Fake Journalismus zu “Fake Science”: Fake News-Märchenstunde bei der ARD

Nicht auf dem Kinderkanal – bei der Tagesschau findet sich das folgende Märchen:

Es war einmal eine wissenschaftliche Wahrheit. Die war schüchtern, aber stolz. Sie war so schüchtern, dass sie sich nur in Teilen zu erkennen geben wollte. Und nur ausgewählten Priestern der Wahrheit wollte sie sich zu erkennen geben. Nun begab es sich aber, dass sehr viel über die wissenschaftliche Wahrheit spekuliert und vor allem: geschrieben wurde. Zu viel für die eitle Wissenschaft, die nur autorisierte und wahre Aspekte ihrer Wahrheit preisgeben wollte. Also wandte sich die wissenschaftliche Wahrheit an rechtschaffene Männer, die in rechtschaffenen Verlagen nur rechtschaffene Schriften herausgaben und gab ihnen auf, mit einem Peer Review Prozess dafür zu sorgen, dass nur die korrekten Teile der wissenschaftlichen Wahrheit ans Tageslicht der Öffentlichkeit gelangen.

Soweit das Vormärchen.

Weiter bei der Tagesschau:

Gretel und Seppl, nein, Svea Eckert und Peter Hornung vom NDR haben den Räuber Hotzenplotz gefunden. Der Räuber Hotzenplotz betreibt mindestens fünf Verlage und veröffentlicht dort wissenschaftliche Artikel, die gar nicht Peer reviewed sind. Das behaupten zumindest, Gretel und Seppl, sorry: Eckert und Hornung. Auf ihren Recherchen sind sie auf „400.000 Forscherinnen und Forscher“ getroffen, darunter „mehr als 5.000 Forscherinnen und Forscher deutscher Hochschulen“ (also z.B. 399.999), die in den „wertlosen Online-Fachzeitschriften scheinwissenschaftlicher Verlage“, wo „jeder veröffentlichen“ kann, „was er will“, genau das getan haben, veröffentlicht, was sie wollen, Un-Peer-Reviewed.

So jedenfalls die Behauptung von Eckert und Hornung vom NDR, die viel heiße Luft verbreiten, aber wenig Konkretes. Verlage in Südasien, der Golfregion, in Afrika oder der Türkei würden harmlose, gutgläubige und wahrheitsfürchtige deutsche Wissenschaftler dazu bringen, bei ihnen zu veröffentlichen, mit dem Versprechen, die Veröffentlichung sei Peer reviewed, was sie jedoch nicht ist, wie Eckert und Hornung behaupten, ohne Beleg und lediglich mit dem Verweis auf OMICS ein Unternehmen, dem die Federal Trade Commission der USA vorwirft, Wissenschaftler mit der Behauptung, ihre Beiträge würden vor der Veröffentlichung Peer reviewed, in die Irre zu führen, da die Review nie erfolge. OMICS bestreitet diese Vorwürfe.

Das hindert Eckert und Hornung nicht daran, ihre Geschichte weiter zu spinnen und darauf hinzuweisen, dass vor allem Klimaskeptiker und deutsche Pharmafirmen sich der „scheinwissenschaftlichen Verlage“ bedienten. Die Erzählung aus 1001 Phantasie, 2002 Boshaftigkeit und 3003 Naivität, endet mit dem üblichen zu-Wort-Kommen deutscher Wissenschaftler, die einmal mehr versuchen, einer Qualle Konkurrenz in Rückgrat zu machen. Man habe nicht gewusst, wo man veröffentliche, sagt einer von ihnen.

Genug der Märchen.

Fassen wir die wesentlichen Punkte zusammen, die Eckert und Hornung ihren Lesern weismachen wollen:

  • Es gibt Forscher, die in Zeitschriften veröffentlichen, die nicht Peer reviewed sind.
  • Nur Peer reviewed Zeitschriften beinhalten wissenschaftliche Texte von Qualität alle anderen Zeitschriften sind “scheinwissenschaftlich”.
  • Die Peer Review ist ein Prozess, in dessen Verlauf, wie Eckert und Hornung schreiben, ein Beitrag, der zur Veröffentlichung eingereicht wurde, auf Wissenschaftlichkeit geprüft wird. „Sind die Erkenntnisse neu? Ist die Forschungsfrage und die Methodik passend? Sind die Ergebnisse reproduzierbar?”

[“Haben Eckert und Hornung den Arsch offen?”]

Sorry, das war ein O-Ton aus der Redaktion, der hier eigentlich nicht hätte veröffentlicht werden sollen, schließlich sind unsere Texte Peer reviewed.
Ist der Beitrag von Eckert und Hornung eigentlich Peer reviewed oder kann bei der Tagesschau jeder schreiben, was er will, ohne dass die Qualität dessen, was geschrieben wurde, geprüft wird oder gar die Folgen?

Die haben nicht alle Tassen im Schrank ist übrigens eine der Meinungen aus der Redaktion, die man eher hätte veröffentlichen können. Auch „Die haben von Wissenschaft keine Ahnung“ wäre eine sozial verträglichere Formulierung gewesen als „Die haben den Arsch offen“. Zum Glück sind wir Peer reviewed und können diesen Lapsus hiermit beseitigen, vergessen Sie also, dass Sie es gelesen haben.

Aber fest steht: Eckert und Hornung haben keine Annung von der Welt wissenschaftlicher Peer Review, über die sie hier schreiben und den Stab brechen wollen. Sie wissen nicht, dass es in der Wissenschaft seit Jahren eine Diskussion darüber gibt, ob es noch sinnvoll ist, Peer Reviews durchzuführen, geschweige denn, ob es jemals sinnvoll war.

Warum?

Der Prozess ist lange, eingereichte Beiträge warten oft Jahre auf eine Veröffentlichung und sind, wenn sie dann veröffentlicht werden, regelmäßig veraltet oder von der Entwicklung überholt.

Diejenigen, die Peer Reviews durchführen, sind oftmals nicht qualifiziert, um das, was andere geforscht haben, tatsächlich beurteilen zu können, oder sie sind nicht motiviert genug, um das, was andere geschrieben haben, komplett zu lesen und nachzuvollziehen. Als Konsequenz erhalten die Autoren von Beiträgen oft hanebüchene oder an Allgemeinheit und Nutzlosigkeit kaum zu überbietende Hinweise zu ihren Beiträgen oder – wenn eine Feministin als Peer reviewed – häufig den Hinweis, dass ihr die Ergebnisse nicht gefallen haben. Das Problem der Eignung derer, die Peer Reviews erstellen sollen, ist deshalb ein heiß diskutiertes Problem. Aber das wissen Eckert und Hornung natürlich nicht. Einer der großen alten Männer der Sozialpsychologie, Thomas F. Pettigrew, dessen Kompetenz niemand in Frage stellen wird, hat schon vor Jahren aufgehört, in Peer reviewed Zeitschriften zu veröffentlichen. Die Gründe haben wir gerade dargelegt.

Peer Reviews haben mitnichten zur Folge, dass die veröffentlichten Texte wissenschaftlichen Qualitätskriterien der Validität und der Reliabilität genügen. (Übrigens prüft kein Peer die „Reproduzierbarkeit der Ergebnisse“ im Peer Review Prozess, wie die ahnungslosen Eckert und Hornung behaupten. Dazu benötigte man die Rohdaten und müsste die Vorgehensweise replizieren, was den sowieso schon langsamen Review-Prozess auf Jahre zum Stillstand brächte). Die beiden Beispiele dafür sind die Arbeit von Alain Sokal und von Peter Boghossian und James A. Lindsay. Sokal hat 1996 einen Beitrag mit dem Titel „Transgressing the Boundaries: Toward a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity” in der Zeitschrift “Social Text” veröffentlicht. Der Text besteht aus einer Ansammlung von Zitaten bekannter französischer und amerikanischer angeblicher Philosophen der Postmoderne. Sokal hat den “Glue” geliefert, der die Zitate in all ihrer Absurdität und Falschheit aneinanderreiht. Der Text ist ein Scherz, der keinerlei Sinn transportiert, im Gegenteil, widerspricht das, was Sokal schreibt, einer Vielzahl etablierten Erkenntnisse. Der Text wurde dennoch veröffentlicht. Nach einer Peer Review.

Ein anderes Beispiel ist der konzeptionelle Penis, den Peter Boghossian und James A. Lindsay erfunden haben. Sie zeigen in einer Studie, dass Penisse nicht existieren, dass sie ein inkohärentes Konstrukt sind. Der Text wurde in „Cogent Social Science“ veröffentlicht, einer Zeitschrift, die damit wirbt, „fully peer reviewed“ zu sein.

Nur Ahnungslose, Obrigkeitsgläubige oder Bürokraten können der Ansicht sein, in Peer reviewed Zeitschriften fänden sich wissenschaftliche Texte mit Gütesiegel und Haltbarkeitsgarantie.


Aber weiter im Text:


Wir haben auf ScienceFiles unzählige wissenschaftliche Beiträge aus Peer reviewed Zeitschriften besprochen und als Junk Science entlarvt.


Das Blog „Retraction Watch“ sammelt seit Jahren die Beiträge, die aus „Peer reviewed Zeitschriften“ zurückgezogen werden, weil sich die Daten als falsch erwiesen haben, der Text Fehler enthält, die Autoren sich einen Besseren besonnen haben oder der Verlag kein Peer Review Verfahren durchgeführt hat, sondern ein „Fake Peer Review Verfahren“. Springer hat gerade 107 Beiträge aus der Zeitschrift „Tumor Biology“ zurückgezogen, weil die Peer Review, die angeblich durchgeführt worden sein soll, nie durchgeführt wurde.

Der Jahresrücklick für 2017 aus Peer reviewed Zeitschriften zurückgezogener Texte, den Retraction Watch regelmäßig erstellt, kann übrigens hier gefunden werden.

Eine Suche in der Datenbank von Retraction Watch, die Artikel zum Gegenstand hat, die Springer allein 2017 zurückgezogen hat, erbringt 237 Artikel.

Im selben Zeitraum hat Sage 33 Artikel zurückgezogen.

Wie man auf die Idee kommen kann, eine Peer Review würde sicherstellen, dass veröffentlichte Texte seltener Junk sind als Text, die den Prozess der Peer Review nicht durchlaufen haben, ist uns nur dann nachvollziehbar, wenn wir den beiden Ahnungslosen vom NDR zugute halten, dass sie a) nicht von einem Verlag, der ein Interesse daran hat, andere Verlage in einem schlechteren Licht erscheinen zu lassen, als man selbst sich gerade in einem findet, für ihre Recherche bezahlt wurden und dass sie b) eine autoritäre Sehnsucht nach einem Stempel auf einem wissenschaftlichen Text haben, der ein für alle Mal garantiert, dass die Erkenntnisse, von denen im Text berichtet wird, korrekt und allzeit gültig sind, so dass sie auch ein Journalist, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, in die Welt posaunen kann.

Aber so funktioniert die Wissenschaft nicht.

Die Grundlage von Wissenschaft ist die Urteilsfähigkeit, die Fähigkeit eines Wissenschaftlers, sich zu einem Thema ein Urteil zu bilden.

Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess, der davon lebt, dass über Ergebnisse und angebliche Erkenntnisse gestritten wird, dass diskutiert, hinterfragt, geprüft und im Ende: Verbessert wird. Deshalb ist es schlicht egal, wo ein Text veröffentlicht wurde, ob er und wenn ja, in welcher Zeitschrift ein Text veröffentlicht wurde, ob er Peer reviewed wurde oder nicht. Man bildet sich als Wissenschaftler ein Urteil über den Inhalt eines Beitrags, nicht über den Erscheinungsort. Wären Eckert und Hornung nicht so endlos weit von der Wissenschaft entfernt, sie wüssten das.

Sie wüssten dann auch, dass Herausgeber einen Peer Review Prozess nutzen können, um sicherzustellen, dass keine Texte veröffentlicht werden, die dem, was sie für richtig halten, widersprechen. Soll ein Text veröffentlicht werden, dann schickt man ihn an Reviewer, von denen man weiß, dass sie das Thema mögen und jeden Junk, der sich damit beschäftigt, veröffentlicht sehen wollen. Will man verhindern, dass ein Text veröffentlicht wird, dann schickt man z.B. einen Text, in dem quantitative Daten verarbeitet werden, an einen eingeschworenen qualitativen Fetischisten, der sowieso der Ansicht ist, man könne die Komplexität der Wirklichkeit nur 1:1 und im tiefenpsychologischen Gespräch erfassen.

Und nach all dem, was wir hier zusammengetragen haben und dabei haben wir das Problem der vielen Texte, die in Peer Review Zeitschriften veröffentlicht, aber von Computer-Software zusammengeschnippelt wurden, gar noch nicht angeschnitten, kann man Eckert und Hornungs Beitrag nur als Fake News und Fake Journalismus einordnen und sich fragen, was dahinter steht.

  • Naivität?
  • Ahnungslosigkeit?
  • Unkenntnis?
  • Boshaftigkeit?
  • Oder ist die fehlende Peer Review bei der Tagesschau im Allgemeinen und beim NDR im Besonderen die Ursache dafür, dass derartige Fake News verbreitet wird?

Fake News mit Konsequenzen übrigens:
Nehmen wir die Forderung, wissenschaftliche Texte müssten einen Prozess der Peer Review durchlaufen, damit sie als solche anerkannt werden können, einmal ernst.

Das bedeutet, dass die Bundesministerien alle Gutachten und sonstigen Beiträge, die sie als wissenschaftlich verkaufen wollen, einstampfen müssen, weil sie nicht Peer reviewed sind.

Das bedeutet, dass die Tagesschau nicht mehr voller Euphorie das aufnehmen kann, was ihr oftmals ideologisch so gut in den Kram passt, die angeblichen Studien zum Rassismus, Antisemitismus, zu Bildung und Armut, wie sie von Bertelsmann-Stiftung, Amadeu-Antonio-Stiftung, universitären Anhängseln, institutionalisierten Wissenschaftlern, die sich als Legitimationsbeschaffer für Ministerien verdingen, von dubiosen Institutionen wie dem Institute for Strategic Dialogue en masse verbreitet werden. Nichts davon ist Peer reviewed. Nichts davon par ordre du mufti Wissenschaft.

Aber vielleicht ist es genau das, was Eckert und Hornung vorschwebt, ein staatliches Siegel, eine ISO 9877126, das für die Texte vergeben wird, die staatsdienlich sind und deshalb als wissenschaftlich verkauft werden sollen. Dann hätten sie das Problem, sich ein Urteil bilden zu müssen, wo ihnen die Kompetenz, sich ein Urteil zu bilden, fehlt, ein für alle Mal und auf eine Weise gelöst, die ihnen scheinbar nahe ist. durch Gehorsam und Obrigkeitshörigkeit.

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Ahnungslosigkeit oder Arglist? Die ARD und noch ein unliebsames Wahlergebnis

Journalisten-Darsteller, die auf Wolke 7 der Moral schweben und von sich denken, sie seien so gute Menschen, dass sie es selbst kaum noch mit sich aushalten, haben es schwer. Wo sie auch hinsehen: Die Wahlen wollen einfach nicht mehr so ausgehen, wie sie das für richtig halten. Erst wird Trump Präsident in den USA, dann gibt es den BREXIT in Großbritannien, dann gelangt die AfD in den Bundestag und jetzt, jetzt hat Viktor Orbán in Ungarn wohl die absolute Mehrheit erreicht: Dreimal angetreten, dreimal gewonnen hat der Viktor. Seit 2010 ist er – sehr zum Leidwesen der EU-Kommission und der öffentlich-rechtlichen Journalisten, bei denen die selbstzugeschriebene Moral aus allen Poren quillt – der Ministerpräsident von Ungarn.

Seit 2010 ist einiges geschehen.

Die Ungarn haben eine Parlamentsreform durchgeführt und ihr Parlament verkleinert. Von 386 auf 199 Abgeordnete. Das ist billiger und effizienter. Gleichzeitig haben sie 2012 ihr Wahlrecht reformiert und auf die nun nur noch 199 Abgeordneten zugeschnitten. Im Ergebnis hat sich nicht viel geändert: 2010 konnte sich Viktor Orbán auf 227 von 386 Abgeordneten im Parlament stützen, macht 58,8%. 2014, also nach der Reform und mit dem neuen Wahlrecht, konnte er sich auf 117 von 199 Abgeordnete verlassen, macht 58,8% und 2018 sind es wohl ein paar Sitze mehr geworden, nämlich: 134 von 199 [zusammen mit dem Juniorpartner der christlichen Demokraten]. Das macht nunmehr 67,3% eine zwei Drittel Mehrheit.

Zeter und Mordio.

Zeter und Mordio gemischt mit Ahnungslosigkeit oder Lust an Diffamierung.

Bei der ARD sitzt man wieder einmal in der ersten Reihe.

Dort entblödet sich eine Andrea Beer, die vor allem den bayerischen Beitragszahlern auf der Tasche liegt, nicht, das Folgende von sich zu geben:

“‘Nichts ist eine stärkere Bestätigung als der Erfolg an der Wahlurne’, so gratulierte Bundesinnenminister Horst Seehofer Viktor Orban zum Wahlsieg. Die absolute Mehrheit erhielt dessen Fidesz-Partei aber durch ein unfaires Wahlsystem, das die stärkste Partei begünstigt. Die Überlegung der Opposition, sich dem gemeinsam entgegenzustellen, ist krachend gescheitert, und so bleibt die rechtsradikale Jobbik auch künftig die größte Oppositionspartei.”

Das ungarische Wahlsystem ist also, wie Frau Beer befindet, ein unfaires Wahlsystem. Gesagt in der Hoffnung, dass es die Leser fressen, nach der Methode, Diffamierung gelingt am besten, wenn man sie in kleinen adjektivischen Häppchen serviert, oder unterschiebt. Fidesz, die Partei von Viktor Orbán, die bereits vor der Reform des Wahlrechts, die absolute Mehrheit der Sitze errungen hat, hat also nach der Reform des Wahlrechts die absolute Mehrheit nur deshalb gewonnen, weil das neue Wahrecht ein unfaires Wahlrecht ist.

Man kann schadenfroh sein und sagen: Die Intendanten der Rundfunkanstalten bekommen, was sie verdienen, oder Mitleid mit ihnen haben, ob des ahnungslosen Personals, das man früher dumm-dreist genannt hätte, das sie da beschäftigen müssen (qua Quote? Kompetenz kann es ja nicht sein…).

Das “unfaire” ungarische Wahlsystem besteht – wie das deutsche – aus zwei Teilen: Einer Erststimme und einer Zweitstimme. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat in einem der 106 Wahlbezirke gewählt. Es gilt hier das britische Mehrheitswahlsystem „first past the post“, wer die meisten Stimmen erhält, ist gewählt, egal, ob er die Mehrheit der Wähler auf sich vereinigt oder nicht.

Mit der Zweitstimme wählen die Wähler in Ungarn, zu denen übrigens auch Menschen gehören, die ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht haben, also auch z.B. Deutsche, die nach Ungarn ausgewandert sind, eine nationale Liste, also eine Parteiliste – genau wie in Deutschland. Die restlichen 93 Sitze werden über diese “Zweitstimme” vergeben.

Prototyp des öffentlich-rechtlichen Journalisten

Eine nationale Liste kann jede Partei aufstellen, die in mindestens einem Viertel der 106 Wahlkreise einen Kandidaten vorweisen kann. Wer diese Norm nicht erfüllt, der kann sich mit einer anderen Partei zusammenschließen. Für alle Parteien gilt, wie in Deutschland, eine Fünf-Prozent-Hürde. Nur wer mehr als 5% der Stimmen über die Zweitstimme erhält, nimmt an der Sitzvergabe teil. Für Wahlbündnisse aus zwei Parteien beträgt die Hürde 10% (für drei 15% usw.).

Die Verteilung der Sitze erfolgt, wie einst in Deutschland, nach d’Hondt, also dadurch, dass die Gesamtzahl der pro Partei abgegebenen Stimmen durch 1, 2, 3, 4… geteilt wird, so lange, bis alle Sitze verteilt sind. Die Zuteilung eines Sitzes erfolgt dann immer an die Partei, die nach Division den größten Wert erreicht. Also wenn Partei A 50000 Stimmen erreicht hat und Partei B 30000 Stimme und fünf Sitze zu vergeben sind, dann erhält zunächst Partei A einen Sitz (50000/1), dann erhält Partei B einen Sitz (30000/1), dann erhält Partei A wieder einen Sitz (50000/2=25000), dann nochmals Partei A (50000/3=16667) und schließlich erhält Partei B noch einen Sitz (30000/2=15000).

D’Hondt ist ein einfaches, transparentes und effizientes Verfahren, um abgegebene Stimmen in Sitze umzurechnen. Bislang hatte niemand etwas daran auszusetzen. Aber nun haben wir ja Frau Beer, die etwas daran auszusetzen hat, die ein Wahlsystem, das in der Struktur dem deutschen Wahlrecht fast gleich ist, das die Verteilung der Erststimme an die in Britannien gebräuchliche Methode knüpft und zur Vergabe der Zweitstimme ein Verfahren benutzt, das auch in Deutschland jahrelang zu Ergebnissen geführt hat, die alle akzeptiert haben, als unfair empfindet.

Und weil das noch nicht reicht, muss man sich diese absichtliche Diskreditierung oder Diskreditierung aus Unkenntnis im öffentlichen Online-Angebot zumuten lassen. Das ist nicht fair. Selbst Leser von Tagesschau.de haben einen Schutz vor Unsinn und Dummheit verdient.


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Messerattacke, Tatmittel „Messer“, ARD oder AfD – Wer lügt schlechter mit Statistik

Der dumme Spruch, nachdem man keiner Statistik glauben soll, die man nicht selbst gefälscht habe, und den Winston Churchill nie gesagt hat (Er war zu intelligent, um einen solchen Unsinn zu verbreiten), er fällt unwillkürlich ein, wenn man den neuesten Kreuzzug gegen die AfD der ARD-Faktenverleger liest, und zwar deshalb, weil man Statistiken nicht einfach fälschen kann, weil Fälschungen sehr leicht identifizierbar sind …

Damit sind wir bei ARD-Chef-Faktenverleger Patrick Gensing und seinem Versuch Nummer x+274 angekommen, die AfD zu diskreditieren (von Beitragszahlern auch der AfD finanziert, versteht sich).

Ausgangspunkt ist die Behauptung „permanenter Messerattacken“, die die AfD-Fraktion, so Patrick Gensing, im Bundestag aufgestellt habe. Allein in Berlin, so zitiert Gensing, seien es 7 Messerattacken pro Tag.

Die Zahl, so erklärt er unter Verlinkung (was selten für die Faktenverleger ist), stamme aus einer Antwort der Senatsverwaltung auf eine schriftliche Anfrage der CDU. Das entspricht nicht den Fakten, denn die schriftliche Anfrage wurde von Peter Trapp (CDU) gestellt. In dieser Antwort heißt es:

„Für das Jahr 2017 wurden insgesamt in 2.737 Fällen von Straftaten gegen das Leben sowie aus den Bereichen der Sexual- und Rohheitsdelikte ein Messer als Tatmittel erfasst.“

Diese Zahl wurde von der AfD durch 365 geteilt, so teilt Gensing das Ergebnis seiner mathematischen Bemühungen mit, denn 2.737 geteilt durch 7 ergibt 7,4986, also mehr als sieben Straftaten in Berlin, bei denen ein Messer als Tatmittel erfasst wurde.

Und jetzt geht es los.

Werde ein Messer als Tatmittel erfasst, dann sei dies nicht – wie von der AfD behauptet – gleichbedeutend mit einer Messerattacke, so Gensing, bevor er das Wort an einen namentlich nicht genannten Sprecher der Berliner Polizei übergibt:

„Die Gesamtzahl, bei der ein Messer erfasst wurde, sei korrekt, teilte die Polizei in Berlin mit. Allerdings bedeute das nicht, dass in all diesen Fällen “Messerattacken” erfolgt seien.

Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres sagte dem ARD-faktenfinder, es sei nicht seriös, von den erfassten Fällen auf sieben Messerattacken pro Tag zu schließen. Dies sei faktisch, rechtlich und statistisch nicht haltbar. “Messer als Tatmittel” wird bei Tötungsdelikten, Raub, Körperverletzungen auch dann erfasst, wenn ein Täter ein Messer am Hosenbund sichtbar mitführe, es aber nicht als Tatwaffe im Sinne von “Verletzungen zufügen” einsetze.“

Dass derjenigen/diejenigen, der das gegenüber dem „ARD-faktenfinder“ gesagt haben soll, nicht namentlich genannt werden will/wollen, das ist uns nachvollziehbar.

Die Preisfrage lautet: Wer lügt mehr, die Messerattacken-AfD oder die faktenverleger-ARD? Spielt ein Messer in sieben Straftaten ´pro Tag in Berlin eine entscheidende Rolle oder steckt es im Wesentlichen in Hosenbünden und wird als eine Art Täterschmuck miterfasst, wie ein Unbekannter der Senatsverwaltung gegenüber „ARD-faktenfinder“ behauptet haben soll?

Bereits der Begriff „Tatmittel“ sollte eigentlich denjenigen, die der deutschen Sprache noch mächtig sind, einen Hinweis darauf geben, wann ein Messer erfasst wird, denn Tatmittel meint „Mittel der Tat“ oder „Mittel zur Tat“, in jedem Fall, ein Mittel, mit dem das Tatziel erreicht werden soll. Welche kognitiven Fehlfunktionen ermöglichen es zu behaupten, im Kontext einer gefährlichen Körperverletzung, die als solche erst „erfasst“ wird, wenn erschwerende Umstände wie die Verwendung eines Messers oder eines Schlagstock hinzukommen, habe das „erfasste Messer“ eigentlich keine Rolle gespielt? [In ähnlicher Weise sprechen das BKA und die Berliner dann vom „Tatmittel Internet“, wenn die Tat mit Hilfe des Internets begangen wurde und nicht schon dann, wenn ein Betrüger ein Smartphone in der Hosentasche hatte.]

Man muss ARD-faktenfinder mit der Mission zum Lügen sein, um auf die Idee zu kommen, ein Messer werde auch dann als „Tatmittel“ erfasst, wenn man es zur Zierde mitgeführt hat. Und wo wir beim Lügen sind, stellt sich die Frage, ob es den Gesprächspartner bei der Berliner Senatsverwaltung, der behauptet haben soll, was Gensing zitiert, überhaupt gegeben hat.

Wir fragen das, weil es in so krassem Gegensatz zu dem steht, was die Berliner Polizei selbst in ihrer Polizeilichen Kriminalstatistik zum „Tatmittel Messer“ schreibt. Wir zitieren, weil es so schön ist, die gesamte Passage aus der Statistik des Jahres 2016, in der dem „Tatmittel Messer“ ein eigener Abschnitt gewidmet ist:

Wie man sieht, ist man bei der Berliner Polizei durchaus der Ansicht, ein Messer als Tatmittel mache eine „Messertat“ aus, sei also in den erfassten Fällen keine Täterdekoration, sondern ein Hilfsmittel zur Zielerlangung. Insofern ein Messer, das eingesetzt wird, um z.B. dem Wunsch eines Täters, sich per Raub in den Besitz fremden Eigentums zu bringen, Nachdruck zu verleihen, auch dann, wenn es nicht in der Weise zum Einsatz kommt, dass Opferblut fließt, eher einer Attacke als einer Form des Hosenbund-Schmucks zuzurechnen ist, muss man feststellen, dass die Frage, wer mehr lügt, hier eindeutig zu Gunsten der „ARD-faktenfinder“, bei denen schon der Name Lüge ist, entschieden werden muss.


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Die a-sozialen (öffentlichen) Medien

Und sie zucken noch.
Aus einer Pressemeldung des NDR:

Der Verwaltungsrat des NDR hat sich in seiner heutigen Sitzung unter anderem mit dem Unternehmensgegenstand Fernsehen befasst. In einer Zeit “alternativer Fakten”, zunehmender medialer Angebote in den Sozialen Netzwerken und abnehmender publizistischer Vielfalt komme dem glaubwürdigen Qualitätsjournalismus eine Schlüsselrolle für die Meinungsbildung in der Gesellschaft zu, so Dagmar Gräfin Kerssenbrock, Verwaltungsratsvorsitzende des NDR“.

Nun, da man sich beim NDR von „sozialen Netzwerken“ abgrenzen zu müssen glaubt und man dort immer noch nicht bemerkt hat, dass wir im Zeitalter des Internet und nicht mehr im Zeitalter des Einrichtungs-Funks, der öffentlichen ein Weg Bestrahlung und Beschallung von Menschen leben, ist es an der Zeit, eine geniale Idee von Dr. habil. Heike Diefenbach unter die Leser zu bringen und zu verbreiten.

Das Kennzeichen dessen, was von öffentlich-rechtlichen Profiteuren des Zwangsbeitrags in Abgrenzungsabsicht als „soziale Netzwerke“ bezeichnet wird, ist die Möglichkeit der Internation. Tim O’Reilly hat die Eigenschaft von „neuen Medien“ eine Interkation und eine Beteiligung, nein Partizipation der Nutzer dieser Medien bereit zu stellen, bereits 2005 mit dem Begriff „Web 2.0“ bezeichnet. Ein Begriff, den viele benutzen und von dem wenige wissen, was er bedeutet. Er beschreibt bestimmte Technologien, die Nutzer zu Mitarbeitern machen, die Inhalte beisteuern, Informationen per „crowd-sourcing“ zusammentragen, Nutzern vielfältige Möglichkeiten bereitstellen, miteinander in Austausch zu treten und über diesen Austausch an einem gemeinsamen Ganzen zu arbeiten. Dan Bricklin hat die beschriebenen Eigenschaften u.a. von „sozialen Netzwerken“ als Cornucopia (Füllhorn) bezeichnet: „What we see here is that increasing the value of the database by adding more information is a natural by-product of using the tool for your own benefit“.

Medien, die die beschriebenen Eigenschaften nicht anbieten, die ihre Nutzer belehren, aufklären und per Einbahnstraße und widerspruchslos informieren wollen, die ihren Nutzern keine Möglichkeit geben, zu Informationen beizutragen, an Programmen und Formaten mitzuarbeiten, sich einzubringen und gemeinsam neue Informationen zu erarbeiten, Medien, die somit alle Insignien vermissen lassen, die soziale Medien auszeichnen, müssen entsprechend a-soziale Medien sein, die die Interaktion zwischen Menschen, die ein menschliches Verhalten erst zu einer sozialen Handlung macht, nicht leisten wollen bzw. unterbinden wollen.

Kein Wunder also, dass die öffentlich-rechtlichen Einbahn-Medien, deren Angestellte sich immer noch als Medienmacher ansehen, die Anderen etwas mitteilen, Andere belehren, Andere aufklären, die eine wichtige Rolle in der Meinungsbildung der Bevölkerung spielen sollen, soziale Medien zu ihrem Hauptfeind erklärt haben, jene Medien, die all die Freiheiten und Möglichkeiten offerieren, die öffentlich-rechtliche als Sündenfall und Eingriff in ihre Programmhoheit ansehen. Die Zuschauer, Leser und Hörer öffentlicher Medien sind und bleiben wenn es nach den Verantwortlichen geht, passive Konsumenten, die hören, sehen, lesen und schlucken. Mehr nicht. Formen der Beteiligung, die soziale Medien auszeichnen, kommen bei öffentlich-rechtlichen Medien nicht vor. Deshalb handelt es sich zwangsläufig bei Ihnen um a-soziale Medien.

Und dass sie a-soziale Medien sind, das zeigt sich auch daran, dass bei ihnen nicht Nachfrage den Preis regelt, sondern ein Preismonopol besteht, das egal welcher Mist produziert wird, die Kosten auf die Zwangs-Beitragszahler abwälzt. Während soziale Medien von Spenden und Einnahmen leben, die sie nur generieren können, wenn sie interessante Inhalte und Möglichkeiten der Partizipation schaffen, die die Nutzer sozialer Medien ansprechen und sie deshalb nachfragen, agieren öffentlich-rechtliche Medien nach dem Ludwigs- oder dem Stalin-Prinzip: Das Programm sind wir! Wem das nicht passt und wer die Zwangszahlung verweigert, der geht in den Bau. Auch das sind Markenzeichen a-sozialer Medien, die gegen die Interessen derer produzieren, die sie finanzieren.

Aber, wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Die Musik spielt im Internet. Den Print- und öffentlich-rechtlichen Medien laufen die Nutzer davon. Nur diejenigen, die sich im von Zwangsbeitragszahlern üppig ausgestatteten Positionen finden und nachdem sie Leerformeln im Verwaltungsrat ausgetauscht haben, am kalten Buffet laben, haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.

“Qualitätsjournalismus ist personal- und damit kostenintensiv, eine Betrachtung unter reinen Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten verbietet sich in der Sache”, sagte Gräfin Kerssenbrock weiter. “Unabhängiger Journalismus und verlässliche Informationen sind ein originäres Qualitätsmerkmal des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.”

Im Internetzeitalter informieren sich Mediennutzer längst nicht mehr nur aus einer Quelle. Die Zeiten, in denen öffentlich-rechtliche Anstalten ein unbestrittenes Monopol auf die Darstellung der oder ein Zerrbild der Wirklichkeit hatten, sind vorbei. Nunmehr konkurrieren Darstellungen im Internet. Nutzer finden sich in der schönen Lage wieder, sich aus unterschiedlichen Informationsquellen ein Bild über die Wirklichkeit machen zu können, eigenverantwortlich, ohne Vorgaben, ohne den öffentlich-rechtlichen Meinungsvorkauern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, wie dies vor der Verbreitung des Internets der Fall war. Das WeltWeiteNeuland, das die meisten politischen Akteure immer noch nicht überblicken können, es bietet unzählige Informationsquellen, nicht mehr nur eine, Informationsquellen, die professionell gestaltet sind, die von einer neuen Art von Journalisten (nämlich von unabhängigen, die keiner Senderweisung unterliegen) zusammengetragen werden (wie Blogs), die von einer Anzahl von Nutzern gemeinsam geschaffen werden (wie Wikis) und die Nutzern die Möglichkeit der Interaktion und Partizipation bieten (wie Foren). Es sind eben neue, moderne und SOZIALE Medien, die mit ihrem Angebot überzeugen wollen und nicht durch den monotonen und abgedroschenen Verweis auf den angeblichen Qualitätsjournalismus, der offenkundig nur überleben kann, weil Menschen gezwungen werden, Beiträge zu entrichten und Staaten Steuergelder zweckentfremden um maroden Verlagen ein Überleben zu sichern. Die Zeit der a-sozialen Medien ist vorbei.

Die Vertreter der a-sozialen Medien haben es nur noch nicht gemerkt. Sie sind noch mit dem kalten Buffet beschäftigt, das die Zwangsbeitragszahler finanzieren.


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Berliner Heni: Fussball-WM 2006 ist schuld an AfD

Wir sind ja eigentlich hart im nehmen. Das, was Clemens Heni, Direktor des von im selbst gegründeten „Berlin International Center for the Study of Antisemitism“ in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, die man besser der wirtschaftlichen Pleite anheim gestellt hätte als sie nun der intellektuellen Pleite zu übergeben, von sich gibt, das ist so dumm, dass es mit dem, was Genderista gewöhnlich von sich geben, durchaus mithalten kann. In jedem Fall ist es ein Ausmaß an Unsinn, das man nur ertragen kann, wenn man extrem hart im Nehmen ist.

Wir stiegen direkt in das Interview ein. In Anlehnung an die BWL kann man die Vorgehensweise als Konzentration auf den Kern-Unsinn bezeichnen:

Heni: „Meine These ist: Ohne 2006 wäre es nicht in diesem Ausmaß zu Pegida gekommen, und ohne Pegida gebe es keine AfD in dieser Form. Die Deutschland-Fahne bei der WM hat eine unglaubliche Bedeutung für das Zusammenschweißen von atomisierten Einzelnen, die sich zu großen Teilen gar nicht für Fußball interessiert haben. Insofern war das Thema nicht Sport, sondern nationale Identität“.

Aber Deutschland-Fahnen gab es doch schon immer beim Fußball …

Heni: 2006 war anders als beispielsweise 1990. Erstens war es eine Weltmeisterschaft im eigenen Land, es war eine vollkommen andere Stimmung. Kaum ein Auto oder Haus kam ohne ein deutschnationales Symbol aus, insbesondere haben Teile der deutschen Intellektuellen mitgemacht. Es gab unzählige Autoren, die von der Gemeinschaft des Volkes fabulierten, da hörten sich Texte teils so an, als wären sie 1937 geschrieben worden.

Wir fassen zusammen: Weil Heni meint, 2006 habe in Deutschland eine ganz andere Stimmung geherrscht, so anders, dass die gleiche Fahne im Vergleich zu 1990 eine ganz andere Wirkung gehabt habe, als „deutschnationales Symbol“, deshalb gibt es 2017 die AfD im Bundestag. Selbst wenn man die Geschichte der AfD am 6. Februar 2013 beginnen lässt, bleiben immer noch gut sieben Jahre, in denen die deutschnationale Gärung, die 2006 begonnen hat, reifen und zur Partei werden musste.

Leuten wie Heni haben die Sozialwissenschaften ihren schlechten Ruf in Teilen der Öffentlichkeit zu verdanken. Dass so ein Heni von Thesen fabuliert, die so irrsinnig sind, dass man sie nicht einmal dann prüfen könnte, wenn man es wollte, ist das eine, dass es eine Gazette gibt, die Platz für derartigen Junk erübrigt, ist das andere.

Stellen wir uns vor, wir nähmen den Berliner Heni auch nur eine Sekunde lang ernst. Das deutschnationale Symbol Deutschlandfahne“ hat also dazu geführt, dass die „Atomisierten zusammengeschweißt“ werden und daraus die AfD wird. Erste Frage: Wie? Warum gelingt das Schweißen nur bei 6 Millionen und nicht bei allen atomisierten Deutschen. Warum hat das Schweißen, das schon 2006 stattgefunden hat, erst 2013 eine Partei zum Ergebnis. Warum die AfD und nicht etwa die Piraten? Was ist in der Zwischenzeit passiert? Wie hat man sich den Prozess vom Schweißen 2006 in der Münchner Allianz-Arena bis zur Parteiwerdung der Schweißung im Februar 2013 vorzustellen?

Wir haben die Hypothese, dass das Schwenken der deutschen Fahne 2006 dazu geführt hat, dass die nicht-atomisierte Linke in Deutschland einen Hirnschaden erlitten haben, der durch postkonstruktivistische Einflüsse zum Narrativ der Normalität inszeniert wird und eine virale Wirkung unter Linken hat, die HIV/AIDS in den Schatten stellt.

Für Interviews mit der Frankfurter Rundschau stehen wir jederzeit zur Verfügung.

Übrigens heißt es im Grundgesetz: Artikel 22 Absatz 2: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold“.

Die Flagge ist ein Hoheitssymbol, nur für Ewiggestrige wie Heni ist die Bundesflagge etwas anderes, ein deutschnationales Symbol. Dass Linke Phantasten aus der Bundesflagge etwas anderes machen wollen, einen Sammelpunkt für Rechtsextremisten, ein Fanal für Rassisten oder einen Fetisch für Nationalisten, zeigt nur, dass Linke ein gestörtes Verhältnis zum Grundgesetz und zur aktuellen Realität haben, das, wie wir oben dargestellt haben, darauf zurückzuführen ist, dass die Linke anlässlich der Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, eine neuronale Störung erlitten hat, die inter-cerebral übertragbar ist, aber offensichtlich nur zwischen linken Gehirnen. In diesen führt dieser cerebrale Selbstzerstörer dazu, dass Synapsen abgebaut und die Tätigkeit des präfrontalen Cortex langsam aber sicher eingestellt wird. Als Ergebnis werden Sätze, wie die folgenden, möglich.

„Man sagt ja, dass die WM 2006 sportlich eine der schlechtesten war.

Heni: Sportlich war das überhaupt nichts. Um Sport ging es auch nicht, entscheidend war der begleitende, von Anfang an geplante deutsch-nationale Event. Beispielsweise hat Jürgen Klinsmann in seiner Kabinenansprache vor dem Spiel gegen Polen historisch völlig unreflektiert gesagt: „Das ist unser Spiel. Das lassen wir uns von niemanden nehmen! Schon gar nicht von Polen. Die stehen mit dem Rücken zur Wand und wir knallen sie durch die Wand hindurch!“ Wenn das ein Deutscher sagt, hat das eine andere Bedeutung, als wenn es ein Amerikaner sagt. Klinsmann hat es geschafft, dass sich die Uninteressiertesten auf einmal für etwas interessieren, nämlich für Deutschland“.

Als Jürgen Klinsmann diese Ansprache gehalten hat, hatte Polen 2:0 gegen Ecuador verloren, während Deutschland nach dem 4:2 gegen Costa Rica mit einem Sieg gegen Polen die Zwischenrunde erreicht hätte. Mit zwei Niederlagen wären die Polen ausgeschieden. Sie mussten also gewinnen. Sie hatten keine Wahl. Man sagt dazu auch: Sie standen mit dem Rücken zur Wand.

Es ist das Zeichen einer geistigen Störung, wenn man plötzlich anfängt, Dinge in Sätze zu lesen, die da nicht stehen, Dinge zu sehen, die nicht da sind, wenn man Stofflappen, die schwarz, rot, gold bedruckt sind, plötzlich zu Symbolen des nahenden Vierten Reiches aufbaut. Die Frankfurter Rundschau ist scheinbar angetreten, geistige Störungen hoffähig zu machen: Die 2006 geschwenkten Stofflappen haben dazu geführt, dass Deutsche, die sich ansonsten nicht für Deutschland interessieren, die atomisiert sind, zusammengeschweißt wurden. Nun interessieren sie sich für Deutschland. Das Interesse schwelt sieben Jahre und wird AfD. Die AfD hat ihre Existenz der Fussballweltmeisterschaft 2006 und den geschwenkten Fahnen zu verdanken.

Aber die sind wiederum das Ergebnis des Grundgesetzes, das schwarz-rot-gold als Farben der Bundesfalle festgeschrieben hat. In der Logik von Heni muss man somit feststellen, dass die Väter des Grundgesetzes für die AfD verantwortlich sind und weil die Väter des Grundgesetzes von den West-Alliierten beauftragt wurden, sind die West-Alliierten an der AfD schuld. Indes wurden die West-Alliierten durch die NSDAP in den Zweiten Weltkrieg gezwungen, so dass Hitler an der AfD schuld ist. Wenngleich Hitler nur Kanzler der Weimarer Republik werden konnte, weil ihn Paul von Hindenburg und seine intrigante nähere Umgebung dazu gemacht haben. Hindenburg ist also schuld. Aber Hinderburg wurde selbst nur Reichspräsident weil Friedrich Ebert vorzeitig gestorben ist. Am Tod von Ebert ist niemand schuld. Logische Folge: Friedrich Ebert ist schuld an der AfD. Heni aus Berlin hat es herausgefunden.

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