Stupid on Top: Warum gelangen Ungeeignete in Positionen?

In Medien finden sich Beiträge, bei denen man sich fragt, wie sie möglich waren: Was bringt manche Journalisten dazu, Unsinn, wie den, den Stefan Bach derzeit verbreitet, unkritisch und ungeprüft zu übernehmen?

media-feedBei Hypes wie dem Gender-Hype, bei dem Lügen und Falschaussagen an der Tagesordnung sind, die Basis des Hype darstellen, fragt man sich, wie kann es geschehen, dass Menschen auf diesen Unsinn, den man schon mit wenig Nachdenken als solchen entlarven kann, hereinfallen?

Wenn Funktionäre im Brusttom der Überzeugung schwadronieren, was “Wir” brauchen, fragt man sich, wieso “Wir minus Funktionär” nicht aufstehen, und diesen Funktionär für seine Anmaßung, uns eben einmal zu entmündigen und für uns zu sprechen, ohrfeigen?

Wenn Politiker ihren neuesten Spleen auf Kosten von Steuerzahlern verbreiten und ihn damit zu legitimieren suchen, dass Sie die Welt in düsteren Farben zeichnen, z.B. als eine Welt des Rassismus und der Diskriminierung, um dann ihren Spleen als General-Arznei zu verkaufen, an der die Welt gesunden wird, dann fragt man sich, wieso gehen ihnen viele auf den Leim, glauben den Unsinn, den Politiker verbreiten?

Und, schließlich: Warum gehen immer noch Menschen wählen, trotz einer Geschichte von Jahrzehnten, die zeigt, dass Sie als Stimmvieh missbraucht und nach der Wahl benutzt werden, um das Friends-and-Family-Programm der Politiker zu legitimieren, die sich munter selbst bedienen und auch ihre Freunde nicht vergessen, wenn es darum geht, Steuergelder zu verteilen?

All diese Fragen harren bislang einer Beantwortung.

Bislang.

Denn nun gibt es eine gut gemachte, fundierte und überzeugende wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, warum viele Politikern, Funktionären, Aktivisten und sonstigen Palaverern auf den Leim gehen.

Shakti Lamba und Vivek Nityananda von der Exeter University bzw. der Queen Mary University in London sind für diese Untersuchung verantwortlich, die das Rätsel, wie Dumme oder Ungeeignete es in Positionen schaffen können, ein für alle Mal löst.

Die beiden haben für ihre Untersuchung Studenten rekrutiert, 73 an der Zahl, die sich in Tutorien getroffen und in den meisten Fällen dort zum ersten Mal gesehen haben. Über sechs Wochen wurden die Studenten verfolgt und zu Beginn und zum Ende gebeten, ihre eigene und (unter vier Augen) die Leistung ihrer Komilitonen vorherzusagen. Am Ende des Tutoriums gab es zudem einen Leistungstest, den ein Tutor bewertet hat, ohne zu wissen, wessen Leistung er gerade bewertet.

Aus diesen wenigen Informationen haben die Autoren eine klassische Untersuchung zusammengestellt, in dem sie Selbsttäuschung als Differenz zwischen der für sich selbst vorhergesagten Leistungen und der tatsächlichen Leistung gemessen haben. Täuschung als Differenz der durchschnittlichen Vorhersage für einen Studenten durch seine Komilitonen und seiner tatsächliche Leistung. Schließlich haben die Autoren die Anfälligkeit für Täuschung als Differenz des Mittelwerts der Abweichung zwischen den von Studenten für ihre Komilitonen vorhergesagten Leistungen und deren tatsächlicher Leistung berechnet. Folglich haben die Autoren drei Maße bestimmt:

Selbsttäuschung, Täuschung und Anfälligkeit für Täuschung. Selbsttäuschung liegt vor, wenn jemand seine Leistung besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist. Täuschung liegt vor, wenn Studenten die Leistung eines Kommilitonen besser/schlechter einschätzen als sie tatsächlich ist. Anfälligkeit für Täuschung liegt vor, wenn ein Student die Leistung seiner Kommilitonen besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist.

Die Ergebnisse, die dieses einfache Forschungsdesign ermöglicht, sind bemerkenswert:

  • overconfidenceStudenten, die sich selbst besser einschätzten als sie sind, die – mit anderen Worten – eine ungerechtfertigte Aura der Kompetenz verbreiten, die in Selbstüberschätzung basiert, wurden von ihren Kommilitonen ebenfalls besser eingeschätzt als sie tatsächlich waren.
  • Studenten, die sich selbst als schlechter einschätzten als sie sind, wurden auch von ihren Kommilitonen schlechter eingeschätzt.
  • Auch nach sechs Wochen, in denen die Studenten miteinander Erfahrung machen konnten, änderte sich nichts daran, dass Studenten, die ihre Leistung überschätzt haben , auch von ihren Kommilitonen und in ihrer Leistung überschätzt wurden, während Studenten, die sich selbst unter Wert verkaufen, in der schlechten Einschätzung ihrer Person weiterhin Unterstützung durch ihre Kommilitonen erfahren haben.
  • Für Studenten, die sich besser eingeschätzt haben, als sie es tatsächlich sind, gab es keinerlei Korrelation zwischen der Einschätzung ihrer Leistung und ihrer tatsächlichen Leistung, das gleiche gilt für die Einschätzung ihrer Leistung durch Kommilitonen.
  • Schließlich konnten die Autoren zeigen, dass Studenten, die sich selbst überschätzen auch mit der Einschätzung anderer Studenten Schwierigkeiten haben.

Damit ist das Rätsel, wie prätentiöse, häufig inkompetente und vermutlich nicht sonderlich intelligente Personen in Positionen gelangen können, gelöst: Sie sind gut darin, andere zu täuschen und viele dieser anderen lassen sich von hoher, aber ungerechtfertigter Selbstsicherheit, die auf Selbstüberschätzung basiert, von der Fassade, hinter der sich schlicht nichts oder nur sehr wenig findet, täuschen. Je pompöser also z.B. Funktionäre oder Politiker oder Aktivisten auftreten, desto erfolgreicher sind sie darin, ihre Zuhörer, Adressaten oder Mitglieder zu täuschen. Je mehr Kompetenz sie mitbringen und je zurückhaltender sie sich ausdrücken, eben weil sie mehr Kompetenz haben, desto geringer sind die Chancen von Personen, überhaupt in Positionen, die durch Wahl besetzt werden, zu gelangen.

Das also ist des Pudels Kern.

Doch damit nicht genug:

“Our findings have implications for many types of social interactions but especially for those involving partner-choice (e.g. choosing mates, hiring people for jobs), suggesting that we may be rewarding overconfidence and penalizing underconfidence irrespective of an individual’s capability. Furthermore, if overconfident individuals are more likely to be risk-prone [11] then by promoting such individuals we may be creating institutions such as banks, trading floors and armies, that are also more vulnerable to risk. From our smallest interactions to the institutions we build, self-deception may play a profound role in shaping the world we inhabit”. (5)

Es ist demnach in allen Lebenslagen besser, diejenigen zu goutieren und denjenigen zu vertrauen, die sich nicht durch eine Selbstüberschätzung auszeichen, die nicht prätentiöse sind und vorgeben, sie könnten im “Wir” reden oder für andere entscheiden, wüssten, was für andere gut ist.

pretentiousnessUnd wie merkt man, ob man es mit jemandem zu tun hat, der sich selbst überschätzt und dessen Selbstsicherheit entsprechend auf Inkompetenz basiert, darauf, dass er nicht weiß, was er alles nicht weiß, der vielmehr meint, alles genau zu wissen? Nun, die Antwort auf diese Frage ist einfach: Indem man prüft, ob das, was er sagt, irgend einen Gehalt, irgend eine Verbindung zur Wirklichkeit hat, nachvollziehbar ist. Es reicht in der Regel schon, die Aussagen von wertenden Adjektiven zu befreien, um festzustellen, dass derjenige, der mit der vollen Einbildung seiner Kompetenz schwadroniert, nichts zu sagen hat.

Das Forschungsergebnis von Lamba und Nityananda bestätigt ein Forschungsergebnis zu Inkompetenz, das wir bereits auf ScienceFiels besprochen haben.

Lamba, Shakti & Nityananda, Vivek (2014). Self-Deceived Individuals Are Better at Deceiving Others. Plos One

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