Lann Hornscheidt on the road

Nachdem Arne Hoffmann bereits darauf hingewiesen hat, nachdem Michael in einem Kommentar darauf hingewiesen hat, nachdem uns eine Reihe von eMails nämlichen Inhalts erreicht haben und, nichtzuletzt, nachdem wir immer daran interessiert sind, Genderisten bei ihrer Selbstdarstellung hilfreich zu sein, wollen wir auf einen Beitrag des Blogs “Bonjour Tristesse – Antworten aus der Provinz – Blog für Halle und Umgebung” verlinken.

In einem mutigen Selbstversuch hat der Autor dieses Beitrags, Frauke Zimmermann, sich mehrere Stunden lang einem von Lann Hornscheidt in Halle ausgerichteten Workshop unterzogen. Was dabei herauskommt, wie man seine Ratio vor den Auswirkungen von mehreren Stunden Lann Hornscheidt und davor, ver-x-t zu werden, schützt, Zimmermann beschreibt es in einem ausführlichen post.

Unsere Lieblingsstelle ist die folgende:

“DER LKW
LKWLann und Anna wollen mit einem eindringlichen Beispiel vermitteln, wie machtvoll Sprache sein kann und weshalb man sich mehr auf die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle besinnen sollte. Dass dabei das Leid der Menschen, die an wirklichen Traumata leiden, relativiert und instrumentalisiert wird, scheint der Indoktrinierung mehr als förderlich zu sein:
»Wenn ein Kind einen Unfall mit einem LKW hat und später im Leben nur durch das Aussprechen des Wortes ›LKW‹ verletzt wird, weil es ein Trauma hat, dann wird man aus Rücksicht darauf verzichten, das Wort vor der Person auszusprechen. Das sollte genauso auch für andere verletzende Worte als Grundregel gelten. Ich verstehe nicht, wieso das so schwer zu verstehen ist!« Alle um mich herum stimmen nickend zu! Jetzt ist der Groschen gefallen! Meine Sitznachbarin guckt mir über die Schulter und sagt begeistert: »Wow, das ist so ein gutes Argument. Ein so guter Vergleich! Das muss ich mir auch aufschreiben!”

Lann ist selbstredend das Lann, und Anna, das ist Anna Damm, wie das Lann aus Berlin, von der Humbug-Uni und wohl der Geleitschutz (oder Lann ist das Begleitschutz für Anna Damm) – es ist ja bekannt, dass Feministen sich nur zusammen in die Welt oder auf die Toilette trauen.

Wir sind für die Einsicht im zitierten Absatz besonders dankbar, denn:

Wir haben ein Lann-Trauma.

Jedesmal, wenn jemand das Lann im Munde führt oder auch nur Lann sagt, selbst wenn damit LAN als Local Area Network gemeint ist, jedes Mal wenn wir Lann oder Lan hören, bekommen wir Zustände: Kopfschmerzen, ob der Absurdität des Lannschen oder Bauchschmerzen, ob der Komik des Lannschen, zuweilen verfolgt uns das Lannsche bis ins Bett und mitten in der Nacht fahren wir hoch und lachen los.

Kurz: Wir haben ein Lann-Trauma, das wir ernstzunehmen bitten, dadurch, dass in der großen weiten Welt des Internet, der Printmedien und sonstiger öffentlicher Informationsträger Lann auch in der Variante von Lann Hornscheidt oder das X nicht mehr ausgesprochen wird. Soviel Empathie mit unserem Lann-Trauma können wir ja wohl erwarten – oder? Und damit uns das Lann dauerhaft erspart bleibt, kann nach wie vor der Brief, mit dem wir die Entfernung des Lanns, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, von der Humboldt-Universität in Berlin fordern, unterstützt werden.

Und nun viel Spaß beim Lesen des Posts von Frauke Zimmermann: 4 Stunden Lann komprimiert und mit Trigger-Warnung: Das Lesen dieses Textes kann zu einem Lann-Trauma führen!

Mehr zum Lann auf ScienceFiles:

Ein Profx, das zu Straftaten aufruft

Umfrage: Kann Lann Hornscheidt an der Humboldt-Universität geduldet werden?

Heteronormative und sexistische Papiertüten

Der wissenschaftliche Nachwuchs macht wieder von sich reden; dieses Mal der Nachwuchs aus Würzburg, wo angehende Wissenschaftler, diejenigen, die in ein paar Jahren für sich beanspruchen wollen, die intellektuelle Elite des Landes, zumindest im Hinblick auf formale Bildungstitel zu stellen, in Papiertüten den Klassenfeind erkannt haben.

Uni WuerzburgEntsprechend machen sie in einer Weise von sich reden, die zeigt: Zwischen formaler Bildung z.B. einer (Fach-)Hochschulreife und Intelligenz besteht zuweilen bestenfalls eine Schnittmenge, über deren Ausmaß man sich genauer unterhalten müsste.

In Würzburg, an der dortigen Universität, ist es üblich, Erstsemestern Semesteranfangstüten auszuhändigen, in denen sich vornehmlich Werbegeschenke befinden. Schon 2013 hat der “Studentische Konvent” der Universität Würzburg auf Antrag der Referate “Ökologie” und “Gleichstellung” die Abschaffung dieser Semesteranfangstüten beschlossen. Zum Sommersemester 2015 hat sich der Sprecherrat an den Beschluss erinnert und die Semesteranfangstüten abgeschafft.

Erstsemestertuete“Durch die Verteilung der Tüten wurde[n] für eine lange Zeit Berge von Müll produziert, die noch Tage in der Mensa sichtbar waren. Die wenigen kostenlosen Werbegeschenke darin standen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Entsorgung. Schon 2013 wurde folgender Antrag zu den Semesteranfangstüten beschlossen:

Jedoch wurde dieser Beschluss oftmals vernachlässigt. Nun zur nächsten Erstimesse wird es keine Semesteranfangstüten geben.”

Die Begründung, die hier gegeben wird, lautet demnach: Müllvermeidung. Sie ist nachvollziehbar und somit rational, denn wenn die Menge des entstehenden Mülls durch den Gewinn, der den einzelnen Studenten durch die Semesteranfangstüten entsteht, nicht gerechtfertigt ist, dann macht es durchaus Sinn, über den Wert der Tüten nachzudenken – zumindest ist es eine rationale Begründung, was zeigt, dass der derzeitige Sprecherrat an der Universität Würzburg zumindest aus einigen denkfähigen und rationalen Studenten zu bestehen scheint.

Interessant ist auch, dass die Sprecher die Verbannung der Semesteranfangstüten von der “Erstimess” (die infantile Sprache ist überall) ausschließlich mit Müllvermeidung begründen. Dies spricht für sie, denn offensichtlich sind sie der Meinung, die ursprüngliche Begründung des später beschlossenen Antrags, der auf die Referate Ökologie und Gleichstellung zurückgeht, sei so absurd und unsinnig, dass man sie besser nicht wiederholt.

Und damit haben die Studentenräte sicher recht.

Denn wie so oft, wenn Referate, die “Gleichstellung” im Namen führen, an etwas beteiligt sind, zeigt das Produkt, das unter Beteiligung derjenigen, die sich in diesen Referaten zusammenfinden, erstellt wurde, alle Anzeichen eines Ergebnisses, das man nur auf geistige Demenz zurückführen kann.

Und dabei kommen dann Sätze, wie die folgenden heraus:

“Der Sprecher- und Sprecherinnenrat setzt sich bei den Verantwortlichen des Studentenwerks, wie auch bei weiteren Akteurinnen und Akteuren dafür ein, dass die unverhältnismäßig viel Müll produzierenden, heteronormativen, und sexistischen Semesteranfangstüten an der Universität Würzburg nicht mehr ausgeteilt werden.”

Die Sprachverwirrung, sie schreitet voran. Anders formuliert: Es gibt bereits unter Studenten Sprechmaschinen, die ein Inventar von Begriffen haben, die sie unter den Rubriken “gut” und “schlecht” kategorisieren, deren Bedeutung sie aber in keiner Weise kennen.

Die Begriffe “heteronormativ” und “sexistisch” sind solche Begriffe. Beide beziehen sich auf ein Verhalten bzw. wenn man ganz freundlich ist, kann man annehmen “heteronormativ” beschreibe auch eine Einstellung. Papiertüten, jedenfalls die Papiertüten, die wir kennen, haben weder eine Einstellung, weshalb sie nicht heteronormativ sein können, noch zeigen sie ein Verhalten, weshalb es nicht möglich ist, Papiertüten als sexistisch zu bezeichnen.

Und jetzt kann man sie schon hören, die Künstler, die schreien, dass es sexistische Darstellungen gibt. Und doch gibt es die entsprechenden Darstellungen nicht. Es gibt ausschließlich Darstellungen. Und dann gibt es Betrachter von Darstellungen, die diese Darstellungen bewerten, z.B. als sexistisch. Sexistisch ist aber keine Eigenschaft der Darstellung oder der Papiertüte, sondern eine Zuschreibung durch den Betrachter. Man sollte meinen, dass derartige Trivialitäten, die unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer bereits im ersten Semester verbreitet sein sollten, auch tatsächlich verbreitet sind. Sie sind es aber offensichtlich nicht.

Vielmehr findet sich unter Studenten zunehmend eine Unfähigkeit zwischen eigener Bewertung und Zuschreibung und den Eigenschaften von Objekten zu unterscheiden. Das ist bedenklich, denn diese Studenten sind anfällig für z.B. Rassenlehren, die z.B. Juden bestimmte Eigenschaften zuschreiben und behaupten, die Eigenschaften seien Juden inhärent. Der Rassismus beginnt, so kann man formulieren, bei dem irrigen Glauben, es gebe sexistische Papiertüten.

Wer das denkt, ist natürlich auch hervorragend manipulierbar, denn er bemerkt gar nicht, dass er es ist, der seine Bewertung in seinem Bemühen, z.B. Gutes zu tun, an Objekte heranträgt. Entsprechend einfach ist es diese Zombies zu steuern, z.B. in dem man behauptet, ein Objekt sei irgendetwas, sei rassistisch, sexistisch, extremistisch, was auch immer, eine Behauptung, die darauf abzielt, den Affekt auszulösen, der dann auch regelmäßig kommt, da die Zuschreibung ja als “gut” oder “schlecht” kategorisiert wurde (Der Hund von Pawlow hat für seinen Reiz-Reaktions-Gehorsam, für seine klassische Konditionierung, wenigstens noch Nahrung – also eine Belohnung erhalten. Studenten in Würzburg zeigen Reaktionen auch ohne nachvollziehbare Belohnung. Da sage noch einer, Hunde wären Menschen unterlegen…).

Spätestens bei Begriffen wie “heteronormativ” sollte der Unterschied zwischen dem Objekt und der Bewertung des Objekts einem Studenten, der zur intellektuellen Elite gehören will, jedoch auffallen. Normen sind nichts, was sich direkt beobachten ließe. Normen kann man nur aus gleichförmigem Verhalten erschließen. Wenn alle Bekannten, die man hat, sich regelmäßig dann von einem abwenden, wenn man in der Mensa damit beginnt, über seine  Verdauungsprobleme und die Folgen davon zu sprechen, dann könnte man, wäre man ein aufmerksamer Beobachter und vielleicht sogar ein angehender Soziologe, daraus schließen, dass es eine Norm gibt, die es verbietet, beim Essen über Verdauungsstörungen, deren Folgen und die Art und Weise, wie sie sich äußern, zu sprechen.

Da Papiertüten sich nicht verhalten, können Papiertüten auch nicht heteronormativ sein. Sie können bestenfalls das Ergebnis von normativem Verhalten sein, z.B. wenn sie aus nicht mit Chlor gebleichtem Papier hergerstellt wurden.

Studenten sollten das eigentlich wissen.

Aber was soll man von Studenten erwarten, die Sätze wie die folgenden von sich geben:

Wuerzburger Knalltueten“Die UNICUM-Tüten preisen die Zweigeschlechtlichkeit: es gibt nur die Wahl zwischen Frauen- und Männer-Tüten, die jeweils durch ihren Inhalt als auch durch das rosa und blaue Band geschlechtsstereotyp gekennzeichnet sind. Zu den Produkten sei ein Beispiel in Bezug auf die UNICUM-Tüten im Wintersemester 2012/13 genannt: In den Tüten zu Beginn des Wintersemesters 2012/13 befand sich in den Männer-Tüten ein bekannter Energiedrink, in den Frauen-Tüten fand man selbigen in der „zuckerfrei“-Variante. Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.”

Tüten sind also nicht nur heteronormativ und sexistisch, sie preisen auch die Zweigeschlechtlichkeit.

Nun, hätten die Eltern der Studenten, die sich hier über das Lob der Zweigeschlechtlichkeit beschweren, nur von diesem Lob und Preis abgesehen, dann wäre uns einiges an Unsinn erspart geblieben. Z.B. die Notwendigkeit gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass Sexismus nicht in den Gegenständen liegt, sondern in den Betrachtern. Die für die zitierten Sätze Verantwortlichen, sie sind wahre sexistische Monster, die nicht anders können, als in allen Dingen danach zu forsten, ob sie nicht vielleicht sexistisch interpretiert werden können.

Derartige Fixierungen wurden früher auf der Couch von Psychiatern behandelt. Heute sind sie in manchen Bereichen zur Normalität geworden. Die Normativität des faktischen Wahnsinns, die denjenigen, die sich ihr unterwerfen, vorgaukelt, sie seien normal, sie ist in manchen Bereichen total. In diesen Bereichen herrscht ein Glaube, von dem die Besessenen nicht einmal durch die Tatsache abzubringen zu sein scheinen, dass die Umgebung über sie lacht, jene Umgebung, die mit normalen Menschen bevölkert ist, die in Tüten Tüten erblicken und keine sexistischen Fanale, jene Umgebung, in der zuckerfreie Marmelade zum Frühstück gegessen wird, und zwar von zwei gegengeschlechtlichen Frühstückern, die nicht eine Sekunde auf die Idee kommen, mit der zuckerfreien Marmelade verbinde sich ein “bestimmtes Körperbild”.

Warum kommen sie nicht auf die Idee? Weil sie in der ratio-normativen Welt leben, in der die eigene Idiotie nicht in Kanaldeckel und Papiertüten projiziert wird, sondern Papiertüten und Kanaldeckel eben Papiertüten und Kanaldeckel sind.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob es notwendig sein wird, einen antirational-normativen Zug an deutschen Hochschulen einzurichten, in dem diejenigen gesammelt werden, die es aus nicht nachvollziehbaren Gründen an Hochschulen geschafft haben, damit sie von dort direkt in geschlossene Anstalten transferiert werden können, Anstalten, in denen sie von morgens bis Abends über heteronormative Papiertüten und sexistische Kanaldeckel diskutieren können, Anstalten, die am besten vom Bundesministerium für FSFJ finanziert werden, schon wegen vorhandener personeller Überlappungen.

Diese Art der Internierung hätte auch den Vorteil, dass die Internierten nicht anderen vorschreiben können, wie sie z.B: Semesteranfangstüten zu bewerten haben und andere, die diese Tüten vielleicht gerne gehabt hätten, durch ihr Verhalten schädigen.

Weiteres zum #TütenGate gibt es bei Hadmut Danisch.

Oh, diese Emmas: Falsches wird auch durch Wiederholung nicht richtig

Vor einiger Zeit haben wir von einer klassischen Studie berichtet, die David Dunning et al. (2003) erstellt haben. Darin haben sich Dunning et al. gefragt, warum falsche Überzeugungen so langlebig sind, warum Inkompetente ihre Inkompetenz nicht bemerken, warum Dumme dumm bleiben. Ihre Antwort ist eindeutig:

truthWer in einem Feld nicht kompetent genug ist, kann auch seine Überzeugung nicht revidieren, denn er bemerkt nicht, dass er inkompetent ist. Dieses Ergebnis steht am Ende einer Reihe von Experimenten, die Dunning et al. durchgeführt haben: Um Beschränkungen der eigenen Kompetenz zu überwinden, müssten diejenigen, die den entsprechenden Beschränkungen unterliegen, die entsprechenden Beschränkungen kennen. Würden sie die entsprechenden Beschränkungen aber kennen, wären sie nicht zu inkompetent, die entsprechenden Beschränkungen zu überwinden: “The skills needed to produce logically sound arguments, for instance, are the same skills that are necessary to recognize when a logically sound argument has been made” (Dunning et al., 2003: 85).

Der Grund dafür, dass man immer aus den selben Quellen mit dem selben Unsinn konfrontiert wird, liegt demnach in einer intellektuellen Beschränkung, die das verhindert, was Menschen eigentlich auszeichnen soll: zu lernen. Lernen setzt jedoch Offenheit für Fakten voraus, Offenheit für der eigenen Überzeugung widersprechende Fakten und Ideen. Wer diese Offenheit nicht hat, kann nicht lernen und bleibt entsprechend dumm.

Ein Beispiel für fortgesetzte Dummheit, die auf verminderte oder nicht vorhandene Lernfähigkeit und damit einhergehende Inkompetenz zurückzuführen ist, ist ein neuerlicher Beitrag in “Emma”. Darin beklagen sich die Emmas zunächst darüber, dass ihr Highjacking, mit dem Sie versucht haben, aus dem Absturz von Germanwings Flug 4U9525 ideologisches Kapital zu schlagen, auf erheblichen Widerstand gestoßen ist. Die Idee einer Frauenquote im Cockpit ist, das kann man feststellen, nicht gut angekommen.

Normale Menschen, die auf Widerstand treffen, nehmen diesen Widerstand zur Kenntnis und ziehen daraus ihre Lehren – mit anderen Worten: Sie lernen. Nicht so die Emmas (wie alle Genderisten). Sie haben sich nach Verstärkung umgesehen. Und wo kleine Kinder nach dem großen Bruder Ausschau halten, haben die Redaktions-Emmas nach der vermeintlich großen Schwester Ausschau gehalten und in “Gabriela Stoppe, Psychiaterin und Vizepräsidentin des Schweizer Dachverbands für Suizidprävention” gefunden.

Stoppe “findet” den Frauenanteil unter Piloten, Lokführern und Postauto-Chauffeuren “zu tief”:

scully facepalm“Es wäre nicht nur wegen der Durchmischung sinnvoll, mehr Frauen für den Transport von Menschen zu engagieren, sondern vor allem wegen der Sicherheit”, sagt Stoppe. Ihre Aussage begründet sie damit, dass Frauen eine deutlich tiefere Suizidrate haben. “Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch in Europa ein Pilot mit dem Flugzeug einen Suizid begeht.”

“Durchmischung”, eine interessante Wortwahl, ist also das Mittel gegen männlichen Suizid am Steuer. Und weil es noch nicht reicht, mit der Inkompetenz, kommt noch folgender Satz:

“Der Suizid ist bei Männern zwischen 15 und 44 Jahren in der Schweiz die häufigste Todesursache. 240 Männer haben sich 2012 das Leben genommen.”

So klein ist die Schweiz nun auch nicht, dass die 240 toten Selsbtmörder im Jahre 2012 die häufigste Todesursache unter Männern darstellen würden. Tatsächlich weiß man bei Statistik Schweiz davon überhaupt nichts, ist vielmehr der Ansicht, Selbstmord sei nicht die häufigste odesursache. Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Unfälle die häufigsten Todesursachen von Männern seien, auch in der Gruppe der 15 bis 44jährigen der häufigste Grund für ein Ableben. Falls Frau Stoppe diesen Unsinn tatsächlich erzählt hat, und vieles spricht dafür, kann man nicht anders, als Inkompetenz zu attestieren.

Schweiz Todesursachen

Doch damit nicht genug. Nehmen wir die Behauptung, eine Frauenquote im Cockpit würde die Wahrscheinlichkeit, dass Nachfolger von Andreas Lubitz ein Flugzeug mit 149 weiteren Menschen an Bord gegen einen Berg fliegen, reduzieren, für kurze Zeit Ernst. Sagen wir, 30% aller Piloten müssen ab nächstes Jahr weiblich sein, eine Zahl, die zwar nicht erreicht werden kann, weil jährlich nur rund 4% der Verkehrsflugzeugführer-Lizenzen, die das Luftfahrtbundesamt vergibt, an Frauen vergeben werden, aber ignorieren wir diesen kleinen empirischen Rückschlag der Ideologie zu liebe und fragen uns vielmehr, wie wir verhindern, dass sich unter den verbleibenden 70% männlichen Piloten kein Selbstmörder befindet.

Und wie wir uns diese Frage so stellen, stellen wir fest, dass der Anteil der weiblichen Piloten sich erst dann spürbar auf die Gefahr, einen männlichen Selbstmörder im Cockpit zu haben, auswirkt, wenn er 100% wäre. Ein 100%tiger Frauenanteil brächte zwar die Luftfahrindustrie zum Erliegen, angesichts der 472 Lizenzen, die im Jahr 2013 an weibliche Verkehrsflugzeugführer erteilt wurden, aber, auch diesen Einbruch der Realität ignorieren wir der Ideologie zu liebe und gehen nunmehr von 100% weiblichen Piloten aus.

Unter Frauen gibt es auch Selbstmörder!

Double facepalmZu dumm. Um die Gefahr eines weiblichen Selbstmörders im Cockpit zu reduzieren, benötigen wir nunmehr männliche Piloten mit dem bekannten Problem männlicher Selbstmörder. Und wären wir nun mit Verstand begabte Wesen, dann würden wir daraus den Schluss ziehen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Selbstmörder in einem Cockpit zu finden, überhaupt nichts mit Geschlecht oder Quote zu tun hat, dass, mit anderen Worten, die Frau Pusch, die den Unsinn in die Welt gesetzt hat, und die Frau Stoppe, die nichts Besseres kann, als diesen Unsinn zu wiederholen, nichts desto trotz einen himmelschreienden Unsinn in die Welt gesetzt haben, der erhebliche Zweifel nicht nur an ihren mathematischen und logischen Grundkenntnissen weckt.

Somit ist auch der Versuch der Emmas, sich gegen die Kritik, auf die ihr Vorschlag, eine Frauenquote im Cockpit durchzusetzen, gestoßen ist, dadurch zu verteidigen, dass man auf “Gabriela Stoppe, Psychiaterin und Vizepräsidentin des Schweizer Dachverbands für Suizidprävention” verweist, die diesen Vorschlag gut “findet”, gescheitert. Und dass er scheitern musste, leuchtet mit mäßigem Verstand begabten Menschen eigentlich sofort ein, denn wenn etwas falsch ist, dann bleibt es unabhängig von der Anzahl derer, die es dennoch “gut finden” , falsch. Die Erde dreht sich nun einmal um die Sonne, egal, ob die Emmas das gerne anders hätten oder nicht.

Wer versucht, eine offensichtlich falsche Behauptung weiterhin aufrecht zu erhalten, der zeigt damit nur, wie abgrundtief inkompetent er ist.

Aber eines muss man den Emmas lassen: Sie haben einen gewissen Unterhaltungswert. Vor allem dabei zu zusehen, wie Emmas, die sich für emanzipiert halten, die von sich behaupten, sie hätten ein Urteilsvermögen, beim ersten Anzeichen von Kritik und unter Einsatz des Fehlschlusses ad auctoritatem unter die Fittiche einer vermeintlichen Autorität flüchten und dort Schutz suchen wollen, ist erbaulich (oder erbämlich, je nachdem).

Massensterben durch Sommerzeit befürchtet

Gelangweilte haben in ihrem Leben ein Problem: Sie müssen sich einen Zeitvertreib suchen, der sie unterhält. Die Moderne und hat mit der Hilfeindustrie, die man mit Peter Saunders als neue Geisel der Menschheit beschreiben könnte, einen perfekten Zeitvertreib für Gelangweilte gefunden.

Mit mehreren Vorteilen:

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Man kann die eigenen Hirngespinnste als Hilfe verkaufen.

Man kann den Verkauf der Hilfe der Allgemeinheit in Rechnung stellen.

Man muss dazu nur ständig neue Situationen oder Umstände entdecken, die der Hilfe bedürfen.

Saunders_Equalities industryEntsprechend ist die Hilfeindustrie die Innovations-Industrie. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Leiden entdeckt, eine neue Situation er- oder gefunden oder eine neue Diagnose aufgestellt wird, die dringender Abhilfe bedarf, Abhilfe, die zunächst einmal mit den drohenden Übeln gerechtfertigt werden muss.

Und dieses Jahr hat die Hilfeindustrie die Sommerzeit entdeckt, nicht das Ende der Sommerzeit, das eine Stunde schenkt, sondern den Beginn der Sommerzeit, der eine Stunde stiehlt, ein Diebstahl, der im menschlichen Körper, für den die eine Stunde existenziell ist, Katastrophales bewirken kann: Massensterben an Herzinfarkt nämlich.

Beim NDR weiß man das.

“Jedes Frühjahr werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt. Die Gewöhnung an die neue Zeit fällt den meisten Menschen jedoch schwerer als gedacht. 23 Prozent der Deutschen klagen nach der Zeitumstellung über Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche oder sogar Depressionen. Ähnliche Symptome, unter denen auch Schichtarbeiter besonders häufig leiden”.

Sätze wie diese kann nur ein gelangweilter Mittelschichtler schreiben, der sich auf die Suche nach einer Möglichkeit gemacht hat, sein Lieblings-Leiden: die Hypochondrie auszuleben. Der Aberwitz dieser Zeilen, die allen Ernstes einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Stunde, die Ende März in der Nacht von einem Samstag auf einen Sonntag fehlt, und Depression oder Konzentrationsschwäche herstellen, wird nur durch die Ignoranz des Redakteurs übertroffen, dessen Empathie mit sich selbst und der großen einstündigen Gefahr, in der er schwebt, so immens ist, dass er den Schichtarbeiter, der dieser Gefahr täglich ausgesetzt ist, nur am Rande anführt, ohne daraus die Konsequenzen für sich zu ziehen und in Zukunft auf die Belieferung seines Supermarkts durch einen Lkw-Fahrer im Schichtdienst zu verzichten.

Die fehlende Empathie mit dem Schichtarbeiter ist umso erstaunlicher als derselbe Redakteur im weiteren Verlauf seiner Wort gewordenen Hypochondrie Folgendes zum besten gibt:

“Forscher aus Lübeck haben herausgefunden, dass der Stoffwechsel ihrer Probanden schon nach zwei Tagen Schlafentzug negativ beeinflusst wird. Das passt auch zu den Daten der DAK, die bei ihren Versicherten 25 Prozent mehr Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit zählt.”

Wer nach dem Zitat oben, noch am Verstand des Redakteurs gezweifelt hat, kann den Zweifel nun ad acta legen, er ist unbegründet, Zweifel an Verstand setzt die Möglichkeit von Verstand voraus. Diese Möglichkeit scheint ausgeschlossen, wenn jemand Schlafentzug, den Forscher in Lübeck erforscht haben, mit einer Zeitumstellung und dem Verlust einer Stunde vergleicht, um dann Zahlen der DAK ins Spiel zu bringen, die “bei ihren Versicherten 25 Prozent mehr Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit zählt”.

NDR HypochonderVerstand kann hier ausgeschlossen werden, und zwar nicht nur, weil man doch gerne gewusst hätte, im Vergleich wozu, welcher Zeit oder welchem Ort “25 Prozent mehr DAK Versicherte Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit” erleiden, sondern weil insinuiert wird, dass das “Mini-Jetlag”, das durch die Sommerzeit ausgelöst werden kann, drei Tage unter den Versicherten der DAK wütet, bis 25% mehr der entsprechenden Versicherten endlich ihre Ruhe in Angina Pectoris finden.

Was die unglaubliche Erkenntnis, nach der das Mini-Jetlag, das durch die Umstellung in die Sommerzeit ausgelöst wird, zu mehr Herzinfarkten führt, für Reisen in die USA bedeutet, ob vor Abschluss der entsprechenden Reisen von Versicherten der DAK eine Erklärung verlangt wird, dass sie die Versicherung von Leistungen für eventuell im Abstand von drei Tagen nach der Rückkehr anfallende Herzinfarkte freistellen, diese eminent wichtige Frage, die hat sich der öffentlich-rechtliche Hypochonder gar nicht erst gestellt, was schade ist, hätte man an dieser Frage, doch die ganze Schädlichkeit von Reisen in das neoliberale Ausland aufzeigen können.

Statt dessen begnügt sich “Autor/in Judith König”, der/die nicht aus Bescheidenheit oder Scham unbenannt bleiben will, damit, wichtiges über Chronotypen zu verbreiten, also Chrontypen wie sie und uns:

“Wer Frühaufsteher und wer Langschläfer ist, ist bereits genetisch festgelegt und lässt sich auch nicht umprogrammieren. Wissenschaftler sprechen dabei von verschiedenen Chronotypen. Menschen, die zum Chronotyp “Eule” zählen und erst spät am Tag aktiv werden, leiden meist mehr unter der Sommerzeit als die “Lerchen”, die morgens früh wach und abends früher müde sind.”

Warum Eulen mehr leiden als Lerchen, wo beiden doch eine Stunde Schlaf mit Eintritt in die Sommerzeit gestohlen wird, ist ebenso ein Mysterium wie die Wandelbarkeit von Menschen im Lebenslauf, die zeitweise früh und zeitweise spät aufstehen, ganz nach Notwendigkeit oder Abflugzeiten der Urlaubsflieger.

Seien Sie also gewarnt: Der Beginn der Sommerzeit kann, sofern Sie bei der DAK versichert sind, dazu führen, dass sie noch drei Tage nach der Umstellung der Uhr einen Herzinfarkt erleiden. Die Sommerzeit-Umstellung schlägt regelmäßige Lücken in den Versichertenbestand der DAK, sie ist ein Killer, ein 25%-mehr-Massenkiller, um den wir uns kümmern müssen, in Therapie und Fachgespräch und natürlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunkt, jenem Refugium, in dem die gelangweilten Mittelschichtler mit einander wetteifern, wetteifern darüber, wer der größere Hypochonder ist.

Wie steigert man Junk Science? Eine Frage an das DIW

Junk Science ist ein Begriff, der sich über die letzten Jahre vor allem in der englischsprachigen Blogosphere verbreitet hat. Konstituierend für die Kategorie “Junk Science” sind einige wegbereitende Arbeiten, wie z.B. Alain Sokal und Jean Bricmonts “Eleganter Unsinn”, in dem sie zeigen, wie postmoderne, vermeintliche Denker wie Jacques Lacan, Julia Kristeva, Bruno Latour oder Jean Baudrillard Wissenschaft missbrauchen oder mehr pointiert dargestellt, sich in ihrer aufgeblasenen Sprachwelt wissenschaftlicher Erkenntnisse bedienen, die sie nicht einmal entfernt verstanden haben. Auch die Hexenmeister der Sozialwissenschaften, die Stanislav Andreski entzaubert hat, sind ein Meilenstein in der Verteidigung der Wissenschaft gegen ihren Missbrauch.

SokalJunk Science gibt es in vielen Variationen. Junk Science gibt es als prätentiös daherkommendes Unterfangen, bei dem wortreich in hermeneutischer Selbstbezüglichkeit, das Nichts beschrieben wird. Junk Science kommt, wie z.B. im Genderismus als Überraschungsfund daher, z.B. dann, wenn die Intersektionalität entdeckt wird und damit ein Konzept, das sich als Selbstverstänlichkeit über die Jahrtausende geschleppt hat, nur um dann von Genderisten entdeckt zu werden. Schließlich kommt Junk Science als Datenhuberei daher, die Korrelationen als Kausalitäten verkauft, Ergebnisse interpretiert, die auf 3% der Fälle im Datensatz zu- und auf 97% nicht zutreffen oder weitschweifende Forderungen auf Grundlage von dünnen bzw. oftmals falschen Berechnungen ableitet.

Das alles ist Junk Science.

Und dann gibt es noch den Beitrag von Carsten Schröder, C. Katharina Spieß und Johanna Storck, der gerade im Wochenbericht des DIW veröffentlicht wurde.

Dieser Beitrag schafft sich eine ganz eigene Kategorie, z.B. im Hinblick auf seine wichtigste Erkenntnis, die man wie folgt in Prosa fassen kann:

Wenn Klaus 10 Euro zur Verfügung hat und Peter 12 Euro und beide geben 2 Euro für ein Eis aus, wessen Ressourcen sind dann stärker belastet? Die von Klaus oder die von Peter? Die richtige Lösung dieser Mathematikaufgabe aus der dritten Klasse (?) haben Carsten Schröder, C. Katharina Spieß und Johanna Storck in mühseliger Kleinarbeit und auf Basis der Daten des SOEP nun gefunden: Es ist Klaus!

MathematikBevor wir nach Umverteilung der finanziellen Ressourcen von Peter zu Klaus rufen, muss angemerkt werden, dass Schröder, Spieß und Storck ihre Erkenntnis natürlich anders verpackt haben, schließlich sind sie ernsthafte Mitarbeiter des DIW. Deshalb haben sie die Ausgaben für Bildung und nicht die Ausgaben für Eis untersucht und dabei herausgefunden, dass Klaus, wenn er zwei Euro für Bildung ausgibt, relativ zu seinen 10 Euro finanzieller Ressourcen mehr ausgibt als Peter.

Neben dieser bahnbrechenden Erkenntnis, die dennoch vermutlich keinen Einfluss auf die Abfassung von Textaufgaben in Mathematikbüchern für die dritte Klasse haben wird, tuen sich die drei vom DIW durch eine neue Definition von Bildung hervor, eine “weite Auslegung des Bildungsbegriffes” wie sie sagen. Entsprechend beginnt die formale Bildung nicht etwa mit der Einschulung, nein, sie beginnt mit dem Besuch einer Kindertagesstätte und natürlich ist auch die Kindertagespflege Bestandteil der formalen Bildung.

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Wo es eine formale Bildung gibt, muss es auch eine nicht-formale Bildung geben. Die Nutzung von Sport- und Freizeitangeboten ist für Schröder, Spieß und Storck nicht formale Bildung, so dass man zu dem Schluss kommen muss, dass abgesehen von Schlaf, vermutlich von Frühstück, Mittag- und Abendessen (worüber allerdings zu diskutieren wäre) und vom Gang zur Toilette alle Aktivitäten, denen Kinder ab dem zweiten Lebensjahr ausgesetzt werden, als formale oder nicht-formale Bildung anzusehen sind. Dieses allumfassende Konzept von Bildung hat zur Konsequenz, dass nahezu alle Bereiche der kindlichen Erziehung der staatliche Förderung und Unterstützung zugänglich gemacht werden können.

Nun haben Schröder, Spieß und Storck auch Ergebnisse zu vermelden: 93 Euro gibt die durchschnittliche Familie in Deutschland pro Monat für Bildung aus und somit deutlich weniger als für Schuhe und Kleidung. Das macht 3.5% des monatlichen Einkommens, bei den Familien, die überhaupt etwas für die Bildung ihrer Kinder ausgeben, was rund 25% der Kinderbesitzer im Datensatz von Schröder, Spieß und Storck gar nicht tun, weil sie von den entsprechenden Kosten freigestellt sind, weil ihnen, um im Beispiel zu bleiben, der Eismann das Eis schenkt.

Wenn 25%, vermutlich die einkommensschwächsten Kinderbesitzer gar keine Ausgaben für Bildung haben, dann fragt man sich spätestens an dieser Stelle nach dem Sinn der Ergebnisse, die Schröder, Spieß und Storck unter der Überschrift “Private Bildungsausgaben für Kinder: Einkommensschwache Familien sind stärker belastet” verkünden. Einmal davon abgesehen, dass der Komparativ ohne Vergleichsgruppe bleibt, fragt man sich schon, wie einkommensschwache Familien, die für die entsprechenden Angebote, wie Schröder, Spieß und Storck ausdrücklich feststellen, nicht zahlen müssen, die also keine Bildungsausgaben haben, dennoch stärker belastet sein können als nicht einkommensschwache Familien.

DIW private BildungsausgabenAber: zuviel Nachdenken schadet der Unbekümmertheit und steht auch im Widerspruch zu ideologischen Absichten, deshalb gehen wir direkt über, zum Forderungsteil, der neuerdings Arbeiten, die von sich behaupten, sie seien wissenschaftlich, abrundet. In diesem Teil finden wir einen Einbruch der Relationalität relationaler Relationen. 3% von 1000 Euro sind 30 Euro und 3% von 2000 Euro sind 60 Euro, oder: “Wer ein höheres Einkommen hat, gibt häufiger und mehr Geld für Bildung aus”.

Für Peter und Klaus bedeutet das, dass Peter mit seinen 12 Euro sechsmal Eis kaufen kann, während Klaus es schaffen muss, mit nur fünf Eis Bauchschmerzen zu bekommen. Oben haben wir die Forderung nach Umverteilung der finanziellen Ressourcen von Peter zu Klaus noch zurückgestellt, hier ist es nun Zeit, die Forderung in aller Klarheit zu stellen: Die Kosten für ein Eis sind progressiv zu staffeln. Wenn Klaus für 10 Euro 5 Mal Eis kaufen kann, dann müssen die Kosten für Peter pro Eis auf 2,40 Euro erhöht werden, damit er sich auch nur 5 Mal Eis kaufen kann – oder in den Worten von Schröder, Spieß und Storck:

“Für die Bildungspolitik, die alle Bildungspotentiale erschließen will, ist dies ein wichtiger Ansatzpunkt. Konkret könnte eine progressive Staffelung von Kita-Gebühren und Beiträgen in öffentlich geförderten Sportvereinen oder Musikschulen ein bildungspolitischer Ansatzpunkt sein, wenn einkommensschwache Haushalte im Hinblick auf ihre Bildungsausgaben [Zur Erinnerung: die 25% der einkommensschwächsten Haushalte haben gar keine Bildungsausgaben] stärker als bisher entlastet werden sollen.”

Wie gesagt, wir suchen noch nach einer Benennung für diese Steigerung von Junk Science.

Wer einen Vorschlag hat, möge ihn uns mitteilen.

Idiotentest für Journalisten fordert die ersten Opfer

In der aktuellen Ausgabe des British Medical Journals findet sich ein Beitrag, der mit der Überschrift “The Darwin Awards: sex differences in idiotic behaviour” überschrieben ist. Es sind Titel wie dieser, die bereits eine bestimmte Art von Konsumenten anziehen.

BMJBen Alexander Daniel Lendrem, Dennis William Lendrem, Andy Gray und John Dudley Issacs vom Institute of Cellular Medicine der Newcastle University haben den Beitrag, der nur zwei Seiten umfasst, geschrieben. Sie haben ihn geschrieben, um die “Male Idiot Theory” (MIT) zu testen, die sie John McPherson zuschreiben. Um die Thoerie, die besagt, dass “men are idiots and idiots do stupid things” zu prüfen, bedienen sich die Autoren der Daten des Darwin Awards.

Der Darwin Award wird an Personen verliehen, die Leidtragende ihres eigenen idiotischen Verhaltens sind und sich damit ins Grab bringen. Um als Kandidat für den Darwin Award in Betracht gezogen zu werden, so schreiben die Autoren, müsse man einen rigorosen Auswahlprozess durchlaufen. In Frage kämen nur Kandidaten,  (1) die sich selbst vom Genpool eliminiert haben, (2) die sich dadurch auszeichnen, dass sie den gesunden Menschenverstand in erstaunlicher Weise falsch anwenden, (3) die nachweislich auf idiotische Weise gestorben sind, (4) die grundsätzlich über Urteilsvermögen verfügen können und (5) die nachweislich selbstinduziert auf idiotische Weise gestorben sind.

Der Darwin Award wird seit 1995 vergeben und die Autoren haben 318 Preisträger aus dem Zeitraum von 1990 bis 2014 in ihrem Sample. Eine Analyse nach Geschlecht hat ergeben, dass 88,7% der Darwin Award Winner männlich, nur 12,3% weiblich sind – ein Unterschied, den ein chi-quadrat-Test als statistisch signifikant ausweist.

Das Ergebnis, so die Autoren abschließend, sei im Einklang mit der Male Idiot Theory, und unterstütze die Hypothese, dass Männer Idioten sind und Idioten idiotische Dinge tun.

Ein findiger Mitarbeiter der Presseabteilung des British Medical Journal hat den Beitrag in eine Pressemeldung übertragen, der er den Titel “Study supports the theory that ‘men are idiots'” gegeben hat. Die Pressemeldung berichtet weitgehend die Ergebnisse, die hier bereits dargestellt wurden und setzt noch einen on-top, in dem die Autoren damit zitiert werden, wie sie sich über ihre Ergebnisse wundern und überlegen, ob sie einen Bias in ihren Daten haben, etwa dadurch, dass Frauen Männer häufiger als Idioten beim Darwin Award melden als Männer dies umgekehr für Frauen tun oder das Ergebnis auf Unterschiede im Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Wie auch immer, die Ergebnisse seien verwirrend und entsprechend wollen die Autoren die “male idiot theory” im “semi-naturalistic Christmas party setting (with or without alcohol)” weiter untersuchen.

idiotsDas ist der Idiotentest, denn die Studie von Lendrem, Lendrem, Gray und Issac ist natürlich nicht ernst gemeint, sie ist ein Witz von Wissenschaftlern, denen die idiotische Angewohnheit, alles und jeden Blödsinn auf Geschlechtsunterschiede hin zu untersuchen, auf die Nerven geht. Sie ist eine offensichtliche Parodie auf einen wissenschaftlichen Beitrag, der mit prätentiös theoretischem Brimborium beginnt, um dann mit einer unglaublich schlichten und noch dazu ungeeigneten statistischen Prüfung fortgeführt zu werden und in monströsen Schlussfolgerungen zu enden.

Auch wer nicht in wissenschaftlichem Jargon zu Hause ist, dem sollten ganze Kronleuchter aufgehen, angesichts einer Theorie, die behauptet, dass Männer Idioten sind und Idioten idiotische Dinge tun. Die Ableitung der Theorie ist eine Tautologie und die Theorie selbst eine Übergeneralisierung, die eigentlich jeden mit normalem Menschenverstand Begabten hellhörig machen muss, schon weil die angebliche Theorie keinerlei Differenzierung zwischen Männern macht und sie gernerell zu Idioten erklärt – alle, ohne Ausnahme. Und wenn man dann noch weiß, dass der Autor der vermeintlichen “Male Idiot Theory” ein Kartoonist ist und die Theorie in seinem entsprechenden Buch mit dem Titel “Women are from Venus and Men are Idiots” veröffentlicht wurde, dann muss man eigentlich gar nicht mehr auf der Seite des Darwin Awards nachlesen, um was für eine Art von Seite es sich hier handelt.

Aber offensichtlich ist keine Meldung aus der Wissenschaft  idiotisch genug, als dass es nicht Journalisten gäbe, die sie für bare Münze nehmen, die – mit anderen Worten – sich durch eine bemerkenswerte Fehlanwendung von gesundem Menschenverstand auszeichnen, und sie durch den Idiotentest, den Lemdrem, Lendrem, Gray und Isaacs konzipiert haben, fallen lässt, was sie qualifiziert, in den engeren Kreis der Anwärter auf den Darwin Award aufgenommen zu werden.

Anja Garms von der Welt ist die erste, die durch den Idiotentest gerasselt ist.

Männer sind eben doch die größeren Idioten”, so titelt sie.

Und so geht es weiter:

“Männer sind nicht nur Trottel, sondern: Idioten. Frauen, denen dieser Gedanke öfter durch den Kopf geistert, sind sich jetzt eines wissenschaftlichen Hintergrunds sicher. Britische Wissenschaftler haben errechnet, dass der überwiegende Teil der Darwin-Award-Träger männlich ist.”

Im weiteren Verlauf übersetzt Garms die Pressemeldung, des British Medical Journal so gut sie kann ins Deutsche. Das ist für viele angebliche Journalisten der Hauptzeitvertreib, das, was andere geschrieben haben, in eine andere Sprache zu bringen, journalistischer Plagiarismus, wie man sagen könnte. Und dann fügt Garms noch zwei Schlusssätze an:

“Derweil betonen die Herausgeber des “British Medical Journal”, die Artikel der Weihnachtsausgabe seien zwar skurril und witzig, aber dennoch durch den üblichen Peer-Review-Prozess gegangen – also von Fachkollegen beurteilt. Es seien mithin echte wissenschaftliche Arbeiten.”

Selbst wenn die Herausgeber dies betonen, so zeigt es nur, dass Garms es sich nicht vorstellen kann, dass Wissenschaftler selbst im Peer Review Prozess Humor haben. Und selbst die Wikipedia weiß, was Garms sich nicht vorstellen kann: “A special “Christmas Edition” published annually on the Friday before Christmas is known for spoof or humorous articles[10][11] (though mainstream media often fall for the joke)”. How true!

Garms ist somit die erste, die mit Pauken und Trompeten durch den Idiotentest gerasselt ist. Ihre niedrigen Instinkte und ihr Hang, Männer als eine homogene Gruppe zu verunglimpfen, sind ihr zum Verhängnis geworden, ebenso wie ihre Gewohnheit, Pressemeldungen einfach abzukupfern und als Eigenleistung auszugeben. Dem British Medical Journal, so muss man feststellen, ist dieses Jahr ein besonders guter Prank gelungen, einer, der es ermöglicht, die Journalistenlandschaft zu entidiotisieren.

idiotentestWir beginnen hiermit eine Liste der Journalisten, die durch den Idiotentest gefallen sind, derer, die denken, sie könnten die Öffentlichkeit mit absurden Meldungen, in denen gesellschaftliche Gruppe zuerst homogenisiert und dann denunziert werden, traktieren.

Wir bitten daher unsere Leser uns mit den journalistischen Ergüssen zu versorgen, die es dazu, dass “Männer eben doch die größeren Idioten sind” gibt: Name des Autoren und Link zum Text genügen, damit wir den entsprechenden Kandidaten darauf hin prüfen, ob auch er den Idiotentest des British Medical Journal nicht bestanden hat. Hinweise bitte wie immer an sciencefiles at textconsulting.net

Bislang umfasst die Liste Anja Garms von der Welt und “JL” von “Die Presse” in Österreich, der den Unsinn unter dem Titel “Statistik zeigt: Männer handeln eher idiotisch” in die Welt setzt.

Den Idiotentest nicht bestanden haben:

  • Anja Grams, Die Welt
  • Anja Garms, dieses Mal als dpa über N24
  • Anja Garms, dieses Mal als dpa beim Stern
  • Anja Garms, dieses Mal bei der Nordwest-Zeitung
  • Anja Garms, dieses Mal beim Tagesspiegel
  • Anja Garms, etwas überarbeitet beim Handelsblatt
  • JL; Die Presse
  • NIK; Spiegel Online darf natürlich nicht fehlen
  • Attila Albert, Der Blick
  • Dpa bei der Rheinischen Post
  • Dpa bei den Salzburger Nachrichten
  • Dpa bei Shz
  • Dpa bei der TZ München
  • Dpa bei Nachrichten.at
  • Dpa beim Südkurier
  • Dpa leicht verändert bei HNA
  • Alice Ahlers in der Berliner Zeitung
  • NN für den ORF
  • Klaus Taschwer beim Standard, der all denen empfohlen sei, die wissen wollen, was herauskommt, wenn der idiotische Text den Garms für dpa produziert hat, von einem Redakteur bearbeitet wird.
  • Markus Brauer versucht sich für die Stuttgarter Nachrichten an der dpa Vorlage.
  • Beim Deutschlandfunk hat [mas] gar seine Neuronen dahingehend walten lassen, dass er die simple Auszählung zur Neurowissenschaft erklärt hat.
  • Keine Kenntnisse, dafür viel Phantasie hat Jochen WIttmann, von den Westfälischen Nachrichten, der Folgendes erdichtet hat:  “Man hat es schon immer vermutet, aber jetzt ist es amtlich: Männer sind eindeutig dämlicher als Frauen. Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität von Newcastle fand eine statistisch signifikante Geschlechterverteilung bei extrem risikobereitem Verhalten, das im Exitus endet: Frauen sind in dieser Disziplin eindeutig unterrepräsentiert. Die Studie, die soeben im „British Medical Journal“ publiziert wurde, kommt zu dem Schluss: Männer sind Idioten.” Wenn es einen Sonderpreis für den größten Idioten gäbe, Wittmann hätte ihn verdient.
  • Die Badische Zeitung hat einen Redakteur, der nicht mehr ganz bei Trost ist und sich in Trance schreibt: “Ihre Ergebnisse [Die Ergebnisse der Autoren der angeblichen Studie] deckten sich mit der “Theorie von den männlichen Idioten”. Diese besage, dass der Grund für die erhöhte Risikobereitschaft von Männern, ihre höhere Sterblichkeit bei Unfällen sowie ihre häufigere Einlieferung in Notaufnahmen ist, dass sie schlicht Idioten sind und Idioten eben idiotische Sachen machen.” Das ist die reine Phantasie eines Redakteurs, der offensichtilch von Sinnen ist.

Die folgenden Links hat Lucas Schoppe beigesteuert (Vielen Dank an ihn):

Die folgenden Links hat Robert Roth gesammelt.

Links von Martin Leyrer

Warum sind Funktionäre so versessen auf Kinderrechte?

GEwDie GEW, deren Funktionäre von sich behaupten, sie hätten etwas mit Bildung zu tun, wären gar Funktionäre einer Bildungsgewerkschaft, hat wieder eine Pressemitteilung veröffentlicht, eine Pressemitteilung, die von dem, was bei der GEW als Bildung gilt, nur so strotzt, z.B. in dem Satz:

“Info: Als Kinderrechte im engeren Sinn werden die Rechte von Kindern und Jugendlichen bezeichnet.”

Man kann diese Form der GEW-Bildung, die diesen Satz ausgespiehen hat, vornehm als Tautologie bezeichnen, denn dass Kinderrechte die Rechte von Kindern bezeichnen, ist dem Wort Kinderrechte schon immanent. Man nennt es auch die Wortbedeutung.

Man kann diese Form der GEW-Bildung auch als Quatsch bezeichnen, denn dass die Einschränkung von Kinderechten, also deren engerer Sinn, eine Bedeutungsausweitung auf Jugendliche und somit Jugendlichenrechte zum Ergebnis hat, ist ein Unsinn, den sich nur GEW-gebildete Funktionäre ausdenken können.

Verantwortlich für diese Form der GEW-Bildung sind die Stammlesern von ScienceFiles bereits bekannte Ilka Hoffmann, die sich als Fach-Hoffmann der Inklusion sieht, und Norbert Hocke, von dem bislang unbekannt ist, welche Bildungsphantasien er teilt.

Und beide streiten für Kinderrechte, und in schöner Geschlechterteilung kümmert sich der weibliche Funktionär um die Behinderten, während der männliche Funktionär das größere Ganze im Blick hat. Als Konsequenz ergibt sich z.B. Folgendes:

scully facepalm„Kinderrechte im Bildungswesen umzusetzen, bedeutet zum Beispiel: Kein Kind darf beschämt werden“, betonte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Schulen am Mittwoch in Frankfurt a.M. „Wenn man diesen Grundsatz ernst nimmt, muss eine Prüfung bei der selektiven Schulstruktur und der Umsetzung der Inklusion beginnen – und wäre bei Tests und Ziffernnoten noch längst nicht beendet.“

Weiß der Fach-Hoffmann eigentlich, was er da sagt?

Beschämend für Kinder sind Noten und Schulüberstellungen, die sie im Status gegenüber anderen Schülern abwerten, so muss man schließen, was in der Konsequenz heißt, dass das gegliederte Bildungswesen abzuschaffen ist und vor allem keine beschämenden “Ziffernnoten” mehr gegeben werden dürfen. Scheinbar hat der Fach-Hoffmann die Vorstellung, wenn man statt einer “1” ein “A”, statt Ziffernnote eine Buchstabennote vergibt, dann habe dies eine weniger beschämende Wirkung – man muss sich das nur lange genug einbilden, so wie der Fach-Hoffmann.

Was ist übrigens schlecht daran, wenn Kinder sich für eine schlechte Note schämen? Was denkt dieser Fach-Hoffmann eigentlich, wo Motivation und Einsatz herkommen, wenn nicht aus dem Antrieb, sich für seine Leistung nicht schämen zu müssen? Aber es ist vielsagend, dass schlechte Leistungen beim Fach-Hoffmann nicht mit Scham verbunden sind oder sein dürfen. Das lässt eine Vielzahl von Rückschlüssen auf das Schampotential oder die Schamlosigkeit des Fach-Hoffmanns zu.

Norbert Hocke hat, wie gesagt, das große Ganze im Auge, und das hat dann folgende Konsequenz:

Oh No!„Bei allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungen muss die Frage im Mittelpunkt stehen, ob und was sie zum Wohle der Kinder und Jugendlichen beitragen“, unterstrich Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied.”

Die gleiche Frage wie oben, die sich hier aufdrängt: Weiß der Mann, wovon er spricht?

Das Wohl der Kinder und Jugendlichen muss bei allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Enscheidungen also im Mittelpunkt stehen. Nun gut.

In welcher Weise haben GEW Funktionäre bei der Bestimmung ihrer Entlohnung die Kinderrechte in den Mittelpunkt gestellt?

Welche Rücksicht hat die GDL im Rahmen des Lokführerstreiks auf Kinderrechte genommen?

Wie stellt man die Kinderrechte bei der Bestimmung des Leitzinses durch die EZB in Rechnung, wie bei der Abstimmung über einen Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, wie, wenn beschlossen wird, dass Hermesbürgschaften für Exporte nach Kenia zu haben sind?

Die Beispiele sollten reichen, um den Unsinn deutlich zu machen, den Hock hier verbreitet.

Man kann demnach feststellen, dass zwei Funktionäre der selbsternannten Bildungsgewerkschaft, die sich zudem als Fach-(Hoff)männer für Bildung ansehen, Unsinn reden, wenn sie über Bildung sprechen.

Double facepalmBleibt noch die Eingangs gestellte Frage: Warum sind Funktionäre derzeit so versessen auf Kinderrechte?

Die Antwort drängt sich förmlich auf: Kinder und Jugendliche (also der Gegenstand der “engeren Kinderrechte”) sind unmündig, brauchen jemanden, der stellvertretend für sie ihre “engeren Kinderrechte” erst einmal bestimmt und dann wahrnimmt, Funktionäre zum Beispiel, so fähige Funktionäre wie Hoffmann und Hock zum Beispiel, Funktionäre, die zwar selten wissen, wovon sie reden, wenn sie den Mund aufmachen, die aber eines genau wissen: Wenn Kinderrechte in welcher Form auch immer z.B. im Grundgesetz verankert sind, dann lässt sich daraus hervorragend Kapital schlagen, denn man kann jeden Unsinn mit dem Verweis auf Kinderrechte rechtfertigen und legitimieren.

Kinderrechte sind das El Dorado einer Funktionärskaste, die schamlos bemüht ist, ihren Einfluss zu sichern und auszuweiten, und zwar, entsprechend der eigenen Schamlosigkeit, um den eigenen Nutzen zu mehren und sicherzustellen, dass sie auch morgen noch bedenken- und schamlos Unsinn erzählen können.

Geschlechter im Klimawandel oder Hey, Macker gib’ mal Geld

Geschlechter im Klimawandel, so heißt ein Text, auf den uns ein Leser von ScienceFiles hingewiesen hat.

GAIANun ist Geschlecht nicht unbedingt das Erste, das einem in den Sinn kommt, wenn man an den Klimawandel denkt, der eher mit Eis in der Antarktis oder mit noch mehr Regen in Wales verbunden ist. Was also hat Klimawandel mit dem Geschlecht zu tun?

Nachdem wir in der Vergangenheit bereits einen Unsinns-Text, der zum schulischen Curriculum in Deutschland gehört, behandelt haben, und zwar einen mit dem unsagbar dummen Titel: “Ist der Klimawandel ein Mann”, haben wir natürlich Schlimmstes befürchtet.

Wir sind nicht entäuscht worden.

Geschlechter im Klimawandel ist ein 2014 in der Zeitschrift “GAIA” veröffentlichter Text, den Sybille Bauriedl verbrochen hat. Er zeichnet sich in erster Linie durch sperrige, aufgeblasene Sätze voller Nomen aus, in zweiter Linie dadurch, dass die Autorin eine unglaubliche wissenschaftliche Naivität offenbart, die an Ahnungslosigkeit grenzt oder diese Grenze überschreitet und in dritter Linie durch Widersprüchlichkeit.

Nominale Konstruktionen:

Bauriedl im Original: “Dabei sind sozialwissenschaftliche Fragestellungen genau so relevant bei der Definition von Klimawandelproblemen und Klimaanpassungslösungen. Hier werden gesellschaftliche Prämissen festgeschrieben,die wesentlichen Einfluss auf Anpassungspotenziale haben und unter Umständen nicht nachhaltige gesellschaftliche Naturverhältnisse festschreiben.”

SprechblasenDas ist eine klassische Leerformel. Ein Gehalt der beiden Sätze ist auch nach mehrmaligem Lesen nicht erkennbar, was auch daran liegt, dass mit dem “Hier” ein Adverb im Satz verbaut wurde, von dem nicht klar ist, worauf es sich bezieht: Auf Deutschland, die Erde, das Universum oder auf den Raum, in dem Bauriedl saß, als sie “Hier” schrieb.

Wie auch immer, wir werden die Definition der Klimawandelprobleme und Klimalösungen vertagen müssen, schon weil Probleme nicht definiert, sondern geschaffen werden und zuweilen auch entstehen und weil Lösungen gefunden werden müssen, und nicht, wie man in feministischen Kreisen wohl zu denken scheint, herbeidefiniert werden können.

Aber es ist eine amüsante Idee. Stellen Sie sich vor, Sie sind Statiker, sollen eine Brücke über einen Fluss planen und stehen vor einem entsprechenden Problem. Wie lautet die Bauriedl’sche Lösung: Definieren Sie ihre Brücke einfach so lange, bis das Problem verschwunden ist, also einfach den Fluss weg definieren – oder so. Immer in der Hoffnung, dass die Brücke nicht gebaut wird.

Wissenschaftliche Borderline zwischen Naivität und Ahnungslosigkeit

Was hat Geschlecht mit Klimawandel zu tun, so haben sich manche bestimmt schon gefragt? Oder: Wieso sollte Geschlecht mit Klimawandel etwas zu tun haben? Manche mögen auch ihre schlimmsten Befürchtungen wieder entdecken haben und sich sagen: “Ich habe es immer gewusst, dass Männer mehr Regen abbekommen als Frauen” oder “Frauen profitieren vom Klimawandel, denn sie haben häufiger Bürojobs und entsprechend werden sie seltener nass …”.

Bauriedl sieht nicht nur eine Verbindung zwischen Geschlecht und Klimawandel, sie sieht gleich drei Verbindungen: Vulnerabilität, Essentialismus und eine nicht essentialisierende Verbindung

Vulnerabilität als Verbindung zum Klimawandel sieht Frauen als Gesamt und formuliert entsprechend Weisheiten für alle Frauen: Alle Frauen sind vulnerabel, denn sie haben weniger Zugang zu und weniger Kontrolle über finanzielle Ressourcen als Männer und zwar weil sie Sorgearbeit leisten. Und deshalb wird die Armut feminisiert, und zwar durch den Klimawandel, der Frauen besonders hart trifft. Warum? Weil Frauen vulnerabler sind als Männer. Und wer mit Tautologien zufrieden ist, der mag dieses Kreisgestotter akzeptieren und sich damit zufriedengeben.

Oder wie Albert Einstein einmal sinngemäß gesagt hat: Alles sollte so einfach wie nur möglich dargestellt werden, aber nicht zu einfach.

VulnerabilityVon der Vulnerabilität geht es zum Essentialismus, der sich durch eine Essentialisierung auszeichnet, dadurch, dass Frauen als Gruppe, dass alle Frauen zusammengefasst werden, ungeachtet individueller Unterschiede. Das ist zwar bereits bei der Vulnerabilität der Fall, aber sei’s drum, für Bauriedl macht es offensichtlich einen Unterschied. Wenn man also Männer und Frauen nunmehr als Essentialismus zu homogenen Gruppen zusammenfasst, dann kann man sie “empowern”. Wofür man das sollte und warum man das sollte, das fragt man sich vergebens, schon weil der Essentialismus-Absatz mit der folgenden unverdaubaren Phrase beendet wird:

“Konstruktivistische Zugänge zur Geschlechterforschung sehen in dieser Praxis eine Vergeschlechtlichung von Klimaanpassungshandeln.”

Wer mittlerweile noch keinen spitzen Hut aufgezogen hat und durch seine Wohnung tanzt, dem sei gesagt, dass “diese Praxis” abermals im bereits unter Vulnerabilität beklagten und im Vergleich zu Männern geringeren Zugang von Frauen zu finanziellen Ressourcen besteht.

Belibt noch die nicht essentialisierende Anpassungsforschung, die dieses Mal beklagt, dass “Fragen zu sozialer Differenz sowie differenzproduzierenden Strukturen, Normsetzungen und Narrativen kaum gestellt werden”, was daran liegen mag, dass die meisten, die diese Fragen stellen könnten, dabei sind, sich eine Narration zu überlegen, die nicht als Normsetzung betrachtet werden muss, soll oder darf und der Tatsache ihrer differenzproduzierenden sozialen Differenz zu entkommen versuchen, und zwar durch Nominalkonstruktionen, die niemand versteht, der bei normalem Verstand ist. Alles klar?

Die nicht essentialisierende Anpassungsforschung betrachtet Männer und Frauen als “Kollektivsubjekte”, also wie gehabt als homogene Gruppen, also wie der Essentialismus oben und wie Vulnerabilität noch weiter oben. Und während Vulnerabilität und Essentialismus Frauen und Männer kennen, kennt die nicht-essentialistische Sichtweise, dicke und dünne Männer und Frauen, rassistische und nicht rassistische Männer und Frauen, alte und nicht alte Männer und Frauen, also die “zentralen Machtachsen von Ungleichheit”. Das macht den ganzen Unterschied.

Wir haben entsprechend aus Sicht der Vulnerabilität , Frauen, die wegen Sorgearbeit zu wenig Geld haben.

Wir haben aus Sicht des Essentialismus Frauen, die wegen Sorgearbeit zu wenig Geld haben.

Und wir haben aus nicht essentialisierender Sicht Frauen, die auch alt sind.

Und dann gibt es noch den Klimawandel, von dem Frauen besonders betroffen sind. Warum? Weil sie Sorgearbeit leisten und zu wenig Geld haben. Ist doch einfach – oder?

Warum Bauriedl einen derartigen Popanz aufbaut, wo die Aussage: “Hey, Macker gib’ mal Geld!”, ausgereicht hätte, ist uns nicht ganz nachvollziehbar, aber wir haben ihrer Verwendung von eingeführten Begriffen einige Neuerungen entnommen: Liest man nämlich Blauriedl’s implizite Prämissen mit, dann ergibt sich das Bild von Frauen, die vom Wesen her vulnerabel sind und weil sie vom Wesen her vulnerabel sind, also Opfer qua Geburt und Geschlecht, und das obwohl Geschlecht sozial konstruiert ist, deshalb gilt: “Hey, Macker gib’ mal Geld.

Bleiben noch die Widersprüche:

Wenn Frauen, wie Bauriedl schreibt, vom Wesen her, also z.B. aufgrund ihres genetischen Make-ups geborene Opfer (vulnerabel) sind, dann kann man sie nicht empowern, das ist vergebene Liebesmüh, denn die Essenz, das Wesen ist stärker, eben das Wesen, wäre dem nicht so, dann wäre es kein Wesen und der ganze Essentialismus wäre für die Katz’.

Bleibt noch zu fragen, warum es notwendig ist, derart viele Worte zu machen, um zu sagen: “Hey, Macker gib’ mal Geld!”? Nun, derart kurze Aussagen sind zu einem verständlich und klingen gar nicht gezwungen intellektualistisch und zum anderen druckt GAIA keine Beträge, die nur aus einem Satz bestehen, selbst wenn sie inhaltlich nur aus einem Satz bestehen.

Im BMFSFJ sind Kinder an der Macht…

Heute ist ein Tag, an dem der Unsinn Feste feiert.

So haben wir ein paar Pressemeldungen des BMFSFJ nachgearbeitet. Dabei war uns Philip Mayring mit seiner qualitativen Inhaltsanalyse behilflich, vor allem seine Methode der Ankerbeispiele hat sich als sehr nützlich erwiesen, um die Hypothese, dass im BMFSFJ nicht alles mit rechten Dingen zugeht, zu prüfen – Weiterlesen auf eigene Gefahr:

“Kinder an die Macht” – so lautete das heutige (Freitag) Motto beim Kinderaktionstag im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anlässlich des bevorstehenden Weltkindertages am 20. September 2014. In einem Rollenspiel haben Berliner Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse für einen Tag die Hausleitung übernommen. Sie haben einen Einblick in den Arbeitsalltag der Ministerin bekommen und wurden an den politischen Abläufen beteiligt.

Wir lernen: 11- und 12jährige sind in der Lage, das BMFSFJ zu führen und zu leiten. Sind wir eigentlich sicher, dass das BMFSFJ an anderen Tagen von Erwachsenene geleitet und geführt wird oder Erwachsene zumindest an der Führung und Leitung beteiligt sind? Wir haben unsere Zweifel, vor allem, weil die Insassen des BMFSFJ denken, sie hätten Macht.

“Der Weltkindertag ist ein wichtiger Tag für die Kinderrechte. Weltweit wird auf die Rechte von Kindern aufmerksam gemacht, damit die besonderen Bedürfnisse und Wünsche von Kindern im Alltag noch mehr beachtet und auch ernst genommen werden. Mir ist es wichtig, die Kinder zu beteiligen und ihnen Gehör zu verschaffen”, sagte Bundesministerin Manuela Schwesig.

Mehr Quality of  Life per Klick

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Der Weltkindertag ist ein wichtiger Tag, weil weitweit darauf aufmerksam gemacht wird, dass der Weltkindertag ein wichtiger Tag ist und weil darauf aufmerksam gemacht wird, dass es wichtig ist, Kinder zu beteiligen, weltweit und nicht nur am Weltkindertag und außerdem ist es wichtig Kindern Gehör zu verschaffen. Wir sind uns zunehmend sicher: Kinder haben im BMFSFJ längst die Macht.

An anderer Stelle:

“Für mich als Kinderministerin gibt es keine wichtigere Aufgabe als den Schutz von Kindern und Jugendlichen.”

Ist das nun ein Genitiv: Ministerin der Kinder oder nicht? Und ist die Kinderministerin nicht auch eine Jugendlichenministerin? Oder ist “Kinderministerin” als: weibliches Kind ist Ministerin gemeint, so wie es hier gemeint ist:

“Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs”

Das BMFSFJ hat also einen Spezialisten in sexuellem Missbrauch beauftragt, unabhängig versteht sich. Dieser Experte für sexuellen Missbrauch, der unabhängig im BMFSFJ ein und aus zu gehen scheint, gepaart mit der Tatsache, dass dort Kinder an der Macht sind und von einer Kinderministerin geführt werden, wirkt irgendwie entnervend. Man fragt sich: Was geht dort vor?

Weiteres qualitatives Analysieren der Pressemeldungen des BMFSFJ bringt es an den Tag. Es geht dort nicht mit rechten Dingen zu:

“Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen. Aber wir übernehmen Verantwortung und wollen die Betroffenen mit den Hilfeleistungen unterstützen”

Die Übernahme von Verantwortung in einem Ministerium, in dem ein unabhängiger “Beauftragter für alle Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs” sein Unwesen treibt, ist das mindeste, wie wir meinen, wenngleich wir Bedenken haben, dass der Kinderministerin das Ausmaß des Problems das aus dem unziemlichen Austausch entsteht, bewusst ist:

“Doch wir müssen in diesem wichtigen Bereich weiterhin Kinder gezielt unterstützen und begleiten”

Man wagt es sich kaum vorzustellen, wobei die Kinderministerin und ihr unabhängiger Experte die Kinder gezielt unterstützen und begleiten wollen, vor allem, weil schon im Hinblick auf die Konsequenzen vorgebaut wird:

“Wir müssen gemeinsam den Betroffenen und ihren Familien und Freunden Unterstützung bieten. Wir dürfen sie nicht allein lassen.”

Und vor allem scheint für das BMFSFJ auch dann, wenn Kinder an der Macht sind, das Parkinsonschen Law der Selbstvermehrung der Verwaltung zu gelten, denn wie die Kinderministerin sagt:

“Wir brauchen nicht nur mehr Plätze, sondern auch gute Plätze.”

KinderministeriumWobei die Sprache natürlich mehr an eine Anstalt als an ein Ministerium erinnert, was letztlich die Erklärung dafür zu sein scheint, warum im BMFSFJ so eine bunte Mischung von Personen, Kindern, Jugendlichen und unabhängigen Experten am Werk ist:

“Wir dürfen Demenzkranke und ihre Angehörigen nicht allein lassen. Sie sollen so lange wie möglich am sozialen Leben teilnehmen und im vertrauten Umfeld leben können.”

Noch Fragen?

 

Alle Zitate in diesem Beitrag sind Originalzitate. Wir haben die Zitate neu angeordnet und in den Kontext unserer Forschungshypothese gestellt, qualitative Sozialforschung (Dokumentenanalyse) in Aktion sozusagen.

Quellen:

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=208348.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209878.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209848.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209570.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209628.html

Heute schon gelacht, z.B. über Christine Lüders?

scully facepalmWir werden jetzt gnadenlose und gendergerechte zudem geschlechtssensible, weil von einem männlichen und einem weiblichen Redaktionsmitglied geprüfte Logik zur Anwendung bringen, um uns über Christine Lüders nicht lustig zu machen, nein, um Nachhilfe zu geben, immer in der Hoffnung, dass auch Leiter von Bundesbehörden, in diesem Fall die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, lernfähig sind. Dass Lüders lernfähig ist, muss man zu ihren Gunsten annehmen, auch wenn es Bestrebungen gibt, die Unschuldsvermutung aufzugeben und durch den Unschuldsnachweis zu ersetzen (das ist jetzt eine heftige Übertragungsleistung, die hier gefordert wird, aber sie zu erbringen, ist möglich). Jedoch wäre das Konzept des lebenslangen Lernens, das Bundesregierung und Politiker ihrer Bevölkerung überstülpen wollen, als defizitär ausgewiesen, träfe es ausgerechnet auf Politiker und Mitglieder der Bundesregierung nicht zu.

Nun zur Nachhilfe.

Christine Lüders stellt heute den Ersten und den Zweiten Bericht der Antidiskrminierungsstelle vor und hat vorab schon einmal ein paar Empfehlungen unter das Politikervolk gebracht. Wir zitieren:

“Nach Ansicht Lüders´ schützt das AGG nicht ausreichend vor sogenannten mehrdimensionalen Benachteiligungen und vor Diskriminierungen im Bildungsbereich. Das AGG verbiete zwar Benachteiligungen wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität, aber in der juristischen Praxis würden meist nur Diskriminierungen aus einem Grund anerkannt. In der Realität seien Menschen aber immer wieder Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen. Lüders nannte das Beispiel von Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen. Gut die Hälfte aller deutschen Betriebe würden keine Kopftuchträgerinnen einstellen wollen. Lüders sprach sich vor dem Ausschuss dafür aus, den Aspekt der mehrfachen Diskriminierung explizit im AGG zu verankern. Nur so könnten beispielsweise höhere Schadensersatzansprüche wegen mehrfacher Diskriminierungen geltend gemacht werden.”

abgezocktEinerseits sind wir als Mehrfachdiskriminierte zwar der Ansicht, dass mehr, anstelle von weniger Schadensersatz immer gut ist, sofern man nicht mit ethischen und moralischen Problemen geschlagen ist, was wir dummerweise sind, so dass wir das unseriöse Angebot von Frau Lüders, doch mehrfach zu profitieren, wo bislang nur ein einmaliges Handaufhalten möglich ist, mit aller Bestimmtheit zurückweisen.

Andererseits wird in der zitierten Passage eine Denk-Unfähigkeit deutlich, die man nicht ungestraft vorbeiziehen lassen kann, schon deshalb nicht, weil die logischen Bestandteile der deutschen Sprache regelrecht um Hilfe schreien.

Nehmen wir das, was Lüders vorträgt, auseinander.

  • Das AGG verbietet Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität.
  • In der Realität sind Menschen Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen.
  • Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen = dreifache Diskriminierung, denn: ethnische Herkunft, Geschlecht und Religion.
  • Deshalb muss Mehrfachdiskriminierung im AGG verankert werden.

Implizit sagt Lüders damit:

  • Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann wird er nicht diskriminiert, da das AGG eine Mehrfachdiskriminierung nicht vorsieht.
  • Hilfsweise: Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann ist das schlimmer als wenn jemand einfach diskriminiert wird.
  • Und warum ist es schlimmer: Weil man nur für eine Diskriminierung Schadensersatz einklagen kann und nicht für mehrere.
  • Bevor wir überhaupt zur Berechnung des Schadensersatzes gelangen, muss die Menge der möglichen Mehrfachdiskriminierungen aus (1) ethnischer Herkunft, (2) Geschlecht, (3) Religion, (4) Weltanschauung, (5) Behinderung, (6) Alter und (7) sexueller Orientierung bestimmt werden. Nach aller Kombinatorik ergeben sich hier 119 zusätzliche Diskriminierungsmöglichkeiten, zu den sieben bereits vorhandenen, die als 119 zusätzliche Seiten an das AGG anzufügen sind.
  • Dumm nur, dass niemand sagen kann, warum z.B. ein homosexueller evangelischer Rollstuhlfahrer nicht als Erzieher in einem katholischen Kindergarten eingestellt wird. Entsprechend müsste man, nähme man Lüders mit ihrer Mehrfachdiskriminierung ernst, erst Horden von Juristen damit beschäftigen, die wahre Ursache der Diskriminierung herauszufinden, um dann eine Diskriminierungshierarchie zu erstellen: Also die Ablehnung des homosexuellen evangelischen Rollstuhlfahrers ist zu 75% auf das Evangelische, zu 15% auf den Rollstuhl und zu 5% auf die Homosexualität zurückzuführen. Alles, was jetzt noch notwendig ist, ist die Bestimmung der Entschädigungssummen und deren prozentuale Verrechnung.
  • Dazu müsste bestimmt werden, was schlimmer ist, also mehr Schadensersatz wert ist: Ist eine weibliche Migrantin mit religiösem Kopftuch mehr wert als ein männlicher homosexueller Rollstuhlfahrer, oder gibt es für einen linksextremen Alten, der denkt, er sei ein Trans und deshalb ein Kopftuch trägt, aus religiösen Gründen versteht sich, mehr als für eine geistig behinderte, lesbische Asiatin, die der AfD nahe steht?

Ob Frau Lüders auch nur die Spur einer Vorstellung davon hat, wovon sie redet?

Und der verwertbare Teil dessen, was Frau Lüders von sich gibt, zum Ende:

“Zu Diskriminierungen komme es bereits im Kindergarten und dies ziehe sich bis an die Hochschulen fort. So würde Migrantenkindern in der Grundschule trotz gleicher Eignung oftmals keine Empfehlung für das Gymnasium ausgestellt.”

Wenn es für Migrantenkinder eine Diskriminierung darstellt, dass bei gleichen Leistungen wie nicht-Migrantenkinder keine gleiche Grundschulempfehlung ausgestellt wird, dann muss festgestellt werden, dass Jungen in deutschen Grundschulen auch diskriminiert werden, denn wie die LAU und die ELEMENT Studie gezeigt haben, erhalten Jungen auch bei gleicher Leistung wie Mädchen seltener eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium als Mädchen.

Wir hoffen, es hagelt entsprechende Beschwerden von Eltern bei der Antidiskriminierungsstelle, wobei: “Das AGG gelte aber leider nicht für das öffentliche Bildungswesen, dies müsse verändert werden”, heißt es weiter. Praktisch – oder? Da, wo am meisten diskriminiert wird, gilt das AGG nicht. Deshalb: Unterstützen wir Christine Lüders doch dabei, diesen nachgewiesenen öffentlichen Hort der Einfach- und Mehrfachdiskriminierung, die Schulen, im HInblick auf Migranten und im Hinblick auf Jungen an den für den Rest der Republik geltenden Standards zu messen.