Professor plädiert für Abschaffung des Renteneintrittsalters

Aus Southampton von der dortigen Management School kommt ein auf den ersten Blick revolutionärer Vorschlag. Yehuda Baruch, von der Universität Southampton, Susan Sayce, von der Universität East Anglia, und Andros Gregoriou, von der Universität in Hull, schlagen die weltweite Abschaffung des Renteneintrittsalters vor. Sie wollen Rentnern die Freiheit geben, dann in Rente zu gehen, wenn sie es wollen.

SouthamptonWas revolutionär klingt, ist im Vereinigten Königreich seit 2011 Gesetz: Der Renteneintritt ist frei wählbar. Wer mit 50 in Rente gehen will, kann dies tun, wer bis 75 arbeiten will, wird daran auch nicht gehindert. Nun ist das Rentensystem im Vereinigten Königreich kapitalfinanziert, d.h. Arbeitnehmer zahlen in Rentenfonds ihres Unternehmens oder in einen privaten Rentenfonds und sichern auf diese Weise ihre Altersversorgung. Die gesetzliche Rente (NI – National Insurance genannt) garantiert nur eine Mindestsicherung, die Beiträge sind entsprechend gering, belaufen sich für einen Selbständigen auf 9% seines Gewinns, für einen Arbeitnehmer rangieren die entsprechenden Beiträge zwischen 2% und 12% des Bruttolohns.

Baruch, Sayce und Gregoriou haben nun auf Basis des Rentensystems des Vereinigten Königreichs eine Simulation durchgeführt und untersucht, ob Rentensysteme, die mit einem Renteneintrittsalter arbeiten, auf Dauer finanzierbar sind. Sie sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Sie sind es nicht! Wenn das Renteneintrittsalter beibehalten wird, dann sind die entsprechenden Rentensysteme dem Untergang geweiht.

Age limitAber, Brite, der er nun einmal ist, sieht Baruch nur Vorteile durch eine Abschaffung des Renteneintrittsalters, gibt sie Arbeitern doch umfassende Freiheit im Hinblick auf den Zeitpunkt, zu dem sie in Rente gehen wollen: “We would like to see a situation where people globally can be much more in control of when they retire. For example, they may want to work into their 70s or 80s, but perhaps want to change the type or volume of work they take on.”

Nachdem das Renteneintrittsalter gerade und schrittweise in Deutschland auf 67 Jahre bis 2029 erhöht wurde, kommt ein solcher Vorschlag natürlich ziemlich ungelegen, ist das Renteneintrittsalter doch einer der Faktoren, die das deutsche Rentensystem vor dem Kollaps bewahren. Wer vor dem aktuellen Renteneintrittsalter in Rente gehen will, muss mit einem Abschlag von 0,3% pro Monat, den er früher in Rente geht, rechnen, und die gesamte Planung der gesetzlichen Rentenversicherung basiert darauf, dass klar ist, wer ab wann in Rente ist. Nur so können über die ominöse Rentenformel, die erworbene und z.B. für Mutterschaft und Erziehungszeiten verschenkten Entgeltpunkte mit dem aktuellen Rentenwert verrechnet, die Kosten der gesetzlichen Rente gesteuert werden.

Die Abschaffung des Renteneintrittsalters würde das deutsche Rentensystem entsprechend vor ganz neue oder ganz alte Fragen der Fairness stellen, z.B. im Hinblick auf die Rentenbezüge von Bundestagsabgeordneten:

Altersvorsorge“Abgeordnete, die im Parlament saßen und ausscheiden, beziehen ab dem 65. Lebensjahr eine monatliche Pension von mindestens 2158 Euro – ohne dafür je Beitrag gezahlt zu haben! Für 18 Jahre Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag gibt es ab 55 rund 5000 Euro brutto staatliche Monatsrente – wiederum ohne je einen Euro eingezahlt zu haben. Beim Ausscheiden aus dem Bundestag steht Abgeordneten außerdem ein so genanntes Übergangsgeld von bis zu 123.804 Euro zu. Das ist deshalb so, um die größten Leiden der Politiker zu mindern. Wer nach dem 22. Dezember 1995 in den Bundestag eingezogen ist, erhält aber weniger Pension. Mit 1651 Euro bis 4746 Euro fällt die Altersversorgung jedoch immer noch recht üppig aus. Jeder normale Arbeitnehmer wäre darüber mehr als glücklich. Für 1651 Euro Rente zum Beispiel müsste ein 35-jähriger Angestellter mit Durchschnittsverdienst 66 Jahre lang 445 Euro pro Monat in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Eine private Rentenversicherung verlangt dafür 30 Jahre lang 250 Euro im Monat. Um den Höchstsatz der Bundestagsmitglieder von 4746 Euro zu erreichen, wäre in der gesetzlichen Rentenversicherung rein rechnerisch 100 Jahre lang der monatliche Höchstbeitrag erforderlich. Ein privater Sparer müsste dafür zum Beispiel 30 Jahre lang 690 Euro jeden Monat zurück legen.”

Während die einen abstimmen, gehen die anderen eben arbeiten und verdienen die Rentenansprüche für sich und für Bundestagsabgeordnete, doch nicht nur für sie: Auch Mütter, die Kindererziehungszeiten anhäufen, fahren gut mit der gesetzlichen Rente, erhalten sie doch pro Kind für drei Jahre je einen Entgeltpunkt gutgeschrieben oder können pro Kind bis zu 10 Jahre je einen weiteren Entgeltpunkt als so genannte Berücksichtigungszeit gutgeschrieben bekommen, für den Fall, dass sie nicht arbeiten können.

Ein Entgeltpunkt für Kindererziehung entspricht im Jahr 2014 einem durchschnittlichen Jahres Bruttoverdienst von 34.857 Euro, also einem monatlichen Bruttolohn von 2.904,75 Euro. Bei einer 37 Stundenwoche macht dies ein Entgelt von 19,6 Euro pro Stunde. Ein ganz nettes Verdienst für die Mühsal der Kindererziehung, der man sich mit Hilfe unzähliger staatlicher Institutionen 10 Jahre lang unterzieht.

Government helpLetztlich würde sich durch die Abschaffung des Renteneintrittsalters für das gesetzliche Rentensystem die Frage stellen, ob es weiterhin zur Selbstbedienung genutzt werden kann, die es Politikern erlaubt, nach Gutdünken Geschenke an die Klientel zu verteilen, die ihnen gerade besonders nahe ist. Anders formuliert: Vor dem Hintergrund einer Rentenfairness stellt sich die Frage, ob Rentenbeiträge, von denen, die arbeiten, einfach auf diejenigen, die nicht arbeiten, umverteilt werden können, denn durch die Absenkung des Rentenniveaus in der Riester- Rentenreform von 2001 ist klar, dass die eigenen Beiträge nicht ausreichen, um seinen gewohnten Lebensstil auch nach Eintritt in die Rente fortführen zu können.

Entsprechend sind Arbeitnehmer gehalten, privat und zusätzlich zur gesetzlichen Rente für ihr Alter vorzusorgen, damit sich Politiker weiterhin aus ihren Beiträgen zur Rentenversicherung bedienen können. In welchem Umfang diese Selbstbedienung stattfindet, kann man sich deutlich machen, wenn man ein Bruttogehalt von 2.500 Euro zum Ausgangspunkt einer Modellrechnung macht. Pro Jahr wird eine Gehaltssteigerung von 2% angenommen, der Rechnungszeitraum umfasst die 45. Jahre, auf denen der Idealfall der gesetzlichen Rentenversicherung basiert.

Im Beobachtungszeitraum (45 Jahre) steigt das Bruttoeinkommen von 2.500 auf 5.850,85 Euro, die Beitragszahlungen von monatlich 456 Euro auf 1.111,62 Euro, wobei von einem konstanten Beitragssatz von 19% ausgegangen wurde (angesichts der Obergrenzen von 20% bis 2020 und 22% bis 2030, die im Rentennachhaltigskeitsgesetz festgelegt wurden, also eine sehr optimistische Rechnung). Bis zum Ende der Beitragszeigt wird unser Durchschnittsrentner rund 214.000 Euro an Beiträgen entrichtet haben. Und entsprechend wird er eine Durchschnittsrente von 1.409 Euro erhalten (hochgerechnet auf Grundlage der derzeitigen Rentenformel).

AltersarmutHätte unser Rentner seine Beiträge investiert und nur eine konstante Verzinsung von 3% für seine Beiträge erhalten, er hätte nach 45 Jahren einen Kapitalstock von rund 407.000 Euro. Davon könnte er dann, wenn er nur die durchschnittliche Rente von 1.409 Euro, die ihm die gesetzliche Rentenversicherung zugesteht, monatlich entnehmen würde, 24 Jahre leben (bis 87 und damit weit über die durschnittliche Lebenserwartung von 77 (Männer) bzw. 82 (Frauen) hinaus). Wäre er so dreist monatliche Entnahmen von 2.400 Euro vorzunehmen, die Summe würde für 16,9 Jahre vorhalten. Wohlgemerkt, die Basis der Berechnung ist eine Verzinsung von 3% und somit eine sehr geringe Verzinsung, zudem ist die Berechnung durch den konstanten Beitragssatz von 19% sehr konservativ (Und natiürlich sehen private Rentenversicherungen die Zahlung der monatlichen Beiträge bis zum Tode vor.)

Folglich stellt sich die Frage, warum ein Beitragszahler auf ein angemessenes Leben im Alter verzichten soll, nur um es Politikern zu erlauben, seine Beiträge zu zweckentfremden und umzuverteilen? Vielleicht hat ja jemand eine Antwort.

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21 Responses to Professor plädiert für Abschaffung des Renteneintrittsalters

  1. Olli F. says:

    Hallo zusammen,

    Ich frage mich warum der kapitalfinanzierten Rente immer wieder das Wort geredet wird (Siehe Finanzblasen aller Art, Verlust von betrieblicher Altersvorsorge durch Spekulation, etc.) die doch hauptsächlich den Versicherungen zugute kommt? Ich frage mich warum immer wieder propagiert wird, es solle sich doch – bitteschön! – jeder selbst um seine Belange kümmern, denn wenn jeder an sich selbst denkt ist an alle gedacht. Selbst wenn (was ich bisher bezweifle) eine kapitalfinanzierte Rente “besser” für den Einzelnen wäre stehen immer noch die Fragen im Raum was aus dem Solidarprinzip wird und wie jemand mit kleinem Einkommen eine solche Rente aufbauen soll. Nix wird auch in Zukunft mit nix verzinst, da sind wir uns doch wohl einig. Die umlagenfinanzierte Rente verteilt das was eine Gemeinschaft aktuell erwirtschaftet, und das Ergebnis steigt doch seit jeher. Leider wird dieser Produktivitätszuwachs “abgezweigt” und kommt diesem System nicht zugute. Es haben viele kluge Leute vieles zur kapital- und umlagenfinanzierten Rente geschrieben, da bin ich kein Experte. Ich ärgere mich aber über dieses “Jeder ist sich selbst der Nächste” das zunehmend um sich greift. Dass unsere Abgeordneten vom jetzigen System profitieren erschließt sich mir nicht und steht auf einem ganz anderen Blatt. Das gehört da wirklich nicht mir rein.

    Lg,
    Olli

    • jck5000 says:

      Naja, kapitalfinanzierte Rente plus Inflation ist natürlich schwierig, aber umlagenfinanzierte Rente geht halt mit der aktuellen demografischen Entwicklung in den westlichen Ländern auch nicht mehr; dazu braucht es mehr junge als alte Leute; sonst bekommen die Rentner mehr als die jungen Arbeiter und letztere haben schnell keine Lust mehr.

      Anmerkung, M.K.:
      Ansonsten: :))

    • a.behrens says:

      Zitat “denn wenn jeder an sich selbst denkt ist an alle gedacht.”

      So funktioniert Kapitalismus aber nicht. Und auch nicht eine kapitalbasierende Altersvorsorge.

      Kapitalismus ist: Ich bringe einen Nutzen für jemanden anderen und der bezahlt mir diesen Nutzen.

      Sozialismus funktioniert dagegen nach dem Schema “jeder denkt an sich selbst …”. Oder genauer: Jeder erwartet, dass _die_ anderen was tun damit es _mir_ gut geht. Und deshalb gehen sozialistische Systeme auch immer pleite.

      Bezogen auf Altersvorsorge: Jedes System hat Vor- und Nachteile. Ein offensichtlicher Nachteil des Umlagesystems tritt ja gerade zu tage: Was ist wenn mehr Leute Ansprüche haben, als eingezahlt wird?

      • Olli F. says:

        Ich gebe Dir Recht, aber: was sind denn die Gründe dafür dass immer weniger einbezahlt wird? Allein die geringere Menge an Einzahlern sollte wegen der Erhöhung der Produktivität doch zumindest kompensierbar sein wenn (und das scheint eines der Probleme zu sein) die Einkommen entsprechend steigen würden. Tun sie aber seit Jahren nicht, das sehen wir doch (fast) alle. Ich bewege mich auf einem Gehaltsniveau wie vor 12 Jahren. Da ja angeblich immer weniger Fachkräfte verfügbar sind müssten sich gemäß der heiligen Regeln des “Marktes” die Gehälter der noch existierenden deutlich erhöhen. Tun sie das ;-)?

        • Das ist übrigens nicht nur eine Frage des Einzahlens, sondern (vor allem) eine des Entnehmens, durch Nicht-Beitragszahler.

        • a.behrens says:

          Zitat “Tun sie das ;-)?”

          Meins schon. 🙂

          Vor vielen vielen Jahren war ich mal in einem Seminar über Selbstorganisation. In dem Seminar gab es zwei, für mich, überraschende Aussage: etwa 60% aller Harvard-Absolventen werden Millionäre. Und rund 10% schaffen es nicht, sich durch eigene Arbeit über Wasser zu halten. Sie leben zeitlebens von Sozialhilfe (die es auch in den USA gibt) oder Zuwendungen von Eltern und Freunden.

          Neben Wissen und Können im Beruf gibt es halt noch so ein Ding namens Lebenstüchtigkeit. Dazu gehört, sich konstant und zeitlebens beständig nach besseren Einkommensquellen umzugucken. Das ist natürlich wider der deutschen Natur, dessen obersten Ziel eine goldene Uhr für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit ist…

          Bezüglich geringer werdenden Einzahlungen: Die Einzahlungen in das Rentensystem haben sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/39056/umfrage/beitragseinnahmen-der-gesetzlichen-rentenversicherung-seit-1990/

          Ja, ja. liegt ausschließlich an der Inflationsrate…

        • Bilbo Im TakaTuka Land says:

          Es gibt aber keinen freien Arbeitsmarkt. Er ist vollständig reguliert und von Kartellen besetzt. Selbst wenn es ihn gäbe hat der Lohnempfänger einen Grenznutzen über dem sich die eine weitere Ausbeutung nicht lohnt.

          Die nicht steigenden Löhne (bzw die tatsächliche Entlohnung, das sog. Arbeitgeberbrutto) sind ein Indiz das diese Grenze erreicht ist.

      • Bilbo Im TakaTuka Land says:

        Dieser “offensichtliche Nachteil” gilt aber auch in einem kapitalgedeckten System.

        Ob nun mehr eingezahlt werden muss um die Umlage zu finanzieren oder mehr Gewinne benötigt werden um die Zinsen zu zahlen ist Hose wie Jacke.

        Geld ist zudem kein Wert und verfällt, Immer und überall, Egal ob “goldgedeckt” oder mit welchen versprechen sonst behaftet.

        Das Umlageverfahren ist das mit Abstand sicherste und auch einfachste. So einfach das sogar der Staat es betrieben kann. Es ist das Leben selbst und ein Generationenvertrag der dies ermöglicht.

  2. Chaeremon says:

    Ich zitiere “…und die gesamte Planung der gesetzlichen Rentenversicherung basiert darauf, dass klar ist, wer ab wann in Rente ist.”

    Leider ist diese Komponente nur ein kleiner, immer wieder medial-überstrapazierter Teil der Planung. Wer schon ‘mal zur Rentenberatung ging und dort die Optionen durchrechnen liess, dem wurde klar dass das zu erwartende Lebensalter die Grundlage der Planung der gesetzlichen Rentenversicherung ist. Man kann sich z.B. vom (im Beitrag genannten) 0,3% Abschlag freikaufen, dann kommt einem das dabei zugrundegelegte zu erwartende Lebensalter, in Relation zum vermiedenen Abschlag, so richtig teuer vor …

  3. Markus says:

    Die Mütterschelte kann ich nicht nachvollziehen, dass Kindererziehungszeiten anerkannt werden ist richtig – und zwar für Väter und Mütter ! Denn die Kinder derer, die nicht arbeiten (können) zahlen hinterher denen, die sowieso schon besser gelebt haben, weil sie keine Kinder finanzieren mussten, auch noch deren fettere Doppelverdienerrenten. Wer Kinder hat ist zweimal beschissen: Einmal muss er die Kinder teuer grossziehen, bekommt wegen Verdienstausfallzeiten und Kinderfinanzierung weniger raus … und die Amortisation der Investition in Kinder durch Alterversorgung (denn einer muss ja arbeiten), die werden noch entzogen, indem die eigenen Kinder vor allem für fremde Leute arbeiten, die keine Kinder grossgezogen haben und deshalb mehr Renten”anspruch” haben. Da hilft die Erziehungszeit ein ganz klein bischen zum Ausgleich.
    Zur Politikerschelte: Ich finde nicht, dass unsere Politiker zu viel verdienen, sondern zu wenig ! Warum ? Wenn Politiker sein ein Beruf ist, der sich lohnt, ist er auch attraktiv für Leute, die was können (Unternehmer, Professoren, Selbstständige etc.) Wenn das wie ein Handwerker bezahlt wird (das scheint in dem Beitrag ein bischen als Ideal durch) dann werden sich da auch nur Profilneurotiker, Grosssprecher und Konsensquatscher treffen (vornehmlich Sozialkundelehrer bei den Sozen und Anwälte bei den Konservativen).

    • Diesen Kommentar kann wiederum ich nicht nachvollziehen. Erstens ist es empirische Realität, dass die Erziehungszeiten Nahezu ausschließlich Müttern zugerechnet werden. Zweitens zwingt niemand Eltern dazu, Eltern zu werden. Und wenn es so beschissen ist, Kinder zu haben, da fragt man sich doch: Warum setzen Eltern Kinder in die Welt – um anschließend zumindest die Identität als Leidensmenschen zu haben? Alas …

    • Olli F. says:

      Nun – ich zahle als Mann ohne Kinder über meine Steuern alle Zuschüsse für Familien mit Kindern mit (Schule, Kindergeld, etc.). Ich habe da gar keine Probleme mit, mache das gern, finde ich in Ordnung. Was ich nicht in Ordnung finde ist der Vorwurf, ich würde mich als Kinderloser wie eine Art Schmarotzer des Systems verhalten, obwohl ich schon zahle. Schon mal von der Warte aus betrachtet?

      • A.S. says:

        Das häufig gebrauchte Argument: „Ich zahle doch Beiträge, also hab ich Anspruch“ ist falsch, da die Rentenbeiträge nur eine Hälfte des Generationenvertrages sind.
        Zum Generationenvertrag gehören zwei Sachen: Finanzierung der Alten und Aufzucht der Jungen. Bei der aktuellen Alterskonstellation ist ein Teil des Generationenvertrages nicht erfüllt worden. Wenn es zu wenig Kinder gibt wird das Rentenniveau sinken, das ist ein ganz einfacher Zusammenhang.
        Letztlich ist jede Altersvorsorge in letzter Konsequenz eine Umlage, schließlich müssen die konsumierten Waren (Lebensmittel, medizinische Versorgung usw.) immer wieder permanent neu produziert werden. Die Frage ist nur wie die Umlage geregelt wird.
        Privatpersonen können sparen, Volkswirtschaften als ganzes können nicht sparen, da jedes Vermögen (Geld oder Anderes) immer nur dann einen Wert hat wenn es einen eintauschbaren Gegenwert gibt. Fehlt der Gegenwert, dann verpufft der Wert jedes Vermögens.
        Das mögliche Rentenniveau hängt also va. von der Größe des jeweils aktuell erwirtschafteten Wohlstands ab, nicht von den eingezahlten Beiträgen und nicht von dem vorhandenem Vermögen.

    • karstenmende says:

      Diese Schelte ist gerechtfertigt. Und zwar mache meine Kritik an der Höhe fest. Fast 20 Mäuse Stundenlohn dafür, die Bälger morgens in der Kita zu entsorgen und sich einen schönen Shopping-Day zu machen. Wenn ich sehe, was gerade Mütter so an NICHT KINDERSPEZIFISCHEM Schnickschnack aus den Geschäften holen, kommt mit die Galle hoch. Ich fage mich immer wieder: Wer finanziert das alles? Die Antwort kann ich mir gleich selber geben: ICH werde gezwungen derartige Kaufräusche zu begleichen!! Und das kotzt mich maßlos an!!!

    • jck5000 says:

      @Markus:

      Mir geht diese wehleidige, pseudoaltristische Lüge “wer zahlt denn eure Renten” gewaltig auf den Geist. Ich möchte daher klarstellen: Ich und _alle_ anderen kinderlosen, die ich persönlich kenne, beteiligen sich nicht an diesem gewaltigen, idiotischen und zum Scheitern verurteilten Umverteilungssystem “gesetzliche Rentenversicherung”. Dazu braucht es wahlweise den Mut zur Selbständigkeit und/oder ein ausreichendes Einkommen; offenbar etwas, wofür man aus Sicht solcher schmarotzenden Sozialisten bestraft werden sollte.

      Insofern: Es stimmt wie so vieles aus dieser Ecke einfach nicht. Eure Kinder werden es nicht einmal schaffen, eure Renten zu bezahlen. Und wir, die wir uns darum selbst gekümmert haben, werden es dann gut haben und euren Zorn auf uns haben, weil wir eigenverantwortlich an unsere Zukunft gedacht haben, während ihr “Kinder, Kinder, Kinder” geschrien habt.

      Davon abgesehen, dass von meinen Steuern, und ich zahle ziemlich sicher mehr als all diejenigen, die solchen Blödsinn von sich geben, eure Kitas, Schulen, Schulbusse, Kindergeld etc. bezahlt wird. Ich querfinanziere den Schwimmbadrabatt für eure Kinder, für die Hotels und Restaurants. Also – einfach mal Klappe halten und Danke sagen?

      Zu den Politikern: Und in D hat unsere überkompetente Koalition ja gerade als erstes relevantes Gesetzt erstmal beschlossen, dass sie für ihre tolle Arbeit, vor allem für das wochenlange Nichtstun, erstmal eine Diätenerhöhung verdient haben. Mirwegen können die gerne einen Erfolgsbonus bekommen, so wie Unternehmensvorstände. Dann würden sie aber gar nichts bekommen, da alle westlichen Staaten gerade Verlust machen. Das wäre übrigens genau der Betrag, den sie verdient haben: Nichts.

      • dentix07 says:

        “Und wir, die wir uns darum selbst gekümmert haben, werden es dann gut haben …”
        Ich fürchte, da irrst Du!
        Der Politik ist – auch wenn Nahles “Rentenreform” was anderes zu zeigen scheint – durchaus klar, das das System vor dem Zusammenbruch steht.
        Schon zu Zeiten “Die-Rente-ist-sicher”-Blüms gab es Überlegungen und Versuche die Gelder/Anlagen der berufsständischen Versorgungswerke (z.B. Ärzte und Zahnärzte), die fast durchweg ordentlich gewirtschaftet hatten und daher hohe Renten zahlten/zahlen, für die gesetzliche Rentenversicherung zu requirieren.
        Erwartest Du allen Ernstes, daß “die Politik” – wenn denn der Zusammenbruch nicht mehr vermeidbar und offensichtlich wird – die Anlagen derjenigen die selbst vorgesorgt haben in Ruhe läßt?
        Ich gehe jede Wette ein, daß in dem Moment Du mindestens eines Teils deiner Altersrücklagen/-anlagen mittels Zwangsenteignung (ja, ich weiß, ist eigentlich doppelt gemoppelt!) verlustig gehst.
        (Das dies keine leere Überlegung ist, zeigen die aktuellen Überlegungen von Zwangsabgaben zur “Überwindung” der “Bankenkrise”!)

        Es gab vor Jahren mal im Ersten einen Dreiteiler zum Thema Renten und Steuern und …(das dritte weiß ich nicht mehr) “Das Märchen von der gerechten Steuer”, “Das Märchen von der sicheren Rente” und ?.
        Im Rententeil wurde eine amerikanische Rentenversicherung für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst vorgestellt (meine es wäre die von Arkansas gewesen), die (damals zumindest) höhere Renten zahlen konnte als die Leute vorher Gehalt/Löhne erhielten.
        Die Antwort des damaligen Chefs dieser Rentenversicherung auf die Frage wie man denn eine sichere/erfolgreiche Rente bewerkstelligen könne, war:
        “Haltet die Politik draußen!”

        Eine sehr kluge Antwort, wie ich finde, denn eines, wenn nicht sogar das größte Problem der deutschen Rentenversicherung ist, daß sie politische Manövriermasse ist.

        Wahrscheinlich könnte auch die deutsche gesetzliche Rentenversicherung auf sicheren Füßen stehen, wenn, ja wenn man sie dem Einfluß der politischen Räuberbande entzöge!

        • dentix07 says:

          Habs gerade wiedergefunden. Günter Ederer: Das Märchen von der gerechten Steuer, Das Märchen von der sicheren Rente, Das Märchen vom blühenden Arbeitsmarkt (ARD/HR)
          Googelt mal nach Ihm!

      • kaivonderkueste says:

        @jck5000

        Vorab: die Schelte der Kinderhabenden gegenüber den Kinderlosen kann ich auch nur schwer nachvollziehen, sei die Kinderlosigkeit nun Kismet oder selbstgewählt. Umgekehrt allerdings auch nicht.

        Die eigenständig private Altersversorgung möchte ich allerdings sehen, die Sie krisensicher bis ans ‘natürliche’ Ende Ihrer Tage trägt. Das müsste schon ein gewaltiges Vermögen sein, weltweit und sehr breit angelegt. Und selbst dann muss Ihnen dieses Vermögen immer dann, wenn Sie etwas davon benötigen, auch zur Verfügung stehen. Die Waren, die Sie konsumieren wollen, zeitnah erzeugt werden. Oder haben Sie einen Konservenbunker? Fazit: Ohne Kinder wird es nicht gehen. Seien es nun Ihre oder die Anderer.

        Bei gesundem und soliden Lebenswandel müssen Sie bei Ihrer Eigenvorsorge zudem mehrere Jahre Pflegebedürftigkeit und Demenz einrechnen.

        Politiker und Vorstände: Mit sind keine Vorstände bekannt, die nur nach Ergebnis vergütet werden. Üblicherweise erhalten diese ein Fixum plus Erfolgsprämie. Wobei die Erfolgsprämie verhandelt wird und ein positives Betriebsergebnis des Unternehmens nur ein Teil der vereinbarten Ziele sein kann.

        MdBs erhalten ‘nur’ ein Fixum. In welcher Höhe es angemessen ist? Wer mag das entscheiden? Steht ja jedem frei, MdB zu werden.

        kaivonderkueste

  4. Tripod says:

    Ich finde die Idee toll! Ich bin jetzt 37 Jahre alt und werde absofort meinen Konsum um 70% kürzen um im Alter leben zu können. Nebeneffekt: Keine Verschwendung, keine unnütze Umweltzerstörung 😉

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