Deutsche Bank verbreitet Sexismus (oder Rassismus)

Manche Banken, darunter die Deutsche Bank, unterhalten Research-Abteilungen, DB-Research im vorliegenden Fall. Die Aufgabe der entsprechenden Abteilungen ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, die für die Banken relevant sind, aufzuarbeiten, und zuweilen auch eigene db-researchErkenntnisse unter die wissenschaftliche Gemeinde zu bringen. So ist Deutsche Bank Research für die Bretton Woods II These berühmt (und berüchtigt). Das Bretton Woods II System erdacht von Dooley, Folkerts-Landau and Garber in einer Reihe von Beiträgen für DB-Research ist eine Form “unheilige Allianz” zwischen den USA und China. Erstere akzeptieren, dass Letztere ihre Währung (den Renminbi) zu einem fixen Umtauschsatz an den US-Dollar binden (peggen), zu einem Umtauschsatz, der unter dem wahren Wert des Renminbi liegt und es China insofern erlaubt, zu besseren Konditionen zu exportieren, als dies der Fall wäre, wäre der Umtauschkurs zwischen US-Dollar und Renminbi auch nur ansatzweise real. Im Gegenzug dafür, dass die USA im Hinblick auf den Umtauschkurs mit China ein oder gar zwei Augen zudrücken, investiert die Chinesische Nationalbank dann einen Teil des Gewinns in US-amerikanische Staatsanleihen und finanziert damit das US-Haushaltsdefizit. Wie auch immer man zu dieser These steht, sie hat in Fachkreisen eine lebhafte Diskussion hervorgerufen und das Renommee von DB-Research erhöht.

Aber offensichtlich ist man bei der Deutschen Bank weniger an einem guten Renommee in Fachkreisen interessiert. Vielmehr scheinen die Verantwortlichen, vielleicht auch mit Blick auf möglicherweise benötigte staatliche Bailouts beschlossen zu haben, in den allgemeinen Chor politischer Korrektheit einzufallen und in gleichgeschalteter Einheit das Fehlen von Frauen in Führungsetagen von Unternehmen zu beklagen und den Weg zum “gender balanced leadership” zu bereiten. Nicht genug damit, die entsprechende Publikation, die von Claire Schaffnit-Catterjee erstellt wurde, ist Sexismus pur, und sie grenzt an Rassismus, wie ich nun zeigen werde. Zuvor kann ich mir den Hinweis nicht ersparen, dass “Schaffnit” in der pfälzischen Landessprache eine interessante Bedeutung hat…

Allport Nature of PrejudiceNun zum Rassismus. Rassismus ist ein Konzept, das es in vielen Facetten gibt,. Die einzig sinnvolle Facette, die ich kenne, hat Gordon Allport im Jahre 1954 begründet als er Rassismus als:

“… an antipathy based upon a faulty and inflexible generalization. It may be felt or expressed. It may be directed towards a group as a whole or towards an individual because he is a member of that group” (Allport, 1954, S.9).

Rassismus basiert demnach auf einer Übergeneralisierung: der Zuschreibung von bestimmten Merkmalen zu einer Gruppe und allen ihren Mitgliedern. Damit hat Rassismus eine formale Verbindung zu Stereotypen. Better (2008) beschreibt die Bildung von Stereotypen wie folgt:

“Stereotyping is the process of maintaining a standardized image or mental piece of a group or a race to which all members of the group or race are said to conform” (Better, 2008, S.108).

Wer stereotypisiert schert somit die verschiedensten Menschen, sagen wir alle Bayern, über einen Kamm, wenn er sie als Weißwurstesser bezeichnet. Wenn mit dem Weißwurstessen noch eine negative Bewertung verbunden ist, weil Weißwurstesser z.B. fett werden und die Umwelt schädigen, dann ist die Grenze von der Stereotypisierung zum Rassismus überschritten. Die Grenze zwischen Stereotypen und Rassismus ist eine kognitive Grenze, denn Stereotype typisieren, wie der Name schon sagt, und zwar in vollem Bewusstsein, dass die Typisierung in der Realität nicht vorhanden ist. Rassismus ignoriert die Tatsache, dass nicht alle Bayern Weißwurstesser sind und schreibt darüber hinaus allen Bayern noch niedrige Beweggründe als Ursache ihres Weißwurstkonsums zu, die man dann negativ bewerten kann.

Auch Sexismus ist eine Form der Generalisierung wie von Allport beschrieben. Sexismus basiert auf Geschlechts-Stereotypen und auf der Bewertung dieser Stereotypen:

“Like other isms, sexism involves stereotyping and generalizing about women and men and treating them in particular ways based on theses stereotypes” (Rogers, 2010, S.274).

Warum Stereotypisierungen und Generalisierungen ein Problem darstellen und warum bestimmte Stereotypisierungen und Generalisierungen die Grenze zu Sexismus oder Rassismus überschreiten, kann man sich an den bereits benannten Bayern deutlich machen, denn:

  • nicht alle Bayern essen Weißwürste und
  • nicht alle nicht-Bayern nehmen Anstoß am Weißwurstkonsum der Bayern.

Dummies statisticsNun gibt es in der Umfrageforschung aggregierte Daten. Aggregierte Daten entstehen, wenn man z.B. die Antworten, die alle Befragten gegeben haben, zusammenfasst. Diese Zusammefassung erfährt zuweilen die erstaunlichsten Transformationen: Aus 70% Weißwurstessern in Bayern werden plötzlich Bayern, die Weißwurst essen, und aus dem Maß zur Beschreibung univariater Verteilungen, dem so genannten Mittelwert, der besagt, dass ein durchschnittlicher Bayer jährlich 435 Weißwürste ißt, wird der Bayer, der jährlich 435 Weißwürste ißt. Dass der Mittelwert auch über nicht-Weißwurstesser und solche, die mehr als zwei pro Jahr nicht über sich bringen, gebildet wird, und dass es nur 70% der Bayern sind, die überhaupt Weißwürste essen, ist schnell vergessen, wenn die Stereotypisierung einsetzt. Und die Grenze zu Sexismus und Rassismus, die fällt genauso schnell.

Das bringt mich zurück zum “Werk” von Schaffnit-Chatterjee, dem eine ganze Reihe erstaunlicher Einsichten eigen sind, die die Grenze zum Sexismus mit Sicherheit, die zum Rassismus mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter sich gelassen haben:

  1. “Hierbei ist wichtig, zu akzeptieren, dass Frauen anders sind …[als Männer]”
  2. “Es geht vielmehr darum, die typischen Eigenschaften von Frauen schätzen zu lernen…”
  3. “Frauen sind offensichtlich in vielerlei Hinsicht ganz anders als Männer.”
  4. “Frauen verfolgen tendenziell einen beziehungsorientierten Kommunikationsstil und sind häufig bescheidener.”
  5. “Frauen müssen mehr Verständnis für die Mitte entwickeln”.
  6. “Frauen werden vor allem von Folgendem angetrieben: Sie wollen etwas bewirken, sie wollen eine Herausforderung spüren, sie wollen an die grundsätzliche Ausrichtung ihres Unternehmens glauben …”

Jedes Lehrbuch der Statistik enthält früher oder später eine Unterscheidung, die Unterschiede zwischen Gruppen solchen innerhalb von Gruppen gegenüberstellt, und regelmäßig folgt der entsprechenden Gegenüberstellung die Feststellung, dass Unterschiede innerhalb von Gruppen größer sind als zwischen Gruppen. Entsprechend ist es ziemlicher Unsinn von “typischen Eigenschaften von Frauen” zu sprechen, denn die individuelle Frau, die vor ihnen steht, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, die typischen Eigenschaft nicht zu zeigen. Eine typische Eigenschaft der Deutschen ist ihr Bierkonsum, der sie mit 109 jährlichen Litern zur Nummer 2 in Europa in Sachen pro Kopf Verbrauch macht und dennoch kann es passieren, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Deutsche vor Ihnen kein typischer Deutscher ist, weil er nämlich mehr als 109 Liter oder weniger als 109 Liter oder gar kein Bier trinkt. Insofern macht es keinerlei Sinn, typische Gruppen-Eigenschaften auf Individuen zu übertragen. Es sei denn, man will sich als Sexist oder Rassist einen Namen machen.

Institutional RacismDas gilt auch für den Kommunikationsstil, die Bescheidenheit und das Verständnis für die Mitte und den Antrieb von Frauen. Alle genannten Eigenschaften zeichnen Frauen nicht gegenüber Männern aus, selbst dann nicht, wenn Studien einen Mittelwertunterschied oder einen Prozentwertunterschied zwischen den Gruppen von Männern und Frauen ausweisen. Wer versucht, diese Gruppenunterschiede zu individualisieren und zu Eigenschaften konkreter Individuen zu machen, der macht nichts anderes als der Rechtsextremist, der der Ansicht ist, die (also alle) Türken nähmen den (also allen) Deutschen die (also alle) Arbeitsplätze weg. Beides ist offensichtlicher Unsinn und das Werk aus den Hallen von DB-Research entgeht der Einordnung als rassistisch so wenig wie die zitierte Aussage.

Von den Unterschieden zwischen “Männern” und “Frauen” im Hinblick auf Kommunikationsstil, Antrieb, Bescheidenheit oder Verständnis für die Mitte (was ist das eigentlich?) bleibt demnach nicht viel übrig. Damit stehen Aussagen wie

“Frauen sind offensichtlich in vielerlei Hinsicht ganz anders als Männer” und man müsse akzeptieren, “dass Frauen anders sind”

allein. Es handelt sich bei ihnen um Generalisierungen und Stereotypisierungen, die keinerlei empirische Validität für sich reklamieren können und damit alle Merkmale einer rassistischen (unter der Annahme, die Autorin ist der Ansicht, Frauen seien deshalb “anders” als Männer, weil Frauen eine eigene Rasse darstellen) und sexistischen Aussage (unter der Annahme, die Autorin ist der Ansicht, Frauen seien deshalb anders als Männer, weil sie ein anderes Geschlecht haben) teilen. Folglich bleibt nur festzustellen, dass DB-Research von der Schmiede wirklich interessanter Ideen zu einer Institution verkommen ist, die ihren Zweck wohl darin sieht, den allgegenwärtigen Sexismus (oder Rassismus) des Staatsfeminismus zu verbreiten.

Früh übt sich, wer als verstaatlichte Bank enden will.

Den Hinweis auf dieses Machwerk verdanke ich Hadmut Danisch, wer’s nicht glauben mag, es ist hier zu finden.

Literatur

Better, Shirley J. (2008). Institutional Racism. A Primer in Theory and Strategies for Social Change. Plymouth: Rowman & Littlefield.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2005). Living With Bretton Woods II. Frankfurt a.M.: Deutsche Bank, Global Market Research.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2004a). The US Current Account Deficit and Economic Development: Collateral for a Total Return Swap. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 10727.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2004b). Direct Investment, Rising Real Wages, and the Absorption of Excess Labor in the Periphery. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 10626.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2004c). The revivd Bretton Woods System: The Effects of Periphery Intervention and Reserve Management on Interest Rates and Exchange Rates in Center Countries. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 10332.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2003). An Essay on the Revived Bretton Woods System. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 9971.

Rogers, Anissa T. (2010). Human Behavior in the Social Environment. New York: Routledge.

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