Soziales Wesen oder kalter Ausnutzer? Auftragsforschung einmal anders

Die Frage: Wie primitiv darf es denn sein?, die wir gestern bereits gestellt haben, lässt sich nahtlos auf den Gegenstand des heutigen Posts übertragen. Der Gegenstand des heutigen Post ist eine Auftragsstudie. In Auftrag gegeben hat sie die Stiftung Familienunternehmen und durchgeführt hat sie das Institut für Mittelstandsforschung an der Universität Mannheim. Verantwortlich zeichnen: “M. Sc. Wirtschaftspsychologe Max Rasser, Dr. Detlef Keese, Dipl. Vwl Niclas Rüffer und Prof. Dr. Michael Woywode”.

Primitivität Teil I: Der Titel der Auftragsforschung lautet: “Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch? Ein empirischer Vergleich der Einstellungen von Unternehmenslenkern zu Steuern, Standorten und Mitarbeitern.”

Logik f dummiesDer erste Teil des Titels besteht aus einer Disjunktion (vermutlich aus einer ausschließenden). Man kann also entweder ein soziales Wesen sein oder ein kalter Zahlenmensch. Wobei man bei ausschließender Disjunktion schließen müsste, dass soziale Wesen keine Menschen sein können, zumindest keine Menschen, die mit Zahlen umgehen können, während umgekehrt Zahlenmenschen aus der Klasse der sozialen Wesen ausgeschlossen sind. Die Auftragsstudie fängt gut an: logischer Unsinn bereits in der Überschrift. Das lässt Schlimmes ahnen (Sollte die Disjunktion nicht ausschließend gemeint sein, dann macht die Überschrift noch weniger Sinn, denn dann kann man soziales Wesen und Zahlenmensch sein. Wie man es dreht und wendet, Unsinn bleibt eben Unsinn).

Auftragsstudien-Nehmer haben nicht nur die Hypothek zu tragen, dass die Ergebnisse den Auftraggebern nicht allzu sehr missfallen dürfen, sie müssen auch die Hypothek eines Vorworts ertragen. Das Vorwort stammt von (hoffentlich reicht die Zeile: ) Prof. Dr. Dr. h. c. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Er hat uns Folgendes mit auf den Weg zu geben, Primitivität Teil II – das Vorwort:

“Der Home oeconomicus ist ein Erklärungsmuster, welches in der Wissenschaft als Grundlage für viele Modelle zur Erklärung wirtschaftlichen Verhaltens dient. Aber das Bild des Menschen, der weiß, wie er für sich den größten Nutzen herausholt und stets nach diesem Muster handelt, greift viel zu kurz. Wer als Familienunternehmer oder Fremdmanager ein Unternehmen führt, der bewegt sich in einer weitaus komplexeren Realität, als es das kolportierte Bild vom Gewinnmaximierer zulässt.”

Der Homo oeconomicus ist also ein Erklärungsmuster, das zur Erklärung genutzt wird, und gleichzeitig ist der homo oeconomicus das Bild eines Menschen, das zu kurz greift, weil die Realität komplexer ist als der Gewinnmaximierer, der weiß, wie er für sich den größten Nutzen herausholt (aus was auch immer).

Da muss man erst einmal tief durchatmen. Die geistige Welt von:  Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes, kennt also Gewinnmaximierer, die wissen, wie sie für sich den größten Nutzen herausholen und Familienunternehmer, die, wie man der Überschrift zur Auftragsarbeit, der er sein Vorwort spendiert hat, entnehmen kann, durch das “Soziale” gesalbt sind.

Primitivität Teil III: Satz des ausgeschlossenen Dritten.

Wenn der Homo oeconomic ein Erklärungsmodell ist, dann kann er keine Handlungsmaxime von Unternehmern sein. Wenn ich annehme, dass Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes mit der Studie über die soziale Salbung von Familienunternehmen einen Nutzen für seinen Verband herausschlagen will, dann ist dies eine Annahme, die der Überprüfung bedarf.

Stiftung FamilienunternehmenIm Jahre 1986 haben Tversky und Kahneman darauf hingewiesen, dass die Prüfung der Annahmen (des homo oeconomicus) zeigt, dass zwischen Annahme und Realität eine große Diskrepanz besteht, weil nämlich die Akteure nicht in der Weise rational handeln, wie es der homo oeconomicus annimmt und vor allem: weil die im Modell angenommene volle Handlungsinformation, bei den Akteuren nicht vorhanden ist. Sie wissen nämlich gerade nicht, wie sie den größten Nutzen für sich herausholen, sondern sie glauben nur zu wissen. Das Problem mit dem homo oeconomicus ist also nicht, dass das Modell nicht in der Lage wäre, die rationalste Wahl unter Alternativen vorherzusagen, sondern dass die Akteure in der Regel nicht die notwendigen Informationen haben, um sich modellkonforn und somit rational zu verhalten. Dieser kurze Ausflug in die Modellwelt des homo oeconomics macht deutlich, dass das Modell offensichtlich zu komplex ist, als dass es von z.B. Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes in seinem Ausmaß erfasst werden könnte.

Primitivität Teil IV: Die Ergebnisse:

Natürlich kommt bei der Befragung heraus, was herauskommen soll:

“Familienunternehmen verfolgen im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen eher soziale und mitarbeiterorientierte Motive. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass 92,2 Prozent der Familienunternehmen es gegenüber 75,5% der Nicht-Familienunternehmen für eher oder sehr wichtig halten, ihren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten (V).”

Und dann behaupten die befragten Familienunternehmer oder Manager, die ein Unternehmen leiten, an dem eine Familie die Aktienmehrheit hält oder Manager von Unternehmen, die von sich sagen, sie seien ein Familienunternehmen, noch, dass sie sich stark oder sehr stark sozial engagieren und dann kommt das:

“Bei rendite- und qualitätsorientierten Zielen sind beide Unternehmenstypen gleichauf. So stuften beispielsweise in beiden Gruppen 78 bzw. 79 Prozent der Unternehmen das Ziel ‘die Rentabilität des Unternehmens zu steigern’ als sehr wichtig oder eher wichtig ein. (V)”

Ist die angetrebte Rentabilität (die angestrebte Nutzenmaximierung) nun für Familienunternehmen durch soziales Engagement, also quasi durch Buße entschuldigt oder entsprechen Familienunternehmer doch dem Modell des Nutzenmaximierers, nutzen nur andere Mittel, um ihren Nutzen zu maximieren.

Primitivität Teil V: Was passiert, wenn man eine Untersuchung auf Ideologie baut

Der homo oeconomicus ist ein Nutzenmaximierer. Dass der Begriff “Nutzen” umfassender ist, als der Begriff “Gewinn”, ist sowohl Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes als auch den Autoren der Auftragsstudie entgangen. Ebenso, wie ihnen entgangen ist, dass der homo oeconomicus auch die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Nutzen erwirtschaftet werden kann und die Opportunitätskosten durch die Abwahl von Alternativen berücksichtigt (richtig komplex!). Geht man nun wie die Autoren der vorliegenden Studie auftragskonform davon aus, dass es gewinnmaximierende Ausnutzer (also Böse) und soziale Familienunternehmner (also Gute) gibt, dann kann man beide Ergebnisse, das mit der höheren Bedeutung von Arbeitsplatzsicherung und das mit der gleichhohen Bedeutung von Rendite, nur nebeneinander berichten und ansonsten hoffen, dass die Leser den offenkundigen Widerspruch nicht bemerken.

Primitivität Teil VI: Der Widerspruch

ifm MannheimAutoren, die das Soziale pflegen, wollen ihre Leser glauben machen, dass Unternehmen wegen der Arbeitsplätze bestehen. Das ist Zeitgeist-konform, und wer will heute schon durch nicht-konforme Ideen auffallen? Unternehmen gibt es aber dennoch nicht, um Arbeitsplätze zu schaffen. Das Ziel von Unternehmen besteht nach wie vor darin, einen Gewinn, eine Rendite und somit das eigene Überleben zu sichern. Ist die Rendite gesichert, dann folgt alles weitere nach, z.B. sichere Arbeitsplätze. Offensichtlich ist diese grundlegende Erkenntnis, die jeder hat, der schon einmal versucht hat, ein Unternehmen mit gesicherten Arbeitsplätzen, aber ohne Rendite zu führen, bei Nicht-Familienunternehmern noch eher anzutreffen oder die Befragung, die die Autoren durchgeführt haben, ist verzerrt.

Primitivität Teil VII: Die Stichprobe

Manchmal glaubt man nicht, was man da liest:

Dillman“Daher betrug die bereinigte Stichprobe 5551 Erhebungseinheiten. Von diesen verweigerten 4931 Unternehmen die Auskunft und weitere 33 Unternehmen brachen das Interview ab. Schließlich lagen 587 auswertbare Interviews vor, was einer Ausschöpfungsquote von 10,6% entspricht. Dieser Rücklauf von gut 10% kann angesichts der eingeschränkten Auswahl der Zielpersonen und der besonderen Thematik und Anlage des Fragebogens als sehr zufriedenstellendes Ergebnis angesehen werden, da derzeit auch in anderen Unternehmensbefragungen ohne solche besonderen Bedingungen ebenfalls Rücklaufquoten um die 10% erzielt werden (23).”

Hier haben wir uns gekringelt, vor lachen. Peter kommt nach Hause und hat eine 5, aber angesichts des Klassendurchschnitt von 5,1 kann die Note von Peter als zufriedenstellendes Ergebnis angesehen werden. Man glaubt den Unsinn zuweilen gar nicht, der einem zugemutet werden soll. Und nicht einmal der äußerst liberale Don Dillman käme auf die Idee, eine lausige Rücklaufquote von 10% als “zufriedenstellend” zu bezeichnen. Dillman ist der Papst für schriftliche Befragungen. Die Autoren haben aber Telefoninterviews mit Personen in Unternehmen geführt, vermutlich mit den Personen, derer sie habhaft werden konnten, und da fragt man sich dann schon, wie es die Autoren angestellt haben, 90% der Befragten zu verprellen – am Telefon.

Und zum Schluß: Unter den 587 Antwortern, die sich letztlich vermutlich aus Mitleid bereit gefunden haben, die Auftragsstudie der Stiftung Familienunternehmen vor dem Scheitern zu retten, sind 259 aus einem Familienunternehmen, was einen Anteil von gut 44% darstellt. An allen deutschen Unternehmen halten Familienunternehmen jedoch einen Anteil von 95,3%. Wie man vor diesem Hintergrund behaupten kann, auf Basis dieser dünnen und verzerrten Stichprobe ließen sich “repräsentative Aussagen für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern treffen”, ist nicht nachvollziehbar und eine Erklärung oder gar einen Beleg für diese Behauptung sucht man in der Auftragsarbeit vergeblich.

Tversky, Amos & Kahneman, Daniel (1986). Rational Choice and the Framing of Decisions. Journal of Business 59(4): S251-S.278.

Print Friendly, PDF & Email

About Michael Klein
... concerned with and about science

15 Responses to Soziales Wesen oder kalter Ausnutzer? Auftragsforschung einmal anders

  1. Chaeremon says:

    Es gibt kein rationales ökonomisches Modell — so es denn ein ökonomisches Modell sein soll welches mehr als nur Buchhaltung macht, und es ggf. auf Computern läuft, dann sind derart Modelle immer irrational angelegt. Als illustrierendes Beispiel:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/wachstumsprognosen-das-versagen-der-oekonomen-12624972.html

    Zu einem irrationalen Modell kann man sich nicht konform verhalten, es können noch nicht ‘mal zwei irrationale Modelle miteinander verglichen werden (geschweige denn mit Menschen). Der Ansatz dieser Forscher ist eklatanter Unsinn, dem Auftraggeber wurden die für jeden Menschen unsichtbaren Kleider gezeigt.

    • Ich fürchte, das verstehe ich nicht, aber vielleicht können Sie es ja erklären, mir und all denen, die seit von Neumann und Morgenstern im Jahre 1944 den homo oeconomicus eingeführt haben, denken, das Modell basiere auf Rationalität, wie sie Max Weber beschrieben hat.

      • Chaeremon says:

        Ganz einfach (ich nehme mir die Freiheit und zitiere dabei auch ohne Kennzeichnung aus den eMails mit und den Veröffentlichungen von Prof. Pei Wang, Indiana University).

        In einem nicht-trivialen ökonomischen Modell, können, sagen wir ‘mal zur Vereinfachung, genau 2 Zutaten erfasst werden, implizites Wissen (1+1=2 für a+b=c) und explizites Wissen (preiswert? kaufen! womit? äh, hab nix mehr). Was nicht erfasst wird ist dass jedes ökonomische Modell unter unzureichenden Kenntnissen und unzureichenden Ressourcen erstellt wird, und das es darüber hinaus mit unzureichenden (input) Kenntnissen und unzureichenden Ressourcen betrieben wird. Dabei ist es egal ob das Modell auf einem Computer läuft, ab jetzt nehme ich das zwecks Vereinfachung aber einfach mal an.

        Ein Beispiel zu unzureichenden Ressourcen: das Modell kann nicht jede Verzweigung verfolgen um eine zulässige Antwort zu finden weil vorher der Computerspeicher übergelaufen ist oder der Mensch am Output-Terminal verstorben ist. Daher baut der Modellierer zusätzlich irrationales Verhalten ein, ganz bewusst und der sprichwörtlichen Not gehorchend. Nicht auszudenken dass circa 2 milliardstel Computersekunden später die erwünschte rationale Antwort gefunden worden wäre oder der Hund den Hasen, hätte, könnte, wenn, wollte, LOL.

        Es sind daher bereits 4 eklatante Mängel vorhanden (systemisch bedingt 😉 denen zwangsläufig irrational begegnet werden muss (was? steht so nicht in der Glanzbroschüre ‘drin? reingefallen! genauso reingefallen wie Alan Greenspan und seine 250 massiv forschungsgeldbewehrte Ph.D Modellierer in die Finanzkriese).

        Zu all dem kommt noch ein “Dachschaden”: wie bitte soll das Modell etwas ausgeben (man denke hier der Einfachheit halber an, aus potentiell irrationalem Verhalten (oder input) gewonnnen, Konklusionen) von dem das Modell vorher nichts gewusst hat? Und wie wird diese Ausgabe von einer fehlerhaften Ausgabe unterschieden, wenn doch keinerlei Vergleichswissen vorliegt (sonst wäre die Ausgabe nicht neu). Zum Letzteren: wenn das Wissen bereits vorhanden gewesen wäre, so hätten wir es in das Modell eingebaut, aber doch immer nur wenn der Computerspeicher nicht schon wieder überläuft und wir schon wieder irrationales Verhalten praktizieren müssen.

        Zu diesen 5 irrationalen Verhaltensmustern gesellt sich dann noch der menschliche Irrtum beim Erstellen des Modells und beim Betrieb des Modells. Aller guten Dinge sind mindestens 7.

        Es warten natürlich Nobelpreise (und Turing-Preise, und Millennium Prize) auf diejenigen Helden die uns aus diesem Schlamassel heraus an das Licht führen 😉

        • a.behrens hat in seinem letzten Post den Unterschied zwischen isomorphen und homomorphen Modellen erklärt, ich will an dieser Stelle auf den Unterschied zwischen normativen und deskriptiven Modellen hinwiesen. Fast das gesamte Problem, das es mit dem homo oeconomicus gibt, basiert auf der Verwechslung beider Modelle. Abgesehen davon zeigt Ihre Darlegung, dass es keinerlei Rationalität geben kann, was mich wiederum die Frage stellen lässt, wie wir miteinander kommunizieren können, da ich mindestens fünf der Verzweigungen verpasst habe, die Sie in ihrem Post beschreiben. Überhaupt, haben sie ja nicht nur gezeigt, dass wir uns nicht verstehen können, sondern auch, dass Sie sich ebenso wenig rational mitteilen können, wie wir in der Lage sind, rational zu verstehen, was mich zu dem Schluss bringt, dass ich jetzt nach Llanelli fahre und davon abgesehen, wobei ich hoffe, dass die anderen Verkehrsteilnehmer nicht Ihrer Ansicht sind und sich entsprechend rational und vorhersagbar verhalten, z.B. in dem Sie auf ihrer Seite bleiben …

    • a.behrens says:

      Im Studium hat mich ein Prof mit dem Unterschied zwischen isomorphen und homomorphen Modellen genervt. Habe damals nicht verstanden wozu ich sowas wissen müsse. Jetzt weiß ich es: Für Sie! 🙂

      Isomorph: Das Modell ist strukturgleich, die Realität wird hunderprozentig exakt wiedergegeben.
      Homomorph: Das Modell nimmt Vereinfachungen vor.

      In der Ökonomie wird zwangsweise mit Homomorphen Modellen gearbeitet. Einfach deshalb, weil die zukünftigen Entscheidungen von Milliarden von Menschen nicht sinnvoll in einem Modell erfasst werden können. Sie unterstellen jedoch, dass die Ökonomie ein isomorphes Modell benutzt. Außerhalb der Mathematik gibt es aber kein einziges Wissenschaftsgebiet, welches isomorphe Modelle benutzt. Auch Physiker, Astronomen und Chemiker benutzen homomorphe Modelle.

      Der Vorteil von homomorphen Modellen liegt auf der Hand: Innerhalb bestimmter Bandbreiten werden hinlänglich genaue Prognosen gegeben, der Aufwand für die Erstellung des Modells, der Datenerfassung und Berechnung ist abschätz- und in der Praxis machbar. Der Aufwand für isomorphe Modelle läuft bei komplexen Systemen dagegen gegen unendlich.

      Sowohl homomorphe als auch isomorphe Modelle sind rationale Modelle. Diskutieren könnte man allerdings, ob Zeitungsleser die von solchen Modellen hören und in der FAZ kommentieren noch rational handeln. Bei der Verwendung eines Modells ist IMO nicht das Ergebnis interessant, sondern welches Modell benutzt wurde und welche Eingangsparameter verwendet wurden. Und dann kann man anschließend _darüber_ diskutieren.

      Daher: Welche Aspekte oder Parameter im Modell sind Ihrer Meinung nach falsch und warum?

      • Stuff says:

        Das mit dem homomorphen Modellen ist ja nun so schön bei den Boing-Dreamlinern zu beobachten, die dort verwendeten Batterie-Modell waren halt nicht ausreichend homomorph.

        Aber Boing darf sich ja selbst zertifizieren 😉

    • Frank says:

      “…Zu einem irrationalen Modell kann man sich nicht konform verhalten..”? Na dann empfehle ich ihnen diesen Beitrag: “Die Pseudo-Moralität der Moderne”.

  2. Frank says:

    “Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch? Ein empirischer Vergleich der Einstellungen von Unternehmenslenkern zu Steuern, Standorten und Mitarbeitern.”

    Der erste Teil des Titels lässt ja noch hoffen. Vielleicht erhellt dieser Vergleich meinen kleinen Verstand. Ob entweder oder, oder entweder, ist eine gern gebrauchte Disjunktion um dem Leser bei Laune, Stimmung oder am Ball zu halten.
    Der zweite Teile motiviert mich allerdings dazu eine andere Lektüre vorzuziehen, denn er entlarvt den Nutznießer ( laut Prof. Dr. Dr. h. c. Brun-Hagen Hennerkes scheint dies ein Objekt zu sein, welches sich bei Gewinnmaximierung durch Niesen bemerkbar macht).
    Die Empirik, insbesondere wenn sie in irgend einem Zusammenhang mit Sozial angewandt wird, ist die wissenschaftliche Methode der Nomokraten.
    Irgendwie empfinde ich plötzlich ein tiefes Mitgefühl mit dem Autor dieses Post. 85 Seiten Dummheit zu lesen ohne ein Quäntchen des eigenen Urteilsvermögens zu verlieren, verdient Respekt.

  3. Chaeremon says:

    “Sie unterstellen jedoch, dass die Ökonomie ein isomorphes Modell benutzt.”

    Nein, ich habe so eine Prämisse nicht, das hat mir Prof. Pei Wang abgewöhnt als ich keinen potentiell unendlichen Aufwand mehr betreiben wollte.

    Mein Hauptargument ist das unzureichende Wissen und sind die unzureichenden Resourcen beim Erstellen und Betrieb der Modelle. Ich weiss, das ist schwierig wenn man gewohnt ist ausreichendes Wissen (Vereinfachungen / Prognosen wurden oben genannt, welches Modell erfindet so etwas ad-hoc ohne zusätzliches Wissen) und ausreichende Resourcen (zur e.g. Durchführung der ad-hoc Erfindungen) anzunehmen.

    Dabei können wir es belassen (so Sie es wollen). Ich warte sicher gern auf den nächsten Nobelpreis, Turing-Preis oder Millenium Prize welcher vergeben wurde weil Probleme des unzureichenden Wissens und/oder der unzureichenden Resourcen, ad-hoc ohne zusätzliches Wissen und ohne zusätzliche Resourcen, gelöst wurde(n), und freue mich dabei über jeden Fortschritt.

    “Welche Aspekte oder Parameter im Modell sind Ihrer Meinung nach falsch und warum?”

    Ich meine dass ich die Aspekte schon genannt hatte: unzureichendes Wissen und unzureichende Resourcen beim Erstellen und während des Betriebes der Modelle.

    • a.behrens says:

      Zitat “Ich meine dass ich die Aspekte schon genannt hatte: unzureichendes Wissen und unzureichende Resourcen beim Erstellen und während des Betriebes der Modelle.”

      Das ist eine Rekursion: Modelle können nicht erstellt werden, weil es unzureichendes Wissen gibt. Und unzureichendes Wissen gibt, weil es keine Modelle erstellt werden können.

      Die eigentliche Frage ist aber: Reicht das vorhandene Wissen um ein leidlich akurates Modell zu erstellen, auf dessen Grundlage ich dann eine Prognose erstellen kann.

      In jeder wissenschaftlichen Disziplin ist es üblich trotz begrenztem Wissen mit Modellen zu arbeiten. Niemand hat ein Problem damit, dass Astronomen die Plantenbahnen nur schätzen können und NASA-Ingenieure Triebwerke in Satelliten einbauen müssen, ob die fehlerhafte Modelle der Astronomen auszugleichen. Niemand hat ein Problem damit, dass Meteorologen allenfalls für drei Tage eine ungefähre Schätzung der Temperatur abgeben können. Niemand hat ein Problem damit, dass Physiker die Unmöglichkeit einer genauen Messung zum Gesetz erhoben haben (Unschärferelation). Niemand hat ein Problem damit, dass Statiker die Statik eines Hauses nicht exakt berechnen können und erhebliche Sicherheitsaufschläge machen. Die Liste kann man jetzt endlos fortsetzen.

      Aber die Ökonomen sollen perfekte und fehlerfreie Modelle entwerfen? Astronomen schaffen es nicht ein vernünftiges Modell unseres Sonnensystems zu entwerfen, obwohl es nur ungefähr acht Planeten gibt (selbst über die Anzahl der Planeten sind sich die Astronomen nicht einig, unwissenschaftliches Volk). Aber die Ökonomen sollen ein Modell für 7 Milliarden Erdbewohner erstellen und dabei auch noch externe Ereignisse (Naturkatastrophen) berücksichtigen?

      Und ja, ich glaube schon das die Ökonomen Modelle erstellen können. Die spannende Frage ist eher: Welchen Zweck soll das Modell erfüllen und ist es dafür geeignet. Als Beispiel ein Angestellter der auf höheren Lohn spekuliert und dafür den Job wechseln will. Um nicht in eine Falle zu laufen (während einer aufziehenden Wirtschaftskrise sind höhere Löhne schwierig zu erreichen der Angestellte läuft sogar in Gefahr lange arbeitslos zu sein), kann sich dieser Angestellte ein einfaches Modell erstellen und braucht vermutlich nur ein Wert: Anzahl der Arbeitslosen in seiner Branche. Wenn dieser Angestellte sich überlegt sich selbständig zu machen, bräuchte er möglicherweise ein komplizierteres Modell, welches die Konjukturzyklen modelliert. Dafür braucht es eigentlich auch nur wieder Arbeitslosenquote. Sinnvollerweise aber auch z.B. noch Wirtschaftswachstum D + Welt, Dollarkurs (abhängig von Branche extrem wichtig), Zinsatz Bundesbank und so weiter. Beide Modelle sind starke Vereinfachungen der Realität, aber ausreichend um über den gewählten Prognosezeitraum eine hinreichend genaue Aussage über die Wirtschaft machen zu können. Jedenfalls solange die Grundannahmen des Modells (das es zum Beispiel keine extremen Ereignisse gibt) gültig bleiben.

      Das Problem sind für mich Leute die von Ökonomie nichts verstehen, aber glauben mitreden zu können, weil sie Wirtschaftsteilnehmer sind. Aber 30 Jahre in einer Höhle zu leben bedeutet nicht, dass man anschließend ein besserer Geologe ist und die Fähigkeit für 60 Sekunden die Luft anzuhalten macht einen nicht zum Tiefseeforscher.

      • Chaeremon says:

        “Und ja, ich glaube schon das die Ökonomen Modelle erstellen können.”
        Ja. Mit der wissenschaftlichen Methode aber nicht mit Matheologie (Ausdruck übernommen von Prof. Mückenheim, Forschungsgebiet MatheRealismus, HS Augsburg)

        “Die spannende Frage ist eher: Welchen Zweck soll das Modell erfüllen und ist es dafür geeignet.”
        Nein. Wissenschaft hat kein solches Ziel. Gewinn- und lorbeerenorientierte Auftragsforschung eher schon: ständig entlang einer wissenserweiterungsunfähigen Ideologie, wie auf sciencefiles.org oft kritisiert wird.

        “Das Problem sind für mich Leute die von Ökonomie nichts verstehen, aber glauben mitreden zu können, weil sie Wirtschaftsteilnehmer sind.”
        Wer würde sich an einen Ökonom ohne Fachqualifikation wenden, für seinen Betrieb oder sein Projekt? das bringt doch nix ausser unnütze Kosten. Ach ja, vielleicht sind Politiker gemeint.

      • Chaeremon says:

        Nachtrag [OT] zu “Das ist eine Rekursion: Modelle können nicht erstellt werden, weil es unzureichendes Wissen gibt. Und unzureichendes Wissen gibt, weil es keine Modelle erstellt werden können.”

        Ich würde den ersten digrammatischen Plot für das erste Modell halten, da braucht es “nur” ein Streudiagramm. Ihre geschätzte Meinung oder Vorschlag?

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

Translate »
error: Content is protected !!
Haben Sie Lust auf Auseinandersetzung oder steht bei Ihnen eher der Frust durch Auseinandersetzungen im Vordergrund? Der individuelle Umgang mit Konfliktsituationen ist ein Feld, das in Deutschland nicht beforscht wird. Dr. habil. Heike Diefenbach ändert dies zur Zeit. Sie haben die einmalige Gelegenheit, daran mitzuwirken. Nehmen Sie an unserer Primärforschung teil. Wirken Sie mit an der Erstellung einer Skala zur Messung von Konfliktorientierung.   Zur Teilnahme geht es hier.
Holler Box
Skip to toolbar