Andere, vom Ministerium der Ministerin finanzierte Organisationen, wie FidAR e.V., eine Initiative für „mehr Frauen in Aufsichtsräten“, sehen zumindest die Notwendigkeit, einen Grund für die geforderte Frauenquote in Aufsichtsräten anzugeben. Da Unternehmen einen Gewinn erzielen, ja maximieren wollen, liegt nichts näher als zu behaupten, dass der Profit von Unternehmen mit dem Anteil von Frauen im Aufsichtsrat steigt. So heißt es bei FidAR e.V. auf der Homepage: „Die ausgewogene Vertretung von Frauen in den Führungspositionen der Wirtschaft ist nicht nur ein Gebot der Gleichstellung, sondern vielmehr ein Gebot guter Unternehmensführung. Wissenschaftliche Studien [meine Hervorhebung] belegen, dass Diversität in den Aufsichtsgremien, d.h. insbesondere die sichtbare Präsenz einer kritischen Masse von Frauen, ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg ist. Sie führt zu einer differenzierten Diskussion, einer risikobewussteren Entscheidungsfindung und einer besseren Unternehmenskontrolle.“
Dabei steht der Befund, der im Auftrag des BMFSFJ gewonnen wurde, nicht allein. Eine in den USA von Margaret A. Thurmond für alle Fortune 500 Unternehmen durchgeführte Untersuchung, deren Ziel darin bestand, den Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil in Führungspositionen und dem finanziellen Erfolg von Unternehmen zu untersuchen, kommt zu exakt dem selben Ergebnis, zu dem auch die Studie, die das BMFSFJ finanziert hat, kommt: „The results indicate that there was no correlation between financial performance and the number of women corporate officers. Companies that performed well financially were just as likely to have women corporate officers as were companies that performed poorly“. Daraus kann man nur schließen, was einem der normale Menschenverstand sowieso die ganze Zeit sagt: Trotz aller Geschlechtermanie in deutschen Ministerien hat Geschlecht mit den allermeisten Dingen im Leben, so auch mit dem Unternehmenserfolg, überhaupt nichts zu tun.
Diese offenkundige Unterschlagung ungenehmer wissenschaftlicher Ergebnisse bei gleichzeitigem Gebrauch von genehmen wissenschaftlichen Ergebnissen ist zum einen ein moralisch verwerflicher, billiger Manipulationsversuch, den Christdemokraten wie die Ministerin in jedem Fall zumindest wenn schon nicht verantworten so doch beichten müssen, zum anderen ein Versuch, wie Dr. habil. Heike Diefenbach dies so trefflich ausgedrückt hat, Wissenschaft zu einem Bauchladen zu degradieren, aus dem man sich die Ergebnisse aussuchen kann, die einem in den ministeriellen Kram passen. Langsam sollte darüber nachgedacht werden, Ministerien mit den selben Offenlegungspflichten zu beglücken, die Politiker nicht müde werden, Unternehmen aufzugeben.
