Unsinn der Woche: Bochumer Stadtverordnete sind inkompetent

“Großen Anklang”, so heißt es in einer Pressemeldung der Ruhruniversität Bochum (RUB), finde “ein soeben abgeschlossenes Forschungsprojekt der RUB mit dem Frauenbeirat der Stadt Bochum”. Wir wollen einmal dahin gestellt lassen, ob der große Anklang ein positives oder ein negatives Zeichen ist, und uns diesem Forschungsprojekt der RUB widmen, für das der Juniorprofessor Dr. Katja Sabisch, an der RUB für Gender Studies angestellt, verantwortlich zeichnet.

RUBDas groß anklingende Forschungsprojekt ist aus zwei Gründen der Erwähnung wert. Zum einen ist es wohl nicht so häufig, dass Mitarbeiter der RUB Stadtverordneten in Bochum Inkompetenz attestieren, zum anderen bietet das Forschungsprojekt einen Einblick in das, was im Rahmen von Genderstudies gelehrt wird und somit einen Einblick in einen Bereich, den Genderisten gewöhnlich vor der Öffentlichkeit verbergen.

Die Stadtverordneten in Bochum sind inkompetent,

denn sie hängen zwischen “Wissen und Willen”. Sie sind so etwas wie gutmütige Trottel, die zwar wollen, aber nicht können, denn es herrscht “Mangel an Wissen und Umsetzungsideen”. Genauer: “… die Bereitschaft, Geschlechtergerechtigkeit umzusetzen, ist zwar vorhanden, doch es fehlt das nötige Geschlechterwissen”. Bochumer, es ist an der Zeit, bei Kommunalwahlen andere Maßstäbe anzulegen. Es geht nicht an, dass Stadtverordnete gewählt werden, die Männlein nicht von Weiblein unterscheiden können. Bei der nächsten Wahl also auf das Geschlechterwissen achten, fragen, welche Erfahrungen in Geschlechterfragen die Kandidaten auf den Posten eines Stadtverordneten haben!

Einblicke in die Lee/hrwelt der Genderforschung

Die Inkompetenz der Stadtverordneten ist das Ergebnis des oben angesprochenen Kooperationsprojekts, an dem Studenten von Juniorprofessor Sabisch beteiligt waren. Entsprechend kann man aus den Ergebnissen auf das schließen, was den Studenten von ihrem Juniorprofessor vermittelt wird.

Die erste entsprechende Erkenntnis ist besser als gedacht: Genderisten kennen zumindest qualitative Formen der Sozialforschung, d.h. sie haben davon gehört, denn auf den zweiten Blick zeigt sich, die Methoden zu den qualitativen Formen der Sozialforschung sind unbekannt.

Glaser grounded theorySo haben “[f]ünf Leitfaden gestützte Interviews mit jungen Eltern, die in der Bochumer Kommunalpolitik aktiv sind”, zu der Erkenntnis geführt, dass “Probleme mit der Vereinbarkeit von Familile und Beruf immer im Vordergrund stehen”, schlimmer noch: Die “Herausforderung ‘Ehrenamt’” gerate bei allen Interviewten in den Hintergrund: “Erwerbsarbeit ist damit das Definitivum, von dem aus politisches Engagement … gedacht wird” (Definitivum meint übrigens endgültiger Zustand, aber das nur nebenbei).

Fünf Leitfadeninterviews haben also zu dem Ergebnis geführt, dass es Menschen gibt, die arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, selbst unter kommunalpolitisch Aktiven. Anstatt diese seltene Spezies von politisch Engagierten, also von politisch Engagierten, die arbeiten und selbst Steuern zahlen, statt Steuerzahlern auf der Tasche zu liegen, zu thematisieren, wird lamentiert, dass man als arbeitender Mensch andere Prioritäten setzen muss als als Berufspolitiker, insbesondere wenn man sich zudem zur Fortpflanzung entschieden hat.

Bemerkenswert sind auch drei Interviews zum Gender Mainstreaming, die gezeigt haben, dass vor allem oder nur die “städtische Bauplanung” der Bereich ist, in dem Gender Mainstreaming eine Bedeutung hat. Leider wird hier nicht vertieft, also am Beispiel die Bedeutung von gendergerechter Stadtplanung deutlich gemacht. Das wäre interessant gewesen, denn wir wissen zwar um die Rampen für Rollstuhlfahrer, die in den 1980er Jahren in Mode waren und öffentlich gefördert behindertengerechte Gebäude erschaffen sollten, was allerdings gendergerechtes Bauen darstellt, we hestitate to speculate… Na ja, vielleicht große Küchen anstelle von Küchenzeilen? Ah, das hat jetzt gerade Diskussionen in der Redaktion ausgelöst. Vielleicht besser: Doppeltoiletten falls die Freundin zu Besuch kommt … Ok. Besser wir hören damit auf. Vielleicht haben ja manche unserer Leser eine (bessere) Idee von gendergerechter städtischer Bauplanung.

BlumerDie Erfolgsmeldung aus der “städtischen Bauplanung” ist leider nicht uneingeschränkt gültig. Hier der Wermutstropfen: Die städtischen Bauplaner machen Gender Mainstreaming wegen einer entsprechenden “Anordnung”, sie fügen sich in Vorgaben eines “Top-Down-Prozesses”, “ein wirkliches Umdenken in den Köpfen der Beteiligten” hat nicht stattgefunden. Trotz aller Versuche der Indoktrination, so muss man ergänzen, hat auch das Gender Mainstreaming bislang keinen Weg gefunden, die Gedanken der Menschen unfrei zu machen. Ja, Bochumer, es ist noch Hoffnung, selbst wenn es um “städtische Bauplanung” geht, scheinen manche Stadtverodneten noch selbst zu denken.

Über weitere bahnbrechende Erkenntnisse wie z.B. die Feststellung, dass “gleichstellungspolitische Themen … in der Arbeit des Ausschusses für Migration und Integreation” keine “übergeordnete Rolle spielen” (am Ende stehen hier die Menschen im Vordergrund?) und der bereits gemachten Feststellung, dass Stadtverordnete inkompetent sind und mehr wollen als sie können, gelangen wir zum Höhepunkt der Forschung zum “Doing Gender”.

Die Erkenntnisse zu “Doing Gender” basieren auf “teilnehmenden Beobachtungen von zwei Ausschusssitzungen”. Aus diesen beiden teilnehmenden Beobachtungen resultiert die Erkenntnis, dass “das Dasein für Frauen in der Politik durchaus kein leichtes ist. Frauen sind nicht nur zahlenmäßig unterpräsentiert, sondern erfahren auch … an anderer Stelle Diskriminierung”. Das ist der bisherige Höhepunkt (aber es wird noch beser): Wo immer Frauen in der Minderheit sind, liegt also Diskriminierung vor, bei der Müllabfuhr werden Frauen vom Mülllehren ausgeschlossen, die große Mehrheit männlicher Müllfahrer zeigt: Frauen werden diskriminiert. Im Zweiten Weltkrieg blieb ihnen das letzte Opfer für ihr Land versagt. Die Mehrheit  männlicher Weltkriegstoter zeigt: Frauen werden diskriminiert. Und durch Frauenhäuser wird Frauen die Möglichkeit genommen, obdachlos zu werden. Ergebnis: Sie sind unter Obdachlosen unterrepräsentiert, werden diskriminiert und nicht in gleicher Zahl zu Obdachlosigkeit zugelassen.

Wir haben versprochen, dass es noch besser wird, und es wird noch besser. Die Diskriminierung an “anderer Stelle”, die die Studenten in teilnehmender Beobachtung dingfest gemacht haben, ist der “Umgang mit dem Mikrofon”, der wohl nicht meint, dass Frauen, die es in Bochum unter Stadtverordnete geschafft haben, zu dumm sind, ein Mikrofon zu bedienen, sondern der impliziten Prämisse huldigt, dass Frauen der Zugang zu Mikrofonen absichtlich von männlichen Patriachen verstellt wird: Ergebnis, den Ohren Gewalt antuendes Gekreische oder in den Worten der Studenten: “Oftmals waren es Frauen, die sich ohne jede teschnische Unterstützung äußerten, was klar zu ihrem Nachteil geschah”.

Einer geht noch!

Hier nun wirklich der Höhepunkt der studentischen Forschung unter Anleitung von Juniorprofessor Sabisch:

“Traditionelle Rollenzuweisungen waren nicht erkennbar. Für die Forschung bedeutet dies, dass weibliche Unterrepräsentanz in der Politik nicht auf der praktischen Ebene der Politikgestaltung stattfindet, sondern im Vorfeld eine Vielzahl von Schließungsmechanismen greifen, die dazu führen, dass Frauen gar nicht erst in politische Führungspositionen gelangen können. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber, dass Frauen, die bereits in der Politik beispielsweise als Ratsfrauen angenommen sind, auch denselben Status genießen, wie ihre männlichen Ratskollegen”.

Ein wirklich bemerkenswertes Dokument geistiger Verwirrung. Man weiss gar nicht, wo man anfangen soll:

  • Logik f dummiesWenn etwas nicht erkennbar ist, aber Frauen dennoch seltener vorkommen als Männer, dann ist das ein Indiz für Schließungsmechanismen, die verhindern, dass Frauen in einer bestimmten Position, z.B. als Maat auf einem Walfänger, ankommen. Die logische Konsequenz aus diesem Unsinn lautet: Wann immer etwas nicht vorhanden ist, muss geschlossen weden, dass eine Vielzahl von Schließungsmechanismen für das Nichtvorhandensein verantwortlich sind.
  • Aufgabe für die Studenten von Juniorprofessor Salisch: Einen Tag lang sammeln, was alles nicht vorhanden ist und dann die Schließungsprozesse benennen.
  • Verlassen wir dieses hervoragende Beispiel des Fehlschlusses der Verneinung des Antecedens, denn die Prämisse ist auch lohnend: Wie uns die Studenten von Juniorprofessor Sabisch unter ihrer fachkundigen Anleitung zeigen, sind Frauen keine Wesen mit Willenskraft, und sie sind in keiner Weise dazu in der Lage von Männern abweichende Entscheidungen zu treffen. Männer sind das non plus ultra, an dem die weiblichen Lemminge gemessen werden müssen, und wenn relativ zu Männern nicht genug weibliche Lemminge in Positionen gekommen sind, dann sind sie auf dem Weg dahin wohl von bösen Mächten ins Meer umgeleitet worden.
  • Obwohl im Satz vorher behauptet wurde, dass “eine Vielzahl an Schließungsmechanismen” dafür sorgt, dass “Frauen gar nicht erst in Führungspositionen gelangen können” gibt es dennoch Frauen, “die bereits in der Politik beispielsweise als Ratsfrauen angenommen sind” – ein klassischer Widerspruch, der zum Umkehrschluss überleitet, der keiner ist. (Das Verb “angenommen” offenbart eine erschreckende Prämisse. Wer hätte das von Genderisten gedacht, dass sie danach streben, in angeblich männlichen Domänen angenommen zu werden?)
  • Umkehrschlüsse werden vornehmlich von Juristen bedient, was bereits einen Hinweis auf ihre Korrektheit gibt. Ein Umkehrschluss läge z.B. vor, wenn ein Gesetz X aussagen würde, dass nur verheiratete Frauen Ratsmitglied sein können und daraus, im Umkehrschluss geschlossen würde, dass unverheiratete Frauen nicht im Rat sitzen können, was letztlich auf dem Satz des ausgeschlossenen Dritten basiert, der hier davon ausgeht, dass es keine Frauen gibt, die zugleich verheiratet und unverheiratet sind.
  • Aufgabe für die Studenten von Juniorprofessor Sabisch: Herausfinden, warum der behauptete Umkehrschluss kein Umkehrschluss ist.

Wenn man den vierseitigen Unsinn aus dem Forschungsprojekt der “RUB mit dem Frauenbeirat der Stadt Bochum” an sich vorbeiziehen lässt, dann kann man nicht anders, als Mitleid mit den Studenten zu haben, die so völlig bar wissenschaftlicher Methoden durch die Welt der qualitativen Sozialforschung wanken. Deshalb abschließend, der konstruktive Teil:

  • Es gibt Methoden der qualitativen Sozialforschung.
  • Qualitative Sozialforschung ist nicht Willkür Marke: Wir gehen ins Feld und lassen uns etwas erzählen , oder wir setzen und in eine Ratssitzung, mal sehen, was uns auffällt.
  • Philip Mayring, Barney G. Glaser und Anselm Strauss oder Uwe Flick, sie alle haben Methoden der qualitativen Sozialforschung begründet und gezeigt, wie man versucht, sinnvoll qualitative Forschung zu betreiben.
  • Bei Mayring finden sich sogar Reliabilitäts- und Validitätskriterien, die es erlauben, die Relevanz der eigenen qualiativen Forschung zu bewerten.
  • Ganze Zweige der Soziologie, die u.a. von Herbert Blumer und Harold Garfinkel begründet wurden, haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, worin sich qualitative Sozialforschung auszeichnet. und z.B. ein monumentales Werk von Aaron V. Cicoural hat die entsprechenden Anstrengungen in eine Methode gegossen.

Die Lektüre der entsprechenden Arbeiten sei den Studenten von Junoiorprofessor Sabisch dringend empfohlen:

Cicoural, Aaron V. (1964). Method and Measurement. New York: Free Press.

Flick, Uwe (2007). Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Reinbek: Rowohlt.

Glaser, Barney G. & Strauss, Anselm L. (2006). The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research. New Brunswick: Aldine Transaction.

Mayring, Philipp (2008). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

Mayring, Philipp (1990). Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. München: Psychologie Verlags Union.

Unsinn der Woche: Sind Frauen mehr wert als Türken?

Prof. Dr. Günter Buchholz hat uns einen Hinweis auf ein Interview geschickt, das auf der Webseite des Gunda-Werner-Instituts veröffentlicht wurde. Interviewt wird Gabriele Abels, Professor für “politische Systeme Deutschlands und der EU sowie Europäische Integration” an der Universität Tübingen.

Dem Politikwissenschaftler unter den ScienceFileslern ist ganz schlecht, seit der Lektüre dieses Interviews und nicht nur ihm.

Warum? Weil man es wirklich nicht mehr hören kann, schon gar nicht von Personen, die an Universitäten Lehrstühle besetzen und dort wohl versuchen, Studenten zu beeinflussen.

scully facepalmDas Interview ist über weite Teile das übliche Lamento. Die Gleichstellungspolitik der EU, so erfährt man, obgleich man es nicht wissen will, sei “immer ökonomisch begründet”, und das sei eine zentrale Lücke. Seither rätseln wir, wie etwas eine zentrale Lücke sein kann, das ökonomische begründet ist, und wir haben uns entschlossen, diese Unvereinbarkeit von Lücke und Begründung derzeit als Inkompatibilität zwischen Sinn und gewählten Worten zu werten.

Weiter geht es im Text mit der Behauptung, dass eine Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt in Rechnung stellen müsse, dass Frauen häufiger krank sind (oder feiern) und dass u.a. häusliche Gewalt schuld daran sei. Wie sich dieser angebliche Zusammenhang Frau Abels mitgeteilt hat, wissen wir nicht. Es muss eine Form der Eingebung gewesen sein, vielleicht eine Mitteilung von einem heilenden Stein, jedenfalls kann es keine empirische Forschung sein, denn es gibt schlicht keinerlei belastbare Daten, die zeigen würden, dass häusliche Gewalt eine Ursache von Arbeitsausfall ist. Und dass häusliche Gewalt ein Monopol weiblicher Opfer sein soll, ist eine Behauptung, die auch dann, wenn Frau Abels sie vorbringt, nicht richtig ist.

Pol SozWir wollen an dieser Stelle ausdrücklich feststellen, dass es einen empirischen Ast in der Politikwissenschaft gibt. Es gibt also Politikwissenschaftler, die sich darum kümmern, ob das, was sie behaupten, auch von der Realität bestätigt wird, die also nicht einfach etwas behaupten, nur weil sie gerne hätten, dass es wahr ist. Aber offensichtlich gibt es zwischenzeitlich auch einen esoterischen Ast unter dem Dach der Politikwissenschaft. Offensichtlich machen sich Personen breit, die Zusammenhänge nicht prüfen, sondern erahnen, die ihre sprachliche Realität nach dem gestalten, was sie gerade gerne hätten, nicht nach dem, was ist. Wir vermuten, dieses Krankheitsbild trifft besonders häufig Frauen.

Man wartet bei diesem Interview mit Frau Abels förmlich darauf, dass die Manie ausbricht. Man muss nicht lange warten: Die Finanzkrise trifft Frauen. Die Finanzkrise führt zu Entlassungen. Das trifft Frauen. Der “Rückbau von sozialstaatlichen Strukturen” im Zuge der Finanzkrise, na, was ist wohl damit? Richtig, er trifft Frauen. Und die Finankrise ist noch dazu ein hinterhältiges weibliches Nomen: Auf den “ersten Blick” wirkt sie “nicht geschlechtspezifisch”, auf “der anderen Seite” (nicht etwa auf den zweiten Blick) “indirekt aber doch”. Denn: Frauen werden in “manchen Bereichen zu den Familienernährerinnen und da ist es natürlich ein Problem, wenn Frauenlöhne strukturell sowieso niedriger sind”.

Erstklassig dieser Unsinn. Wirklich nicht zu überbieten. Da müht man sich jahrlang in der Methodenlehre ein Beispiel für einen ökologischen Fehlschluss zu finden und Frau Abels formuliert ihn einfach locker flockig im Interview. Ein ökologischer Fehlschluss liegt dann vor, wenn man aus Zusammenhängen, die man auf Aggregatebene festgestellt zu haben glaubt, auf individuelle Zusammenhänge schließt. Auch wenn Deutsche pro Jahr und im Durchschnitt 12,81 Liter reinen Alkohol trinken, kann man nicht schließen, dass Frau Abels betrunken war, als sie das Interview gegeben hat. Das eben wäre ein ökologischer Fehlschluss.

Aber nicht nur ein ökologischer Fehlsschluss, auch eine Form selektiver Wahrnehmung, die man mit dem ICD-10 abgleichen müsste, macht diesen Unsinn besonders: Da werden Frauen zu Familienernährerinnen, einfach so, denn die Voraussetzung bleibt unausgesprochen, dass nämlich Männer arbeitslos werden, denn das setzt der Prozess des Familienernährerinnen-Werdens im Zuge einer Krise voraus. Erwähnenswert ist es Frau Abels jedoch nicht. Was sind schon arbeitslose Männer wenn es um den Artenschutz der seltenen Spezies der Familienernährerinnen geht?

Und um es einmal wieder festzustellen, “Frauenlöhne”, wie Frau Abels sagt, sind nicht strukturell niedriger, sondern Frauen wählen Berufe, die für geringere Einkommen bekannt sind. Das hat mit strukturell gar nichts zu tun, aber viel mit der entsprechenden Wahl durch die entsprechenden Frauen. Wir vermuten, dass der “Frauenlohn”, den Frau Abels als Besatzer einer Professur erhält, die eigentlich zur Gewinnung von für die Politikwissenschaft relevanten Erkenntnissen dient, genau dem enstpricht, was ein männnlicher Kollege auf der entsprechenden Besoldungsstufe verdient, schon weil Leistung bei öffentlicher Besoldung keine Rolle spielt. Dass Leistung keine Rolle spielt, ist übrigens eine strukturelle Ungerechtigkeit.

Der Begriff der “Frauenlöhne”, den Frau Abels in die Debatte einführt, ist auch einer Würdigung wert, fragt sich doch, wie er gemeint ist, als Genitiv, der Lohn der Frau oder als Akkusativ, die Frau als Lohn? Hat Levi-Strauss mit seiner Diskussion von Frauen als Tauschobjekt einen so tiefen Eindruck auf Frau Abels gemacht, dass sie es gar nicht vergessen kann? Oder ist das eine neue Wertoffensive Marke: Was soll ich mit einer Frau, die nicht einmal zehn Kamele wert ist? Letzteres aus Reihen der Genderisten zu hören, wäre in der Tat erstaunlich. Aber vermutlich liegt hier nur eine neuerliche Inkompatiblität zwischen Sprache und Verwendung derselben vor.

Damit nicht genug: die Austeritätspolitik ist auch zu verdammen. Warum: weil sie geschlechtsspezifisch wirkt. Sie trifft Frauen, geringverdienende Frauen und denen fühlt sich Frau Abels offensichtlich besonders verpflichtet, nicht so, dass sie auch nur einer geringverdienenden Frauen einen Teil ihrer W3-Besoldung abgeben würde, aber doch verbunden genug, als dass sie sie benutzt, um selbst als Gutmensch dazustehen.

Aber all das bisher Gesagte verblasst angesichts des Unsinns, der dann kommt. Es ist dies ein seltenes Dokument der Verirrung, die Verirrung des Genderismus oder des Gender Mainstreamings in der Intersektionalität, aus der es kein Entrinnen mehr gibt. Deshalb zum Genießen in ungekürzer Länge:

Quadratur Kreis“Die zentrale Frage ist nun, wie verhält sich die Kategorie Geschlecht zu ethnischer und sozialer Herkunft, zu Religion und Weltanschauung, zu Behinderung, Alter und sexueller Orientierung – zu den großen unterschiedlichen Diskriminierungstatbeständen? Dazu kommt die rechtliche Frage wie das Verhältnis zu gewichten ist. Das ist ein umstrittenes Thema auch in der Frauen- und Geschlechterforschung, aber auch rechtlich relevant. Gibt es Hierarchieverhältnisse zwischen Diskriminierungstatbeständen? Das ist ein wichtiger Punkt: Die Verschränkung von Diskriminierungstatbeständen stärker in den Blick zu nehmen und zu schauen, was das für politische und rechtliche Strategien bedeutet. … Die Strategien können zueinander auch im Konflikt stehen. Die Frage ist: Ist Geschlecht eine übergeordnete Kategorie und genießt sie einen besonderen Schutz? Wie geht sie mit anderen Kategorien zusammen? Da braucht man sicherlich eine Verfeinerung von Strategien, die aber zugleich vermeiden, Menschen auf bestimmte soziale Kategorien festzuschreiben und eine Form der Essentialisierung von sozialen Kategorien zu betreiben”.

Liebe ScienceFiles-Leser, Sie waren gerade live dabei, wie sich jemand um den Verstand geredet hat.

Offensichtlich geht die Beschäftigung mit Genderismus an manchen nicht spurlos vorbei. Und während sie sich fragen, ob sie als Inhaber eines weiblichen Geschlechts besondere, quasi Führungswesen, besondere Führungswesen sind, da trifft sie die “Verschränkung der Diskriminerungstatbestände” mit voller Wucht. Was ist mit weiblichen Schwarzen, weiblichen Türken, weiblichen alten Türken, weiblichen Arbeiterfrauen aus der dritten Generation eingewanderter Kurden, weiblichen adipösen, transsexuellen Schwulen, die katholisch sind? Muss man Diskriminierungstatbestände addieren, multiplizieren oder zählt z.B. ein Türke weniger als ein weibliches Geschlecht?

Und weil das alles nicht reicht, treibt Frau Abels den Wahnsinn auf die Spitze, kategorisiert wie wild, um dann den Finger zu heben und vor einer Kategorisierung zu warnen, nunmehr Essentialismus genannt. Das Wort, Essentialismus, muss sie irgendwo in sinnentleerter Form mitbekommen haben.

Essentialisten sind reduktionistische Menschen, die denken, eine Kategorie wie Geschlecht definiere eine Person, die denken, von all den Myriaden von Eigenschaften, die Menschen in sich vereinen, sei z.B. das Geschlecht die eine relevante Eigenschaft, die alles in den Schatten stelle, alles durchdringe und alles beherrsche. Aber vermutlich ist die Bedeutung des Begriffs Essentialismus in Tübingen unter den dortigen Politikwissenschaftlern nicht bekannt, nicht Teil der Ausbildung.

GuggenbergerEs gab einmal eine Zeit, da haben sich Politikwissenschaftler mit Machtsstrukturen beschäftigt, untersucht, wie weit es mit der Repräsentation von Wählern in einer Demokratie tatsächlich her ist. Es gab einmal eine Zeit, da haben Politikwissenschaftler auf das demokratische Defizit der EU verwiesen. Heute verweisen angebliche Politikwissenschaftler auf ein Gender Mainstreaming Defizit, weil etwas anderes als Geschlecht in ihrer Ausbildung nicht vorgekommen ist. Und so versinken die Fächer der Sozialwissenschaften im Schlamm der Frauen- und Geschlechterforschung und degenerieren, eines nach dem anderen, zum Panoptikum der eigenen Beschäftigung mit dem eigenen Geschlecht.

Wahl zum Wissenschaftsblog und Unsinn des Jahres 2013

“Der Wissenschaftsblog des Jahres 2013 ist gewählt”, so ist eine eMail überschrieben, die uns vor ein paar Tagen in die Mailbox geflattert ist.

Wir bedanken uns bei all denen, die ScienceFiles unterstützt haben und uns ihre Stimme gegeben haben. Es hat leider nicht gereicht, um erster zu werden, aber, wir haben aus dem Stand und tatsächlich

PLATZ 2

belegt. Deshalb dürfen wir uns jetzt damit schmücken:

Logo_Wissenschaftsblog2013_3D_silber

Wer’s nicht erkennen kann, das ist der Wissenschafts-blog des Jahres 2013 in Silber.

Geschlagen geben mussten wir uns einem blog mit institutioneller Anbindung, nämlich Astrodicticum Simplex, hinter uns gelassen haben wir insgesamt 20 andere Wissenschaftsblogs, und entsprechend kann man nicht anders als stolz sein, angesichts der Tatsache, dass es ScienceFiles erst seit gut zwei Jahren gibt und angesichts der Tatsache, dass wir auf keine institutionelle Infrastruktur zurückgreifen können, sondern alles, vom ersten Buchstaben bis zum letzten Bild, vom Moderieren der Kommentare bis zum Recherchieren der Beiträge selbst machen.

Zufrieden sind wir dennoch nicht, denn wir sind nicht an erster Stelle.

Das hat aber auch etwas Gutes, denn es geht noch weiter nach oben.

Soweit zur Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres 2013.

cut

Nun zur Wahl zum Unsinn des Jahres 2013, zur Wahl, die wir veranstaltet haben.

158 Leser haben sich der Mühsal unterzogen, allen Unsinn, den wir zur Wahl gestellt haben, noch einmal zu lesen.

Und sie hat es wieder nicht geschafft, unsere Ingrid. Das zweite Jahr in Folge ist es ihr nicht gelungen, trotz aller Verweise darauf, was “wir” müssen und was für “uns” gut ist, sich als Unsinn des Jahres durchzusetzen. Nur 3% der abgegebenen Stimmen entfielen auf Ingrid Sehrbrock. Kein Wunder, dass sie für eine Frauenquote eintritt.

Auf den fünften Platz hat es Frank Wehrheim mit seinen Ausführungen zum Diebstahl an der Gemeinschaft geschafft. 6% der Wähler erkannten in ihm den Produzenten des größten Unsinns 2013. Wir lernen: Auch bei der Gemeinschaft ist nichts mehr zu holen.

Der vierte Platz geht an die Abblogger der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich an Sexismus und Rassismus berauschen. Der daraus entstehende Unsinn hat sich offensichtlich abgenutzt, nur 9% sahen darin den Unsinn des Jahres.

Auf das Treppchen haben es dagegen die Mitarbeiter im BMFSFJ geschafft, die in einer Art kollektivem Rauschzustand in Zahlen Dinge hinein oder aus Zahlen Dinge herauszulesen im Stande sind, der die Grenze zwischen Un- und Wahnsinn unscharf werden lässt. 14% der Leser sahen darin den Unsinn des Jahres.

Platz 2 geht an die SPD-Fraktion im Bundestag. Ihre Einsicht, dass die Altersarmut bei Künstlerinnen, die es vielleicht einmal geben wird, mit absoluter Sicherheit mit der Anzahl der von weiblichen Künstlern genutzen Atelierquadratmetern zusammenhängt, hat immerhin 19% der ScienceFiles-Leser, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, davon überzeugt, dass es sich hierbei um den Unsinn des Jahres 2013 handeln muss.

Das lässt nur noch einen Aspiranten auf den Unsinn des Jahres übrig. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, und ihm eine kleine Laudatio halten, d.h. nicht wir wollen sie halten, wir wollen sie halten lassen, von Otfried Preußler, und weil er durch vorzeitiges Ableben verhindert ist, lassen wir seine Kleine Hexe sprechen:

“Wie kamen die beiden Negerlein auf die verschneite Dorfstraße? Und seit wann gab es Türken und Indianer in dieser Gegend? Türken mit roten Mützen und weiten Pluderhosen – und Indianer, die greulich bemalte Gesichter hatten und lange Speere über den Köpfen schwangen?
“Sie werden vom Zirkus sein”, meinte der Rabe Abraxas.
Aber die beiden Negerlein waren nicht vom Zirkus, und ebensowenig die Türken und Indianer. Auch die kleinen Chinesinnen und der Menschenfresser, die Eskimofrauen, der Wüstenscheich und der Hottentottenhäuptling stammten nicht aus der Schaubude. Nein, es war Fastnacht im Dorf. Und weil Fastnacht war, hatten die Kinder am Nachmittag schulfrei bekommen und tollten verkleidet über den Dorfplatz.
Die kleinen Türken warfen Papierschlangen. Der Hottentottenhäuptling brüllte: ‘Uaaah! Uaaah!” Der Menschenfresser schrie “Hungärrr! Hungärrr! Wer will sich fressen lassen?” Die Chinesenmädchen kreischten auf chinesisch, die Eskimofrauen quietschten in der Eskimosprache, und die Cowboys schossen mit Stöpselpistolen in die Luft. Der Schornsteinfeger schwenkte seinen Pappzylinder, der Kasperl haute dem Wüstenscheich mit der Pritsche eins auf den Turban, und der Räuberhauptmann Jaromir schnitt so grimmige Gesichter, dass ihm der angeklebte Schnurrbart nicht halten wollte und immer wieder herunterfiel” (Die Kleine Hexe, Seite 86-87).

Dies ist der Abschnitt, der die Begriffe enthält, über die die Tochter von Mekonnen Meshgena angeblich gestolpert ist, über die sie erschreckt war, als sie von Papa Meshgena vorgelesen wurden. Deshalb hat sich der Papa, der bei der Heinrich Böll Stiftungfür Diversität zuständig ist, aufgemacht, um die Diversität aus der Kleinen Hexe zu verbannen und den Verlag, der die Kleine Hexe verlegt, dazu zu bewegen, die Begriffe Negerlein, Chinesenmädchen und Türken zu streichen.

Der Wüstenscheich ist der Säuberungsaktion scheinbar ebenso entgangen wie der Hottentottenhäuptling und der Räuberhauptmann mit dem einschlägig vorbestraften Vornamen.

49% der ScienceFiles-Leser, die sich an der Wahl beteilgt haben, waren der Ansicht, die Säuberungsaktion von Mekonnen Mesghena sei der Unsinn des Jahres, und wir können uns dem nur anschließen.

P.S. Wir besitzen übrigens ein unzensiertes Exemplar der Kleine Hexe! Gebote werden ab sofort angenommen!

Wahl zum Unsinn des Jahres 2013

Was war der Unsinn des Jahres 2013?

scully facepalmAuch dieses Jahr stellen wir unsere Leser vor die schwierige Aufgabe, den Unsinn des Jahres 2013 zu bestimmen. Schwierig ist die Aufgabe deshalb, weil sich auch im Jahr 2013 die Produktion von Unsinn durch Personen des öffentilchen Lebens einer großen Beliebtheit erfreut hat. Schwierig ist die Aufgabe auch deshalb, weil Unsinn eigentlich nicht gesteigert werden und somit auch nicht in eine Hierarchie gebracht werden kann. Aber, wir haben vollstes Vertrauen auf die sensorischen Reaktionen unserer Leser: Also, welcher Unsinn hat Ihnen die Nackenhaare besonders schnell und steil gestellt? Welcher Unsinn hatte den Tick mehr Hirnkrebs als der Rest des Angebots an Unsinn? Welcher Unsinn hat Sie so richtig schaudern lassen? Der Unsinn, der diese drei Kriterien vor allem anderen Unsinn erfüllt, ist Ihr Unsinn des Jahres.

  • War es die Kleine Hexe, die unter die Neger gefallen ist? Sie erinnern sich: Mekonnen Mesghena, bei der Heinrich-Böll-Stiftung für “Migration und Diversity” zuständig, stolperte über die Begriffe “Negerlein”, “Chinesenmädchen” und “Türken”. Und weil diese Begriffe, wie er angibt, seine Tochter, der er vorgelesen hatte, bevor er über die Begriffe gestolpert ist, verstört haben sollen, hat er einen Brief an den Verlag, in dem Ottfried Preusslers “Kleine Hexe” erscheint, geschrieben und hat sich darin über die “rassistischen und ausschließenden Begriffe” beschwert. Heute sind also Begriffe böse, so böse, dass Sie aus dem Wortschaft verbannt werden müssen. Ist das Ihr Unsinn des Jahres?
  • Oder wie ist es mit dem Wahnsinn, der in Ministerien grassiert und sich in Gender-Atlanten niederschlägt, wahren Werken der Para-Normalität, in denen die Autoren aus harmlosen Zahlen Dinge zu lesen im Stande sind, wie es ein Normalsterblicher ohne den Zugang zu höheren Erkenntnisstufen, wie ihn die Medien in den entsprechenden Ministerien haben, nie könnte. Ist das Ihr Unsinn des Jahres?
  • “Wolle mer se reilosse”?, so fragte Hans-Peter Betz als Sitzungspräsident von Mainz bleibt Mainz alljährlich, um das Publikum auf das vorzubereiten, was ihm bevorsteht. Wir wollen es ihm gleichtun: “Wolle mer se reilosse, unser Ingrid?” Gemeint ist natürlich Ingrid Sehrbrock, die auch in diesem Jahr nicht müde wurde, zu erzählen, was wir brauchen und deshalb von uns gefordert wird. Wer also Ingrid Sehrbrock im zweiten Anlauf zum Unsinns-Produzenten des Jahres 2013 küren will, jetzt ist die Gelegenheit dazu.
  • Wenn es um Unsinn geht, dann will auch Frank Wehrheim, ehemaliger Steuerfahnder für die hessische Landesfinanzverwaltung, und damit ausgewiesen in der Kunst, normalen Bürgern nachzustellen, nicht zurückstehen. Dazu ist er eigens vom Steuerfahnder zum moralisch durchdrungenen (Durchdringen ist ohne das Hinterlassen irgendwelcher Rückstände möglich) Kriminologen  mutiert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, des Vorenthaltens von Steuern Verdächtigte noch vor ihrer Verurteilung des “Diebstahls an der Gemeinschaft” zu beschuldigen. Wer der Ansicht ist, die Schädigung des deutschen Ansehens in der rationalen Welt durch die Schaffung kollektiver Besitztümer, zu denen seltsamer Weise nur ein paar Ausgesuchte Zugang zu haben scheinen, sei der Unsinn des Jahres, der muss seine Stimme Frank Wehrheim geben.
  • Nicht aus dem Irrenhaus, sondern aus einem Antrag der SPD-Fraktion im Bundestag stammt die Erkenntnis, dass man Künstlerinnen mit Künstlern gleichstellen müsse, weil letztere größere Ateliers hätten als erstere. Nicht nur haben die Genossen von der SPD den unglaublichen Umstand offengelegt, dass fiese, vermutlich männliche Vermieter schöner und großzügiger Ateliers nicht an Frauen vermieten oder gar verkaufen wollen, nein, die Genossen können auch in die Zukunft sehen, und was sie sehen ist Altersarmut – für Künstlerinnen versteht sich. Und all das auf der Basis von Quadratmetern! Erstaunlicher Unsinn, und wer denkt, das ist der Unsinn des Jahres, der muss der SPD-Franktion in der deutschen Bundestagsanstalt seine Stimme geben.
  • So richtig “abgeblogged” haben sich die Mitglieder einer Sekte, die wiederum bei der Friedrich Ebert Stiftung in der Hiroshima Straße in Berlin geistiges Asyl erhalten hat, über den Umstand, dass es einen #Aufschrei, aber keinen #AufschreiüberRassismus gibt. Und weil sie so richtig in Fahrt waren, in der Hiroshima Straße, haben sie ganz deutlich gemacht, dass Anti-Rassisten so richtig rassistisch sind und, schlimmer noch, sie haben Selbsterkenntnisse wie die folgende produziert: “Dabei handeln wir alle rassistisch, ich handle auch in vielen Situationen rassistisch, so funktioniert unser Gehirn, es vereinfacht und produziert Stereotypen. Wir müssen nur bereit sein, das zu sehen und uns weiter zu entwickeln”. Wer denkt, dieser generalisierende und absurde Unsinn sei der Unsinn des Jahres, der muss die Friedrich-Ebert-Sekte mit seiner Stimme beglücken.

elephant-tree-nestDamit haben wir die sechs Aspiranten, die unsere vorausgewählte Grundgesamtheit des 2013 so geäußerten Unsinns darstellen, zusammen.

Nun sind Sie an der Reihe!

Wer hat den Unsinn des Jahres 2013 zu verantworten? Wer soll von ScienceFiles als Produzent des Unsinns des Jahres 2013 ausgezeichnet werden?

Die Abstimmung läuft ab sofort, und sie läuft bis zum 6. Januar, wenn diese drei weißen, nein waisen, nein weisen, also zwei weiße und ein Neger und alle drei sind weise, also klug auf Kamelen aus dem Morgenland kommen, sofern sie an Lampedusa vorbei und durch den Zoll kommen, um Weihrauch, Myrrhe, Gold und in diesem Jahr auch die Auszeichnung: Unsinns-Produzent des Jahres 2013 zu bringen.

Unsinn der Woche: Ein Student names Kilian Krumm

Ja, der Name ist echt, und der Herr Krumm ist ein bekennender Juso (war ich auch mal, bevor bei mir der Verstand eingesetzt hat),  nicht nur das, er ist aktives Mitglied der Juso-HSG an der Trierer Universität und ein aktiver Diskutant auf Facebook, wo derzeit auf  unterschiedlichen Seiten über Thesen und Themen von ScienceFiles diskutiert wird.

FB_discIm konkreten Fall geht es um den Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach: Warum man als Frau gegen eine Frauenquote sein muss. Und der Kilian findet sich unter denen, die diskutieren, nein, nicht diskutieren, sondern kommentieren und weil dem so ist, will ich dem Herrn Kilian ein wenig Breitenwirkung geben. Als Juso, der seine Zukunft wohl in der Politik sieht und der sein Wissen aus Wahlkämpfen bezieht (wie er sagt), hat er sicher ein großes Interesse an Publizität.

Ich gebe zu, dass mich sein selbstherrlicher Diskussionsstil, der von keinerlei Argument oder empirischem Beleg getrübt wird, erst erheitert und dann geärgert und dazu bewogen hat, mich mit ihm zu befassen: Immerhin will der Herr einen Abschluss an einer Universität erlangen, einen akademischen Grad erreichen. Entsprechend sollte man ein gewisses intellektuelles Niveau voraussetzen können. Da Letzteres nicht vorhanden ist und ich heute sowieso nicht sonderlich gut gelaunt bin, will ich dem Herrn Krumm ein wenig Nachhilfe in Sachen Argumentation und Logik geben – interaktive Nachhilfe, wenn man so will, anhand seiner eigenen Kommentare.

Man kann das Folgende als psychologische Obduktion geistiger Wirrniss ansehen, wobei es mir vor allem um die Struktur der Äußerungen und die psychologische Befindlichkeit dahinter geht. Morgen gibt es dann eine neue sozialpsychologische Studie, die eine Antwort auf die Frage gibt, wer, warum politischer Aktivist oder Extremist wird.

Los geht’s

Kilian KrummKilian Krumm: “Das Institut der Wirtschaft hat halt auch seine eigene Agenda. Ich kennen da auch andere Zahlen…”

Sie wissen nicht, worauf sich dieser Einwurf bezieht? Ich auch nicht. Aber es geht Herrn Kilian auch nicht darum, eine Antwort zu geben, sondern zu diskreditieren, in diesem Fall das “Institut der Wirtschaft”, das eine “Agenda” hat, was meint, dass es Zahlen fälscht. Das würde sich Kilian Krumm natürlich nie zu sagen trauen, deshalb belässt er es bei der “Agenda”, gefolgt von dem Einwurf, dass er “auch andere Zahlen” kennt. Und wenn er andere Zahlen kennt, und er natürlich keine Agenda bestenfalls eine Agenda 21 hat, müssen seine Zahlen richtig sein, die vom “Institut der Wirtschaft” falsch.

Erste Lektion Herr Krumm: Wissenschaft ist empirisch. Deshalb ist es notwendig, die eigenen Behauptungen zu belegen. Wenn das “Institut der Wirtschaft”, gemeint ist vermutlich das Institut der deutschen Wirtschaft, angeblich eine Agenda hat, dann muss man diese Agenda darlegen und belegen. Und wenn die eigenen Zahlen dann von anderen Zahlen abweichen, dann muss man zum einen die eigenen Zahlen angeben (und nicht nur vortäuschen, man hätte andere Zahlen) und man muss die eigenen gegen die anderen Zahlen und wieder an der Empirie prüfen. Methodenkurs: erstes und zweites Semester.

Kilian Krumm. “Größtes Problem ist die soziale Kluft zwischen einer kleinen Gruppe, die viel hat und vielen die wenig haben. Daran formieren sich viele weitere Benachteiligungen und Verteilungskämpfe. Das Kernproblem ist auch unumstritten, die Frage ist nur wie Mensch es lösen möchte”.

Eine soziale Kluft kann nicht mit materiellen Dingen begründet werden, denn damit wird die soziale Kluft zur materiellen Kluft: Soziales und materielles sind nicht identisch. Entsprechend kann sich an einer sozialen Kluft, keine Benachteiligung und auch kein Verteilungskampf “formieren”, überhaupt kann sich nichts an etwas formieren, bestenfalls kann etwas ein Auslöser für etwas anderes sein. Hier hapert es noch etwas mit der Beherrschung der deutschen Sprache. Versuchen Sie es mit “Daraus ergeben sich …”, Herr Krumm.

Disney_robin HoodAnsonsten haben wir es hier, wie es sich für einen Juso gehört, mit einer unbegründeten Verschwörungstheorie zu tun, die die bösen Bonzen, die man heute als “kleine Gruppe, die viel hat” umschreibt und die vielen, die wenig haben, miteinander kontrastiert. Astreines Ideologendeutsch, das dazu dient, sich selbst zum Robin Hood der Vielen zu stilisieren, der sich heutzutage unter Ausschluss persönlicher Gefahr hinter seinem Ikon auf Facebook verschanzt und daherkommenden Kommentaren, die der eigenen ideologischen Überzeugung nicht entsprechen, auflauert, ein verbaler Hinterhalt, quasi.

Besonders putzig ist der Versuch, die eigene Behauptung mit dem Verweis, dass das Kernproblem unbestritten ist, gegen Kritik oder Hinterfragen abzusichern. Das mag unter Jusos klappen, in der wissenschaftlichen Welt ist das ein Rohrkrepierer, denn hier kann man nur mit empirischen Belegen überzeugen. Aber nebenbei haben wir hier ein Beispiel dafür, warum Facebook und Twitter unter Politikern und solchen die es werden wollen, immer beliebter wird: Man kann ein paar Sätze unters Volk werfen und hoffen, dass niemand nach einer Begründung fragt, eine Hoffnung, die leider allzu häufig aufgeht.

Kilian Krumm: “Die 23% kenn ich nur aus dem Wahlkampf und war meines Wissens ein partikularer Wert aus einer Branche gewesen und keine absolute Zahl. Da sind wir glaub d’accord. Wahlkampf Kommunikation ist halt (leider) keine Wissenschaft. Nehmen wir mal deine 8% unbereinigt, wären bei einem fiktiven brutto Lohn einer Akademikerin von 3500€ 280€ monatlich weniger, im Jahr 3360€. Rechne dir das mal auf ne Lebensarbeitsleistung hoch… Und der Wert ist ja jetzt nur rausgegriffen. Du müsstest das übers ganze Lohngefüge berechnen…”

23% lassen aufhorchen, es geht um das vermeintliche Gender Pay Gap, das unter Ideologen hoch im Kurs steht und in der Realität nicht vorkommt. 23% entsprechen dem, was das Statistische Bundesamt lange als unbereinigtes Gender Pay Gap bezeichnet hat, bereinigt wurden daraus die 8%, die Herr Krumm nun und nicht aus dem Wahlkampf kennt und die er als unbereinigt ansieht. Nun, das Statistische Bundesamt ist fälschlicher Weise wie wir gezeigt haben, der Ansicht, die 8% seien das bereinigte Gender Pay Gap, nach Abzug von Unterschieden zwischen Frauen und Männern in Arbeitszeit, Berufserfahrung usw. allerdings unter Auslassung von Überstunden, bei deren Berücksichtigung, wie wir gezeigt haben, das Gender Pay Gap schlicht verschwindet und sich als das Hirngespinst erweist, das es nun einmal ist.

Hirngespinst hin oder her, Kilian Krumm mag die 8% und ist für Gerechtigkeit unterwegs. 8% ersponnene Ungerechtigkeit, die es zwar nicht gibt, die man aber trefflich instrumentalisieren kann, abermals um die eigene moralische Überlegenheit zu zeigen und zu mahnen, andere natürlich und davor, was für Folgen das Gender Pay Gap für das Leben nicht bekannter Dritter hat. Rührend, nur leider keinerlei Wissenschaft und eines Studenten unwürdig.

Kilian Krumm: “Das viele “Frauen” sich bewusst für oder gegen was “entscheiden” könnte nicht rein zufällig auch mit den vorherrschenden Strukturen und die dadurch greifende Sozialisation einhergehen, oder? Im sollten glaub ich bei der Deutung wer unterdückt wird, nicht männlich sozialisierte Personen die Deutungshoheit haben – eigentlich logisch, oder?”

Und hier finden wir dann den sozialistischen Patriarchen, wenn ich dieses nette Wort einmal benutzen darf, in Reinkultur: “entscheiden” können für ihn Frauen nämlich nur in Hochkommata und natürlich nicht wirklich, denn Frauen sind Deppen, die von den vorherrschendnen Strukturen und ihrer Sozialisation vollständig determiniert sind und so gegängelt werden, dass daraus Unterdrückung wird. Und natürlich haben männliche Personen wie Krumm Deutungshoheit, beanspruchen sie jedenfalls, und zwar für sich, in diesem Fall. Das ist abermals rührend, aber, Herr Krumm, logisch ist es nicht.

Logik fuer DummiesLogik ist eine formale Methode des Schließens, die es als Aussagen- und als Prädikatenlogik gibt. Bleiben wir bei ersterer, dann können wir prüfen, ob ihre Aussage logisch ist. Explanandum (oder mehr traditionell: Konklusion) ist: Frauen können sich nicht bewusst für oder gegen etwas entscheiden. Nun benötigen wir noch ein Explanans, das der Einfachheit halber aus einem allgemeinen und einem speziellen Satz oder anders formuliert aus einem Gesetz und einer Randbedingung bestehen soll. Vorherrschende Strukturen und Sozialisation führen dazu, dass Frauen sich nicht bewusst für oder gegen etwas entscheiden können, behauptet Herr Krumm. und das wollen wir als Randbedingung (oder Antezedenz) durchgehen lassen. Die vorherrschenden Strukturen und die Sozialisation sind durch die Deutungshoheit, die natürlich männliche Personen haben, determiniert. Das wollen wir auch als Randbedingung (oder Antezedenz) durchgehen lassen, und da wir nunmehr im Mittelterm zweimal vorherrschende Strukturen und Sozialisation haben, können wir beides kürzen und durch “männliche Deutungshoheit” ersetzen.

Was dazu führt, dass wir den Inhalt der Aussage von Herrn Krumm auf: Deutungshoheit männlicher Personen führt dazu, dass Frauen nicht bewusst entscheiden können, reduzieren können. Dies ist eine gewagte These, und eben nur eine These. Es ist kein logischer Schluss und insofern Ausgangspunkt einer logischen Analyse, nicht Endpunkt. Nunmehr wäre zu zeigen, warum und wie es männlichen Personen gelingt, Frauen ihre Selbstbestimmung zu nehmen, was ziemlich schwierig sein dürfte, und ich wage einmal die Prognose, dass ein direktes Zusammentreffen zwischen Dr. habil. Heike Diefenbach und Kilian Krumm eine Ohrfeige für Letzteren zur Folge hätte, und somit in der wirklichen Welt, einen Beleg dafür, dass weibliche Menschen zu willentlichen Entscheidungen fähig sind, ganz ohne männliche Deutungshoheit.

Ich empfehle Herrn Krumm, bevor er sich das nächste Mal öffentlich äußert, dass er sich nicht nur darüber kundig macht, wie man argumentiert, wie man Belege für Behauptungen bringt und präsentiert, sondern auch darüber, was Logik ist und darüber, wie man vermeidet, logische Fehler zu begehen.

Und die Essenz der Fallstudie:

scully facepalmEs ist immer wieder erstaunlich, wie nachweislich ahnungslose Personen sich in einer Dreistigkeit in Diskussionen einmischen und dort versuchen, durch Be- oder Abwertungen von in der Regel Personen oder Institutionen (Gebildete nennen das einen Fehlschluss ad hominem, Eingebildete denken, sie seien “strategisch”) eine Meinung zu Ihren Gunsten zu beeinflussen. Sobald Widerstand gegen derart plumpe Versuche der Meinungsmanipulation aufkeimt, werden die Widerständler mit dem beliebten Mittel der Ausgrenzung traktiert, was derzeit vor allem bedeutet, unliebsame Diskutanten oder “solche Personen” in die rechte Ecke abzuschieben, denn für Linke ist rechts ein Synonym für böse und böse ist schlecht und, ja, mehr wissen sie auch nicht. Dass derartig primitive Strategien zuweilen erfolgreich sind, bei Unbedarften auf keinen Widerstand stoßen, ist schließlich das, was mich am meisten ärgert und an dem, was man formale Bildung nennt, massiv zweifeln lässt.

Und was das Ganze Pallaver des Herr Krumm mit dem Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach zu tun hat, das weiß nur er allein.

Der Unsinn zum Wochenende

Wir wollen unsere Leser nicht ins Wochenende entlassen, ohne den neuesten Unsinn von der Front der politisch korrekten Gutmenschen zu berichten. Das im Folgenden präsentierte Fundstück stammt von der Philipps Universität Marburg. Es ist eine Ausschreibung für eine W2 Professur in politischer Soziologie und, nein, dieses Mal hat es nichts, jedenfalls nicht direkt, mit Männerdiskriminierung durch das Professorinnenprogramm zu tun.

Wir sind nämlich bereits einen Schritt weiter:

Philipps Uni Marburg

Hier noch einmal zum Genießen:

“Wir fördern Frauen und fordern sie deshalb ausdrücklich zur Bewerbung auf. Bewerberinnen und Bewerber mit Kindern sind willkommen – die Philipps-Universität bekennt sich zum Ziel der familiengerechten Hochschule. Bewerberinnen/Bewerber mit Behinderungen im Sinne des SGB IX (§ 2, Abs. 2, 3) werden bei gleicher Eignung bevorzugt”.

In Marburg wird das Berufen auf Professuren also nicht leichter. Wir haben bereits eine Matrix mit 2 hoch 3 also: 8 Feldern, nämlich:

  • männliche oder weibliche Bewerber,
  • Bewerber mit und ohne Kinder,
  • Bewerber mit und ohne Behinderung.

Ergibt:

UniMarburgEbaum

Die Hauptschwierigkeit wird vermutlich darin bestehen, den Status eines behinderten männlichen Bewerbers ohne Kinder im Verhältnis zu einem weiblichen Bewerber mit Kindern, aber ohne sonstige Behinderung zu bestimmen, oder den Status eines männlichen Bewerbers mit Behinderung gegenüber einem weiblichen Bewerber ohne alles. Die Berufungskommission ist um ihre Aufgabe nicht zu beneiden.

Es sei ihr deshalb angeraten, eine Priorisierung z.B. mit AHP (Analytical Hierarchy Process) vorzunehmen, um auf diese Weise die Entscheidung zu vereinfachen. Die Priorisierung könnte dabei wie folgt aussehen:

UniMarburghierarchy

Aber natürlich stellen sich die Probleme nur bei “gleicher Eignung”. Wer jedoch schon einmal die Arbeit einer Berufungskommission aus der Nähe beobachten konnte, dem werden angesichts dieser Floskel vermutlich vor Lachen Tränen in die Augen steigen, angesichts des Gschacheres und der Ränkespiele, die eine Berufung an Universitäten in aller Regel begleiten.

Wir haben bislang jedoch der Tatsache, dass neuerdings schon Kinderbesitz als Auswahlkriterium für eine Berufung auf eine W2 Professur gilt, nicht aussreichend Rechnung getragen. Wir wollen dies dadurch nachholen, dass wir zu bedenken geben, dass Kinderbesitzer Vertreter eines bestimmten Lebensstils sind, den man nicht unbedingt anderen Lebensstilen, z.B. dem von Katzen- und Hundebesitzern, von Numismatikern und Philatelisten, von Misantropen und Menschenscheuen, von begeisterten Joggern und Radfahrern vorziehen kann, wobei alle Lebensstile nicht ausschließlich sind. Aber im Zuge einer politischen Korrektheit, die niemanden mit seinem je spezifischen Lebensstil diskriminiern will, kann man sich schon die nächste Ausschreibung von der Philipps Universität in Marburg lebhaft vorstellen:

Wir fördern Frauen, Personen mit Migrationshintergrund, Süchtige und Behinderte, sowie alle Menschen, die nicht als normal durchgehen. Bewerber mit Kindern, Hunden, Katzen, Goldfischen, vielen Verwandten und Bekannten, Opa, Onkel, Tante und Urgroßmutter, mit weniger als 100 Facebook-Friends oder solche, die auf Twitter von mehr als 10 Nutzern blockiert werdn, werden bei gleicher Eignung natürlich bevorzugt.

Für diese Woche steht der Pokal für den Unsinn der Woche an der Philipps Universität in Marburg!

Unsinn der Woche: “Rassismus und Sexismus abbloggen”

Ich gebe mich geschlagen! Nach dem ersten Hinweis auf das neueste Beispiel für den pfleglichen Umgang mit den ihnen anvertrauten Steuermitteln, das die Friedrich-Ebert-Stiftung gerade wieder geliefert hat, nämlich die Veranstaltung “Rassismus und Sexismus abbloggen” in der Hiroshima Straße (irgendwie zieht der Name Hiroshima offensichtlich Katastrophen an…), haben wir gedacht: “Nein! Dazu machen wir nichts. Nach dem zweiten Hinweis war unser Entschluss, diesen Unsinn nicht auf ScienceFiles zu besprechen, immer noch fest. Nach dem dritten Hinweis haben wir gedacht, vielleicht, aber nein, das ist uns zu blöd … Und nun, laufende Zählung: 12 habt Ihr mich geschafft. Der Unsinn der Woche lautet: “Rassismus und Sexismus abbloggen”.

scully facepalmAm 2. September hat sich auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung (früher habe ich gedacht, Friedrich Ebert bekommt, was er verdient, heute habe ich Mitleid mit ihm). eine mir nicht näher bekannte Anzahl von Menschen in der Hiroshima Straße Nr. 17 in Berlin versammelt (in Haus 1), um so interessanten Vorträgen wie: “Auslöser, Verlauf und mediale Verhandlung der (Anti-)Rassismus-Debatte in Deutschland” von Jamie Schearer aus dem Beirat der Initiative “Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V” oder einer Podiumsdiskussion zu lauschen, in deren Verlauf sich Kübra Gümüsay, Annett Meiritz, Sabine Mohamed oder Niklas Hofmann darüber ausgetauscht haben, warum dem #Aufschrei über vemeintlichen Sexismus kein #Nachschrei (mein Hash-tag) über vermeintlichen Rassismus gefolgt ist.

Ich bin der Taz insofern zu Dank verpflichtet als sie einen Teil des Unsinns, der auf dieser “Veranstaltung” offensichtlich ausgetauscht wurde, verewigt und der normalen Welt zugänglich gemacht hat. Ich schreibe normale Welt, weil ich es satt habe so zu tun, als sei das, was diese Gender- und was auch immer AktivistInnen da treiben, in irgend einen Rahmen des Normalen einzuordnen. Derartige Treffen, wie das von der Friedrich-Ebert-Stiftung auf Kosten der Steuerzahler organisierte, dienen einzig und allein dazu, einer Reihe von deprivierten Gestalten, die beschlossen haben, dass (ihr) Geschlecht das wichtigste ist, was es auf der Welt gibt, zu zeigen, dass sie mit ihren absurden Ideen nicht alleine sind, dass es vielmehr eine Sekte der Geschlechts-Gläubigen gibt, die sich zuweilen einfinden um sich gegenseitig von der Richtigkeit ihrer Mission und der Wichtigkeit der Bekehrung von Nichtgläubigen zu überzeugen. Warum die Scientology Church unter Beobachtung steht, die Teilnehmner am Treffen, das die FES organisiert hat, jedoch nicht, ist mir nicht nachvollziehbar. Aber gut. Wenden wir uns dem zu, was ausgetauscht wurde.

Rassismus und Sexismus abbloggenThema war, wie erwähnt, Sexismus und Rassismus und insbesondere der #Aufschrei gegen Sexismus und der nicht vorhandene #Nachschrei gegen Rassismus, wie er z.B. in Kinderbüchern in Form des Wortes “Neger” zu finden ist. Neger ist nämlich ein rassistisches Wort, wer es noch nicht wusste, der weiß es jetzt, und Ernst Neger ist der größte Rassist aller Zeiten. Und weil Neger ein rassistisches Wort ist, muss es aus den Kinderbüchern gestrichen und z.B. durch N-Wort ersetzt werden. Aber, Oh Schreck, da gibt es doch tatsächlich Menschen in Deutschland, die die Beseitigung von Neger und Ersetzung mit N-Wort oder gar ersatzlose Streichung als Zensur ablehnen – die denken, dass eine Clique selbsternannter Wächter über das Gute und Reine, wie die Sekte, die sich in der Hiroshima Straße getroffen hat, darüber bestimmen will, was richtig und gut ist, gehe ja wohl nicht an, sei eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und entsprechend nicht hinzunehmen.

Derartiges Beharren von Nicht-Sektenmitgliedern darauf, sich eine eigene Meinung zu bilden und für sich entscheiden zu wollen, was sie richtig und gut finden, traf bei den Teilnehmern der FES-Kongregation auf wenig Verständnis. So stellte die/der oben erwähnte Jamie Schearer fest, dass Kinderliteratur ja wohl für alle Kinder da sei, weiße wie schwarze. Und weil dem so ist, so führe ich weiter, muss alles, was die selbsternannten Fürsprecher schwarzer Kinder nicht mögen, aus der Kinderliteratur nicht nur für schwarze, sondern auch für weiße Kinder gestrichen werden. Das ist doch klar!

Aber was passiert in Deutschland. Es gibt einen, wie es in der Taz heißt “rassistischen Diskur”. Da will doch tatsächlich jemand darüber mitreden, was ihm vorgegeben werden soll, anstatt zu glauben und zu akzeptiere, was ihm die Sekte der Gender- und Rassereinheit diktiert. Und wer ist das? Nun, Jamie Schearer im O-Ton der Taz und in Caps-Lock zum Genießen:

“EINEN GRUND FÜR DEN RASSISTISCHEN DISKUR SAHEN DIE DISKUTANTINNEN IN DER ZUSAMMENSETZUNG DEUTSCHER REDAKTIONEN. WEIßE MITTELALTE HETEROMÄNNER GEBEN DEN TON AN.”

Ist das nun Rassismus (weiße Männer) oder Sexismus (Hetero-Männer), dem hier krasser Ausdruck verliehen wird? Es ist Rassismus und Sexismus, denn:

Rassismus ist: “… an antipathy based upon a faulty and inflexible generalization. It may be felt or expressed. It may be directed towards a group as a whole or towards an individual because he is a member of that group” (Allport, 1954, S.9).

Und Sexismus ist schlicht Rassimus, dessen Gegenstand nicht Rasse, sondern Geschlecht ist, also eine Abneigung, die auf einer falschen und unflexiblen Generalisierung auf Grundlage von Geschlecht basiert. Entsprechend empfehle ich Jamie Schearer und den Diskutantinnen erst einmal den eigenen Sexismus und Rassismus zu bekämpfen, bevor sie oder er sich wieder in die Öffentlichkeit trauen, um dort andere bekehren zu wollen.

GladwellUnd weil das noch nicht reicht, hat sich die Kongregation in der Hiroshima Straße, die bei der SPD politisches Asyl genießt, gleich noch Gedanken darüber gemacht, warum ein Unsinn wie #Aufschrei durch Twitter gehen konnte (es gibt eine Reihe von sozialpsychologischen Erklärungen dafür, aber ich empfehle einfach einmal die Lektüre von “The Tipping Point”, ein zugegebener Maßen ökonomisches Buch von Malcolm Gladwell), während es etwas Vergleichbares für Rassismus nicht gibt.

In diesem Zusammenhang hat die “Journalistin mit Kopftuch” “Kübra Gümüsay” den folgenden Unsinn zu Protokoll gegeben:

“Dabei handeln wir alle rassistisch, ich handle auch in vielen Situationen rassistisch, so funktioniert unser Gehirn, es vereinfacht und produziert Stereotypen. Wir müssen nur bereit sein, das zu sehen und uns weiter zu entwickeln”.

Psychologie for dummesAnstelle des U-Wortes, würde ich jetzt gerne das BS-Wort schreiben, aber wir sind ein zumeist deutschsprachiges blog. Ich weiß nicht, wie oder ob das Gehirn von Kübra Gümüsay funktioniert, aber ich weiß, dass sich Generationen von Sozialpsychologen bemüht haben, den Unterschied zwischen einem Stereotyp und einem Vorurteil deutlich zu machen. Ich will es so kurz wie möglich machen, damit es auch die verstehen, die Probleme haben, mehr als vier Sätzen zu folgen: (Satz 1) Ein Stereotyp ist ein kognitiver Shortcut, der notwendig ist, um Entscheidungen schnell zu treffen. (Satz 2) EIn Stereotyp ist eine Vereinfachung aufgrund von direkter oder indirekter Erfahrung. (Satz 3) Ein Stereotyp wird dann geändert, wenn es sich als falsch erwiesen hat. (Satz 4) Ein Vorurteil ist eine bewertete Generalisierung, die nicht aufgrund von empirischen Informationen, sondern aufgrund von Empfindung und Affekt gebildet wurde und entsprechend kaum verändert werden kann.

Wenn also Frau/Herr Schearer der Ansicht ist, dass weiße mittelalte Heteromänner in deutschen Redaktionen den Ton angeben, dann ist das ebenso ein Vorurteil, wie das Glaubenscredo der Genderisten, nachdem alle Welt in der selben Weise wie sie selbst auf Geschlechtsteile fixiert ist. Wären Schearer oder Genderisten mit einem Stereotyp unterwegs, sie hätten zwischenzeitlich gemerkt, dass ihr Glaubenscredo falsch ist und sich entsprechend beschämt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dass sie ihren Unsinn nach wie vor öffentlich predigen spricht eine deutliche Sprache und zeigt, wie stark die affektive Bindung an den eigenen Glauben doch ist.

Unsinn der Woche: Lustiges Rechtsanspruchfordern mit der GEW

Manche Pressemeldungen muss man mindestens zweimal lesen, und zwar um sich davon zu vergewissern, dass man nicht träumt. Eine dieser besser zweimal lesen Pressemeldungen hat die GEW bereits am 11. Juli veröffentlicht. Es hat, wie man sieht, etwas gedauert, bis ich die Pressemeldung verdaut habe.

GEW fordert: “Rechtsanspruch” auf gute Pädagogik

GEwWarum der Rechtsanspruch in Anführungszeichen steht, weiß ich nicht, vielleicht liegt das daran, dass Hochkommata derzeit keinen Rechtsanspruch auf richtige Benutzung haben. Egal. Der “Rechtsanspruch” wird also für gute, ich wiederhole: gute Pädagogik gefordert. Ja, lassen wir das erst einmal wirken….

Im weiteren Verlauf des Textes stellt sich dann heraus, dass Norbert Hocke, GEW-Vorstandsmitglied (hat der GEW-Vorstand eigentlich einen Rechtsanspruch auf intelligente Mitlieder?), also Norbert Hocke hat gefordert, dass der Ausbau von “Kitas” zwar vorangetrieben wird, aber dass keine “Billigangebote und Hilfskräfte statt pädagogischem Fachpersonal” eingestellt werden. Wo stellt man eigentlich Billigangebote ein? Und warum gibt es keinen Rechtsanspruch auf Billigangebote? Aldi für alle?

Hat der Rechtsanspruch auf “gute Pädagogik” mittlerweile auf Sie gewirkt? Dann haben Sie jetzt gleich den nächsten Brocken zu verdauen, denn “gute Pädagogik” ist bei Herrn Hocke gleichbedeutend mit “pädagogischem Fachpersonal”. Also wenn X durch eine “gute pädagogische” Ausbildung gegangen ist und die “gute pädagogische” Ausbildung mit einem Abschluss beendet hat, dann ist gesichert, dass X “gute Pädagogik” leisten kann. Ein Rechtsanspruch auf gute Pädagogik ist demnach und nach Ansicht von Herrn Hocke umgesetzt, wenn pädagogisches Fachpersonal eingestellt ist.

Leider ist die Welt garstig zu Herrn Hocke und zuweilen schleichen sich schlechte Pädagogen in “gute” Ausbildungsgänge ein, um dort einen Abschluss zu machen und dennoch schlechte Pädagogen zu bleiben. Zuweilen sind “gute” Pädagogen im Sinne von Herrn Hocke auch bestenfalls mittelmäßige Pädagogen gemessen am normalen Standards pädagogischer Kunst, also z.B. an der Qualität der Vermittlung von Lernstoff oder Betreuung, die sie zu erreichen bzw. zu geben im Stande sind.

Kurz: Die standardisierte Welt, die Herr Hocke sich erträumt, die gibt es leider nicht. So lange keine Automaten erfunden werden, die auf Knopfdruck in gleicher monotoner Stimmlage denselben pädagogisch wertvollen Inhalt im pädagogisch richtigen Tempo, mit der pädagogisch richtigen Intonierung und zur pädagogisch richtigen Uhrzeit an gleichermaßen aufnahmebereite Schülerautomaten oder “Kita”-Bevölkerungen vermitteln, bleibt die Phantasie von Herrn Hocke Phantasie, manche werden auch sagen, Dystopie oder Wahnvorstellung.

Wir wollen das schöne Wetter und die gute Laune, die uns trotz der Phantasmagoria von Herrn Hocke nicht abhanden gekommen ist, nutzen und die Anregung der GEW bzw. des GEW-Vorstandes Hocke aufnehmen und unsere Leser zum lustigen Rechtsanspruch fordern, aufrufen.

Wie üblich, machen wir den Anfang und fordern:

  • Einen Rechtsanspruch auf keine Belästigung durch sprachlichen Unsinn.
  • Ein Rechtsanspruch auf zumindest normalgebildete Funktionäre.
  • Einen Rechtsanspruch auf einen Porsche für alle.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” (im Sinne von qualitätvoll) Gewerkschaftsfunktionäre.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Wetter.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Essen.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” Laune.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” Noten
  • Einen Rechtsanspruch auf “gute” Sprachkenntnisse.
  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Benehmen.

Umzusetzen ist der entsprechende Rechtsanspruch in jedem Fall durch die Einstellung von geeignetem Fachpersonal! Auch: Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Durchsetzung von Rechtsansprüchen.

Daher fordern wir auch:

  • Einen Rechtsanspruch auf “gutes” Fachpersonal.
  • Und natürlich einen Rechtsanspruch auf “gute” Ausbilder “guten” Fachpersonals.
  • Und einen Rechtsanspruch auf “gute” Zusammenarbeit.

Und natürlich wünschen wir allen unseren Lesern einen Rechtsanspruch auf alles “Gute” und alles Gute für die Durchsetzung des Rechtsanspruchs – und jetzt brauchen wir eine Pause von all den guten Dingen.

P.S.
Als ich gerade den post verlinken wollte, bin ich über das hier gestolpert:

scully facepalmGEW: Weckruf des Wissenschastrates muss Gehör finden. Manchmal kommt es wirklich dick. Man versuche, diesen logischen Unsinn zu entwirren: Ein Weckruf der keiner ist, sonst hätte er Gehör gefunden, muss aber dennoch Gehör finden, obwohl er bei seiner Aufgabe, andere zu wecken, bereits versagt hat: Bei der GEW scheinen der Formulierung von Unsinn keine Grenzen gesetzt zu sein. Das bringt mich dazu, einen Rechtsanspruch auf Logik und Rationalität und natürlich auf Verstand zu fordern.

P.P.S.

Es ist ein beredtes Zeugnis einer infantilen Gesellschaft, dass Funktionäre in öffentlichen Positionen nichts dabei finden, in Kindersprache zu sprechen und offensichtlich vergessen haben, dass es ein ausgewachsenes Wort für das vor-pubertäre Wort “Kita” gibt.

Unsinn der Woche: Michael Sommers Verständnis für Schwule

scully facepalmEs ist “in” Verständnis für alles und alle Mögliche(n) zu haben, für Terroristen, für Wistleblower, für Hartz IV Empfänger, für Kriminelle, für Dicke, nein, nicht für Dicke, aber für Personen mit Störungen aller Art, für Unterschichtler, solange sie da bleiben, wo sie hingehören, in der Unterschicht, für Unfallverursacher und ihre Opfer, für radikale Linke und extreme Rechte, nein, für die auch nicht, jedenfalls ist die Liste derjenigen, für die man Verständnis haben soll/muss/kann lang, und sie umfasst alle(s), was aus Sicht der Mehrheitskultur, zwar abweicht, aber nicht so weit abweicht, als dass es/sie nicht durch Verständnis inkorporiert werden könnte.

Wir erleben das bei Homosexuellen, die eine Karriere von der Kriminalisierung über Randständigkeit, wie dies Kriminologen noch in den 1970er Jahren genannt haben, bis zur System-Normalität durchlebt haben, System-Normalität, weil Homosexuelle durch die Institutionalisierung ihrer Lebensweise mittlerweile nur noch Normale mit abweichendem Geschmack sind, sie heiraten, haben Kinder, lassen sich scheiden, fast wie im richtigen Leben. Dennoch bleiben Homosexuelle oder Schwule eine Gruppe, die für sich eine a-Normalität reklamiert und das trotz aller Normalität ihres Lebensentwurfes. Und weil dem so ist, haben andere Verständnis für Schwule. Andere, wie z.B. der Chef des DGB Michael Sommer.

Michael SommerEr hat gerade die “Alltagsdiskriminierung” von Homosexuellen kritisiert. Sie kennen doch die Alltagsdiskriminierung von Homosexuellen – oder? Das “Naserümpfen über Menschen die anders sind”? In jedem Fall kennt es Michael Sommer, ob aus eigener Anschauung oder eigener Tätigkeit spielt jetzt keine Rolle, denn wir wollen uns gemeinsam über das Naserümpfen über Homosexuelle und Menschen, die anders sind, aufregen. Denn, dass sie anders sind, das steht für Sommer fest, aber deshalb darf man dennoch nicht die Nase rümpfen, ob dieser Andersartigkeit.

Michael Sommer hat somit gleich nebenbei eines der ältesten Rätsel der Sozialwissenschaften gelöst: Verhaltensweisen, wie z.B. Homosexualität sind biologisch determiniert, sie sind vererbt, sitzen auf Genen oder wo auch immer und sie sind eines nicht: gelernt. Also Natur, nicht Kultur ist der Essentialismus, den Michael Sommer predigt. Er muss es wissen, er kennt die “Anderen” und weiß, dass man zuweilen die Nase über deren Andersartigkeit rümpft. Und er weiß noch mehr, mehr als man überhaupt wissen kann:

“Sie müssen dafür sorgen, dass auch diejenigen von ihren Erfolgen partizipieren, die nicht in privilegierter Stellung sind. Es gibt eben nicht nur schwule Führungskräfte, sondern es gibt auch schwule Verkäufer oder Lastwagenfahrer. Die sind im Zweifelsfall sehr viel stärker einer alltäglichen Diskriminierung ausgesetzt als wir alle wissen oder wahrhaben wollen”.

Dies hat der Chef des DGB vor einer Reihe schwuler Führungskräfte gesagt, die – obwohl schwul – ganz ohne Quote in die Führungsposition gelangt sind, in der sie nun nach Ansich des DGB Chefs ihre Privilegien genießen. Ist das nicht eine nette Hierarchie, die der DGB Chef hier als “verdeckte Prämisse” mit sich herumträgt. Oben in seiner Hierarchie sind Manager wie er, die Privilegien haben. Unten, ganz unten in seiner Hierarchie sind Verkäufer und Lastwagenfahrer, die sich ganz ohne Privilegien und vermutlich mit Arbeit über Wasser halten. Es geht doch nichts über die Offenheit, mit denen Funktionäre ihre Missachtung über die ausgießen, die ihr Funktionärsdasein finanzieren.

BrummiDoch damit nicht genug: “Die [also die in der Hierarchie unten stehenden Lastwagenfahrer und Verkäufer, die ohne Privilegien halt] sind im Zweifelsfall sehr viel stärker einer alltäglichen Diskriminierung ausgesetzt als wir alle wissen oder wahrhaben wollen”. Das ist der Satz, der mich endgültig davon überzeugt hat, dass Michael Sommer in den Unsinn der Woche gehört, hier den Unsinn der Woche produziert hat.

Gewöhnlich zweifelt man, wenn man etwas nicht genau weiß, sonst müsste man nicht zweifeln. Im Falle von Zweifel, so empfiehlt Sommer, soll man nicht nach Evidenz suchen, um den Zweifel zu überwinden, nein, man soll das Schlimmste annehmen, vermutlich weil es in der virtuellen Welt der Sonntagsreden-Dramaturgie gerade opportun erscheint. Doch nicht genug damit, dass wir Zweifel durch Vermutungen beseitigen sollen, wenn es nach dem DGB-Chef geht, nein, es ist auch noch viel schlimmer als wir, “wissen oder wahrhaben wollen”. Das ist nun eigentlich Unsinn der Woche im Quadrat.

Der DGB-Chef kann meinen: (1) “als wir wissen und wahrhaben wollen” oder (2) “als wir wissen wollen oder wahrhaben wollen”. In Fall (2) ist es so, dass er behauptet, das Naserümpfen über schwule Lastwagenfahrer und Verkäufer, also diejenigen, ganz unten in seiner Hierarchie, sei  schlimmer als wir, also auch er, wissen wollen, entsprechend stellt sich die Frage, woher er wissen will, was er nach eigener Aussage nicht wissen will (vor allem über uns). In Fall (1) ist es so, dass Michael Sommer etwas behauptet, was er nach eigener Aussage nicht weiß. Mut zur Ehrlichkeit, Mut zum logischen Unsinn, Mut zur Dummheit.

Michels Soziologie des Parteiwesens

Der Klassiker beschreibt Oligarchiebildung nicht nur für Partei-Funktionäre, sondern alle Arten von Funktionären.

Also ich würde meinen Redenschreiber entlassen, wenn er mir derartigen Unsinn in den Mund legt. Aber es soll ja Menschen geben, die sind dermaßen mit dem Schwadronieren von Unsinn beschäftigt, dass sie gar nicht merken, was sie sagen, dass sie längst jedes Verständnis dafür, dass Sprache einmal zur Verständigung gedacht war und entsprechend einmal Sinn transportiert hat, verloren haben. Dafür haben Sie Verständnis für schwule Führungskräfte und selbst für schwule Lastwagenfahrer und schwule Verkäufer, die armen Schweine ganz unten in der Hierarchie des DGB-Chefs, über die man (oder er) die Nase rümpft.

Aber es ist immerhin gut zu wissen, dass der DGB sich “auch weiterhin für die Belange von Homosexuellen” einsetzt. Gegründet wurden Gewerkschaften einmal, um Arbeitern eine Stimme zu geben und ihre Interessen zu bündeln. Das ist lange her. Heute kümmern sich Gewerkschaften nicht mehr um die Interessen von Arbeitern, sondern um Arbeiter mit bestimmten Eigenschaften, die so anders sind und aus Funktionärssicht so weit unten sind, dass man das Mitleid meterdick über sie ausgießen kann.

Unsinn der Woche: Nicht direkt aus dem Irrenhaus – aber fast

Wahnsinn oder Unzurechnungsfähigkeit wurde über Jahrhunderte dadurch bestimmt, dass er/sie  gegen die boschgesellschaftliche Normalität  verstoßen hat (eine weiche Formulierung) oder sich in irrationalen, nicht nachvollziehbaren Handlungen  niedergeschlagen hat, die für andere Externalitäten und häufig auch den Schaden dessen, der die entsprechenden Handlungen ausgeführt hat, nach sich gezogen haben. Unsere “modernen” Zeiten zeichnen sich dadurch aus, dass die Klasse des Wahnsinns oder der Unzufrechnungsfähigkeit diversifiziert und in einer Unmenge spezifischer Störungen aufgelöst wurde. Ein Beispiel sind Psychosen. Zimbardo schreibt zu Psychosen:

“Psychosen (psychotische Störungen) unterscheiden sich von Neurosen qualiatativ und kategorial, nicht einfach im Schweregrad. Psychose ist die allgemeine Kategorie für eine Reihe schwerer psychischer Störungen, bei welchen Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Denkens, und der Emotionalität auftreten. Eine Person, die als psychotisch beschrieben wird, leidet an einer gravierenden organischen oder psychischen Dysfunktion, weshalb sie auf sehr abweichende Art fühlt, denkt und/oder handelt” (Zimbardo, 1995, S.612).

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass eine kollektive Psychose, die Personen erfasst, die sich alle in einem Raum befinden oder die denselben Beruf teilen oder sich häufig sehen müssen, nicht ausgeschlossen ist.

spd_logo_neuDie Drucksache 17/13478 des Deutschen Bundestages wurde am 14. Mai 2013 veröffentlicht. Sie hat einen Antrag der Abgeordneten Ulla Schmidt (Aachen), Siegmund Ehrmann, Angelika Krüger-Leißner, Petra Ernstberger, Iris Gleicke, Ute Kumpf, Christine Lambrecht, Caren Marks, Thomas Oppermann, Dr. h.c. [!sic] Wolfgang Thierse, Brigitte Zypries, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD zum Gegenstand. Der Antrag ist überschrieben mit:

Für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern auch im Kunst-, Kultur- und Medienbereich.

Die langatmige Einleitung zu diesem bemerkenswerten Extrakt eines zumindest nicht auf den ersten Versuch (und auch nicht auf den zweiten) nachvollziehbaren Assoziierens will ich mir weitgehend sparen, bis auf den Hinweis, dass trotz aller Versuche, die deutsche Sprache allen Sinns zu entleeren, Gleichstellung auf Ergebnisgleichheit zielt und entsprechend nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat. Und auch wenn es den Genossen nicht in den Kopf zu gehen scheint, eine ungleiche Verteilung hat per se nichts mit Nachteilen, nichts mit Benachteiligung und sozialer Ungleichheit zu tun. So sitzen im Bundestag deutlich mehr Lehrer und Juristen und deutlich weniger Arbeiter als ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung entsprechen würde. Dennoch fällt keinem Abgeordneten ein, nicht-Juristen, nicht-Lehrer oder gar Arbeiter gleichstellen zu wollen, weil nämlich die Idee, dass die eigene Anwesenheit im Bundestag ungerecht gegenüber z.B. Arbeitern sein könnte und deren direkte Benachteiligung zeigt, keinem noch so engagierten Bundestagsabgeordneten bislang in den Sinn gekommen ist. Vielleicht verstehen die Genossen den Unterschied zwischen einer ungleichen Verteilung und einer Benachteiligung ja auf diese Weise.

Nun zum Antrag, die Kultur gleichzuschalten (gab’s auch schon mal, wenn ich mich richtig erinnere). Der Antrag beinhaltet bemerkenswerte Feststellungen und Forderungen. Meine Lieblingsfeststellung ist die folgende:

Zimbardo“2011 hat der Bundesverband bildendender Künstlerinnen und Künstler (BEK) eine Umfrage zur wirtschaftlichen und sozialen Lage bildender Künstlerinnen und Künstler vorgelegt, der auch für diesen Bereich die vor allem wirtschaftlich nachweisbar schlechtere Situation der bildenden Künstlerinnen offenkundig macht. Neben den vergleichsweise geringeren Einkünften, der häufiger prekären Beschäftigung und der sogar bei der Größe der Ateliers feststellbaren Benachteiligung von Frauen ist es vor allem die heute schon drohende Altersarmut vieler Frauen, die erkennbar ist.

Nicht nur haben die Genossen von der SPD den unglaublichen Umstand offengelegt, dass fiese, vermutlich männliche Vermieter schöner und großzügiger Ateliers nicht an Frauen vermieten oder gar verkaufen wollen, denn anders ist die Benachteiligung “sogar bei der Größe der Ateliers” nicht zu erklären, nein, die Genossen können auch in die Zukunft sehen, und was sie sehen ist Altersarmut, Altersarmut, die sich einstellen muss, weil die bildenden Künstlerinnen offensichtlich Versager, nein Versagerinnen sind, die ohne die Hilfe der SPD keinen Fuß auf den Boden und natürlich weder großes Atelier noch üppige Rente erreichen können. Ohne die SPD, das muss man sich einmal vorstellen, wären die bildenden Künstlerinnen gezwungen, einen gut verdienenden bildenden Künstler zu heiraten, um über den Umweg der Witwenrente der Altersarmut zu entgehen.

Den Feststellungen folgen die Forderungen, deren Erfülluung die Genossen für notwendig ansehen, um “die tatsächliche Gleichstellung von Frauen im Kunst-, Kultur- und Medienbereich … umzuseten”.

Die erste Forderung zur Umsetzung von Gleichstellung betrifft den vom Ministerium für Familie und so weiter mit 20.000 Euro finanzierten “Gabriele Münter Preis”. Er soll auch weiterhin finanziert werden. Sie kennen den Gabriele Münter Preis nicht? Nun ich auch nicht. Betreiben wir also gemeinsam Weiterbilduung:

“Der Gabriele Münter Preis für Bildende Künstlerinnen ab 40 ist mit 20.000 Euro dotiert und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im dreijährigen Turnus in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), dem Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer (GEDOK) und dem Frauenmuseum in Bonn ausgelobt. Neben der Einzelausstellung der Preisträgerin werden Arbeiten von 39 ausgewählten Künstlerinnen aus dem Wettbewerb um den Gabriele Münter Preis 2010 vorgestellt.”

Für die SPD-Fraktion im Bundestag, das kann man an dieser Stelle feststellen, besteht “tatsächliche Gleichstellung” in Kunst usw. darin, dass ausschließlich Frauen über 40 gefördert werden. Auch eine Form der Diskriminierung und für alle Frauen unter 40 und alle Männer aller Altersklassen dann, wenn es um die Wahlentscheidung geht, sicher eine wichtige Information. Damit niemand hinterher kommen und sagen kann, er hätte etwas nicht gewusst.

Punkt 2c der Notwendigkeiten “tatsächlicher Gleichstellung” ist auch nicht schlecht:

Hier wollen die Genossen, dass “… beim Ankauf von Werken der Bildenden Kunst durch die Bundesrepublik Deutschland der Aspekt der Gleichstellung stärker als bisher berücksichtigt wird”.

Jonker Ramp and his SweetheartLeider haben die Genossen vergessen zu sagen, was sie damit meinen. Dürfen nur noch Skulpturen von Hanne Breker oder Bilder von Viola van Gogh gekauft werden oder muss darauf geachtet werden, dass der vielleich sogar erkennbare Gegenstand der Bildenden Kunst, das “Kunstobjekt” gleich zwischen den Geschlechtern verteilt ist. Und wieso kauft die Bundesrepublik Bildende Kunst? Haben Sie die Bundesrepublik entsprechend beauftragt?

Weiter geht’s mit dem, auf das wir alle bereits gewartet haben, denn wie jeder weiß, der sich immer einmal wieder mit dem beschäftigt, was unter dem Rubrum der Gleichstellung abgesondert wird, sind die Gleichsteller allesamt der Meinung es bei Frauen durch die Bank mit kleinen Dummchen zu tun zu haben, die aus eigener Kraft nichts zu Stande bringen. Entsprechend dürfen auch im SPD-Antrag zur Kunst Coaching-Programme, vermutlich zum Gegenstand: wie sichere ich mir ein großes Atelier, und die Förderung von Existenzgründungen (mit der SPD zum großen Atelier!) und die Vernetzung (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer bildender Künstlerinnen) nicht fehlen.

Und wo ich gerade bei dem bin, was nicht fehlen darf.

Was fehlt noch?

Worauf haben sie bislang umsonst gewartet?

Richtig!

Für die SPD-Fraktion sind Frauen, auch dann, wenn sie bildende Künstlerinnen sind, in erster Linie einmal zur Fortpflanzung fähiges Material, und entsprechend darf natürlich nicht fehlen, woran alle Frauen ab ihrer Jugend und dann ständig denken: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch bildende Künstlerinnen dürfen ihren Canvas nicht einfach herausholen und malen wann und wo sie wollen, nein, sie haben das Pinselschwingen mit der Familie zu vereinbaren, und damit sie das können, müssen nach Ansicht der SPD ein familienfreundliches Klima, ein verbessertes Angebot zur Kinderbetreuung und die Förderung von Freistellungsphasen her. Jetzt ist auch klar, warum die Grüße des Ateliers der bildenden Künstlerinnen für die SPD so entscheidend ist, denn im Atelier muss nicht nur Platz für Familienplanung sein, sondern auch Raum fü einen Betriebskindergarten.

How-to-MiroEs handelt sich bei diesem Antrag der SPD-Fraktion um keine Satire, und wer nun denkt, der Antrag und vor allem der Inhalt des Antrags zeige alle Hinweise auf eine vorhandene psychotische Störung, dem will ich an dieser Stelle nicht widersprechen. Statt dessen will ich darauf hinweisen, dass es schon erstaunlich ist, um welche Klientel sich die SPD-Fraktion zu kümmern müssen glaubt. Man erinnere sich, die SPD galt einst als Arbeiterpartei. Davon ist die SPD so weit entfernt, wie die Erde vom Andromeda Nebel. Die heutige SPD ist eine Partei der Mittelschicht, der vermeintlich kunstbeflissenen, die zwar keinen Franz Marc von einem Frans Hals unterscheiden können, aber denken, wenn sie einen Juan Miro Kunstdruck im Treppenhaus hängen haben, dann seien sie als Kenner der Materie erkannt. Und natürlich ist die SPD eine Partei der Fortpflanzung, des Paternalismus und der Gleichstellung, Gleichstellung = ganz wichtig, Gleichstellung ist das beherrschende Motiv, der Fixpunkt, das, was das Fühlen, Denken und Handeln der SPD-Parlamentarier derart beherrscht, dass keine Zeit mehr bleibt für schnöde Dinge des Alltags normaler Menschen, normaler Arbeiter und Arbeiterinnen natürlich.

Zimbardo, Philip (1995). Psychologie. Berlin: Springer.

Weil es noch nicht reicht: SPD fordert Frauenquote für Talkshows. Ob man Wahnsinn noch steigern kann? Wer noch über weitere Facetten des Gender-Wahnsinns, der die gesamte SPD erfasst zu haben scheint, beizutragen weiß, nur zu!