Gesetzliche Rentenversicherung: Ein schlechtes Geschäft – vor allem für Männer

Holger Lüthen hat im Wochenbericht des DIW die Verzinsung von Rentenbeiträgen für die Geburtsjahrgänge 1935 bis 1945 berechnet. Das Besondere an seiner Analyse besteht darin, dass die Berechnung auf Grundlage tatsächlicher Erwerbsverläufe und tatsächlicher Rentenbezüge erfolgt ist. Möglich macht dies der der Wissenschaft zur Verfügung stehende Teil der Versicherungskontenstichprobe, in dem Daten für 55% bis 73% der Rentner der Jahrgänge 1935 bis 1945 zur Verfügung stehen.

Das Ergebnis der Berechnung, die u.a. auf den tatsächlichen Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung, der tatsächlichen Höhe der Rentenbezüge, der Überlebenswahrscheinlichkeit sowie bei Heirat der Sterbewahrscheinlichkeit des Partners des jeweiligen Rentners basiert, ist nicht sonderlich überraschend:

  • Government helpDie Rendite der Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung ist für Männer deutlich geringer als für Frauen.
  • Vor der Rentenreform von 1992, die den Rentenbezug vor Erreichen des Regelalters mit einem Abzug von 0,3% pro Monat, der vorzeitig in Rente gegangen wird, belegt hat, erreichen Männer der Geburtsjahrgänge 1935 bis 1945 eine Rendite von 2,4%, Frauen eine Rendite von 5,2%. Nach der Rentenreform von 1992 sinkt die Rendite auf 1,2% für Männer und 3,7% für Frauen.

Dass Frauen einen höhere Rendite erreichen als Männer hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass sie geringere Beiträge zur Gesetzlichen Rentenversicherung leisten, eine höhere Lebenserwartung haben als Männer und Begünstigungen aufgrund leistungsfremder Kriterien erhalten. Dass Frauen durch die Rentenreform von 1992 offensichtlich abermals besser gestellt wurden als Männer ergibt sich daraus, dass bei weitgehend unverändertem Unterschied in der Lebenserwartung von Männern und Frauen die Rendite von Männern vor der Rentenreform von 1992 um das 2,2fache geringer ausgefallen ist als die von Frauen, nach der Rentenreform ist die Rendite von Männern um das 3,1fache geringer als die Rendite von Frauen.

Was Politiker unter Gleichstellung verstehen, dürfte damit hinreichend klar sein.

Nun hat Lüthen diese Ergebnisse für die Geburtsjahrgänge 1935 bis 1945 errechnet und somit für Geburtsjahrgänge, die mit vergleichsweise geringeren Rentenbeiträgen konfrontiert waren als dies derzeit der Fall ist und die darüber hinaus eine höhere Wahrscheinlichkeit, auf eine 45jährige ununterbrochene Muster-Erwerbstätigkeit haben.

Was folgt vor diesem Hintergrund für Geburtsjahrgänge nach 1945, z.B. für die Babyboomer der Jahre 1960 bis 1970?

Die Antwort auf diese Frage gibt Lüthens zwar nicht, aber er gibt ein Beispiel für Euphemismus, der sich in seiner ganzen politischen Korrektheit selbst ad absurdum führt:

DIW Rente“Der Bericht zeigt weiterhin die Auswirkungen einer Rentenreform, die Abschläge auf den vorzeitigen Renteneintritt einführte (1992). Diese Reform macht allerdings – in Abhängigkeit von den getroffenen Annahmen – nur einen Anteil des Rückgangs [der Rendite] von 20 bis 30 Prozent aus; der weitaus größere Teil wird durch gestiegene Rentenbeiträge verursacht. Da nicht zu erwarten ist, dass die Beiträge in Zukunft stark sinken werden, ist davon auszugehen, dass der Trend hin zu sinkenden Renditen weiter anhält. Dennoch ist die Rentenversicherung nicht als schlechtes Geschäft anzusehen, da Risiken wie Langlebigkeit und Erwerbsminderung einer Versicherung bedürfen, die verlässlich ausschüttet. Die Verzinsung sollte allerdings nicht zu stark sinken (zum Beispiel stark negativ werden), da ansonsten Ausweicheffekte (das heißt die Vermeidung versicherungspflichtiger Tätigkeit) drohen, die die Verzinsung noch weiter absenken könnten.”

Die sinkenden Rentenrenditen, so das Ergebnis von Lüthen, sie werden vornehmlich durch das Verhältnis von Einzahlung und Auszahlung bedingt. Je mehr man einzahlt und je weniger man herausbekommt, desto geringer die Rendite. Da die Beiträge gestiegen sind, die Rentenauszahlung aber gesunken ist, seit die Jahrgänge, für die Lüthens zu einer Rendite von 1,2% für Männer und 3,7% für Frauen gekommen ist, in Rente gegangen sind, muss man keine komplexen Rechnungen ausführen, um vorhersagen zu können, dass sich eine gesetzliche Rentenversicherung mindestens für Männer nicht mehr rechnet, dass Männer eine negative Rendite erwirtschaften.

DIW Rente VerzinsungImplizit sagt dies auch Lüthens, denn “Risiken wie Langlebigkeit und Erwerbsminderung” sind weiterhin ausreichend durch die gesetzliche Rentenversicherung abgedeckt, wie er befindet: Männer sterben im Durchschnitt fünf Jahre eher als Frauen. Ihr Risiko, lang zu leben, ist entsprechend geringer. Und dass eine Rentenversicherung diejenigen bestraft, die ihr Erwerbsleben ohne erwerbsminderung hinter sich gebracht haben, die entsprechend ihr Erwerbsleben lang volle Rentenbeiträge geleistet haben, um sich im Alter, was die Rendite angeht, schlechter zu stellen als diejenigen, die weniger einbezahlt haben, die Auszeiten für Kindererziehung und sonstige Privatvergnügen genommen haben, das mit angeblicher Rentengerechtigkeit stimmig zu bekommen, ist eines der Kunststücke, zu dem nur Deutsche fähig sind.

In den meisten anderen Ländern wäre längst real, was Lüthens fürchtet: Ausweicheffekte, eine Schattenwirtschaft, die dem Staat die Beiträge entzieht, die er nutzt, um die konstanten Beitragszahler im Vergleich zu den nicht konstanten Beitragszahlern schlechter zu stellen.

Es ist kaum mit der Idee einer Rentenversicherung zu vereinbaren, dass diejenigen, die relativ mehr einzahlen sich im Alter relativ schlechter stellen als diejenigen, die relativ weniger eingezahlt haben. Eine solche Form der Umverteilung kann nur der gut finden, der davon profitiert, wie dies Politiker tun, deren Rentenansprüche weitgehend unabhängig von der Anzahl der Jahre sind, die sie im Bundestag abgesessen haben.

Die Ergebnisse von Lüthens sind übrigens inflationsbereinigt!

Ermächtigungsgünstling: Hochschule für praktischen Gesetzesverstoß sitzt in Hamburg

Ein Stammleser hat uns auf eine Ausschreibung der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW) hingewiesen. Die Ausschreibung der HAW verstößt nicht nur gegen Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes (Männer und Frauen sind gleichberechtigt), sie vertößt auch in eklatanter Weise gegen § 2 Absatz 1 des angeblichen Antidiskriminierungsgesetzes (AGG):

“(1) Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf: 1. die Bedingungen, einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg,”

Unter den in Paragraph 1 genannten Gründen finden sich die üblichen Verdächtigen: Alter, Herkunft, Religion, Weltanschaung, Geschlecht, sexuelle Orientierung.

Nimmt man § 2 Absatz 1 ernst, dann ist damit ausgeschlossen, dass es eine Ausschreibung durch einen öffentlich-rechtlichen oder einen privaten Arbeitgeber gibt, die sich ausschließlich an Katholiken oder Alte oder Sozialisten oder Frauen richtet.

Eine solche Ausschreibung verstößt entsprechend gegen das AGG.

Die Ausschreibung, auf die uns unser Stammleser hingewiesen hat, bezieht sich auf eine W2 Professur für “Elektrotechnik, elektr. Maschinen und Anlagen“. Sie trägt die Kennziffer 048/15-4 und wurde von der Fakultät “Life Science” der Hochschule für Angewandete Wissenschaft Hamburg ausgeschrieben. Verantwortlich ist Prof. Dr. Petra Margaritoff.

Die Ausschreibung beginnt wie folgt beginnt:

HAW_Professorinnenprogramm“Diese Professur wird vorbehaltlich der Förderung durch das ‘Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung
an deutschen Hochschulen – Professorinnenprogramm II’ – ausgeschrieben”.

Der Verwaltungssprachcode kann wie folgt übersetzt werden: Gibt es keine Mittel aus dem Professorinnenprogramm, dann gibt es keine Professur. Die Professur muss entsprechend an einen weiblichen Bewerber vergeben werden, denn wird die Professur an einen männlichen Bewerber vergeben, wird sie nicht aus dem Professorinnenprogramm finanziert. Wird die Professur an einen männlichen Bewerber vergeben, dann gibt es kein Geld und folglich auch keine Professur.

Dieses Faktum hat in Hamburg dazu geführt, dass die gesamte Ausschreibung nur an weibliche Bewerber gerichtet ist. So heißt es u.a.:

“Die Bewerberin soll das Fach Elektrotechnik […] vertreten”. […] “Die Bewerberinnen werden gebeten, den üblichen ausführlichen Unterlagen eine Kurzübersicht der persönlichen Daten beizufügen”. […] “Alle Bewerberinnen werden gebeten, ihren Unterlagen eine Kurzübersicht der persönlichen Daten beizufügen” [Die Doppelung ist nicht von uns, sie findet sich in der Ausschreibung].

Die Ausschreibung richtet sich unmissverständlich und ausschließlich an weibliche Bewerber und verstößt entsprechend gegen das Grundgesetz und das Antidiskriminierungsgesetz, so dass man die HAW in Hamburg als Anstalt öffentlicher Gesetzesbrecher bezeichnen muss.

Nun wäre das AGG kein deutsches Gesetz würde es nicht Ausnahmen von dem kennen, was gerade ausgeschlossen wurde. Die Gründe dafür, warum zwar niemanden wegen seines Geschlechts diskriminiert werden darf, es sei denn, er darf doch diskriminiert werden, finden sich im § 20:

“§ 20 Zulässige unterschiedliche Behandlung

(1) Eine Verletzung des Benachteiligungsverbots ist nicht gegeben, wenn für eine unterschiedliche Behandlung wegen der Religion, einer Behinderung, des Alters, der sexuellen Identität oder des Geschlechts ein sachlicher Grund vorliegt. Das kann insbesondere der Fall sein, wenn die unterschiedliche Behandlung

    • 1. der Vermeidung von Gefahren, der Verhütung von Schäden oder anderen Zwecken vergleichbarer Art dient,
    • 2. dem Bedürfnis nach Schutz der Intimsphäre oder der persönlichen Sicherheit Rechnung trägt,
    • 3. besondere Vorteile gewährt und ein Interesse an der Durchsetzung der Gleichbehandlung fehlt,

[…]”

ProfessorrinnenprogrammNun ist nicht ersichtlich, wieso eine Ausschreibung einer Professur für Elektrotechnik, elektr. Maschinen und Anlagen ausschließlich an weibliche Bewerber der Verhütung von Schäden oder der Vermeidung von Gefahren dient, ebenso wenig wie ersichtlich ist, wo dem Bedürfnis nach Schutz der Intimsphäre oder der persönlichen Sicherheit durch die Ausschreibung einer Professur für Elektrotechnik, elektr. Maschinen und Anlagen ausschließlich an weibliche Bewerber Rechnung getragen werden würde.

Es bleibt nur Absatz 3., nachdem eine Diskriminierung nach Geschlecht dann erfolgen kann, wenn besondere Vorteile gewährt werden sollen und ein Interesse an der Durchsetzung der Gleichbehandlung fehlt.

Es ist dies ein erstaunlicher und erschreckender Absatz, dieser Absatz 3. Man kann ihn als Ermächtigungsgesetz zur Diskriminierung bezeichnen als Zeitgeist-Klausel, die den Günstlingen des herrschenden Regimes zu Gute kommt. Mit einem demokratischen, anständigen und am Recht orientierten Staat ist Absatz 3 in keiner Weise zu vereinbaren, aber mit Anstand, Recht und Demokratie ist das gesamte Günstlingsprogramm für weibliche Professoren nicht zu vereinbaren.

Nichts Neues also.

In jedem Fall haben wir eine eMail an die Antidiskriminierungsstelle (unseren Herrn Sopp) und Petra Margaritoff geschrieben, um uns erklären zu lassen, welche (niederen) Motive dafür sprechen, männliche Bewerber zu diskriminieren.

Die eMail wird in einem der nächsten Posts veröffentlicht, die Antworten ebenfalls.

Wissenschaft in Jena: “Ich mach’ mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt”

Frauen gelten in Jena als behindert, so haben wir am 18. Juli im Hinblick auf ein Studienangebot getitelt, das es an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena im Studiengang “Elektrotechnik/Informationstechnik” gibt. Der Beitrag hat eine breite Leserschaft gefunden, ist durch Facebook und Twitter gegangen und wohl auch beim Deutschlandfunk angekommen.

DeutschlandfunkDort hat Markus Dichmann ein Interview mit Ralph Ewerth geführt, jenem Professor, der in Jena für das Angebot eines für Frauen exklusiven Studiengangens (für zwei Semester) verantwortlich ist.

Was an dem Interview bemerkenswert ist, ist das völlige Fehlen auch nur eines Arguments, was zeigt, Ralph Ewerth hat schlicht nicht damit gerechnet, dass ihn jemand fragen könnte, wieso er denkt, Männer, die in Jena an der Ernst-Abbe-Hochschule Elektrotechnik/Informationstechnik studieren wollen, diskriminieren zu müssen und wieso er denkt, Frauen seien zu behindert, als dass sie ohne eine entsprechende Sonderbehandlung auskämen.

Wieso, so fragt Markus Dichmann, “sollen Frauen E-Technik alleine studieren?”

Die Antwort von Ewerth auf das Wesentliche reduziert:

    • Der Anteil weiblicher Studenten ist besonders niedrig.
    • “Wir glauben aber nicht, dass dies naturgegeben ist.”
    • Es liegt daran, dass das Technikinteresse von Jungen in der Kindheit mehr gefördert wird als das Technikinteresse von Mädchen.
    • Das “sagen Studien”.

Ernst Abbe HochschuleIn der Pfalz sagt man dann, wenn jemand versucht, schnell eine Antwort auf eine Frage zu zimmern, die ihn unerwartet getroffen hat, er habe sich seine Antwort zusammengestoppelt. Ewerth, der an einer Hochschule als Professor beschäftigt ist, hat gestoppelt. Nur: Er kannte die Fragen vorab und hatte viel Zeit, sich auf die entsprechenden Fragen vorzubereiten. Deshalb ist es eine Unverschämtheit, dass er denkt, er könne die Zuhörer und Leser des Deutschlandfunks mit derartigen Oberflächlichkeiten und Fehlschlüssen abspeisen:

  • Wenn ein niedrieger Anteil weiblicher Studenten es erfordert und rechtfertigt, dass exklusive Studiengänge für weibliche Studenten eingeführt werden, dann gilt dies auch für niedrige Anteile männlicher Studenten z.B. in Lehramtsstudiengängen, bei Tier- und Zahnmedizin usw. Nähme man also Ernst, was Ewerth argumentiert, es wäre am einfachsten, Hochschulen nur für Männer und Hochschulen nur für Frauen einzuführen.
  • Es ist immer wieder erfrischend, wenn Professoren Erkenntnisse wie die, dass Interessen nicht naturgegeben sind, formulieren. Das macht Mut. Wenn sich Herr Erwerth nun noch durchringen könnte, Präferenzen anzunehmen, z.B. solche, die andersgelagert sind, vielleicht sogar zwischen Männern und Frauen (das soll es geben), dann wäre noch mehr gewonnen, z.B. die Erkenntnis, dass die Vorlieben für Studienfächer, die Präferenzen, die Wahl des Studienfachs bestimmen. Und wer z.B. nur studiert, um sich die Zeit zu vertreiben, der ist mit Anglistik, Gender Studies oder Sozialarbeit besser bedient als mit Informationstechnik.
  • Weil es eine (unbekannte offensichtlich nicht zitierfähige) Studie geben soll, nein Studien geben soll, die zeigen, dass die Technikinteressen von Jungen mehr gefördert werden als die von Mädchen (was angesichts der vollinstitutionalisierten Unterbringung von Kindern in staatlicher Versorgung ab 3 Jahren auch oder gerade Herrn Ewerth zu denken geben sollte…), deshalb werden exklusive Studiengänge an der Ernst-Abbe-Hochschule für Frauen eingeführt. Aber sind die Interessen von Mädchen, die weniger gefördert wurden, auch nach jahrelanger Minderförderung noch vorhanden? Gibt es also doch naturgegeben ein gleichgestelltes Interesse von Jungen und Mädchen an Informationstechnik? Geht Ewerth also entgegen seiner Behauptung doch davon aus, dass Interessen naturgegeben sind, z.B. die Interessen für Rechner, Server usw.? Und wenn diese Interessen trotz Minderförderung dennoch vorhanden sind, warum werden daraus keine Präferenzen für ein Studium der Elektrotechnik? Erstaunlich!

Noch erstaunlicher ist der konstruktivistische Teil des Interviews, in dem Ewerth die ganze Ärmlichkeit des Publicity-Gags aus Jena offenlegt, mit dem die Hochschule versucht, Brownie-Points für politische Korrektheit zu erhalten (wer weiß, vielleicht gibt es zusätzliche Fördermittel vom Bundesministerium für politische Korrektheit, vorauseilenden Gehorsam und anbiederndes Andienen?).

Nun gibt es ja Blogs wie ScienceFiles, die argumentiert haben, dass man dann, wenn man Privilegien an eine soziale Gruppe verteilt, diese soziale Gruppe in Bezug zu anderen sozialen Gruppen besserstellt. Wenn man einem Hürdenläufer, weil er langsamer ist als andere, die Hürden in der Höhe und der Anzahl reduziert, dann verschafft man diesem Hürdenläufer einen Vorteil und damit automatisch den anderen Hürdenläufern einen Nachteil. Man kann von so vielen Seiten auf die niedrigeren Hürden und deren geringere Anzahl blicken, wie man will, es ist und bleibt eine Bevorteilung des langsamen und eine Benachteiligung oder Diskriminierung der schnellen Hürdenläufer.

Und was hat Herr Ewerth dazu zu sagen:

“… wir sehen das nicht als diskriminierende Maßnahme, auch wenn wir jetzt in den ersten zwei Semestern da unterschiedliche Gruppen haben, sondern als Maßnahme, die letztlich zu einer Gleichstellung führen soll.”

Na, wenn “wir”, also Ralph Ewerth und er selbst (im Englischen sagt man: I, myself and me) das nicht als diskriminierende Maßnahme sehen, dann ist das keine diskriminierende Maßnahme. Was sollen überhaupt diese Konventionen von Verständigung? Man muss Diskriminierung eben neu denken! Diskriminierung Jena-Style, die liegt genau dann vor, wenn Ralph Ewerth und er selbst, “wir” in seiner Sprache, etwas als diskriminierend sehen. In Fragen der Diskriminierung gibt es demnach nurmehr die Möglichkeit nach Jena zum Orakel der Elektro- bzw. Informationstechnik zu pilgern und Ralph Ewerth danach zu fragen, ob er etwas als Diskriminierung sieht oder nicht. Das löst dann auch auf einen Schlag alle Begründungsprobleme, mit denen sich die Wissenschaft seit Jahrhunderten herumschlägt. Wir begründen nicht mehr, “wir”, also Ralph Ewerth und er selbst, “wir sehen”. Und was wir sehen, das ist. Das werdet ihr schon sehen!

Ob alles, was Ralph Ewerth und er selbst sehen auch mitteilungsfähig ist, ist jedoch eine andere Frage, deren Beantwortung dadurch erschwert wird, dass auch andere sehen. Vielleicht ist Ralph Ewerth ja dem Rat einer großen Frau der Weltgeschichte, Queen Elizabeth I,  zugänglich, deren Motto “Video et Taceo” (Ich sehe und schweige) er sich vielleicht zum Grundsatz machen sollte.

Was wir indes sehen werden ist, wie viele weibliche Studienanfänger sich im exklusiven Studiengang von Ralph Ewerth für behindert, besonders förderungsbedürftig, mit “gewissen Hemnissen” belastet und voller Bedenken ob der Möglichkeit des Erfolgs im Fach Elektrotechnik/Informationstechnik erklären lassen wollen.

Elizabeth essexDerzeit scheint das Aufkommen nicht sonderlich hoch zu sein. Zwar hat Ewerth “seit einigen Tagen keine neuen Zahlen zusammenbekommen” und die alten Zahlen zwischenzeitlich wohl vergessen, aber von den 30 Studienplätzen, die exklusiv für Frauen in Jena reserviert sind (ob mit oder ohne Frauenparkplätzen im Uniparkhaus gleich neben den Behindertenparkplätzen, war auf die Schnelle nicht zu klären), gibt es noch etliche bis alle zu haben. Deshalb werden auch nach dem 15. August, also nach dem offiziellen Ende der Bewerbungsfrist, noch Bewerbungen zugelassen!

Behindert?
Weiblich?
Kein naturgegebenes Interesse an Elektrotechnik oder doch eines?
“Hemmnisse”?

Auf nach Jena!
Die Ernst-Abbe Hochschule wartet!

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf das Interview.

Frauen gelten in Jena als behindert

Leistungsschwache haben gegenüber Leistungsstarken einen Nachteil, einen, nein mehrere Nachteile: Sie sind leistungsschwächer, erzielen entsprechend schlechtere Leistungen, haben Probleme mit dem Selbstbewusstsein, weil sie schlechtere Leistungen als Leistungsstarke erzielen. Das ganze Problem ergibt sich ausschließlich aus dem Vergleich. Würde man Leistungsschwache nicht mit Leistungsstarken konfrontieren, sie würden nicht merken, dass sie leistungsschwach sind und sich entsprechend für leistungsstark halten, wären voller Selbstbewusstsein und würden voller Energie die Lösung von Problemen angehen, so, wie dies Leistungsschwachen, die sich für Leistungsstarke halten, möglich ist.

Ernst Abbe HochschuleEs ist ein Merkmal der Gleichstellungszeit, in der wir leben, dass es Leute gibt, die denken, dadurch, dass man Leistungsschwache in dem Glauben lässt, sie seien leistungsstark könne man etwas Positives erwirken. Dadurch könne man die Leistungsschwachen zu Höchstleistungen motivieren oder sie dazu motivieren, dass sie sich selbst weiterentwickeln, quasi zum leistungsstarken Leistungsschwachen.

Dummerweise gibt es eine Realität. In dieser Realität gibt es wirklich Leistungsstarke, es gibt Probleme, die über den Horizont von eingebildeten Leistungsstarken hinausgehen, deren Lösung sich ihnen nicht erschließt und wenn sich ihnen eine Lösung erschließt, dann ist es oftmals eine, die sich durch einstürzende Bauten auszeichnet.

Kurz: Es bringt nichts, Leistungsschwachen vorzugaukeln, sie seien leistungsstark, sie in einem Schutzraum aufwachsen zu lassen, abgetrennt von der Welt und den wirklich Leistungsstarken.

Es ist, als wollte man den Gehbehinderten vor der Erkenntnis schützen, dass er nicht der schnellste 100 Meter Läufer der Welt ist, dass es Hussein Bolt gibt…

Dennoch ist man an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena angetreten, den beschriebenen Weg zu gehen und Frauen einen Schutzraum zu bieten, in dem sie sich einbilden können, sie seien gar nicht leistungsschwach.

Dazu ist es zunächst notwendig, Frauen generell als leistungsschwach einzustufen.

Das hat man an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena kurzerhand getan.

Es war nicht schwierig, denn: Im Studiengang “Elektrotechnik/Informationstechnik” sind wenige Frauen eingeschrieben.

Folglich müssen Frauen leistungsschwach sein, denn wären sie es nicht, es gäbe mehr von ihnen im Studiengang “Elektrotechnik/Informationstechnik”.

Gibt es aber nicht. Also sind Frauen leistungsschwach und müssen entsprechend gefördert werden.

“Studienbeginn ohne Männer” heißt der Schutzraum, den die Ernst-Abbe-Hochschule in Jena für Frauen geschaffen hat, die zu leistungsschwach sind, um mit Männern von Beginn des Studiums an zu konkurrieren. Dass sie zu leistungsschwach sind, das – wie gesagt – weiß man an der Ernst-Abbe-Hochschule, denn wären sie nicht leistungsschwach, mehr von ihnen wären im Studiengang eingeschrieben.

Deshalb gibt es zwei Semester nur für Frauen und unter Frauen. Das ist natürlich kein Verstoß gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, sondern ein Pilotprojekt:

“In dem Pilotprojekt lernen die Studentinnen in den ersten zwei Semestern unter sich. Vor allem die technischen und mathematischen Grundlagenfächer werden in diesem Zeitraum unterrichtet. Dazu erhalten die Studentinnen auf Wunsch Unterstützung bei der Karriereplanung durch Absolventinnen und viele Studiertipps durch erfahrene Kommilitoninnen.”

Offensichtlich ist man an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena nicht nur der Meinung, Frauen sind leistungsschwächer als Männer, wenn es z.B. um Elektrotechnik/Informationstechnik geht, man denkt auch, die Behinderten benötigen eine entsprechende Rundumbetreuung, man müsse durch Privilegien, die sie gegenüber leistungsstarken Studenten genießen, den Nachteil ausgleichen, der durch die vorhandene Leistungsschwäche verursacht wird.

Kottmann SonderschuleWie erfolgreich das “unter sich” lernen ist, davon wissen die Bildungsforscher, die sich dafür interessieren, ein Lied zu singen. Schüler mit Lernschwierigkeiten werden in Deutschland auf Sonderschlen befördert, damit sie dort unter sich sind und die Nachteile, die sie gegenüber den anderen Schülern haben, aufholen. Die einmal als leistungsschwach, weil aus den unterschiedlichsten Gründen als zurückbleibend klassifizierten Schüler, sollen über die Sonderschule wieder an das Feld der normalen und leistungsstarken Schüler herangeführt werden.

Der Erfolg ist hinlänglich bekannt: Die entsprechenden Schlüler sind ein für alle Mal als leistungsschwach, als Sonderschüler stigmatisiert, sie erreichen in der Regel nicht einmal einen Hauptschulabschluss und starten mit erheblichen Nachteilen in ihr Berufsleben, Nachteile, von denen nicht klar ist, ob sie ohne die Intervention von Sonderschulpädagogen nicht geringer gewesen wären. Aber: Die Bildungspolitiker fühlen sich gut, und darum geht es. Und in Erfurt, da fühlt sich vermutlich Prof. Dr. Ralph Ewert gut. Er ist für das Pilotprojekt “Studienbeginn ohne Männer” verantwortlich und straft es gleich lügen, denn zumindest der Vorname qualifiziert ihn als Mann.

Aber vielleicht lässt er seine Vorlesungen ja von einer weiblichen Vertrauten halten: “Studium ohne Männer, Sie wissen schon”.

Falls das Pilotprojekt, das die Ernst-Abbe-Hochschule hier anbietet, keine Verbesserung des Frauenanteils im Bereich “Elektrotechnik/Informationstechnik” erreicht, liegt dies natürlich nicht daran, dass das Pilotprojekt vollkommen an den Studienfachpräferenzen von Frauen vorbei geht, sondern daran, dass die in jedem Fall leistungsschwachen Frauen durch das Pilotprojekt nicht ausreichend gefördert wurden.

Folglich muss man sich neue Förderungen überlegen und noch tiefgehendere Maßnahmen ergreifen, z.B. die Besetzung der Studienplätze nach Geschlechterproporz “50:50”. Studienplätze werden an Männer erst vergeben, wenn das Frauenkontingent voll ist. Sofern das Frauenkontingent den Studiengang nicht obsolet gemacht hat, muss Frauen natürlich der Abschluss des entsprechenden Studienfaches erleichtert werden. Damit auch bei den Abschlüssen Geschlechtergleichheit erreicht wird, haben generell die Frauen ihre Prüfung bestanden, die notwendig sind, um den Anteil der Männer, die die Abschlussprüfung bestanden haben, auszugleichen – und zwar unabhängig von der Leistung der Frauen – schließlich sind Frauen leistungsschwach.

Update: Nutznießer des Professorinnenprogramms

Das meritokratische Prinzip besagt, dass Leistung das Kriterium ist, das über z.B. die Vergabe von Positionen im Bildungswesen entscheidet. Wenn sich also ein guter und ein schlechter Kandidat auf eine Position bewerben, dann sieht das meritokratische Prinzip vor, dass der bessere Kandidat die Position erhält. Es ist also gerade nicht wie in der Politik, wo Kandidaten nach Hausmacht z.B. in den Unterbezirken und weitgehend unabhängig von ihrer Leistung gewählt werden.

ProfessorrinnenprogrammMit dem Professorinnenprogramm ist das meritokratische Prinzip von Hochschulen verschwunden. Nicht mehr die Leistung entscheidet darüber, ob ein Bewerber eine Position erhält, sondern sein Geschlecht. Entgegen aller Mimikry und aller ausgefeilten Versuche, das Professorinnenprogramm nicht als klares Programm zur Diskriminierung von Männern erscheinen zu lassen, ist das Professorinnenprogramm nichts anderes als ein Diskriminierungsprogramm: Positionen an Hochschulen werden für weibliche Bewerber reserviert, nur an weibliche Bewerber vergeben, weibliche Bewerber werden also privilegiert, männliche Bewerber diskriminiert.

Das Professorinnenprogramm ist ein Günstlingprogramm, das der Vergabe von Lehen im Mittelalter entspricht und nicht Leistung, sonder die Bereitschaft, sich als Günstling zu verdingen, belohnt.

Wir haben vor ein paar Tagen eine Liste gestartet, in die all diejenigen aufgenommen werden, die sich nicht zu schade sind, aufgrund ihres Geschlechts und eben nicht aufgrund ihrer Leistung auf eine Professur berufen zu werden. Die Liste wird von unseren Lesern geführt, von denen sich manche als sehr motiviert erwiesen haben. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich und sind schon gespannt auf die weiteren Hinweise, die uns auf die Günstlinge des Professorinnenprogramms erreichen.

Wer Hinweise hat: Eine eMail an uns genügt.

Hochschule Fakultät Name
TU-Berlin Theoretische Physik Dr. Sabina Klapp
TU-Berlin Kunstgeschichte Dr. Bénédicte Savoy
TU-Braunschweig Gender, Technik und Mobilität; Maria Goeppert-Mayer-Frauenförderung Dr. Corinna Bath
Universität Bremen Mathematik Dr. Emily King
Universität Bremen Wirtschaftswissenschaft Dr. Jutta Günther
TU-Chemnitz Literaturwissenschaft Dr. Bernadette Malinowski
TU-Chemnitz Rechtswissenschaft Dr. Dagmar Gesmann-Nuissl
TU-Dresden Umweltwissenschaften Dr. Christina Dornack
Fachhochschule Erfurt Architektur und Stadtplanung Dr. Katrin Großmann
Fachhochschule Erfurt Angewandte Sozialwissenschaften Dr. Ines Herrmann
Fachhochschule Erfurt Angewandte Sozialwissenschaften Dr. Ines Remsperger
Pädagogische Hochschule Freiburg Medizin Dr. Eva Bitzer/td>
Pädagogische Hochschule Freiburg Germanistik Dr. Petra Gretsch
Pädagogische Hochschule Freiburg Pädagogik der frühen Kindheit Dr. Susanne Koerber
Universität Freiburg Anorganische und Analytische Chemie Dr. Anna Fischer
Universität Göttingen Sozialwissenschaften Dr. Claudia Diehl
Universität Göttingen Germanistik Dr. Anke Holler
Universität Göttingen Mathematik Dr. Anja Sturm
Universität Hamburg Betriebswirtschaftslehre Dr. Silke Boenigk
Universität Hamburg Amerikanistik Dr. Astrid Boger
Universität Hamburg Sozialwissenschaften Dr. Anita Engels
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover Kommunikationswissenschaften Dr. Eva Baumann
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover Kinder- und Jugendchorleitung Dr. Friederike Stahmer
Universität Hannover Sprachwissenschaft Dr. Ulrike Altendorf
Universität Hannover Evangelische Theologie Dr. Monika Fuchs
Universität Hannover Sprachpädagogik Dr. Ulrike M. Lüdtke
Universität Hannover Mathematik und Physik Dr. Silke Ospelkaus
Universität Lüneburg Sprachwissenschaft Dr. Anne Barron
Universität Lüneburg Ökologie Dr. Alexandra Klein
Universität Lüneburg Kunstgeschichte Dr. Beate Söntgen
Universität Mainz Medizin Dr. Christine Espinola-Klein
Universität Mainz Physikalische Chemie Dr. Angelika Kühnle
Universität Mainz Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte Dr. Vasiliki Tsamakda
Universität Osnabrück Wirtschaftspsychologie Dr. Christel Kumbrück
Universität Osnabrück Sprachwissenschaft Dr. Christina Noack
Universität Osnabrück Betriebswirtschaftslehre Dr. Kertin Plüm
Universität Osnabrück Betriebswirtschaftslehre Dr. Marion Wendehals
Universität Osnabrück Geschlechterforschung Dr. Barbara Schwarze
Universität Rostock Sonderpädagogik Dr. Tanja Jungmann
Universität des Saarlandes Mikrobiologie Dr. Karin Römisch
Universität Siegen Wirtschaftswissenschaften Dr. Ilona Ebbers
Universität Tübingen Chemie Dr. Doris Kunz
Universität Vechta Geistes- und Kulturwissenschaften Dr. Eva Wilden
Jade Hochschule Wilhelmshaven Tourismuswissenschaft Dr. Ines Behn-Künzel

Wir bitten weiter um zahlreiche Mitarbeit, denn, wie sich hoffentlich langsam herumgesprochen hat: Wir betreiben ScienceFiles nebenbei!

Translate »
error: Content is protected !!
Skip to toolbar