Mitglieder von al-Kaida

Es war al-Kaida!

Die Organisation, die wir in unserem letzten Rätsel gesucht haben, die Organisation, deren Mitglieder sich aus Ärgerlichen (, die sich von der Gesellschaft und externen Kräften an ihrem Vorankommen gehindert sehen), Status-Suchern (, die sich von einer Mitgliedschaft Status unter ihren Peers versprechen), Identitäts-Suchern (, die nur durch eine Mitgliedschaft eine Identität entwickeln können) und Abenteurern (, die den Thrill suchen) zusammensetzen, diese Organisation ist tatsächlich al-Kaida. VenhausGrundlage unseres Rätsels ist eine bemerkenswerte Untersuchung des “United States Institute of Peace”, die John M. “Matt” Venhaus erstellt hat.

Die Untersuchung basiert auf 2.032 Interviews mit Personen, die sich al-Kaida angeschlossen haben und von der US-Armee vornehmlich in Afghanistan aufgegriffen wurden. Die von uns berichtete Klassifizierung der Mitglieder von al-Kaida, die alle durch die Bereitschaft ausgezeichnet sind, ihr eigenes Leben bereitwillig für die Sache von al-Kaida zu geben, ist nur eines von einer Reihe interessanter Ergebnisse der Untersuchung von Venhaus. Insbesondere die Aufräumaktion, die Venhaus im Hinblick auf die Mythen, die die Kämpfer von al-Kaida umgeben ausführt, Mythen, die von fundamentalistischen und religiös verblendeten Spinnern ausgehen, ist so bemerkenswert, dass wir sie hier berichten wollen. Demnach sind:

  • al qaedadie Miglieder von al-Kaida, selbst wenn sie bereit zum Selbstmord-Attentat sind, nicht verrückt. Zu diesem Ergebnis kommt Venhaus auf Grundlage seiner eigenen Untersuchungspopulation und auf Grundlage des Einsatzes seines gesunden Menschenverstands, der da sagt, dass verrückte Mitglieder in einer Terrororganisation dysfunktional sind: Mit ihnen ist kein Umgang möglich. Man kann nicht sicher sein, wie sie reagieren, nicht sicher sein, dass sie geheim halten, was sie geheim halten sollen und nicht vorhersagen, was sie tun, wenn sie als menschliche Bombe unterwegs sind. Kurz: al-Kaida und andere Terrororganisationen können sich mental instabile Personen nicht leisten, geschweige denn Verrückte.
  • Al-Kaida Kämpfer sind keine in Armut aufgewachsenen oder sonst wie ökonomisch Deprivierten. Sie rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus der Unter- wie der Oberschicht, aus reichem wie armem Elternhaus.
  • Al-Kaida Mitglieder schließen sich der Terrororganisation nicht an, weil sie fundamentalistische Muslime sind. In den meisten Fällen, so hat Venhaus festgestellt, haben sie ein “inadequate understanding of their own religion” (5). Sie kommen in der Regel aus säkularen Elternhäusern oder aus Elternhäusern, in denen der Koran keine große Rolle gespielt hat. Vielmehr erfolgt die Radikalisierung der al-Kaida Mitglieder nachdem sie sich al-Kaida angeschlossen haben. Wie man sich diese Radikalisierung vorstellen kann, zeigt das in Manchester aufgefundene al Qaeda Manual, dem man nicht nur die geschickte Verquickung von Religion und Kampf entnehmen kann, die zur Indoktrination der Mitglieder von al-Kaida genutzt wird, sondern auch die beeindruckende Liste der Eigenschaften, die ein al-Kaida Kämpfer mitbringen muss.
  • Die Mitglieder von al-Kaida rekrutieren sich weitgehend selbst. Al-Kaida ist eine globale Marke, so schreibt Venhaus, die eine entsprechende Anziehungskraft auf die vier Gruppen von potentiellen Mitgliedern ausübt, die oben genannt wurden. Die Mitglieder laufen al-Kaida entsprechend zu, wobei den Peers eine entscheidende Rolle zukommt.

Das sollte genügen, um den Mythos vom religiösen Spinner, der für al-Kaida in den Kampf zieht, zu zerstören. Nun zum Rätsel. 189 Leser von ScienceFiles haben sich an unserem Rätsel beteiligt und somit nicht einmal 10% derer, die den Beitrag gelesen haben. 10 Leser (5%) haben die richtige Antwort gegeben und al-Kaida als die gesuchte Organisation identifiziert. 179 Leser (95%) lagen mit Ihrer Einschätzung falsch:

  • 43 Leser (23%) waren der Ansicht, die gesuchte Organisation sei das Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung. Es mag sein, dass eine Mitgliedschaft in diesem Netzwerk Identität, vielleicht auch Status vermittelt, dass sich vor allem Ärgerliche und Deprivierte dort einfinden, aber Abenteurer? Nein, nichts liegt dem Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung in all seiner biederen Monotonie ferner als Abenteuer.
  • 34 Leser (18%) haben die Bundeswehr genannt. Wieder passen drei Kategorien (Abenteurer, Indentitäts- und möglicherweise: Status-Sucher), aber dass die Bundeswehr Ärgerliche, die mit ihrer Gesellschaft auf Kriegsfuss stehen, anzieht, die dann ausziehen, um vermeintlich gerade diese Gesellschaft zu verteidigen, ist eher unwahrscheinlich. Das selbe Argument trifft auf die Freiwillige Feuerwehr zu. die von 17 Lesern (9%) benannt wurde. Ägerliche werden vermutlich eher zum Pyromanen als zum Feuerlöscher.
  • VERDI-Farbe_Verdi haben 4 Leser (2%), den Bundesfreiwilligendienst haben 5 Leser (3%) genannt. Ob man bei Verdi Status gewinnen kann, sei einmal dahingestellt. Vielleicht gibt es wirklich Leute, die Status daraus nehmen, im weißen Plastik-Leibchen mit Verdi Aufdruck auf der Straße zu stehen, aber dass Verdi etwas mit Abenteuer zu tun hat, das wird niemand behaupten wollen. Das gleiche trifft auf den Bundesfreiwilligendienst zu, der von Abenteuer so weit entfernt ist, wie ein durchschnittlicher Mittelschichts-Vater vom Machismo.
  • AntifaEs bleiben: Die Antifa, die 42 Leser (22%) genannt haben, die Grüne Jugend, auf die 24 Leser (13%) getippt haben, die Borussenfront, die 7 Nennungen erhielt (4%) und die alte Irisch Republikanische Armee mit drei Nennungen (2%). Vorbehaltlich der noch zu erstellenden wissenschaftlichen Untersuchung der vier Organisationen kann man an dieser Stelle feststellen, dass es durchaus denkbar ist, dass deren Mitgliederschaft aus Ärgerlichen, Identitäts- und Status-Suchern und aus Abenteurern besteht, dass sie sich, mit anderen Worten, nicht der Form nach, in Teilen auch nicht im Inhalt und der Wahl der Mittel, wohl aber in der Bereitschaft, die eigene Sache bis zum bitteren Ende durchzusetzen, von al-Kaida unterscheiden (noch?). Soweit daneben lagen die Leser, die diese Organisationen genannt haben, also gar nicht. Das sagt auch was – oder?

Vielen Dank an alle Leser, die sich an unserem Rätsel beteiligt haben. Venhaus, John M. “Matt” (2010). Why Youth Join al-Qaeda. Washington: United States Institute of Peace, Special Report 236.

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17 Responses to Mitglieder von al-Kaida

  1. karstenmende says:

    Die niedrige Beteiligung an diesem Rätsel überrascht mich nicht. Ich habe mich ebenfalls nicht beteiligt. Aus folgendem Grund: es war, wie die Gesamtheit der Kriterien es nicht anders hergeben, klar, dass die vermeintlich islamistische Terrororganisation “Al-Qaeda”, “Al-Kaida” (oder wie auch immer das geschrieben wird) gemeint war. Allerdings lassen die Fakten hinter dieser Organisation es nicht zu, diesen Kriterien all zu viel Aussagekräftigkeit beizumessen. Zu allererst ist diese “Terrorgruppe” eine Schöpfung der US-Geheimdienste, und zum zweiten bei den weitaus meisten ihr zugeschobenen terroristischen Attacken nur ein Mythos. Ich sage es mal so: “Al-Qaeda” ist eine Marke unter der einer verängstigten Bevölkerung der Staatsterrorismus verkauft wird. Der Name, die Teilnehmer, wie auch die Methodik haben ihre Quelle in Washington D.C. Sicher ist, dass ein gewisser Richard A. Clarke (Against All Enemies) mehr über den Ursprung dieser Organisation weiß, als irgend ein ominöser, bärtiger Scheich. Warum ist das wohl so?

    • Wer für al-Kaida steht, ob es al-Kaida gibt, ob es nicht nur eine namentliche Schöpfung des NSA ist. die 2032 Befragten von Venhaus sind real und haben auch gedacht, sie würden für al-Kaida kämpfen – insofern muss man wohl zumindest annehmen, dass die Befragten annehmen, dass es etwas gibt, was man als al-Kaida bezeichnen kann.

      • karstenmende says:

        Ich denke jedoch, dass im Ramen einer Lüge vieles erzählt werden kann. Ich hege schon Zweifel an der Methodik der von den Medien verbreiteten Rekrutierung. Man kann eben nicht zu einem x-beliebigen Imam gehen, der einem dann den “richtigen Weg” zu den Rekrutierungsbüros “von Al-Qaeda” weist. Das ist viel zu riskant. Da beginnt doch schon der Mythos. Nein der Rektrutierungsweg dürfte zum allergrößten Teil über die “Dienste” laufen. Was diese Rekruten dann vorgeblich behaupten, ist wohl enger mit deren persönlichen Lebenslügen verknüpft als mit einer glaubhafen Motivation. Beispiel: wenn einer von denen behauptet, die Abenteuerlust und der Widerstand gegen den Westen habe ihn “Al-Qaeda” zugeführt, er in Wahrheit aber weiß, dass er wegen irgend eines Vergehens von den “Diensten” erpressbar ist, und dann auch erpresst wird und wissentlich für einen “Dienst” arbeitet, ändert das die Glaubwürdigkeit und Aussagekraft seiner “Motivation” gewaltig.
        Die “Motivation” der armen Teufel, die gar nichts von ihrem Glück wissen, für diese Terror-Company zu sterben, ist dabei noch gar nicht erwähnt worden. Mag es 2032 Befragte Personen geben, deren Aussagen sind allerdings in höchstem Maße suspekt.

        • Das Problem an Verschwärungstheorien wie derjenigen, die Sie vortragen, ist, dass man sie nicht widerlegen kann, während die Forschung, von der Vernhaus berichtet, ich kann es nur noch einmal wiederholen, real ist. Und auch wenn ich dazu neige, al Qaeda als emergenten Effekt zu sehen, über dessen Entstehung man streiten kann, und im Hinblick auf 9/11 nur mit Fox Mulder ungläubig “Over US Airspace?” sagen kann, so halte ich dennoch nichts davon, die vorhandenen 2032 Interviews als Ergebnis der Befragung von Irren abzutun. Übrigens handelt es sich bei “Abenteurer”, um eine Typologisierung, die Venhaus vorgenommen hat. Es handelt sich also um eine Abstration, die nicht erfordert, dass jemand Abenteuerlust als Motivation angibt. Aber bitte: Wenn Sie lieber annehmen, dass alles eine Fiktion von Geheimdiensten ist und 2032 opportunistische Irre in Guantanamo und sonstwo sitzen, um dort ihre Lebenslüge zu feiern, mir soll’s Recht sein.

          • karstenmende says:

            Ich bezweifle nicht, dass es Rekruten in dieser Organisation gibt, die die genannten Kriterien aufweisen. Allerdings bewegen wir uns in einem Feld, in dem allgemeine Glaubwürdigkeit, die für die Stichhaltigkeit einer Studie notwendig wäre, nicht gegeben ist. Es liegt nun einmal in der Natur von Geheimdiensten, mit der Wahrheit sehr sparsam umzugehen. Ich vermute, dass die geringe Beteiligung an dem Rätsel eben auf den Umstand zurückzuführen ist, dass bei genauerer Betrachtung keine der genannten Organisationen in Frage kommt.
            Im übrigen stimme ich mit Ihnen durchaus überein, dass echte Verrückte für derartige Machenschaften nicht zu gebrauchen sind. Wie aber stellt sich dieser Sachverhalt mit Blick auf einen Mörder dar, der eine Geisel vor laufender Kamera bestialisch exekutiert? Ist es nicht nur verständlich, wenn der Volksmund in diesem Fall von einem “Irren” spricht?

            • Zu 1: Abermals die Frage, wann sind Sie mit Ihren Annahmen falsifiziert?
              Zu 2: Wie man einen “bestialischen Mörder” nennt? Bestialischer Mörder – vielleicht? Denn das ist was man sieht. Was man nicht sieht, ist sein geistiger Zustand. Wenn Sie bestialische Mörder mit Irre gleichsetzen, dann war der Großteil der Wehrmacht, die sich an Massenexekutionen beteiligt haben, nach Ihrem Kriterium irre. Wenn es ihnen gefällt, bitte. Aber was es brint, ist mir nicht ganz klar. So wenig, wie mir klar ist, was die Annahme einer Verschwörungstheorie soll, wenn man belastbare Daten hat.

              • karstenmende says:

                Die Antwort liegt, wie so oft, in etwa in der Mitte. Ich habe mich wohl ein wenig mißverständlich ausgedrückt. Ich behaupte nicht, dass alle Befragten lügen und deren Aussagen über ihre Motivation nicht stimmig sind. Da aber noch andere Beweggründe als “Abenteuerlust”, “Hass auf den Westen” oder Unzufriedenheit in Frage kommen, sich in einer solchen Organisation zu verdingen, verfälscht sich das Ergebnis dieser Befragung. Sie mögen kein Freund von Verschwörungstheorien sein, das ist Ihr gutes Recht. So wie es mein gutes Recht ist, Behauptungen von Regierungen in Zweifel zu ziehen. Dafür wird die Öffentlichkeit von genau diesen Regierungen leider zu oft belogen und desinformiert. Daher bieten sich alternative Theorien zu mindest dafür an, über sie nachzudenken und nicht als naive Spinnerei zu verwerfen. Hierfür nur drei Begriffe: “UNO” – “Collin Powel” – “Massenvernichtungswaffen”. Wie belastbar seine Aussagen waren, hat sich ja herausgestellt…

                • Ganz im Gegenteil: Ich bin ein Freund von Verschwörungstheorien, aber das ändert nichts daran, dass man zwischen dem, was man belegen kann und dem, was man nicht belegen kann, unterscheiden muss. Dass die Öffentlichkeit belogen wird, hat nun wieder nichts mit der Glaubwürdigkeit der Interviews zu tun und nochmal: Es handelt sich um eine Klassifizierung die Venhaus vorgenommen hat. Dabei geht zwangsläufig Information verloren, betrachten Sie die Motive, die Ihnen fehlen, einfach als Kollateralschaden der Reduktion von Komplexität. Daran, dass die 2032 Befragten keine religiösen Spinner sind und dass sie vom Islam keine oder nur geringe Ahnung haben, führt indes kein Weg vorbei.

                  • karstenmende says:

                    Absolut. Langsam verstehe ich Sie. Man kann nur mit Daten arbeiten, die man hat. Nicht aber mit denen, die man gern hätte, aber eben nicht hat. Das sehe ich voll und ganz ein.

                    Wenn mich jemand fragt, ob ich Musik mag, sage ich ja, auch wenn ich Rex Gildo ganz furchtbar finde. 😉 Das will aber mein Befrager gar nicht wissen.

        • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

          “wenn einer von denen behauptet, die Abenteuerlust und der Widerstand gegen den Westen habe ihn “Al-Qaeda” zugeführt, er in Wahrheit aber weiß, dass er wegen irgend eines Vergehens von den “Diensten” erpressbar ist, und dann auch erpresst wird und wissentlich für einen “Dienst” arbeitet, ändert das die Glaubwürdigkeit und Aussagekraft seiner “Motivation” gewaltig”

          – ja, natürlich gibt es das, und Sie haben Recht, hierauf hinzuweisen, denn es ist wichtig. Hier besteht die Möglichkeit, dass die Studie gewisse Lücken haben könnte, vielleicht unbewusst, vielleicht absichtlich. Aber wie relevant Erpressung quantitativ in dieser Stichprobe ist, wissen wir nicht, und daher sehe ich nicht, worauf Sie ein pauschales Urteil wie das, dass die Aussagen von 2.032 Personen “in höchstem Maße suspekt” seien, gründen wollen.

          Vielleicht findet ja jemand Ihre Einschätzung in höchstem Maße suspekt und verdächtigt Sie, das nur geschrieben zu haben, weil Sie dazu erpresst werden, wer weiß?! Das ist eben die Schwierigkeit, mit der man es bei Verschwörungstheorien und Manipulationen zu tun hat: sie sind dazu da, nicht entdeckt zu werden.

          Hieraus zu schließen, es gebe sie nicht, wäre einfach grandios naiv, und ich persönlich interessiere mich für (nahezu) alle Verschwörungstheorien (und ich glaube zwar nicht almost everything wie Fox Mulder in den X-files, aber ich kann mir sehr viel vorstellen,), aber gerade deshalb und auf diesem Gebiet bewahrten einen die Methoden der Wissenschaft – bei all ihren Mängeln – vor dem Wahnsinn.

    • Erfahrungsgemäß beteiligen sich Leute gerne an Rätseln, wenn sie ziemlich sicher sind, dass sie die Lösung kennen, und weniger gerne, wenn sie meinen, dass mehrere Antworten zutreffen könnten; für mich ist Ihre Vermutung über die “niedrige Beteiligung” also unplausibel.

      Mit den “Fakten hinter dieser Organisation” ist das so eine Sache:

      Wenn die Fakten “hinter” der erkennbaren Realität liegen bzw. absichtlich im Dunkeln gehalten werden, dann stellt sich die Frage, wieso jemand meinen kann, mit Sicherheit zu wissen, dass die vermeintlichen Fakten die tatsächlichen Fakten sind, denn das ist ja gerade der Witz: wie kann man eine Verschwörungstheorie falsifizieren oder bestätigen, da ja jede Verschwörungstheorie per definitionem als einen Teil der Verschwörung beinhaltet, dass niemand wissen soll, dass es sie gibt? Ihre “Fakten” sind also zunächst einmal keine, sondern Vermutungen, ganz so, wie Sie vermuten, dass das Wissen, das ein “ominöser, bärtiger Scheich” über al-Qa’ida hat, “weniger” ist als dasjenige, das ein Forscher gewinnt, wenn der Mitglieder der Organisation gemäß Ihrer Motivation in eine Typologie bringt.

      Wessen “Schöpfung” die Organisation ist, ist ebenfalls nicht mit Sicherheit zu beantworten – jedenfalls nicht von Europa aus, aber Sie dürfen sicher sein, dass die Bewohner der arabischen Welt gänzlich ohne Manipulation oder Veranlassung durch Westler zu allem Guten und allem Schlechten, was sich an menschlichem Verhalten beobachten lässt, fähig sind. Außerdem handeln sie im Rahmen ihrer Lebensrealität, die nicht unbedingt gänzlich von den Konstruktionen, die man im Westen vornimmt, dominiert wird. Und schließlich haben schöpferische Ideen, ganz gleich, von wem sie stammen, die Angewohnheit, sich mit denjenigen oder durch diejenigen, die sie umsetzen sollen, zu verändern oder gar zu verselbständigen.

      Also, ich fürchte, wir können über dieses Thema alle nur ein mehr oder weniger educated guessing betreiben, so dass wir uns mit Beurteilungen über die Fakten bis auf Weiteres zurückhalten sollten,

      Eine wissenschaftliche Grundregel sagt allerdings, dass man empirische Befunde nicht deswegen ablehnen soll, weil man denjenigen, der sie produziert hat, nicht mag oder er eine bestimmte Staatsangehörigkeit oder Funktion hat. Eine bestimmte Funktion legt bestimmte Interessen nahe, ist ja klar (etwas anderes zu denken, wäre naiv,) aber die Befunde direkt auf diese Interessen zurückzuführen, ist nicht möglich: man muss sich schon die Mühe machen zu zeigen, dass – konform mit diesen Interessen – bestimmte Theorien oder Argumente unterschlagen wurden oder bestimmte Prämissen fraglos akzeptiert werden oder Daten manipuliert wurden oder was auch immer, kurz: man muss eine Kritik der STUDIE vornehmen, nicht der Person des Forschers.

      Nun ist es bei deskriptiven Studien, wie es Typenbildungen nun einmal sind, schwierig, eine weitergehende Kritik vorzunehmen, denn Deskription hat eben keine bis geringe theoretischen Ansprüche, und daher muss man in dieser Angelegenheit, glaube ich, fairerweise bis auf Weiteres als Ausschnitt aus der Realität akzeptieren, was die Studie ergeben hat.

  2. Stefan says:

    Ich hatte mich für die grüne Jugend entschieden, hatte aber erst an Bundeswehr u.ä. gedacht.
    Warum nicht al-kaida ? Ich weiss nicht viel über die Organisation, nur dass sie anscheinend nicht streng hierarchisch organisiert ist.

    P.S.: Motivation der Teilnahme. Als ich die mögl. Antworten sah, konnte ich keine Lösung zuordnen und hätte fast nicht mitgemacht (Scham, wenn ich falsch liege). Aber nichts zu riskieren, halte ich für noch beschämender, als falsch zu liegen. Immerhin hat man die Möglichkeit etwas zu lernen. Und nur abzuwarten und im Stillen die “Lösung” zu behalten, um hinterher sagen zu können, ich habs gewusst, ist nichts weiter als ordinärer Selbstbetrug.

    P.P.S.: 2000 Leute nehmen an einer Operation teil und versuchen etwas geheim zu halten -> das ist wie der Moon-Hoax (“Neil Armstrong war nicht auf dem Mond”, “Alles im Studio gedreht”) -> das ist ziemlich unglaubwürdig. Eine kleine Gruppe kann ein Geheimnis vielleicht bewahren, aber je mehr Mitwisser es gibt, desto eher “verquatscht” sich auch jemand.

    Gruß Stefan

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