Im Griff linker Jugendbanden: Leipzig bald rechtsfreie Stadt?

Was machen eigentlich deutsche Kriminologen: Die Karl-Heinz Reubands, die Helge Peters oder die Christian Pfeiffers?

Freie Republik ConnewitzGibt es sie noch? Oder hat eine Transmission des Gegenstand ihrer Forschung stattgefunden, so dass aus Forschung zu Kriminalitätsfurcht, Furcht vor Forschung zu Kriminalität geworden ist, oder der ständig hinterfragende Blick auf die Kriminalität dazu geführt hat, dass alles hinterfragt wurde, auch der Sinn der eigenen Existenz, woraus – mangels Topferfahrung als Kind in den Horten der DDR – eine tiefgreifende intellektuellen Krise resultiert, die sich in Forschungsabstinenz auswirkt?

Nun, wir wissen es nicht.

Aber wir wissen, dass die Stadt Leipzig derzeit im Griff linker Jugendbanden ist, die von Leipzig Connewitz aus fast nach Belieben Übergriffe auf die Stadt und das Eigentum fremder Menschen landen. Einmal greifen rund 50 schwarz Vermummte den Polizeiposten in Leipzig Connewitz an und stecken Polizeiautos in Brand. Einmal ziehen 600 teils Vermummte durch die Leipziger Innenstadt, zerstören Schaufenster, reißen Schilder aus ihrer Verankerung. Einmal werden Firmenräume verwüstet und mit Buttersäure unbenutzbar gemacht. Ein anderes mal wird eine weitere Dienstelle der Polizei angegriffen und ein Dienstfahrzeug in Brand gesteckt. Einmal werden Streifenbeamte attackiert und die Reifen eines Dienstfahrzeugs zerstochen.

Ganz normale Zustände in Leipzig, und Zustände, die nicht nur, aber besonders Kriminologen auf den Plan rufen sollten. Bietet sich ihnen doch die Gelegenheit, Jugendbanden live zu studieren und die Subkulturtheorien der 1940er bis 1960er Jahre, die von den Größen des Fachs, von Albert K. Cohen, Walter B. Miller, Clifford R. Shaw, Henry D. Kay, James F. Short, Fred L. Strodtbeck, Edwin K. Sutherland oder Lewis Yablonski, begründet wurde, zu prüfen.

Das ist der Stand der Forschung: Kriminelle Subkulturen, sie werden in der entsprechenden Forschung als Ort beschrieben, an dem sich Jugendliche einfinden, die einige Gemeinsamkeiten verbinden. Sie sind auf der Suche nach Status. Da sie in der Gesellschaft, die sie umgibt, keinen Zugang zu Statuspositionen haben, suchen sie den Status in der Abweichung. Sie sind durch soziale und persönliche Defizite gekennzeichnet, die von intellektueller Unterfunktion bis zu Persönlichkeitsstörungen reichen, die man als Identitätsstörung beschreiben kann: Es ist ihnen weder gelungen, sich selbst als autonome Persönlichkeit zu inszenieren noch eine Leistung zu erbringen, die es ihnen erlaubt, sich über die entsprechende Leistung, eine unabhängige Persönlichkeit zuzuweisen.

Lamnek_abweichendes VerhaltenEntsprechend finden sie sich in Jugendbanden zusammen, die durch eine feste Hierarchie ausgezeichnet sind und die Status für abweichende Handlungen verleihen. Man kann sich das übertragen auf Leipzig wie ein Punktesystem vorstellen: Ladenscheibe zertrümmern: 10 Punkte in der internen Hierarchieleiter. Straßenschild herausreißen: 20 Punkte, Polizisten überfallen: 40 Punkte, Dienstwagen zerstören: 100 Punkte, Polizeistation angreifen und zertrümmern: 250 Punkte.

Wer die meisten Punkte erreicht, ist an der Spitze der Hierarchie.

Diese Funktionsweise von Jugendbanden, die vermutlich auch in Leipzig gegeben ist (genau weiß man das nicht, weil deutsche Kriminologen sich nicht zu forschen trauen, obwohl es die linke Subkultur in Leipzig Connewitz schon seit rund 20 Jahren gibt), sie kann auch mit der Theorie rationalen Handelns erklärt werden:

So sollte mit dem Angriff auf die Polizeistation in Connewitz, an dem 50 Vermummte beteiligt waren, der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh gerächt werden, der sich am Tag des Angriffs gejährt hat. Eine entsprechende Begründung ist natürlich keine rationale Begründung, denn als Rache bezeichnet man nicht das blindwütige Zerstören unbeteiligter Gegenstände, die sich im Dienstgebrauch unbeteiligter Angestellter des Staates befinden, Rache richtet sich immer auf den- oder diejenigen, der/die die Tat direkt begangen hat/haben, zuweilen auch auf den Clan, dem der Täter angehört.

Rache gegen Unbeteiligte gibt es entsprechend in der normalen Welt nicht (mehr). Folglich kann man daraus schließen, dass die entsprechende Begründung vorgeschoben ist, um die eigene Zerstörungslust zu kaschieren. Das führt zur Frage, welche Form der Befriedigung aus der Zerstörung von Gegenständen zu gewinnen ist.

Offensichtlich ist das keine materielle Befriedigung, wie sie z.B. aus dem Diebstahl von 100 Euro zu gewinnen ist. Es muss demnach eine immaterielle Befriedigung sein, so dass die Handlung der Mitglieder linker Jugendbanden nur über eine spezifische Form der intrinsischen Motivation rational zu erklären ist, die Harold Garfinkel beschrieben hat.

Garfinkel hat sich mit der Art und Weise befasst, wie ein Krimineller u.a. seine Übergriffe auf Unbeteiligte gerechtfertigt hat. Das Studienobjekt hatte eine Phobie entwickelt, wähnte sich von der CIA verfolgt. Entsprechend befand sich das Studienobjekt von Garfinkel zum Zeitpunkt der Untersuchung in der Irrenanstalt.

Im Unterschied dazu finden sich die Vermummten, die in Leipzig randallieren und zerstören, im Stadtteil Connewitz und sind somit einer Untersuchung in natürlicher Umgebung zugänglich. Es wäre Kriminologen demnach möglich, die Subkulturtheorien weiter zu entwickeln und eine Fehlstelle zu füllen: Sind die Mitglieder einer kriminellen Subkultur, einer Jugendbande, mehrheitlich, wie David Matza dies glaubte, psychologisch gestört? Richtet sich die blinde Wut deshalb gegen Gegenstände und Personen, die für die Mitglieder der kriminellen Subkultur eine bestimmte Symbolik haben, weil sie in ihrem eigenen Leben noch nichts erreicht haben und wohl auch nie etwas werden, weil ihnen dazu sowohl die intellektuellen als auch die motivationalen Grundlagen fehlen?

Nun sind die Subkulturtheorien mit Blick auf Jugendliche aus der Unterschicht entwickelt worden, die in der Gesellschaft aufgrund ihrer Herkunft keinen Fuss fassen konnten. Die linke Subkultur in Connewitz, sie ist keine Subkultur der Unterschicht, sondern eine Subkultur der Mittelschicht. Entsprechend stellt sich die Frage, was die beschriebenen Funktionsmechanismen, die Subkulturen am Laufen halten, für Mittelschichtskinder aus evangelischen Pfarrerfamilien interessant macht. Die Antwort erfolgt über die institutionelle Einbindung der linken Gewalt, deren Verdammung durch die politischen Vertreter von Links darin besteht darauf hinzuweisen, dass Gewalt keine Form der Debatte sei oder in Aussagen wie der des Leipziger Grünen Politikers Jürgen Kasek: “Notwendig ist eine entschlossene aber gewaltfreie Haltung. Wer zu Gewalt greift, rechtfertigt die Zunahme an Überwachung und verschafft dem Verfassungsschutz und der Polizei neue Legitimationsgründe für die Einschränkung von Grundrechten”. Man hat also in Connewitz und bei Grünen Politikern denselben Feind in der Polizei, streitet sich nur verbal in der Wahl der Mittel. Entsprechend müsste man die linke Subkultur in Leiptig Connewitz als Ansammlung derer ansehen, die sich durch besonderen Einsatz denjenigen Andienen wollen, von denen sie denken, dass sie Pöstchen zu vergeben haben.

Leider forscht kein deutscher Kriminologe in Leipzig Connewitz, und entsprechend werden wir keine Antwort auf diese Fragen erhalten. Statt dessen werden Kriminologen wie der Rest der Republik dem Treiben in Leipzig zuschauen und hoffen, dass es irgendwann von selbst aufhört, ähnlich wie die Menschen in der Weimarer Republik gehofft haben, dass die Straßenschlachten zwischen Kommunisten und SA von selbst aufhören. Und in der Tat, sie haben von selbst aufgehört.

Infos dazu:

http://www.mdr.de/sachsen/leipzig/anschlaege-leipzig100.html

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