Down-Breeding: Kinderkriegen als Beruf – Kinder als Ressource

Es ist an der Zeit, den Begriff des Down-Breedings aus der ideologischen Ecke zu holen, in die er in jüngerer Zeit geraten ist und ihn zu definieren:

Wir definieren down-breeding als Ergebnis einer Anreizsstruktur, die es Personen, die sich aus eigener Kraft keine Kinder leisten können, erlaubt, den Kinderbesitz zum Ersatzberuf zu machen und von anderen finanzieren zu lassen. Down-breeding verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es regelmäßig diejenigen sind, die für entsprechende Anreize empfänglich sind, die über nicht genug Humankapital verfügen, um eine berufliche Karriere zu machen oder die zwar über genug Humankapital verfügen würden, aber keine Lust haben, ihr eigenes Leben selbst finanziert zu leben.

MPI demographicUnd jetzt ist es an der Zeit, ein gutes Working Paper aus dem Max Planck Institut für demographische Forschung in Rostock, das die Autoren wohl aus Sicherheitsgründen in englischer Sprache verfasst haben, vorzustellen – Titel: Socioeconomic Differences in the Unemployment and Fertility Nexus: A Comparison of Denmark and Germany. Autoren: Michaela Kreyenfeld und Gunnar Andersson.

Die beiden Autoren untersuchen also den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Fertilität. Der gesunde Menschenverstand hätte noch vor 30 Jahren gesagt: Wer es sich nicht leisten kann, Kinder zu bekommen, z.B. weil er arbeitslos ist, der muss es lassen. Heute muss man, um zu sehen, ob der gesunde Menschenverstand noch zutrifft, Daten analysieren – die Daten des Sozio-ökonomischen Panels im vorliegenden Fall und für die Frage, wie die Produktion eines ersten, zweiten oder dritten Kindes mit Arbeitslosigkeit und Bildung zusammenhängt.

Die dargestellte Tabelle zeigt, wie die drei Variablen zusammenhängen:

Kreyenfeld_down breeding

Die Tabelle stellt das Risiko dar, dass die jeweiligen Befragten ein Kind in die Welt setzen. Das Risiko wird nach dem Bildungsstand (low, medium, high) und danach, ob ein Befragter arbeitslos oder erwerbstätig ist, differenziert, wobei diejenigen, die einer Arbeit nachgehen, als Referenzgruppe benutzt werden. Das bedeutet, dass Werte unter der 1 der Referenzgruppe ein geringeres Risiko, Kinder in die Welt zu setzen, angeben, während Werte über 1 ein höheres Risiko angeben. Sternchen geben an, welche Irrtumswahrscheinlichkeit mit den entsprechenden Werten verbunden sind (je mehr Sternchen, desto verlässlicher das Ergebnis).

Was die Tabelle zeigt ist mehrerlei:

  • Frauen mit hoher Bildung haben das geringste Risiko, bei Arbeitslosigkeit, ein Kind in die Welt zu setzen.
  • Frauen mit geringer und Frauen mit mittlerer Bildung, die nicht im Arbeitsmarkt sind (nicht arbeiten und nicht arbeitslos gemeldet sind), die keine Absicht haben, überhaupt einer Arbeit nachzugehen, haben ebenso wie Frauen mittlerer Bildung, die arbeitslos sind, ein relativ höheres Risiko, Kinder in die Welt zu setzen, als Frauen entsprechender Bildung, die einer Arbeit nachgehen.
  • Männer mittlerer Bildung, die arbeitslos sind, haben ein vergleichsweise geringeres Risiko, ein erstes oder ein zweites Kind in die Welt zu setzen als Männer mittlerer Bildung, die arbeiten.
  • Dagegen haben Männer mittlerer Bildung, die arbeitlos sind, ein deutlich höheres Risiko als Männer mittlerer Bildung, die arbeiten, ein drittes Kind in die Welt zu setzen.
  • Tendenziell lässt sich feststellen, dass Arbeitslosigkeit bei Frauen geringer oder mittlerer Bildung gegenüber den entsprechend gebildeten Frauen, die einer Arbeit nachgehen, das Risiko erhöht, Kinder in die Welt zu setzen.

Die Ergebnisse sind ein Beleg dafür, dass es für Frauen geringer und mittlerer Bildung möglich ist, Kinderbesitz als Surrogat einer berufliche Karriere zu inszenieren und Kinderbesitz zum Surrogat-Beruf zu machen. Die Ergebnisse sind zudem ein Beleg dafür, dass es der deutsche Wohlfahrtsstaat geschafft hat, Menschen, die sich Kinder nicht leisten können, zum Kinderkriegen anzureizen, weil sie sich durch die Kinder finanziell besser stellen oder, in den Worten von Kreyenfeld und Andersson: “How can we explain the patterns of elevated fertility among unemployed two-child fathers …? … Another, more likely explanation is that many of these men have poor labor market prospects, and intend to rely on social benefits when having children” (29-30).

Da es sich hierbei um Männer mit mittlerem Bildungsabschluss handelt, also mit wenigstens Realschulabschluss, muss man davon ausgehen, dass der deutsche Wohlfartsstaat es zwischenzeitlich nicht nur geschafft hat, Frauen mit geringer und mittlerer Bildung Anreize zu setzen, die es ihnen ermöglichen, dauerhaft dem Arbeitsmarkt fern zu bleiben und durch die Produktion von Kindern auf Kosten anderer zu leben, sondern dass die entsprechenden Fortpflanzungsanreize zwischenzeitlich auch bei Männern aus der Bildungs-Mittelschicht ihre Wirkung entfalten.

Es ist schon amüsant, wie deutsche Politker es schaffen, einerseits zu schwadronieren, dass es für Deutschland so wichtig sei, dass Frauen und Männer in gleicher Weise am Arbeitsmarkt teilnehmen, während sie andererseits alles tun, um Frauen und nun auch Männer mit Anreizen zum nicht-Arbeiten von eben dieser Teilhabe am Arbeitsmarkt abzuhalten. Entweder sind deutsche Politker schizophren oder sie sind opportunistisch oder sie sind schlicht dumm (kein ausschließendes “oder”).

Man darf gespannt sein, was den Berliner Künstlern der Sozialtechnologie als nächstes einfällt um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands in Frage zu stellen.

Bis dahin können wir nur zitieren, was Richard J. Herrnstein und Charles Murray in einem anderen Zusammenhang und im Bezug auf andere Variablen für denselben Effekt von Wohlfahrtsstaaten geschrieben haben:

Herrnstein Murray“We can imagine no recommendation for using the government to manipulate fertility that does not have dangers. But this highlights the problem: The United States already has policies that inadvertently social-engineer who has babies, and it is encouraging the wrong women. If the United States did as much to encourage high-IQ women to have babies as it now does to encourage low-IQ women, it would rightly be described as engaging in aggressive manipulation of fertility. The technically precise description of America’s fertility policy is that it subsidizes births among poor women, who are also disproportionately at the low end of the intelligence distribution. We urge generally that these policies, represented by the extensive network of cash and services for low-income women who have babies, be ended. The government should stop subsidizing births to anyone rich or poor. The other generic recommendation, as close to harmless as any government program we can imagine, is to make it easy for women to make good on their prior decision not to get pregnant by making available birth control mechanisms that are increasingly flexible, foolproof, inexpensive, and safe” (Herrnstein & Murray, 1994: 548-549).

In Deutschland ist man einen Schritt weiter und ermöglich es der Bildungs-Mittelschicht derzeit, sich ungestört von Fragen der Unterhaltssicherung und auf Kosten anderer fortzupflanzen, um dann an ihre Kinder ihr tiefes Wissen darüber, wie man sich eine Transferexistenz aufbaut und auf Kosten Dritter lebt, weiterzugeben.

Herrnstein, Richard J. & Murray, Charles (1994). The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: Free Press.

©ScienceFiles, 2014

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