Schwätzperten des Bundesamts für Verfassungsschutz und ihre vergebliche Suche nach Verstand

Es ist schon legendär, aber man kann es nicht oft genug wiederholen: Einst hatte Sir Karl Raimund Popper das Problem mit Jürgen Habermas, das wir heute regelmäßig mit den Legionen von Schwätzperten haben, die sich über die unterschiedlichsten Kanäle in das Leben harmloser und an Information interessierter Menschen drängen, um diese mit inhaltsleerem Geschwätz zu penetrieren.

Wer die legendäre Zerlegung des Urvaters aller Schwätzperten “Habermas” durch Sir Karl noch nicht kennt, der kann sie hier nachlesen, sie gehört zu den Schätzen der Sozialwissenschaften.

Wir wollen heute die Methode “Popper” anwenden, um dem Geschwätz, mit dem das Zentrum für Analyse und Forschung (ZAF) des Bundesamtes für Verfassungsschutz in Berlin die Welt gerade bedeutungsschwanger inhaltsleer macht, den Wortpomp abzulassen und die bare bones dessen zu rekonstruieren, was in dem vielen Geschwall vielleicht als “Bedeutung” verschüttet ist.

ZAF-Geschwätz Unsere Übersetzung (contentshrink)
Der Begriff der Sozialisation gehört zum Standardrepertoire sozialwissenschaftlicher Theorien. In vielen sozialwissenschaftlichen Texten findet sich der Begriff “Sozialisation”.
Dabei scheinen Prozesse der Sozialisation hinreichend erläutert, der Begriff zum geflügelten Wort degradiert. Sozialisationsprozesse sind einerseits sehr klar, andererseits vollkommen unklar.
Die erste interdisziplinäre Tagung des Zentrums für Analyse und Forschung (ZAF) möchte den klassischen Sozialisationsbegriff ins Zentrum der Diskussion stellen. Gegenstand der Tagung ist “Sozialisation”.
Dabei widmet sich die Konferenz den vielgestaltigen Sozialisationsprozessen und beleuchtet sie mit Fokus auf extremistische Zusammenhänge und sich hierin andeutende und vollziehende Radikalisierungsprozesse. Viele Sozialisationsprozesse sollen bei der Konferenz angesprochen werden, aber es geht dennoch nur um irgendwelche extremistischen Zusammenhänge (was das mit Sozialisation zu tun hat, ist nicht klar). Estremistische Zusammenhänge haben etwas mit Radikalisierungsprozessen zu tun. Also betrachten wir doch die.
Definiert man Radikalisierung als Sozialisationsprozess, in dem sich die Einstellungen einer Person auf einem Spektrum sukzessive in Richtung radikaler bzw. extremistischer Einstellungsmuster bewegen, so sind auch die anscheinend vorgelagerten Mechanismen Teil des Gesamtprozesses: Wenn man Radikalisierung als Radikalisierung definiert, dann gibt es etwas, das dieser Radikalisierung vorausgeht und gleichzeitig Teil der Radikalisierung ist.
Diese nehmen in den Fokus, wie eine noch nicht radikalisierte Person sukzessive mit extremistischen Inhalten in Kontakt kommt. Das, was der Radikalisierung vorausgeht, ist Teil der Radikalisierung.
In einer ganzheitlichen Betrachtung müssen demnach auch diese Momente einbezogen werden. Was der Mist bedeuten soll, wissen wir jetzt auch nicht, deshalb sagen wir, es sei ganzheitlich, alles ist eins, etwas und sein Gegenteil.
Es ist davon auszugehen, dass sich Einstellungen von Personen durch vorgelagerte Prozesse ändern können, ohne dass die Betroffenen je zu tatsächlichen Radikalen oder Extremisten werden. Manche Leute haben Einstellungen. Die Einstellungen mancher Leute ändern sich. Manche Leute sind keine Extremisten, obwohl sie Einstellungen haben.
In der Radikalisierungsforschung werden jedoch meist biografische Verläufe von Terroristen, d.h. von Personen, die eine vollständige Radikalisierung durchlaufen haben, untersucht. In der Radikalisierungsforschung wird untersucht, wie sich Personen radikalisieren.
Versteht man Radikalisierung als Prozess (Vgl. Wiktorowicz 2003), in dem sich eine kontinuierliche Anpassung der Normen und Werte in Richtung einer extremistischen Ideologie aus einer wachsendenden Teilnahme am extremistischen Milieu entwickelt, muss man das Internet in seiner zunehmenden Funktion als (sekundäre/tertiäre) Sozialisationsinstanz betrachten: Versteht man Radikalisierung als Prozess der Radikalisierung, dann ist das Internet dafür mindestens so verantwortlich wie das Elternhaus. [Die logische Qualität dieser Aussage ist äquivalent zu der Aussage: Versteht man das Bauen eines Hauses als Ergebnis des Erbauen eines Hauses, dann ist der Malermeister daran schuld.]
Einstellungsänderungen vollziehen sich dabei nicht nur durch die Teilhabe in radikalen Milieus. Einstellungen ändern sich.
Gesamtgesellschaftliche Prozesse ändern und verschieben Diskurse online wie offline, was auch nicht intendierte Berührungspunkte mit extremistischen Inhalten vereinfacht. Gesellschaftliche Prozesse führen dazu, dass sich Personen radikalisieren – online wie offline [-> Politiker sind an Schuld an Radikalisierung – ob die ZAF wissen, was sie hier absondern?]
Hierbei ist besonders die Funktion von Verschwörungserzählungen und Fake News von Interesse und inwiefern diese den Einstieg in die Radikalisierung ebnen oder ob und inwiefern bspw. der Glaube an Verschwörungserzählungen eher Resultat einer vorangeschrittenen Radikalisierung ist. Wird jemand radikal, weil er schon radikal ist oder wird er radikal, weil ihn Fake News radikalisieren? [Wir werden radikal, wenn wir solchen Bullshit lesen müssen, wie den der ZAF-Schwätzperten.]
Das Internet erzeugt demnach eine wesentlich größere Anzahl von Möglichkeiten, sich oder andere zu radikalisieren (Behr et al. 2013, S. 24), insoweit, als Personen ortsunabhängig Zugang zu Milieus und Gemeinschaften finden, in denen sie potentiell radikal sozialisiert werden. Gelegenheit macht Radikalisierung. Das Internet ist Gelegenheit. Das Telefon nicht.
Social Media-Plattformen und Messengerdienste (z.B. Telegram) fungieren darin wie Echokammern, in denen die eigenen politischen Positionen und Einstellungen immer wieder bestätigt werden und sich dementsprechend weiter festigen (Vidino et al. 2015). In sozialen Netzwerken verfestigen sich die Einstellungen durch Bestätigung, von denen nicht klar ist, ob sie vor oder nach der Radikalisierung radikal sind (siehe oben).
Dabei können sich virtuelle Gemeinschaften (Radlauer 2007; Janbek & Prado 2012) bzw. neue virtuelle (radikale) Milieus (Conway 2016) bilden (Vgl. Malthaner & Waldmann 2014). Im Internet lernen sich Leute kennen.
Gleichzeitig zeigt die empirische Forschung, dass das Internet Radikalisierungsprozesse nicht systematisch beschleunigt oder Radikalisierungen ohne physischen Kontakt zu Personen einer extremistischen Bewegung ermöglicht (Baehr 2020). Vergessen Sie, was wir gerade geschrieben haben: Das Internet hat kaum Einfluss auf Radikalisierungsprozesse, bestenfalls vereinzelt, also nicht systematisch.
Auch sogenannte Selbstradikalisierungen ohne Vorliegen realweltlicher Kontakte sind nur selten zu beobachten (ebd.). Autoerotic asphyxiation (Selbstverliebtheit) ist Mist.
In diesem Kontext ist gleichsam bedeutend, wie die zunehmende Digitalisierung Sozialisationsprozesse sowohl für digital natives als auch für digital immigrants verändert und beeinflusst, wie sich Individuen zwischen realweltlichen und online-Netzwerken strukturell verorten und miteinander interagieren. Irgendwie verhalten sich Leute im Internet unterschiedlich und irgendwie nutzen Leute, die sich unterschiedlich verhalten, online-Netwerke unterschiedlich. Und das ist interessant!
Der phänomenologische Schwerpunkt der Konferenz liegt in den Bereichen Rechtsextremismus und Islamismus sowie auf komparativen Betrachtungen, ist aber nicht darauf begrenzt. Wir legen einen Schwerpunkt mit einer Methode (Phänomenologie), die mit einer komparativen Betrachtung inkompatibel ist und befassen uns mit Rechtsextremismus und Islamismus – jedenfalls nicht mit Linksextremismus, nicht in Berlin.

Puh, also, es muss einmal festgestellt werden, dass wir einen unglaublichen Einsatz für unsere Leser bringen. Wer es schafft, täglich einen derartigen Bullshit, wie den vom ZAF zu lesen, Bullshit, der nicht selten, sondern eher die Regel ist, seit inkompetente Schwallbeutel durch großzügige Steuergeschenke von im Bundestag vertretenen Parteien Gelegenheit erhalten, die Umwelt mit ihren verbalen Exkrementen zu verunreinigen, und dabei noch bei gesundem Verstand zu bleiben, dem muss eigentlich Verehrung zuteil werden.

Betrachten Sie uns fortan als Ihre Gurus des gesunden Menschenverstands – oder auch nicht, wenn es ihr Selbstbild nicht zulässt, andere zum Guru zu machen (gut für Sie). Dann reicht auch eine Opfergabe, um ihre Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.



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