Erzeugergemeinschaften: DIW-Studie bereitet Entmündigung von Eltern vor

Wir beobachten schon seit längerer Zeit eine Form der Arbeitsteilung, von der selbstverständlich nur Verschwörungstheoretiker denken, dass sie abgesprochen ist.

Sie geht wie folgt.

Ein Minister wird vorgeschickt, um eine Gesetzesänderung anzuregen. Er verlautbart z.B., dass es sinnvoll wäre, Kinder bereits ab dem dritten Lebensjahr in staatliche Verwaltung zu überstellen, oder er merkt an, dass man der Hatespeech im Internet langsam begegnen müssen. Ein anderer ist der Überzeugung man müsse den Einsatz von Glyphosat nach mehreren erfolgreichen Jahrzehnten nunmehr überdenken.

Davon auf den ersten Blick unabhängig tauchen so genannte Studien auf, in denen z.B. gezeigt worden sein soll, dass Hatespeech in Ostdeutschland weit verbreitet ist. Wie es der Zufall so will, gibt es in Ostdeutschland auch viele Nazis, wie eine andere Studie herausgefunden haben will, die – wie eine weitere Studie zu zeigen versucht, organisiert und gefährlich sind… Sie kennen das. Oder es gibt, purer Zufall natürlich, eine Studie, in der Insektensterben hochgerechnet, im wahrsten und wissenschaftlich unlautersten Sinne des Wortes hochgerechnet wird, in der Glyphosat zwar nicht als Datum vorkommt, aber als Begriff erwähnt wird. Die Studie entwickelt ein Eigenleben im Imperium gerunzelter Stirne, hinter denen ein Katastrophenszenario das nächste jagt.

Und dann gibt es Zufälle wie den, dass in Frankreich gerade eine Pflicht für Eltern beschlossen wurde, ihre Kinder ab 3 Jahren in staatliche Verwaltung zu überstellen.

Und noch ein Zufall: Das DIW veröffentlicht eine, na? Richtig, eine Studie, in der gezeigt wird, wie die Autoren der Studie behaupten, dass Kinder, die mit drei Jahren bereits in Kindertagesstätten abgeschoben wurden, in der neunten, nicht in der achten, auch nicht in der zwölften, nein in der neunten Klasse „kommunikativer und durchsetzungsfähiger“ sind als Kinder, die das Los, eine Kita besuchen zu müssen, „ungefähr“ ein Jahr später getroffen hat.

Wer wettet mit uns, dass diese „Studie“, diese JUNK-Studie in Kleinen Anfragen, Redebeiträgen im Parlament und allerlei Materialien, in denen der Vorteil einer frühkindlichen Verwaltung mit einhergehender Entmündigung der Eltern beschri(eb)en wird, Eingang findet?

Eigentlich ist JUNK-Studie für das Machwerk von Maximilian Bach, Josefine Koebe und Frauke Peter, das im neuesten DIW-Wochenbericht mit dem Titel „Früher Kita-Besuch beeinflusst Persönlichkeitseigenschaften bis ins Jugendalter“ veröffentlicht wurde, ein Lob. Besser wäre Trash-Studie oder JUNK-Trash-Kollaboration…

Die Autoren gehören zu dem, was man früher Datenfuzzis genannt hat. In Mannheim gibt es einen Datenfuzzi, der vermutlich immer noch schmollt, weil er von einem ScienceFiles-Redaktionsmitglied einmal (vor 20 Jahren) so bezeichnet und damit in fortwährendes Schweigen versetzt wurde. Aber: Datenfuzzis von früher, die konnten noch rechnen und haben nicht jeden Unsinn korreliert. Das ist heute anders.

Wir leben im Zeitalter der Bachs, Koebes und Peters, in dem man schon einmal auf die Idee kommt, dass das Alter bei Eintritt in den Kindergarten, nein, die Kindertagesstätte, die „Kita“ und nur das Alter bei Eintritt (und gar nichts anderes) dafür verantwortlich ist, dass Schüler im Alter von 15 oder 16 Jahren auf einer Skala von 5 bis 1 (trifft voll und ganz zu bis trifft überhaupt nicht zu) von sich sagen, dass sie aus sich herausgehen, gesellig und nicht zurückhaltend sind.

Wenn moderne Datenfuzzis wie Bach, Koebe und Peters Aussagen wie diese beiden in die Finger bekommen, dann wird daraus… Achtung: EXTRAVERSION. Hat man Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren erst einmal von solchen, die von sich sagen, dass sie mehr oder weniger aus sich herausgehen bzw. gesellig sind und mehr oder weniger nicht zurückhaltend sind, zu EXTRAVERTIERTEN Jugendlichen konvertiert: all hell breaks loose.

Nun werden die Jugendlichen, die faktisch gesagt haben, und zwar auf einer Skala von 5 bis 1 (trifft voll und ganz bis überhaupt nicht zu) von sich gesagt haben, dass sie aus sich herausgehen und/oder gesellig sind bzw. nicht zurückhaltend sind: „kommunikativer“ und „durchsetzungsfähiger“ als andere Jugendliche. Wohlgemerkt, niemand hat das gemessen. Die Datenfuzzis bilden sich das ein.

Nun macht die unsinnige Behauptung, Schüler, die sagen, die Aussage, sie seien gesellig oder gingen aus sich heraus treffe voll und ganz zu, eher zu, weder noch, treffe eher nicht zu, treffe überhaupt nicht zu, mit einem Mittelwert bei 3,47 also bei trifft eher zu, seien kommunikativer und durchsetzungsfähiger als andere, nur dann Spaß, wenn man die unsinnige Behauptung mit einer wilden Assoziation verbinden kann. Jugendliche, die im Alter von drei Jahren in die Kita eingeliefert wurden, seien wenn sie in der neunten Klasse angekommen sind, kommunikativer und durchsetzungsfähiger als Jugendliche, die erst mit „ungefähr“ vier Jahren in die Kita überstellt wurden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Bach, Koebe und Peter behaupten hier nicht mehr und nicht weniger als eine Kausalität: Der frühere Kita-Eintritt sei ursächlich dafür, dass die dreijährigen Kita-Eintreter 12 oder 13 Jahre später durchsetzungsfähiger und kommunikativer sind als die „ungefähr“ vierjährigen Kita-Eintreter dies 12 oder 13 Jahre später sind, wobei – um es noch einmal zu wiederholen – die drei aus dem DIW keine Daten haben, die Aussagen über Durchsetzungsfähigkeit oder Kommunikationsfrequenz zulassen.

Das macht für manche unmittelbar Sinn. Was könnte zwischen dem Alter von 3 bzw. 4 und 15 bzw. 16 Jahren schon geschehen, das den (politisch gewünschten) Effekt eines früheren Eintritts in die Kindertagesstätte vergessen lässt? Jenen Effekt, den die drei vom DIW mit dem Instrumentalvariablenansatz gemessen haben, um damit den „längerfristigen kausalen Effekt des Kita-Besuchs ab dem dritten Geburtstag … zu identifizieren“? (Das war das Zitat für all diejenigen, die nicht glauben wollten, dass Bach, Koebe, und Peter tatsächlich denken, das Alter des Kita-Eintritts sei kausal für das, was man 12/13 Jahre später als Persönlichkeitsfaktor „Extraversion“ messen kann).

Nun wird der Instrumentalvariablenansatz nicht nur deshalb von richtigen Datenfuzzis mit Argwohn betrachtet, weil er recht große Standardfehler produziert, die das Ergebnis im besten Fall insignifikant im schlechtesten Fall zu Quatsch werden lassen, er ist auch ein sehr deterministisches Verfahren, das im Gegensatz zu anderen Varianten der Regressionsanalyse davon ausgeht, dass ein Modell alle exogenen Variablen beinhaltet. Das ist eine heftige Annahme, die nur Unbedarfte machen, die denken, man könne Persönlichkeitsmerkmale, die man im Alter von 15 oder 16 Jahren misst mit ausschließlich einer Variablen, nämlich dem Alter bei Überstellung in die Kita erklären.

Dagegen sind Forscher eher vorsichtig und immer der Ansicht, ihr Modell könnte nicht vollständig sein, es könnte noch andere Variablen als das Kita-Eintrittsalter geben, die einen Effekt auf die Persönlichkeit von Kindern haben, Eltern zum Beispiel, Erfolge in der Schule, im Sport, Hobbies, Peers, VNV-Nation, der 1. FC Kaiserslautern, Kartoffelpfannkuchen und Ritterfiguren, die in Rohren verloren wurden … Nein, die haben keinen Einfluss. Bach, Koebe und Peter haben es verkündet und mit dem Instrumentalvariablenansatz nachgewiesen, was kein Problem ist, da der IV-Ansatz, wie er bei Bach, Koebe und Peter kenntnisreich abgekürzt wird, keinen Fehlerterm in seinen Modellen duldet. Alles wird erklärt. Alles wird mit dem erklärt, was im Modell ist. Und wenn im Modell nur das Eintrittsalter in die Kita enthalten ist, um Persönlichkeitsmerkmale 12/13 Jahre später zu erklären, dann erklärt auch nur das Kita-Eintrittsalter.

Aber, man ist vor Irrem und Wahnsinnigem nicht gefeit, wenn moderne Datenfuzzis, also nicht die alten, die noch wussten, was sie tun, zumindest mathematisch, wüten: Bach, Koebe und Peter erklären in ihren Modellen nicht die Persönlichkeitsmerkmale von Jugendlichen im Alter von 15 oder 16 Jahren mit deren Eintrittsalter in die Kindertagesstätte, sondern das Eintrittsalter in die Kindertagesstätte im Alter von drei oder vier Jahren mit den Persönlichkeitsmerkmalen im Alter von 15 bzw. 16 Jahren, eben zum Zeitpunkt der Befragung. Moderne Datenfuzzis halten nichts mehr von Chronologie und einer konsequenten Trennung zwischen abhängigen und unabhängigen Variablen: anything goes, nothing works und alles wird interpretiert.

Und noch ein Lesebeispiel: „Jugendliche, die ungefähr ein Jahr früher als andere erstmals eine Kita besuchten, sind um 0,23 Punkte kommunikativer“.

Um 0,23 Punkte, das muss man sich einmal vorstellen.
Und alles, wegen eines um ein Jahr längeren Kita-Besuchs. 0,23 Punkte. Phänomenal. Zumal die Kommunikationsintensität gar nicht gemessen wurde. Eine wirkliche Eingebung dieses Ergebnis. 

Wenn es darum geht, politische Zuarbeit zu leisten, dann gibt es für JUNK/TRASH-Studien keinen Boden, dann ist der Boden mindestens 0,23 Punkte tiefer als beim letzten Mal, das DIW hat Junk/Trash-Studien auf ein um den Faktor 0,23 tieferes Niveau abgesenkt – oder so!


Hat Ihnen der Beitrag gefallen?
Dann unterstützen Sie ScienceFiles!

5 Euro

10 Euro

20 Euro

50 Euro

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles
©ScienceFiles

Kinderstasi? Wer Kinder bekommt, gefährdet seine Freiheit

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es derzeit so viele gute Menschen gibt, die sich dazu berufen fühlen, sich um die Kinder anderer Menschen zu kümmern – neben der Tatsache, dass die guten Menschen ihren Unterhalt damit bestreiten, sich um die Kinder anderer Menschen kümmern zu wollen, unabhängig davon, ob diese anderen das wiederum wollen oder nicht?

Wir fragen uns das regelmäßig, wenn wieder einer des Weges kommt, und nach Kinderrechten, deren Verankerung im Grundgesetz, der Einrichtung von Bundeskinderbeauftragten, Landeskinderbeauftragten und unabhängiger Beschwerdemöglichkeiten für Kinder schreit.

Als Antwort fällt uns dann regelmäßig die folgende Passage aus George Orwells 1984 ein, die allerdings längst von der Realität überholt wurde …

1984“There was a direct intimate connexion between chastity and political orthodoxy. For how could the fear, the hatred, and the lunatic credulity which the Party needed in its members be kept at the right pitch, except by bottling down some powerful instinct and using it as a driving force? The sex impulse was dangerous to the Party, and the Party had turned it to account. They had played a similar trick with the instinct of parenthood. The family could not actually be abolished, and, indeed, people were encouraged to be fond of their children, in almost the old-fashioned way. The children, on the other hand, were systematically turned against their parents and taught to spy on them and report their deviations. The family had become in effect an extension of the Thought Police. It was a device by means of which everyone could be surrounded night and day by informers who knew him intimately” (George Orwell: 1984).

Wenn Dritte sich Zugriff auf die Kinder anderer sichern wollen, dann kann man ziemlich sicher sein, dass es nicht darum geht, diesen Kindern etwas Gutes zu tun, sondern darum, die Kinder anderer als Mittel zu missbrauchen, um Kontrolle über die Eltern auszuüben. In den Worten von Sebastian Sedlmayr vom deutschen Komitee für UNICEF, der gerade in einer öffentlichen Anhörung des Familienausschusses als Sachverständiger gehört wurde, hört sich das dann so an, dass Kinder “zwar laut Bundesverfassungsgericht Grundrechtsträger [seien, sie] könnten die ihnen zustehenden Rechte in der Praxis aber nur über ihre Eltern ausüben”.

Es geht also darum, Kindern Zugänge zu Dritten zu schaffen, die dann die Rechte, die bislang von Eltern für Kinder wahrgenommen wurden, anstelle der Eltern für die Kinder wahrnehmen sollen.

Warum sollte man eine derartige Entmündigung von Eltern betreiben wollen, wenn man nicht die Kontrolle von Eltern im Sinn hat und diese Kontrolle hinter Worten wie “Kinderrechte” und “Kinderwohl” versteckt? Fällt Ihnen etwas dazu ein? Uns nicht.

Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass die Schaffung von Kinderrechten genutzt wird, um Freiheitsrechte, in diesem Fall Erziehungsrechte von Eltern zu beseitigen. Insofern sind wir Sebastian Sedlmayr vom deutschen Komitee für UNICEF dankbar, dass er unsere Vermutung so eindrucksvoll bestätigt hat.

Und bevor nun ein Schlaumeier des Weges kommt und meint bemerken zu müssen, dass es Eltern gibt, die ihre Erziehungsrechte missbrauchen, unser Hinweis darauf, dass es (1) keinerlei Daten dazu gibt, dass sich die Lebenschancen von Kindern, die ihren Eltern durch z.B. das Jugendamt entzogen wurden, dadurch verbessert hätten. Die miserablen Bildungs- und Karriereaussichten von Heimkindern belegen hier eher das Gegenteil, nämlich dass ein staatlicher Eingriff in die Erziehungsrechte von Eltern den Kindern, die davon betroffen sind, schadet. Und (2) noch der Hinweis, dass es keinerlei Informationen dazu gibt, was die Kinder, deren Rechte Ämter, Beauftragte und Sozialarbeiter für sie wahrnehmen, davon halten, dass sie nunmehr von staatlichen Angestellten und nicht mehr von ihren Eltern bevormundet werden.

Haben Sie Fragen oder Anregungen?
Kontaktieren Sie uns

ScienceFiles ist ein Non-Profit-Blog. Damit wir unser Angebot aufrechterhalten und vielleicht sogar ausbauen können, benötigen wir Ihre Unterstützung
durch eine Spende (via Paypal) durch eine Spende (via Banküberweisung) als ScienceFiles-Clubmitglied
  • Bank: Tescobank plc.
  • Accountname: ScienceFiles-Account
  • BIC: TPFGGB2EXXX
  • IBAN: GB40TPFG40642010588246
  • Kontoinhaber: Michael Klein
  • Bankgebühren umgehen mit Transferwise

Bundesverfassungsgericht stellt eindeutig fest: Kinder gehören dem Staat

Bereits am 15. Oktober, wie jetzt bekannt wurde, hat die Zweite Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts, namentlich die Richter Herbert Landau, Sibylle Kessal-Wulf und Doris König entschieden, dass dann, wenn es um die Bildung von Kindern geht, Kinder dem Staat gehören.

Das Urteil 2 BvR 920/14 ist auf den Seiten des Bundesverfassungsgerichts abrufbar.

Die interessanten Absätze finden sich unter den Randnummern 22 und 25.

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenGeklagt haben Eltern aus Hessen, die ihre neun (!sic) Kinder seit Jahren im Hausunterricht unterrichten gegen ihre Verurteilung nach §182 Abs. 1 des Hessischen Schulgesetzes und wegen Entziehen von Schulpflicht. In Hessen und in vier weiteren Bundesländern (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland) ist es eine Straftat, wenn Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Da die Eltern im vorliegenden Fall zu einer Geldstrafe von je 140 Tagessätzen á 5 Euro verurteilt wurden, gelten sie somit als vorbestraft.

§182 des Hessischen Schulgesetzes lautet wie folgt:
(1) Wer einen anderen der Schulpflicht dauernd oder hartnäckig wiederholt entzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.
(2) Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Antragsberechtigt ist die untere Schulaufsichtsbehörde. Der Antrag kann zurückgenommen werden.

Die Verfassungsklage der Eltern gegen ihre Verurteilung wurde von den Richtern der Zweiten Kammer des Zweiten Senats nicht angenommen, d.h. die Verurteilung der beiden Erziehungsberechtigten ist damit rechtskräftig.

Interessant an dem Urteil sind, wie gesagt, zwei Absätze.

So findet sich unter der Randnummer 22 folgende Ausführung:

“Der Landesgesetzgeber, der in § 182 Abs. 1 HessSchulG das Entziehen anderer von der Schulpflicht unter Strafe stellt, greift zwar in das Erziehungsrecht der Eltern aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und – wie hier angesichts der von den Beschwerdeführern geltend gemachten Glaubens- und Gewissensgründe – in deren Glaubensfreiheit aus Art. 4 Abs. 1 GG ein […] Jedoch hat bereits die 1. Kammer des Zweiten Senats in ihrem Nichtannahmebeschluss vom 31. Mai 2006 – 2 BvR 1693/04 – (vgl. BVerfGK 8, 151 ) in Ansehung der Strafnorm des § 182 Abs. 1 HessSchulG ausgeführt, dass die Verpflichtung der Beschwerdeführer, ihre Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen, eine zulässige Beschränkung ihres Erziehungsrechts darstelle. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der in Art. 7 Abs. 1 GG verankerte staatliche Erziehungsauftrag der Schule dem elterlichen Erziehungsrecht gleichgeordnet ist […], unterliegt es – auch im Lichte des Art. 4 Abs. 1 GG, der Einschränkungen zugänglich ist, die sich aus der Verfassung selbst ergeben – keinen verfassungsrechtlichen Bedenken, die Beachtung der Schulpflicht von den Erziehungsberechtigten dadurch einzufordern, dass der (Landes-)Gesetzgeber entsprechende Strafvorschriften schafft und die Strafgerichte bei deren Verletzung Geld- oder Freiheitsstrafen verhängen.”

Weil also das elterliche Erziehungsrecht dem im Grundgesetz verankerten Erziehungsauftrag der Schulen “gleichgeordnet” ist, deshalb ist der Eingriff über die Schulpflicht in das Erziehungsrecht der Eltern rechtens. Das ist höchstrichterliche Rabulistk, die man auch anders formulieren kann: Wann immer die Interessen des Staates den Interessen von Individuen gleichgestellt sind, sind die Interessen des Staates wichtiger und damit die Interessen der Individuen eben nicht gleichgestellt. Juristen mögen es eben, Absurditäten und Widersprüche zu formulieren.

Noch deutlicher als im vorliegenden Absatz werden die Verfassungsgerechten im Absatz, der Randnummer 25 folgt:

Knast

Schule oder Knast!

“Sie haben insbesondere die Ausstrahlungswirkung des elterlichen Erziehungsrechts der Beschwerdeführer aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und deren gewissensgeleitete Entscheidung in den Blick genommen, ihre Kinder aus Glaubensgründen vom Unterricht fernzuhalten. Dass nach den von den Fachgerichten getroffenen Feststellungen das Wohl der Kinder nicht gefährdet gewesen ist, die fünf ältesten Kinder sogar gute bis sehr gute Schulabschlüsse erlangt und den Berufseinstieg gemeistert haben, vermag nichts an der Verpflichtung zu ändern, die Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen. Denn die Allgemeinheit hat ein berechtigtes Interesse daran, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenzuwirken und Minderheiten zu integrieren. Selbst ein mit erfolgreichen Ergebnissen einhergehender Hausunterricht verhindert nicht, dass sich die Kinder vor einem Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen verschließen, und ist deshalb nicht geeignet, die insbesondere in einer Klassengemeinschaft gelebte Toleranz gegenüber einem breiten Meinungsspektrum nachhaltig zu fördern (vgl. BVerfGK 8, 151 ).

Verfassungsgerechte schießen gerne mit Kanonen auf Spatzen. Weil ein Elternpaar aus Hessen seine Kinder selbst unterrichtet, und zwar mit Erfolg selbst unterrichtet, steht zu befürchten, dass eine Parallelgesellschaft entsteht, eine weltanschauliche motivierte noch dazu. Deshalb, und um Minderheiten zu integrieren, dürfen die christlichen Eltern, die von den drei Verfassungsweisen aus Karlsruhe wohl als christliche Minderheit angesehen werden, ihre Kinder nicht selbst und nicht zuhause unterrichten. Dass es im deutschen Bildungssystem nicht um Meritokratie und erfolgreiche Wissensvermittlung geht, man könnte es nicht deutlicher machen.

Besonders amüsant ist es, wenn die Verfassungsgerechten behaupten, dass ein erfolgreicher Hausunterricht nicht verhindern würde, dass sich die hausunterrichteten Kinder dem Dialog mit “Andersdenkenden und -gläubigen” verschließen würden. Diese Erkenntnis hat vermutlich der heilige Verfassungsgeist auf den Zeilengläubigen aus Karlsruhe verteilt, denn Fakten, die ihre Behauptung stützen könnten, haben die Eingebungsvollen nicht.

Lächerlich wird das Urteil dann, wenn öffentliche Schulen als Paradies der Toleranz dargestellt werden. Angesichts eines derartigen Unsinns, der mit Realitäten an deutschen Schulen, wie wir sie z.B. anhand des männerhassenden Curriculums an bayerischen Schulen dargestellt haben, nichts zu tun hat, kann man sich nur fragen: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

So  hört man doch allerorten Klagen über die vielen Intoleranten, die in Deutschland z.B. Genderismus oder Diversität ablehnen. Dass diese vermeintlich Intoleranten und nicht zuletzt die Verfassungsrichter selbst, durch das deutsche Bildungssystem gegangen sind und nicht zu Hause unterrichtet wurden, lässt die Toleranz-Paradies-Vorstellung der Verfassungsgerechten irgendwo zwischen lächerlich und absurd zurück und man fragt sich abermals: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

Da Karlsruhe zwar auf der falschen Seite des Rheines, aber doch in Deutschland liegt, kann man diese Frage, nur dahingehend beantworten, dass die drei Verfassungsausleger in einem Land leben, in dem die Ideologie vor der Realität kommt – in einem Land, in dem Hausunterricht aus Prinzip verboten ist. Egal, ob Eltern eine erfolgreiche Unterrichtung ihrer Kinder erreichen können oder nicht.

Da der Erfolg der unterrichteten Kinder auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt offensichtlich kein Kriterium ist, dem von den Verfassungsrichterlichen eine Bedeutung zugewiesen wird, bleibt nur die ideologische Indoktrination, wie sie an öffentlichen Schulen erfolgt, als Begründung dafür, dass Hausunterricht nach Ansicht der drei aus dem Verfassungsland strafrechtlich verfolgt und Hausunterrichter zu Vorbestraften gemacht und mit Steuerhinterziehern, Körperverletzern und Unfallflüchtigen gleich gestellt werden.

So wichtig ist die ideologische Indoktrination, die als Erziehung zur Toleranz verkauft wird, dass die drei Weisen aus dem Verfassungsland nicht davor zurückschrecken, ein Geschütz wie die Schaffung einer Parallelgesellschaft aufzufahren, um damit auf die wenigen Spatzen zu schießen, die überhaupt Hausunterricht durchführen wollen.

Hier steht wohl viel auf dem Spiel, so dass Eltern in Deutschland klipp und klar erklärt werden muss, dass der Staat sein Indoktrinations- und Ideologisierungsmonopol im Bereich der Bildung nicht aufzugeben gedenkt.

Kinder gehören dem Staat, und wer das nicht einsehen will, geht demnächst in den Knast.

Translate »
error: Content is protected !!