Rechtsterrorismus in Heidenau

Es gab einmal eine Zeit, da haben Politikwissenschaftler selbst dann oder gerade dann, wenn sie sich als Extremismusforscher begriffen haben, ihre Begriffe mit Bedacht gewählt und sehr klar zwischen Radikalismus, Extremismus und Terrorismus unterschieden.

Methode PowiDiese Zeit der analytischen Klarheit, sie ist offensichtlich vorbei. Alles ist eins, alles wird vermengt und verrührt, bis aus einer Gruppe, die sich gebildet hat, “eine radikale, eine extremistische Gruppe” wird, die “Gewalt als legitim betrachtet” und von einer “rechtsterroristischen Mentalität” gestützt wird.

Der, der das mit Blick auf die Ereignisse in Heidenau sagt, ist “Rechtsextremismusforscher”, wie es beim Deutschlandfunk heißt. Er leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld und besetzt einen Lehrstuhl für Sozialisation und Konfliktforschung ebenda. Sein Name ist Andreas Zick.

Andreas Zick gibt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Einschätzungen über diejenigen, die in Heidenau demonstrieren oder randallieren von sich, über die man als Politikwissenschaftler nur den Kopf schütteln kann. Die Kurzform seiner Behauptungen lautet wie folgt:

Rechtsradikale, Rechtextremisten, Rechte halt, die haben in Heidenau eine organisierte Gruppe gebildet, eine terroristische Gruppe, die von einer rechtsterroristischen Mentalität getragen und gestützt wird, von Mitlauf-Bürgern, die sehen wollen, wie die Rechten das Recht in die eigene Hand nehmen und vor Ort für Ordnung sorgen. Sie wollen ein “eigenes Rechtssystem etablieren”.

Diese Kernaussage von Zick ist umrankt mit einer Reihe weiterer Behauptungen.

“Es gibt einen Riss durch die Gesellschaft”, so konstatiert Zick, einen Riss, der “polarisiert”. Es ist ein seltsamer Riss, der da durch “die Gesellschaft” geht, denn er teilt die Gesellschaft nicht in zwei, wie man schon wegen der Polarisierung denken könnte, Teile, sondern in drei: (1) in Zivilcourage Bürger, die eine Willkommenskultur vertreten (2) in “ein Drittel der Bevölkerung”, das keine Zuwanderer will und (3) in “radikale Gruppen” (also jetzt keine extremistischen Gruppen), die “versuchen, Gewinne zu machen, und die sagen, wir sorgen für Ordnung”.

Diese dreigeteilt, polarisierte und gerissene Gesellschaft, sie ist durch das Zusammenwachsen von Rechtspopulismus und Rechtextremismus möglich geworden, so behauptet Zick. Die neue “Landschaft, die hochgradig polarisiert ist”, bei der “Propaganda mit Gewalt zusammenwächst”, sie hat ihre Ursache in der Pegida. Welche kausalen Mechanismen zwischen denen, die in Dresden demonstriert haben und denen, die in Heidenau demonstrieren oder randallieren, vorhanden sind, das weiß Zick auch.

Scheinbar bemüht er psychoanalytische Einsichten, wenn er eine “rechtsterroristiche Mentalität” zu erkennen glaubt. “[Rechtsterroristische Mentalität], das heißt, das Rechtssystem, was vor Ort eigentlich gelten sollte, das wird infrage gestellt und als illegitim betrachtet, und Gewalt ist legitim. Da fängt der Rechtsextremismus an”. Und: “Rechtsextremismus fängt da an, wo Gewalt als legitim betrachtet wird”.

Die kausale Welt von Andreas Zick sie sieht eine organisierte Gruppe in Heidenau, die das Recht in die eigene Hand genommen hat, eine rechtsextremistische Gruppe, die Gewalt für legitim hält und durch eine rechtsterroristische Mentalität gestützt wird, die wiederum Mitglieder der Gruppe und die Mitlauf-Bürger besitzen. Sie besitzen die rechtsterroristische Mentalität deshalb, weil mit Pegida Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zusammen gewachsen sind.

Prof FacepalmWenn das die Einsichten sind, die man als Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an seine Studenten weitergibt, dann ist es um die deutsche Wissenschaft und vor allem um die methodische Begründung der Sozialwissenschaften rabenschwarz bestellt, dann ist längst die Ideologie an die Stelle der Wissenschaft getreten, die Ideologie, die nichts dabei findet, eben einmal alle, die aus welchen Gründen auch immer gegen Flüchtlinige demonstrieren, zu von rechtsterroristischer Mentalität Getriebenen zu stempeln, die Freude an Gewalt haben.

Das sagt einer, der angeblich die Polarisierung der Gesellschaft beklagt!

Wo soll man bei diesem typologischen Durcheinander beginnen?

Terrorismus ist ein geschützter sozialwissenschaftlicher Begriff, den man gerade als Sozialwissenschaftler nicht einfach denen entgegen schleudern kann, deren Handlungen man nicht mag.

Terrorismus wird gewöhnlich definiert als:

„The use of threat of action designed to influence the government or an international governmental organization or to intimidate the public, or a section of the public, made for the purpose of advancing a political, religious, radical or ideological cause and it involves or causes serious violence against a person; serious damage to a property; a threat to a present life; a serious threat to the health and safety of the public, or serious interferences with or disruption to an electronic system”.

Die Definition ist jedoch nicht vollständig, denn Terrorismus umfasst auch ein kommunikatives Element:

„Without being noticed, in fact, terrorism would not exist. The sheer act of killing does not create a terrorist act: murder and wilful assaults occur with such frequency in most societies that they are scarcely reported in the news media. What makes an act terrorism is that it terrifies. The acts to which we assign that label are deliberate events, bombings and attacks performed at such places and times that they are calculated to be observed. Terrorism without its horrified witnesses would be as pointless as a play without an audience” (Juergensmeyer 2003: 139).

Es kann jeder für sich entscheiden, ob das, was aus Heidenau berichtet wird, als Terrorismus angesehen werden kann oder ob Andreas Zick hier meilenweit über das Ziel hinausgeschossen ist – vielleicht aufgrund einer hyperhysterischen Mentalität.

Wie dem auch sein, ein paar Konsequenzen von Aussagen Zicks sind bemerkenswert:

Wenn für ihn die Anwendung von Gewalt die Trennlinie zwischen Radikalismus und Extremismus beschreibt und er eine rechtsterroristische Mentalität bei der von ihm identifizierten organisierten Gruppe in Heidenau sieht, die Gewalt als legitimes Mittel ansieht, dann muss er konsequenterweise, die organisierte Gruppe, die in Leipzig Polizeiwachen und Polizeibeamte überfällt oder randallierend durch die Innenstadt zieht, als linksextremistische Gruppe mit linksterroristischer Mentalität bezeichnen und in seine Konflikt- und Gewaltforschung einbeziehen.

Amadeu Antonio GUVSchließlich beendet Zick sein Interview mit den üblichen Hinweisen darauf, dass “man … Beratung” und “Clearing Stellen” braucht, um einen Schutzschild für Flüchtlinge zu bauen. Es gibt eben nichts, das so schrecklich ist, so voller rechtsterroristischer Mentalität, dass es nicht noch möglich wäre, öffentliche Mittel herauszuschlagen, um das Furchtbare zu bekämpfen, das gerade zur rechtsterroristischen Mentalität stilisiert wurde, mit dem Ergebnis, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung davon befallen sind und entsprechend geheilt werden müssen.

Heilung gegen den Virus des Rechtsextremismus und Schutz der durch Rechtsextremismus (oder war es Rechtsradikalismus) Gefährdeten verspricht z.B. die Amadeu Antonio Stiftung , die jährlich mit rund 850.000 Euro vom BMFSFJ finanziert wird, eine Finanzierung, die umso einfacher zu legitimieren ist, je dringlicher die Not, rechsextremistische Strömungen, nein, rechtsterroristische Mentalitäten zu bekämpfen, ist.

Wie es der Zufall so will, ist Andreas Zick Vorsitzender des Stiftungsrats der Amadeu Antonio Stiftung und hat somit ein Interesse an der Stiftung und vor allem daran, dass die 21 Angestellten der Stiftung , die sich dem Kampf gegen Rechts gewidmet haben, auch im nächsten Jahr noch aus dem Etat des BMFSFJ finanziert werden. Eine rechtsterroristische Mentalität, die große Teile der Bevölkerung befallen hat, ist zur Sicherung dieser Finanzierung sicherlich nützlich.

Zick ist somit ein weiteres Beispiel für die unsägliche Verquickung von Ideologie, Ministerien und Wissenschaft, bei der die Wissenschaft auf der Strecke bleibt, weil man für die Produktion von Erkenntnissen nicht gefördert wird, sondern dafür, dass man ideologische Schützenhilfe für das leistet, was gerade als politisch opportun angesehen wird. Dafür erfinden manche selbst rechtsterroristische Mentalitäten. Warum Mentalitäten? Das ist einfach zu beantworten: Mentalitäten kann man beliebig phantasieren, aber nicht messen!

Noch ein Wort an all diejenigen, die in Heidenau gegen Flüchtlinge demonstrieren: Sie demonstrieren gegen die Falschen! Die Kosten, die durch Flüchtlinge entstehen, sind – wie Franz Müntefering wohl sagen würde: Peanuts, verglichen mit dem Geld, das den politisch opportunen Gefahrenbekämpfern in den Rachen geworfen werden, die sich im Speckgürtel des BMFSFJ angesiedelt und ein vitales Interesse an der Fortexistenz von nicht nur Rechtsextremismus haben. Hier wäre die Demonstrationsenergie, die in Heidenau vergeudet wird, deutlich besser eingesetzt.

Das Interview mit Andreas Zick im Deutschlandfunk findet sich hier.

Juergensmeyer, Mark (2003). Terror in the Mind of God. The Global Rise of Religious Violence. Berkeley: University of California Press.

Feministische Netzwerke an Universitäten – Uboote der Grünen aus Steuermitteln finanziert?

HU-BerlinIm letzten Post haben wir vom Berliner Görenaufstand geschrieben, mit dem eine Initiative feministischer Ideologen erklärt, dass  “eine feministische Kritik dringlicher denn je” sei. Feministische Kritik, das müssen wir als Leser des Pamphlets der Berliner Gören sagen, besteht ganz offensichtilch darin, abstruse Behauptungen aufzustellen, wie die Behauptung, dass Frauen weniger verdienen würden als Männer, Entwicklungen, die einem ideologisch nicht passen, sprachlich zu diskreditieren und mit kleinen Einsprengseln wie “immer noch” suggerieren zu wollen, dass man gerade dabei ist, den entsprechenden Entwicklungen den Garaus zu machen und sich ansonsten in der satten Pose des gesellschaftlichen Betrachters zu gefallen, der den anderen eben einmal verkündet, wie ihm die Welt vorkommt. Nun interessiert es nur wenige andere, wie Feministen die Welt vorkommt, und entsprechend stampfen die feministischen Ideologen mit dem Fuß auf und fordern Aufmerksamkeit etwa in der Weise, in der eine Supermarktkette versucht, mit extra viel Lärm auch noch den letzten Ladenhüter an den Mann zu bringen.

Was vom Aufruf der sich selbst als Wissenschaftlerinnnen bezeichnenden Ideologen zu halten ist, haben wir bereits im letzten Post geschrieben. Das aktuelle Post wollen wir dazu nutzen, ein wenig Netzwerkforschung zu betreiben.

Netzwerke, die Bildung von Netzwerken, von feministischen Netzwerken, steht für Feministen immer hoch auf der Agenda. Nichts, was das BMFSFJ mit Steuergeldern im Rahmen seiner eigenen staatsfeministischen Agenda fördert, kommt ohne Netzwerkbildung aus. Entsprechend wird der Großteil der Fördergelder, also der Steuergelder, dafür verbraucht, Treffen zu organisieren, damit sich die vielen Nutznießer aus dem Programm kennen lernen und gegenseitig auf die Schultern schlagen können (oder damit sie wissen, wo die Konkurrenz um die Mittel des BMFSFJ steht). Das ist zwangsläufig so, denn inhaltlich haben die Projekte des BMFSFJ alle dieselbe Marschrichtung, Jungen in Kindertagesstätten oder soziale Berufe zu treiben und Mutterschaft als das Ereignis hinzustellen, ohne dessen Eintritt Frauen keine höhre Weihe zuteil wird und Männer nicht die Freuden der Work-Life-Balance erleben können.

HBS_logo_de_390x53Entsprechend hat es uns interessiert, welches Netzwerk feministische Ideologen, die sich selbst als “feministische Wissenschaftlerinnen” tarnen, zu kommandieren im Stande sind. Diese Frage ist umso interessanter als der Aufruf der Berliner Gören eine ziemlich spärliche Ressonanz vorzuweisen hat, wovon sich jeder, der das Häuflein der Unterstützer am Ende des Aufrufs betrachtet, selbst überzeugen kann. Also haben wir uns auf die Recherche gemacht und die folgenden Trophäen von unserer Pirsch durch feministisches Gestrüpp mitgebracht.

  • An erster Stelle ist ein alter Bekannter zu nennen, ein Bekannter, der einem eigentlich sofort hätte einfallen müssen, denn immer dann, wenn es darum geht, Steuergelder zweckzuentfremden und eine eigene ideologische Agenda zu unterstützen, ist er da: das Gunda Werner Institut, der Taxmoney-Kill-Tank (TKT) der Heinrich Böll Stiftung

Ist es nicht ein netter Zufall, dass die vollständig aus Steuermitteln finanzierte politische Stiftung der Grünen, nach einem Wahldebakel, das zumindest die Deutschen befriedigt hat, die keine Extremisten in Parlamenten haben wollen, ein Häuflein vermeintlicher Wissenschaftlerinnen aus dem Hut zaubern kann, die genau die Themen als im öffentlichen Diskurs fehlend deklarieren, mit denen Grünen/Bündnis 90 bei der letzten Wahl baden gegangen sind?

Ist es nicht eine feine Sache, wenn man nicht nur die Steuergelder zur Verfügung hat, um ideologische Agitation in eigener Sache zu betreiben, sondern auch über eine Anzahl feministischer Uboote an Universitäten verfügt, so eine Art Sleeper oder sleeping assassin, dessen Aufgabe darin besteht, im richtigen Moment zuzuschlagen und der Wissenschaft den Garaus zu machen und als fünfte Kolonne Unterstützung für die Mutterpartei zu leisten?

Entsprechend hat unsere Netzwerkforschung eine neue Komponente, denn sie erlaubt uns, die Orte, die Hochschulen zu identifizieren, die besonders von den feministischen Ubooten infiltriert sind.

Unsere Recherche hat drei Hochschulen zum Vorschein gebracht, die in besonderer Weise ein “Gender-Problem” zu haben scheinen. Es sind dies

  • Philipps Uni Marburgdie Humboldt-Universität in Berlin (zugegebener Maßen wenig überraschend),
  • die Universität Marburg und
  • die Hamburger Hochschulen, die sich am “Zentrum Genderwissen” beteiligen (es hieße wohl besser Zentrum Genderindoktrination, denn Wissen ist mit Gender unvereinbar).

Eine erfreulich kleine Liste von Hochschulen, die unsere Recherche da erbracht hat. Aber wir befinden uns noch im “Wehret-den-Anfängen-Stadium”, und entsprechend mag es sein, dass die Veröffentlichung des Pamphlets feministischer Ideologen in der zweiten Hälfte der letzten Woche und das dann anstehende Wochenende mit seinen Erfordernissen an die Work-Life-Balance dazu geführt hat, dass nur wenige Unterstützer sich noch am Arbeitsplatz befunden haben, wo sie Zugriff auf HTML-fähige MitarbeitER haben.

Dem kleinen Häuflein von Hochschulen gesellt sich eine interessante Liste ideologischer Unterstützer zu, die vom

  • Neuen Deutschland angeführt wird, was kein Wunder ist, wenn man die ideologische Ausrichtung des Pamphlets kennt. Ob sich hier Annäherungen zwischen der Linken und ihren Ablegern in vor allem Bündnis 90 abzeichnen, bleibt abzuwarten.
  • Neben dem Neuen Deutschland ist bislang der Landkreis Friedland der Linken auf das Pamphlet der feministischen Ideologen angesetzt worden und unterstützt es entsprechend (vermutlich ist eine der Unterzeichnerinnen im Landkreis Friedland für die Linke aktiv).
  • Schließlich gibt es noch eine vermeintlich emanzipatorische Linke, bei der sich offensichtlich auch Genossen finden, die der Ansicht sind, der Neoliberalismus sei schuld daran, dass Frau arbeiten müsse und kündbar sei.

Das also ist das Netzwerk derer, die sich als “feministische Wissenschaftlerinnen” bezeichnen. Und wer bislang noch einen Zweifel hatte, dass die vermeintlichen Wissenschaftlerinnen, Ideologen sind, die die Tatsache, dass sie es auf welchen Wegen auch immer auf eine universitäre Position geschafft haben, missbrauchen, der ist hoffentlich eines Besseren belehrt.

Berliner Görenaufstand: Wie Feministen Wissenschaft missbrauchen

HU-BerlinEin ziemlich missglückter Versuch, das Kommunistische Manifest zu plagiieren, ist gerade in Berlin gestartet worden. Für eine “soziale, geschlechtergerechte und offene Gesellschaft!” geben Mitglieder der Initiative “feministischer Wissenschaftlerinnen” vor, zu streiten. Herausgekommen ist das “[W]ollen, die feministische Debatte neu zu entfachen” (Man beachte den Anklang an Brandstiftung!), eine Perversion von Wissenschaft, ein Missbrauch öffentlicher Positionen und ein EInblick in die Psyche und vor allem ökonomischen Unkenntnisse “feministischer Wissenschaftlerinnen”, der einem das Gruseln lehrt. Doch der Reihe nach.

Beginnen wir zunächst mit dem offensichtlichen WIderspruch bereits in der Unter-Überschrift: “Initiative feministischer Wissenschaftlerinnen”. Man kann nicht zwei Herren dienen: Entweder man ist Wissenschaftler und der wissenschaftlichen Methode verpflichtet, dann hat die Empirie die letzte Entscheidung, was bedeutet dass dann, wenn die Empirie den eigenen Annahmen nicht entspricht, die Annahmen modifiziert werden müssen oder man ist feministisch und somit ein Ideologe, bei dem die Annahmen über der Empirie stehen und in keiner Weise aufgrund von Unverträglichkeit mit empirischen Beobachtungen, veränderlich sind. Sie sind gesetzt und dürfen nicht hinterfragt werden.

Während Wissenschaftler also auf der Suche nach Erkenntnis ihre eigenen Annahmen ständig hinterfragen und bereit sind, falsifizierende Erkenntnisse zur Kenntnis zu nehmen, sind Ideologen in keiner Weise bereit ihre Annahmen, die bei ihnen zu fixen Vorstellungen geworden sind, zu prüfen oder gar mit wissenschaftlichen Methoden wie dem Mittel der Kritik zu hinterfragen. Ideologen verkünden das Heil, und sie verkünden ihre Wahrheit auch gegen alle empirische Evidenz.

Offenkundig wird dies bereits auf der ersten Seite der “Initiativ-Schrift”, auf der behauptet wird, einschlägige Forschung und die alltägliche Erfahrung zeigten:

  • Frauen verdienen weniger als Männer
  • Mütter bringen deutlich mehr Zeit für die Familie auf als Väter
  • Rentnerinnen haben im Schnitt 60% geringeres Einkommen als Rentner

Logik f dummiesWie man in täglicher Erfahrung Aussagen über alle Frauen und alle Männer begründen kann, ist uns nicht nachvollziehbar und eine solche All-Aussage käme auch einem Wissenschaftler nie über die Lippen, hätte er doch Angst, sich lächerlich zu machen. Diese Angst haben Ideologen bekanntermaßen nicht, denn in ihrer hermetischen Welt kommen andere nur als Statisten, derer man sich bedienen kann, vor. Und so wird behauptet, dass alle Frauen weniger verdienen als alle Männer, wohlwissend, dass es Frauen gibt, die mehr verdienen als Männer und dass die Höhe des durchschnittlichen Verdienst von der Anzahl der durchschnittlich geleisteten Arbeit abhängt, was dann, wenn die Daten des Statistischen Bundesamts hinzugezogen werden, die zeigen, dass Frauen durchschnittlich weniger arbeiten als Männer kein Wunder ist. Wenn Frauen durchschnittlich weniger arbeiten als Männer haben sie zwangsläufig mehr Zeit, sich um die Familie zu kümmern und da Rentnerinnen im Durchschnitt weniger in die Rentenkasse eingezahlt haben als Rentner erhalten sie auch weniger aus der Rentenkasse als Männer.

Wer auf Basis von Aussagen, wie den oben zitierten, seine Form der Geschlechtsgleichheit fordert, wer also fordert, dass Männer nicht nur mehr arbeiten, sondern sich mit geringerem Verdienst pro Stunde begnügen als Frauen oder sich trotz mehr Arbeitsstunden mehr um die Familie kümmern oder trotz höherer eingezahlter Rentenbeiträge nur soviel entnehmen wie Frauen im Durchschnitt entnehmen, der outet sich als krasse Form eines sozialistischen Ideologen, der seinen eigenen Spleen in die Welt der Statisten, die er sieht, übertragen will.

Menschen sind für diese feministischen Ideologen nur eine Verfügungsmasse, der man vorgeben muss, was gut für sie ist. Anders ist die Normalität, mit der feministische Ideologen in Paarbeziehungen intervenieren, nicht zu erklären. Mit welcher Legitimation wollen Feministen wie Diana Auth, Brigitte Aulenbacher oder Brigitte Bargetz eigentlich anderen vorschreiben, wie sie ihr Leben, ihre Arbeitsteilung im Leben zu organisieren haben? Woher nehmen sie sich das Recht in die Beziehungen Dritter zu intervenieren? Hier wird ganz deutlich, dass die feministische Ideologie, die Christine Bauhardt oder Ortrun Brand mittragen, eine totalitäre Ideologie ist, die keinerlei Abweichung von der eigenen Heilslehre duldet.

beleidigte Leberwurst

Beleidigte Leberwurst

Nun haben die Verkünder des Heils, also die Mitglieder der “Initiative feministischer” Ideologen festgestellt, dass “[i]m Wahlkampf 2013 … Geschlechtergerechtigkeit [also das, was sie darunter verstehen und was Gleichstellung und eben nicht Gerechtigkeit ist] kein Thema” war. Sowas auch. Wo kommen wir hin, wenn die Mehrheit die Heilslehre, die Sabine Berghahn, Angelika Diezinger oder Magdalena Freudenschuss verkünden, einfach ignoriert? Entsprechend emotional tangiert sind Tatjana Fuchs, Anja Gregor, Jana Günther und Jette Hausotter, dass sie nicht gehört werden, und deshalb stampfen sie gemeinsam mit Annette Henninger, Bettina Jörgens und Karin Jurzcyk mit dem Fuss auf und:

  • “sehen, wie soziale Fragen immer mehr von ökonomischen Interessen an den Rand gedrängt werden …
  • erleben einen neoliberalen Umbruch der Gesellschaften …,
  • halten es für falsch…
  • sind entsetzt…
  • sind besorgt …
  • plädieren für eine Neubelebung einer feministischen Bewegung…

Das einzig Positive, das es hier festzustellen gibt, ist, dass die “Initiative feministischer” Ideologen, also die Berliner Gören, die feministische Bewegung für tot halten, ansonsten wäre eine Neubelebung kaum notwendig. Das macht Mut und gibt die Hoffnung, dass der die Wissenschaft veralbernde, die Wissenschaft schädigende sozialistische Unsinn, den die “Initiative feministischer” Ideologen verkündet, tatsächlich kurz vor dem Absterben ist. Und es zeigt einmal mehr, dass Feminismus in Deutschland und Staatsfeminismus im Besondern ein zutiefst sozialistisches Unterfangen ist, das bei den Berliner Gören auf der Vorstellung aufbaut, man lebe im Paradies und die gebratenen Maiskolben kämen zu allen, die sie bestellten.

economics for dummiesUm den ökonomischen Sachverstand der feministischen Ideologen einschätzen zu können, also den von z.B. Helma Lutz, Gisela Notz, Jasmin Fouati, Barbara Thiessen oder Alexandra Manske muss man sich nur vergegenwärtigen, dass Gelder, die verteilt werden sollen, irgendwoher kommen müssen. In einer Geldwirtschaft ist es nach wie vor so, dass Steuereinnahmen aus dem kommen, was erwirtschaftet und umgesetzt wird. Erwirtschaften und Umsetzen von Gütern, der Transfer von Ressourcen in Kapital setzt, das hat schon Karl Marx gewusst, Arbeit voraus. Arbeit ist die Grundlage aller Ökonomie, denn ohne Arbeit gibt es schlicht nichts, was man verteilen könnte. Diese einfache Annahme, die sich auch dem Alltagsverstand von feministischen Ideologen erschließen sollte, ist bei denselben dennoch völlig unbekannt oder Irene Messinger, Hildegard Maria Nickel, Melanie Plößer und Ute Klammer, haben ihre Welt in die Klasse der Arbeiter und die Klasse der Nutznießer der Arbeiter eingeteilt, also eine moderne Form von Sklaverei, die u.a. Christina Klenner, Sigrid Leitner und Yvonne Loft hier entwerfen.

Nur mit einer solchen Aufteilung in diejenigen, die die Geldmittel erwirtschaften und diejenigen, die sie verbrauchen, ist es zu erklären, wenn Heike Pantelmann, Katharina Pühl, Clarissa Rudolph und Karin Scherschel fordern, Kündigungen zu verunmöglichen, eine “menschenwürdige Grundsicherung” einzuführen, die “Stigmatisierung von Hartz-IV Empfängern” zu beenden, ein sinnvolles, sozial orientiertes Leben jenseits der Erwerbsarbeit einzuführen und öffentlich anzuerkennen, will heißen, zu finanzieren, wenn sie fordern, “Sorgearbeit” [vor allem für sich selbst versteht sich], der Begriff, mit dem der Rohrkrepierer Hausarbeit ersetzt wurde, finanziell aufzuwerten und die “Zentralität von Erwerbsarbeit zurückzudrängen” um Zeit für “private und gesellschaftliche Belange” zu eröffnen [Wir wünschen den Berliner Gören, dass Sie den Mut finden, diesem Lebensentwurf zu folgen und kündigen. Da sie keinen Wert auf materielle Dinge zu legen scheinen, ist der Bezug von Hartz IV für sie doch ausreichend, um eine perfekte Work-Life Balance herzustellen.]

Der US-amerikanische Ökonom Michael E. Porter hat die Typologie der Wealth-driven Society geschaffen und meint damit eine Gesellschaft, die degeneriert ist und und in der aktuelle Generation den Reichtum verleben, den ihre Eltern und Großeltern erwirtschaftet haben. Er meint damit eine Gesellschaft, die vergessen hat, dass die Mittel, die umverteilt werden sollen, eine funktionierende Ökonomie voraussetzen und von Arbeitern und Unternehmern erwirtschaftet werden müssen. Die Berliner Gören sind ein gutes Beispiel für das, was Wealth-driven Societies produzieren: Personen wie Alexandra Scheele, Tanja Schmidt, Karen Schierhorn oder Frauke Schwarting, die in ihrem Leben noch nie genötigt waren, hart zu arbeiten und deshalb keinerlei Wertschätzung für die Arbeit anderer haben.

layz assDiese arbeitenden Anderen werden zu den Sklaven, die man benötigt, um die Gelder zu erwirtschaften, die man umverteilen will. Gerechtigkeitsfragen, an denen die feministischen Ideologen, an denen Brigitte Stolz-Willig, Maria Wersig oder Brigitte Young doch vorgeben, so herausragend interessiert zu sein, kommen ihnen nicht in den Sinn, wenn sie das Geld, das andere erwirtschaftet haben, für ihre ideologischen Spleens aus dem Fenster werfen. Sie haben eben keinerlei Moral und keinerlei Empathie für arbeitende Andere. Sie wissen nicht, was es bedeutet, zu arbeiten und entsprechend wirkt es wie Hohn, wenn ausgerechnet sie sich über die “Prekarisierung von Erwerbsarbeit” mokieren, sie, die gar nicht wissen, wie Arbeit aussieht, sie, die davon ausgehen, dass ihr warmer Arbeitsplatz an der Universität über Nacht von Unbekannten gesäubert wird, dass der Müll, den sie täglich produzieren, von Unbekannten abtransportiert wird, dass die öffentlichen Verkehrsmittel, die sie selbstverständlich benutzen, von Unbekannten bewegt werden. Das alles sind Selbstverständlichkeiten, auf die feministische Ideologen ein Anrecht zu haben glauben. Mehr noch, dieses Anrecht auf die Tätigkeit von Erwerbssklaven geht soweit, dass sie für sich in Anspruch nehmen, nicht nur vom Mehrwert, den Müllfahrer, Zugschaffner oder Putzkolonnen täglich produzieren, dafür finanziert zu werden, dass sie ihre öffentliche Position an Universitäten missbrauchen, um eine “Initiative feministischer” Ideologen vermutlich mit den Ressourcen ihrer Universität und in ihrer Arbeitszeit zu starten, nein, sie nehmen gar in Anspruch, den von Dritten erwirtschafteten Mehrwert nach eigenem Gutdünken umverteilen zu können.

Man muss schon sehr in seiner ideologischen Welt befangen sein, wenn man derartig großkotzig auftritt und sich keinerlei Gedanken über diejenigen macht, deren Leben man mit der eigenen Selbstgerechtigkeit beeinträchtigt. Aber Empathie, das Mitgefühl mit anderen, war nie die Stärke von Ideologen, wenn es darum geht, das eigene Heil zu verkünden, sind Ideologen immer über Leichen gegangen.

Zur Erinnerung

Zur Erinnerung

Das Vernichtendste, das mit diesem Pamphlet einhergeht, ist die Tatsache, dass es auf dem Server einer öffentlich finanzierten Bildungsinstitution, nämlich der Humboldt-Universität in Berlin zu finden ist, dass Personen, die durch welche Form der Protegierung auch immer, in Positionen an wissenschaftlichen Organisationen gelangt sind, diese Position ungehindert dazu missbrauchen können, Wissenschaft zu pervertieren und ihre ideologischen Spleens zu verbreiten. Vermutlich wird sich kein Rektor, schon gar nicht der der Humboldt-Universität fragen, wie sich die politische Agitation der “Initiative” , die Mitarbeiter von Universitäten unterschrieben haben, darunter bislang zwölf Besetzer eines Lehrstuhls und somit verbeamtete öffentliche Angestellte z.B. mit dem Beamtenrecht vereinbaren lässt, das den Missbrauch öffentlicher Ämter zum Zwecke politischer Agitation untersagt, und natürlich wird der Rektor nicht fragen, wie viel von Steuerzahlern finanzierte Arbeitszeit aufgewendet wurde, um den 10seitigen Unsinn zu formulieren.

Deshalb fragen wir das an dieser Stelle in der Hoffnung, dass so mancher Rektor vielleicht doch entdeckt, dass eine Universität der Vermittlung von Wissen dient und entsprechend nicht als Plattform für politische Propaganda missbraucht werden, pervertiert werden kann und – in Ausnahmefällen – auf etwas aufmerksam wird, von dem er dachte, er habe es längst abgegeben: Rückgrat, Rückgrat, sich gegen den Ausverkauf seiner Universität, deren Missbrauch zu stellen.

Und abschließend sind noch zwei Positiva zu benennen:

Erstens, mit diesem Pamplet aus Berlin ist der unsägliche und dumme Streit darüber, ob Feminismus links oder rechts ist, beendet. Feminismus ist mindestens Sozialismus in neuer Umhüllung, ist der Versuch, Menschen die eigene Armut bzw. besser: Verarmung nunmehr als Gleichstellung schmackhaft zu machen.

Zweitens kann jeder Student, jeder Arbeitgeber anhand der Liste der Unterzeichner gleich eine Vorauswahl darüber treffen, wo er besser nicht studiert, sofern er an Wissenschaft und nicht an Ideologie interessiert ist bzw. darüber von wo man besser keine Absolventen einstellt, wenn man daran interessiert ist, leistungsfähige und leistungswillige Mitarbeiter einzustellen.

Und Rosenbrock zum Allerletzten – hoffentlich …

Der Kommentar, den Dr. habil. Heike Diefenbach zu “Rosenbrock zum Letzten” geschrieben hat, ist mir zu wertvoll, als dass ich ihm nicht einen eigenen Thread einräumen möchte. Es ist so etwas wie der allerletzte Versuch, die wissenschaftliche Kenntnislosigkeit, die die Heinrich Böll Stiftung und all ihre Adepten fest im Griff hat, zu durchbrechen und der Vernunft zum Einzug zu helfen. Der folgende Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach stellt daher die Fortsetzung der uralten Suche nach Vernunft dar, die schon Bertrand Russell wie folgt beschrieben hat:

“It has been said that man is a rational animal. All my life I have been searching for evidence which could support this.”

Wie UNENDLICH MÜDE einem diese Clownerien der Böll-Stifung machen! Dieses bis in die Absurdität gesteigerte Ausmass an Trotz erinnert mich an einen Zweijährigen, der, wenn er nicht bekommt, was er will, so lange schreit, bis er rot anläuft und an der Folgen der eigenen Hysterie zu ersticken droht.

Um der Böll-Stiftung diesen unschönen (Reputations-)Tod zu ersparen, will auch ich trotz der bleiernen Schwere, die ich angesichts dieser unsäglichen Angelegenheit empfinde, noch einmal eine Entwicklungschance bereitstellen:

Herr Klein hat recht: Die Diskreditierung Andersdenkender durch Worte wie “diffamiert” und ähnliche Kampfbegriffe mag als verzweifelter Versuch derjenigen durchgehen, denen es an Argumenten mangelt und die in ihrer Not zu einer Art Wortmagie (um nicht zu sagen: rituellem Singsang) greifen, von dem sie glauben, sie würde die Argumente der Andersdenkenden irgendwie “bannen”, so wie die Gesänge der Druiden auf dem Schlachtfeld den Kampf gewinnen sollten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Leute, die ernst genommen werden möchten, dermassen ins Lächerlich-Kultische abdriften. Also, lassen Sie uns das korrigieren und noch einmal versuchen, in die Normalität zurückzukehren!

Die Normalität beinhaltet die Möglichkeit der Kritik. Kritik ist berechtigt, wenn sie mit den Tatsachen übereinstimmt. So ist die Kritik, die auf diesem blog geäussert wurde, dass der Text von Herrn R. in keiner Weise ein wissenschaftlicher Text ist, schon deshalb berechtigt, weil der Text von Herrn R. eben insofern keinerlei wissenschaftlichen Standards genügt: Er hat eine intuitive, von keinerlei methodischen Überlegungen im Vorfeld geleitete Vorgehensweise bei der Auswahl seines Datenmaterials und seiner Interpretation desselben gewählt. Das kann jede/r. Das ist nicht Wissenschaft. Und in aller Klarheit muss festgehalten werden, dass es hierüber nichts zu diskutieren oder zu verhandeln gibt. KEINE mir bekannte wissenschaftliche Schule verzichtet auf eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit von Vorgehensweisen oder Interpretationen. Natürlich kann man auf diesen Anspruch verzichten, aber dann spricht man in Zungen, stellt sich jedenfalls außerhalb jeder Wissenschaft.

Dieser blog stellt – anders als Seiten der Böll-Stiftung – die Möglichkeit zum Kommentar bereit. Also hätte es denjenigen, die die Wissenschaftlichkeit von Herrn R.s Text behaupten, ein Leichtes sein müssen, ihre Argumente hier vorzustellen und mit den Kritikern in einen Austausch zu treten. Die Frage ist: Warum taten sie dies nicht?

Die einfache Antwort muss lauten: Sie wissen, dass sie es nicht können, und zwar deshalb, weil die geäußerte Kritik für jeden, der den Text von Herrn R. vor sich hat, nachprüfbar ist und sich bei dieser Prüfung unweigerlich zeigen muss, dass die Kritik berechtigt ist: Sie stimmt mit den Tatsachen überein.

Wir Kritiker geben den Verteidigern des Textes von Herrn R. erneut Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. So sollten Sie u.a. die folgenden Fragen beantworten:

  1. Was genau war die Forschungsfrage, die im Text von Herrn R. behandelt werden sollte?
    (Die Plausibilisierung der Belegung Andersdenkender mit abwertenden Adjektiven ist keine Forschungfrage, und insbesondere kann sie keine Grundlage dafür sein, dass jemand mit einem akademischen Grad ausgestattet wird.)
  2. Wie genau ist Herr R. bei der Stichprobenauswahl und der Auswahl des von ihm betrachteten Datenmaterials vorgegangen? Wie ist die Auswahl begründet?
  3. Welche Interpretations- oder Analysemethoden hat Herr R. gewählt? Welche Kategorien hat er für seine Interpretation vorher bestimmt? Welche Operationalsierungen zur Messung welcher Größen hat Herr R. im Vorfeld bestimmt? Welcher Ankerbeispiele (um mit Mayring zu sprechen) hat er im Vorfeld für die Zuordnung von Textstellen zu seinen Kategorien verwendet? Warum hat er all dies dem Leser nicht berichtet? Das sind doch wissenschaftliche Mindeststandards?
  4. Wie und mit welcher Begründung hat Herr R. den Transfer von Zuordnungen von Textstellen zu Kategorien in Bewertungen vorgenommen?
  5. Wie begründet Herr R., dass er pauschale Beurteilungen über Sachfragen vornimmt, wenn er von diesen Sachfragen gar nichts versteht? Konkret:
  6. Wie kommt er zu der Einschätzung, Frauen würden keine Gewalt gegen Männer ausüben, oder jedenfalls irgendwie “weniger” Gewalt oder Gewalt, die er anscheinend nicht so schlimm fände, wenn eine Vielzahl von empirischen Studien genau dies falsifiziert?
  7. Wie begründet er seine Einschätzung, nach der man nicht von Jungen als Bildungsverlierern sprechen könne, wenn empirisch belegt ist, dass Jungen im Aggregat sowohl im Vergleich mit sich selbst im Zeitverlauf (also von Jungen mit Jungen über die Zeit hinweg betrachtet) als auch im Vergleich mit Mädchen hinsichtlich verschiedener Indikatoren für Bildungserfolg schlechter abschneiden (als früher)? Dies ist Faktum, das sich aufgrund von Verteilungen ergibt, die die amtliche Bildungsstatistik ausweist. Verteilungsstatistiken sind keine Allaussagen, und deshalb ist z.B. die Ausweisung von Mittelwerten, von Spannweiten usw. nicht deshalb “falsch”, weil es Jungen gibt, die ein Abitur machen. Vielmehr sind diese 20 Prozent in diesen Verteilungsmaßen bereits enthalten – gerade das macht diese Befunde aussagekräftig!
  8. Wie rechtfertigt Herr R., dass er sich Urteile über solche Fragen wie unter Punkt 5 genannt erlaubt, wenn er offensichtlich über keinerlei Grundausbildung in quantitativer Statistik verfügt?
  9. Wie rechtfertigt Herr R. dass er sich Urteile über die Argumente derer, die er als Angehörige einer Männerbewegung einordnet (warum eigentlich?), erlaubt, wenn er deren Aussagen keinerlei methodischer Inhaltsanalyse unterzieht?

Ich denke, dass sind die wichtigsten, aber sicherlich nicht die einzigen Fragen, die überzeugend beantwortet werden müssten, damit Herrn R.s Text den Anspruch erheben kann, ein wissenschaftlicher Text zu sein. Leider sind all diese Fragen unbeantwortet geblieben.

“Diffamiere” ich hier jetzt einen Text, weil ich diejenigen Fragen an ihn stelle, die man normalerweise an einen Text stellt, der ein wissenschaftlicher Text sein soll? Wer dies bejaht, muss als Faschist bezeichnet werden, und zwar aufgrund meiner Definition von jemandem als Faschist, der kritische Nachfragen durch Belegung mit negativen Wertungen unterbinden will.

Last, but not least: Ich fühle seit mehreren Tagen das tiefe Bedürfnis, mich bei allen meinen ehemaligen Studierenden und Absolventen dafür zu entschuldigen, dass ich jemals irgendwelche Maßstäbe und Erwartungen an ihre wissenschaftlichen Arbeiten angelegt und sie entsprechend bewertet habe. Wie ich sehe, habe ich sie ungerecht behandelt, denn akademische Titel werden offensichtlich auch für Textsorten vergeben, die nicht den rudimentären Ansprüchen an wissenschaftliche Texte genügen, sondern bei denen es sich lediglich um ideologische Abhandlungen handelt. Ich kann nur hoffen, dass Sie die Maßstäbe, die ich an sie angelegt habe und denen sie gerecht werden mussten bzw. gerecht geworden sind, ihnen den Erfolg und die Anerkennung eingebracht haben, die sie verdient haben. Leider bin ich mir ziemlich sicher, dass dies zumindest bei der Böll-Stiftung nicht der Fall sein wird. Jedenfalls bleibt festzuhalten: Gemessen an den Maßstäben, die Herrn R.s Text setzt, sind alle meine Absolventen Nobelpreisanwärter!

Bildnachweis:
rationally speaking

Etikettenschwindel – Der Missbrauch des Begriffs “Expertise”

Die Friedrich-Ebert-Stiftung vertreibt einen Text von Thomas Gesterkamp, der sich mit “Geschlechterkampf von rechts” beschäftigt und den Untertitel trägt: “Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren”. Überaschender Weise ist dieser Text, der vom Titel her klingt, als wäre er das Ergebnis einer “undercover” Aktion von Günter Wallraff, überschrieben mit “Expertise der Friedrich-Ebert-Stiftung”. Das bedeutet zum einen, dass der Autor nicht den Mut hatte, aktiv “zu forschen”, wie Wallraff das tut, zum anderen bedeutet es, dass Autor und Stiftung für ihr Werk wissenschaftliche Geltung beanspruchen, denn eine Expertise wird von einem Experten erstellt. Ein Experte hat Sachverstand und Urteilsvermögen. Beides zeichnet ihn gegenüber anderen aus. Zudem besitzt ein Experte “a set of skills or methods for apt and successful deployment of his knowledge to new questions” (Goldman, 2006, S:20). Das Problem mit der Expertise von Gesterkamp und FES ist nun, dass sie keine der Anforderungen erfüllt, die man an eine wissenschaftliche Expertise stellt.

Wissenschaftliche Arbeiten, das lernen Studenten bereits im ersten Semester, beginnen mit einer Fragestellung, die man untersuchen will. Da die meisten Fragestellungen bereits von anderen untersucht wurden, gehört zur wissenschaftlichen Arbeit die Darstellung des Forschungsstands. Wissenschaftliches Arbeiten ist die Anwendung einer Methode, ein methodisches und strukturiertes Vorgehen. Sätze über die Realität werden aufgestellt und geprüft. Das Schreiben einer Expertise hat darüber hinaus den Forschungsstand anhand logischer Kriterien zu gewichten und unter Abwägung der vorhandenen Daten, die zum Teil auch selbst erhoben sein können, zu einem wissenschaftlich begründeten und somit intersubjektiv nachvollziehbaren Ergebnis zu kommen.

Wie wenig die Arbeit von Gesterkamp auch nur den rudimentärsten Anforderungen an wissenschaftliches Arbeiten gerecht wird, von den Anforderungen an eine wissenschaftliche Expertise ganz zu schweigen, kann recht einfach und unter Bezug auf drei Kriterien, die in keiner wissenschaftlichen Arbeit fehlen dürfen, gezeigt werden. Die drei Kriterien sind:

  • Die Forschungsfrage bzw. Fragestellung
  • Die formalen Standards
  • Die verwendete Methode

Forschungsfrage

Gesterkamp hat keine Forschungsfrage. Gesterkamp hat ein Anliegen. Sein Anliegen besteht darin, jegliche Kritik am Feminismus als “rechts” oder “rechtslastig” und in jedem Fall als ungerechtfertigt zu diskreditieren. Das wird bereits an seiner Wortwahl deutlich, die die Wortwahl eines ideologischen Pamphlets, nicht aber die Sprache eines Wissenschaftlers ist. So werden Aussagen unterschiedlichster Provenienz, die Gesterkamp gleich zu Beginn zitiert, mit Verben wie “ausrufen”, “verlangen”, “denunzieren” oder “anprangern” belegt, um deutlich zu machen, dass die Aussagen unberechtigt sind. Damit auch der letzte Leser merkt, dass die von Gesterkamp indirekt zitierten (und in keinem Fall belegten) Aussagen “verdammungswürdig” sind, werden die Passagen noch mit Adjektiven wie “rechtslastig”, “neokonservativ”, “antifeministisch” oder “militant” angereichert und auch Nomen wie “Fundamentalismus” dürfen nicht fehlen. Dies macht auch einem unvoreingenommenen Leser nach wenigen Zeilen deutlich, dass er keinen wissenschaftlichen Text liest, sondern eine Form privater Abrechnung mit allem, was dem Autor – um seine Worte zu benutzen – “nicht passt” und dass für diese Abrechnung der Mantel der Wissenschaftlichkeit reklamiert wird. Das Fehlen jeglicher wissenschaftlicher Standards ist dann nicht weiter überraschend.

Formale Standards

Jeder Student im ersten Semester lernt, dass er keine Zitate von anderen nutzen darf oder anderen in den Mund legen darf, ohne die entsprechenden Zitate zu belegen. Quellenkunde und die Kunst des Bibliographierens sind elementare Bestandteile des wissenschaftlichen Arbeitens. Sie sind deshalb elementar, weil das Hauptkriterium einer wissenschaftlichen Arbeit die Nachvollziehbarkeit der darin gemachten Aussagen ist. Nachvollziehbar ist nur, was belegt ist. Thomas Gesterkamp belegt so gut wie nichts. Er füllt Seite um Seite mit Behauptungen darüber, was dieser oder jener gesagt haben soll, da und dort zu lesen sein soll, ohne dass er angibt, woher er sein Wissen nimmt. Er gibt seine Quellen nicht an. Wäre sein Text als Seminararbeit eingereicht worden, er hätte dafür keinen Schein erhalten.

Nicht nur das Fehlen rudimentärer wissenschaftlicher Standards ist auffällig, auch das Fehlen einer Auseinandersetzung mit dem Thema ist markant. So ist Kapitel 2.1 überschrieben mit “Behauptungen und Realität”. In diesem Kapitel wendet sich Gesterkamp u.a. gegen die Tatsache, dass Jungen im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile haben und aktiv benachteiligt werden . Während die Nachteile und Benachteiligungen von Jungen empirisch gut belegt sind, führt Gesterkamp keinerlei Daten an, um seine überraschende Erkenntnis, dass Jungen keine Nachteile haben, zu belegen. Statt dessen proklamiert er, dass es falsch sei, Jungen pauschal als Bildungsverlierer zu bezeichnen, er behauptet, dass soziale Schicht wichtiger sei als Geschlecht und lässt noch den bemerkenswerten Satz folgen: “Männliche Mittelschichtsjugendliche zum Beispiel erbringen in Mathematik und in den Naturwissenschaften sogar überdurchschnittliche Leistungen” (5). Dieser Satz zeigt eindrücklich wie fremd Gesterkamp wissenschaftliches Arbeiten ist, denn der Satz enthält einen zweistelligen Funktor und macht deshalb nur Sinn, wenn man angibt im Vergleich zu wem, männliche Mittelschichtsjugendliche überdurchschnittliche Leistungen erbringen: im Verglich zu weiblichen Mittelschichtsjugendlichen, im Vergleich zu männlichen Unterschichtsjugendlichen, im Vergleich zu Thomas Gesterkamp, im Vergleich zu Erwachsenen… Wer weiß? Darauf, dass die Nachteile von Jungen im deutschen Bildungssystem nicht weggehen, wenn man die nachweislich falsche Behauptung aufstellt, es seien nicht Jungen, sondern Unterschichtsjungen, die Nachteile in der Schule haben, gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Die Unhaltbarkeit dieser unsinnigen Behauptung habe ich schon im Zusammenhang mit Thomas Viola Rieskes “Studie” offengelegt.

Sodann findet sich ein Kapitel 3, das mit Forschungsstand überschrieben ist und in dem sechs Publikationen zusammengestellt sind, von denen der Autor offensichtlich auch nicht weiß, warum er sie an dieser Stelle präsentiert. Ebenso scheint er keine Ahnung zu haben, was er den entsprechenden Arbeiten entnehmen will, von denen eine nach seiner eigenen Einschätzung “weitgehend überholt” ist. Vermutlich ist “der Forschungsstand” ein Zugständnis an die Erwartungen, die Leser an eine wissenschaftliche Expertise haben. Da diese Erwartungen allerdings bis Seite 7 hinlänglich zerstört sind, hätte sich der Autor diese Camouflage ruhig schenken können. 

Die schönste Stelle dieses “Werks” findet sich auf Seite 11. Dort geht es Gesterkamp darum, u.a. online Foren als “Medium für Verschwörungstheoretiker” zu brandmarken, und dies tut er mit einer bemerkenswerten Feststellung: “Hier kann jeder ‘posten’, was ihm gerade einfällt – und sich durch die Einträge Gleichgesinnter bestätigt fühlen. Ob der Inhalt durch Quellen belegt ist oder nicht, spielt im Gegensatz zum seriösen Journalismus keine Rolle” (11-12). Wenn das Fehlen von Quellenangaben, wie Gesterkamp es hier nahelegt, dafür spricht, dass derjenige, der Behauptungen ohne Quellenangabe aufstellt, als Verschwörungstheoretiker enttarnt ist, dann qualifiziert sich Gesterkamp selbst als Verschwörungstheoretiker, denn seine Behauptungen über die Männerrechtsbewegung bleiben ausnahmslos unbelegt.

Methode

Wissenschaft ist eine Methode. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind das Ergebnis einer bestimmten Vorgehensweise. Forscher sammeln Daten durch ein Aktenstudium, durch quantitative Befragung, durch qualitative Interviews, durch Dokumentenanalyse, durch Fallstudien. Für Gesterkamp hätte es sich angeboten, Daten zur Männerbewegung zu sammeln, die über den Rapport der Entstehungsgeschichte und den Hinweis hinausgehen, dass Männerrechtler X einmal dabei gesehen wurde, wie er einem “rechtslastigen” Blatt ein Interview gegeben hat. Dies allerdings ist mit Arbeit verbunden, und es bedarf einer Fragestellung. Kurz: Es ist nicht so leicht zu bewerkstelligen, wie das Aufstellen wilder und unbelegter Behauptungen. Um Daten zu sammeln, muss man wissen, mit welchem Ziel man Daten sammelt, was man erklären will (schon um nicht im Meer der Information zu ertrinken). Gesterkamp will nichts erklären. Er hat keine Fragestellung. Er hat ein Anliegen. Er will die Männerrechtsbewegung in ein aus seiner Sicht schlechtes Licht stellen und dafür wissenschaftliche Fundierung in Anspruch nehmen, entsprechend benötigt er keine Methode und auch keine Fragestellung.

Dass es Gesterkamp nicht um Wissenschaft geht, weiß auch Barbara Stiegler. Sie merkt in ihrer Vorbemerkung an, dass das Fehlen einer wissenschaftlich abgesichten Empirie, sich in Gesterkamps “Werk” durch Bezug auf die “eher flüchtigen, teilweise schnell wieder verschwindenden Spuren im Internet” sowie “auf persönliche Beobachtungen im Kontext von Veranstaltungen” niedergeschlagen habe. Dies ist eine interessante Art, um den Leser darauf vorzubereiten, dass das, was nun folgt, nicht Wissenschaft, sondern persönliche Meinung und nicht Methode, sondern Willkür ist. Mit anderen Worten, der Text von Gesterkamp hat keinerlei wissenschaftlichen Wert und kann entsprechend dem Müllhaufen ideologischer Pamphlete überantwortet werden. Und so bleibt nur noch zu fragen, warum die Friedrich-Ebert-Stiftung das Pamphlet überhaupt veröffentlicht hat und davon fälschlicherweise behauptet, es sei eien Expertise? Vielleicht weiß ja einer der Leser dieses Beitrags eine Antwort.

Gesterkamp, Thomas (2010). Geschlechterkampf von rechts. Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Goldman, Alwin I. (2006). Experts: Whoch Ones Should You Trust? In: Selinger, Evan & Crease, Robert P. (eds.). The Philosophy of Expertise. New York: Columbia University Press, p.14-38.

Translate »
error: Content is protected !!