Im Westen wird es einsam: 66 Nationen fordern von UN, anstelle Propaganda zu verbreiten, den Krieg in der Ukraine durch Verhandlungen beizulegen

Wie sehr sich die Welt, die uns umgibt, verändert hat, zeigt sich vielleicht am besten daran, dass es plötzlich mit westlichen Werten vereinbar ist, Kriege zu unterstützen, sie zu führen, zur indirekten, wenn nicht direkten Kriegspartei zu werden, um besagte westlichen Werte zu verteidigen, dadurch, dass ein korruptes Regime unterstützt wird, dessen Staatsgebiet von einem Regime verkleinert wird, bei dem man nicht weiß, ob es aus Angriffslust handelt, mit einem pre-emptive Strike der Gefährdung eigener Bevölkerung zuvorkommen will oder sich in gewisser Weise in einer Notwehr-Situation befindet.

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Und das ist schon der erste Punkt, der bemerkenswert ist. Früher, als westliche Werte noch nicht per Krieg verteidigt werden mussten, haben eben diese Werte zu dem Bemühen geführt, ein Urteil auf weitgehend objektiver Basis zu treffen. Das ist heute unmöglich, denn die MS-Medien sind zu einem Propagandaarm ihrer Regierungen geworden, der von morgens bis abends die Geschichte des Überfalls auf die Ukraine verbreitet, die Geschichte, die als Wahrheit gelten soll. Keiner der angeblichen Journalisten in den MS-Medien fühlt sich auch nur aufgerufen, die Hintergründe eines Konflikts zu beleuchten, von dem man sicher eines sagen kann: Aus Lust an der militärischen Übung sind russische Truppen sicher nicht in der Ukraine einmarschiert. Es muss demnach andere Gründe geben, die bislang nicht zur Sprache gekommen sind.

Allein diese Situation der Informationsunsicherheit, in der niemand in der Öffentlichkeit und unter denen, die sich für gebildet halten, auch nur ansazuweise alle relevanten Informationen zur Verfügung hat, um sich ein Urteil zu bilden, hätte früher dazu geführt, dass mit diplomatischem Einsatz versucht wird, den Ursachen dieses Konflikts, seinen unmittelbaren Gründen auf die Spur zu kommen und denselben FRIEDLICH beizulegen.

Und gerade von dem, was zu Zeiten von Hans Dietrich Genscher oder zu Zeiten von Thorvald Stoltenberg, dem Vater des heutigen Generalsekretärs der NATA, Jens Stoltenberg oder zu Zeiten von Bjørn Tore Goda und Knut Vollebæk einmal normal war, zu Zeiten, als die Norweger wie die Deutschen als Mittler in Konflikten, als Friedensbroker bekannt waren: Diplomatie – der Versuch, Kriege schnellstmöglich zu beenden, sie am besten gar nicht erst ausbrechen zu lassen, ist heute keine Spur mehr zu finden. Indes ist es, um per Diplomatie erfolgreich zu sein, notwendig, respektiert zu werden, von beiden Konfliktparteien respektiert zu werden. Hier liegt der eigentliche Grund dafür, dass westliche Polit-Darsteller lieber Kriege treiben als zu versuchen, sie beizulegen: Welcher derzeit “amtierende” Polit-Darsteller aus EU oder einem beliebigen westlichen Staat fällt ihnen ein, dem man mit Respekt begegnet, der die Statur und die Kompetenz hat, Respekt einfordern zu können? Und natürlich ist ein Konflikt wie der zwischen der Ukraine und Russland hervorragend geeignet, um all die Folgen einer vollkommen verfehlten Pandemie-Strategie aus der eigenen Verantwortung in die des Krieges und somit Putins zu überführen. So mancher Dilettant im Amt erhofft sich damit, davon zu kommen, die eigene Verantwortung für die Zerstörung westlicher Staaten abschieben zu können.

Und weil dem so ist, gehen diplomatische Bemühungen, Versuche, den Konflikt in der Ukraine beizulegen, nur noch in Ausnahmefällen von westlichen Staaten aus. Heute kommen Initiativen, die FRIEDEN zum Gegenstand haben, aus Afrika, Asien, Südamerika und sie zeigen, dass der Westen weitgehend auf sich gestellt ist.

Haben Sie davon gehört, dass 66 Länder im Rahmen der UN Vollversammlung vom 20. bis 26. September 2022 die UN aufgefordert haben, eine diplomatische Lösung für den Konflikt in der Ukraine zu finden und den Konflikt so schnell wie nur möglich zu beenden?

Unter den Ländern, die dies fordern, befinden sich mit Bosnien-Herzegowina, Malta, Portugal und Ungarn vier europäische Staaten. Sie sind die Ausnahme in der ansonsten vier Kontinente umspannenden Initiative, an der u.a. die folgenden Länder beteiligt sind:

  • Argentinien,
  • Bahrain,
  • Bangladesch,
  • Bolivien,
  • Brasilien,
  • Kamerum,
  • China,
  • Kolumbien,
  • die Elfenbeinküste,
  • Fiji,
  • Gabun,
  • Gambia,
  • Indien,
  • Indonesien,
  • Irak,
  • Kuwait,
  • Malaysia,
  • Mauretanien,
  • Mexiko,
  • Namibia,
  • Nepal,
  • Oman,
  • Paraguay,
  • Peru,
  • Katar,
  • Saudi-Arabien,
  • Südafrika,
  • Tansania,
  • Thailand,
  • Tonga,
  • Tunesien,
  • Türkei,
  • Uruquay
  • Uganda,
  • Zambia

Das, was früher westliche Werte waren, das vornehmliche Bemühen, Konflikte friedlich beizulegen, ist offenkundig exportiert worden und findet sich nunmehr in Afrika, Arabien, Asien und Südamerika. Wir haben aus den Reden von Katalin Novak, Präsident von Ungarn und Subrahmanyam Jaishankar, Außenminister von Indien, zwei Sequenzen entnommen, die denen, die heute mit Kriegsrhetorik ausgerechnet westliche Werte verteidigen wollen, vielleicht in Erinnerung rufen, was westliche Werte eigentlich sind. Die beiden Beispiele zeigen, dass man durchaus eine eindeutige Position vertreten und Russland, wie Novak, für den Krieg in der Ukraine verantwortlich machen kann, aber dennoch die Tür zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts nicht zuschlagen muss.

Katalin Novak, President of Hungary

Russia’s war against Ukraine is a constant threat and security risk not only for the Ukrainian citizens living in the war zone, but also for all of us. The threat of escalation is a reason for worry and action.

Hungary firmly condemns Russia’s aggression against Ukraine, which has destroyed peace in Europe, caused dramatic human suffering and destruction, and has serious repercussions on the world order.

Since the beginning of this conflict, Hungarians have stood with the victims. We have been providing economic, social and humanitarian aid to Ukraine and to the Ukrainian people fleeing the war. Hungary is currently implementing the largest humanitarian operation in her recent history. The Hungarian people, churches, civil organizations, local authorities and the government gave shelter to nearly one million refugees since the outbreak of the conflict.

We have learnt that war is evil and leads nowhere. A war only has victims, and the ones with the greatest losses are families: mothers and fathers who lose their children in the battlefield, wives who lose their husbands in the fighting, children who lose their brothers, sisters in the hell of war.

… What do we want in the UN? To win the war?

We should not stand for winning any war. We need to stand for restoring peace. If there is a will, there is a way.

Hungary is a member of several allied systems. Above all, the United Nations, NATO, the European Union, the Council of Europe, and I could go on.

These organizations were created by their founding fathers to pursue peace as their fundamental goal. I could say that they were created by the desire for peace, and I am convinced that the service of peace is the foundation of their identity.

… Hungary urges fellow member states to declare peace as the major priority in the present conflict between Russia and Ukraine.

It is by no means self-evident. Today, at the time of war, energy and food crises, the organizations set up to avoid war and preserve peace are focusing on ideological indoctrination.

This is not what is needed today. Instead, we must regain our ability to distinguish between the essential and the irrelevant, the important and the unimportant, reality and fiction.

… Let me conclude by quoting Winston Churchill from 1953:

“Those who can win a war well can rarely make a good peace, and those who could make a good peace would never have won the war.”

Let us make a good peace.


Subrahmanyam Jaishankar, Minister of External Affairs of India:

As the Ukraine conflict continues to rage, we are often asked whose side we are on.

And our answer, each time, is straight and honest.

India is on the side of peace and will remain firmly there.

We are on the side that respects the UN Charter and its founding principles.

We are on the side that calls for dialogue and diplomacy as the only way out.

We are on the side of those struggling to make ends meet, even as they stare at escalating costs of food, fuel and fertilizers.

It is therefore in our collective interest to work constructively, both within the United Nations and outside, in finding an early resolution to this conflict.


Katalin Novak

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist nicht nur für die Ukrainer, die im Kriegsgebiet leben, eine konstante Bedrohung und ein Sicherheitsrisiko, sondern für uns alle. Die Gefahr einer Eskalation des Krieges ist Grund zur Sorge und Anlass zum Handeln.

Ungarn verurteilt die Agression Russlands gegen die Ukraine, die den Frieden in Europa beendet, furchtbares Leid und Zerstörung gebracht, und erhebliche Konsequenzen für die Weltordnung hat, auf das schärfste.

Seit der Konflikt begonnen hat, steht Ungarn an der Seite der Opfer. Wir haben ökonomische, soziale und humanitäre Hilfe für die Ukraine und die Flüchtlinge aus der Ukraine geleistet. Ungarn implementiert derzeit die größte humanitäre Hilfsaktion seiner Geschichte. Die ungarischen Bürger, Kirchen, Organisationen der Zivilgesellschaft, Kommunen und die Regierung haben seit Ausbruch des Krieges Unterkunft für knapp eine Million Flüchtlinge bereit gestellt.

Wir haben gelernt, dass ein Krieg schrecklich ist und zu keinem Ergebnis führt. Ein Krieg produziert nur Opfer und die größten Opfern bringen Familien, Mütter, Väter, die ihre Kinder auf dem Schlachtfeld verlieren, Frauen, die ihre Ehemänner in den Kämpfen verlieren, Kinder, die ihre Brüder, Schwestern in der Hölle des Krieges verlieren.

… Was erwarten wir von der UN? Den Krieg zu gewinnen?

Unser Ziel kann es nicht sein, den Krieg gewinnen zu wollen. Unser Ziel muss es sein, den Frieden wiederherzustellen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Ungarn ist Mitglied einer Reihe von Allianzen, vor allem den Vereinten Nationen, der NATO, der Europäischen Union, dem Europarat, und das sind nur einige.

Diese Organisationen wurden von ihren Gründern ins Leben gerufen, um die Sicherung von Frieden als ihr Hauptziel zu verfolgen. Ich könnte auch sagen, dass das Verlangen nach Frieden Grund ihrer Gründung war, und ich bin überzeugt, dass der Dienst am Frieden die Basis ihrer Identität ist.

… Ungarn fordert die Mitgliedsstaaten [der UN] dazu auf, den Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu ihrem wichtigsten Ziel zu erklären.

Das ist mitnichten selbstverständlich. Heute, in einer Zeit des Krieges, der Energie- und Nahrungsmittelkrise, heute hat sich die Organisation [die UN], die geschaffen wurde, um den Frieden zu sichern, der ideologischen Indoktrination verschrieben.

Das ist nicht, was wir heute benötigen. Stattdessen müssen wir uns zurückbesinnen auf unsere Fähigkeit, zwischen dem Wesentlichen und dem Irrelevanten zu unterscheiden, zwischen wichtigem und unwichtigem, zwischen Realität und Fiktion.

… Lassen Sie mich mit einem Zitat von Winston Churchill aus dem Jahre 1953 enden:

Diejenigen, die einen Krieg gewinnen können, bringen in den seltensten Fällen einen guten Friedenschluss zuwege, und diejenigen, die einen guten Friedenschluss erreichen könnten, haben noch nie einen Krieg gewonnen.

Lassen Sie uns einen guten Friedenschluss erreichen.


Subrahmanyam Jaishankar

Während in der Ukraine weiter ein Konflikt wütet, werden wir häufig gefragt, auf welcher Seite wir stehen.

Und unsere Antwort ist stets dieselbe, geradlinig und ehrlich.

Indien steht auf der Seite des Friedens und wird dort bleiben.

Wir stehen auf der Seite derer, die die UN-Karta und ihre Gründungsprinzipien respektieren.

Wir stehen auf der Seite derer, die Dialog und Diplomatie als einzige Wege, den Konflikt zu beenden, ansehen.

Wir stehen auf der Seite derer, die Probleme haben, über die Runden zu kommen, angesichts steigender Preise für Nahrungsmittel, Treibstoff und Düngemittel.

Es ist daher in unser aller Interesse, konstruktiv zusammenzuarbeiten, im Rahmen der Vereinten Nationen und außerhalb, um diesen Konflikt so schnell wie möglich zu beenden.


Wer hätte gedacht, dass Indien einmal zum Hort der Idee wird, die zur Gründung der Vereinten Nationen geführt hat, und wer hätte gedacht, dass man dann, wenn man westliche Werte in Aktion sehen will, nach Indien fahren muss?


Was aus dem Westen geworden ist, spottet jeder Beschreibung.



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