Tabaksteuer: sozial ungerecht und heuchlerisch

Rauchen ist gesundheitsgefährdend. Niemand kann heutzutage eine Packung Zigaretten kaufen, ohne darüber aufgeklärt zu werden. Mit Sprüchen wie “Rauchen kann tödlich sein” sorgen sich Regierungen aller EU-Staaten um die Gesundheit ihrer Bürger. 110.000 Tote pro Jahr, so belehrt uns die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sind vermeidbar, weil auf die direkten Folgen des Rauchens zurück zu führen. Die direkten Krankheitskosten (Behandlung und Pflege) und die indirekten Krankheitskosten, also volkswirtschaftliche Schäden durch Erwerbsunfähigkeit, Arbeitsausfälle und vorzeitige Todesfälle, so liest man weiter, würden sich auf 21 Milliarden Euro summieren. Grund genug, die Bürger vom Rauchen zu entwöhnen und zu einem gesunden und rauchfreien Lebenswandel zu bewegen. Neben Anzeige-Kampagnen und Werbeverbot ist es vor allem die Tabaksteuer, deren Erhöhung regelmäßig als Mittel im Kampf gegen das Rauchen ins Feld geführt wird. Die Tabaksteuer sei eine Lenkungssteuer, sie beeinflusse individuelles Verhalten (Abschreckung vom  Einstieg in die Raucherkarriere, Anreiz zur Beendigung der Raucherkarriere), und ganz nebenbei füllt die Tabaksteuer noch die Kassen des Bundesfinanzministers mit rund 13,5 Milliarden Euro jährlich. Ein erkleckliches Sümmchen, das den ersten Zweifel am reinen Motiv der Gesundheitsfürsorge aufkommen lässt. Ein weiterer Zweifel wird durch die verquere, oben dargestellte Argumentation im Hinblick auf den volkswirtschaftlichen Schaden geweckt.

Raucher haben eine kürzere Lebenserwartung, entsprechend entlasten sie die Rentenkassen und bringen einen volkswirtschaftlichen Nutzen. Auch Nichtraucher werden krank und haben einen Arbeitsausfall. Entsprechend wäre der Arbeitsausfall von Rauchern mit dem von Nichtrauchern zu gewichten. Ein volkswirtschaftlicher Schaden könnte nur dann konstatiert werden, wenn Krankheiten, die durch das Rauchen bedingt sind und Mortalitäten, die auf das Rauchen zurückzuführen sind, zu einem höheren Produktivitätsausfall führen würden, als z.B. Arbeitsausfälle von Nichtrauchern, die mit gebrochenem Bein oder gar nicht aus dem Skiurlaub zurückkehren, den Rotweingenuß am Abend übertrieben haben oder in Elternzeit gehen. Denn wenn die Drogenbeauftrage der Bundesregierung pauschal behauptet, Arbeitsausfall führe zu einem volkswirtschaftlichen Schaden, dann muss sie konsequenter Weise gegen die Abwesenheit vom Arbeitsplatz im Rahmen der Elternzeit zu Felde ziehen, denn auch die Elternzeit verursacht dann einen volkswirtschaftlichen Schaden.

Diese Probleme der Argumentation bleiben in der Regel unentdeckt, weil ein Heer von im Gesundheitsbereich Tätigen, die Bundesregierung auf ihrem Steuerfeldzug gegen das Rauchen unterstützt und versucht, u.a. die Wirksamkeit einer Steuererhöhung als Mittel zur Reduktion des Tabakkonsums zu belegen. So haben Hanewinkel und Isensee (2003) in einem Beitrag , der dem “Zusammenhang zwischen Preis und Konsum von Zigaretten” gewidmet ist, eine Übersicht zu Studien zum nämlichen Zusammenhang gegeben, die das US Department of Health and Human Services im Jahre 2000 bereits veröffentlicht hat. Dabei hat das US Department of Health and Human Services sich gezielt für die Frage interessiert, wie sich eine Steuererhöhung auf das Rauchverhalten auswirkt. 31 Studien hat das Department gesichtet und bei allen eine Preiselastizität von zwischen -0.16 und -0.66 festgestellt. Die Preiselastizität gibt die Veränderung der Nachfrage für eine 1-prozentige Erhöhung des Preises an. Wenn also die Tabaksteuer um 1% erhöht wird, dann geht die Nachfrage nach Tabak um zwischen 0.16% und 0.66% zurück. Mit anderen Worten, eine Erhöhung der Tabaksteuer schwemmt mehr Geld in die Kassen des Fiskus, denn die Steuererhöhung wird durch den Rückgang der Nachfrage nicht aufgezehrt. Die Nachfrage der Raucher ist unelastisch, was ja auch Sinn macht, denn Rauchen soll bekanntlich ein Suchtverhalten sein und entsprechend kann man nicht einfach so aufhören – oder?

Ausgerechnet Gesundheitsbefliessene scheinen das regelmäßig zu vergessen, wenn sie auf Steuern zurückgreifen wollen, um anderen das Rauchen zu vergällen. Dabei treiben die entsprechenden Studien zuweilen nette Blüten. So sind Hanewinkel und Isensee trotz der unelastischen Nachfrage, die sie ausdrücklich feststellen, der Ansicht, Steuererhöhungen hätten einen nennenswerten Effekt auf die Nachfrage nach Tabak. Annette Bornhäuser kommt in einer Studie des Krebsforschungszentrums Heidelberg zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass die Hälfte des Konsumrückgangs, der durch Steuererhöhungen verursacht sein soll, darauf zurückzuführen sei, dass Raucher sich von ihrer Sucht lossagen, um postwendend festzustellen, dass Tabaksteuererhöhungen zu einem Anstieg der Steuereinnahmen führen, weil die Nachfrage nach Tabakprodukten unelastisch sei. Dieselbe Erhöhung der Tabaksteuer hat somit einmal den Effekt, die Nachfrage zu reduzieren und einmal den Effekt, die Nachfrage nicht zu reduzieren.

Was davon ist richtig? Nimmt man Ärzte ernst, die behaupten, Rauchen sei eine Sucht, dann folgt daraus die unelastische Variante, was bedeutet, dass aus einer Steuererhöhung höhere Einnahmen für den Fiskus resultieren, aber nicht viel mehr. Dies lässt das Motiv der Gesundheitsfürsorge etwas verblassen. Hinzu kommt, dass rund 80% des Verkaufspreises einer Zigarette beim Fiskus landen, was unter anderem dadurch sichergestellt wird, dass Tabaksteuer und Umsatzsteuer sich gegenseitig besteuern. Entsprechend dieser Gewinnstruktur muss man den Bundesfinanzminister als größten Profiteuer an durch Rauchen bedingten Krebserkrankungen ansehen.

Um dem ganzen Geheuchel um die Tabaksteuer noch die Krone aufzusetzen, sei abschließend festgestellt, dass die Tabaksteuer eine regressive Steuer ist. Sie trifft in erster Linie ärmere Bevölkerungsteile: Jüngere, niedrig Gebildete, mit geringem Berufsstatus und geringem Einkommen, Langzeitarbeitslose und Alleinerziehende (Lampert, 2010), die häufiger rauchen als andere Bevölkerungsschichten und einen größeren Anteil ihres Einkommens in Rauch aufgehen sehen. Entsprechend schreibt Wigger: “Das zusätzliche Aufkommen aus der Erhöhung der Tabaksteuer dürfte deshalb überproportional stark von ärmeren Bevölkerungsschichten aufgebracht werden. Die Tabaksteuererhöhung mag dann zwar ein formidables Instrument sein, um Einnahmelücken zu schließen. Zugleich tut sich damit aber eine Gerechtigkeitslücke auf” (Wigger, 2011, S.41).

Literatur:
Bornhäuser, Annette (2003). Gesundheit fördern – Tabakkonsum verringern: Handlungsempfehlungen für eine wirksame Tabakkontrollpolitik in Deutschland. Heidelberg: Deutsches Krebsforschungszentrum.

Hanewinkel, Reiner & Isensee, Barbara (2003). Der Zusammenhang zwischen Preis und Konsum von Zigaretten: Eine Analyse vorliegender Studien und Implikationen für die Tabakkontrollpolitik.

Lampert, T. (2010). Soziale Determinanten des Tabakkonsums bei Erwachsenen in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 53(1): 108-116

Wigger, Berthold U. (2011). Zur schrittweisen Erhöhung der Tabaksteuer. Wirtschaftsdienst 91(1): 39-41.

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20 Responses to Tabaksteuer: sozial ungerecht und heuchlerisch

  1. M. says:

    Mit unsozial hat das für mich gar nichts zu tun. Evtl. sagt das mein Gefühl, weil durch das Rauchen kosten entstehen, die sonst nicht da wären, während durch Steuern kosten gedeckt werden, die so oder so anfallen (egal, ob ich Arbeit habe oder nicht). Die Preise für Lebensmittel sind ja auch nicht unsozial, nur weil Hartz IV Empfänger stärker belastet werden als Millionäre.

    Ob mit der Steuer die Kosten des Rauchens wieder reingeholt werden, ist eine andere Frage. Die Behandlung von Krebs oder anderen Folgen kostet sicher auch eine ganze Menge (und vielleicht mehr als wenn noch 10-15 Jahre Rente gezahlt werden würden) und wird einem von der Krankenkasse bezahlt auch wenn man vorher 40 Jahre lang 10 Schachten am Tag geraucht hat.

    Eine Preiselastizität von -0.16 und -0.66 ist für mich btw. ein nennenswerter Effekt auch wenn die Nachfrage unleastisch ist – die zwei Sachen schließen sich nicht gegenseitig aus (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Nachfrage).

    Die Aussagen “Die Hälfte des Konsumrückgangs, der durch Steuererhöhungen verursacht wird, ist darauf zurückzuführen, dass sich Raucher von ihrer Sucht lossagen.” und “Tabaksteuererhöhungen führen zu einem Anstieg der Steuereinnahmen, weil die Nachfrage nach Tabakprodukten unelastisch ist.” können auch beide vollkommen korrekt sein und sind es mit Sicherheit auch, ohne dass sie sich in irgendeiner Weise widersprechen.

  2. nometa says:

    Endlich mal einer, der Rauchen als Sucht ernst nimmt. Danke, interessant zu lesen!
    Auch bei Dicken wird oft gesagt: “Na ja, sollen sie sich halt disziplinieren!” Interessanterweise hört man das nie in Richtung Magersüchtige, Bulimiker etc…
    Ich seh auch sehr kritisch, dass heutzutage jede Krankheit auf Rauchen, schlechte Ernährung und/oder mangelnde Bewegung zurückgeführt wird… Mir scheint, da wird eine völlig falsche Kausalität hergestellt. Menschen werden wie Maschinen wahrgenommen. Meine Großmutter hat nie geraucht, kaum getrunken, sich gesund ernährt, war als Bäuerin ständig in Bewegung – und ihr Leben lang krank. Wie hätte man ihre Krankheiten und Depressionen wohl begründet, wenn sie geraucht hätte?

  3. Martin Sch. says:

    Danke für diesen tollen, da kritischen und fundierten Beitrag! Ich glaube auch nicht, dass _wirklich_ süchtige Raucher wegen höherer Steuern und somit höheren Preisen aufs Rauchen verzichten. Dann wird eher noch an anderer Stelle gespart. Was die immens hohen Zahlen, die den volkswirtschaftlichen Schaden beziffern sollen (hier z.B.: “In Deutschland werden jedes Jahr durch Tabakkonsum 1,5 Millionen Lebensjahre vorzeitig zerstört, was mindestens einer Summe von 39,4 Mrd. € pro Jahr entspricht, die der Volkswirtschaft verloren gehen.”, Quelle: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/109223.html ), betrifft, so darf man in der Tat fragen: Ist das vorzeitige Ableben wirklich rein aufs Rauchen zurückzuführen?

    • Danke für das Lob!

      “…betrifft, so darf man in der Tat fragen: Ist das vorzeitige Ableben wirklich rein aufs Rauchen zurückzuführen?”

      Vor allem muss man dagegen rechnen, wie viel öffentliche Ausgaben (Rentenversicherung, Pflege der Alten, Inanspruchnahme von Transferleistungen wie Wohngeld usw.) durch das vorzeitige Ableben der Raucher eingespart werden und in Rechnung stellen, dass die 1.5 Millionen Lebensjahre nur dann den errechneten Schaden ergeben, wenn der gestorbene Raucher auch Vollzeit im Arbeitsprozess integriert war. Nach meiner Schätzung bleibt nach dieser Rechnung wenig vom volkswirtschaftlichen Schaden übrig.

  4. Pingback: Die Grenzen des Paternalismus « Kritische Wissenschaft – critical science

  5. Raucher haben eine kürzere Lebenserwartung, entsprechend entlasten sie die Rentenkassen und bringen einen volkswirtschaftlichen Nutzen.

    Hallo Herr Klein,

    das Grundproblem Ihrer Ausführungen ist Zynismus. Sie scheinen sich in Ihrer statistischen Welt gut zu fühlen. Sie sollten mal darüber nachdenken, ob bei Ihnen vielleicht etwas nicht stimmt.

    Dann haben Sie vielleicht auch einen entspannteren Blick auf die Gesellschaft.

    Vertrauen Sie mir. Ich bin Grün-Wähler.

    • Nein, da liegen Sie schon wieder falsch. Meine Ausführungen basieren auf der Realität. Die mag Ihnen nicht gefallen, aber sie wird dadurch keine andere. Wenn Sie mein Beharren auf der Realität Zynismus nennen wollen, dann bleibt Ihnen das unbelassen. Ich frage mich dann nur, wie man Ihre Verweigerungshaltung nennen müsste – Naivität?

  6. War nur mal ein Versuch von mir, Sie zum Nachdenken zu bewegen.

    Ihre Haltung bezeichnet man als weltfremden Ökonomismus. Ich werde nicht der einzige sein, der Ihnen widerspricht.

    Wenn Sie’s unbedingt ökonomisch brauchen: Durch Passivrauchen und die Folgen entsteht erheblicher “volkswirtschaftlicher” Schaden. Ebenso durch etliche Raucherpausen, die die Arbeitszeit verkürzen. Durch raucherbedingte Krankheiten.

    Ihre Überlegungen basieren darauf, daß Raucher nicht zusätzlich durch Krankheiten etc., die nichts mit dem Rauchen zu tun haben, die Volkswirtschaft “schädigen”. Sie verrechnen die Dinge schön, damit das passende Ergebnis herauskommt.

    Ihre Denkweise bezeichnet man als eiskalten Ökonomismus. Wozu brauchen Sie diesen Selbstbetrug?

    Ich möchte Ihnen nahelegen, daß es auch emotionale Erkenntnismöglichkeiten gibt. Mittels dieser kommt man leicht zu dem Schluß, daß es wünschenswert für alle ist, wenn das Rauchen abnimmt. Auch wenn die Menschen dann länger leben.

    Irgendwie wird dies als erfreulich empfunden.

    Vertrauen Sie mir, Herr Klein.

    Ich weiß bescheid: Zynismus, Ökonomismus, Statistizismus, Rationalismus.

    • James T. Kirk,

      laufen Sie eigentlich mit dem Wachturm unter dem Arm durch die Landschaft? Da entpuppen Sie sich urplötzlich als emotional angesengter linker Missionar, der andere zum Nachdenken bewegen will und wenn das Nachdenken nicht in die richtige Richtung verläuft, dann kommt die Keule aus dem Missionarsbeutel, dann wird behauptet, Dinge würden schön verrechnet, ohne dass eine Gegenrechnung aufgemacht wird, dann wird behauptet, dass “man”, wer auch immer das ist, eine Denkweise als “eiskalten Ökonomismus” bezeichnet (womit ich leben kann, denn – wie ich bereits geschrieben habe, erschrecken mich Begriffe nicht in der Weise, in der sie Sie zu erschrecken scheinen) und als Gipfel der Dreistigkeit, wird Freud ausgepackt und von Selbstbetrug und emotionalen Erkenntnismöglichkeiten gefaselt.

      Kirk! Ich bin nicht zu retten. Sparen Sie sich Ihr Missionarstum, denn das einzige, was mich überzeugt, sind Argumente. Wenn Sie also denken, ich rechne mir Dinge zurecht, belegen Sie Ihre Aussage mit Zahlen, Daten, Studien. Wenn Sie emotionale Erkenntnismöglichkeiten kennen, dann ist das schön für sie, nur, wem außer Ihnen nutzt es, dass Sie sich gut dabei fühlen, wenn sie anderen einen eiskalten Ökonomismus unterstellen? Und was sagt es anderen, abgesehen davon, dass man aus Ihrer Wortwahl schließen könnte, dass sie ein romantischer Träumer sind? Wir leben in einer realen Welt und entsprechend sollten wir uns über reale und nicht über eingebildete Dinge unterhalten.

      Eingebildete Dinge wie z.B. die eigene Vertrauenswürdigkeit. Wie kommen Sie darauf, Sie seien vertrauenswürdig? Welchen Grund haben Sie außerhalb ihrer eigenen Psyche gegeben, Ihnen zu vertrauen? Welche Argumente haben Sie gemacht, die einem signalisieren, Sie seien ein ernsthafter Mensch, der anderen Informationen geben will? Sie können sich offensichtlich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die Entscheidungen (z.B. zu rauchen) treffen und zu den Folgen (früherer Tod) stehen. Ebenso wenig wie Sie sich vorstellen können, Unrecht zu haben, was der letzte Baustein ist, der Sie als Missionar ausweist. Huldigen Sie nur weiter Ihrem Gott, der Ihnen sagt, was richtig und gut ist, auf das Sie es den Unwissenden mitteilen können, aber tun Sie mir einen Gefallen, wenn Sie sich mit mir auseinandersetzen wollen, dann geben Sie in Zukunft ein ARGUMENT an, etwas, das dafür spricht, dass man Sie als Diskussionspartner ernst nehmen kann und das den Verdacht mildert, man habe es mit einem religiösen Eiferer in der Mimese des vermeintlich überlegenen Weißen vom Berg zu tun.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      James T. Kirk,

      ich mache auch einmal einen Versuch, Sie zum Nachdenken zu bringen, zumindest über die Wirkung, die Sie bei Lesern erzielen, wenn Sie sich auf diese Weise der Welt präsentieren, wie Sie dies tun, da Sie ja zum Nachdenken über Sachfragen aufgrund von Argumenten nicht fähig zu sein scheinen:

      (Zumindest) Für die Leser eines kritischen blogs ist es sehr traurig, zu Zeugen Ihres emotionalen Notstands gemacht zu werden, indem Sie sich eiskalt und ohne jede Rücksicht auf die Gefühle der Leser emotional vor ihnen ergiessen. Wo ist Ihre emotionale Intelligenz geblieben? Erweist sich Ihre emotionale Erkenntnisfähigkeit als so beschränkt, dass Sie sich nicht per Einfühlungsvermögen an die Stelle der Leser setzen können oder wollen?

      Ihre Haltung bezeichnet man als Emotional-Terror, und Sie können nicht davon ausgehen, dass Sie jemand mag oder Ihnen vertraut, wenn Sie sich lediglich als Zumutung an Andere präsentieren.

      Wozu brauchen Sie diesen Selbstbetrug? Werden Sie nicht damit fertig, dass jeder James T. Kirk einen Mr. Spock braucht, der ihn vor den schlimmsten emotional bedingten (Fehl-)Reaktionen bewahrt?

      Vertrauen Sie Mr. Spock, Herrn Klein und mir: Wir wissen bescheid: Emotionalität, Irrationalität, Selbstgerechtigkeit, Respektlosigkeit gegenüber anderen Menschen und deren Leistungen, Kollektivismus, Verantwortungslosigkeit und der verzweifelte Schrei nach dem Staat, der doch bitte alles so regeln möge, dass man selbst ohne Unbill in Form von Arbeit und Rationalität gut leben kann.

  7. Hallo Herr Klein,

    wie beurteilen Sie denn, den volkswirtschaftlichen Schaden des Passivrauchens? Mein Eindruck ist, daß dieser in Ihrer Rechnung nicht eingeschlossen ist. Ebenso die zahlreichen Kosten für’s Gesundheitssystem durch raucherbedingte Krankheiten. Hinzu kommen Ausfallzeiten wegen Raucherpausen.

    Wenn ein Raucher aufgrund seiner Sucht vor Renteneintriit stirbt, wirkt sich dies ebenfalls auf die volkswirtschaftliche Nutzenbilanz aus.

    Mein Eindruck ist, daß sie all diese Faktoren nicht oder zu wenig berücksichtigen.

    Rauchen könnte also unter Umständen nicht volkswirtschaftlich von Nutzen sein.

    Neben diesen ökonomischen Argumenten gibt es auch noch die emotionale Ebene: So werden viele Menschen, darunter auch Raucher, das Rauchen negativ bewerten. Ich kenne einige Raucher, die gerne ihre Sucht loswerden würden und das Rauchen auch als Sucht verstehen.

    Manch einer hat es auch schon geschafft.

    Meine Argumentation ist folgende: Ihre Darstellung ist aus meiner Sicht reduktionistisch, selbst wenn sich ein volkswirtschaftlicher Nutzen des Rauchens ergäbe.

    Ähnlich verhält es sich mit Kriegen und den Einkünften durch die Rüstungsindustrie. Man kann sich hier fragen, wie hoch eigentlich die Kosten von Rüstung und Kriegen sind, die man unter Umständen auch gar nicht monetär beziffern kann, angesichts des vielen Leids, das dadurch verursacht wird.

    Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen.

    • Hallo James,

      ich habe keinen Eindruck von etwas, sondern ich zitiere in diesem Beitrag Studien, die BERECHNET haben, welche Kosten durch Rauchen, welchem Nutzen z.B. durch früheren Tod entgegenstehen. Insofern unterscheidet sich Ihr Ansatz von meinem erheblich und wenn ich das einmal so “blunt” ausdrücken darf, wenn man weiß, dass das Wasser bergab fließt, dann muss man keinen Eindruck formulieren, dass Wasser bergauf fließt.

      Und wenn Sie meine Darstellung reduktionistisch finden, dann weiß ich nicht, was Sie mir damit sagen wollen. Ohne Reduktionismus gäbe es keinen Wissensfortschritt, keine Wissenschaft, keine Theorie, ja nicht einmal Sozialismus, denn jede Theorie ist notwendig reduktionistisch, denn sie sagt etwas über alle Objekte in ihrem Gegenstandsbereich aus.

      Dass es Raucher gibt, die gerne aufhören wollen, zu rauchen, glaube ich gerne. Dazu ist es einfach nur notwendig, mit dem Rauchen aufzuhören. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche, ich habe nach einem Jahrzehnt des Rauchens von heute auf morgen aufgehört. Es geht.

      Noch ein Wort zum Passivrauchen – Erstens muss man nicht Passivrauchen, zweitens ist es höchst umstritten, ob Passivrauchen überhaupt schädlich ist, und drittens wie würden Sie denn den Schaden des Passivrauchens beziffern, wenn Sie ihn beziffern könnten, etwa in monetären Größen?

      Warum haben Sie nur so eine Angst vor monetären Größen, ich meine, abgesehen davon, dass sie Ausdruck “eiskalten Ökonomismus'” sind, scheint mir das nicht nachvollziehbar, wo sich doch gerade im linken Lager alles um monetäre Größen und deren Umverteilung dreht.

      Da Sie zudem ein blog betreiben, in dem Sie sich gegen Feminismus wenden, wundert es sich mich massiv, dass Sie so ein tamtam um den Arbeitsausfall machen, der durch das frühe Ableben von Rauchern entsteht (aber, wie die Studien, die ich zitiere, zeigen, von den ersparten Rentenzahlungen mehr als aufgewogen werden). Wenn Sie so am gesellschaftlichen Schaden interessiert sind, dann hätte ich hier eine flammende Rede gegen Elterngeld, Erziehungsurlaub und alle sonstigen Vergünstigungen erwartet, die Frauen gewährt werden, damit sie das Hausfrauenfernsehen nicht durch Arbeit versäumen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der gesellschaftliche Schaden, der allein durch die genannten Transferzahlungen entsteht, den Schaden durch Raucher, die ihrem Arbeitsplatz fern bleiben, weil sie abgelebt sind, um ein Vielfaches übersteigt.

      Abschließend bemerkt, ist die Gesetzliche KV eine Zwangsversicherung und niemand müsste sich um Raucher kümmern, würden wir die GKV auflösen und jeden sein Risiko selbst versichern lassen.

  8. ich habe keinen Eindruck von etwas, sondern ich zitiere in diesem Beitrag Studien, die BERECHNET haben, welche Kosten durch Rauchen, welchem Nutzen z.B. durch früheren Tod entgegenstehen.

    Die Frage ist eben, ob diese Untersuchungen seriös sind. Ob auch alle Faktoren dort Einfluß finden, die ich genannt habe.

    Davon abgesehen werden die meisten Menschen es als sinnvolles Ziel betrachten, daß sich Suchtkrankheiten in der Gesellschaft verringern. Dies ist eine ethische Frage. Ich bin übrigens auch nicht dafür, Raucher zum Aufhören zu zwingen oder ähnliche Maßnahmen bei anderen Problemen einzuleiten. Hier wäre eine Kritik an “Paternalismus” angebracht.

    Informationen über die Folgen des Rauchen sind durchaus angebracht, genauso wie man Jugendliche über die Folgen von harten Drogen oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr aufklärt.

    Ich finde, daß Sie mit Ihrer Kritik am “Gutmenschentum” übertreiben. Sie bauschen das stark auf.

    Mit Reduktionismus meine ich keine (notwendigen und plausiblen) Idealtypisierungen, Abstraktionen oder Reduktionen, sondern eben Reduktionismus. Das ist ein Unterschied. Hier wird die Reduktion zum Selbstzweck, zum Selbstbetrug.

    Wie beurteilen Sie denn den “volkswirtschaftlichen” Nutzen harter Drogen?

    PS: Die Antwort auf linkes Gutmenschentum kann kein rechter Zynismus und Autismus sein. Damit schneiden Sie sich selbst ins Fleisch.

    • Hallo James,

      es gibt wenig, zu Ihrer Stellungnahme und Ihren Eindrucksbekundungen zu sagen, außer vielleicht, dass ich immer noch darauf warte, dass Sie auch nur einen Ihrer Eindrücke mit irgend etwas, was einem Datum nahe kommt, belegen. Und dass nur Studien als seriös gelten, die Faktoren berücksichtigen, die Ihnen einfallen, ist ja wohl nicht Ihr Ernst… Niemand hat übrigens etwas gegen das Bereitstellen von Informationen, aber das wissen Sie, denn Sie haben ja meinen Text gelesen. Es geht hier ja nur noch um das Widersprechen an sich, nicht darum einen konstruktiven Beitrag zu bringen. Und dass Sie in Ihrer Weltsicht erschüttert sind, das habe ich schon ihren letzten Beiträgen entnommen, nur: auf solche Emotiönchen lässt sich kein informiertes Handeln gründen. Ich finde daher, dass Sie Ihre Emotionalität hier zu stark aufbauschen und ausleben.

      Ethische Fragen haben überhaupt nichts mit dem Verhalten von anderen zu tun, sondern mit dem EIGENEN Verhalten, damit, ob man die eigenen Handlungen verantworten kann. Insofern stellt sich im Hinblick auf Suchterkrankungen nicht die Frage, ob Sie oder ich es schlimm finden, wenn es Süchtige gibt, sondern die Frage, wie Süchtige ihre eigene Sucht vor sich und anderen rechtfertigen. Es gibt keine kollektive Ethik, wie Sie Ihnen vorzuschweben scheint, es gibt eine individuelle Ethik, daraus folgt, dass Hilfe angefordert werden muss, nicht aufgedrängt werden kann.

      Wie beurteilen Sie den “volkswirtschaftlichen” Nutzen von Gutmenschen?

  9. Und dass nur Studien als seriös gelten, die Faktoren berücksichtigen, die Ihnen einfallen, ist ja wohl nicht Ihr Ernst…

    Dies habe ich nicht behauptet. Ich schrieb, daß eine Studie möglicherweise unseriös ist, wenn relevante Faktoren ausgeblendet werden. An solchen Verzerrungen meiner Position offenbart sich übrigens Ihre tendenziöse Haltung.

    Sie unterstellen mir hier mit Ihrer Verzerrung genau die mögliche Tatsache, die auf die von Ihnen zitierten Studien zutrifft: Eine selektive Faktenberücksichtigung. Auch dieser Punkt ist aufschlußreich.

    Mir scheint, daß Sie einer seriösen Diskussion ausweichen. Ich muß Ihnen auch keine Daten nennen, da mein Kritikpunkt das Konzept einer Studie betrifft.

    Meine Aussagen haben allgemeinen Charakter. Wenn in diesen und anderen Studien bestimmte relevante Faktoren ausgeblendet sind, kann man sie nicht als seriös bezeichnen. Da Sie diese Studien im einzelnen kennen, können auch Sie überprüfen, ob meine Kritikpunkte unter Umständen zutreffen.

    Es liegt Ihnen doch sicherlich daran, daß Sie sich auf seriöse Studien beziehen.

    • Also James,

      Sie haben wortwörtlich Folgendes geschrieben:

      Die Frage ist eben, ob diese Untersuchungen seriös sind. Ob auch alle Faktoren dort Einfluß finden, die ich genannt habe.

      Und nun rudern Sie zurück und bezichtigen mich, ich hätte Ihre Position nicht richtig dargestellt.
      Das ist billig (und klappt nebenbei mit mir nicht).
      Es bleibt daher festzuhalten, dass Sie nach wie vor über mehrere (!sic) Studien fachsimpeln, die Sie nicht kennen und dass Sie noch nicht eine einzige Studie, ein einziges Datum, einen einzigen Beleg gebracht haben, der stützen würde, was Sie behaupten.

      Und hier schreiben Sie es schon wieder:

      Meine Aussagen haben allgemeinen Charakter. Wenn in diesen und anderen Studien bestimmte relevante Faktoren ausgeblendet sind, kann man sie nicht als seriös bezeichnen. Da Sie diese Studien im einzelnen kennen, können auch Sie überprüfen, ob meine Kritikpunkte unter Umständen zutreffen.
      Es liegt Ihnen doch sicherlich daran, daß Sie sich auf seriöse Studien beziehen.

      Ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eher in der Lage bin als Sie, eine gute von einer schlechten Studie zu unterscheiden. Wenn Sie wissen wollen warum, dann verweise ich Sie auf das Grundsatzprogramm dieses blogs:

      http://sciencefiles.org/grundsatzprogramm/

      “Vertrauen Sie mir”, die Studien, die ich hier besprochen habe, sind wissenschaftlich in Ordnung. Was soll das übrigens für ein komisches Kriterium sein “seriös”? In der Wissenschaft brauchen wir derartigen wertenden Krempel nicht. Wir haben Kriterien, an denen wir Studien und Ergebnisse messen können. Erfüllt eine Studie die entsprechenden Kriterien (siehe Grundsatzprogramm), dann ist’s gut, erfüllt sie die Kriterien nicht, dann hat die Studie in der Wissenschaft nichts zu suchen.

  10. Na ja, sagen wir’s mal so: Rauchen kann unter Umständen mehr volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, als es durch das frühe Ableben eines Rauchers an Nutzen einbringt.

    Unabhängig von diesen ökonomischen Fragen bleibt der Wunsch der meisten Menschen, gesellschaftliche Destruktivität wie Süchte, Kriminalität, Kriege, Prostitution, Gewalt gegen Kinder etc. zu vermindern. Der mögliche ökonomische Nutzen dieser Phänomene wird die meisten Menschen also wenig interessieren, da für sie ein ökonomischer Nutzen weniger wert ist als das Schicksal von Menschen und der Gesellschaft.

    So denken nun einmal die meisten Menschen. Und sie bekunden ihren Willen in einer Demokratie.

    PS: Ist für Sie eigentlich die Gurtpflicht nun ein unzulässiger Eingriff oder nicht? Das war mir nicht ganz klar.

    • Nein, das sagen wir nicht mal eben so, denn die empirische Evidenz belegt das Gegenteil: Die gesellschaftlichen Einsparungen durch frühes Ableben von Rauchern sind höher als die Kosten durch sein frühes Ableben. Dieses Faktum muss man in einer kollektiven Gesellschaft, die so sehr auf Solidarität, Gemeinschaft oder die nachwachsende Generation abhebt, einfach aushalten, auch wenn es einem nicht in den ideologischen Kram passt.

      Woher kennen Sie den Wunsch “der meisten Menschen”, haben Sie diesen Wunsch erhoben, die meisten Menschen gefragt oder machen Sie hier eine Annahme, die Sie nicht geprüft haben? Sie beschwören hier wieder moralische Haltungen der “Mehrzahl der Menschen”, beanspruchen das Beschwörte als gemeinsame Haltung, von der ausgehend, Sie dann anderen vorschreiben wollen, was sie zu tun haben. So sehr ich mit Ihnen in Ihrer Ablehnung von Kriminalität, Krieg, Prostitution übereinstimme, so sehr frage ich mich, wie es möglich ist, dass alle drei seit Jahrtausenden fester Bestandteil menschlicher Gesellschaften ist, wo doch die Mehrzahl der Menschen sie ablehnt? Werden wir von einer Minderheit regiert? Hier in England gibt es eine Bezeichnung für heile Welt Vorstellungen wie die Ihre, man nennt sie “sanctimonious claptrap”. Mit diesem “sanctimonious claptrap” können sie vielleicht Politiker zu wildem Regulieren veranlassen, aber Sie werden damit keine Menschen ändern. Und vor allem werden sie nichts daran ändern, dass Menschen (1) danach streben, eine Wirkung zu entfalten, (2) danach streben, sich von anderen zu unterscheiden und (3) versuchen werden, sich von Einflussnahme aller Art freizuhalten, kurz: ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Warum haben Sie so ein großes Problem damit, die Entscheidung darüber, ob er sich mit Glimmstengeln sein Leben verkürzen will, dem jeweiligen Raucher zu überlassen? Ich wette, Sie nehmen es für sich in Anspruch, über Ihr eigenes Leben zu entscheiden, warum gestehen Sie einem Raucher nicht das selbe Recht zu? (Die Frage mit dem Gurt sollte eigentlich geklärt sein. Ich glaube an die Eigenverantwortung, deshalb braucht es keine Gurtpflicht. Wer den Gurt nicht anlegt, weiß, welches Risiko er damit eingeht.)

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