Alleinerziehend, weiblich, erwerbslos, ohne Ausbildung, mit Migrationshintergrund – der typische Tafel-Nutzer

Wie stellen Sie sich den typischen Tafelnutzer vor?
Wer ist auf das Angebot von Tafeln angewiesen?

Wenn man uns diese Fragen gestellt hätte, wir hätten beide Fragen FALSCH beantwortet.

Jedenfalls nicht den Ergebnissen entsprechend, die Markus Grabka und Jürgen Schupp im Wochenbericht 39 des DIW veröffentlicht haben, Ergebnisse, die auf dem SOEP, dem Sozioökonomischen Panel, einer longitudinalen Studie, für die nahezu kontinuierlich Daten gesammelt wird, basieren. Im vorliegenden Fall ersteckt sich der Erhebungszeitraum über die Monate Januar bis Dezember des Jahres 2020, wobei die meisten Daten bis Mitte Mai erhoben waren. Wir befinden uns also in dem Jahr, das Polit-Darsteller dazu genutzt haben, Freiheit und Wohlstand ihrer Bevölkerung in einem bis dato nicht gesehenen Ausmaß zu zerstören. Die Verhältnisse, vor allem die Anzahl derjenigen, die das Angebot einer Tafel nachfragen, haben sich seither verändert: Mehr Nachfragern steht ein verringertes Angebot der Tafeln gegenüber, denn die Spenden werden geringer. Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Daten ein erster Anhaltspunkt nicht nur dazu, wer die Angebote von Tafeln nachfragt, sondern auch dazu, ob Tafeln die Zielgruppe der Bevökerung erreichen, die man denken würde, dass sie erreichen.

Bevor wir die Ergebnisse des Beitrags von Grabka und Schupp berichten, ist Kritik am Beitrag notwendig, in dem KEINERLEI Information dazu gegeben wird, wie groß die Grundgesamtheit eigentlich ist, wie viele Befragte sich im Datensatz von Grabka und Schupp befinden. Statt dessen werden ausschließlich Anteile berichtet und Hochrechnungen durchgeführt:

“Nach Angaben des SOEP beläuft sich die Zahl der BesucherInnen von Tafeln im ersten Halbjahr 2020 auf knapp 1,1 Millionen Menschen, dies entspricht etwa 1,3 Prozent der Menschen in Privathaushalten”

Eine aus mehreren Gründen irritierende Aussage, denn das SOEP ist letztlich ein Datensatz, der von sich aus überhaupt nichts aussagt, auch keine Angaben machen kann. Um dem SOEP etwas an Aussage zu entlocken, muss man Daten zusammenstellen und auszählen, was Grabka und Schupp gemacht haben. Warum Sie nicht ihre Analysen, sondern das SOEP als Quelle der Erkenntnis anführen, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Nachvollziehbar ist indes, warum sie ausschließlich Anteilswerte und Hochrechnungen berichten. Jeder, der schon einmal mit dem SOEP gearbeitet hat, weiß um die Probleme, die sich mit den Fallzahlen verbinden, gerade dann verbinden, wenn es um Fragen geht, die wie im vorliegenden Fall bislang nur in einer Welle gestellt wurden. Dann gehen die Fallzahlen regelmäßig in die Knie. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass das im vorliegenden Fall anders ist, zumal Grabka und Schupp keine Angaben über die Anzahl der Befragten, auf deren Grundlage sie ihre Ergebnisse berechnet haben, machen. Eine Unterlassung, die man nicht begeht, wenn man mit Fallzahlen protzen kann.

Ergo sind die Daten mit Vorsicht, als Tendenz zu interpretieren.

Starten wir durch:

Die Tabelle zeigt Anteilswerte, die auf Grundlage einfacher Auszählungen berechnet wurden. Der Wert in der dritten Spalte ist, weil die Grundgesamtheit unbekannt ist, irrelevant, ein Ornament für diejenigen, die gerne mit aussagelosen Zahlen hantieren. Die Anteilswerte, die in den ersten beiden Spalten zusammengestellt sind, baiseren zwar auch auf einer unbekannten Grundgesamtheit, was den Prozentwert in seiner Höhe nicht interpretierbar macht. Man kann den Anteilswert der Tafrelbesucher aber mit dem Anteilswert derjenigen vergleichen, die keine Tafel besuchen und auf Basis der Größernverhältnisse grobe Aussagen wie die folgenden treffen:

Tafelbesucher finden sich eher

  • unter Migranten der ersten Generation;
  • unter Erwerbslosen;
  • unter Ledigen oder Alleinerziehenden;
  • unter Personen ohne abgeschlossene Ausbildung;

Bereits bei der Aussage zur Ausbildung haben wir Bauchschmerzen, denn offenkundig haben die Autoren den Personendatensatz genutzt und nicht den Haushaltsdatensatz, d.h. sie werten Aussagen befragter Jugendlicher (ab 16. Jahren) als Aussagen über sich und nicht über den Haushalt. Und bekanntermaßen sind die meisten Jugendlichen noch in Ausbildung, noch nicht im Beruf.

Das scheint den Autoren selbst gekommen zu sein:

Bei “Alter fallen zwei Altersgruppen ins Auge: zum einen Kinder mit einem Anteil von 25 Prozent aller TafelnutzerInnen und zum anderen die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen mit einem Anteil von 28 Prozent. Letztere dürfte die Elterngeneration der betroffenen Kinder repräsentieren”

Würden die Autoren mehr Hirnschmalz auf ihre Ergebnisse verwenden und weniger politische Korrektheit zelebrieren, dann wäre ihnen vielleicht aufgefallen, dass sie Daten aus der Personenstichprobe interpretieren, also Daten, die nicht untereinander zuordenbar sind, weil der Jugendliche, der Aussagen macht, Aussagen über einen anderen Haushalt macht als der 30 bis 44jährige, ergo kann Ersterer nicht im selben Haushalt leben, in dem Letzterer lebt.

Kurz: Die Angaben zu Alter sind wertlos, bestenfalls ein Richtwert dahingehend, dass Tafelbesucher jünger sind, als man das erwarten würde. Mit einiger Sicherheit kann man nur sagen, dass Tafelbesucher eher Migranten der ersten Generation, also aus der Generation sind, die gewandert ist, eher alleinerziehend, mit hoher Wahrscheinlichkeit erwerbslos und ohne abgeschlossene Ausbildung sind. Alle Merkmale klumpen etwas in der Gruppe der Migranten.

Die wohl größten Unterschiede zwischen Tafelnutzern und denen, die Tafeln nicht nutzen, ergeben sich neben des Erwerbsstatus mit Blick auf die Einschätzung der eigenen Gesundheit und das Vorliegen einer Erwerbsminderung. Jeweils rund doppelt so viele Tafelnutzer wie Nicht-Nutzer geben an, ihr Gesundheitszustand sei weniger gut bzw. schlecht [Ist weniger gut eigentlich weniger als zufriedenstellend? … die methodischen Standards des SOEP gehen auch immer weiter in den Keller…] und gut doppelt so viele von sich sagen, bei ihnen liege eine Erwerbsminderung bzw. eine Schwerbehinderung vor.

Letztlich sind genaue Angaben nicht möglich. Wie gesagt, die Autoren, Grabka und Schupp, geben ihre Grundgesamtheit nicht preis, eine Unterlassung, die bei jedem, der schon einmal mit dem SOEP gerechnet hat, ein Schmunzeln produzieren dürfte, angesichts bekannter Fallzahlprobleme.

Bleibt unterm Strich, dass Nutzer von Tafeln häufiger Erwerbsminderungen vorweisen, vielleicht zwangsläufig, vielleicht auch nicht, erwerbslos sind, eher in Altersgruppen zu finden sind, von denen wir es nicht erwartet hätten, häufiger als Nicht-Tafelnutzer Migranten sind, die selbst zugewandert sind, häufiger ohne eine abgeschlossene Ausbildung [mit den benannten Problemen] und häufiger alleinerziehend, Single und mit der eigenen Gesundheit unzufrieden sind

Wir hätten erwartet, dass sich mehr alte Menschen, mehr Rentner unter denen finden, die eine Tafel aufsuchen als unter denen, die eine Tafeln nicht nutzen. Offenkundig eine falsche Erwartung.

Wir haben unsere Leser auf Telegram gefragt, was sie denken, wie man den typischen Nutzer einer Tafel beschreiben kann. Hier ein paar der Antworten, die uns erreicht haben:


Die Beobachtungen und Einschätzungen unserer Leser basieren auf aktuellen Daten. Die Ergebnisse von Grabka und Schupp auf vornehmlich im Frühjahr 2020 erhobenen Daten.


Zurück zum Beitrag des DIW, das leider in den letzten Jahrzehnten von einem wissenschaftlichen Institut zu einem ideologischen Zuträger seiner politischen Herren zerschunden wurde. Ergo fügen auch Grabka und Schupp ihren deskriptiven Ergebnissen, die sie auf einer Grundgesamtheit, die sie verheimlichen, errechnet haben, den politischen BS an, den man heute leider bei gar zu vielen “Forschungen” findet.

“Letztlich stellt sich auch gerade vor dem Hintergrund der sprunghaft gestiegenen Inflation die Frage, ob es genügt, den Regelsatz wie im Bürgergeldgesetz vorgesehen als Anpassung an die Inflation auf 502 Euro anzuheben oder ob zudem geprüft werden sollte, ob der Regelsatz auf Basis einer sachgerechten Berechnungsgrundlage noch weiter erhöht werden muss. Angesichts des hohen Anteils von Kindern unter der Gruppe der Tafelnutzenden sollte neben der geplanten Erhöhung des Kindergeldes im Rahmen des Entlastungspakets auch das zweite große sozialpolitische Reformprojekt der Ampelkoalition – eine Kindergrundsicherung – zügig umgesetzt werden, um künftig Kinderarmut in Deutschland wirksam zu reduzieren und Eltern den Gang zur Tafel zu ersparen.”

Damit ist klar, welchem Herren Grabka und Schupp dienen und damit ist klar, dass sie selbst windige Daten, wie die zum Alter nutzen, um damit die übliche vorhersehbare politische Forderung zu generieren, die direkt aus dem Parteiprogramm von SPD/GRÜNEN stammen könnte. Das DIW ist letztlich zum ideologischen Mundschenk verkommen, der liefert was gerade gewünscht ist. Und weil es sozialistsichen Staatsentwürfen eigen ist, sich auf erfolgreiche private Initiativen zu setzen und diese letztlich zu zerstören, fordern Grabka und Schupp eben dieses Ende auch für Tafeln:

“Vor diesem Hintergrund sind vor allem Länder und Kommunen gefordert, einerseits lokale Tafel-Initiativen verlässlich zu unterstützen. Ein aktuelles Projekt der Bundesregierung fördert die Bemühungen, die Tafeln zu professionalisieren, um sie so zu einem niedrigschwelligen Angebot für vulnerable Bevölkerungsgruppen aufzubauen.”

Wann hätte es je eine “Professionalisierung”, die ihren Ausgangspunkt bei staatlichen Akteuren genommen hat, gegeben, die letztlich NICHT mit einer erheblichen Leistungsreduzierung der professionalisierten Anbieter, die ab sofort Diversitätskriterien erfüllen, natürlich auf Nachhaltigkeit und den richtigen Anteil LSBTIQ+ unter ihren Nutzern achten müssen und natürlich ein gendergerecht besetzten Vorstand und den sonstigen Bullshit, der in der woken Staatstonne geliefert wird, vorweisen müssen, geführt hätte? Staatlicher Eingriff zerstört private Initiative und den davon getragenen Service. Beim DIW leistet man genau dem Vorschub, muss man genau dem Vorschub leisten, weil sozialistische System aus sich heraus nichts schaffen, sie können nur übernehmen und zerstören.



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