Wie flüchtlingsfeindliche Vorfälle erfunden werden

  • (1) Statistiken zu führen, will gelernt sein. Nicht jeder, der denkt, er könne Statistiken erstellen und Daten sammeln, ist dazu in der Lage, schon weil es nicht so leicht ist, wie manche denken, eine präzise Beschreibung zu formulieren, die die Fälle, die in eine Statistik aufgenommen werden sollen, gegenüber allen anderen Fällen diskriminiert.
  • (2) Wir haben in einer Reihe von Beiträgen dargestellt, wie das Phänomen „Rechtsextremismus“ aufgeblasen und gepflegt wird, um die Illusion zu erzeugen, es wimmle nur so von Rechtsextremen in Deutschland. Dahinter stehen politische Motive, wie sie bei der LINKEN vorhanden sind, deren Bundestagsfraktion manisch jeden Monat nach politisch motivierter Kriminalität fragt, die von rechts ausgeht – nicht jedoch nach politisch motivierter Gewalt, die von links ausgeht.
  • mut-gegenr-echte-gewalt-aas(3) Und dahinter stehen finanzielle Motive. So haben wir gezeigt, wie der Gravy Train, das Nutznießernetzwerk der Kämpfer gegen Rechts funktioniert, und welche Interessen diese Nutznießer daran haben, die Gefahr von rechts, wie das dann heißt, aufzublasen und für sich als Einkunftsquelle zu sichern. Dies ist recht einfach, denn alles, was man mit Rechtsextremismus in Verbindung bringen kann, wird von Journalisten willig aufgenommen, da es zur politischen Hygiene des Biedermanns gehört, den Nazis keine Chance mehr zu geben. Entsprechend sind die Schlagzeilen dann gesichert, wenn man z.B. Kriminalität als Werk von Rechtsextremen darstellen kann. Nicht nur die Schlagzeilen sind sicher, auch die gesammelte Aufregung der „No-Nazi“-Bewegung ist sicher. Für Letztere wirkt ein Bericht über vermeintlich rechte Gewalt wie der Stimulus auf Pawlows Hund, und sie fallen in den Bekämpfen-Modus, was in Ministerien zur Folge hat, dass viel Geld von Steuerzahlern aufgewendet wird, um die gefährlichen Rechten zu bekämpfen. Das Geschäft mit dem Nutznießen, es kann beginnen.
  • (4) Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Schaffung von viel Aufmerksamkeit für Randprobleme, deren Gefahr man zu diesem Zweck völlig übertreiben muss, dazu führt, dass die entsprechenden Randprobleme aus ihrer Randständigkeit gelöst und in den Mainstream überführt, dort salonfähig gemacht werden. Soziologen nennen das eine Self-Fullfilling Prophecy, denn angeblich wollen Stiftungen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung ja Rechtsextremismus beseitigen. Damit man sie dafür finanziert, müssen sie viel Aufmerksamkeit für ein marginales Problem schaffen, und mit dieser Aufmerksamkeit, die sie für den Rechtsextremismus schaffen, machen sie ihn in der Welt der Medien zur Normalität. Dadurch verliert der Rechtsextremismus, die Ächtung, die er vor dem Auftauchen der Stiftung hatte, erhält Zulauf und wächst. Und die Ursache dafür ist u.a. die Amadeu-Antonio-Stiftung und all die in den rudimentärsten sozialen Phänomenen Ungebildeten, die Ministerien derzeit bevölkern.

aas_fluechtlingsfeindliche-vorfaelleZentral dafür, dass öffentliche Gelder zur Bekämpfung von vermeintlichen Problemen verschleudert werden, ist eine entsprechende Aufbereitung der Probleme, die dazu führt, dass das vermeintliche Problem als tatsächliches und relevantes Problem wahrgenommen wird, dem man mit Steuergeldern entgegen treten müsse. Zu diesem Zweck führen die Amadeu-Antonio-Stiftung und der Stern auf dem gemeinsam betriebenen Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ eine Statistik „flüchtlingsfeindlicher Vorfälle“. Die Statistik ist sehr nützlich. Sie wird in Medien zitiert, spielt immer da eine Rolle, wo deutlich gemacht werden soll, wie verbreitet flüchtlingsfeindliche, also rechte Gewalt doch ist und wird gerne in Anfragen der Linken und der Grünen im Bundestag zitiert, um die Bedeutung des rechten Problems zu demonstrieren.

Anhand welcher Kriterien ein Fall in die Statistik als „flüchtlingsfeindlicher Vorfall“ aufgenommen wird, welche Definition eines flüchtlingsfeindlichen Vorfalls Grundlage der Aufnahme entsprechender Fälle ist und wie zwischen flüchtlingsfeindlichen Vorfällen und nicht-flüchtlingsfeindlichen Vorfällen unterschieden wird, das alles sind Fragen, die kaum jemand bislang gestellt hat. Politiker stellen diese Fragen nicht, weil sie ihnen nicht in den Sinn kommen, denn um sie zu stellen, muss man eine gewisse Idee davon haben, wie Statistiken zu Stande kommen (außerdem passen ihnen die Ergebnisse in den ideologischen Kram). Journalisten stellen diese Fragen nicht, weil damit eine zusätzliche Recherche verbunden wäre, und der Journalist von heute recherchiert nicht.

Nein, falsch.
So stimmt das nicht.
Es gibt einen Journalisten, der recherchiert hat. Sein Name: Ansgar Mönter. Er schreibt für die Neue Westfälische und hat sich die fünf Vorfälle (zwischenzeitlich sechs) angesehen, die die Amadeu-Stiftung als flüchtlingsfeindliche Vorfälle für Bielefeld auflistet.

kraemer_so-luegt-man-mit-statistikSein Ergebnis: Keiner der Vorfälle kann als flüchtlingsfeindlicher Vorfall in Bielefeld gewertet werden, obwohl es einen tätlichen Angriff auf Flüchtlinge gab, den die Polizei registriert hat, aber das war die Polizei in Paderborn, nicht die in Bielefeld, denn der Vorfall, den die Amadeu-Stiftung auflistet, hat sich in Paderborn, nicht in Bielefeld ereignet. Ein Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Bielefeld wird von der Amadeu-Antonio-Stiftung als flüchtlingsfeindlicher Vorfall gezählt, aber das Feuer ist in der Waschküche der Flüchtlingsunterkunft ausgebrochen und es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Außenstehende an dem Feuer beteiligt sind, dass es sich um Brandstiftung handelt. Bei einem weiteren flüchtlingsfeindlichen Vorfall, den die Stiftung auflistet, handelt es sich um das „Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen“, also abermals nicht um einen flüchtlingsfeindlichen Vorfall und ob die fünf jungen Männer, die im November 2015 in Bielefeld randaliert haben und dabei in der Paderborner Straße in Bielefeld Blumenkübel umgeworfen und Böller gezündet haben, privaten Frust abgebaut haben, wie die Polizei sagt oder fremdenfeindlich sein wollten, wie man bei der Amadeu-Stiftung mit Blick auf die Flüchlingsunterkunft, die sich auch in der Paderborner Straße befindet, behauptet, ist eine Frage, die der gesunde Menschenverstand im Sinne der Polizei beantwortet.

Ein einziger Check der Statistik der Amadeu-Stiftung hat eine Fehlerquote von 80%, wenn man wohlwollend ist, und von 100% wenn man das nicht ist, erbracht.

Statistiken leben von der Akkuratheit, jedenfalls dann, wenn man damit etwas über die Realität aussagen will. Auf die Akkuratheit von Statistiken kann man verzichten, wenn es nicht darum geht, etwas über die Realität auszusagen, sondern darum, einen Schein zu konstruieren, der der eigenen Ideologie, den eigenen (finanziellen) Interessen und den eigenen Zwecken dienlich ist. Es spricht vieles dafür, dass die Amadeu-Antonio-Stiftung das ist, was man in der Ökonomie einen opportunistischen Akteur nennt, einen, der versucht, andere zu täuschen, zu manipulieren, ganz in dem Sinne, in dem Oliver Williamson Opportunismus definiert hat: „By opportunism I mean self-interest seeking with guile. This includes but is scarcely limited to more blatant forms, such as lying, stealing, and cheating. Opportunism more often involves more subtle forms of deceit“ (Williamson 1985: 47).

Nazi-Süchtig: Politisch-korrekte Blockwarte vergiften das öffentliche Klima

Kennen Sie Großfischlingen?

Nein?

Wieso kennen Sie Großfischlingen nicht?

Grossfischlingen.svgGroßfischlingen liegt nahe bei Edenkoben, in der Nähe des Pfälzerwalds, hat 627 Einwohner nach der letzten oder vorletzten Zählung. Zum Rhein kommt man auch recht schnell, von Großfischlingen aus.

Na, klingelt es jetzt?

Immer noch nicht.

Aber bestimmt kennen Sie Hermann Hollerith. Der Vater von Hermann Hollerith, Prof. Georg Hollerith ist 1848 in die USA ausgewandert und Hermann hat dort eine Apparatur erfunden, mit der man Lochkarten auswerten kann, 1929 oder 1928 oder so.

Großfischlingen ist Ihnen immer noch kein Begriff?

Woran mag das liegen – angesichts der Lage und Geschichte dieses Ortes?

Ah!
Großfischlingen hat kein Hakenkreuz! Kein Rechtsextremer aus Großfischlingen schafft es in die täglichen Belanglosigkeiten von No-Nazi-Net. Am Ende gibt es keinen Rechtsextremen in Großfischlingen? Aber bestimmt gibt es Rassisten. Die Amadeu-Antonio-Stiftung sollte eines ihrer Racist-SWAT-Teams nach Großfischlingen schicken, um erste Aufklärung zu betreiben. Bestimmt findet sich ein Rassist, oder ein Rechter, oder einer, auf dessen Dachstuhl man Mein Kampf in der Originalausgabe findet oder der die Wehrmachts-Uniform von Opa im Schrank aufbewahrt oder …

Dann ist Großfischlingen der Renner: Spiegel, MDR, n-tv, Süddeutsche, Neues Deutschland all die Sammelbecken der politisch korrekten Geiferer, sie werden Großfischlingen ganz groß rausbringen, mindestens so groß wie Colmnitz, ein Kaff in Sachsen.

Colmnitz, das sagt Ihnen was – oder? Sicher, der Wehrmachtsuniformträger mit dem Hakenkreuz auf der authentischen Uniform, er hat den Ort berühmt gemacht. 399 Statisten sind neben einem Wehrmachtsuniformträger bei einem historischen Umzug her marschiert und in der Unkenntlichkeit, der Bedeutungslosigkeit versunken, denn der Wehrmachtsuniformträger, hat alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Zuerst die des lokalen Beobachters:

“Der sächsische Fotograf Marcus Fischer hat Bilder der irritierenden Szenerie gemacht. Laut seiner Aussagen schienen die umstehenden Besucher des Festzugs jedoch weniger irritiert. “Manche der Schaulustigen haben die Militaria-Fans eher bejubelt und beklatscht”, sagte Fischer SPIEGEL ONLINE. Ihn als Fotografen hätten einige halb spöttisch, halb verächtlich als Vertreter der “Lügenpresse” beschimpft.“

Nicht gestört haben sich die Schaulustigen an dem, was Fischer so offensichtlich war: Dem Hakenkreuz. Der Wehrmachtsuniformträger, er hatte ein Hakenkreuz, das Fischer aufgefallen ist (und nebenbei bemerkt: eines, das er nicht bemerkt hat), dabei. Katastrophe nach Paragraph 86a StGB.

Fischer hat seine Beobachtung schnellstmöglich versilbert. Spiegel und Konsorten sind immer willige Empfänger, wenn es darum geht, ein kleines Kaff im vermeintlich rechts verseuchten Sachsen an den Pranger zu stellen, und Recht hat er, der Fischer. Was 399 Teilnehmer eines historischen Umzugs anlässlich des Schul- und Heimatfestes 2016 nicht schaffen, ein Wehrmachtsuniform-Träger schafft es: Colmnitz ist mit einem Mal berühmt. Jeder kennt den Ort. Der Publicity-Stunt, er hat funktioniert, denn in der politisch-korrekten Presse sitzen Journalisten, die richtig versessen darauf sind, über Nazis zu berichten. Alles ist recht, um die eigene Nazi-Fixierung auszuleben. Selbst ein Schul- und Heimatfest in einem weitgehend unbekannten sächsischen Örtchen.

Eine kleine Bemerkung am Rande: Es wird schwierig sein, eine Wehrmachtsuniform zu finden, auf der sich kein Hakenkreuz befindet. Das Hakenkreuz war nun einmal das Reichssymbol in den Tausend Jahren zwischen 1933 und 1945.

Aber solche historischen Gegebenheiten sind nebensächlich, wenn es deutschen Journalisten darum geht, sich selbst zu geißeln, denn man kommt mittlerweile nicht mehr um die Feststellung herum, dass viele deutsche Medienvertreter Nazi-süchtig, ja schon Nazi-abhängig sind. Gäbe es keine Nazis, kein Hakenkreuz in Colmnitz, sie wüssten schlicht nicht, worüber sie sich aufregen sollen. So sehr ist ihr ideologisches Dasein von der Existenz des Verboten, vom Reiz des Verbotenen, von den Nazis abhängig, dass sie bis in die letzten Winkel der Republik vordringen, bis in die kleinsten Orte, die des Deutschen Bauwesen hervorgebracht hat, immer auf der Suche nach dem Nazi, nach der berichtenswerten Verfehlung, nach dem, womit man einerseits Kasse machen kann, andererseits feststellen kann: ich bin kein Nazi! Ich bin ein Guter! Ich bin gegen Nazis! Und bei all den Feststellungen hat man das Gefühl, man sieht einem Kettenraucher zu, der beteuert, gegen Rauchen zu sein.

Doch zurück zu Großfischlingen, dem Ort, den Sie nicht kennen. Hier ist, was die Großfischlinger tun können, um ihren Ort bekannt zu machen:

  1. Josef Niemitz

    Anschauungsmaterial aus dem Bundesarchiv in Koblenz – Wer findet das Hakenkreuz zuerst? Spiegel oder MDR?

    Alle Großfischlinger durchsuchen ihre Keller und Dachstühle nach Gegenständen, die aus der Zeit von 1928 bis 1945 stammen.

  2. Von besonderem Interesse sind Urkunden, die nach 1933 ausgestellt wurden, Briefe von Ämtern, die ebenfalls nach 1933 ausgestellt wurden, alles, worauf sich ein Hakenkreuz befinden kann.
  3. Uniformen sind natürlich besonders nützlich, aber nicht immer leicht bei der Hand. Dafür wird es die ein oder andere Kopie von „Mein Kampf“ noch irgendwo geben.
  4. Dann muss der Gemeinderat beschließen, dass ein Heimatfest stattfindet, eines mit Flohmarkt, denn Umzug mit Uniform, das hatten wir schon.
  5. Schicken Sie anonyme Hinweise an die Redaktionen von Spiegel, ZEIT oder Alpen Prawda. Inhalt: Nach ihrer Kenntnis werden in Großfischlingen Nazi-Devotionalien (Hakenkreuze, Nazi-Orden und Mein Kampf für die Journalisten, die nicht wissen, was Devotionalien sind) zum Kauf angeboten. Vergessen Sie nicht Ort und Datum genau anzugeben.
  6. Am Tag des Heimatfests mit Flohmarkt verteilen Sie die Nazi-Devotionalien geschickt über die Stände, so dass es nicht offensichtlich ist und lassen den Dingen ihren Lauf.

Wetten innerhalb von wenigen Stunden weiß ganz Deutschland, dass es Großfischlingen in der Pfalz, nahe bei Edenkoben gibt? Und weite Teile von Zeitungs-Deutschland überschlagen sich in ihrer geheuchelten Empörung über Großfischlingen, während der große Rest von Deutschland den Kopf über die Süchtigen in den Redaktionen schüttelt und sich fragt, ob es noch eine Rettung für den deutschen Journalismus gibt – oder ob man Journalist langsam als neue Form der Störung in das internationale Verzeichnis der geistigen Störungen aufnehmen muss.

Was derzeit geschieht, nennt der Volksmund, aus einer Mücke einen Elefanten machen, die Sozialpsychologie hat das Konzept der Salience entwickelt, um zu erklären, warum bestimmte Dinge Prominenz erreichen können, während andere das nicht schaffen, und die Psychologie kennt eine Reihe von Störungen, die sich durch eine krankhafte Fixierung auf Nebensächlichkeiten oder vollkommen unwichtige Dinge beschreiben lassen, eine Fixierung, die schnell zur manischen Episode, zur Neurose oder gar Psychose wird, die einer Sucht vergleichbar ist, hier: einer Sucht nach allem, was Nazi ist.


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Brüssel, Terrortainment, Terroranschläge: Fakten und Ursachen

31 Tote und rund 200 Verletzte, das ist die bisherige Bilanz der Terroranschläge von Brüssel. Und die Medien, sie haben wieder einen Höhepunkt im Terrortainment erreicht. Jedes Medium, jeder Sender hat seinen einen Live-Blog, – Feed, berichtet hautnah von Opfern, zeigt Trümmer und Fahndungsfotos.

Politiker in allen Hauptstädten der EU und darüber hinaus, sind im Betroffenheitsmodus, “großes Entsetzen”, “große Entschlossenheit”, und alle sind in Gedanken bei den Opfern, was schwierig sein dürfte, da die Opfer tot sind, natürlich bei deren Angehörigen und den “vielen Verletzten”.

Und während die Polizei in Belgien noch nach den Tätern fahndet, wissen andere schon, dass sie das Ziel der Attentäter waren, denn, wenn in Brüssel eine Bombe explodiert, dann kann das Ziel nur die EU, EU-Bürokraten, EU-Abgeordnete, EU-Kommissare und – jetzt kommt’s – das “offene demokratische System der EU” sein!

Was sonst?

EU leaders have released a statement:

“The European Union mourns the victims of today’s terrorist attacks in Brussels. It was an attack on our open democratic society.

Our common European institutions are hosted in Brussels, thanks to the generosity of the government of Belgium and the Belgian people. The European Union and its member states stand firm with Belgium in solidarity and are determined to face this threat together with all necessary means.

This latest attack only strengthens our resolve to defend the European values and tolerance from the attacks of the intolerant. We will be united and firm in the fight against hatred, violent extremism and terrorism.”

Und während sich in Medien die Sondersendungen, betroffenen Kommentatoren, die Analysten und angeblichen Experten um die Sendezeit balgen, wollen wir ein paar Fakten anfüttern, Fakten zum weltweiten Terror, der weitgehend ignoriert von deutschen Medien tagtäglich in anderen Ländern der Erde stattfindet.

Die beste Quelle für diejenigen, die auf der Suche nach Informationen zum weltweiten Terrorismus sind, ist das Institute for Economics and Peace, das jährlich einen Global Terrorism Index erstellt. Der neueste, aus dem November 2015, stellt alle verfügbaren Informationen zum Terrorismus des Jahres 2014 zusammen, Informationen wie die folgenden:

  • Im Jahr 2014 kamen 32.685 Menschen durch einen Terroranschlag ums Leben. 18.111 mehr als im Jahr 2013.
  • ISIL (der Islamische Staat) und Boko Haram sind die aktivsten Terrorgruppen: Auf Boko Haram gehen 6.644 Anschläge im Jahr 2014 zurück, ISIL hat es auf 6.073 Anschläge gebracht.
  • ISIL und Boko Haram sind für die Hälfte der Opfer terroristischer Anschläge verantwortlich.
  • 75% der Anschläge und 78% der Toten sind in fünf Ländern, nämlich im Irak, in Nigeria, in Afghanistan, in Pakistan und in Syrien erfolgt bzw. zu finden.

Wenn sich ISIL tatsächlich zum Anschlag in Brüssel bekannt hat, ein Umstand, an dem Charlie Winter von der Georgia State University, einer der führenden Experten, wenn es um ISIL und Terrorismus geht, so seine Zweifel hat:

 

dann ist dies nur für diejenigen überraschend, die keinerlei Ahnung davon haben, welches Ausmaß die Terroraktionen, die ISIL-Kommandos ausführen, angenommen hat. Also für all diejenigen, die ihre Informationen aus deutschen Medien beziehen, die ihre Aufregung über Terroranschläge geographisch ausrichten. Je näher die Anschläge zum eigenen Wohnort erfolgen, desto größer die Aufregung. Je weiter entfernt sie sind, desto uninteressanter die Toten, denen weder ein Life-Feed noch eine Sondersendung gegönnt wird.

Von den vielen interessanten Informationen, die sich im Global Terrorism Index finden, haben wir uns ein paar  herausgegriffen, die das, was in Brüssel geschehen ist, das, was Politiker und Aktivisten und alle, die Terror-Tote nur dann zur Kenntnis nehmen, wenn sie eine europäische Nationalität haben und für politische Zwecke missbraucht werden können, in den Kontext des internationalen Terrorismus rückt.

Zunächst: Weltweit werden 13 Mal so viele Menschen ermordet als einem Terroranschlag zum Opfer fallen. Rund 437.000 Menschen wurden 2014 nicht von Terroristen ermordet.

Seit 2011 ist der Terrorismus weltweit auf dem Vormarsch, und zwar sprunghaft.

Die Städte, in denen es am wahrscheinlichsten ist, einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen waren 2014:

  1. Bagdad (Irak): 2.464 Tote
  2. Mosul (Irak): 510 Tote
  3. Maiduguri (Nigeria): 431 Tote
  4. Karachi (Pakistan): 374 Tote
  5. Peshawar (Pakistan): 304 Tote
  6. Kabul (Afghanistan): 206 Tote
  7. Kano (Nigeria): 184 Tote
  8. Donetsk (Ukraine): 102 Tote
  9. Odessa (Ukraine): 46 Tote
  10. Kaduna (Nigeria): 46 Tote

An wieviele Life-Feeds, Sondersendungen oder Betroffenheitskundgebungen “Je suis Bagdad” oder “Pray for Nigeria” können Sie sich erinnern?

Terroranschläge zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit einer Absicht ausgeführt werden, die nicht in erster Linie darin besteht, dass Menschen umgebracht werden. Die Toten sind lediglich Mittel, um den Zweck, der in der Regel in medialer Aufmerksamkeit besteht, zu erreichen. Welchem Zweck die mediale Aufmerksamkeit dient, die mit den Anschlägen in Brüssel hergestellt wurde und welchen Nutzen sich ISIL, so ISIL denn hinter den Anschlägen stecken sollte, verspricht, ist eine Frage, die wir nicht beantworten können. Stellt man jedoch in Rechnung, wer regelmäßig von Terroranschlägen in Europa profitiert und welche Rechte regelmäßig von Bürgern als Folge von Anschlägen preisgegeben werden, weil sie ängstlich sind, dann kann man sich etliche Gruppen neben ISIL vorstellen, die einen Nutzen aus den Terroranschlägen von Brüssel ziehen.

ISIL ist übrigens ein globales Unternehmen mit Kämpfern aus aller Herren Länder. Eine kleine Zusammenstellung der Herkunftsländer der ISIL-Kämpfer soll daher diesen Blick in die Realität des Terrorismus abschließen.

ISIL Foreign fighters

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Politisch-korrekter Karneval

Wir haben schon des Öfteren über das sozialpsychologische Konzept der Salience berichtet, jenes Konzept, das beschreibt, wie Aufmerksamkeit für bestimmte Dinge Relationen und Bewertungen beeinflusst. Das Standardbeispiel, das wir dazu gerne benutzen, ist die Urlaubsreise nach Neapel, bei der sich kaum jemand der Gefahr bewusst ist, die vom Vesuv ausgeht, dessen Ausbruch eigentlich überfällig ist. Wäre Urlaubern bekannt, dass sie, während sie Pompeji besichtigen, eine gute Chance haben, den Ausbruch von 79 nach Christus in Echtzeit und Live nachzustellen, was wäre wohl das Ergebnis?

Was würde es wohl für den Tourismus bedeuten, wenn die Bundesregierung, die Medien, die Parteien, ihre Vertreter auf Facebook und alle ganz besonders besorgten Gutmenschen vor einem Besuch Neapels und seiner Umgebung wegen der imminenten Gefahr eines Ausbruchs des Vesuvs warnen würden?

Das Ende des deutschen Tourismus nach Neapel.

Jetzt wird es schwierig. Transferaufgabe!

Bei einem winzigen Faschingsumzug in einem Ort, den kaum jemand kennt, fährt eine Panzerattrappe mit, die die Aufschrift “Ilmtaler Asylabwehr”, “Asylpaket III”, eine 142 und ein schwarzes Balkenkreuz der Wehrmacht ziert.

Florian Simbeck, Schauspieler, Kreistagsabgeordneter der SPD und Besucher des Faschingsumzugs in Steinkirchen (Oberbayern), er hat die Panzerattrappe flux photographiert, sich textlich dazu echauffiert und das Ganze auf seine Facebookseite gestellt, damit mehr als die 500 Zuschauer in Steinkirchen von der Panzerattrappe erfahren, sich mehr als die 500 Anwesenden über die Panzerattrappe echauffieren können.

Ilmtal KarnevalDie Republik wacht, und Schauspieler wie Simbeck schaffen Salience, sorgen dafür, dass ein Miniaturvorfall zu einer nationalen Katastrophe aufgeblasen und aus allen Proportionen gesprengt werden kann, damit man sich wieder über etwas ereifern kann, was sowieso jeder wusste: Es gibt Menschen in Deutschland, die stehen Asylbewerbern, Flüchtlingen oder Ausländern als solchen nicht generell positiv gegenüber.

In einer normalen Gesellschaft weiß man das. In einer normalen Gesellschaft respektiert man das und drückt zuweilen auch einmal ein Auge zu, wenn die Form, in der die Gegenmeinung dargebracht wird, Geschmacksgrenzen verletzt. Nicht so in Deutschland.

Deutschland ist keine normale Gesellschaft. Deutschland ist eine Gesellschaft, in der man sich echauffieren muss. Ich echauffiere mich, also bin ich. Wer sich nicht richtig echauffiert, nicht andere als Personen darstellen kann, deren Wertigkeit die eigene, fleckenlose und untadelige Gestalt nicht entfernt erreichen kann, weil diese anderen z.B. Einstellungen äußern, von denen man sich durch den Verweis auf Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Rechtsextremismus reinigen (Michael Klein schlägt vor: purifizieren) kann, dessen gute Existenz steht in Frage.

Und so echauffieren sich die guten Existenzen über jeden Firlefanz, sorgen dafür, dass noch der letzte Blödsinn eine nationale Aufmerksamkeit und einen nationalen Aufschrei all derer nach sich zieht, die nur darauf gewartet haben, aufschreien zu können, damit sie “siehst Du, wie schlimm es in Deutschland mit den Rassisten ist” oder Ähnliches absondern und sich gut, geadelt, purifiziert, vor allem aber auf der Seite der Guten und im Recht fühlen können, denn sie sind etwas Besseres, sie sind nicht etwa so fixiert auf etwas, was man als rassistisch vorführen kann, dass sie stundenlang suchen, um noch die letzte Kleinstbegebenheit ausweiden zu können.

Und ständig sorgen sie für Salience, verbreiten sie die Meldung, dass Deutschland voller Rassisten ist, dass sie überall lauern und man ständig auf der Hut sein muss, am besten, indem man vorbeugt, sich bewaffnet, vielleicht präventiv auf Personen schießt, die einem nicht ganz koscher vorkommen.

So sehr sind diese armen Existenzen vom Auffinden rassistischer, fremdenfeindlicher oder sonstiger benutzbarer Inhalte abhängig, dass zuweilen ihre Phantasie mit ihnen durchgeht, wie dies bei heute.de der Fall ist:

“Und auch im sächsischen Osterzgebirge waren in der Gemeinde Altenberg bei einem Umzug am Sonntag rassistische Schriftzüge zu sehen. Unter anderem wurde ein Tipi-Zelt zur Schau gestellt, das die Aufschrift trug: “Die Indianer konnten nichts gegen die Einwanderung tun. Heute leben sie in Reservaten.” Auf einem weiteren Wagen war “Lieber Rothaut statt Braunhaut” zu lesen. Ein Mann in Lumpen trug zudem ein Schild, auf dem “Bettelarm im eigenen Land, ach wäre ich doch nur e’ Migrant” geschrieben war.”

Zuweilen verhindert es die eigene Fixierung darauf, alles nur schlecht zu reden und hinter allem Rassismus sehen zu wollen, Mehrdeutigkeiten, die den Karneval auszeichnen, zu erkennen. Tatsächlich haben die Indianer dem gewaltsamen Ansturm der Europäer, die bei ihnen eingefallen sind, nicht Stand gehalten. Und manche von ihnen
leben heute in Reservaten. Das hat mit Rassismus nichts zu tun, denn es ist eine Beschreibung der Tatsachen.

geronimo“Lieber Rothaut als Braunhaut”, steht, wie heute.de selbst schreibt, auf einem weiteren, also einem anderen Wagen. Dass ein Zusammenhang besteht, steht für den manischen Rassismus-Sucher in der Redaktion außer Frage, deshalb verkennt er die ebenfalls mögliche Interpretation, nach der man lieber ein Kommunist als ein Nazi sein soll. Und der Bettelarme im eigenen Land, der sich wünscht, ein Migrant zu sein, er mag davon träumen, in die Türkei auszuwandern, um dort Klima, Land und Leute zu genießen.

Fixierte Rassismus-Fetischisten, wie sie derzeit in Deutschland Amok laufen, Fremdenfeindlichkeits-Fetischisten, die ihren Fetisch nach Auffinden landesweit zur Schau stellen müssen, sie vergiften die Stimmung im Land, sie sorgen dafür, dass sich bei manchen der Eindruck verstärkt, in einem Land voller Xenophober zu leben, während andere denken, in einem Land der Hobby-Blockwarte zu leben, die nichts besseres zu tun haben, als Kleinstbegebenheiten zum nationalen Notstand zu erheben. In jedem Fall treiben sie Keile in die Gesellschaft, ohne dass dazu irgendeine Notwendigkeit bestehen würde. Und auf diese Weise wird selbst am Karneval, wie Heike Diefenbach es formuliert hat, alles zur Inszenierung von Unversöhnlichkeiten missbraucht.
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Rassismus-Voyeuristen und Rassismus-Blockwarte

Affentheater bei der Fussball-WM in Brasilien, do-gooders on the loose, wie man in Britannien sagt.

NO FIFA 2014Zunächst ein Geständnis: Keiner der Redakteure von ScienceFiles hat bislang auch nur eine Minute von der Fussball-Weltmeisterschaft gesehen und das obwohl die meisten von uns Fussball-Fans sind oder besser: waren. Denn: die politische Korrektheit hat den Fussball übernommen. FIFA und UEFA sind offensichtlich der Ansicht, sie könnten sich durch politisch korrektes Verhalten vom Verdacht der Korruption und Bestechung freikaufen, und entsprechend kann man kein Fussballspiel mehr ansehen, ohne gemahnt zu werden, dass Rassismus im Sport nichts zu suchen hat. Nicht nur das: Seit die Mittelschicht den Fussball entdeckt hat, ist er zur körperlosen Sportart verkommen, bei der nicht mehr getackled werden darf, denn wer seinen Gegenspieler berührt, wird geahndet. Herausgekommen ist ein steriler Sport, der kaum mehr Unterhaltungswert hat. Folglich sind wir zum Rugby abgewandert und Scarlet-Supporters geworden…

Nun zum Affentheater.

Manche Leser werden sich an das Konzept der Salience erinnern, das wir auf ScienceFiles schon einmal besprochen haben. Es wurde u.a. von Paul Slovic (1992) in die Sozialpsychologie eingeführt, und seine Erforschung hat eine Reihe interessanter Ergebnisse erbracht.

Salience beschreibt die Tatsache, dass Akteure dazu tendieren, Ereignisse, die prominent und herausgehoben sind, höher zu bewerten und länger zu erinnern als alltägliche Ereignisse; Die Folgen von Contergan sind entsprechend bekannter als die (quantitativ erheblicheren) Nebenwirkungen von Salizylsäure (Aspirin) (Ferner, 1992, S.126)

Salience verzerrt  die Wahrnehmung und führt dazu, dass bestimmte Dinge, z.B. Risiken, die sich mit bestimmten Verhaltensweisen verbinden, abweichend von deren tatsächlichem Risiko bewertet werden. Slovic Fischhoff und Lichtenstein (1981: 20) haben untersucht, warum bestimmte Dinge z.B. als prominenter oder als wichtiger oder als verbreiteter wahrgenommen werden als sie es tatsächlich sind. Eine der wichtigsten Variablen, die sie dabei entdeckt haben: einseitige Berichterstattung in den Medien.

Ein weiteres Konzept, das mit Salience eng verwoben ist, wird von uns in der Regel als Helfersyndrom bezeichnet. Man kann es konzeptionell wie folgt fassen: Helfer, die sich z.B. um Gruppen delinquenter Jugendlicher kümmern, machen sich selbst zum integralen Bestandteil dieser Jugendgruppen und sorgen dafür, dass die entsprechenden Jugendlichen einen Anreiz haben, in ihrer Gruppe zu verbleiben. Ohne den entsprechenden Anreiz hätten sich die entsprechenden Jugendgruppen vermutlich längst aufgelöst.

Schließlich benötigen wir noch das Phänomen der negativen Stereotypisierung, die Stereotypisierung dadurch hervorbringt, dass sie regelmäßig vor den Folgen von Stereotypisierung warnt, was voraussetzt, dass mit Stereotypen herumhantiert werden muss: Wer gegen Rassismus agitieren will, muss notwendig und ständig Rassismus beschwören.

SwastikasUnd damit sind wir endgültig beim Affentheater.

Zwei deutsche Fans, so berichtet Spiegel Online , also zwei (2), seien in Brasilien und im Spiel gegen Ghana dadurch aufgefallen, dass sie sich die Gesichter schwarz angemalt hätten. Davon berichtet auch die Daily Mail, aber offensichtlich hat die Daily Mail einen anderen Bilderlieferanten, denn die beiden deutschen Fans von Spiegel Online und Daily Mail stimmen nicht miteinander überein.

Einigkeit besteht darüber, dass derjenige, der im Spiel zwischen Deutschland und Ghana für eine Spielunterbrechung gesorgt hat, seinen Oberkörper mit Zeichen bemalt hat, die man einerseits als Telefonnummer und email-Adresse interpretieren kann, anderseits als Zahlen und Buchstaben, die rund um zwei SS-Runen angeordnet sind.

Wir reden also von diesen drei Fans, und es sind diese drei Fans, die bei FARE, einem Netzwerk, dessen Mitglieder gegen Diskriminierung und für Inklusion streiten, für Aufregung gesorgt haben. Die beiden Deutschen, die ihre Gesichter angemalt haben, erinnern die FAREler an Blackfacing, von dem man wiederum bei Spiegel Online , folgendes zu wissen meint:

“Bei dieser Schauspielpraxis aus dem 19. Jahrhundert schminkten sich in den Südstaaten der USA weiße Darsteller das Gesicht schwarz, um sich in stereotypen Darstellungen über Schwarze lustig zu machen.”

Wie einfach die Welt für manche doch ist, vor allem, wenn sie gegen Rassismus zu Feld ziehen und dabei ihren eigenen Rassismus so offen zur Schau stellen. Natürlich muss es für Spiegel-Online der Süden der USA sein, in dem Blackfacing betrieben wurde, denn der Süden der USA, das waren die Staaten, in denen auch Sklaven gehalten wurden, von weißen Rassisten: Weiße rassistische Südstaaten eben. Nur mit der Realität hat das ganze nichts zu tun, denn Blackfacing ist nicht per se eine Methode komischer Ku-Klux-Klan-Mitglieder, um sich über Schwarze lustig zu machen. Nein, Blackfacing ist etwas, was man sich bei Spiegel Online und bei sonstigen einfach gestrickten Anti-Rassisten nicht vorstellen kann, Blackfacing ist ein Mittel weißer Komödianten, das eingesetzt wurde, um sich über die weiße Mehrheitsgesellschaft und ihre Mitglieder lustig zu machen, also z.B. über die jenigen, die damals mit Redakteuren von Spiegel-Online vergleichbar waren.

Behind the cork maskWilliam J. Mahar, der mit Sicherheit deutlich mehr über Blackfacing weiß, als Spiegel-Redakteure und alle, die sich heute darüber aufregen, zusammengenommen, schreibt in seinem Buch “Beyond The Burned Cork”, das das Phänomen des Blackfacing zum Gegenstand hat:

“Even though racism was its underlying reason for exploiting the low status of African Americans as a comic device, blackface comedy stressed the use of caricatures and stereotypes because they provided the best vehicles for criticizing the differences between what society promised and what it delivered. The sketches overemphasized the importance of perceived and real racial differences to ridicule the contradictions lower- or middle-class Americans found in their daily lives …” (186).

Soweit zum Blackfacing.

Zurück zu den drei Fans, die FARE Aktivisten aufgefallen sind und von den Aktivisten genutzt werden, um bei der FIFA zu protestieren. (Den kolumbianischen Fan, der mit einer Mönchkutte bekleidet gesehen wurde, auf der angeblich Hakenkreuz-Schmierereien zu sehen waren, lassen wir einmal außen vor. Das Hakenkreuz, die Swastika ist übrigens in vielen Kulturen ein religiöses Symbol…).

Wem wären die drei aufgefallen, wenn es nicht FARE-Aktivisten gäbe?

Welchen Niederschlag in der internationalen Presse hätten die drei Aktivisten gefunden, gäbe es nicht geradezu eine Sucht auf Fans, die ihrer Aufmachung nach den Verdacht begründen könnten, hier handele es sich um Rassisten?

Und selbst wenn es sich bei den Dreien um Rassisten handelt: Welche Bühne für ihren Rassismus hätte sich ihnen ohne die vielen Rassismus-Voyeure, die sich selbst als Antirassisten bezeichnen, geboten, die die Fussballweltmeisterschaft nur aus einem Grund anzusehen scheinen: In der Hoffnung einen Fan zu sehen, den man dann als Rassisten brandmarken und international durch die Presse treiben kann?

Drei Figuren sind heute in der Lage, die internationale Presse dazu zu veranlassen, die Schlechtigkeit der Welt zu besingen und den Rassismus-Notstand auszurufen. Drei Figuren sorgen dafür, dass eine Horde von Rassimus-Hysterikern, die sich als Blockwarte am Eingang ins antirassistische Paradies zu verstehen scheint, auffährt und mit lautem Geschrei durch die Gegend läuft.

Man hat nicht nur irgendwie das Gefühl, hier wedelt der Schwanz mit dem Hund, hier wedelt der Schwanz mit dem Hund: Hier wird eine Begebenheit, die vollkommen belangslos ist, weil die zwei Figuren mit schwarzem Gesicht nur denen aufgefallen wären, die in ihrer unmittelbaren Nähe sind, wenn sie nicht von Rassismus-Voyeuren prominent gemacht worden wären, zum moralischen Monstrum aufgebläht. Die Anti-Rassisten von FARE und ihre Helfer bei internationalen Medien, die mehr am Publikum als am Fussball interessiert sind, machen also Rassismus erst prominent. Sie sorgen für Salience, dafür, dass man den Eindruck gewinnen könnte, die Welt ist voller Rassisten.

ScarletsUnd das muss die Welt ja auch sein, schließlich müssen Gelder losgeeist werden, um den Kampf gegen Rassismus zu finanzieren, und Zeitungen, so scheinen manche zu denken, verkauften sich auch besser, wenn man darin politisch korrekt den furchtbaren Rassismus der Proleten vor Ort, die sich Fan nennen, zur Schau stellt. Wir finden das eine so widerlich wie das andere, und während man den Fans, so sie denn nicht nur dumm, sondern auch rassistisch sind, nur ankreiden kann, dass sie dumm und rassistisch sind, muss man denen, die versuchen mit ihnen Geschäfte zu machen, einen sekundären Rassismus, gepaart mit Voyeurismus und Heuchelei zum Vorwurf machen. Schließlich reden sie eine Kleinigkeit zum Problem hoch, um es dann dazu zu benutzen, sich zuerst als moralisch überlegen auszuweisen, wo sie doch nichts anderes sind als kleine Spanner, und dann zu beklagen, dass nichts gegen den Rassismus getan wird – was auch immer, man weiß nicht so richtig, was ihnen vorschwebt, aber vermutlich wären sie der Idee, vermeintliche Rassisten im Namen der guten Welt standrechtlich zu erschießen, nicht abgeneigt.

Es sind diese Widerlichkeiten, die sich in den Fussball eingeschlichen haben, seit die Mittelschicht den ehemaligen Proletensport entdeckt hat, die uns den Spaß am Fussball vergällt haben. Sie werden durch die FIFA-Heucheleien und politischen Korrektheiten rund um das Spielfeld verstärkt und durch den Voyeuerismus derjenigen, die sich für Kämpfer gegen den Rassismus halten und der Medienschaffenden, die mehr Interesse daran haben, die Kamera ins Publikum zu richten und daran, die Verwandtschaftsverhältnisse der Spieler zu verbreiten, als daran, von einem Spiel zu berichten verstärkt.

Man muss vor diesem Hintergrund Mitleid mit Fussballspielern haben. Sie sind die modernen Gladiatoren, die von vielen, die ihnen zusehen, für ganz andere Zwecke benutzt werden. Sie sind nur der Anlass der genutzt wird, um ganz andere Dinge als das Spiel der 22 Mannen zu verbreiten, andere Dinge, die bei politischer Korrektheit beginnen und bei öffentlicher Entrüstung über einen vermeintlichen Biss, der in Lynchjustiz mündet, die selbst die bislang berichteten Widerlichkeiten noch toppt, nicht endet – aber natürlich ist es etwas anderes, wenn Gutmenschen öffentlich hinrichten, intentional zumindest.

Deshalb haben wir keinerlei Interesse an der Fussballweltmeisterschaft.

P.S. Ein Season Ticket für die Scarlets (RABO-Direct) kostet £150.

P.P.S. Vielen Dank an den Leser von ScienceFiles, der uns auf die Berichterstattung in Spiegel Online hingewiesen hat.

Ferner, R. E. (1992). Hazards, Risks and Reality. British Journal of Clinical Pharmacology 33: 155-128.

Slovic, Paul (1992). Perception of Risk: Reflections on the Psychometric Paradigm. In: Krimsky, Sheldon & Golding, Dominic (eds.). Social Theories of Risk. Westport: Praeger, pp.117-152.

Slovic, Paul, Fischhoff, Baruch & Lichtenstein, Sarah (1980). Facts and Fears: Understanding Perceived Risk. In: Schwing, Richard C. & Albers, Walter A. (eds.). Societal Risk Assessment: How Safe is Safe Enough? New York: Plenum Press, pp.181-211.

 

 

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