Der Mensch ein Tier, das Tier ein Mensch?

Angeblich unterscheiden sich Menschen dadurch von Tieren, dass sie zur Selbstreflexion fähig sind. Also dadurch, dass sie u.a. über sich und ihr Verhältnis zur Umwelt nachdenken können. Die Selbstreflexion ist auch die Grundlage der Ausbildung einer Moral, etwa in der Weise, wie sie Kant in seinem kategorischen Imperativ formuliert hat. Ohne die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, ist es kaum möglich, die Sichtweise anderer zu übernehmen, Empathie zu zeigen oder sich schlicht danach zu fragen, wie man andere behandeln will oder andere behandeln soll.

MassentierhaltungDie beschriebenen Fähigkeiten sollen eine Grenze aufrichten, die zwischen Mensch und Tier verläuft, denn, so die Annahme, im Gegensatz zu Menschen sind Tiere nicht zur Selbstreflexion und zur Ausbildung einer Moral fähig. Die Trennlinie zwischen Mensch und Tier bringt für Menschen eine Verantwortung mit sich, denn sie müssen zeigen, dass sie tatsächlich die höher entwickelte Lebensform sind, z.B. dadurch, dass sie andere Lebewesen nicht zu Objekten degradieren, die der menschlichen Bedürfnisbefriedigung und nur dieser dienen, dass also das Fressen gerade nicht vor der Moral kommt.

Neuere Entwicklungen haben die Grenze zwischen Mensch und Tier verschwimmen lassen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Tiere zur Selbstreflexion fähig sind, sich sogar moralisch verhalten können und dass sie darüber hinaus mit einem Bewusstsein und einer Erinnerungs- und Leidensfähigkeit ausgestattet sind, die den entsprechenden menschlichen Eigenschaften sehr ähnlich ist. Die Grenze verschwimmt auch von der anderen Seite, denn bei manchen Personen, die zur Gattung Mensch gezählt werden, fragt man sich, ob sie je aus dem Stadium des unbewussten Fressens oder des sich anderer Bedienens herausgekommen sind – ob sie – zur Selbstreflexion und zur Reflexion ihrer Handlungen überhaupt in der Lage sind, ob Empathie zu ihrem Verhaltensrepertoire gehört.

Sind Menschen zur Empathie und zur Reflexion fähig, dann stellt sich ihnen eine ganze Reihe von Fragen:

  • Was rechtfertigt die Reduzierung von Lebewesen auf Nahrungsmittel, und wo verläuft die Grenze einer Nahrungsmittelindustrie?
  • Warum sind Hunde “des Menschen bester Freund” und entsprechend keine Delikatesse im Restaurant, während Lämmer letztere darstellen und sich nicht als Freund des Menschen qualifizieren?
  • Warum sind Chinesen im Hinblick auf die Frage, ob Hunde ein Nahrungsmittel sind, anderer Meinung als z.B. Deutsche?
  • Warum finden es Inder barbarisch, Rinder zu schlachten, und warum finden es Araber barbarisch, Schweine zu essen?
  • Was ist die Qualität, die ein Menschenleben so wichtig macht, dass ihm unzählige andere Lebewesen geopfert werden?

Massentierhaltung_huehnerUnd welche Lebewesen dürfen zum Erhalt eines beliebigen Menschenlebens geopfert werden? Delphine, Wale, Affen, Pferde, Esel? Wo, mit anderen Worten, verläuft die Grenze zwischen Mensch und Tier, und warum ist die Grenze so abivalent und so flüchtig?

Und welche moralischen Fragen ergeben sich daraus, dass nicht (mehr) eindeutig zu bestimmen ist, wer Mensch und wer Tier ist?

Dies sind Fragen, die u.a. auf dem 4. Wittener Kolloquium für Humanismus, Medizin und Philosophie diskutiert werden sollen. Das Kolloquium: Der Mensch ein Tier – das Tier ein Mensch, findet vom 13. bis zum 14. März an der Universität Witten/Herdecke statt.

Interessierte werden Vortäge zu hören bekommen, die sich mit den ethischen und anthropologischen Herausforderungen der modernen Mensch-Tier-Beziehung beschäftigen oder die fragen, ob der Unterschied zwischen Mensch und Tier ein Problem der Fakten oder ein Problem des Urteilsvermögens darstellt oder die die zentrale Frage betreffen: Wie gehen wir würdig mit Tieren in die Zukunft?

Den Zweck der Veranstaltung bringt Prof. Peter Heusser, Leiter am Institut für Integrativmedizin der Universität Witten/Herdecke wie folgt auf den Punkt:

Witten herdecke„Die Industrialisierung und Ausbeutung der Tiere für die Ernährung, die Massenzucht für den Zweck der Forschung, das weltweite Artensterben – all das zeigt ein Mensch Tier-Verhältnis, das dringend Besinnung, Verantwortung und Moral fordert, d.h. gerade diejenigen Fähigkeiten, welche wir im Tierreich nicht oder nur im Ansatz finden. Das bedeutet also: Nur wenn der Mensch seine besondere Eigenart und Fähigkeit gegenüber dem Tier erkennt und ausbildet, vermag er, dem Tier – und nicht zuletzt der Natur im Ganzen – die notwendige Würde zu verleihen.“

Kant hat das Menschsein als Entwicklungsaufgabe konzipiert. Zentraler Bestandteil der Entwicklung zum Menschen ist die Entwicklung einer Moral, die sich nach seiner Auffassung am kategorischen Imperativ orientieren muss. Entsprechend muss man mit Kant feststellen, dass das Menschsein weit mehr Anspruch stellt, um erreicht zu werden, als den Griff in die Tiefkühltruhe des Supermarkts, um abgepackte Leichenteile daraus zu entnehmen.

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19 Responses to Der Mensch ein Tier, das Tier ein Mensch?

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Der Mensch ein Tier, das Tier ein Mensch? | netzlesen.de

  2. Hat dies auf Worte einer verwunderten Lebensform rebloggt und kommentierte:
    Dass wir noch “darüber” nachdenken, zeigt, dass wir noch keinen Schritt weiter sind als die, denen wir ein glückliches Erleben unserer Welt zugestehen.

  3. Die Menschentiere werden wohl ewig darüber weiterdiskutieren, ohne etwas zu verändern. Trotzdem: Danke für diesen sensiblen Beitrag. 🙂

  4. Obwohl ich mich weitgehend vegan ernähre und daher dem Inhalt des Artikels zustimme, möchte ich noch auf einen anderen Zusammenhang hinweisen. Sicherlich würde ein direkter Vergleich etwas zu weit gehen, zwischen den zweckrationalen Haltungen gegenüber den Schülern in staatlichen Schulen und den Zuständen in der “Massentierhaltungen” und damit meine ich noch nicht mal die Geruchsnoten auf manchen Schultoiletten . . . 🙂

    Während sich unsere Gesellschaft unter der rasanten technisch/digitalen Entwicklung permanent weiterentwickelt, scheinen staatliche Schulen mit ihren didaktischen Konzepten davon unbeeindruckt, am industriellen Paradigma festzuhalten.

    Insbesondere Jugendliche werden hier um das Erbe ihrer natürlichen Anlagen betrogen, welches ihnen die Natur in Form eines Synapsenüberschusses zur Verfügung stellt. Sogenanntes geistiges “Humankapital” fällt den einseitigen schulischen Bedingungen, welche zu sehr auf Fakten-Lernen orientiert sind, als unsichtbarer “Braindrain” zum Opfer. (Use it, or loose it) Mehr dazu unter:

    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2014-11-29_psi-21_initiationsritus.pdf

  5. mikeondoor says:

    “…denn bei manchen Personen, die zur Gattung Mensch gezählt werden, fragt man sich, ob sie je aus dem Stadium des unbewussten Fressens oder des sich anderer Bedienens herausgekommen sind – ob sie – zur Selbstreflexion und zur Reflexion ihrer Handlungen überhaupt in der Lage sind, ob Empathie zu ihrem Verhaltensrepertoire gehört.”

    nun, zur selbstreflexion benötigt es die motivation, über sich selber (dem kleinen ego) hinaus zu denken… evtl. sogar die frage zu stellen: was ist der sinn und zweck des lebens.
    frühzeitig in das systemgerechte denken (kita, kig und schule) – geistig flach gehalten, durch die unterhaltungsindustrie dumm und satt gehalten und durch McDo und weiteres denaturiertes futter: wo sind denn da noch ansatzpunkte für geistiges erwachen zu finden?

    s. dazu auch:
    …jeder von uns ist ein fremdbestimmter Zombi! Oder?
    http://mikeondoor.blog.de/2014/11/02/worte-sonntag-fremdbestimmter-zombi-19653011/

  6. manjamampf says:

    Hier geht in der Argumentation m.E. einiges kreuz und quer, weil es so schön normativ wird. Wenn andere omnivore Tiere (Wildschweine, Schimpansen..) auch moralische Ansätze zeigten und reflexiv eigene Handlungen hinterfragten, dann hätten sie ja auch bald ein ethisches ‘Nahrungs-mittel’-Problem.
    Ernährungsgebote und -verbote (wusste schon Weber) stehen am Beginn aller Religion und sind somit konstitutiv für Gemeinschaftsbildung. Gerade weil der Mensch seinen Speiseplan ‘noch reflektierter’ sozial konstruieren kann als viele Tiere, entwickelte er eine Vielfalt von “Ess-Kulturen”, die ich nicht missen möchte.
    Problematisch an der industriellen Massentierhaltung ist vor allem die Minderwertigkeit der erzeugten Qualität und damit verbundene Risiken (v.a. Antibiotikaresistenzen). Wenn wir Tiere als Nahrungs-Mittel ansehen, dann ist das eine Zweck-Setzung (die nat. auch anders erfolgen könnte). Aber die Grenze zwischen Tier und Mensch ist etwas, was zu verteidigen und nicht aufzuweichen ist, weniger wegen der Tiere – sondern unserer selbst zu liebe (siehe dazu Ihren eigenen Hinweis auf die Aufweichung der Grenze ‘vom Menschen’ her). Es geht hier nicht um Befähigungen (die sind tatächlich zwischen Mensch und Tier fließend), sondern um ganz altmodische ‘kulturelle’ Distinktionsmarker: Abstraktionsfähigkeit, Lautsprache, Utopiefähigkeit usw. Diese Dinge ‘berechtigen’ uns zwar noch zu gar nix, aber sie erlauben uns in moralischer Hinsicht, es uns wenigstens halbwegs komfortabel im Zwischenreich zwischen Göttern und Algenschleim einzurichten. Nein, ich denke nicht, das Vegetarier/Veganer ‘bessere Menschen’ sind oder jemals sein werden!

    • Wenn andere omnivore Tiere (Wildschweine, Schimpansen..) auch moralische Ansätze zeigten und reflexiv eigene Handlungen hinterfragten, dann hätten sie ja auch bald ein ethisches ‘Nahrungs-mittel’-Problem.

      Sie sind also der Ansicht, dass es zwischen Menschen und einem Wildschwein oder einem Schimpanzen keine Unterschiede gibt, die die einen davon zu einer entsprechenden Moralität verpflichtet? Insofern denke ich auch, dass hier etwas durcheinander geht…
      Worin besteht nach Ihrer Ansicht die Deutsche Esskultur und wie unterscheidet sich sich von der Bayerischen oder der Schlesweig-Holsteinischen Esskultur und welche der beiden Esskulturen ist deutscher?

      • mikeondoor says:

        MEAT – very fresh!…interessante Reaktionen:



        Kommentar zum Vid: Vielleicht sollte der Metzgerladen direkt neben den Schlachthäusern stehen!

        • Mika says:

          Tolles Video! So entlarvt man die Ignoranten, die meinen, Fleisch käme aus der Kühltheke.
          Man sollte nur Fleisch essen, wenn man auch bereit zum töten eines Lebewesens ist.
          Ich bin damit aufgewachsen. Wir haben auf dem Hof geschlachtet und hatten Achtung vor der Kreatur, kein Tier musste unnötig leiden.
          Was heute in der Fleischindustrie passiert, ist tierverachtend und fällt auf die Konsumenten zurück.
          Der Betreiber eines dieser Betriebe holt sein Fleisch vom Bauernhof meines Vertrauens, sein eigenes ist nur zum verkaufen, das würde der nie essen. Sagt alles.

          M

    • @manjamampf

      Und ich denke nicht, dass Menschentiere “bessere Menschen” sind oder jemals welche waren oder sein werden, die meinen:

      “Problematisch an der industriellen Massentierhaltung ist vor allem die Minderwertigkeit der erzeugten Qualität und damit verbundene Risiken (v.a. Antibiotikaresistenzen)”,

      denn eine solche Haltung illustriert sehr gut die Egozentriertheit und die Unfähigkeit zum Mitleid (im Sinne des Wortes), die doch gewöhnlich gerade nicht als diejenigen Eigenschaften betrachtet werden, die Menschen (angeblich) vor anderen Tieren auszeichnen!

      Was meinen Sie?: Sind Menschen, die weniger egozentriert sind, so dass sie nicht nur Probleme mit Bezug auf die eigenen Launen und das eigene Wohlergehen sehen, sondern auch mit Bezug auf das anderer Lebewesen, und die fähig sind zum Mitleid, tatsächlich keine besseren Menschen als diejenigen, die stark egozentriert (um nicht zu sagen: egoman) sind und unfähig oder unwillig zum Mitleid?

      Ich denke doch.

  7. Mister X says:

    “Angeblich unterscheiden sich Menschen dadurch von Tieren, dass sie zur Selbstreflexion fähig sind. ” Wieso hatte ich beim lesen des Artikels erwartet, dass die Schlussfolgerung darin besteht, das die Soziologen der Humboldt-Uni demnach keine Menschen sind und deshalb gegessen werden dürfen?

  8. user unknown says:

    Zu 2: Der Hund ist vielleicht Ihr bester Freund, meiner ist es nicht. Er ist ein stinkendes, beißendes, kläffendes Übel dem auch durch Essen nicht beizukommen ist, da dies zu Hundezucht führt.

    Zu 3: Zufällige Traditionen verfestigen sich und dann ist hier dies tabu und dort jenes. In China generell wird m.W. auch nich Hund gegessen – nur sehr vereinzelt.

    Zu 4: Weil die Menschen Religionen haben die sich ähnlich wie bei 3 so oder so entwickeln und dann bilden sich solche Tabus. Auch beim Absterben religiöser Einstellungen werden die Traditionen oft weiter beibehalten und an die Nachkommen weitergegeben wie die Beschneidung auch bei säkularen Juden, da das eingeübte Verhalten so sehr zur Gewohnheit wurde, dass alles andere als Unnatürlich erscheint.

    Zu 5: Nichts macht ein Menschenleben so wichtig. Leben ist Fressen und gefressen werden – nicht nur das, aber auch das, und der Mensch vertilgt was er findet, was sich ökonomisch machen lässt und was gut schmeckt. Es ist ein Irrtum dass man einer besonderen Erlaubnis bedarf um Tiere zu essen. Andere Tiere essen auch Tiere. Die, die es nicht tun, haben es sich nicht ausgesucht. Allerdings gebietet unsere Empathie dass wir die Tiere nicht oder so wenig wie möglich quälen.

    • mdma1984 says:

      zu 5: es gibt aber sehr wohl ein unterschied, zwischen sich Vollfressen und essen !? Es ist doch nicht abzustreiten das in der westlichen Welt viele Menschen übersättigt bzw. überfettet sind, während wo anders die Menschen dicke Bäuche bekommen weil sie eben nichts abbekommen. Ich habe kein Problem Tiere zu essen, aber ich verzichte hier lieber auf Quantität (Massentierhaltung etc.). Ich schäme mich nicht Tiere zu essen, von mir aus können die Metzger vor meinen Augen ein Kalb schlachten, aber was mir missfällt sind die Dimensionen der Massentierhaltung.

      • user unknown says:

        Man kann sich an Pommes, Chips, Erdnüssen und anderen Gemüsen und Nüssen eine Wampe anfuttern, ebenso an Schokolade, Eiscreme, Cola und Torte – größtenteils vegetarisch und teils auch vegan.
        Daher verstehe ich die Argumentation mit Völlerei nicht.
        Wenn man täglich 10% mehr Kalorien zu sich führt als man braucht hat man nach einem Jahr schon einige Kilo Übergewicht. Dass es jetzt einen großen Unterschied macht ob man 10 oder 11 Hühner (Schweine, Rinder) hält glaube ich nicht.

      • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

        “von mir aus können die Metzger vor meinen Augen ein Kalb schlachten, …”

        Vermutlich werden das die Angehörigen technisch weiter fortgeschrittener Zivilisationen, die wir demnächst vermutlich außerhalb unserer Milchstraße (oder vielleicht sogar innerhalb) kennenlernen werden, in abgewandelter Form auch sagen:

        “.. von mir aus können die Metuger vor meinen Augen ein Menschenkind schlachten ….”

        Damit dürften Sie dann konsequenterweise keine Schwierigkeiten haben.

    • Dr. habil. Heike Diefenbach says:

      @userunknown (wenn ich eine solche Haltung vertreten würde, dann würde ich meinen, auch öffentlich zu ihr stehen zu können, oder sind Sie sich diesbezüglich dann doch nicht so sicher …!?!)

      “Es ist ein Irrtum dass man einer besonderen Erlaubnis bedarf um Tiere zu essen. Andere Tiere essen auch Tiere. ”

      “Andere Tiere esse auch Tiere”
      – und noch viel mehr andere Tiere essen keine Tiere, sondern ernähren sich ausschließlich oder stark überwiegend von Pflanzen.

      Tiere, die sich ganz oder nahezu ganz von Fleisch ernähren, sind unter der Vielzahl der Spezies selten, und das macht auch Sinn, denn eine nennenswerte Anzahl von Raubtieren ist ökologisch nicht nachhaltig, was sich schon ahnen lässt, wenn man betrachtet, welche Schwierigkeiten und welche grandiosen Grausamkeiten die organsierte Tier”produktions”industrie, die allein der Mensch betreibt, für die Spezies Mensch, für die betroffenen “Nutzungs”spezies und für die Umwelt (z.B. Gülle!) bereitet.

      Wie Sie richtig bemerken, essen Menschen, was sie FINDEN, nicht, was sie mit ihren stumpfen Mahlzähnen zu reißen versuchen! Und das sagt doch eigentlich alles oder jedenfalls sehr viel.

      Einiges sagt auch, dass fast alle so genannten “primitiven” Kulturen, die aufgrund von spezifischen Umweltbedingungen gezwungen sind, sich (dauerhaft oder zeitweise) vor allem von Fleisch zu ernähren, rituelle Handlungen kennen, die die ermordeten Tiere versöhnen sollen, wie z.B. der Bärenkult der Tungusen und anderer nordsibirischer Gruppen.

      (Wen’s interessiert, der möge z.B. lesen:

      Paproth, Hans-Joachim Rüdiger, 1962: Das Bärenfest der Ketó in Nordsibirien in Zusammenhang gebracht mit den Bärenzeremonien und Bärenfesten anderer Völker in der nördlichen Hemisphäre. Anthropos 57, 1/2: 55-88.

      Einen Eindruck von ähnlichen Praktiken bei vielen anderen Völkern und den zugrundeliegenden Zusammenhängen kann man sich machen durch Lektüre von:

      McNiven, Ian J., : Between the Living and the Dead: Relational Ontologies and the Ritual Dimensions of Dugong Hunting Across Torres Strait, pp. 97-116 in: Watts, Christopher, 2013: Relational Archeologies: Humans, Animals, Things. Abingdon: Routledge.)

      Wenn wir darin übereinstimmen, dass den Menschen Empathie gegenüber anderen Tierarten auszeichnet, dann frage ich mich, wie Sie eine Industrie tolerieren können, die Tiere nicht als Lebewesen, sondern bloß als Sachen, denen eine “Lebens”dauer von einigen Monaten – oder, wenn sie ganz viel Glück haben, von wenigen Jahren – zugestanden wird, die sie unter Bedingungen verbringen, die Dunkelhaft in Massenzellen, Zwangsmästung, Bewegungsdeprivation und Ruhigstellung durch Drogen beinhalten.

      Menschen wollten so nicht leben, und sie haben keinerlei Grund anzunehmen, dass andere Spezies so leben wollen oder sie weniger darunter leiden als Menschen dies tun (würden). Wer Mensch sein will, muss nicht nur Empathie empfinden können, sondern auch nach ihr handeln können. Was ist die gefühlte (oder vielleicht auch nur eingebildete) Empathie denn sonst wert? Zum Menschen macht ein Lebewesen doch wohl erst die Handlung, die es aufgrund seiner Empathiefähigkeit zeigt.

      Oder meinen Sie, dass es ein Lebewesen zum Menschen macht, dass es sich irgendwelche Dinge einbildet, die ihm den einfachsten Weg akzeptabel erscheinen lassen? Ich glaube nicht – und u.a. Herr Kant auch nicht, und deshalb braucht es sehr wohl eine besondere Erlaubnis, Tiere zu essen, nämlich die, die man sich immer wieder selbst geben muss, nachdem man sein Gewissen befragt (nicht einfach: beruhigt!) hat.

  9. Ein weiterer Artikle, der sich unserer gesunden Existenz widmet.
    Keine Zeit mehr, für weitere Diskussionen. Hier ist unbedingt `Handlungsbedarf´!!
    Ich setze mich schon seit längerer Zeit mit der Massentierhaltung auseinander.
    Alle sagen:
    `da kann man ja nichts machen´ …. ich sage: Die Grünen sind an der Reihe…
    Mein erster Beitrag vom letzten Jahr:
    https://4alle.wordpress.com/2016/06/19/massentierhaltung-abgeschafft-fuer-mensch-und-tier/
    Aus moralisch ethischen Gründen habe ich auf die Darstellung von Massentieropfern verzichtet.
    Schönen Frühlingsanfang..
    Jürgen aus Loy (PJP)

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