Nicht mehr zumutbar: Kulturstaatsministerin betreibt Geschichtsklitterung

Bekanntlich hat am 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg versucht, Adolf Hitler in seiner Wolfsschanze ins Jenseits zu befördern. Eine Tischplatte ist ihm in den Weg gekommen.

Claus_von_Stauffenberg_(1907-1944)Seit 1945 sind die Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Symbol dafür, dass es auch in Deutschland Widerstand gegen Hitler gab. Als solche werden sie von Politikern gerne für ihre Zwecke eingespannt, posthum ist das einfach, denn sie können sich nicht mehr wehren, und als solche sind sie jeder Form von Missbrauch und Geschichtsklitterung ausgesetzt, gerade so, wie es den Politikern in den Kram passt.

So hat die Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die wirklich nicht mehr tragbar ist, anlässlich des diesjährigen Missbrauchs der Attentäter von 1944 Folgendes von sich gegeben:

„Die Frauen und Männer um Graf von Stauffenberg, die mit dem Attentat auf Hitler heute vor 71 Jahren dem Terror und der Gewalt der Nationalsozialisten ein Ende setzen wollten, folgten ihren Überzeugungen ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. Sie stellten sich ihrer moralischen Verantwortung, wo die schweigende Mehrheit die Augen verschloss, wo andere behaupteten, keine Wahl und keine Alternativen gehabt zu haben. Die Überzeugungen der Männer und Frauen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus leben fort in unserer Demokratie, die die Würde des Menschen als unantastbar achtet.“

Kennen Sie die Frauen um Claus Schenk Graf von Stauffenberg?

Diejenigen um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die noch in der Nacht des 20. Juli 1944 und gemeinsam mit ihm erschossen wurden, waren: Friedrich Olbricht, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften. Nach aller Erkenntnis handelt es sich bei Ihnen um Männer.

Auch unter den anderen Widerstandskämpfern, die die Übernahme der Macht nach dem Tod von Adolf Hitler so minutiös geplant hatten, waren keine Frauen. Hier kennt die Welt (minus Monika Grütters) Namen wie Henning von Tresckow, Ludwig Beck, Cuno Raabe, Carl Friedrich Goerdeler, Julius Leber, Wilhelm Leuschner oder Albrecht von Hagen. Abermals alles Männer, keine Frauen.

Im weiteren Kreis derer, die als Folge des Attentats von Hitlers Schergen inhaftiert und in den meisten Fällen umgebracht wurden, finden sich neben den bereits Genannten noch 199 weitere Männer, und es finden sich die Ehefrauen von Ludwig Beck und Erich Gloeden sowie drei weitere Frauen, von denen nicht ganz klar ist, ob sie überhaupt in den weiteren Kreis der Verschwörer gehören.

Aus 209 Männern und 5 Frauen, werden bei Monika Grütters “Frauen und Männer” und weil das alles noch nicht reicht, werden die fünf Frauen gleich in das Umfeld von Claus Schenk Graf von Stauffenberg befördert – damit klar ist: Das Attentat auf Hitler war zwar ein Plan, der in der Wehrmacht seinen Ursprung genommen hat, aber das bedeutet nicht, dass Frauen nicht maßgeblich daran beteiligt waren. So will es die politisch korrekte Geschichtsklitterung, die nicht davor zurückschreckt, eben einmal die Geschichte so umzuschreiben, dass sie zum genderistischen Unsinn passt, der das Hirn von Monika Grütters zu besiedeln scheint.

Es ist ein Dienst an der Menschheit, wenn die Mehrheit nicht mehr länger schweigend zusieht, wie Monika Grütters die Geschichte ihrer Phantasie anpasst, wenn die schweigende Mehrheit sich vielmehr lautstark meldet und die Entlassung von Grütters als Kulturstaatssekretärin fordert. Es ist dringlich: Am Ende fällt ihr noch ein, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg eigentlich ein Transsexueller war und wenn man genau hinsieht, eher weiblich als männlich.

Grütters ist einfach zu peinlich, als dass sie noch zu ertragen wären, und zwar unabhängig davon, ob sie absichtlich Frauen im Umfeld von Claus Schenk Graf von Stauffenberg erfindet, die das Attentat auf Hitler ja eigentlich mit, nein eigenständig vorbereitet haben oder ob sie ein Sprechautomat ist, der formalhaft die Psalme der Genderisten vor sich hinbrabbelt, egal, ob es passt, von Frauen und Männern zu sprechen oder nicht.

Ist Gott männlich oder weiblich? Gender-Harmonie in Gott (keine Satire)

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Genderisten Gott endecken und versuchen, Gott zwischen die Beine zu blicken, sofern er welche hat – was ja, aufgrund mangelnder empirischer Daten gar nicht so sicher ist.

untitledNun hat sich Barbara Fincke-Melke die mühselige Aufgabe gesetzt, das wahre Geschlecht von Gott zu entdecken, und das ganze in Buchform gebracht und tatsächlich einen Verleger, nämlich den LIT-Verlag in Berlin/Münster dafür gefunden.

Was die Leser erwartet, ist eine Reise in das wissenschaftliche Rotlichtmilieu, eine Reise in die Geschlechtlichkeit von Gott:

“Ist Gott männlich? Oder doch auch weiblich? Die Studie will zeigen, dass eine Gender-Harmonie in Gott zu finden ist, zugleich aber auch eine die Kategorien des Geschlechtes übersteigende Transzendenz.”

Was uns immer wieder erstaunt, ist die Begrenztheit des Denkens von Genderisten. Gott muss ein Geschlecht haben! Das steht fest. Er muss entweder ein Mann oder eine Fraus sein oder beides. Vermutlich muss Gott auch schwul oder lesbisch sein, vielleicht ist er auch asexuell, aber er hat ein Geschlecht. Das ist die Grundlage. Darüber hinaus gibt es vielleicht noch ein wenig Transzendenz, aber nur auf Basis primärer Geschlechtsteile, nicht anders. Denn: Gott sprach nicht: Es werde Licht. Am Anfang war auch nicht das Wort, nein, Gott sprach: Was bin ich denn mal für ein Geschlecht, und am Anfang war entsprechend das Geschlechtsteil.

Wie gut, dass wir Genderisten haben, die derart bornierte Fragen wie die nach dem Geschlecht von Gott stellen. Was uns angeht, wir werden Animisten oder hängen Azathoth an, dem Gott, der in seinem Wahnsinn im Dunkeln nagt.

Und während wir Azathoth anhängen kommt Barbara Fincke-Melke des Weges und fragt: “Was hat Euer Gott denn für ein Geschlecht? Meiner ist männlich und weiblich und transzendent, aber in jedem Fall geschlechtlich! Und Eurer?”

Unserer hat gerade seinen Wahnsinn aufgegeben, denn der ist nichts mehr, das ihn von Menschen unterscheidet.

Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich bei Barbara Fincke-Melke auch längst überwunden geglaubte Kenntnisse über das Leben im Paläolithikum holen. Das Paläolithikum, das ist die Altsteinzeit, die irgendwann so um den 1. April im Jahre 2,5 Millionen vor Christus beginnt und bis zum 31. September 20.000 oder 12.000 vor Christus, so genau wollen wir uns da nicht festlegen, reicht. Von dieser Zeit erzählt uns Barbara Fincke-Melke:

“Die erste Großepoche der Geschichte, das Matriarchat, wird hier hinsichtlich der paläolithischen Venusstatuetten und der weiblich-göttlichen Größen der Bibel in verdichteter Form beleuchtet.”

Als die Altsteinzeit am 1. April 2,5 Millionen Jahre vor Christus feierlich eröffnet wurde, da wurde sie durch einen Matriarchen eröffnet, Coumba Sidibé mit Namen. Die feierliche Eröffnung, von der Fragmente überliefert sind (in Form paläolithischer Venusstatuetten), die Barbara Fincke-Melke vorliegen müssen, denn sie wird sich ja wohl kaum auf den mystischen Unsinn von Jakob Bachofen (Das Mutterrecht) beziehen, haben bei ihr zu der Phantasie geführt, dass die Altsteinzeit ein Matriarchat war.

paleolitic age

Werkzeuge aus dem Paläolithikum

Wie auch immer, es ist schon erstaunlich, was man in 25000 Jahre alte Kalksteinbrocken alles hineinlesen kann. So sind die “paläolithischen Venusstatuetten” als Kinderspielzeug, natürlich als Fruchtbarkeitssymbols und nun als Beleg für das Matriarchat gedeutet worden (vielleicht sind die Statuetten auch ein Beleg für die Existenz paläolitischer Pornographie, wie Dr. habil. Heike Diefenbach gerade probeweise vorschlägt…).

Man sieht halt immer, was man sehen will. Und im 21. Jahrhundert sehen ziemlich viele, wo sie gehen und stehen, Geschlechtsteile. Und diese Phantasie oder Einbildung ist für viele ein solcher Schock, dass sie wild zu spekulieren und fabulieren beginnen und den Menschen im Paläolithikum die unglaublichsten Dinge andichten. Die sind ja lange tot und können sich nicht mehr wehren.

Und wenn Barabara Fincke-Melke, in ihrer Begeisterung für Geschlechtsteile schon einmal beim Phantasieren ist, dann wird natürlich auch das Patriarchat bemüht, jenes Patriarchat, das nach ihrer Ansicht das Matriarchat “verdrängt hat” und jenes Patriarchat, von dem – man kann es nicht oft genug wiederholen – Dr. habil. Heike Diefenbach gezeigt hat, dass es es nie gegeben hat, denn: Das Patriarchat, das ist das Ergebnis der feuchten Träume, die andere vor Barbara Fincke-Melke geträumt haben, Friedrich Engels zum Beispiel.

Wir stehen übrigens an der Schwelle zu einer neuen globalen Epoche, für alle die, die es noch nicht bemerkt haben, an der Schwelle zu einer Epoche, “in der erstmals auch eine genderbezogen harmonische Trinität entfaltet werden kann”. Ja, eine genderbezogene harmonische Trinität. Trinität, das sind drei – oder? Männlich, weiblich und … sächlich, Ja, Gott ist Gott und männlich, wenn er will, und weiblich, wenn es nicht anders geht und sächlich, wenn er die Nase von diesem ganzen Gendermist voll hat.

Gott hat es gut.

Und wir empfehlen unseren Lesern, sofern sie sich nicht überaus intensiv dafür interessieren, was Gott zwischen den Beinen hat, das Buch von Barbara Fincke-Melke nicht zu kaufen und auch nicht zu lesen. Den Grünen empfehlen wir, sich um die Umweltverschmutzung und Umweltschädigung zu kümmern, die durch Bücher wie das von Fincke-Melke verursacht werden, denn zum Herstellen von Papier müssen Bäume sterben. Was für ein sinnloser Tod im vorliegenden Fall.

Und Psychiarter möchten wir auf die verheerenden Folgen für die Psyche und die psychische Gesundheit hinweisen, die es hat, wenn man Kinder stundenlang auf sado-masochistische Rituale, die an halbnackten Männern vollzogen werden, blicken lässt.

Gender Shift: Heute Mann, morgen Frau, übermorgen eine Teetasse

129 Seiten á 190 Euro, also 1,47 Euro pro Seite, das ist der Preis für einen Blick in die Zukunft.

Wer das Geld übrig hat, der kann es beim Zukunftsinstitut in Frankfurt investieren und viel erfahren, über die Zukunft, über den Gender-Shift, der die Zukunft prägt.

Und zwar so:

“Sex-Design: In Zukunft wird das Geschlecht nicht angeboren, sondern eine individuelle Entscheidung”.

Gender ShiftWir lernen: Die Autoren beim Zukunftsinstitut, Cornelia Kelber, Anja Kirig und Verena Muntschick, sie kennen die Unterscheidung zwischen Sex und Gender nicht und haben auch ansonsten recht wenig von dem verstanden, worum es in der “Gender-Debatte” einmal gegangen ist. Aber gut. In Zukunft kann man sich entscheiden, was man sein möchte, jeden Tag aufs Neue und je nach Laune …

und das wird man auch müssen, wenn man die “Revolution” überleben will, die der Wandel der Geschlechterrollen im Arbeitsleben nach sich zieht. Ob dabei auch Guillotinen zum Einsatz kommen, ob die Revolution wieder ihre Kinder frisst und in der Regentschaft Napoleon III endet, ein Blick in die Zukunft hilft weiter und er enthüllt:

“Die Sexualität der Dinge”.

Ja! Warum sollen nicht auch Dinge ihre Sexualität frei wählen dürfen? In Zukunft wird das grammatische Geschlecht der Dinge also zum biologischen Geschlecht, zum Sex der Dinge – oder war es der Gender der Dinge. Egal, irgend etwas wird es schon sein in der Art….

Nun, haben wir Ihnen die Nase lang gemacht?

Sind Sie gespannt auf die Zukunft, auf den Gender Shift?

Wagen Sie mit uns einen Blick in die Zukunft.

Wir haben einen Blick erheischt, es geschafft, im Zukunftsinstitut die Zukunft zu schauen.

Die Zukunft ist nichts für schwache Nerven.

Und sie sieht so aus:

Nuts in Bedlam“Während die Diskussion bisher zwischen sexueller Identität und Orientierung klar trennen musste, bricht diese auf. wenn die Identität freier wählbar wird. Wenn Geschlecht wählbar ist, wird es egal sein, wer sich in wen verliebt. Wenn Geschlecht aber auch wählbar und vielleicht immer wieder neu definiert wird, rückt die Frage nach sexueller Identität in den Hintergrund. Es kann sein, dass ich mich für einen Tag als Mann verstehe, für einen anderen als Frau, für einen dritten als Mensch und für 362 Tage im Jahr als ein fluides Kontinuum zwischen den Polen.”

Wir haben Sie gewarnt.

Die Zukunft ist nichts für schwache Nerven.

Denn: Frauen und Männer sind in Zukunft keine Menschen mehr. Man muss sich entscheiden, zwischen dem Mensch- dem Mann- und dem Frausein und dem fluides Kontinuumsein (Gendershopping wie Dr. habil. Heike Diefenbach es nennt): Bin ich jetzt noch Frau oder bin ich schon Mensch, bin ich Mann oder fluides Kontinuum, oder doch lieber Mann oder Mensch oder irre?

Ja, ja, so ist das.

Und die Zukunftsforschung kennt kein Schaltjahr!

Schrecklich!

Was tun am 366. Tag, an dem man das Mannsein, Frausein, Menschsein und fluides Kontinuumsein schon hinter sich hat?

Eine Teetasse sein!

In die Irrenanstalt einziehen, denn wenn Irre frei herumlaufen, die sich heute für etwas und morgen für etwas anderes halten, dann ist es Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

P.S.

Den Hinweis auf die Zukunft verdanken wir einem Leser, bei dem wir uns hiermit bedanken.

Der Schriftstellerverband, seine Mitglieder, Amazon und die Hysterie

Derzeit erreichen uns eine Reihe von eMails, deren Absender Mitglieder des deutschen Schriftstellerverbands sind. Um unsere Schulden abzuarbeiten, widmen wir uns heute zunächst einer Pressemeldung des deutschen Schriftstellerverbands und der Reaktion auf diese Pressemeldung von Matthias Mala, seines Zeichens Autor und Mitglied im Schriftstellerverband.

Zur Einführung und Hinführung und Ausführung der Einführung, hier unser Vorwort zum #AmazonGate”

Der Aufreger

Amazon nutzt die technischen Möglichkeiten, die das Kindle-Zeitalter bietet, und will Autoren bei Leih-eBooks nunmehr nach gelesenen Seiten vergüten. Damit wird belohnt, wer Seitenwender (page turner) schreibt, wer gelesen wird, wer es schafft, bei Lesern Interesse zu wecken. Damit wird bestraft, wer einen Langweiler schreibt und es schafft, denselben in den Rezensionsspalten von Zeitungen positiv zu platzieren.

Der Vorstand der hysterischen Schriftsteller in verdi

“Amazon kontrolliert Gedankenfreiheit” – so die Überschrift und weiter: “VS [Verband Deutscher Schriftsteller in verdi] sieht durch Amazons neues Bezahlmodell Leseverhalten überwacht und Autorenrechte beschnitten.”

Preston CredoDie Gedankenfreiheit wird also kontrolliert, wenn Amazon weiß, dass Hans Huber bis Seite 15 in Thomas Manns Langweiler “Die Buddenbrooks” gelesen hat, während er Credo von Douglas Preston bis zum Ende verschlungen hat. Dagegen ist es kein Eingriff in die Gedankenfreiheit, wenn derselbe Verband demnächst beschließt, sich in Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller umzubennen [Dazu unten mehr].

Das ist selbst für den Bundesvorstand des VS ein erstaunlicher Gedanke.

Aber es kommt noch mehr:

“‘Dies ist ein kontrollierter Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit dem Buch und das damit verbundene Verhältnis zum Autor’, kritisiert Eva Leipprand, die Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller VS”.

Was hat man Frau Leipprand in den Kaffee gemischt? Intimer Dialog des Lesers mit dem Buch. Wie hat man sich das vorzustellen? Sitzen Sie mit einem Buch im Sessel und brabbeln vor sich hin. Wenn ja, ist das intim oder nicht vielmehr nicht ganz normal, eher ein psychiatrischer Tatbestand? Aber es kommt noch besser: Wenn Leipprand ein Buch in die Hand nimmt, dann beginnt sie einen intimen Dialog mit dem Buch und ein Verhältnis mit dem Autor.

Eine lustige Vorstellung: Eva Leipprand liest, nein führt einen intimen Dialog mit dem Buch “Das Ding auf der Schwelle” von HP Lovecraft und hat während dem Lesen ein Verhältnis mit dem Autor. Nekrophilie!

Die eigentlich Katastrophe

Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Amazon durch die Abfrage der gelesenen Seiten den intimen Dialog zwischen Autor und Leser gedankenüberwacht, nein, es kommt noch schlimmer, es kommt die eigentliche Katastrophe.

Die eigentliche Katastrophe, die geht so:

“Sie ]Der Bundesvorstand und die Landesvorsitzenden des Schriftstellerverbandes VS] waren sich einig, dass dieses System [von Amazon] bei einer weiteren Verbreitung eine Katastrophe für die Literaturlandschaft bedeute und die Gedankenfreiheit der Leser und Autoren einem fortschreitenden rein ökonomisch orientierten Zugriff unterwerfe”.

Gedankenfreiheit, um es noch einmal zu wiederholen, liegt für Bundesvorstand und Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Schriftsteller in verdi dann vor, wenn Amazon nicht weiß, dass Hans Huber die Buddenbrooks nur bis Seite 15 und nicht bis zum Ende, wie er immer behauptet hat, gelesen hat.

Die Katastrophe ist eine andere.

Die Katastrophe, die die verbandelten Schriftsteller sehen, sie besteht darin, dass die Nachfrage über das Honorar von Autoren bestimmt, dass ein Autor, der es schafft, seine Leser zu unterhalten, mehr Vergütung erhält als ein Autor, dessen stupiden, politisch korrekten Stuss man schon nach zwei Seiten vom Kindle löscht.

Das ist die eigentliche Katastrophe, dass die vielen schlechten Schriftsteller für ihre Langweiler, die sie unter Vortäuschung interessanter Inhalte zwischen zwei reißerischen Buchdeckeln verstecken, nicht mehr dasselbe Honorar erhalten wie die ehrlichen Schriftsteller, die schreiben, was der Titel verspricht.

Wo kämen wir hin, wenn der schlechte Geschmack der Meute von Lesern darüber bestimmen würde, was gute Literatur ist und nicht mehr der polierte Geschmack von Kritikern, die selbst den letzten Unsinn oder die letzte Geschmacklosigkeit von Günther Grass noch als große Literatur bezeichnen?

Eben.

Deshalb: Katastrophe!

Appell gegen den Niedergang

Und weil alles noch nicht reicht, weil es noch nicht ausreichend deutlich ist, worin der Anlass der ganzen Hysterie besteht, hier noch einmal, abermals aus dem Mund der intim mit den Autoren der Bücher, die sie liest, in einem Verhältnis stehenden Eva Leipprand:

“Das Buch darf, während Digitalisierung und Globalisierung fortschreiten, nicht den Marktkräften und ihren Gesetzmäßigkeiten überlassen bleiben.”

Lovecraft Ding“Das Buch”, dabei handelt es sich vermutlich um ein Buch, das Eva Leipprand geschrieben hat, so sie denn eines geschrieben hat, das Buch, es darf also nicht den finsteren Kräften der noch finstereren Globalisierung und Digitalisierung überlassen werden, jenen Kräften, die nicht irrational im Dunkeln nagen wie Azathoth bei Lovecraft, sondern ganz offen und erkennbar ihre Gesetzmäßigkeiten entfalten. Anders als z.B. der Verband Deutscher Schriftssteller in verdi, bei dem man vor Gesetzmäßigkeiten Angst hat, vor Gesetzmäßigkeiten, die es erlauben, gute Bücher von schlechten, nachgefragte Bücher von Ladenhütern, vermeintlich hochkulturellen Unsinn von normaler Unterhaltung zu unterscheiden.

Das darf nicht sein.

Wo kommen wir hin, wenn diese finsteren Marktkräfte das Sagen haben und nicht der blasierte Buchkritiker in der entsprechenden Kolumne einer überregionalen Zeitung?

Am Ende sind die Bücher populär, die gelesen werden, und nicht die, die als große Literatur gehandelt, als solche besprochen, aber von niemanden, so man ihn nicht in der Blüte seiner Jahre zur Schullektüre genötigt hat, gelesen werden.

Katastrophe.

Und bei all den Katastrophen ist es gut, einen Katastrophenhelfer wie Matthias Mala, seines Zeichens (noch?) Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller zu haben, der schreibt, was er von der ganzen Vorstandshysterie hält.

Katastrophenhilfe

Auf, auf Ihr Leser, zum intimen Verhältnis mit Text und Matthias Mala:

VSLogo_4c_web_new“Liebe Kollegen,

die jüngste Presseerklärung ist nach meinem Verständnis unterirdisch.

Was soll der gegenderte Stolpertext, wenn man ihn nicht einmal über vier Zeilen durchhält?

Autorinnen und Autoren??? Warum die Autorinnen vorneweg, wo doch mehr Männer im VS organisiert sind?? Kunden ohne Innen?? Sind da jetzt nur männliche Kunden mitgemeint, oder LBGTundsonstwas Kunden_*/Innen auch???

Was ist ein kontrollierender Eingriff in den intimen Dialog …???

Was meint der, die, das Auto denn damit?? Und wie wo wann ist das Verhältnis intim oder nicht zum Autor?? Und was ist der “Schriftstellerverband VS in ver.di”? Ist das das Ergebnis der
beabsichtigten gegenderten – was immer das auch sein mag – Umbenennung des
Verbandes?

Und wie unterwirft man die Gedankenfreiheit der Leser und Autoren einem fortschreitenden rein ökonomisch orientierten Zugriff? Und warum wusste ich bislang noch nicht, dass mein Schreibprozess durch individuelles Leseverhalten geprägt wird??

Und warum muss ich wegen Amazons unsinniger Honorargestaltung im Cliffhängerstil schreiben? Muss ich denn bei Kindle Dingsbums publizieren? Wer wird dazu gezwungen?? Und
warum darf das Buch nicht den Marktkräften – was immer das auch sein soll – und ihren Gesetzmäßigkeiten überlassen werden??? –

Ich bin ganz und gar dagegen, dass sich dies verändert, außer wir setzen eine pauschale staatlich garantierte Honorierung von wenigstens 120.040 € pro Buch durch; dann meinetwegen können mich Marktkräfte und Gesetzmäßigkeiten was immer sie auch wollen kreuzweise …

Ehrlich, wer vom Vorstand erwartet denn im Ernst, dass eine solche Presseerklärung noch Eingang in eine und welche Presse findet? Oder ist die Presse noch unterirdischer als die Presseerklärungen des Verbandes deutscher Schriftsteller VS in ver.di???

Übrigens meine ich meine Fragen durchaus ernst.

Servus
Matthias Mala”

Die Pressemeldung wurde übrigens in zwei Sätzen von Tagesschau.de aufgenommen.

Gender und Fäkalien: Advances in Gender Research

Uns ist nicht irgendeine Pressemeldung auf den Tisch gekommen.

Uns ist die Pressemeldung auf den Tisch gekommen.

It really made our day.

Die Zeitschrift “Advances in Gender Research” (Fortschritte in der Genderforschung) sucht für ihre 23. Ausgabe Beiträge zum Thema:

“Gender and Food: From Production to Consumption and After

Halt, Leute, After hat im Englischen die Bedeutung, “nach”, “danach” ist also ein Adverb.

Das macht die Sache aber nicht wirklich besser.

Denn: Es ergibt sich eine Verwertungskette: Nahrung wird produziert, konsumiert und dann? Worauf bezieht sich wohl das “danach”?

Was kommt, nachdem man Nahrung konsumiert hat?

Wer den menschlichen Verdauungstrakt und seine Endergebnisse kennt, der weiß, welche “Advances in Gender Research” u.a. Gegenstand von Ausgabe 23 sein sollen.

Die Gender-Verwertungskette hat damit ihr logisches Ende erreicht.

Erste Erfolge bei der gendersensiblen Behandlung von Fäkalien?

Erste Erfolge bei der gendersensiblen Behandlung von Fäkalien?

Nachdem man uns weismachen wollte, dass Frauen anders essen als Männer, Nahrung anders produzieren als Männer, vom Klimawandel deshalb betroffener sind als Männer, wobei ja überhaupt der Klimawandel von Männern gemacht ist, wie in Materialien steht, die in deutschen Schulen zum Einsatz kommen, nachdem kritisiert wurde, dass die Nahrungsmittelindustrie sich wahlweise die Magersucht oder Adipositas von Frauen zu Nutze macht, um männlichen Profit einzufahren, ist die menschliche Ausscheidung, sind menschliche Fäkalien das logische Ende der “Advances in Gender Research”.

Auch bei Fäkalien muss der Geschlechterunterschied thematisiert werden, was vermutlich seinen Niederschlag in farblich getrenntem Klopapier und einer Geschlechtertrennung in Kläranlagen finden wird.

Ob für die männlich dominierten Berufe des Klempners, des Kanalarbeiters und der Abfallbeseitigung ein entsprechendes FraFäKa-Förderprogramm aufgelegt wird, das Vorzugseinstellungen und Regeleinstellungen von weiblichen Klempnern, Kanalarbeitern und Abfallbeseitigern und, nicht zu vergessen, eines weiblichen Fäkalienbeauftragten in jeder Kommune mit 150 Millionen Euro über drei Jahre verteilt fördert, war bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen.

Kultureller Niedergang: Warum (nicht nur) Familien verfallen

Michael Gassmann hat ein Problem: Er sieht im Fernsehen nur noch Kochsendungen. Die medialen Versuche, die Komplexität der Nahrungsmittel und der Methoden ihrer Zubereitung zu reduzieren, hat bei Gassmann, Korrespondent für Handel und Konsumgüter bei der Welt, eine kognitive Dissonanz ausgelöst, denn: “Nur jeder zweite Grundschüler isst mittags zu Hause“.

Sie sehen den Zusammenhang?

Wir auch nicht.

Gassmann WeltUngeachtet dessen ist zu beklagen, dass noch vor zehn Jahren 80 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen regelmäßig mittags zu Hause gegessen haben. Heute sind es nur noch rund 50%, weiß Gassmann. Beklagenswert. Aber das hatten wir schon.

Warum beklagenswert?

GfK-Experte für was auch immer, vielleicht für die Essgewohnheiten der Sechs bis Neunjährigen, aber genaues erfährt man nicht, jener GfK-Experte also, Robert Kecskes, weiß: “Damit fehlt immer mehr Familien ein wichtiger Treffpunkt, um sich über familiäre Ereignisse zu unterhalten und von Erlebnissen zu erzählen”.

Mit vollem Mund?

Beim Mittagessen?

Wer hat diesen Experten erzogen.

Doch zurück zum beklagenswerten Inhalt des Beitrags des Korrespondenten der Welt. Damit wir es nicht vergessen, wird es uns eingehämmert: Psychologen sorgen sich: “Die Familien (welche genau bleibt unerwähnt) erleben das gemeinsame Essen als Treffpunkt für die ganze Familie in angenehmer Atmosphäre”. Das weiß Bernd Brixius, auch einer jener Experten für atmosphärische Familienessen.

Struwwelpeter

Geschichten vom familiären Idyll unter besonderer Berücksichtigung des Mittagessens in angenehmer Atmosphäre

Brixius wie die zuvor bemühten namenlos gebliebenen Psychologen sind offensichtlich in Haushalten und an Esstischen großgeworden, an denen schlechte Noten nicht das familiäre Idyll gestört haben, es am Essen nichts auszusetzen gab und auch ansonsten nichts Störendes die “angenehme Atmosphäre”, die Familien und Familienessen inhärent ist, wenn es nach Herrn Gassmann geht, beinträchtigt hat.

Ist es nicht beklagenswert. Dass es dieses Mittagsessensidyll nicht mehr gibt oder nur noch selten oder nicht häufig genug für Herrn Gassmann, denn und zum dritten Mal und dieses Mal darf es Christine Brombach sagen: “Ernährung ist mehr als die Vesorgung des Körpers mit Nährstoffen”. Eine erstaunliche Erkenntnis, die all jene Nahrungsexperten, die denken, Nahrungsaufnahme diene dem Unterhalt des Körpers, in Erklärungsnot bringt.

Doch zurück zur angenehmen Atmosphäre des Mittagessens bei Familien: “Am Familientisch”, so zitiert Gassmann abermals Brombach, am “Familientisch werden Vorstellungen von Essen und Trinken vermittelt, lernen die Kinder von den Eltern, was als ‘richtig’ und ‘falsch’ oder ‘ungesund’ gilt und was nicht”.

So ist das.

Jetzt wissen Sie, warum sie zunehmen. Sie essen in der Kantine, unter dem schlechten Einfluss von Peers. Denn Peers sind ganz schlecht, wie Gassmann weiß, nicht wie die Familie. Die Familie und ihr Mittagstisch, die sind ganz gut und wissen, was richtiges und gesundes und richtig gesundes Essen ist. Deshalb gibt es kein Adipositas in Familien und keine Fehlernährung. Deshalb sind Familienmitglieder immer topfit und voller Mineralien und Spurenelemente.

Sie ist eben ein Idyll, die Familie, ein Ernährungsidyll.

Vor allem das Mittagessen in der Familie ist ein Idyll, eines, das gerade kaputt gemacht wird, wie Gassmann weiß, weil nämlich nur “jeder zweite Grundschüler … mittags zu Hause” isst. Diese Schreckensmeldung ist für Gassmann der Anlass, das Ende der Familien-Gesprächskultur, wie er sie wohl kennt, zu verkünden. Die Schreckensmeldung basiert auf einer Pressemeldung der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK), die mit “Mittags bliebt die Küche kalt” überschrieben ist und die folgende denkwürde Passage enthält, die Gassmann wohl überlesen hat:

“Vor allem die Klein- und Grundschulkinder essen deutlich seltener zu Hause
als vor zehn Jahren. Bei Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren sind es 41 Prozent weniger, bei den 6- bis 9-Jährigen immer noch 33 Prozent. Dies ist mit dem Ausbau der Ganztagesbetreuung in den Kindergärten sowie den Horten und offenen Ganztagesschulen zu erklären.”

Was nun Herr Gassmann?

Haben Sie auch den Mut, den prognostizierten kulturellen Niedergang aufzuhalten und sich im Sitzstreik vor die Zerstörer der Familienkultur vor Kindergärten, Horte und Ganztagsschulen zu setzen?

Sind Sie das nicht der Esskultur, der Rettung der angenehmen Atmosphäre des familiären Essens und dem gesittenten Sprechen mit vollem Mund im Kreise seiner Lieben schuldig?

Die Welt war auch schon einmal besser.

Die Versuche, hinter angeblichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie denen von Psychologen versteckt, die eigenen Vorlieben als objektive Daten zu verkaufen, sind nicht mehr tolerabel. Die journalistische Angewohnheit, Hinz und Kunz als Experten für dies und das zu verkaufen, ist ermüdend.

Realsatire: Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts

Wir sind ja bekannt dafür, dass wir unseren Lesern zuweilen etwas vorsetzen, was sich bei näherem Betrachten als Satire herausstellt. Aber nichts ist besser als Real-Satire. Das, was wir unseren Lesern nun mit auf den Weg ins Wochenende geben, das hätten wir gar nicht erfinden können. Ehrlich. Es ist einfach zu köstlich.

Es geht um geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts, wogegen sonst?

Zu diesem Thema findet am 9. Oktober 2015 in Berlin eine Tagung statt, die u.a. von Steuerzahlern über den Umweg von Rosa-Luxemburg-Stiftung und Heinrich-Böll-Stiftung finanziert wird.

Geschlechtergerechte PaedagogikDie Tagungsbeschreibung beginnt damit, völlig unreflektiert, “[g]anz eigene Wortschöpfungen wie ‘Genderismus’, ‘MenschInnen’ und ‘Frühsexualisierung'” der “extremen Rechten” zuzuweisen. Der Begriff der Frühsexualisierung hat übrigens eine ziemlich lange Geschichte und vor allem Alexander Mitscherlich hat ihn sehr gerne benutzt. Alexander Mitscherlich war also ein Vertreter der extremen Rechten. Und an dieser Stelle denkt man, dieses Programm der Tagung, es ist nichts anderes als der sattsam bekannte Versuch, einerseits die eigene Phantasielosigkeit gutmenschelnder Langweiler zu feiern und andererseits alles, was einem nicht passt, als rechtsextrem zu brandmarken.

Aber seid gewarnt: Wer nun das Tagungsprogramm aus der Hand legt, dem entgeht Realsatire vom Feinsten, Realsatire, bei der man nicht nur Lachkrämpfen gegensteuern muss, sondern sich auch die Frage nicht verkneifen kann, um was es sich bei dieser Tagung tatsächlich handelt.

Auf in die Workshops.

Workshop 2 handelt von den “Männlichkeiten in Haftanstalten” und von den kreativen Mitteln des dialogischen Theaters und Michael Klein, der vor einigen Jahren einige Jahre als Gerichtsreporter gearbeitet hat, kann sich die Kommentare der jugendlichen Straftäter z.B. in der JVA Torgau, wenn sie mit den kreativen Mitteln des dialogischen Theaters in ihrem grauen Haftalltag beglückt werden, nur allzu lebhaft vorstellen, vor allem was einem gewissen Ramon (Grüße übrigens an Ramon) dazu einfällt … aber lassen wir das.

Mehr Ernst beim Post!

Der Workshop zu den Männlichkeiten in Haftanstalten gibt den Teilnehmern die Möglichkeit, die Übungen und Sequenzen zu spielen und zu sequenzieren, die Ricardo Mike und Till Baumann im Knast mit den jugendlichen Knackis spielen … angeblich (Mit Ramon?)

Orginalton:

“Forumtheater ist Teil des Theaters der Unterdrückten, das vom brasilianischen Theatermacher Augusto Boal begründet wurde. Nach Boals Worten kann Theater im Gefängnis Freiräume schaffen, in denen Menschen ihre Erinnerungen und Gefühle, ihre Vorstellungskraft, ihre Gedanken über die Vergangenheit und die Gegenwart befreien und in denen sie ihre Zukunft erfinden können, anstatt auf sie zu warten. Diese Freiräume können zum Experimentierraum werden, in dem Fragen aufgeworfen und Antworten erspielt werden und Impulse für das reale Leben gegeben werden können.”

Theater schafft im Gefängnis Freiräume! Vor oder nach den Einschlusszeiten?

Theater, nein, Forumtheater befreit Vergangenheit und Gegenwart und erfindet die Zukunft, also die Forumtheaterspieler tun das. Hoffentlich weiß das der JVA-Angestellte und denkt nicht, Maik X, der sich gerade seine Zukunft in Freiheit erfunden hat, sei weiterhin inhaftiert.

Ja, und dann erspielen wir Antworten auf Fragen, die in den freigeräumten Experimentierräumen aufgeworfen wurden. Und wir hoffen auf Impulse aus dem off. Piep, ein Impuls, Piep, noch ein Impuls … Vielleicht warten wir doch besser auf die Haftentlassung, um dann die Freiheit als Experimentierraum für die täglichen Fragen nach Lebensunterhalt und Berufstätigkeit zu nutzen …

Kaffeepause!

Michaela Köttig von der berüchtigten Frankfurt an der Oder “University of Applied Science” kann nicht Theaterspielen. Schon gar nicht im Knast. Schade. Dennoch lernt man bei ihr im Workshop 6 etwas, etwas zu Handlungsdilemmata (z.B.: das Dilemma all derjenigen, die sich irrtümlich in Workshop 6 verirrt haben: “Should I stay or Should I go…?”)

Nein, im Ernst und im Originalton:

scully facepalm“Ich möchte Jugendliche stärken, sie unterstützen, sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erkennen lassen und darin empowern, sich gesellschaftlich einzumischen.

Ja, aber… gilt dies auch im Bereich Rechtsextremismus so uneingeschränkt?
Ergibt sich hier nicht ein Dilemma, das darin besteht, Jugendliche einerseits zu stärken und auf der anderen Seite damit möglicherweise auch zu erreichen, dass sie die neu gewonnenen Kräfte für die Umsetzung ihrer ideologischen Ziele und in die Ausgrenzung und Diskriminierung von Anderen einsetzen?!

Im Rahmen dieses Workshops sollen unterschiedliche Dilemmata im Arbeitsfeld geschlechterreflektierte Rechtsextremismusprävention erarbeitet und daran anschließend Überlegungen angestellt werden, wie dem begegnet werden kann.”

Combat Rock!

Was möchten Sie?

Haben Sie auch Wünsche?

Bieten Sie einen Workshop an! Sagen Sie anderen, was Sie möchten. Vielleicht findet sich jemand, der das auch “möchte”. Dann sind Sie schon zu zweit. Zu zweit kann man prima darüber fachsimpeln, dass dann, wenn man jemandem Wissen vermittelt, immer vorausgesetzt, man vermittelt Wissen, also wenn man Wissen vermitteln würde, Wissen zum Vermitteln hätte und es vermitteln wollte und vor allem: könnte, quasi Freiräume zur Aufnahme des zu vermittelnden Wissens in den Köpfen der Unvermittelten schaffen könnte, dann ginge von diesem Wissen die generelle Gefahr aus, dass es von dem, der es vermittelt bekommen haben würde, wenn es es gäbe, dass es von demjenigen missbräuchlich vermittelt und verwendet wird.

Was also tun, wenn man, wie Michaela Köttig etwas möchte, was andere vielleicht nicht oder missbrauchen möchten, wenn es erst einmal gemocht geworden ist?

Ein Dilemma, das aus der Stärkung der Jugendlichen, die Köttig möchte, resultiert. Denn, werden Jugendliche gestärkt, dann sind sie gestärkt, wie und womit auch immer. So gestärkt können sie gestärkt auftreten und die neue Stärke in rechtsextremes Handeln ummünzen. Und dann wäre Köttig schuld, weil Köttig sich von fiesen hinterhältigen, wenngleich schwachen Rechtsextremen hat in deren Stärkung tricksen lassen, was zwangsläufig bedeutet, dass jeder noch so kleine Rechtsextreme der Frau Köttig kognitiv überlegen sein muss.

Die Tagungsgebühr beträgt übrigens 10 oder 20 Euro, je nach “Selbsteinschätzung”. Was kostet ein Abend bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft?

Das Highlight zum Schluss:

Katharina Debus und Vivien Laumann von Dissens e.V., einem Institut für Bildung und Forschung, jedenfalls nach Selbstbeschreibung, geben einen Knaller nach dem nächsten, ein wahres Feuerwerk des Unsinns von sich.

Los geht’s:

dissens“Die Kritische Psychologie beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit der subjektiven Funktionalität diskriminierenden Verhaltens. Dieses Verhalten kann in dem Versuch begründet sein, Handlungsfähigkeit unter gesellschaftlichen Bedingungen (Kapitalismus, Sexismus, Hetero-/Cis-Sexismus, Rassismus, Ableismus, Klassismus etc.) herzustellen, die in vielerlei Hinsicht ohnmächtig machen, Handlungsspielräume einschränken und/oder überfordern.”

Die Frage, ob und wenn ja, welcher Zweck mit einem Verhalten verbunden ist, ist nicht nur eine Frage, die die kritische Psychologie beschäftigt. Es ist eigentlich eine Frage, die ganze Forschungsbereiche begründet hat, von der Psychologie bis zur Soziologie.

Vielleicht wäre etwas weniger “subjekte Funktionalität” und etwas mehr Begriffsverstehen hier besser gewesen, schon weil es sich damit hätte vermeiden lassen, den nachfolgenden Unsinn zu schreiben, den von Kapitalismus, Sexismus, Rassismus, Ableismus usw. Das sind die einzigen -ismen, die Debus und Laumann einfallen, in ihr Feindbild passen?

Wir würden ergänzen: Katechismus, Revisionismus, Katholizismus, Feminismus, Sozialismus, Genderismus, Intellektualismus, Idiotismus, Funktionalismus, Konstruktivismus oder Post-Strukturalismus, Perfektionismus, Totalitarismus, Faschismus, Kommunismus, Stalinismus, Linksextremismus, Institutionalismus. Sind das keine Einschränkungen von Handlungsspielräumen, z.B. weil sie vom Bundesminsterium für FSFJ, an dessen Tropf Dissens e.V. hängt, nicht gefördert werden?

Aber lassen wir das zu Gunsten des absoluten Höhepunkts, den abermals Debus und Laumann liefern. In einem erfolglosen Ringen mit der deutschen Sprache, haben sie Folgendes zu Papier gebracht:

Double facepalm“Auf diskriminierendes Verhalten wird in der Pädagogik, wenn nicht durch Wegsehen, dann häufig durch Aufklärung und/oder Grenzsetzungen reagiert. Beides ist sinnvoll bzw. notwendig, reicht aber häufig nicht aus, nämlich dann, wenn es bei diesen Verhaltensweisen nicht in erster Linie um einen Mangel an Wissen oder Problembewusstsein geht.”

Jetzt schauen Pädagogen schon weg, und was ist? Es reicht nicht aus. Debus und Laumann reicht es nicht aus wegzuschauen, nein sie wollen zusätzlich aufklären und Grenzen setzen, zusätzlich zum Wegsehen. Man kann sich den Workshop richtig vor seinem geistigen Auge vorstellen: Die eine Hälfte der Teilnehmer schaut, nein sieht weg, während sie von der anderen Hälfte abwechselnd aufgeklärt wird bzw. ihr Grenzen gesetzt werden.

Es lebe der Unsinn!
Auf nach Berlin am 9. Oktober 2015.
Ab in die Werkstatt der Kulturen in der Wissmannstr. 32 in Berlin-Neukölln.
Es gibt Realsatire am laufenden Band.

Dieter Hildebrandt würde blass, würde er noch leben.

Ist Bremen noch Deutschland? Bremer SPD will richtiges Wahlergebnis durch Reform sicherstellen

Ein Leser von ScienceFiles hat uns auf ein Interview im Weser Kurier hingewiesen und netterweise dazu geschrieben, dass Björn Tschöpe, der dort interviewt wird, der Fraktionsvorsitzende der SPD in der neuen Bremer Bürgerschaft ist.

Was gibt es sonst noch von Björn Tschöpe zu wissen? Von Beruf ist er Rechtsanwalt. Er ist nicht mobil, sondern von Geburt an in Bremen.

Ja – und er hat das mit der Wahl nicht verstanden.

Bjoern TschoepeTschöpe meint nämlich, eine Wahl sei dann eine richtige Wahl, wenn so gewählt wird, wie er das für richtig hält. Wird anders gewählt, dann muss das Wahlrecht geändert werden. Das ist der Tenor eines Beitrags im Weser Kurier, in dem sich Wigbert Gerling, der wohl als Redakteur beim Weser Kurier beschäftigt ist, auf das Stellen von Fragen beschränkt und Tschöpe auf das Geben von Antworten und egal, welchen Hammer der SPD-Rechtsanwalt von sich gibt, Gerling nimmt es unkommentiert zur Kenntnis, stellt seine nächste Frage, so als wäre nichts gewesen.

Und als Beobachter aus der Ferne fragt man sich: Gehört Bremen noch zu Deutschland?

Oder ist Bremen eine antidemokratische Exklave, in der jahrzehntelange Vetternwirtschaft und Inzucht dazu geführt haben, dass nicht nur jegliches Bewusstsein für Demokratie verschwunden ist, sondern auch jedes Bewusstsein für Vetternwirtschaft.

Nur zum Beispiel:

Björn Tschöpe zur Frage der geringen Wahlbeteiligung, die etwas mehr als 50% bei der letzten Bürgerschaftswahl betragen hat:

“Vorab: Der Rückgang der Wahlbeteiligung hat sicher vielfältige Gründe, und auch wir müssen uns fragen: Erreichen wir mit unserer Politik die Leute?

Beantworten, indes, müssen “wir”, also die Tschöpes im Pluralis Majestatis diese Frage nicht, und überhaupt: Wahlbeteiligung, pfff, es gibt wichtigers, nämlich und in direktem Anschluss an die Frage, die Tschöpe an sich und seine anderen gestellt hat:

“Aber zu Ihrer Frage zum Wahlverfahren: Eindeutig ja! Unter anderem Frauen werden durch das bisherige System strukturell benachteiligt. Beispielsweise wurden bei der SPD, obwohl diese abwechselnd Frauen und Männer auf ihrer Liste aufgestellt hat, von 30 Abgeordneten nur neun Frauen gewählt, Offenbar bekommen Frauen seltener Stimmen, die unmittelbar an ihre Person gekoppelt sind.”

Wir haben diesen Absatz mehrfach gelesen. Er steht so im Weser Kurier.

Ein angeblich demokratischer Abgeordneter, der Wähler repräsentieren soll, ist also der Meinung, wenn nicht mindestens soviel Frauen gewählt werden wie Männer, dann sind Frauen strukturell benachteiligt, dann ist das Wahlrecht zu ändern.

Man kann das innovativ nennen.
Man kann es dumm nennen.
Nur eines kann man es nicht nennen: demokratisch.

Zur Erinnerung für alle, die es nicht mehr wissen: Der Witz bei Wahlen besteht darin, dass man wählen kann, was man wählen will. Entsprechend würde man, wenn vier Äpfel und vier Birnen zur Wahl stehen, und vier Äpfel und zwei Birnen gewählt wurden, als Demokrat schließen, dass unter den Wählern offensichtlich eine Präferenz für Äpfel und nicht für Birnen besteht. Nicht so Björn Tschöpe aus Bremen, von der SPD, der in die Bürgerschaft gewählt wurde, er schließt daraus, dass die Birnen “strukturell benachteiligt” sind.

Der Begriff der strukturellen Benachteiligung wird von Politikern gerne dann verwendet, wenn sie etwas Wichtiges sagen wollen, aber dummerweise keine Idee haben, was sie eigentlich sagen wollen. Entsprechend ist alles, was ihnen nicht passt, Ergebnis einer strukturellen Benachteiligung von in diesem Fall Frauen. Wären Frauen tatsächlich strukturell benachteiligt, dann wären sie entweder davon ausgeschlossen, überhaupt zu kandidieren, sie dürften nicht wählen oder der Zugang zur Bremer Bürgerschaft wäre ihnen nur möglich, wenn ein Detektor keinerlei Lippenstift an ihnen feststellt. Dann wären sie strukturell benachteiligt. Da nichts davon zutrifft und auch ansonsten keine Spur einer strukturellen Benachteiligung festzustellen ist, muss man konstatieren: Björn Tschöpe hat keine Ahnung wovon er spricht – vielleicht ist er ja durch sein Jura-Studium strukturell benachteiligt, durch jahrelangen Ausschluss von gesundem Menschenverstand.

Aber: Nicht nur Tschöpe weiß nicht, wovon er spricht, auch Gerling, der ihn interviewt, scheint keine Ahnung zu haben, also widmet er den groben Unsinn der strukturellen Benachteiligung von Frauen, mit dem Tschöpe die Leser gerade zugemüllt hat, in einen “offenbar schweren Stand von Frauen” um und fragt: ob der offenbar schwere Stand der Frauen ein Vorteil für Männer sei?

Von einem Journalisten, der Ahnung und Berufsethos hat, hätte man eher die Frage erwartet: Herr Tschöpe, wenn Frauen nicht so viele Personenstimmen bekommen wie Männer, muss man dann daraus nicht vielmehr schließen, dass Bremer Wähler lieber Männer als Frauen wählen?

Und überhaupt, woher kommt die Fixierung auf Geschlecht, wieso denkt Tschöpe, die Wahl von Hans P. sei die Wahl eines Mannes, die Nichtwahl von Helga F die Abwahl einer Frau? Vielleicht sind die Wähler von den Fähigkeiten von Hans P., die in seinem Gehirn und nicht in in seinem Penis angesiedelt sind, überzeugt, während sie von Helga F. schlicht und ergreifend nichts halten, ganz unabhängig von ihrem Geschlecht.

Wenn Björn Tschöpe mit dem Blick zwischen die Beine anderer Menschen durch die Welt geht, dann ist das sein Problem. Er sollte daraus aber nicht ableiten, dass Wähler zu keiner differenzierteren Betrachtungsweise der Welt in der Lage sind als er sie demonstriert.

Als wäre es nicht schon schlimm genug, schwadroniert Tschöpe weiter Unsinns:

“… offensichtlich spielt auch das Lebensalter eine Rolle. Soweit nicht eine ethnische Gruppe mobilisiert werden kann, fällt auf, dass von den Personenstimmen vor allem Männer ab 45 aufwärts profitieren. Diese scheinen in besonderer Weise über Netzwerke zu verfügen, die sich für eine Personenwahl aktivieren lassen. Bei uns Sozialdemokraten fällt auf, dass trotz einer altersgemischten Listenaufstellung von den 30 Abgeordneten nur zwei im Alter unter 40 einziehen. Niemand kann ein Wahlrecht mit strukturellen Vorteilen für ältere Männer wollen.

Buergerschaft bremenDer Mann hat einen Knall – oder wie sonst soll man diese Vorstellung, dass das Ergebnis einer Wahl falsch ist, weil die Gruppe der Männer ab 45 offensichtlich mehr Stimmen erhalten hat als jüngere Männer oder Frauen werten? Was man aus dieser Tatsache schließen kann, ist: Männer ab 45 haben mehr Stimmen erhalten als andere und genau das, dass manche Kandidaten mehr Stimmen erhalten als andere Kandidaten, war doch das Ziel einer Wahl – oder?

Aber natürlich kann man problematisieren, dass die SPD mit 32,8% mehr Anteil an den Stimmen erhalten hat als die FDP mit 6,6% und dafür sorgen, dass bei der nächsten Wahl genauso viele Stimmen auf die FDP wie die SPD entfallen, denn niemand kann ein Wahlrecht mit strukturellen Vorteilen für die SPD wollen – oder? Es entspricht der Tschöpeschen Unlogik und sollte somit seine ungeteilte Zustimmung erfahren.

Schließlich: Björn Tschöpe ist 1967 geboren. Er ist somit älter als 45, gehört zu den strukturell bevorteilten Männern ab 45, die er ausgemacht hat. Wäre es da nicht konsequent, er würde sein Mandat niederlegen, um zumindest die von ihm gesehene strukturelle Ungerechtigkeit, die ihn nach seiner Ansicht ermöglich hat, zu beseitigen?

Letztlich kann man sich, wenn man derartigen antidemokratischen Unsinn liest, nur an den Kopf fassen und sich fragen: Sind die Menschen in Bremen anders als andere? Weniger intelligent? Weniger kognitiv ausgestattet? Mehr dumm? Oder sind das nur auf die zu, die die 50% wahlberechtigten Bremer, die gewählt haben, als repräsentativ für sich ansehen?

Professor Voss: Die Nazis haben die Zweigeschlechtlichkeit erfunden

Das Wort zum Sonntag!

Heinz-Jürgen Voss – “weder Mann noch Frau”, so der Titel eines Beitrags, in dem er erklärt, warum die “Einteilung in zwei Geschlechter Schaden anrichtet”.

Das erklärt der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgehaltene und an der Fachhochschule Merseburg eine Forschungsprofessor für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung inhabende Heinz-Jürgen Voss dem evangelischen Online-Magazin “Chrismon.de“. Der Text, auf den uns ein Leser hingewiesen hat, er ist aus dem September 2013, sollte aber, ob seiner umwälzenden Erkenntnisse nicht in Vergessenheit geraten. Vielmehr raten wir die Lektüre jedem, der wissen will, was oder wer der Heinz-Jürgen Voss denn eigentlich ist, wer hier aus Mitteln der Steuerzahler finanziert wird.

Es gibt unzählige Geschlechter, so verkündet Voss gleich zu Beginn seines Beitrags, denn das Geschlecht, es werde durch Chromosome, Hormone, Geschlechtsorgane, das Aussehen, die Erziehung, die Kleidung geprägt. Deshalb treffe es die Realität nicht “nur in männlich und weiblich einzuteilen”.

Angesichts der Voss’schen “unzähligen Geschlechter”, die, nähme man sie ernst, zu dem Ergebnis führen würden, dass jeder Mensch sein eigenes Geschlecht ist, stellen sich schon erste Zweifel an den Offenbarungen des Sexual-Professoren aus Merseburg ein, Zweifel, die den Verdacht nähren, hier verwechselt jemand biologisches und soziales Geschlecht, Sex und Gender im Englischen – hier weiß ein Professor für ausgerechnet sexuelle Bildung nicht wovon er spricht.

Der Verdacht erhärtet sich:

Heinz J vossHeinz-Jürgen Voss: “Bis in die 1920er Jahre sprach man von ­Geschlechtervielfalt. Mit den Nazis kam die Theorie einer weitgehend klaren biologi­schen Zweiteilung, die auch immer noch im Biologiestudium vermittelt wird, obwohl die aktuelle Forschung längst weiter ist.”

Die Nazis sind also an der Zweigeschlechtlichkeit schuld, wer an der Zweiteilung der Geschlechter festhalten will, damit ein Nazi – oder? Ob es den Päpsten des Mittelalters klar war, dass sie die Diversität der Geschlechter predigen, wenn sie von ehelichen Verpflichtungen gesprochen haben? Ob es Minnesänger für tausend Geschlechter gab? Wo die Unterdrückung der Frauen herkommt, von der die Genderisten fabulieren, wenn es gar keine Frauen als solche gibt und schon gar keine sie angeblich unterdrückenden Männer? Wie in-vitro Fertilisation angesichts der “unzähligen Geschlechter” funktionieren kann? Dies alles sind Fragen, die man Heinz-Jürgen Voss lieber nicht stellen sollte. Am Ende gibt er eine Antwort.

Eine Antwort, der man nicht nur sein Weltbild mit großem Erschrecken entnehmen kann, eine Antwort wie die folgende:

Heinz-Jürgen Voss: “Zum einen werden geschlechtlich „untypi­sche“ Kinder mit Gewalt in die vermeint­lich natürliche Ordnung eingepasst, mit ­geschlechts­zuweisenden Operationen, Hormonen und zig Arztbesuchen. Zum anderen verfestigt die radikale Zweiteilung nur wieder hierarchische, gewaltsame Strukturen: Gewalt gegen Frauen, Zwangsprostitution, ungleiche Löhne.”

Da hat der Sexualprofessor schon Recht – oder? Entsprechend empfehlen wir Ärzten, bei denen sich Heinz-Jürgen Voss z.B. wegen einer Blinddarmentzündung vorstellt, von einer Behandlung, ob der damit einhergehenden Gewalt abzusehen. Wir wollen den Professor für sexuelle Bildung ja nicht gewaltsam in die vermeintlich natürliche Ordnung von Gesunden und Kranken oder von einer Blindarmentzündung Geheilten bzw. daran Verstorbener zwingen.

Auch Korrekturen bei Neugeborenen, die z.B. Deformationen an Knochen oder Schädel beseitigen oder notwendig sind, um Kindern das Sehen zu ermöglichen, sind ob der damit einhergehenden Gewalt und dem Einpassen in die “vermeintlich natürliche Ordnung” der nicht-Defomierten oder Sehenden zu unterlassen.

Obschon, es grenzt an intellektuelle Gewalt, wenn Voss fabuliert, dass die radikale Zweiteilung hierarchisch gewaltsame Strukturen verfestigt, die es – ohne die radikale Zweiteilung – also nicht in der Weise geben würde. Aber nehmen wir ihn beim Wort! Streichen wir die gewaltsame Struktur, die Voss einen höheren Lohn zubilligt als z.B. einem Harz-IV-Empfänger. Wenn schon Befreiung, dann richtig: Hartz-IV statt W2 für Heinz-Jürgen Voss! Wer eine entsprechende Petition initiieren will, unsere Unterstützung ist ihm sicher.

Angesichts von so viel, wie man in der Pfalz sagt, dummem Gebabbel, ist es notwendig, die geistige Gesundheit unserer Leser sicherzustellen, nicht dass noch etwas vom Vossschen Gebabbel hängenbleibt.

Wer vertiefen will, dem empfehlen wir das sehr gute Buch von Linda Mealey mit dem Titel “Sex Differences. Developmental Evolutionary Strategies”.

Gleich auf Seite 12 des Buches wird eine Unterscheidung eingeführt, von der wir nicht sicher sind, ob der Intellekt von Heinz-Jürgen Voss sie verarbeiten kann. Dennoch: Was Menschen sind hat mit dem, wie Menschen sich fühlen, nichts zu tun. Deshalb hat es sich eingebürgert “… to distinguish between uses of the word ‘sex’ and the word ‘gender. … By adopting this distinction, it is possible to have more than two genders even though there are only two sexes“.

Langsam und für Heinz-Jürgen Voss zum Mitschreiben: Das biologische Geschlecht kommt nur in zwei Ausprägungen vor, während das soziale Geschlecht mehr als zwei Ausprägungen zulässt. Menschlicher Einbildung sind, im Gegensatz zu menschlicher Biologie keine Grenzen gesetzt. Und nein, die menschliche Biologie wurde nicht von den Nazis erfunden, vielmehr setzt die menschliche Biologie, zwei biologische Geschlechter voraus:

Mealey Sex differences“There is no particular reason that there have to be two sexes in order for sexual reproduction to occur. In fact, among some algae, bacteria or slime molds, any individual can mate (exchange and mix genes) with any other individual of different mating type (…). Note the use of the term ‘mating type,’ however, rather than ‘sex’. In these organisms there is nothing other than genes that identify a particular mating type, and it is not, therefore, possible to compare types across different species.

The term ‘sex’, however, does refer to a set of identifiable features that are common to two distinct mating types found in most sexually reproducing species. Specifically, those individuals we label ‘female’ are individuals that produce relatively large, nutrient-rich, immobile gametes (sex cells); males are those individuals that produce relative small, nutrient-poor, mobile gametes. This set of correlated features distinguishing two sexes in most sexually reproducing species is technically termed anisogamy (literally: ‘not-same gametes’). While a single plant or animal may produce both male and female types of gametes (a hermaprodite), we never find individuals that produce gametes that mix some features of male sex cells with some features of female sex cells; nor does any individual produce a single type of gamete with in-between features” (Mealey, 2000: 47-48)

Schlechte Nachrichten für Heinz-Jürgen Voss: Es ist klar bestimmbar, ob ein Individuum, vom biologisch Geschlecht aus betrachtet, männlich oder weiblich ist und schlimmer noch, das biologische Geschlecht diskriminiert eindeutig zwischen männlich oder weiblich. Es gibt weder etwas zwischen männlich und weiblich noch Mischformen, man ist entweder das eine oder das andere und schuld sind die Gameten (genauer: das Verhältnis der mobilen zu den immobilen Gameten), die Keimzellen (und nicht etwa die Nazis).

Daran kann auch ein Heinz-Jürgen Voss nichts ändern, es sei denn, er ist eine Alge, ein Bakterium oder ein Schleimpilz.

Reiner Unsinn: Die Deutschen und ihr Problem mit der Wirtschaft

Wirtschaft, Wirtschaft ist schlecht. An Wirtschaft macht man sich besser nicht die Hände schmutzig. Wirtschaft, das sind Bonzen, egoistische Bonzen, multinationale Konzerne, multinationale Umweltverschmutzer, multinationale Arbeiterausnutzer und egoistisch und nutzenmaximierend sind sie obendrein.

Der Staat und seine Funktionäre, die Parteien, die Gewerrkschaften, das sind die Reinen, die Guten, die Gesegneten, die Wohlwollenden, die, die im Auftrag des Wählers unterwegs sind, um Gutes zu tun, um reine und altruistische Werte in der Gesellschaft durchzusetzen, frei von Eigeninteresse und Nebenwirkungen aller Art.

Deutsche BonzenBildung, Bildung, das ist ein reines Gut. Gute, richtige, politisch korrekte Bildung, wie sie z.B. den Funktionären der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft vorschwebt, das ist …, eben gute, reine, wichtige und richtige Bildung, und Forschung natürlich, und damit die Bildung und die Forschung und die Wissenschaft und alle Bildungsinstitutionen gut und rein und pur und unbeschmutzt sind, damit die Schüler, die Lehrer, die Studenten, die Dozenten und Professoren sich der reinen Verkündung reinen Wissens in einer reinen Umgebung, frei von unreinen egoistischen Interessen und Einflussnahmen schmutziger Art, entfalten und vor allem grundsätzlich und wie immer rein und altruistisch und gesellschaftsdienlich forschen können, deshalb muss man die Wirtschaft aus den heiligen Hallen der Bildung fernhalten; Sie ausschließen vom Zugang zu Schulen, Fachhochschulen und Universitäten.

Es droht das Verderben: die Ökonomisierung!

Diese Gefahr haben schon vor geraumer Zeit die GEW und deren Vize Andreas Keller erkannt. Und mutig, im rein-weißen Hemd des Kämpfers für das deutsche Reinheitsgebot der Bildung, ist Keller dem Wolf der Wirtschaft entgegengetreten und hat gefodert: “Ausverkauf von Forschung und Lehre stoppen“.

Alles, was er sonst noch gefordert hat, findet sich heute in einem Beitrag auf Tagesschau.de, in dem eine Sandra Stalin_ski unter der Überschrift “Die Wirtschaft mischt sich ein”, zunächst das Horrorszenario entwickelt, dass Studenten bald an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena keine vedischen Schriften mehr übersetzen können.

Warum?

Wegen der Ökonomisierung. Die Ökonomisierung verlangt nämlich von Hochschulen, dass an ihnen verwendbares Wissen vermittelt wird, dass das Angebot der Hochschulen auf den Bedarf der Gesellschaft, nein, der Wirtschaft ausgerichtet wird, und dort braucht man keine Veden-Übersetzer – das jedenfalls meint Frau Stalinski – und die muss es wissen.

Der gute Staat1,3 Milliarden kommen aus der Wirtschaft an die Hochschulen, so lamentiert Stalinski weiter, was besonders schlimm ist, denn die Hochschulen sind klamm, will heißen: Die Wirtschaft nutzt es schamlos aus, dass die Hochschulen von ihrem öffentlich-rechtlichen Träger an der kurzen Leine gehalten werden, eine Leine, die so kurz ist, dass die Hochschulen klamm sind, korrumpierbar sind und ein gefundenes Fressen für den wirtschaftlichen Wolf, der nur darauf wartet, Beschäftigte an Hochschulen einvernehmen und für seine Interessen einsetzen zu können.

Ganz im Gegensatz zu staatlichen Institutionen, die natürlich ebenso wenig wie Gewerkschaften oder Parteien versuchen, Einfluss auf Hochschulen zu nehmen. Dass Bundesministerien Professuren mit zweifelhafter Denomination und mehr als zweifelhaftem Wert, z.B. die Professur von Heinz-Jürgen Voss für “die nachhaltige Verankerung und die Fortentwicklung der Forschung zum Thema ‘Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung'” an der Fachhochschule Merseburg finanzieren, ganze Studiengänge wie die Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin eingerichtet haben und mit dem Professorinnenprogramm nicht schamlos einen finanziellen Köder vor die Nase der finanziell klammen Hochschulen halten, den die meisten Rektoren nur zu gerne aportieren, das ist natürlich keine Einflussnahme. Es entspringt einem reinen Geist, einem reinen Interesse, reinen Motiven, die direkt aus dem ministerialen Paradies stammen, kurz: es ist reiner Unsinn.

pure nonsenseEbenso reiner Unsinn, wie die nicht vorhandene Einflussnahme von Parteien und Gewerkschaften, die über ihre politischen Vereine Stipendien vergeben, um Kader zu rekrutieren, Steuergelder aufwenden, um Legitimationsforschung zu beauftragen, Professoren rekrutieren, um in einem wissenschaftlichen Beirat einerseits auf Linie getrimmt zu werden, andererseits für die notwendige wissenschaftliche Legitimation der parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Agitation unter dem Deckmantel der Bildung zu sorgen.

Das alles ist vollkommen unbedenklich, denn es ist rein und pur und gut und schön und vor allem nicht Wirtschaft.

Wirtschaft dagegen, Wirtschaft ist schlecht, ist böse. Wenn Unternehmen Stiftungsprofessuren einrichten, um auf die Ausbildung an Hochschulen Einfluss zu nehmen und zu verhindern, dass die Absolventen so gar überhaupt keine Ahnung von dem haben, was in Unternehmen gefodert wird, dann ist das egoistisches Selbstinteresse von Unternehmen und nicht zu vergleichen damit, dass die Netzwerker aus politischen Stiftungen und Genderlehrstühlen sich regelmäßig zum Netzwerken am kalten Buffet der Klageveranstaltung treffen, bei der über den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft lamentiert wird, während das Buffet von Steuerzahlern finanziert ist.

Gleiches gilt für die Unternehmen, die teure Gerätschaften finanzieren und im Gegenzug von Hochschulen erwarten, dass auch Interessen der finanzierenden Unternehmen in den Forschungsgegenstand einfließen. Wie egoistisch und schmutzig, die reine Lehre und Forschung zerstörend diese Unternehmen doch sind.

Ganz anders die Finanzierung von Legitimationsstudien durch öffentlich-rechtliche Institutionen, die bereits durch die Vorgabe der Fragestellung Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Natürlich nur, damit die Ergebnisse auch wissenschaftlich rein und richtig und pur und ohne Einflussnahme von außen durch die reinen Mägde der Wissenschaft gewonnen werden können.

Drittmittel an HochschulenDichotome Darstellungen sind der Deutschen Alpha und Omega. Wenn die Welt nicht in Gute und Böse eingeteilt werden kann, dann ist die deutsche Welt nicht in Ordnung. Und weil die Bösen in der Wirtschaft sind, müssen die Guten beim Staat, in Gewerkschaften und in Parteien sein. Eigentlich erstaunlich, dass ein deratiger, reiner Unsinn funktioniert. Aber er tut es.

Sandra Stalinski hat es gerade wieder bewiesen, dass dieser Unsinn funktioniert. “Die Wirtschaft mischt sich ein.” Ja, sowas auch. Die Wirtschaft hat Interessen, eigene Interessen, wirtschaftliche Interessen, egoistische Interessen, pfui. Wie gut, dass es die interesselosen, guten und altruistischen Parteien, Gewerkschaften und staatlichen Institutionen gibt, sonst wäre man als Deutscher den Wölfen aus der Wirtschaft schutzlos ausgeliefert und müsste mit ansehen, wie sie die Hochschulen kapern und das Professorinnenprogramm durch Informatiklehrstühle und Genforschung und Astrophysik-Lehrstühle ersetzen.

Nicht auszudenken.