Neues EU-Harmonisierungsopfer: Deutsch soll Englisch weichen

Brüssel, 18/01/2014, rp - Wie aus einem Dokument der EU-Kommission hervorgeht, das uns zugespielt wurde, planen die für den Internen Markt, Konsumenten und Wettbewerb zuständigen Kommissare, Michel Barnier (Frankreich), Neven Mimica (Kroatien) und Joaquím Almunia (Spanien) einen gemeinsamen Harmonisierungsvorstoß. Ziel: Eine gemeinsame Europäische Sprache: Englisch - The Common Language Area.

EU directiveDieses Mal geht es der deutschen Sprache an den Kragen. Dies geht aus einem gemeinsamen Dokument dreier EU-Kommissare hervor, das uns zugespielt wurde. Sprache, so wird in dem Dokument argumentiert, sei ein Ausdruck einer entsprechenden Kultur. So assoziiere man die deutsche Kultur mit der deutschen Sprache, die französische Kultur mit der französischen Sprache und die italienische Kultur mit der italienischen Sprache. Dagegen gebe es keine gemeinsame europäische Sprache.

Das Fehlen dieser gemeinsamen europäischen Sprache wird dann dafür verantwortlich gemacht, dass die Unterstützung für die EU in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sei. Eine gemeinsame europäische Kultur, so Robert Schumann, der behauptet, in die Pläne von Michel Barnier eingeweiht zu sein, sei die Grundlage für eine “Grande Nation Europa”, ohne europäische Kulture keine “Grande Nation” und ohne europäische Sprache, keine europäische Kultur. “Wir wollen ein gemeinsames Europa bauen”, so wird der ungehaltene Michel Barnier von einem Vertrauten zitiert, “und was tun wir? Wir bauen den Turm zu Babel!”.

Auch Paul-Henri Spaak, der in der Wettbewerbs-Kommission von Joaquím Almunia seinen Dienst tut, hat ein großes Interesse an einer Einheitlichen Europäischen Sprache. “Ich weiß gar nicht”, so sagt er, “wie die Sprache als das größte Handelshindernis den bisherigen Harmonisierungsbestrebungen entgehen konnte! Wenn ein Warentransport von Deutschland nach Frankreich führt, brauchen Sie die erforderlichen Dokumente in zwei Sprachen. Wenn die EU eine Direktive erlässt, dann muss die Direktive gleich in 24 Sprachen übersetzt werden. Das EU-Parlament beschäftigt eine Unzahl von Dolmetschern und Übersetzern, damit die EU-Parlamentarier, sich verstehen könnten, wenn sie sich denn zuhören würden. Die Einsparungen, die von einer gemeinsamen Sprache ausgehen, sind immens und genau die Anschubfinanzierung, die die schwächelnde europäische Wirtschaft im internationalen Wettbewerb benötigt”, sagt Spaak.

tower of babelAuch für Konsumenten ergeben sich eine Unzahl von Vorteilen daraus, dass nach Inkrafttreten der geplanten Direktive europaweit nur noch in englischer Sprache kommuniziert wird. Endlich, so schwärmt Vladimir Nazor, Vetrauter von Neven Mimica, sei es möglich, enge nationale Sprachgrenzen zu überwinden und ein wirklich einheitliches Europa zu zelebrieren: “Grenzüberschreitende Unterhaltungen werden möglich, wo zuvor die Sprachbarriere stand,” so Nazor.

Um diese Ziele zu erreichen, sieht die Direktive “Creating a Common Language Area”, kurz CLA vor, dass bereits ab 2015 in Kindergärten und ab der ersten Klasse in allen Mitgliedsstaaten der EU nur noch in englischer Sprache unterrichtet wird. Die notwendigen Nachschulungsmaßnahmen für Eltern, Lehrer und Kindergärtnerinnen seien von den nationalen Regierung mit Inkrafttreten der Direktive umgehend zu veranlassen. Nationale Fernsehprogramme müssten ab 2015 in englischer Sprache ausgestrahlt werden, zunächst und für die Dauer einer Übergangsphase von 5 Jahren noch mit Untertiteln in den abgeschafften Landessprachen. Behördenbriefe, öffentliche Kommunikation, Debatten in Parlamenten alle Formen der öffentlichen Kommunikation sollten auf die englische Sprache umgestellt werden.

Die Initiatoren der Direktive erwarten sich durch die Sprachharmonisierung unmittelbar Einsparungen in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro bei der Europäischen Union, hauptsächlich durch die Entlassung von Dolmetschern und Übersetzern. Der Abbau von Sprachbarrieren im Warenverkehr soll weitere 37 Milliarden pro Jahr an Einsparungen erbringen. Schließlich versprechen sich die drei Kommissare von der umfassenden Sprachbildung der Europäer in englischer Sprache nicht nur eine verbesserte Wettbewerbsposition gegenüber den USA und China, sondern auch die Schaffung einer europäischen Kultur, die auf lange Sicht an die Stelle nationaler Kulturen treten kann und mittelfristig nationale Parlamente überflüssig werden lässt.

Aber warum soll ausgerechnet Englisch die europäische Kultursprache werden? “Das ist eine gute Frage”, so Paul-Henri Spaak: “Wir haben uns die Wahl nicht leicht gemacht. Drei Gründe haben uns bewogen, die englische Sprache zu wählen: (1) Englisch ist schon jetzt die am häufigsten gesprochene Sprache weltweit. (2) Hätten wir Deutsch gewählt, die damit einhergehende Genderisierung der Sprache hätte uns in der Welt lächerlich gemacht und die Dokumente der EU noch unlesbarer als sie das eh schon sind. Und die EU-Kommission ist der Transparenz verpflichtet”, so Spaak. Schließlich verfüge das Vereinigte Königreich über die einzige ernstzunehmende Armee aller EU-Mitgliedsstaaten und angesichts britischer Bestrebungen, die EU zu verlassen, sei die Durchsetzung des Europäischen Einheitlichen Sprachraums, EES, der das Ziel von CLA sei, ein Mittel, um die Briten zum Bleiben zu motivieren, zumal bekannt sei, wie ungern Briten Fremdsprachen lernen. Dem zu erwartenden Widerstand aus Frankreich werde durch eine Erhöhung der Agrar-Subventionen vorgebeugt.

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