Salience: Wenn die Unnormalität Feste feiert

Choice Values FramesSalience ist ein interessantes Konzept, beschreibt es doch das Zusammenspiel von zuweilen falscher Wahrnehmung und der Bildung von Stereotypen. Ein schönes Beispiel für Salience ist Risikowahrnehmung. Kaum jemand hat ein Problem damit, nach Pompeji zu reisen, obwohl der Vesuv jederzeit ausbrechen kann. Aber viele haben ein Problem mit Kernenergie, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze geringer ist, als die Ausbruchswahrscheinlichkeit des Vesuv. Die Erklärung für diese Fehlwahrnehmung wird in der Regel mit Salience gegeben: Fukushima ist überall und beeinflusst die Risikowahrnehmung von Kernenergie, über den Vesuv wird bestenfalls als Touristenattraktion berichtet, nicht jedoch als tickende Zeitbombe in einem dicht besiedelten Gebiet.

Ein anderes sozialpsychologisches Konzept wurde von Tversky und Kahneman als Ankerheuristik bezeichnet. Es beschreibt den Umstand, dass der Ausgangspunkt eines Denkprozesses dessen Ergebnis beeinflusst.

Testpersonen wurden gebeten, das Produkt zweier Zahlenreihen zu schätzen, wobei sie nicht länger als drei Sekunden auf die Zahlenreihen blicken konnten. Zahlenreihe 1: 1*2*3*4*5*6*7*8; Zahlenreihe 2: 8*7*6*5*4*3*2*1. Hunderte von Testpersonen an den Universitäten Stanford, British Columbia und Tel Aviv, kamen durchschnittlich zu einem Ergebnis von 512 im ersten Fall und von 2.250 im zweiten Fall. Das richtige Ergebnis in beiden Fällen lautet: 40.320. Offensichtlich wirkte die erste Zahl der Reihe als Anker, der das Ergebnis beeinflusst.

witchcraftVerallgemeinernd kann man sagen, dass die Voraussetzungen, mit denen man an ein Thema herangeht, das Ergebnis beeinflussen, wenn nicht gar determinieren. Ein Zusammenhang, der auch unter dem Namen “Framing” bekannt ist. Framing liegt vor, wenn Archäologen große Gefäße nur als Opferbecken und alles, was sie nicht verstehen, als rituelle Gegenstände zu interpretieren im Stande sind. Framing liegt vor, wenn Sozialarbeiter in allem, was nicht ihrer Vorstellung von normal entspricht, einen behandelswerten Zustand erblicken. Framing liegt vor, wenn Soziologen an alle Forschungsgegenstände mit einer affektiven Abwehrhaltung gegen das, was sie z.B. als Neoliberalismus ansehen, herangehen, und Framing liegt vor, wenn Politikwissenschaftler die Europawahlergebnisse besprechen ohne ein Wort auf die nicht vorhandene demokratische Legitimation der EU-Kommission zu verschwenden.

Und Framing grenzt an das Manische, wenn die eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht mehr hinterfragt wird und für bare Münze genommen wird. Der größte Narr ist derjenige, der nicht merkt, dass er sich lächerlich macht.

Dies bringt uns zu zwei Pressemeldungen deutscher Universitäten, die eine Verquickung von Salience und Framing/Ankereffekt zeigen, die nicht nur geeignet ist, Rückschlüsse auf den mentalen Zustand derer zu erlauben, die dafür verantwortlich sind, sondern die auch als sozialgefährlich einzustufen sind, denn sie graben an den Grundfesten der gesellschaftlichen Normalität.

Die erste Pressemeldung kommt aus Bielefeld und hat eine Tagung mit dem Titel “Female Intellectuals in the 20th and 21st Century” zum Gegenstand. Auszüge lesen sich wie folgt:

zif_logo“The 20th century has been named the “Century of the Intellectuals”. Numerous studies have portrayed the history of intellectuals. They all have a common trait: the blocking out of women. The aim of the conference is to enlarge the gallery of males, which the history of intellectuals has constructed, by adding portraits of women in the role of intellectuals and thereby correcting this gallery.”

Und an anderer Stelle:

„Wir wollen eine Debatte über die Frage eröffnen, ob und inwiefern das politische Engagement von Frauen über vorherrschende Idealtypen des Intellektuellen erfasst werden kann. Gibt es einen spezifischen Typus weiblichen Engagements oder bringt der Blick auf Frauen diese Typologie ins Wanken?“, sagt die Leiterin der Tagung, die Bielefelder Historikerin Professorin Dr. Ingrid Gilcher-Holtey.”

Die zweite Pressemeldung kommt von der Ernst-Moritz-Arndt Unversität in Greifswald und ist überschrieben mit: “Von vierzehn Frauen, die auszogen, um ihren Weg zu gehen”, eine moderne Version des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten also. In dieser Pressemeldung heißt es:

Logo Uni Greifswald“Sie nehmen in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenpositionen ein und könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie organisieren Unternehmen, tüfteln an Enzymen oder physikalischen Phänomenen, konstruieren Maschinen, arbeiten als Richterin oder sind Journalistinnen. So unterschiedlich ihre Aufgabengebiete auch sein mögen, eines haben alle gemeinsam: Sie sind Karrierefrauen.”

Die beiden Pressemeldungen eignen sich hervorragend, um über die Diskussion dessen, was Salience bewirkt, das Framing der Autoren und vielleicht sogar ihren mentalen Zustand zu erschließen.

Beide Pressemeldung haben gemeinsam, dass sie so tun, als wäre die Tatsache, dass Frauen Karriere machen, dass es Frauen im öffentlichen Leben gibt, eine Errungenschaft des Genderismus. Anders formuliert: Beide Pressemeldungen arbeiten am Mythos der unsichtbaren Frauen, die über die Jahrtausende keinerlei Platz im öffentlichen Leben einer Gesellschaft gefunden hätten.

Dabei geht Frau Ingrid Gilcher-Holtey von der Universität Bielefeld gar so weit zu behaupten, dass Frauen aus der “Galerie der Intellektuellen des 20. Jahrhunderts” absichtlich, vermutlich von bösen Männern herausgehalten werden. Was Personen wie Gilcher-Holtey, die Verschwörungstheorien aus der untersten Schublade vertreiben (manche Verschwörungstheorien sind intelligent, aber die von Gilcher-Holtey ist nur primitiv), an Universitäten zu suchen haben, ist eine Frage, die andere beantworten müssen, ebenso wie die Frage, wieso öffentliche Fördergelder benutzt werden, um Treffen von Sektenmitgliedern an Universitäten zu organisieren, an denen sie dann ihrem Glauben huldigen können.

Was uns angeht, wir kennen keine Galerie der Intellektuellen, die nur Männer beinhaltet, aber wir kennen eine ganze Reihe von weiblichen Intellektuellen, obwohl wir noch nicht von den Sektenmitgliedern aus Bielefeld missioniert wurden. Ganz davon abgesehen, dass man sich kaum mehr retten kann vor Listen wie dieser, die die weiblichen Helden des 20. Jahrhunderts besingen sollen. Seltsamerweise fehlen dabei immer Frauen wie Emmy Noether (Mathematiker), Maria Mitchell (Astronom), Anna Atkins (Botaniker), Ida Freund (Chemiker), Lise Meitner (Kernphysiker), Ruth Benedict (Anthropologe), Phyllis Starkey (Biochemiker), Amanda Chessell (Informatiker), Mamie Clarke (Psychologe) und viele andere, die in ihren Fächern bekannt sind und in den vorhandenen Bibliotheken leicht auffindbar sind, jedenfalls dann, wenn einem die Manie, Frauen würden aus öffentlichen Galerien (was immer das auch sein mag) herausgehalten, nicht davon abhält, die Augen aufzumachen und sie zu benutzen.

Damit zur Pressemeldung aus Greifswald, die die Prämisse der Außergewöhnlichkeit weiblicher Karrieren feiert und auf der weiteren Prämisse basiert, dass man selbst als Frau Karriere machen kann, dann halt als Karrierefrau. Wie schön. Und damit die Nachricht auch wirklich ankommt, werden all die berichteten Unterschiede zwischen den 14 mecklenburg-vorpommerschen Stadtmusikanten beseitigt und ihr eines sie auszeichnendes Merkmal der Weiblichkeit gefeiert, das doch gar keine Behinderung ist und es selbst Frauen ermöglich, Karriere zu machen.

impact-factorWenn derartige Pressemeldungen überhaupt etwas erreichen, außer einem Kopfschütteln und einem Post auf ScienceFiles, der zeigt, in welchem manischen Frame sich die entsprechenden Verantwortlichen befinden (An ScienceFiles ist mit Dr. habil. Heike Diefenbach eine weibliche Intellektuelle beteiligt, aber mit dem Urteil und der Ratio von aktuellen Intellektuellen haben es die Manischen in Bielefeld nicht so, sie sind mehr darn interessiert, ihre eigene Unnormalität zu feiern. Das ist auf dem Rücken von Toten leicht möglich, denn die können sich nicht wehren, während Lebende Antworten geben können, die nicht in das ideologische Raster von Feministen passen könnten.), dann ist es eine Form von Salience, die all die Frauen, die es in der normalen öffentlichen Wahrnehmung gibt, von denen jeder Schüler schon einmal in dem ein oder anderen Zusammenhang gehört hat und von denen sicherlich jeder, der sich mit den entsprechenden Bereichen befasst, Kenntnis hat, als Abnormitäten dargestellt werden.

Sie werden zum unnnormalen Auswuchs im von feministischen Vorurteilen beherrschten Gehirn.  So will es die Manie derer, die denken, Frauen waren, bevor es den Feminismus gab, dumme, abhängige und vor allem hilflose Opfer fieser Männer. In ihrem Versuch, die Geschichte umzuschreiben und als patriarchalisch beherrschtes Gefängnis zu phantasieren, in dem außerhalb des eigenen Hauses für Frauen kein Platz war, werden die Frauen, die nicht in das phantasierte Stereotyp dieser Feminsten passen, eben als Kollateralschaden aus der Geschichte beseitigt. Ganz so wie sie meinen, es Männern vorwerfen zu können, und frei nach dem Motto: Besser keine Frauen als unterdrückte Frauen.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass die Anzahl der Frauen in Wissenschaft und Forschung, die Anzahl unter denen, die Patente anmelden und die Anzahl unter denen, die Wissenschaft und Intellektualität nach außen repräsentieren, nach wie vor geringer ist als die der Männer und dass sie es auch über die letzten Jahrhunderte war. Daran kann auch der Feminismus nichts ändern, denn über die Wahrheit haben Feministen keine Gewalt. Aber Wahrheit und Empirie interessieren Ideologen nicht, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben.

Jedoch kann festgestellt werden, dass es Bereiche gibt, in denen sich eine große Anzahl von Frauen klumpt, die von einer geschlechtlichen Selbstbetrachtung beherrscht sind und deren wie es in der Wissenschaft neuerdings heißt “impact factor”, wenn es um Erkenntnis und Wissensfortschritt geht, gleich null ist.

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