Von Steuerzahlern finanzierte Junk Science: Managerinnen 50plus

Beim Soziologentag 1995 in Halle, sind wir in eine Session geraten, die uns bis heute nachhängt. Die Session enthielt u.a. einen Vortrag, in dem es um Schiffsköche ging. Der Vortragende hatte Schiffsköche befragt. Eine an sich interessante Sache, denn: Was ist schon von Schiffsköchen bekannt? Genau so wenig wie von Müllfahreren, Maurermeistern, Zimmermännern, Dachdeckern… Vertreter von Berufen, die mit den Händen arbeiten, gelangen selten in den Fokus der qualitativen Sozialforschung. Hier macht man sich nicht so gerne mit dem Mann auf der Straße gemein. Hier forscht man nicht so gerne lebensnah, wenn man einmal Ronald Hitzler und seine Forschung in Sado-Maso-Gruppen außen vor lässt.

Nun, der Vortrag über die Schiffsköche, er ist uns deshalb so sehr in Erinnerung geblieben, weil der Vortragende sieben von ihnen, also sieben Schiffsköche befragt hatte (wozu haben wir vergessen), und aus den Antworten der sieben Schiffsköche hat er mit elaborierten Mitteln qualitativer Sozialforschung sechs Typen von Schiffsköche mit weitreichenden Schlussfolgerungen gewonnen.

Dieses methodische Fiasko aus Halle, es hängt und bis heute nach und, wie man im Englischen sagt, it was a good one, but, wie man auch im Englischen sagt: this one is even better.

BMFSFJUnk 50Im Hinblick auf methodische Unbedarftheit und daraus folgende Ahnungslosigkeit, ist die vom Bundesministerium für FSFJ finanzierte Studie “Managerinnen 50plus” nicht nur ein Fiasko, sie ist ein Waterloo, sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es nicht machen kann und darf und soll, oder sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie man nichts so aufblasen kann, dass daraus gar nichts wird.

Verantwortlich für die Studie ist Christiane Funken vom Institut für Soziologie der TU Berlin. Und beides, die Studie wie die Verantwortung, sie wären uns entgangen, wenn uns nicht ein merklich genervter Leser auf Studie und deren Vermarktung gestern in der ZEIT hingewiesen hätte.

Letztere fand unter dem Titel “Das frühe Ende der Karrierefrau” statt. Das ist bereits eine Übergeneralisierung, die auf Basis der Studie durch nichts gedeckt ist, und hat nicht das frühe Ableben von Karrierefrauen zum Gegenstand, sondern die Behauptung: “Viele Topmanagerinnen stoßen an eine Panzerglasdecke. Geschlechterforscherin Christiane Funken hat das merkwürdige Sitzenbleiben erfolgreicher Frauen erforscht”.

Wir wollen unsere Leser hier auf zwei Dinge hinweisen: Die Mengenangabe “Viele” und die Tatsache, dass Christiane Funken vom BMFSFJ als Soziologe und nicht als Geschlechterforscher wie von der ZEIT verkauft wird.

Der Text in der ZEIT, der ein Interview ist, das man getrost als Treffen der Heulsusen bezeichnen kann, aber nicht als Gespräch unter Erwachsenen, hat seinen Höhepunkt in der folgenden Passage:

Christiane Funken erzählt: “Ich traf Bankerinnen, die irgendwann weinend vor mir saßen. Sie sagten: Wir arbeiten Tag und Nacht, wir sind exzellent in dem, was wir tun, wir liefern Großartiges für das Unternehmen, das wird auch anerkannt. Aber gleichzeitig werden die Männer an uns vorbeibefördert”.

Diese Aussage muss irritieren, denn in der Überschrift zum Interview war von Topmanagerinnen die Rede. Diese Topmanagerinnen, die 24/7 für ihr Unternehmen malochen, was die Frage aufwirft, wann sie sich weinend in die Arme von Christiane Funken geflüchtet haben, diese allzeit arbeitenden Topmanagerinnen, sie werden nicht befördert. Wohin? Sie sind doch bereits Topmanagerinnen – oder etwa nicht?

Wie dem auch sei, man fragt sich unwillkürlich: Wen hat Christiane Funken da eigentlich für die aus Steuergeldern finanzierte Studie “Managerinnen 50plus” befragt? Eine einfache Frage, so denkt man. Ein Grunddatum empirischer Sozialforschung, das dann, wenn es in studentischen Arbeiten fehlt, dazu führt, dass der entsprechende Student mit seiner Arbeit durchfällt. Und doch: Es ist nicht herauszufinden, wie viele Top- oder weniger Topmanagerinnen 50plus bzw. “um die fünfzig”, wie es in der Studie heißt, von Funken befragt wurden.

Agin Junk scienceDer einzige Hinweis, wie viele Managerinnen “um die 50” befragt wurden, findet sich auf Seite 11 des Berichts zur Studie, auf der zu lesen ist, es seien auf “ca. 25 Managerinnen aus (mittel)großen Unternehmen unterschiedlicher Branchen in einer Alterspanne zwischen 45 und ca. 55 Jahren fokussierte Interviews” geführt worden. Das “ca.” ist mehr als irritierend: Weiß die Projektverantwortliche Christiane Funken nicht, mit wie vielen Managerinnen sie Interviews geführt hat? Man sollte meinen, die Grundrechenart der Addition ist auch Genderforscherinnen geläufig.

So kann man sich irren. Es waren “ca. 25” Interviews, also 20 oder 19 oder “Tiefeninterviews mit etwa 30 Frauen in Deutschland”, wie es im ZEIT-Beitrag erläutern am Ende heißt. Also wurden gar keine “ca. 25 Managerinnen” befragt, sondern “etwa 30 Frauen in Deutschland”?

Wir haben in unserer Karriere schon viele schlechte Studien gesehen, Studien, die viel vorgeben und wenig halten, aber die Studie von Christiane Funken von der TU-Berlin, wo sie entweder Soziologe oder Genderforscher oder was auch immer ist, die schlägt alles: Nicht nur weiß Funken ganz offensichtlich nicht, ob sie “ca. 25 Managerinnen” oder “etwa 30 Frauen” befragt hat, es finden sich in der Studie auch keinerlei Hinweise darauf, wie die “etwa 30 Frauen” oder die “ca. 25 Managerinnen” gefunden wurden, nach welchen Kriterien die Auswahl der Befragten erfolgt ist, so dass man Schlimmes befürchten muss. Insbesondere weil es auf Seite 6 des von Steuerzahlern finanzierten Berichts heißt:

“Getragen von dem Wunsch nach beruflicher Veränderung und Neuausrichtung fanden sich in dieser Gruppe zwölf Managerinnen im Alter von 45 bis 60 Jahren zusammen. Aus der Diskussion und der Dynamik dieser Frauen [Welche Dynamik? Blumenvasen-Werfen aus Frust?] wurde rasch sichtbar, wie viel Potenzial in dieser gesellschaftlichen Gruppe schlummert. Diese zwölf Frauen waren stellvertretend für die Altersgruppe von Managerinnen zu sehen. Als Mitglied dieser Gruppe interessierte mich besonders, was diese Managerinnen „50plus“ antreibt, was ihre Werte und Motive sind, ihre Interessen und wie diese sich mit denen des Unternehmens in Einklang bringen ließen.”

Die 12 Managerinnen, von denen hier die Rede ist, haben sich im European Women’s Management Development International Network (EWMD)” zusammengefunden, wo sie vom BMFSFJ finanziert wurden, um die Studie “Managerinnen 50plus” durchzuführen.

Wie gut, dass das BMFSFJ dennoch weiß, an wen die Steuergelder überwiesen werden sollen.

Wie gut, dass das BMFSFJ dennoch weiß, an wen die Steuergelder überwiesen werden sollen.

Damit ist wohl eine neue Form der Entfremdung von Steuergeldern gemeint. Man trifft sich in einem Club, nennt sich “European Women’s Management Development International Network (EWMD)” ruft seinen Spezel im Ministerium für FSFJ an und lässt eine Studie vom Ministerium finanzieren, in der man selbst befragt wird. Von Steuerzahlern finanzierte Lobbyarbeit, die man als “Wissenschaft” verkaufen kann, wenn man einen entsprechend willigen vermeintlichen Wissenschaftler gleich durch das BMFSFJ miteinkaufen lässt. Und wie es scheint, ist Christiane Funken zumindest über ihre Anbindung an die TU-Berlin jemand, den man als Wissenschaftler verkaufen kann.

Nur: Christiane Funken ist kein Wissenschaftler, dazu fehlt ihr zu viel an methodischen Kenntnissen oder: Sie ist willentlicher Mitarbeiter beim Versuch, die Öffentlichkeit darüber zu täuschen, dass in der Studie “Managerinnen 50plus” eine Selbstbefragung von Clubmitgliedern stattgefunden hat, die passender Weise vom BMFSFJ dafür bezahlt wurden, dass sie sich selbst befragen.

Dafür spricht die Tatsache, dass durch den ganzen Text der Studie versucht wird, die Zahl derer, die tatsächlich befragt wurden, zu verschleiern.

Die “ca. 25 Managerinnen”, die auf Seite 11 angegeben wurden, sind die einzige Angabe, die an Regeln wissenschaftlicher Lauterkeit zumindest grundsätzlich erinnert. Ansonsten ist die Rede von:

  • “Die meisten der von uns befragten, überaus erfolgreichen Managerinnen”…(9);
  • “Dies sind in der Regel Managerinnen um die Fünfzig …” (12);
  • “sämtliche, der von uns befragten Frauen…” (17);
  • “Die meisten, der von uns befragten Frauen haben es dennoch geschafft, die gläserne Decke zu durchbrechen” (30) [Eine erstaunlich Feststellung, die Funken im Interview mit der ZEIT vergessen zu haben scheint, denn dort ist von einer Panzerglasdecke die Rede, nicht nur von einer gläsernen Decke.]
  • “… bei den von uns befragten Frauen ….” (31);
  • “Die von uns befragten Frauen …”(53);
  • “… die von uns befragten Frauen …” (55)

Wieviele die “von uns befragten Frauen” tatsächlich sind, es ist nicht herauszufinden.

Zudem gibt es drei Typologien der von Funken befragten Frauen, für die es dann doch möglich ist, Zahlenangaben zu machen, Anteile nämlich:

  • “40 Prozent der Frauen führen einen erbitterten Kampf um Anerkennung” (13), 40%, das klingt wichtig und viel und weit besser als 10 “der von uns befragten Frauen”;
  • “30 Prozent der Frauen nehmen eine Haltung der ‘inneren Kündigung’ ein” (14), das wären dann 7 “der von uns befragten Frauen”;
  • Weitere 30 Prozent der Frauen planen einen Ausstieg in die Selbständigkeit …”(14), das wären dann abermals 7, “der von uns befragten Frauen”;

Eine ziemlich dünne Datenbasis, die Funken hier zu bieten hat, was sie nicht daran hindert weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen:

  • “Frauen um die Fünfzig in Führungspositionen sind sehr gut qualifiziert”, so schreibt sie und nicht etwa: die “ca. 25” “von uns befragten Frauen in Führungspositionen”, die sich im “European Women’s Management Development International Network” zusammen geschlossen haben und vom Bundesministerium für FSFJ dafür bezahlt wurden, dass sie aus ihrem Leben erzählen.
  • “Weniger als die Hälfte der Frauen hat Kinder …” steht da und nicht etwa: ca. 12 der “ca. 25” befragten Mitglieder des “European Women’s Management Development International Network”.
  • “Nur wenige weibliche Führungskräfte wurden in der zweiten Hälfte ihrer Karriere für den weiteren Aufstieg befördert” – Interessanter Weise fehlt hier die Bezugsgröße, was die Möglichkeit eröffnet dass 1 bis alle der ca. 25 befragten Mitglieder des oben genannten Networks befördert wurden.

Der Eindruck drängt sich auf, dass hier absichtlich die Auswahl und die Anzahl der befragten Managerinnen verheimlicht werden soll. Ein Eindruck, der leider auf Grundlage des Berichts der Studie, den Funken produziert hat, nicht entkräftet werden kann, weil er alle methodischen Standards des wissenschaftlichen Arbeitens vermissen lässt.

The Snout in the Trough

The Snout in the Trough

Dass die fehlenden Standards auf fehlende methodische Kenntnisse zurückzuführen oder der Tatsache geschuldet sind, dass die Studie eine Auftragsstudie mit vorgegebenem Ergebnis war, wird an einer Reihe von Indizien deutlich. So ist im Interview mit der ZEIT von Tiefeninterviews die Rede, die mit “etwa 30 Frauen” durchgeführt worden sein sollen. Dagegen findet sich auf den Seiten 57 bis 58 des Berichts “Managerinnen 50plus” und unter der Überschrift “Methodisches Vorgehen” ein Leitfaden, der für “Gespräche” von 60 bis 90 Minuten Länge mit den “ca. 25 Managerinnen” von Seite 11 genutzt wurde. Die Gespräche wurden auf Tonband aufgezeichnet, anschließend transkribiert und “mit Hilfe des Auswertungsprogramms ATLAS.ti” ausgewertet, und zwar nach der Methode der Grounded Theory und der qualitativen Sozialforschung von Mayring.

Ja.

Nur finden sich im Text keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Grounded Theory verwendet wurde. Weder ein Hinweis auf axiales Koderien (den Kern der Grounded Theory), noch einer auf Ankerbeispiele oder Kodierregeln im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse. Wie dem auch sei, wir wären gespannt, die “Codes-Primary Document-Table” aus ATLAS.ti für die Kombination aus Grounded Theory und qualitativer Inhaltsanalyse zu sehen und vor allem die Ergebnisse der Validitäts- und Reliabilitätstests, ist doch die qualitative Inhaltsanalyse von Mayring eine der wenigen qualitativen Methoden, die die Möglichkeit bietet, Validität und Reliabilität der vorgenommenen qualitativen Inhaltsanalyse zu prüfen, Die entsprechende Prüfung hat Funken ja bestimmt auf Grundlage der “ca. 25 Managerinnen” oder waren es “etwa 30 Frauen” und den Daten aus den Gesprächen, die vielleicht auch leifadengestützte Tiefeninterviews waren, durchgeführt.

Wäre es nicht so traurig und würde Junk wie diese Studie nicht auf Kosten von Steuerzahlern erstellt, man könnte wirklich herzlich über Managerinnen 50plus lachen und sie Studenten als Scherz einer Studie anempfehlen, an der überhaupt nichts ist, wie es sein soll, damit die Studie als wissenschaftlich durchgehen kann.

Es gibt übrigens fast kein Thema mehr, das so uninteressant ist, wie die Behauptung einer gläsernen Decke. Wer heute noch behauptet, es gebe eine gläserne Decke, der muss eine Problem mit der Wahrnehmung von Realität haben. Ungeachtet dessen, wollen wir das Schlusswort Christiane Funken überlassen: “Die deutsche Wirtschaft kann es sich gar nicht mehr leisten, die Erfahrung, Kompetenzen und das Fachwissen von Frauen zu ignorieren. Das wäre eine Katastrophe”.

Nachdem wir nunmehr eine Dokumentenanalyse des Berichts, den Funken verfasst hat, durchgeführt haben, müssen wir schließen, dass auf Grundlage einer Vollerhebung der 100% Verantwortlichen für diesen Berichts festgestellt werden muss, dass angesichts des erschreckenden Fehlens von Fachwissen, Erfahrung und Kompetenzen es sich die deutsche Wissenschaft gerade NICHT leisten kann, Frauen wie Funken NICHT zu ignorieren. Es wäre eine Katastrophe.

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28 Responses to Von Steuerzahlern finanzierte Junk Science: Managerinnen 50plus

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  2. markus says:

    Geiles SchlussWort ! Das Kaffeekraenzchengeplauder von kinderlosen, verbitterten “Topmanagerinnen” in der Menopause als metaphysische Angelegenheit, zum Totlachen !

  3. meier, hans (kempten) says:

    Womit Sie sich so alles beschäftigen müssen! Beileid und großen, großen Respekt für die nicht immer, aber fast immer treffenden und akkuraten, oft sogar amüsanten Analysen!

  4. Um es auf den Punkt zu bringen:

    Was das BMFSFJ und die Dame von der TU Berlin hier geschafft haben, ist nichts weniger als ein völlig neues Konzept von Forschung –

    Forschung, wie bisher:

    1. man formuliert eine begründete Hypothese,
    2. überlegt sich, wie man sie an der Realität testet und
    3. was als falsifizierende Befunde akzeptiert wird
    4. und führt die Forschung unter klar nachvollziehbaren, möglichst kontrollierten Bedingungen durch.

    Forschung nach BMFSFJ und TU Berlin:

    1. man behauptet etwas, was man glaubt oder glauben will (auch, wenn man nicht weiß, warum), und von dem man möchte, dass es andere auch glauben,
    2. trommelt ein paar Leute aus dem Netzwerk der Gleichgläubigen zusammen, die dasselbe behaupten,
    3. bestärkt sich gegenseitig in den geteilten Glaubenssätzen,
    4. stellt dann fest, dass das, was man behauptet, richtig sein muss, weil es doch schließlich die Leutchen, die da man da zusammengetrommelt hat, auch behaupten,
    5. unterzieht die Unterhaltung einer Betrachtung, die man wahllos mit wissenschaftlich klingenden Bezeichnungen wie “grounded theory” oder – auch gerne genommen – Expoerteninterview oder sonst irgendwas intellektuell klingendem in Verbindung bringt, und fertig ist die Forschung!

    Durch Kürzungen kommt man bezüglich des Forschungskonzeptes von BMFSFJ und TU Berlin zur folgenden Formel:

    Das ist so, denn das sag’ ja nicht nur ich, sondern auch die Leute sagen das, die das auch sagen!

    Ja dann: ein Hoch auf das neue Forschungskonzept!
    (und tiefer nach unten kann man als “Forscher” ja kaum kommen)

    • Das ist nicht neu. Ideologien arbeiten schon lange so. Das Argument mit der Mehrheit ist das Argument für das dumme Volk und hat eben mit Forschung, Wahrheit und Wissenschaft nichts zu tun. Wer sich darauf bezieht ist schon disqualifiziert, denn er durchblickt dieses Mehrheitsargument nicht. Siehe Demokratien, Klima, Pandemien, Kriegstreiberei, Geschichte…

      Aus diesem Grund sehe ich Befragungen sehr kritisch. Wie stellt man eine Frage, die keine bestimmte Antwort provoziert? Steckt denn wirklich “die Wahrheit im Volk”? Sind das nicht eher vorgefaßte oder eingegebene Meinungen?

      Beißt sich die soziologische Katze in den Schwanz?

      Carsten

      “Das Weltklima ist in der Tat in Gefahr.”
      Angela Merkel

      • … naja, ich wünschte, es wäre wirklich eine Befragung durchgeführt worden! Bei allen Mängeln und Gefahren, die sie bergen, gibt es doch eine mehr oder weniger ausgereifte Methodologie, die systematische Befragungen und die Auswertung der Daten aus Befragungen anleiten können.

        Aber das, wovon wir hier reden, war keine Befragung im sozialwissenschaftlichen Sinn; das war eine Unterhaltung unter Gleichgesinnten, bei der von Anfang an klar, war, dass man einer Meinung ist und damit, was beim Gespräch herauskommen sollte.

        Und das ist dann doch noch ‘mal etwas gänzlich anderes als eine Befragung, bei der man versucht, die Stimme zumindest von Bevölkerungsteilen zu hören.

  5. Andreas Damm says:

    Mal eine Betrachtung des Ganzen von der pragmatischen Seite her (kein Abitur, kein Studium, sondern nur eine kaufmännische Lehre und Lebenserfahrung).

    Die Frage ist doch, warum wird so ein Schwachsinn (also die besagte Studie) in Auftrag gegeben und anschließend sogar noch veröffentlicht?
    Meine Antwort: Dem Genderismus soll weiterer Vorschub geleistet werden.

    Dabei ist es den Initiatoren und wissenschaftlichen Stümpern völlig egal, wie die wirkliche Lebenswelt aussieht.

    In diesem Fall sagt mir meine unwissenschaftliche subjektive Lebenserfahrung, daß es überall im Berufsleben einen sogenannten Beförderungsstau gibt, unter dem nicht nur Frauen, sondern auch Männer zu “leiden” haben.
    Das Wort “leiden” in Anführungszeichen, weil es immer weniger Top-Positionen gibt als Bewerber. Such is life…

    Das besondere an dieser Studie ist ja die völlige Unterschlagung von belastbarem Zahlenmaterial. Darauf basierend werden dann aber Prozentsätze genannt, welche beeindrucken sollen.

    Das Gleiche habe ich heute an einem Bericht des Deutschlandfunks bemängelt:
    Dort wurde berichtet, daß die Einführung von Tempo-30-Zonen auf Berliner Hauptverkerhrsstraßen zu einer “meßbaren” Reduzierung von Stickoxiden geführt habe.
    Toll!
    Mit der heutigen Sensorik können wir fast alles in den kleinsten Konzentrationen messen, daher ist diese Aussage “messbar” völlig wertlos, da jegliche quantitative Angabe fehlte. Erst die hätte mich als Hörer in die Lage versetzt zu sagen
    “Ja, dafür lohnt sich Tempo 30”
    oder
    “Aha, es ist völlig ineffektiv und am Ende doch nur die Gängelung des Verkehrsteilnehmers”.
    Auch in diesem Beispiel ist eine Tendenz in dem Bericht enthalten, welche gewünscht ist, aber vermutlich nicht durch harte Fakten untermauert werden kann.

    Das hat in Deutschland seit langer zeit Methode und die Leute scheinen größtenteils wirklich zu blöd zu sein, dies zu durchschauen.

    Wenn ich erlebe, wie wenig Menschen den rechnerischen Unterschied zwischen “im Hundert” und “von Hundert” verstehen, dann wundert mich das gar nicht mehr…

    • Ronald.Z says:

      (…)Wenn ich erlebe, wie wenig Menschen den rechnerischen Unterschied zwischen “im Hundert” und “von Hundert” verstehen, dann wundert mich das gar nicht mehr…(….)

      grmpf, grmpf.
      damit habe ich auch schon so einschlägige Erlebnisse
      hrr, hrrr

      Zum Artikel:
      solche “Studien” sind m.E. wissentlich (sic!) produzierter Junk, der nur dazu dient in einer späteren Diskussion (Disput) den Ungläubigen mit “Quellen” zuzuschmeissen, die dieser dann mühselig zu widerlegen hat. Siehe Kemper, siehe Gersterkamp usw. usf., die bringen steuerfinanziert in hoher Schlagfrequenz “wissenschaftliche” Untersuchungen (Behauptungen) heraus, die seriös erst einmal ohne staatlich alimentierten Hintergrund widerlegt werden müssen.

      Vulgo das akademische Äquivalent “von Ressourcen bündeln und generieren um andere Meinungen nieder zu brüllen”.

      PS.
      ät critical science:
      Mit den Vögeln mit den Swastika im Kommentariat tut Ihr Euch nur bedingt einen Gefallen.

    • SZ says:

      Selbstverständlich soll dem Genderismus Vorschub zuteil werden. Hier wird ganz klar Politik betrieben für die Tausenden von Gender-Studies-Absolventinnen. In der Wirtschaft ist dieser Abschluss genauso gefragt wie vergleichende Theaterwissenschaften. Es gibt schlicht keine Verwendung für Gender-Studies-Absolventinnen. Deshalb kommt ein politisches Programm. Ich verspreche Ihnen, dass es bald so sein wird, dass jeder Kleinbetrieb ab 10 Mitarbeitern eine Gleichstellungsbeauftragte anstellen muss.

      Ich glaube, Rainald Grebe war es, der gesagt hat, dass manche Leute mit 70 Jahren Frieden nicht so ganz klar kommen.

  6. Michel Houellebecq says:

    Das System dahinter muss man erst mal checken, Leute: Das BMFSFJ (dessen Vorsitzende eine blonde! Sozialistin ist (O-Ton Frauenquote: “Wenn ich ein Mann wäre, dann würde ich jetzt sagen, ich habe das alleine geschafft. Aber das bin ich ja zum Glück nicht”) vergibt jährlich Frauenfördergelder in Millionenhöhe (alleine zwischen 2006 und 2009 ca. 26 Mio. Euro für nur zwei Themenschwerpunkte. Das Dokument aus dem deutschen Bundestag wurde hier mehrfach verlinkt), mit dem Ziel, endlich Licht in eine selber definierten Dunkelheit zu bringen. Die Studien, die aus den Fördergeldern finanziert werden, führen natürlich genau zu den vom BMFSFJ erwünschten, bzw. vorgesehenen Ergebnissen: Frauen werden benachteiligt! Darauf folgen dann politische Taten (Professorinnenprogramm, Frauen-IT-Förderprogramme, Frauen-Bibliotheken, etc.), deren Grundlage genau jene Studien sind, die man ja zuvor selber in Auftrag gegeben hat! Und so geht das weiter und weiter und weiter, Jahr für Jahr- und die Fördergelder werden niemals versiegen, weil: Frauen werden benachteiligt, das wurde doch in unzähligen Studien bewiesen..!

    P.S. Die ominöse, gläserne Decke besteht jetzt mittlerweile aus Panzerglas!

  7. br says:

    Hätte man nicht auch eine männliche Vergleichsgruppe gebraucht, wenn man die Frauen als “besonders diskriminiert” darstellt?

    • … ja, natürlich würde die Behauptung, dass eine Gruppe stärker diskriminert wird als eine andere, erfordern, dass man auch beide Gruppen betrachtet – sofern man gezeigt wird, dass es im interessierenden Zusammenhang überhaupt Diskriminierung gibt, und just dies wird nicht dadurch gezeigt, dass jemand erzählt, dass er sich diskriminiert FÜHLT!

      Aber mit solchen Forderungen tun Sie, glaube ich, dieser grandiosen Studie, von der wir hier berichtet haben, schon viel zu viel der Ehre an, denn das rückt sie ja schon fast in den Zusammenhang eines Methoden-Grundkurses für Erstsemester, und mir scheint, dass es bei den für die Studie Verantwortlichen ein langer, langer Weg bis dahin wäre.

  8. Florian Geyer says:

    Merkwürdigerweise scheint es diese “Diskriminierung” nur bei Berusfschwätzern zu geben, bei naturwissenschaftlich-technischen Berufen ja nicht so…
    Schon merkwürdig!

    Ich fordere übrigens endlich eine Eisenbiegerinnen- und Müllfrauen-Quote!

    Oh, kurzer Blick in die Runde, ein paar weibliche Grüne Khmer inspiziert und festgestellt:
    Die Müllfrauenquote ist schon erfüllt! 😉

    • “Ich fordere übrigens endlich eine Eisenbiegerinnen- und Müllfrauen-Quote!”

      Ach, ich habe mir schon die Finger wund getippt und den Mund fusselig geredet, um solches konsequenterweise verwirklicht zu sehen!

      Es wundert mich nicht, dass man Genderisten nicht mit logischer Folgerichtigkeit zu kommen braucht – aber dass nicht viel, viel mehr Leute auf diese – freundlich ausgedrückt – mangelnde Konsequenz hinweisen und eine Verhaltenskorrektur bei den Genderisten einklagen, das schlägt mir auch auf’s Gemüt!

  9. Kaffee Kalle says:

    Laut Vita hat sie übrigens mit einer empirischen Arbeit promoviert.

    Interessant finde ich auch diesen Satz aus der Einleitung “Managerinnen nehmen diesen «gesellschaftlichen Auftrag» bzw. die Generativität – im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen – besonders ernst und ziehen ggf. individuelle Konsequenzen, deren soziale und wirtschaftliche Folgen noch nicht hinreichend bedacht und diskutiert worden sind.” (S.10).

    Woher stammt diese Erkenntnis? Muss man solche Behauptungen in wissenschaftlichen Studien nicht mehr belegen?

    • “Laut Vita hat sie übrigens mit einer empirischen Arbeit promoviert.”

      Zweifellos wäre die Inhaberin dieser Vita auch der Auffassung, dass sie in der Studie, über die wir hier berichtet haben, eine “empirische Arbeit” getan hätte. Wenn man “empirische Arbeit” so weit fast, dass der Begriff irgendeine Aktivität in der realen Welt bezeichnet, z.B. ein Gespräch mit jemandem zu führen, und nicht nur sagen wir: ein Selbstgespräch, dann macht das vielleicht sogar irgendwie Sinn.

      Aber man fragt sich doch mit einiger Bestützung, welche Betreuer und Prüfer akademische Titel an jemanden vergeben, der mit einer “empirischen Arbeit” promoviert hat, aber offensichtlich von empirischer Sozialforschung nicht die leiseste Ahnung hat. Diese Betreuer und Prüfer müssen wohl eine ebenso weite Auffassung von “empirischer Arbeit” haben!

  10. A.S. says:

    Mit 50Plus als „Topmanagerin“ den Zenit der Kariere erreicht zu haben? Was für ein Skandal!
    Wenn man dann noch in Rechnung stellt, dass 30% innerlich gekündigt haben und weitere 30% eine äußere Kündigung planen, dann wird die Tragweite dieser Tragödie immer größer. Keine Beförderung trotz innerer Kündigung? Das darf nicht sein!

    Es gibt also in Deutschland unter den ca. 40.000.000 Frauen ca. 25 Frauen, die über den Karierestand „Topmanagerin“ nicht hinauskommen? Was für eine Unterdrückung! Das wäre doch bei Männern undenkbar. 25 Männer, die im Alter 50Plus den Schlusspunkt der Kariere erreicht haben, das ist doch undenkbar!

    • Michel Houellebecq says:

      “Es gibt also in Deutschland unter den ca. 40.000.000 Frauen ca. 25 Frauen, die über den Karierestand „Topmanagerin“ nicht hinauskommen (…)”

      Genau, richtig erkannt! Und weil diese Handvoll Frauen offenbar ganz, ganz furchtbar unter der “gläsernen Decke aus Panzerglas” (!) leidet, hat sich die Bundesregierung dafür entschlossen, eine Frauenquote ab 2016 einzuführen, wie allgemein bekannt ist!

      —-> Für weniger als ein einziges Promille (!!!) aller Unternehmen, die es in Deutschland gibt! Mehr zu diesem wirklich leidigen Thema hier von mir:

      https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2014/05/08/die-frauenquote-teil-3-viel-rauch-um-nichts/

    • JeanP says:

      Es ist eben die Logik, nach der unbedingt eine Päpstin her muss.

      Und Präsidentinnen allenthalben, klar, oder in Island eine Regierung nur aus Frauen
      http://genderama.blogspot.de/2015/06/weil-sie-bessere-menschen-sind-island.html
      aber keine Müllfrauen.

      Nur, keine-Müllfrauen-Quote ist für die hart arbeitenden Müllmänner ja besser. Können die weiter reden wie ihnen passt.

      Das können die bei der Feuerwahr nicht mehr. Warum es da, anders als beim Müll, Quote geben soll, ist mir nicht klar. Ist Müll bei Feministinnen so schlecht angesehen? Oder mögen sie es, wenn Männer ihnen den Müll wegräumen?

      Es ist die übliche Geschichte. Sie wollen und wollen und wollen, aber nach den nun mal geltenden Regeln arbeiten dafür, das wollen sie nicht. Und Management, das ist nun mal viel Arbeit. Das eine geht nicht ohne das andere.

  11. SZ says:

    Tja… was die Kreationisten im anglo-amerikanischen Raum sind, das sind bei uns die Genderisten… die Parallelen sind verblüffend.

  12. Ein nachdenklicher Konservativer says:

    Ist das ganze Zeug aus der “Studie” nicht aufgewärmter kalter Kaffee? Passt jedenfalls zu den Zahlen aus 2011 von hier: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/karrierefrauen-nichts-wie-raus-a-782724.html

    • Ja, das ist nicht nur “kalter Kaffee”, sondern gar kein Kaffee, sondern bestenfalls abgestandenes Sprudelwasser mit künstlichen Geschmacksverstärkern, weil ja überhaupt nicht belegt ist, dass Frauen aufgrund von Diskriminierung nicht bestimmten berufliche Positionen erreichen. Dagegen gibt es einige Studien, die diese Möglichkeit geprüft haben und zu dem Ergebnis gekommen sind, dass es die “gläserne Decke” NICHT gibt!

  13. maddes8cht says:

    Wieder einmal das selbe system wie schon bei den sattsam bekannten “Gewalt-gegen-Frauen” Statistiken:
    man befragt ausschließlich Frauen zu einem von ihnen subjektiv empfundenen Misstand und blendet jede Wahrnehmung von Männern vollständig aus.

    in einer pyramidenförmigen Firmenhierarchie sind eben, überraschung, weniger Jobs in den höheren Hierarchieebenen als in den unteren, und nicht jeder, der gerne weiter nach oben will, kommt auch weiter. Das stimmt insbesondere auch für Männer.
    Von relevanz für eine angebliche geschlechtsbezogene Benachteiligung wäre die Studie allein aus diesem Grund erst, wenn sie auf den Vergleich von Erfahrungen von Männern in der selben Position zurückgreifen würde.

    Das scheint man aber nicht für nötig gehalten zu haben, weil ja jeder weiß, dass Männer so von ganz alleine und automatisch Karriere machen und alle irgendwann Chefs werden.

    Der selbe Frauenclub würde es vermutlich höchst lächerlich finden, wenn sich Männer über mangelnde Karrierechancen beklagen angesichts des Erwartungsdrucks ans Management, unbedingt Frauen in die höheren Ebenen zu befördern.

    Vermutlich auch deshalb hat man sie sicherheitshalber gar nicht erst befragt.

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