Warum und wie die AfD in Wahlumfragen systematisch unterschätzt wird

Manchmal flattern uns Pressemeldungen auf den Tisch, die zunächst zu einem Runzeln von Stirnen führen, dann zu erhöhter Neuronen-Aktivität, um schließlich in der Erkenntnis zu münden, dass wir hier etwas haben, das es ermöglicht, Fragen zu beantworten, die die Pressemelder gar nicht im Sinne hatten als sie ihre Meldung verfasst haben.

YouGov hat eine solche Pressemeldung verfasst.

Was haben Sie bei der letzten Bundestagswahl gewählt?
Das wissen Sie doch noch, oder?
Es wäre gut, wenn Sie das wüssten, denn die entsprechende Frage ist ein fester Bestandteil vieler Wahlumfragen und von Befragungen, die sich mit der Erklärung von Wahlverhalten befassen.
Der Gedanke, dass die Antworten von Befragten zu ihrem Wahlverhalten willkürlich sind oder nicht der getroffenen Wahl entsprechen …
All hell would break lose

39% der von YouGov im Rahmen einer Wahlumfrage 2013 und 2017 Befragten, geben 2017 dann, wenn sie danach gefragt werden, was sie 2013 bei der Bundestagswahl gewählt haben, eine andere Antwort als sie 2013 gegeben haben.

39%, die nicht wissen, was Sie gewählt haben?
Oder es nicht mehr wissen wollen?

Wir versuchen, Sinn aus diesem Ergebnis zu machen.
Vier mägliche Erklärungen drängen sich auf:

(1) Befragte haben 2013 darüber gelogen, welche Partei sie gewählt haben und erinnern sich nicht mehr daran, dass sie gelogen haben.
(2) Befragte lügen 2017, wissen also genau, welche Partei sie 2013 gewählt haben.
(3) Befragte machen 2013 und 2017 spontane Angaben, die mit ihrer Wahlentscheidung nichts zu tun haben, lügen also beide Male.
(4) Befragte wissen tatsächlich nicht mehr, welche Partei sie 2013 gewählt haben.

Jede der vier Möglichkeiten ist für die Wahlforschung ein Problem, das sich zur Katastrophe entwickeln kann:

(1)
Dass Befragte direkt nach einer Wahl in einer entsprechenden Befragung angeben, eine andere Partei gewählt zu haben als sie tatsächlich gewählt haben, ist ein aus vielen Wahlumfragen der 1980er Jahre bekanntes Phänomen. Es hat eine eindeutige Richtung, denn die Anteile der Parteien, die die Wahl gewonnen haben, sind regelmäßig in Nachwahlumfragen und verglichen mit dem tatsächlichen Wahlergebnis zu hoch. Das Phänomen wird gemeinhin so interpretiert, dass die entsprechenden Befragten lieber auf der Seite der Gewinner als auf der Seite der Verlierer stehen. Anstelle der Annahme, dass Befragte lieber auf der Seite des Siegers stehen wollen, kann man auch die Annahme machen, dass Befragte Angst davor haben, nicht auf der Seite des Siegers zu stehen.

(2)
Wenn Befragte 2013 eine korrekte Angabe über die Partei ihrer Wahl gemacht haben und 2017 lügen, dann stellt sich die Frage: Warum? Drei Antworten fallen uns ein:
a) Die Parteipräferenz hat sich zwischenzeitlich geändert. Wie die Sozialpsychologie wieder und wieder zeigt, streben Menschen nach Konsistenz in ihrem Verhalten. Entsprechend wäre die Lüge eine Anpassung an die neue Parteipräferenz.
b) Angesichts der Entwicklung, die die Partei der Wahl aus dem Jahre 2013 genommen hat, sind die entsprechenden Befragten entfremdet oder beschämt und wollen nicht mehr zugeben, diese Partei gewählt zu haben.
c) Die Befragten haben mittlerweile Angst, ihre Wahlentscheidung korrekt anzugeben.

(3)
Befragte, die sowohl 2013 als auch 2017 eine falsche Angabe zu der Partei gemacht haben, die sie 2013 gewählt haben wollen, lassen sich auf vier Wegen erklären:

a) Das Wahlgeheimnis ist den Befragten zu wichtig, als dass sie es in einer Befragung lüften würden. Sie trauen sich aber nicht oder haben keine Gelegenheit, dem Interviewer genau das zu sagen.
b) Die Befragten hören in den zumeist telefonisch geführten Interviews nicht richtig zu und geben irgendwelche Antworten, die letztlich nicht ihr Wahlverhalten wiedergeben.
c) Die Befragten machen sich einen Spass mit dem Interviewer und geben willkürliche Antworten.
d) Die Befragten haben Angst, ihre tatsächliche Wahlentscheidung kund zu tun.

(4)
Für Befragte, die tatsächlich nicht mehr wissen, welche Partei sie 2013 gewählt haben, spielen Bundestagswahlen keine Rolle. Ihre Wahlentscheidung ist spontan, folgt keinerlei Regelmäßigkeit und hat keinerlei Inhalte zum Gegenstand, denn wäre das Gegenteil der Fall, die Befragten würden sich erinnern. Da sie sich nicht erinnern, kann die Bundestagswahl für sie mit keinerlei relevanten Inhalten verbunden gewesen sein.

Die Erklärungen, die wir zusammengetragen haben, lassen sich auf die folgenden Kategorien verallgemeinern:

• Befragte haben Angst, ihre Wahlentscheidung anzugeben;
• Die Bundestagswahl hat für die Befragten keinerlei Relevanz, ihre Stimmabgabe ist spontan, eine Laune des Augenblicks.
• Die Abweichungen zwischen den Angaben der Jahre 2013 und 2017 ergeben sich aufgrund methodischer Mängel, die sich mit den Befragungen verbinden;

Und irgendwie scheinen sich Angst, Irrelevanz und methodische Mängel auf 39% der Befragten zu summieren. Egal, wie diese 39% zu Stande kommen, sie haben zur Konsequenz, dass die Ergebnisse der derzeitigen Wahlumfragen kaum einen Pfifferling wert sind. Stellt man die 39% in Rechnung, dann müsste man z.B. in die neueste Umfrage von Infratest dimap einrechnen, dass im Ergebnis Befragte enthalten sind, die aus Angst eine andere Partei angeben, als sie zu wählen beabsichtigen. Die einzige Partei, bei der sich eine Wahlentscheidung mit Angst verbinden kann, ist die AfD. Methodische Mängel, die dazu führen, dass Befragte irgendwelche Angaben machen, sind aufgrund der Gewichte der verschiedenen Parteien nicht zufällig verteilt. Sie führen vielmehr dazu, dass die Anteile der beiden großen Parteien überschätzt werden. Welche Partei die Partei der Wahl ist, die aus einer Laune des Augenblicks benannt wird, ist eine Frage, die systematisch nicht zu beantworten ist. Warum? Weil es sich um eine Laune des Augenblicks handelt.

Bleibt festzustellen, dass in den derzeitigen Wahlumfragen dann, wenn das Ergebnis von YouGov zutrifft, die Anteile von CDU und SPD überschätzt und die Anteile insbesondere der AfD unterschätzt werden. Wir haben auf Grundlage der letzten Umfrage von Infratest dimap und unter Berücksichtigung der Entwicklung, wie sie sich in den Wahlumfragen der letzten beiden Jahre niederschlägt, versucht, die Größenordnung dieses Fehlers zu bestimmen.

Dabei sind wir zu dem folgenden Ergebnis unserer konservativen Schätzung gekommen:

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Bundestagswahlen sind nicht repräsentativ

Die Bundestagswahl 2013, sie müsste eigentlich wiederholt werden, denn sie war nicht repräsentativ. Die Daten des Bundeswahlleiters, sie belegen dies eindeutig.

So lange Repräsentativität für das Funktionieren der deutschen Demokratie so wichtig ist, weil sich Politiker an den Ergebnissen von angeblich repräsentativen Studien orientieren, die Meinungsforschungsinstitute en masse produzieren, so lange angeblich repräsentative Studien die Position eines Legitimationsbeschaffers für politische Vorhaben eingenommen haben, so lange ist die Nachricht, die wir in diesem Post zu verbreiten haben, eine Katastrophe für die Legitimation des gesamten politischen Systems, des Bundestags und aller darin von einem eben nicht repräsentativen Anteil der Bevölkerung gewählten Politiker:

Wir alle wissen, das politische System Deutschlands es ist ein repräsentatives System. Die Politiker nehmen für sich in Anspruch, die Wähler und deren Willen zu repräsentieren. Deshalb sind vermeintlich repräsentative Befragungen als Legitimationsbeschaffer so wichtig, theoretisch wichtig. Sie nehmen als Gesamt der in den Bundestag gewählten Parlamentarier für sich in Anspruch, die wahlberechtigte Bevölkerung zu repräsentieren, was es voraussetzt, dass die Bundestagsabgeordneten auch von einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung gewählt wurden.

Wurden Sie aber nicht, wie eine ScienceFiles-Analyse deutlich macht. Wir haben die Daten des Bundeswahlleiters genutzt und bereits nach der Berücksichtigung von nur zwei einfachen Verteilungen, nämlich nach Alter und Geschlecht, das Ergebnis erzielt, dass die Bundestagswahlen nicht repräsentativ sind. Die folgende Abbildung ist der Beleg. Sie stellt die Abweichung des Anteils an Wählern vom Anteil an Wahlberechtigten für einzelne Altersgruppen und nach Geschlecht in Prozentwerten dar.

Repraesentation Bundestagswahl

Wie deutlich zu sehen ist, sind alle Altersgruppen von 18-44 unter den Wählern zum Teil deutlich unterrepräsentiert, dagegen sind die Altersgruppen ab 45 Jahren zum Teil erheblich überrepräsentiert. Männer sind in den Altersgruppen, die unter Wählern unterrepräsentiert sind, generell stärker unterrepräsentiert als Frauen. Und generell gehen Männer proportional seltener zur Wahl als Frauen.

Der Bundestag, der 2013 gewählt wurde, ist dementsprechend nicht repräsentativ und ironischerweise sind die Wählergruppen, die überproportional für die Wahl des Bundestags wie er sich jetzt darstellt, verantwortlich sind, also Wähler ab 45 Jahren, diejenigen, die am wenigsten im politischen Tagesgeschäft berücksichtigt werden. Wenn man einmal von der Diskussion um Sterbehilfe absieht, werden die entsprechenden Altersgruppen, z.B. die am meisten überrepräsentierte Altersgruppe der 60-69jährigen weder an Politiken gegen Rechtsextremismus, Rassismus oder gegen Homophobie noch an Windkraftanlagen, Solartechnik, Elterngeld oder Steuererleichterungen für Geringverdiener ein großes Interesse haben.

Entsprechend kann man nicht nur feststellen, dass der gewählte Bundestag definitiv nicht von einer repräsentativen Stichprobe von Wählern gewählt wurde, man kann auch feststellen, dass die Gewählten kaum Politik im Interesse derjenigen machen, die sie überproportional gewählt haben.

 
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Bundestagswahl 2013: Weiter so mit Umverteilung und Leistungsfeindlichkeit

von Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

ReichstagDer neue Bundestag wird sich vom alten im Wesentlichen dadurch unterscheiden, dass Vernunft, Gerechtigkeit und Leitungsbereitschaft noch weniger vertreten sind, nicht nur, weil liberale Parteien im neuen Bundestag nicht vertreten sind, sondern weil Parteien in den Bundestag gewählt wurden, die in der Vergangenheit gezeigt haben, dass sie per Umverteilung Leistungsbereitschaft beseitigen werden, dass sie Vernunft nicht nur von Universitäten vertreiben wollen und ansonsten Freiheit so lange reglementieren werden, bis nichts davon übrig ist  und, wo wir gerade bei der Freiheit sind: weil Parteien im Bundestag vertreten sind, die offen zeigen, dass sie Meinungsfreiheit mit Füßen treten.

Zunächst jedoch eine Abbildung zum Wahlausgang, die man nur bei ScienceFiles sehen wird. Die Abbildung zeigt die Anteile der im Bundestag vertretenen Parteien, wenn man nicht auf die abgegebenen und gültigen Stimmen, sondern auf alle Wahlberechtigten prozentuiert.

Anteile im BT vertretene Parteien 2013

Die Abbildung relativiert das Bild, das in öffentlich-rechtlichen Medien verbreitet wird. Im Bundestag, der sich demnächst konstituieren wird, sind gerade einmal 59,5% der Wahlberechtigten vertreten. Und es fehlen nicht nur liberale Vertreter im neuen Bundestag, es fehlen auch Vernunft und Freiheitsliebe, wie man leicht daran erkennen kann, dass:

  • sich die CDU/CSU als Wahlsieger in den letzten Jahren damit hervorgetan hat, einen Ausverkauf von Bildung zu betreiben, die Freiheit der Deutschen durch neue Gesetze und Abgaben so sehr zu reglementieren, dass kaum mehr etwas davon übrig ist und ein besonderes Augenmerk darauf gelegt hat, die Vernunft von deutschen Universitäten zu vertreiben.
  • sich die SPD als Partei geriert, die die männliche Gesellschaft überwinden will, um eine menschliche zu schaffen. Und die menschliche Gesellschaft der SPD sieht vor, mit Vertretern der männlichen Gesellschaft gar nicht erst zu sprechen. In kurz: Die Genossenwelt besteht aus “gut” und “böse” und mit den Bösen reden sie nicht.

    Sontheimer

    Geschichte wiederholt sich doch.

  • sich mit den Grünen eine offen anti-demokratische Partei im Bundestag befindet, die so großen Wert auf Gender-Gerechtigkeit legt, dass sie auch Gewalt gegen alle, die den Grünen auf diesem Weg nicht folgen wollen, befürwortet.
  • sich mit der Linken eine Partei im Bundestag befindet, die sich bestens in Kaderbildung auskennt und die Beseitigung von Leistungsanreizen zugunsten einer absoluten Gleichheit im Paradies der Herrschaft des Proletariats als Heil predigt.

Und zwischen all diesem anti-demokratischen Gemurmel findet sich keinerlei liberale und auf Freiheitsrechte pochende Stimme mehr. Nicht dass die FDP diese Stimme gewesen wäre, aber die Liberalen haben zumindest als Symbol gewirkt, gezeigt, dass es Liberalität zumindest dem Namen nach auch in Deutschland gibt. Das ist im neuen Bundestag vorbei.

Entsprechend wird die Gleichschaltung der Gesellschaft voranschreiten. Die Bevölkerung wird weiter in Kompetenzniveaus eingeteilt werden, damit klar ist, dass derjenige, der nicht das offizielle Diktat unterschreibt, nach dem der Deutsche, sozial ist, seine Familie gründet, seine Kinder bezahlt und ansonsten zusieht, wie die Obrigkeit die Kinder so erzieht, dass sie den ihnen qua Geburt zugewiesenen Platz einnehmen können, kein guter Deutscher ist.

Leistung wird auch weiterhin demotiviert werden, entweder dadurch, dass das durch Leistung zu erreichende Einkommen so zusammengesteuert wird, dass es sich nicht mehr lohnt, in Leistung zu investieren, oder dadurch, dass das Auskommen, das allein durch Transferzahlungen zu erreichen ist, also die Lebens-Finanzierung durch Kinderproduktio und Maßnahmekarrieren so hoch ist, dass man sich als Leistender fragen wird, warum man leisten soll, wenn Konformität viel mehr belohnt wird.

Bildung wird weiterhin de-konstruiert und entwertet werden, in dem unsinnige Inhalte in Lehrpläne Eingang finden werden, die zur Schüler-Verdummung beitragen, aber bei den Initiatoren ein gutes Gefühl hinterlassen, weil sie bereits 6jährigen gezeigt haben, dass sie potentielle Vergewaltiger sind oder 14jährigen erklärt haben, warum Männer schuld am Klimawandel sind. Von einer Verdummung durch bereits Verdummte, könnte man hier reden.

Deutschland wird weiter zu dem verkommen, was Michael E. Porter eine wealth-driven Society nennt. Der missverständliche Begriff bezeichnet eine Gesellschaft, in der die jetzige Generation den Reichtum verlebt, den frühere Generationen geschaffen haben, eine Gesellschaft, die satt ist und in der es keinen geistigen Fortschritt gibt, eine Gesellschaft, in der das Soziale zum Haupteinkommensgeber geworden ist, was sich u.a. in Legionen von Sozial-Dienstleistern niederschlägt, deren Hauptzweck darin besteht, anderen Leiden einzureden, die sie nicht haben und ansonsten Lobbyarbeit zu betreiben, um neue Finanzmittel loszueisen.

Staat als BeuteEine Gesellschaft, in der Aufbruchsstimmung herrscht, eine Gesellschaft, in der Wachstum vorhanden ist, wirtschaftliches und geistiges, nachhaltiges Wachstum, wie es heute heißt, also Wachstum, das einen Fortbestand ermöglicht, sieht anders aus. Eine solche Gesellschaft sieht den Wettstreit von Ideen und Meinungen. Sie sieht Pluralismus im Tun. In einer solchen Gesellschaft werden Leistende auf Händen getragen und nicht nicht-Leistende ummuttert, in einer solchen Gesellschaft sind Parteien, die sich demokratisch nennen, aber ihre anti-demokratische Verfasstheit in Sprechverboten und mannigfaltigen Versuchen in die Freiheit anderer einzugreifen, anderer, die die eigene Ideologie nicht teilen, zwar geduldet, aber schlecht angesehen, denn der freiheitlich demokratische Grundkonsens sieht es vor, dass jeder seine Stimme erheben und für sich werben kann.

Liberalität ist der Kern eines demokratischen Staatsgefüges und insofern ist das Verschwinden der FDP geradezu programmatisch für eine Gesellschaft, deren Parteien zu anti-demokratischen Vereinigungen derer geworden sind, die sich selbst bereichern, ihre Günstlinge versorgen und ansonsten durch ideologischen Zwang die Freiheit ihrer Bürger beseitigen – daran, dass der Staat die Beute der Parteien ist, hat sich also nichts geändert.

Aber die 36,8 Millionen Deutschen, die die im nächsten Bundestag vertretenen Parteien gewählt haben, scheinen kein Problem damit zu haben, die Weiterführung von Freiheitsberaubung und De-Liberalisierung, die Demotivation von Leistung und den Umbau zur sozial stratifizierten Neidgesellschaft legitimiert zu haben.

Wahl-Nachbetrachtung I: Die Akkuratheit unseres ScienceFiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Bundestagswahl 2013 steht fest. Für Liberale und Freiheitsliebende gibt es keinen Grund zur Freude und noch weniger Grund zum Optimismus – doch dazu in einem gesonderten Post.

Dieser Post ist der Freude über die Validität und Genauigkeit unseres ScienceFiles-Fuzzy-Prognostik-Tools gewidmet: Denn die Akkuratheit unserer Wahlprognose ist etwas, worauf wir stolz sind und worüber wir uns freuen.

Unsere Wahlprognose basiert anders als die Wahlprognosen, die man bei ARD oder ZDF kurz nach 18:00 Uhr gestern bewundern konnte, nicht auf so genannten “Exit-Poll-Befragungen”, bei denen in der Regel 5.000 Wähler in ausgewählten Wahlkreisen befragt wurden, was sie gerade gewählt haben, sondern auf 1274 Stimmen, die die Leser von ScienceFiles bis Mitternacht des Freitags vor der Wahl abgeben konnten. Entsprechend vergleichen wir unsere Wahlprognose mit dem letzten “repräsentativen” Wahltrend, den Infratest Dimap für die ARD durchgeführt hat. Die folgende Abbildung stellt unsere Wahlprognose dem letzten vermeintlich repräsentativen Wahltrend der ARD gegenüber.

Bundestagswahl-2013-Vorhersageguete

Wie man dem Vergleich entnehmen kann (letzter Balken), ist unsere Prognose akkurater als der letzte vermeintlich repräsentative Trend, den die ARD veröffentlicht hat. Im Wesentlichen hatten wir Probleme, das gute Ergebnis von CDU/CSU vorherzusagen und lagen bei der Linken zu tief, während man beim ARD Wahltrend eine deutliche Linksschiefe erkennen kann, die sich in zu hohen Werten für Linke und SPD niederschlägt und in zu geringen Werten für kleine, neue Parteien.

Wir sind auf unser besseres Abschneiden aus einer Reihe von Gründen stolz:

  • Unsere Wahlprognose basiert im Gegensatz zum ARD Wahltrend auf keinerlei behaupteter Repräsentativität und entsprechend umfangreichen Datenmanipulationen (Gewichtung), sondern auf einem eigens gebauten Entscheidungsmodell, unserem ScienceFiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool.
  • Unsere Wahlprognose hat im Gegensatz zum ARD Wahltrend nicht hundert Tausende von Euro gekostet, sondern im Wesentlichen nur unsere Zeit.
  • Unsere Wahlprognose ist akkurater obwohl wir nicht über die vielen Vergleichsdaten aus früheren Umfragen verfügen, auf die z.B. Infratest Dimap zurückgreifen kann.

Man könnte demnach das ganze Brimborium der Meinungsforschungsinstitute und vor allem sehr viel Geld einsparen, wenn man das wollte (z.B. bei der gebührenfinanzierten ARD).

Und nicht nur deshalb sind wir stolz auf unsere Wahlprognose und unser ScienceFiles-Fuzzy-Prognose-Tool.

ScienceFiles-Wahlprognose 2013 – Eine Wahl der Überraschungen?

Wir haben das Online-Wahllokal für die ScienceFiles-Wahlumfrage geschlossen und bedanken uns bei 1274 Wählern, die unsere Umfrage legitimiert haben und dabei geholfen haben, die Grenze der Anzahl von Befragten zu überschreiten, die bei Meinungsforschungsinstituten gewöhnlich die vermeintliche Repräsentativität ihrer Umfragen sicher stellen soll, nämlich 1.000 Befragte (So befragt Infratest Dimap im Auftrag der ARD regelmäßig zwischen 1012 und 1050 Personen). Im Gegensatz zu Meinungsforschungsinstituten gibt es bei uns niemanden, der keine Angaben macht oder die Angaben verweigert, so dass wir 1274 valide Antworten und keine “missing values” in unserer Befragung haben.

Und das Ergebnis der ScienceFiles-Wahlumfrage sieht wie folgt aus:

ScienceFiles_Wahlumfrage_2013

Geht es also nach den Lesern von ScienceFiles, die sich an unserer Umfrage beteiligt haben, dann hat der nächste Bundestag ein ganz anderes Aussehen als der jetzige. Aber, so hört man die institutionalisierten Wahlforscher schon unisono und im Chor einwenden: die ScienceFiles-Umfrage ist ja gar nicht repräsentativ.

Wir haben an anderer Stelle bereits gezeigt, dass Repräsentativität mehr ein Fetisch als ein wissenschaftliches Konzept ist und dass die geheimnisvolle Gewichtung eine spezifische Form der Datenmanipulation ist, die mehr oder weniger große Ähnlichkeiten mit dem Lesen von Kaffeesatz aufweist, aber gut: Wir wollen an dieser Stelle das Manko, das unsere Umfrage in den Augen der institutionalisierten Volksbefrager hat, beseitigen und unsere eigene Form der Repräsentativität durch informiertes Schätzen herstellen.

Wir haben dies in einem strukturierten und hierarchischen Entscheidungsmodell gemacht, das wir als ScienceFiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool bezeichnen. Es funktioniert wie folgt (im Folgenden ist eine Reihe von Prognosefaktoren genannt, es sind nicht alle Prognosefaktoren genannt):

  • Wir nehmen an, dass unsere Wählerschaft progressiv ist und einen Wandel will, darauf folgt, dass neue Parteien wie die AfD in unserer Umfrage überschätzt sind.
  • Parteien wie die CDU/CSU und die SPD, das zeigt die amtliche Wahlstatistik, haben die höchsten Anteile unter alten Wählern. Alte Menschen sind seltener im Internet zu finden. Entsprechend haben wir die Anteile von CDU/CSU und SPD unterschätzt.
  • Jüngere Wählergruppen sind eher aufgeschlossen für kleinere Parteien und Parteien, die nicht im Bundestag vertreten sind. Unsere Leser gehören mehrheitlich zu den unter 40jährigen, und entsprechend werden bei uns kleinere Parteien über- und etablierte Parteien unterschätzt.
  • Ausweislich der letzten amtlichen Wahlstatistik wählen Männer überproportional FDP und die Linke, während Frauen überprportional CDU und B90/Grüne wählen. Die Mehrzahl unserer Wähler sind männlich, entsprechend haben wir die Anzahl der Stimmen für FDP und LINKE überschätzt und die Anzahl der Stimmen für CDU und B90/Grüne unterschätzt.
  • Wir sind ein liberales blog. Entsprechend sollten liberale Leser auf ScienceFiles überrepräsentiert sein. Die FDP und andere liberale Parteien (z.B. PARTEI DER VERNUNFT) sind in unserer Umfrage entsprechend überschätzt.
  • Die Zahl derjenigen, die von sich sagen, Sie werden nicht wählen gehen und die Anzahl derjenigen, die beabsichtigen ungültig zu wählen, ist mit rund 10% unterschätzt, denn: an der Bundestagswahl 2009 beteiligten sich lediglich 72,2% der Wahlberechtigten (die Anzahl ungültiger Zweitstimmen betrug 2009 1,4%).
  • Aufgrund dieser und anderer Annahmen weichen unsere Ergebnisse von allen veröffentlichten Wahlumfragen, die wir kennen, mehr oder weniger deutlich ab. Entsprechend haben wir einen “random walk” über die anderen Wahlumfragen unternommen und unser Ergebnis mit der wahrscheinlichsten Verteilung verrechnet.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Kriterien, die wir im Sciencefiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool berücksichtigt haben. Nun wollen wir unsere Leser aber nicht mehr länger auf die Folter spannen.

Hier kommt das Ergebnis, die ScienceFiles-Wahlprognose 2013.

Das ScienceFiles-Fuzzy-Wahlprognostik-Tool sagt den Ausgang der nächsten Bundestagswahl wie folgt voraus:

ScienceFiles_Wahlprognose_2013_Stimmanteil

Nach unserer Wahlprognose ist die AfD mit Sicherheit im nächsten Bundestag vertreten. Die CDU/CSU erhält den höchsten Anteil an Stimmen, gefolgt von der SPD. Die FDP schafft es mit Hängen und Würgen in den Bundestag, in dem neben den genannten Parteien noch die LINKE sowie Bündnis90/die Grünen vertreten sind.

Im Vergleich zur Bundeswahl 2009 sagt unsere Prognose die folgenden Veränderungen voraus:

ScienceFiles_Wahlprognose_2013_Gewinn und Verlust

CDU/CSU und SPD können leichte Gewinne verbuchen. Der Gewinner der vorliegenden Wahl ist jedoch die AfD, die aus dem Stand in unserer Wahlprognose auf 6,1% der Stimmen kommt. Dagegen muss die FDP erhebliche Verluste einstecken, ein Minus von 9,1% ergibt sich in unserer Prognose. Ihren Stimmanteil schwinden, sehen auch die LINKE und Bündnis90/Die Grünen, während die Piraten zwar leichte Zugewinne im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 verzeichnen, in unserer Prognose aber nicht einmal in die Nähe der 5%-Hürde gelangen.

AUf der Basis dieser Wahlprognose haben wir die Sitzverteilung im nächsten Bundestag berechnet. Dabei sind wir von 598 zu vergebenden Sitzen ausgegangen, haben also die Flut an Überhang- und Ausgleichsmandaten, die das neue Wahlrecht mit hoher Wahrscheinlichkeit verursachen wird (und die die Steuerzahler bezahlen werden) nicht berücksichtigt. Folglich sieht unser nächster Bundestag wie folgt aus:

ScienceFiles_Wahlprognose_2013_Sitzverteilung

Nach unserer Wahlprognose gibt es im nächsten Bundestag keine Mehrheit für schwarz-gelb, es gibt keine Mehrheit für rot-rot-grün und alles nur wegen der AfD. Eine Koalition zwischen CDU/CSU, FDP und AfD hätte eine parlamentarische Mehrheit von 21 Abgeordneten, während eine große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD sich auf eine Mehrheit von 115 Abgeordneten stützen könnte. Ausgehend von unserer Wahlprognose wird es daher spannend, und das wahrscheinlichste und konsequenteste Ergebnis aus unserer Wahlprognosse wird eine große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD und somit zwischen Parteien sein, die sich ohnehin kaum voneinander unterscheiden.

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