„Ich kann einfach nicht dasitzen, während die Leute in einer Besprechung Unsinn erzählen, ohne zu sagen, dass es Unsinn ist!“ – Zum Gedenken an James D. Watson
Politische Korrektheit beschädigt das Ansehen von James D. Watson, des Mit-Entdeckers der Doppelhelix-Struktur der DNA, auch anlässlich seines Todes
Vor einigen Tagen haben wir darüber geschrieben, dass für manche Leute mit überdimensionsierter Selbstgerechtigkeit die Abrechnung mit Verstorbenen eine „gute“ und „ehrliche“ Sache ist, sind sie doch der Meinung, dass alles Schlechte, was jemand über einen Verstorbenen zu sagen hat, von dem Verstorbenen selbst zu verantworten sei, er es „verdient“ habe, seinen „(Nach)Ruf selbst [ge]schaff[en]“ habe.
Und wir haben festgehalten, dass die Abrechnung mit Verstorbenen nicht nur im Privaten eine fröhliche Existenz zu führen scheint, sondern – in subtilerer Weise, aber deutlich erkennbar auf der Grundlage derselben Verabsolutierung der eigenen Anschauungen, Werte und Urteile – auch anlässlich des Todes von öffentlich bekannten Personen zelebriert wird. Wir haben in diesem Zusammenhang an die höchst abstoßenden Freudenkundgebungen nach dem Tod von Margaret Thatcher und von Charlie Kirk erinnert, deren „Vergehen“ darin bestand, bestimmte Meinungen zu vertreten, aber nicht die Meinungen derjenigen, die sich im Besitz der alleinigen Wahrheit oder treffender: der alleinigen Urteilsmaßstäbe über de Wert eines Menschen wähnen.
Auch beim Tod von Wissenschaftlern von Statur, die auf unzweifelhaften wissenschaftlichen Leistungen basiert, macht die Abrechnung nicht halt, besonders dann nicht, wenn von weltanschaulich entsprechend geneigter Seite bereits zu Lebzeiten des Verstorbenen versucht wurde, seine Leistungen oder ihn pauschal, als Mensch, zu diskreditieren.
Das (mir bekannte) neueste Beispiel hierfür betrifft den Biologen James D. Watson, der am 6. November diesen Jahres im Alter von 97 Jahren gestorben ist. Er hat im Jahr 1953 gemeinsam mit Kollegen die molekulare Struktur der Desoxyribonukleinsäure (DNA) entdeckt und für diese Entdeckung im Jahr 1962 gemeinsam mit Francis Crick und Maurice H. F. Wilkins den Nobelpreis für Physiology oder Medizin erhalten. Die Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNA kann fraglos als ein Meilenstein in der Geschichte der Wissenschaft angesehen werden, war sie doch die Grundlage, auf der die Molekularbiologie entstehen konnte bzw. die Frage beantwortet werden konnte, wie Gene die chemischen Prozesse in Zellen steuern.
„Es ist uns nicht entgangen, dass die von uns postulierte spezifische Paarung [von Nukleinsäuren] sofort auf einen möglichen Kopiermechanismus für das genetische Material schließen lässt“,
Im Original:
„It has not escaped our notice that the specific pairing we have postulated immediately suggests a possible copying mechanism for the genetic material“,
Nobel laureate Dr. James D. Watson; by Cold Spring Harbor Laboratory -Copyrighted free use, Link
so lautet das inzwischen berühmte – und in der untertriebenen Art seiner Formulierung bemerkenswert bescheidene – Zitat des damals gerade einmal 25 Jahre alten Watson und seines Kollegen Crick aus dem im Jahr 1958 in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Artikel (Watson & Crick 1958: 737), in dem die beiden Autoren der (Fach-/)Öffentlicheit ihre Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNA vorstellten.
Im Verlauf seiner weiteren Karriere machten er und seine Kollegen am California Institute of Technology Pasadena wichtige Entdeckungen mit Bezug auf die Proteinsynthese, d.h. auf den Prozess, durch den Zellen basierend auf den „Informationen“, die in der DNA enthalten sind, Proteine herstellen und trugen damit zur Entdeckung der Funktionsweise der mRNA („messenger RNA“) bei.
Im Jahr 1965 verfasste Watson ein Lehrbuch mit dem Titel „Molecular Biology of the Gene“, das erste umfassende Lehrbuch der Molekularbiologie, das bis heute zu den im modernen universitären Biologie-Unterricht benutzten Lehrbüchern gehört. Im Jahr 1968 erhielt er das Angebot, Direktor des Biologie-Laboratoriums zu werden, das heute als Cold Spring Habor Laboratory, New York, bekannt ist. Während der 26 Jahre, in denen er dort tätig war – von 1968 bis 1994 als sein Direktor und von 1994 bis 2003 als sein Präsident –, entwickelte er das Laboratorium zu einem der führenden in der Welt, das nicht nur für die Qualität seiner Forschung, sondern auch für die Qualität seiner Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern bekannt wurde.
Als Höhepunkt der wissenschaftlichen Karriere von Watson darf seine im Jahe 1989 begonnene Tätigkeit als erster Direktor des internationalen Humangenomprojektes (Human Genome Project“ gelten, dessen Zielsetzung es war, das menschliche Genom zu entschlüssel und das seine Arbeit im September 1990 aufnahm. Im Jahr 2003 wurde die Arbeit für abgeschlossen erklärt (obwohl zu diesem Zeitpunkt „nur“ 92 Prozent des menschlichen Genoms kartiert waren). Watson hatte das Projekt allerdings bereits im Jahr 1992 verlassen, weil er gegen Versuche war, Gensequenzen zu patentieren und damit auf Widerstand bei anderen Projektmitarbeitern, insbesondere Bernadine Healy, die ihm als Direktor des Projektes nacholgte, gestossen war. Watson war der Aufassung, dass das menschliche Genom nicht Gegenstand von Eigentumsrechten sein könne, weil es Naturgesetzen unterliege. In Übereinstimmung mit dieser Auffassung veröffentlichte er die vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms online, nachdem sie ihm im Mai 2007 zugänglich gemacht worden war (hierzu und zu mehr aus Watsons Biographie bis zum Jahr 2020 s. Tan & McCoy 2020).
Watson wurde für seine Leistungen eine ganze Reihe von Ehrenwürden und Auszeichnungen aus der (fach-/)wissenschaftlichen Gemeinschaft verliehen, aber einer breiteren Öffentlichkeit dürfte er – neben seiner Eigenschaft als Nobelpeisträger für die (Mit-/)Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNA – durch sein Buch mit dem Titel „The Double Helix“ bekannt sein, das im Jahr 1968 veröffentlicht wurde und in dem er in einem lockeren Ton und lässigen Stil, inklusive Überzeichnungen der Eigenschaften der Protagonisten, die Geschichte der Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA erzählte.
Ton und Stil des Buches waren so gewählt, weil Watson vor allem junge Leute ansprechen wollte, um sie für ein naturwissenschaftliches Studium zu gewinnen und davon zu überzeugen, dass (Natur-/)Wissenschaft keine trockene Angelegenheit sei. Das Buch wurde von einer Reihe seiner Kollegen und Intellektuellen aller Art für den Stil, in dem es geschrieben war und insbesondere für seine Darstellung der Protagonisten – seine eigene Person eingeschlossen – heftig kritisiert. Es wurde aber dennoch ein großer Erfolg und wurde in den Jahren 1998 und 1999 auf der Herausgeberliste der 100 besten Sachbücher der Modern Library auf Platz 7 geführt wurde.
Aber das hat ihn weder zu seinen Lebzeiten noch nach seinem Tod davor geschützt, gleichzeitig – oft tatsächlich gleichzeitig, im selben Satz oder Abschnitt – als Person mit „tragischen Fehlern“ („tragic flaws“: Cohen 2025 ), als Person mit „rücksichtslosem Ehrgeiz und einer arroganten Missachtung der meisten seiner Kollegen“ („with ruthless ambition and an arrogant disregard for most of his peers„), sogar als „Paria“, d.h. „Ausgestoßener“ oder „Geächteter“ („pariah„) (ab-/)qualifiziert zu werden.
Auch der verbale Totschläger aller, die jemanden diskreditieren wollen, aber nichts Konkretes gegen ihn einwenden können oder wollen, nämlich die Bezeichnung als „kontrovers“ bzw. „umstritten“ („controversial“), fehlt natürlich nicht und wird in seinem Nachruf in der Zeitschrift Nature, den Jan Witkowski zu verantworten hat, gesteigert in „zutiefst umstritten“ („deeply controversial“). Zwar kann man „kontrovers“ logischerweise nicht steigern, aber mit der Logik haben es Leute, die andere Menschen diskreditieren wollen, meistens ohnehin nichts am Hut, und sie benutzen Formulierungen wie „zutiefst umstritten“, um auszudrücken, dass das Ausmaß ihrer eigenen Ablehnung der in Frage stehenden Person besonders groß ist.
Was waren seine vermeintlichen Un-/Taten, was hat solche negativen Qualifizierungen seiner Person provoziert? Es war neben Neid und Mißgunst vor allem die Tatsache, dass er sich Vorgaben politischer Korrektheit nicht unterwerfen wollte. Wenig überraschend wurden/werden die üblichen Verdächtigen die auf „-ismus“ enden, hier: „Sexismus“ und „Rassismus“, gegen ihn ins Feld geführt. Aufgrund ihrer seit Jahrzehnten praktizierten inflationären Benutzung können sie beliebig jedem unterstellt werden, wenn es opportun erscheint.
Was den Sexismus-Vorwurf betrifft, so ist er eine Konstruktion, die dazu dienen soll, Waston einen guten Teil seiner Leistung mit Bezug auf die Entdeckung der Doppelhelix-Struktur abzusprechen. Dabei geht es um die Person von Rosalind Franklin, die am King’s College in London unter der Leitung von John Randall und gemeinsam mit Maurice Wilkins die Möglichkeiten untersucht hat, Röntgenkristallographietechniken auf biologische Moleküle, insbesondere die DNA, anzuwenden. Die Beziehung zwischen Wilkins und Franklin erwies sich jedoch als sehr schwierig und beruhte von Anfang an auf einer von John Randall geschaffenen Unklarheit:
„… er [John Randall] schrieb im November 1950 an Franklin, … und erklärte, dass sie und der Doktorand Raymond Gosling die einzigen Mitarbeiter sein würden, die kristallographische Studien an der DNA durchführen würden. Randall erwähnte Wilkins ernsthaftes Interesse an der DNA nicht und teilte Wilkins auch nicht die Einzelheiten des Briefes [an Franklin] mit. Diese Auslassungen führten bald zu Missverständnissen zwischen Wilkins und Franklin – Franklin ging davon aus, dass die Röntgenbeugungsstudien der DNA allein ihr Projekt sein würden; Wilkins ging davon aus, dass sie sich dem lose organisierten Forschungsteam anschloss… Als Wilkins weiter an der DNA arbeitete und vorschlug, dass er und Franklin zusammenarbeiten sollten, ärgerte sie sich über das, was sie als Einmischung ansah. Die Situation wurde durch Persönlichkeitsunterschiede verschärft. Franklin war immer direkt, ehrlich und hatte keine Angst vor Auseinandersetzungen … Wilkins hatte eine sanftere, zurückhaltendere Persönlichkeit und fand Franklins Verhalten manchmal einschüchternd. Darüber hinaus zögerte Franklin, [von Paris aus, wo sie vorher arbeitete] nach England und in ein ihrer Ansicht nach verdummendes intellektuelles und soziales Klima zurückzukehren. Obwohl zu Randalls Mitarbeitern eine Reihe von Frauen gehörten, war das King’s College, das als Seminar für anglikanische Geistliche gegründet worden war, immer noch eine weitgehend männliche Domäne und unterhielt einen separaten Gemeinschaftsraum für Männer und einen weiteren, der sowohl Männern als auch Frauen offen stand. Franklin vermisste die egalitäre Atmosphäre von Paris schmerzlich und hielt sich möglicherweise aus Heimweh nach „le labo“ von der Mannschaft in London fern Infolgedessen arbeiteten Franklin und Wilkins im weiteren Verlauf der Arbeit an der DNA nicht in großem Umfang zusammen“.
Im Original:
„… he [John Randall] wrote to Franklin in November 1950, … and stated that she and graduate student Raymond Gosling would be the only staff doing crystallographic studies of DNA. Randall did not mention Wilkins‘ serious interest in DNA, nor did he tell Wilkins the details of the letter. These omissions soon generated misunderstandings between Wilkins and Franklin–Franklin assumed that the x-ray diffraction studies of DNA would be her project alone; Wilkins assumed that she was joining the loosely organized research team … When Wilkins continued working on DNA and suggested that he and Franklin collaborate, she resented what she regarded as interference. The situation was exacerbated by differences in personality. Franklin had always been direct, honest, and unafraid of argument … Wilkins had a gentler, more reticent personality, and found Franklin’s manner intimidating at times. Besides this, Franklin had been reluctant to return to England and to what she viewed as a stultifying intellectual and social climate. Though Randall’s staff included a number of women, King’s College, founded as a seminary for Anglican clergymen, was still a largely male preserve, maintaining a separate common room for men, and another which was open to both men and women. Franklin sorely missed the egalitarian atmosphere of Paris, and may have kept her distance from the team in London simply out of homesickness for „le labo.“ As a result, Franklin and Wilkins did not collaborate to any great extent as the work on DNA went forward“
Dies alles hat zunächst nichts mit James Watson zu tun. Watson wird im Zusammenhang mit Franklin „Sexismus“ vorgeworfen, weil er Franklin in seinem Buch „The Double Helix“ „Rosy“, den sich im Übrigen nicht Watson ausgedacht hatte, sondern Franklins unmittelbare Kollegen am King’s College nannte (was in der AI-generierten Information, die Google diesbezüglich seinen Nutzern zumutet, als ein „derogatory nickname“ bezeichnet wird) und u.a. schrieb, dass sie „hardly able to control her temper“ (Watson: 165), d.h. „kaum im Stande, ihr Temperament zu kontrollieren“, gewesen sei, und er sich fragte: „… how she would look if she took off her glasses and did something novel with her hair“ (Watson 1968: 68-69), etwas was mit hoher Wahrscheinlichkeit der Wahrheit entspricht und in wer weiß wie vielen Fällen damals wie heute etwas sein dürfte, was so mancher Wissenschaftler über seine weiblichen Kollegen denkt und dachte – und so manche Wissenschaftlerin über ihre männlichen Kollegen, aber was offen auszusprechen als „sexistisch“ durch den Feminismus zu tabuisieren versucht wurde und wird. Und als „Feministin“ wurde Franklin anscheinend von (einigen ihrer) Kollegen ansgesehen. So schreibt Watson:
„Das eigentliche Problem war Rosy. Man kam nicht umhin zu denken, dass der beste Ort für eine Feministin das Labor von jemand anderem ist“ (Watson 1968: 36),
Im Original:
„The real problem was Rosy. The thought could not be avoided that the best home for a feminist is in another person’s lab“ (Watson 1968: 36),
ein Gedanke, den ich persönlich sehr gut nachvollziehen kann. Aber Feministen legen – seltsamerweise, ob ihrer behaupteten „Emanzipation“ – großen Wert darauf, gemocht zu werden, und so steht jede Äußerung dahingehend, dass man Feministen nicht mag, (wie so Vieles andere auch) auf der Liste der tabuisierten Aussagen, Auffassungen oder Erfahrungen.
Und – und hier wird die Benutzung von Franklins Person gegen Watson höchst unappetitlich – soll Watson, wie oben bereits bemerkt, ein guter Teil seiner Leistung mit Bezug auf die Entdeckung der Doppelhelix-Struktur abgesprochen werden, indem behauptet wird, es sei ihm und Francis Crick nur gelungen, diese Struktur zu entdecken, weil ihnen – ohne Wissen oder Einwilligung durch Franklin – eine ihrer Photographien, die „Photographie 51“, zugänglich gemacht wurde, die die sogenannte „B-Form“ dieser Struktur zeigte (s. z.B. Rapoport 2002: 116).
Es trifft zu, dass der Doktorand Raymond Gosling diese Photographie im Rahmen seiner Qualifikationsarbeit Maurice Wilkins gegeben hatte und dass Wilkins Watson diese Photographie ohne Franklins Wissen zeigte, aber erstens ist dies nicht Watsons Schuld, und zweitens hat Franklin die Bedeutung dieses Photos (und anderer Photos) entweder nicht erkannt oder sie nicht mitteilen wollen, was angesichts der schwierigen Beziehungen unter den Forschern vielleicht ein Stück weit verständlich wäre. Jedenfalls hat Maurice Wilkins, der seine Autobiographie unter dem Titel „The Third Man of the Double Helix“ veröffentlicht hat, Watson die Photographie 51 gezeigt, nachdem Franklin monatelang nichts mit ihr getan und nichts von ihr gesagt habe und im Übrigen beschlossen hatte, nicht weiter an dem Projekt zu arbeiten. (Tatsächlich hat Franklin nur zwei der drei Jahre, für die sie am King’s College arbeiten sollte, absolviert.)
„Franklin legte Foto 51 beiseite, weil es nicht so viele kristallografische Informationen enthielt wie die A-Form“. Leider ist es die B-Form, die in der Natur vorkommt. Watsons Geistesblitz und sein fantasievoller Einsatz von Modellen führten zur Entdeckung der Struktur der DNA“ (Ashcroft 2015: 1440).
Im Original:
„Franklin laid Photograph 51 aside because it did not contain as much crystallographic information as the A form. Unfortunately, it is the B form that appears in nature. Watson’s flash of insight and his imaginative use of models led to the discovery of the structure of DNA“ (Ashcroft 2015: 1440).
Und deshalb hätte nicht „eigentlich“ irgendwie Franklin den Nobel-Preis für die Entdeckung der Doppelhhelix-Struktur der DNA verdient – und sie hätte ihn ohnehin nur posthum verliehen bekommen können, weil sie Jahre vor der Verleihung des Preises im Alter von nur 37 Jahren an Eierstockkrebs verstorben ist; sondern es war Watson (neben Francis Crick), der den Nobel-Preis für diese Entdeckung vollumfänglich verdient.
„Letztendlich haben jedoch weder Foto 51 noch der MRC-Bericht Watson und Crick die Doppelhelix ‘gegeben’. Was es war [dass ihnen diese Entdeckung verschafft hat], waren sechs Wochen dessen, was sie später als ‚Versuch und Irrtum‘ bezeichneten — die Durchführung chemischer Berechnungen und das Herumspielen an Pappmodellen“ (Cobb & Comfort 2023: 659).
Im Original:
„In the end, however, neither Photograph 51 nor the MRC report ‘gave’ Watson and Crick the double helix. What did was six weeks of what they later described as ‚trial and error‘ — making chemical calculations and fiddling about with cardboard models“ (Cobb & Comfort 2023: 659).
Die Darstellung von Rosalind Franklin als „unsung hero“ (Rapoport 2002: 116) – u.a. in einem Artikel über Franklin, der in „The History Teacher“ erschienen ist, in dem Watson, der Franklin kaum kannte, zu ihrem „rival“ (Rapoport 2002: 116), ihrem „Rivalen“, aufgebaut werden soll und offenbar der Geschichtsklitterung im Schulunterricht dienen soll –, und als armes, aus der wissenschaftlichen Männerwelt angeblich ausgeschlossenes Frauenopfer mag zwar in die wissenschaftshistorische Folklore, die immer auf der Suche nach einem weiblichen Rollenmodell für STEM-Fächer ist, eingegangen sein – und aller Vorraussicht nach wird sie von Watsons Demnächst-Biographen, Nathaniel Comfort, der Watson offensichtlich nicht leiden kann, wiederholt werden, aber in der Realität waren es unverträgliche Persönlichkeiten und unklare hierarchische Verhältnisse, die Probleme für Rosalind Franklin (und nicht nur für sie) am King’s College verursacht haben.
Jenifer Glyn, deren Schwester Rosalind Franklin war, schreibt im Lancet dementsprechend:
„Rosalind Franklin starb 1958 im Alter von 37 Jahren an Eierstockkrebs. Sympathie und Feminismus haben uns ihr bekanntes Bild als unterdrückte Wissenschaftlerin vermittelt, brillant, aber vernachlässigt, eine Heldin, die eine neue Generation wissenschaftlicher Mädchen inspiriert. Als Rosalinds Schwester sah ich ihre Probleme und ihre Besonderheit aus der Sicht der Familie; Ihre vielen erhaltenen Briefe nach Hause und meine eigenen Erinnerungen vermitteln ein umfassenderes Bild ihres Lebens und Charakters… Die Jahre der DNA-Forschung sind berühmt geworden, aber sie dauerten nur eine kurze Zeit in Rosalinds kurzem Leben. Sie war bei King’s [am King’s College] so unglücklich, dass sie sich trotz der überwältigenden Bedeutung der Arbeit danach sehnte, zu gehen… Sie hatte diesen Schritt bereits vor der Veröffentlichung der DNA-Struktur in den wegweisenden Artikeln in Nature im April 1953 geplant … Nun wurde eine manchmal fast bis zur Unkenntlichkeit entstellte Rosalind auf ein unrealistisches Podest gestellt. Sie ist keine Warnung mehr, sondern ‚die vergessene Heldin‘ geworden. Ihre Geschichte wurde von Feministinnen als Symbol für eine Frau übernommen, die in der Welt eines Mannes kämpft und nicht anerkannt wird. Ich denke, das hätte sie [d.h. Rosalind] fast genauso in Verlegenheit gebracht, wie Watsons Bericht [in seinem Buch ‚The Double Helix‘] sie verärgert hätte. Es passte zum Feminismus der 1960er- und 1970er-Jahre, sie als Opfer männlicher Dominanz darzustellen, aber sie hätte sich einfach als Wissenschaftlerin gesehen, deren Leistungen nach ihren eigenen Maßstäben hätten beurteilt werden müssen, nicht als ‚WissenschaftlerIN‘, die eine Lanze für die Rechte der Frauen schlug. Es ist schwer zu sagen, inwieweit die Tatsache, dass Rosalind eine Frau war, zu ihren Schwierigkeiten am King’s College beitrugen, die auch auf Missverständnissen und einem grundlegenden Persönlichkeitskonflikt beruhten … Da sie nie in das Leben im Labor integriert war, fühlte sie sich ausgegrenzt, und zwar auf eine Art und Weise, die sie möglicherweise kratzbürstiger machte und forscher auftreten ließ [als sie tatsächlich war], was die Spannungen verstärkte“ (Glynn 2012: 1094-1095).
Im Original:
By Raymond Gosling – King’s College London Archives: KDBP1/1/867. Taken from „The double helix: “Photo 51” revisited“ by Thoru Pederson (https://doi.org/10.1096/fj.202000119), Public Domain, Link
„Rosalind Franklin died of ovarian cancer in 1958 aged 37 years. Sympathy and feminism have combined to give us her familiar image as a downtrodden woman scientist, brilliant but neglected, a heroine to inspire a new generation of scientific girls. As Rosalind’s sister, I saw her problems and her distinction from a family viewpoint; her many surviving letters home and my own recollections give a fuller picture of her life and character … The years of DNA research have become famous, but they only lasted for a short part of Rosalind’s brief life. She was so unhappy at King’s that, despite the overwhelming importance of the work, she longed to leave … She had planned this move even before the publication of the DNA structure in the seminal papers in Nature in April, 1953 … Now a sometimes almost unrecognisable Rosalind has been put on an unrealistic pedestal. She is no longer a warning, but has become ‚the forgotten heroine‘. Her story has been adopted by feminists as a symbol of a woman struggling and unacknowledged in a man’s world. This would, I think, have embarrassed her almost as much as Watson’s account would have upset her. It suited the feminism of the 1960s and 1970s to portray her as a victim of male dominance, but she would have thought of herself simply as a scientist whose achievements should have been judged on their own terms, not as a ‚woman scientist‘ striking a blow for the rights of women. It is hard to say how far Rosalind’s difficulties at King’s College were added to because she was a woman, as well as arising from misunderstandings and a basic personality clash … Never integrated into the life of the lab, she felt marginalised, in a way that may well have made her more prickly and assertive, increasing the tensions“ (Glynn 2012: 1094-1095).
„[s]eit ihrem frühen Tod im Alter von 37 Jahren wird Rosalind Franklin als Opfer männlicher Vorurteile mythologisiert, als die unbesungene Heldin, die das entscheidende Röntgenfoto machte, das es James Watson und Francis Crick ermöglichte, ihr Doppelhelix-DNA-Modell zu erstellen und die zu Unrecht eines Nobelpreises beraubt wurde. Sie hätte diese Soundbite-Beschreibung weder erkannt noch unterstützt. Franklin betrachtete sich zu allererst nicht als Frau, sondern als Wissenschaftler, und ihre DNA-Forschung nahm einen relativ kurzen Zeitraum in ihrer erfolgreichen Karriere ein, in der sie an verschiedenen Themen arbeitete“.
Im Original:
„Since her early death at the age of 37, Rosalind Franklin has become mythologised as the victim of male prejudice, the unsung heroine who took the crucial X-ray photograph enabling James Watson and Francis Crick to build their double helix model of DNA, and was unjustly deprived of a Nobel Prize. She would neither have recognised nor endorsed this soundbite description. Franklin regarded herself first and foremost not as a woman, but as a scientist, and her DNA research occupied a relatively brief period in her successful career working on a variety of topics“.
Damit sollte die Diskussion um Watsons vermeintlichen Sexismus oder um Zweifel an seiner Leistung bzw. an seinem Verdienst des Nobel-Preises eigentlich ein Ende haben. Aber voraussichtlich wird der Vorwurf des Sexismus wiederholt werden, wie die uns ins Haus stehende Biographie von Watson, die Nathaniel Comfort verfasst, befürchten lässt.
In seiner Antwort auf eine Frage (im Interview mit John Cohen für die Zeitschrift Science), in der vorausgesetzt wird, was zu zeigen wäre – sie lautet: „What do you think of the widely held criticism that this was but one example of Watson’s sexism?“, d.h. „Was denken sie über die weit verbreitete Kritik, dass das [die unsägliche Franklin-Erzählung] nur ein Beispiel für Watsons Sexismus war?“ – nämlich dass Watson „sexistisch“ war, lesen wir das Folgende:
„Er hatte unglaublich gute Studentinnen in seinem Labor, die sich sehr, sehr anerkennend über ihn äußern … Aber es besteht kein Zweifel, dass er Ansichten hatte, die für moderne Augen sexistisch sind. Er hatte sehr altmodische Ideale über Frauen, eine Art Sicht der 1920er Jahre auf Frauen bis in die 1960er Jahre. Unter den Spitzenwissenschaftlern behandelte er Frauen und Männer gleich. Aber wenn sie zweitklassig oder mittelmäßig wären, würde er die Frauen schlechter behandeln als die Männer“.
Im Original:
„He had incredible woman students in his lab who speak very, very highly of him … But there’s no question he had views that to modern eyes are sexist. He had very old-fashioned ideals about women, a kind of 1920s view about women into the 1960s. Among the top scientist, he treated women and men equally. But if they were second tier or mediocre, he would treat the women worse than the men“.
Offenbar war Watson also nicht sexistisch, wie der erste Teil der Antwort belegt. Anschließend werden haltlose Behauptungen aufgestellt, an denen angeblich „kein Zweifel“ bestehen kann, und Watson werden „altmodische“ Vorstellungen von Frauen attestiert, so, als ob „altmodisch“ identisch wäre mit „sexistisch“. (Vermutlich ist das aber tatsächlich das, was politisch Korrekte durchsetzen wollen.) Und es wird suggeriert, es gebe irgendeine Datenbank, in der Watsons Studenten oder Mitarbeiter systematisch geführt würden, nach Geschlecht sortiert, und versehen mit Dokumentationen darüber, wer von ihnen wann wie von Watson „behandelt“ worden sei.
Wenn die Watson-Biographie, an der Comfort arbeitet, im Wesentlichen darin bestehen sollte, solchen Unsinn aneinanderzureihen, dann sollte sie nicht eine Biographie genannt werden, sondern eine Abrechnung durch Unterstellungen.
Was den vermeintlichen Rassismus von James Watson betrifft, so geht der Vorwurf auf einen weiteren einfachen Verstoß von Watson gegen die Verhaltensvorgaben der politischen Korrektheit zurück: Der damals 79 Jahre alte Watson hatte im Jahr 2007 in einem Interview mit der Times gesagt, er
„… habe grundsätzlich düstere Aussichten für Afrika [weil] all unsere [diesbezüglichen] Sozialpolitiken auf der Tatsache beruhen, dass ihre Intelligenz die gleiche ist wie unsere – wohingegen alle Tests sagen, nicht wirklich“.
Im Original:
„… inherently gloomy about the prospects of Africa“ [because] all our social policies are based on the fact that their intelligence is the same as ours – whereas all the testing says not really“.
Er sagte weiter, dass man nicht auf der Basis der Hautfarbe gegen Menschen diskriminieren solle, weil es viele Menschen mit dunkler Hautfarbe gebe, die sehr talentiert seien, aber man solle sie nicht befördern, wenn sie sich nicht auf einer niedrigeren Ebene bewährt hätten, eine Bemerkung, die sicherlich auf Menschen dunkler Hautfarbe ebenso zutrifft wie auf Menschen weißer Hautfarbe. Ungeachtet dessen wurde jede der – wenigen – Äußerung/en von Watson über Menschen nicht-weißer Hautfarbe als Rassismus interpretiert, und es bedarf keiner großen Phantasie, sich vorzustellen, dass – und in welcher Weise – ein politisch korrekter Mob über Watson herfiel.
Es muss sich um eine Art Rausch handeln, in dem sich mainstream-Medien verloren haben, wenn sie vor lauter politischer Korrektheit Dinge veröffentlichen, die schwerlich anders als denn als grober Unfug bezeichnet werden können, wie CNN das am 7. November anläßlich seines Todes getan hat:
„„[s]ein Vermächtnis wurde in späteren Jahren getrübt, nachdem er Schlagzeilen machte, weil er aufrührerische [!] rassistische, sexistische und homophobe Bemerkungen machte, in denen er verschiedene Gruppen von Menschen herabwürdigte und behauptete, sie hätten genetische Unterschiede“ (Hervorhebung ddA).
Im Original:
„His legacy was marred in later years after he made headlines for incendiary racist, sexist and homophobic remarks belittling various groups of people, claiming they had genetic differences“ (Hervorhebung d.d.A.).
Das ist kein Witz, das steht dort tatsächlich. Bei CNN meint man offenbar, dass der Hinweis darauf, dass manche „Gruppen von Menschen“ z.B. genetisch bedingt laktosetolerant sind, andere aber nicht und damit einen genetischen Unterschied benennt, eine Gruppe – welche von beiden?!? – „herabwürdigt“?! Oder der „genetische Unterschied“, der darin besteht, dass manche Menschen blaue Augen haben und andere grüne oder braune, eine dieser Gruppen „herabwürdigt“?
Keith Vaz, der sich in einer Position sieht, aus der er andere moralisch verurteilen kann, wurde von seinem eigenen Rentboy-Scandal eingeholt und aus dem politischen Betrieb entfernt.
Solcher Unfug ist vielleicht etwas, was man von mainstream-Medien heutzutage erwarten muss. Und vielleicht gilt das auch für Personen, die in politischer Verantwortung stehen. So sagte Keith Vaz, im Jahr 2007 Labour-Vorsitzender des Innenausschusses, es sei „traurig zu sehen, wie ein Wissenschaftler mit solchen Leistungen so unbegründete, unwissenschaftliche und äußerst beleidigende Kommentare abg[e]b[e]. Ich bin sicher [so sagte Vaz], dass die wissenschaftliche Gemeinschaft die scheinbaren persönlichen Vorurteile von Dr. Watson entschieden zurückweisen wird. Diese Kommentare erinnern an die Einstellungen, die auf höchster beruflicher Ebene noch bestehen können‘ ().
Jemand mit einem Job in der Politik maßt sich hier an, beurteilen zu können, ob Aussagen von einem „Wissenschafter mit solchen Leistungen“ „unwissenschaftlich“ sind. Und dies, obwohl Watson im besagten Interview ausdrücklich auf die Ergebnisse von „Tests“ von Intelligenz bezieht. Man würde erwarten, dass jemand, dem seine Aussage seltsam vorkommt, überrascht von ihr ist, zu allererst nach diesen Tests zu fragen oder sie selbst zu recherchieren. Aber das ist nicht geschehen; vielmehr wurde seine Aussage wie im Beispiel von Vaz gezeigt, umstandlos als „unwissenschaftlich“, als „beleidigend“ und als bloße „Einstellung“ vom Tisch gewischt.
Auf den enormen Druck der politischen Korrekten hin, dem sich Watson ausgesetzt sah, machte er einen Rückzieher und sagte in einem Statement für The Associated Press, dass er nicht verstehen könne, wie er gesagt haben könne, womit er zitiert worden wäre, weil es für eine solche Überzeugung keine wissenschaftliche Basis gebe. Aber es war zu spät: Der Vorstand des Cold Spring Harbor Laboratory, einer Forschungseinrichtung in New York, entband Watson, der dort als Kanzler fungierte, von seinen Verwaltungsaufgaben bis auf Weiteres.
Zwar erhielt Watson seine ehrenhalber verliehenen Titel zurück, nachdem er eine Entschuldigung verfasst hatte, aber nachdem Watson in einer Dokumentation gesagt hat, dass sich seine Ansichten nicht verändert hätten, wurden ihm auch diese Titel entzogen, weil Watsons Aussagen „verwerflich und nicht wissenschaftlich gestützt“ seien.
Man fragt sich unwillkürlich, was geschehen wäre, wenn man im Cold Spring Harbor Laboratory der Auffassung gewesen wäre, dass Watsons Aussagen verwerflich, aber wissenschaftlich gestützt, seien, oder nicht verwerflich und wissenschaftlich gestützt. Anders gesagt: Wofür wurde Watson bestraft, für eine vermeintliche moralische Verfehlung, oder dafür, dass er etwas sagte, was nicht wissenschaftlich gestützt sei? Ich vermute, dass der Verweis auf mangelnde wissenschaftliche Unterstützung seiner Aussage nur das Feigenblatt war, das man sich als jemand mit Anstellung an einer wissenschaftlichen Einrichtung vorhalten muss, dass es also tatsächlich um Watsons Vergehen gegen die – wissenschaflich im Übrigen nicht gestützten – Behauptungen im Kanon der politischen Korrektheit gegangen ist.
In jedem Fall hat Watsons Sohn Rufus sich gegen die Rassismus-Vorwürfe gegen seinen damals 90 Jahre alten Vater verwahrt und festgehalten, was seines Vaters Bemerkungen tatsächlich abbilden:
„Sie repräsentieren lediglich seine enge Interpretation des genetischen Schicksals … Mein Vater hatte das Labor zu seinem Leben gemacht, und nun betrachtet ihn das Labor als Belastung“.
Im Original:
„They just represent his rather narrow interpretation of genetic destiny … My dad had made the lab his life, and yet now the lab considers him a liability“.
Es sei nebenbei bemerkt, dass die Frage nach der wissenschaflichen Gestütztheit der Aussagen von Watson bei Weitem nicht so einfach zu entscheiden ist, wie die starken Bewertungen derselben Glauben machen sollen, und dies kann man in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Texten belegen, u.a. in dem diesbezüglichen Übersichtstext, den Rusthon und Jensen unter dem Titel „James Watson’s Most Inconvenient Truth: Race Realism and the Moralistic Fallacy“ im Jahr 2008 in Reaktion auf die öffentlich inszenierte Hexenjagd auf Watson verfasst haben.
Die Frage, um die es hier geht, ist aber gar nicht vor allem die, wie es sich denn nun tatsächlich mit Unterschieden zwischen Intelligenzquotienten von Menschen mit verschiedener Hautfarbe oder in geographisch verschiedenen Regionen verhält. Vielmehr ist die Frage, mit welchem Recht Menschen dafür bestraft werden sollten,
„dass [sie] klare Ansichten zu Themen äußer[n], die nach Ansicht der Elitemeinung nur mit größter Vorsicht, häufigen Haftungsausschlüssen und feierlicher Ehrerbietung gegenüber den derzeit vorherrschenden Frömmeleien diskutiert werden sollten“.
Im Original:
„… for stating forthright views on topics that elite opinion has determined should be discussed only with elaborate caution, frequent disclaimers, and solemn deference to the currently-prevailing pieties“ (Charlton 2008: 1077).
Was die Diskreditierungsversuche der Leistung und Person von James Watson betrifft, so handelt es sich dabei um einen Ausdruck des bekannten Konfliktes zwischen Ideologien bzw. ideologie-basierten Systemen und Wissenschaft, die logischerweise und praktisch nicht nebeneinander bestehen können:
„James Watson kam immer vielen Menschen frech [oder schnodderig] vor; diese unverblümte, wahrheitsgetreue Qualität war jedoch ein wesentlicher Bestandteil seiner Rolle bei einer der größten wissenschaftlichen Entdeckungen. Viel wichtiger als ‘gute Manieren’ ist, dass Watson stets die grundlegende wissenschaftliche Tugend verkörpert hat: Er spricht, was er als Wahrheit versteht, ohne Rücksicht auf die Meinung anderer“ (Charlton 2008: 1077).
Im Original:
„James Watson has always struck many people as brash; however this blunt, truth-telling quality was intrinsic to his role in one of the greatest scientific discoveries. Much more importantly than ‘good manners’, Watson has consistently exemplified the cardinal scientific virtue: he speaks what he understands to be the truth without regard for the opinion of others“ (Charlton 2008: 1077),
Wo diese Qualität nicht vorhanden ist oder verloren geht, hört Wissenschaft auf, zu sein.
Vielleicht konnte Watson seinen Frieden mit dem machen, was ihm im Namen politischer Korrektheit (und wahrscheinlich aus Motiven der Mißgunst und des Neides, wofür es belastbare Indikatoren gibt, die hier anzugeben zu weit führen würde, die ich auf Wunsch aber gerne nachliefern kann) zugefügt wurde, weil er wusste, dass sein „Problem“ in eben dieser Qualität des Wissenschaftlers bestand:
„[i]ch kann einfach nicht dasitzen, während die Leute in einer Besprechung Unsinn erzählen, ohne zu sagen, dass es Unsinn ist!“,
Im Original:
„I just can’t sit while people are saying nonsense in a meeting without saying it’s nonsense!“,
Wenn in Zukunft James D. Watsons erinnert wird, dann sollte seine Würdigung neben der Entdeckung der Doppelhelix-Struktur der DNA die Tatsache beinhalten, dass er diese größte Qualität des Wissenschaftlers verkörpert hat, die allein revolutionäre Entdeckungen ermöglicht, und für die er von Ideologen bestraft wurde.
Literatur
Ashcroft, Frances, 2015: Rosalind Franklin and Photograph 51. The Lancet 386(10002): 1439-1440
Charlton, Bruce G., 2008: First a Hero of Science and Now a Martyr to Science: The James Watson Affair – Political Correctness Crushes Free Scientific Communication. Medical Hypotheses 70(6): 1077-1080
Cobb, Matthew, & Comfort, Nathaniel, 2023: What Rosalind Franklin Truly Contributed to the Discovery of DNA’s Structure. Nature 616(7958): 657-660
Glynn, 2012: The Art of Medicine: Remembering my Sister Rosalind Franklin. The Lancet 379: 1094-1095
Rapoport, Sarah, 2002: Rosalind Franklin: Usung Hero of the DNA Revolution. The History Teacher 36(1): 116-127
Rusthon, J. Philippe, & Jensen, Arthur R., 2008: James Watson’s Most Inconvenient Truth: Race Realism and the Moralistic Fallacy. Medical Hypotheses 71(5): 629-640
Tan & McCoy 2020: James Dewey Watson (1928-): Co-Discoverer of the Structure of DNA. Singapore Medical Journal 61(10): 507-508
Watson, James D., & Crick, Francis H., 1958: Molecular Structure of Nucleic Acids: A Structure for Deoxyribose Necleic Acid. Nature 171 (4356): 737-738
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Interessante Infos über Watson.
Ein kleiner Einwurf allerdings: Es ist in der Wissenschaftswelt auch früher nicht ungewöhnlich gewesen, daß es ein Hauen und Stechen darum gibt, wer der Größte ist.
Ob Rosalind Franklin eine Frau war oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle – es bot sich damals vermutlich halt nur an, sie mit dem Etikett „Frau“ zur Seite zu drängen (so wie andersrum heute Männer von Quotenfrauen verdrängt werden).
Begabte Selbstdarsteller wie Watson verdrängten auch andere Männer. Wichtiges Beispiel ist George C Williams, der das „egoistische Gen“ formulierte, aber von Nutznießern seines Konzeptes aus der Öffentlichkeit verdrängt wurde.
Ähnlich gelagertes Beispiel von der Verdrängung von Wissenschaft durch Ideologie: die (korrekte) Äußerung des Harvard-Präsidenten Larry Summers in 2005, daß die Kurve der Verteilung des IQ bei Männern und Frauen unterschiedlich breit sei. Damit war er natürlich erledigt. Wie zu erwarten, wird seine Äußerung in Wikipedia.de „verkürzt“ wiedergegeben (ausgewogener, wie so oft, in der englischen Ausgabe).
Interessante Infos über Watson.
Ein kleiner Einwurf allerdings: Es ist in der Wissenschaftswelt auch früher nicht ungewöhnlich gewesen, daß es ein Hauen und Stechen darum gibt, wer der Größte ist.
Ob Rosalind Franklin eine Frau war oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle – es bot sich damals vermutlich halt nur an, sie mit dem Etikett „Frau“ zur Seite zu drängen (so wie andersrum heute Männer von Quotenfrauen verdrängt werden).
Begabte Selbstdarsteller wie Watson verdrängten auch andere Männer. Wichtiges Beispiel ist George C Williams, der das „egoistische Gen“ formulierte, aber von Nutznießern seines Konzeptes aus der Öffentlichkeit verdrängt wurde.
Ähnlich gelagertes Beispiel von der Verdrängung von Wissenschaft durch Ideologie: die (korrekte) Äußerung des Harvard-Präsidenten Larry Summers in 2005, daß die Kurve der Verteilung des IQ bei Männern und Frauen unterschiedlich breit sei. Damit war er natürlich erledigt. Wie zu erwarten, wird seine Äußerung in Wikipedia.de „verkürzt“ wiedergegeben (ausgewogener, wie so oft, in der englischen Ausgabe).
Beim Wort „umstritten“ muss ich immer schmunzeln. Welche Person in einer exponierten Position ist denn unumstritten?
„Wohl dem, der gelernt hat, zu ertragen, was er nicht ändern kann, und preiszugeben mit Würde, was er nicht retten kann.“ – Friedrich Schiller