Jedes kleine Licht hält sich für eine RiesenFunzel, die anderen heimleuchten kann

Barnaby Rudge, eine der schönen dicken Novellen, die Charles Dickens hinterlassen hat, ist eine bemerkenswerte Erzählung. Barnaby Rudge ist ein sehr kräftiger junger Mann, der mental etwas retardiert ist. Wie er instrumentalisiert wird, von Mr. Gashford, dem ruchlosen Sekretär mit eigener Agenda, der für den nicht minder ehrlosen Lord George Gordon die Schmutzarbeit erledigt, das ist ein Teil der Erzählung von Charles Dickens, der Teil, der zeigt, wie naive und dumme Menschen, die Sache von anderen zu ihrer eigenen machen, weil sie plötzlich davon überzeugt sind, dass diese Sache ihre Sache sei, die Sache sei, die sie schon immer durchsetzen wollten, die Sache, die ihnen einen Sinn im Leben gibt, eine Aufgabe, eine Berufung, eine Beschäftigung.

Der andere Teil ist der Dynamik des Mobs gewidmet. In herausragend soziologischer Art und Weise stellt Dickens die Grundlagen dafür zusammen, dass viele Zusammenkommen, um aus den unterschiedlichsten Motiven dabei mitzutun, Dritte zu schädiegn, Unbeteiligte in der Regel, Leute, die das Pech haben, zur falschen Zeit am falschen Ort im London des 18. Jahrhunderts zu leben. Die Gesindel-Grundlage einer aggressiven Bewegung, für die es genügend moderne Beispiele gibt, die rauchende Ruinen hinterlassen haben, von Minneapolis über Portland bis Seattle, Charles Dickens hat sie bereits beschrieben.

Das sind zwei Zutaten, die man mischen kann:

  • Nehmen wir die Dynamik einer Bewegung, die ihren Mitgliedern eine bestimmte Form der Auszahlung verspricht, einen Nutzen, der entweder finanziell oder immateriell ist, der in vorgestelltem Status oder in einer Belohnung besteht, wie sie nur der empfinden kann, der sich gerne Lebenssinn dadurch verschafft, dass er sich zum kleinen Rädchen in einer größeren Maschinerie degradiert.
  • Ergänzen wir diese Bewegung durch den naiven Gesellen, denjenigen, der aufgrund welcher Merkmale, die in seiner Person begründet sind, auch immer, in eine Position gelangt ist, die er in keiner Weise zu füllen im Stande ist, so wie Barnaby Rudge die Position eines Anführers im Aufstand nicht ausfüllen kann, die dieses Manko entsprechend durch besonderen Einsatz für die gute Sache, besondere Zerstörungsleistungen in beiden Fällen, wettmachen müssen.

Fertig ist das, was man als das Grundgerüst heutiger Gesellschaften ansehen kann: (1) Personen in Positionen, die sie nicht füllen können, weil Kompetenz oder Intelligenz oder Fähigkeit oder Willen oder alles fehlen. (2) Personen, die sich deshalb anhängen müssen, bei einer Vorgabe, von der sie sich sozialen Status versprechen, die diese Vorgabe besonders eifrig anpreisen und besonders heftig bewerben, die sich besonders frei darin sehen, anderen die Freiheit zu bestreiten, ebenso frei zu sein.

Die folgende Pressemeldung findet sich heute in unserer Mailbox:

“Zu den Plänen einer finanziellen Entlastung von AutofahrerInnen an den Tankstellen äußert sich Claudia Kemfert, Energieökonomin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), wie folgt:

Statt reichen SUV-Fahrern die Tankfüllung zu bezahlen, sollte die Politik besser eine Lösung finden, um den wirklich Bedürftigen zu helfen, etwa in Form eines Mobilitätsgeldes für ökologisch ausgerichtete Mobilität. 20 Prozent aller Haushalte können sich gar kein Auto leisten, sind von den infolge des russischen Krieges in der Ukraine steigenden Energiekosten aber ebenfalls betroffen. Besser wäre ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld oder eine Pro-Kopf-Klimaprämie, bei der die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an alle Haushalte rückerstattet werden. Insbesondere Menschen mit niedrigen Einkommen würden davon profitieren. Auch eine Abwrackprämie für spritfressende Fahrzeuge und für Öl- und Gasheizungen wäre sinnvoll, die durch nichtfossile Alternativen ersetzt werden müssen. Es geht jetzt nicht nur darum, die Energiepreisanstiege abzumildern, sondern vor allem auch darum, die Energie- und Verkehrswende zu beschleunigen. Das ist der beste Schutz vor steigenden Preisen. Langsamer, weniger und statt allein lieber gemeinsam Auto zu fahren, spart Benzin oder Diesel und reduziert die Abhängigkeit von Putin. Jede vierte Pkw-Fahrt dient der Freizeit. Hier gilt es Alternativen zu finden, mit dem Elektrofahrrad oder der Bahn. Tempolimit und autofreie Sonntage sind ebenfalls sinnvoll.”

Greifen wir die Überschrift an dieser Stelle auf: “Jedes kleine Licht hält sich für eine RiesenFunzel, die anderen heimleuchten kann”. Ist es nicht erstaunlich, dass Leute, die auf welchen Wegen auch immer in eine Position gelangt sind, sich berufen fühlen, anderen vorzugeben, was diese anderen zu tun und zu lassen haben? Und warum fühlen sie sich berufen? Weil sie von sich der Ansicht sind, sie seien eine Art Hohepriester des guten gesellschaftlichen Lebens, der wisse, was für “uns”, “die Gesellschaft”, “die Menschen” richtig sei und was nicht. Jede vierte Pkw-Fahrt ist nicht richtig, denn sie dient der Freizeit. Glauben Sie tatsächlich, sie als einfacher Mensch, der sich ins Auto setzen und ans Meer oder in die Berge fahren will, sei dazu berechtigt? Glauben Sie, ihr persönliches Glück stehe über der gesellschaftlichen Notwendigkeit, wie sie Claudia Kemfert für sie vorgesehen hat? Da haben Sie sich geirrt, denn Kemfert, ein Missionar auf öffentlich-finanzierter Position, weiß, dass es jetzt darum geht, die Energie- und Verkehrswende zu beschleunigen.

Falls Ihnen Personen, die keinerlei Problem damit haben, in die Autonomie anderer einzugreifen, die sich, weil sie sich in ihrem Wahn auf der richtigen, der staatlichen Seite wähnen, dazu berufen fühlen, Mitmenschen zu gängeln und darüber zu entscheiden, welches Verhalten dieser Mitmenschen noch geduldet werden kann und welches nicht, etwa weil der apodiktische Charakter der Aussagen, die diese Personen absondern, so gut in das Raster passt, das schon Adorno et al. in ihrem Bemühen, die autoritäre Persönlichkeit zu beschreiben, entworfen haben, dann geht es Ihnen wie uns.

Wir haben erhebliche Probleme mit Leuten, die die Leistung, die früher der Ausweis für Kompetenz war, durch Maulübungen ersetzt haben, Maulübungen, die sich allesamt dadurch auszeichnen, dass sie GEGEN Mitbürger gerichtet sind, dass sie versuchen, auf Kosten von Mitbürgern die eigene Inkompetenz durch ein Milgramsches Manöver, Sie wissen schon, Stromschläge für Fehlverhalten verteilen, um der Obrigkeit zu zeigen, dass man ein guter A….kri..er ist, zu kaschieren.

Besonders spannend wird es dann, wenn eine “Energieökonomin” vorschlägt, die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an alle Haushalte” rückzuerstatten, weil insbesondere “Menschen mit niedrigen Einkommen” davon profitieren würden, denn dann weiß man, mit der “Ökonomin” ist kein Ökonom, keine Kenntnis in Ökonomie verbunden. Die Absurdität einer Abgabe, die rückerstattet werden soll, natürlich nicht bedingungslos, sondern gekoppelt an “Korrektverhalten”, ist schnell erzählt. 1000 Euro werden von einem Mensch mit niedrigem Einkommen über CO2-Bepreisung gestohlen, mindestens 200 Euro bleiben in der Verwaltung hängen, 800 Euro werden an denjenigen zurükgegeben, der die Kriterien der Pro-Kopf-Klimaprämie erfüllt, macht einen konsumptiven Verlust von mindestens 200 Euro in diesem Umverteilungsspiel, was zwangsläufig dazu führt, dass die “Menschen mit niedrigen Einkommen”, weniger zurückerhalten als ihnen über “CO2-Bepreisung” gestohlen wurde.  Ob die “Menschen mit niedrigem Einkommen” denken, dass sie davon profitieren?

Nein, das denkt nur die Energieökonomin, denn sie ist kein Ökonom, der Ökonomieschuh ist ihr um Meilen zu großen. Zurück zu Dickens, schon bei Barnaby Rudge, einem wirklich bemerkenswerten Buch, noch dazu eines der weniger bekannten von Dickens, ist es so, dass diejenigen, die bei sich Defizite sehen, Gashford ist ein herausragendes Beispiel dafür, denken, sie müssten diese Defizite überkompensieren. Die meisten Unglücke der Menschheit gehen von Unfähigen und Ungeeigneten aus, die ihre Defizite überkompensieren.

Wehren wir den Anfängen.

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Und das Beste haben wir noch gar nicht erwähnt: Die “Energieökonomin” will den “wirklich Bedürftigen” mit einer “Pro-Kopf-Klimaprämie” helfen, also damit, dass unabhängig von der Bedürftigkeit derselbe Betrag verteilt wird. Das ist schon ein fortgeschrittener Aufschrei eines vollständig überlasteten neuronalen Systems, das sich schon seit Jahren ob der Diskrepanz zwischen Anforderung und Leistungsvermögen, quält, von morgens bis abends quält, wie der Analphabet, der erst dann bezahlt wird, wenn er das Kreuzworträtsel richtig gelöst hat.



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