, dass Wissenschaft in Wahrheit handelt und damit zwangsläufig (1) da endet, wo die Wahrheit gefunden ist und (2) von diesem Archimedischen Punkt aus, definitiv Aussagen darüber gemacht werden können, was richtiges und was falsches Verhalten ist.

Dass es Szientisten gibt, ist keine Neuigkeit. Die Geschichte ist voller Szientisten, die viel Leid über Gesellschaften gebracht und viel Schaden in der Wissenschaft hinterlassen haben. Dass man sie heute regelmäßig an Hochschulen und Universitäten findet, ist eine besorgniserregende Entwicklung, die ein Ergebnis der Politisierung von Hochschulen durch Genderismus und andere Spielarten des Sozialismus in Klimaforschung und Action Research und Nudging ist.



Doch nun zur Online-Befragung. Gegenstand, zur Erinnerung, waren Fragen zum Informationsverhalten und zur Fähigkeit, aufgrund eigener Recherche zu einer Urteilsbildung über SARS-CoV-2 zu kommen. Die Ergebnisse, die wir berichten, sind ausnahmslos Selbsteinschätzungen der Studenten, die an der Befragung teilgenommen haben. Niemand scheint geprüft zu haben, ob die, die von sich sagen, sie fühlten sich ausreichend informiert, auch nur ansatzweise Wissen über SARS-CoV-2 erworben haben.

  • 95% der Teilnehmer geben an, sich im Internet über SARS-CoV-2 zu informieren.
  • 80% recherchieren über Suchmaschinen (also Google), Nachrichtenportale und Webseiten von Behörden (z.B. RKI).
  • Fast 40% suchen in sozialen Medien nach Informationen.
  • Häufigster Gegenstand der Suchen: Ausbreitung des Virus, Einschränkungen des Lebensalltag, Verhaltensempfehlungen zum Schutz vor SARS-CoV-2.
  • Die Mehrheit der Befragten gibt an, keine Probleme damit zu haben, die Qualität der Informationen zu bewerten.
  • Diese Mehrheit vergessen wir nun, denn eine Minderheit von 42,3% berichtet von Schwierigkeiten, die Zuverlässigkeit digitaler Informationen zu bewerten.
  • “Insgesamt weisen Frauen gegenüber Männern ein geringere digitale Gesundheitskompetenz auf, die sich insbesondere in den Handlungsbereichen Suchen und Finden sowie Beurteilung der Qualität von digitalen Gesundheitsinformationen zeigt.”
  • Die Gesundheitskompetenz korreliert mit psychischem Wohlbefinden. Je höher ersteres, desto höher Letzteres.

Das sind die bescheidenen Ergebnisse, die in der verhältnismäßig langen Pressemeldung der Universität Bielefeld berichtet werden.

Wir wollen noch einmal betonen, dass 80% der Teilnehmer angeben, über traditionelle Wege nach Informationen suchen, während 40% sagen, sie würden in sozialen Netzwerken nach Informationen suchen.

Nun zu dem, was die angeblichen Wissenschaftler aus diesen Ergebnissen machen. Das zitieren wir am besten im Original:

” „In der aktuellen Pandemie ist eine ausreichende Gesundheitskompetenz entscheidend [wofür?]“, betont Professor Dr. Kevin Dadaczynski von der Hochschule Fulda. „In den sozialen Medien – und nicht nur dort – gibt es eine Fülle von qualitativ unterschiedlichen Informationen zum Virus. Für Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz kann diese Menge an oft widersprüchlichen Informationen psychosozial belastend und damit riskant für die Gesundheit sein“, sagt Dadaczynski.”
[…]
Die Wissenschaftler*innen raten dazu, bestehende hochschulische Beratungs- und Unterstützungsstrukturen zu stärken, um Studierende, deren Gesundheit belastet ist, im Umgang mit Gesundheitsinformationen und weiteren Belastungen aufzufangen. Sie sehen auch die Informationsanbieter*innen und Betreiber*innen von sozialen Medien in der Pflicht. Diese müssten aufgefordert werden, vertrauenswürdige Informationen bereitzustellen und Maßnahmen gegen die Verbreitung von Des- und Fehlinformationen über ihre Webseiten und Portale zu unternehmen. Denkbar und im Einklang mit bestehenden Empfehlungen sei eine Art „Digital Detox“ – also ein zurückhaltender Gebrauch digitaler Medien, um so auch die Konfrontation mit widersprüchlichen Inhalten zu begrenzen.”

Wenn es für Studenten schon psychosozial belastend sein kann, mit “widersprüchlichen Informationen” konfrontiert zu sein, dann können wir Hochschulen schließen, denn es ist gerade ein Markenzeichen von Wissenschaft, KONKURRIERENDE THEORIEN zu inkorporieren. Wissensfortschritt funktioniert über Kritik, was notwendig voraussetzt, dass man einer Hypothese, (Teilen einer) Theorie WIDERSPRICHT. Wer das nicht aushält, der ist in der Wissenschaft falsch oder (logisches oder) er ist ein Szientist, der der Ansicht ist, alles in der Wissenschaft sei eindeutig entscheidbar: Selbst im Rahmen von SARS-CoV-2 und noch mehr im Zusammenhang mit COVID-19 habe es keinerlei Wissensentwicklung gegeben und zu jedem Zeitpunkt sei genau entscheidbar gewesen, welche Information richtig und welche falsch sei. Dass eine solche, vollkommen unwissenschaftliche Haltung von Insassen öffentlicher Bildungsanstalten, die dort von Steuerzahlern finanzierte Positionen innehaben, vorgebracht wird, ist zum einen bedrückend, zum anderen zeigt es die Notwendigkeit, Hochschulen von den vielen Aktivisten, die ihre Position missbrauchen, um ein politisches Süppchen (mit) zu kochen, zu entkernen. Und ein politisches Süppchen wollen die Herrschaften, die hier etwas mit Corona gemacht haben, kochen.



Ihrem szientistischen Weltbild entsprechend, sind sie offenkundig der Meinung, es sei jederzeit entscheidbar, welche Aussage über SARS-CoV-2 gerade richtig ist und welche nicht, und vor allem sind sie der Ansicht, dass (vornehmlich weibliche) Studenten, die nicht einmal dazu in der Lage sind, sich auf Basis widerstreitender Informationen ein eigenständiges und informiertes Urteil bilden zu können, nicht an Hochschulen fehl am Platze sind, sondern im Gegenteil, in ihrer himmelschreienden Unfähigkeit, die sie zu allem, aber nicht zu einer wissenschaftlichen Karriere befähigt, geschützt werden müssen. Und weil das noch nicht reicht, wird auf Basis von 42,3% befragter Studenten, die von sich sagen, sie seien nicht in der Lage, einerseits nach Informationen zu suchen und andererseits die gefundenen Informationen sinnvoll zu verarbeiten, von denen, die Forscher sein wollen, Zensur gefordert, und zwar nicht etwa bei den Suchmaschinen und amtlichen Portalen, bei denen sich 80% der Studenten und somit auch große Teile der Unfähigen unter ihnen, informieren, sondern bei “sozialen Netzwerken”, die es auf 40% Informationssuchende unter den Befragungsteilnehmern bringen.

Man weiß gar nicht, worüber man mehr erschrecken soll,

  • darüber, dass hier unverfroren nach Zensur verlangt wird, von Personen, die an einer wissenschaftlichen Einrichtung beschäftigt sind, einer Einrichtung, deren Angehörige eine moralische Verpflichtung haben, für Freiheit, also das Gegenteil von Zensur, einzutreten;
  • darüber, dass hier die eigene Ideologie in einer bornierten Art und Weise gefeiert wird, die den opportunistischen Hass auf soziale Netzwerke einmal mehr als treibende Kraft identifiziert – opportunistisch deshalb, weil es Mode ist, auf soziale Netzwerke einzuschlagen, das gibt Fördermittel;
  • darüber, dass sich angebliche Wissenschaftler aufschwingen wollen, darüber zu entscheiden, welche Informationen freien Menschen vorenthalten werden sollen, Pseudo-Wissenschaftler, Szientisten, die damit offen sagen, dass sie Menschen daran HINDERN wollen, sich ein eigenes Urteil zu bilden;
  • oder darüber, dass all diese Anmaßungen und Unglaublichkeiten nur erklärbar sind, wenn diejenigen, die sie absondern, der vollkommen unwissenschaftlichen Ansicht sind, man könne zu jedem Zeitpunkt im Verlauf einer Entwicklung, eines Erkenntnisprozesses, genau angeben, was wahr und was falsch sei. Was suchen solche Leute an Hochschulen?

Wir haben uns vor einiger Zeit über die “Projekte”, die “etwas mit Corona” zum Gegenstand hatten und wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, lustig gemacht. Nun, Humor findet da ein Ende, wo er auf totalitäre Tendenzen trifft. Szientismus ist eine totalitäre Tendenz und die Unverfrorenheit, mit der er hier vorgetragen wird, mit der 40% der befragten Studenten, die unfähig sind, sich ein eigenes Urteil zu bilden, zum Anlass genommen werden, um eben einmal nach Zensur für alle zu schreiben, sie zeigt, dass es 5 vor 12 ist, wenn den Anfängen noch gewehrt werden soll.


Featured Image: Flickr


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