Jetzt wird alles gut: Die UN hat es beschlossen!

Von Murray Edelman stammt das Konzept der symbolischen Politik. Es bezeichnet Politiken, die symbolische Wirkung für die eigene Klientel haben, Politiken, die überhaupt nichts, wenn nicht das Gegenteil dessen, was behauptet wird, erreichen. Aber: Die Politiken haben einen hohen affektiven Gehalt und sind deshalb dazu geeignet, diejenigen, die nicht denken, sondern empfinden, zu begeistern. Die Zielgruppe dieser Form der Manipulation ist vornehmlich in der Mittelschicht zu finden, denn nur hier finden sich genügend Überzeugte, die sofort bereit sind zu glauben, dass z.B. Entwicklungshilfe oder Kinderrechte dazu dienen, speziell Menschen in Afrika oder Kinder besser zu stellen.

Edelman_Symbolic uses of politicsUnerreicht, wenn es darum geht symbolische Politik zu betreiben und Sand zu verstreuen, der von willigen Augen bereitwillig aufgenommen wird, ist die UN. Vor allem die UN-Vollversammlung ist ein Ort, an dem viel erzählt und viel versprochen wird. Die warmen Worte, die in New York regelmäßig ausgetauscht werden, hallen in der Regel hinter nationalen Entwicklungen hinterher, aber man kann nicht sagen, dass mit den entsprechenden warmen Worten nicht alle Mühe verbunden wäre, die Leichtgläubigen und einfach zu Begeisternden unter den Weltbürgern für sich zu gewinnen. Und natürlich verbinden sich mit den warmen Worten weltweit viele Projekte, für all die, die weniger an den warmen Worten, sondern an dem interessiert sind, was es mit den warmen Worten zu verdienen gibt.

Und so haben die “World Leaders”, wie es bei der UN heißt, beschlossen, in den nächsten 15 Jahren extreme Armut abzuschaffen (die Betonung liegt auf “extrem”, nach 2030 verbleibende Armut ist entsprechend nicht extrem – Logischer Weise zieht die Tatsache, dass sich die “World Leaders” einfach entscheiden können, extreme Armut zu beseitigen, die Frage nach sich: Warum haben Sie sich erst jetzt dazu entschieden, extreme Armut abzuschaffen? Sind die World Leaders alle geläuterte Sadisten, die sich an der extremen Armut anderer geweidet haben?).

Die “World Leaders” haben sich geeiningt Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen, eine fröhliche Übereinkunft, an der Staatsführer, die ihre eigene Bevölkerung in ideologischen Gefängnissen halten, ebenso mitgewirkt haben wie Staatsführer, die die Opposition im eigenen Land unterdrücken, natürlich nur, um der Gerechtigkeit und Gleichheit willen. Schließlich gibt es eine besonders putzige Formulierung, auf die sich die “World Leaders” geeinigt haben: “fix climate chance”. Nun, man kann sie sich richtig vorstellen, die World Leaders, wie sie mit ihrem Werkzeugkasten durch ihre jeweiligen Länder reisen, um dort den Klimawandel zu reparieren.

Nun sind diese drei Oberziele nicht genug der Symbolik, lassen zuviel Interpretationsspielraum und zeigen somit nicht eindeutig genug, dass die UN gut, die World Leaders gut und alle, die sich der UN und den World Leadern anschließen, ebenfalls gut sind. Das symbolische Kapital, das von der UN gehandelt wird, es wird im Englischen als “warm glow” bezeichnet, eine Form sich selbst übertragender Gutheit, die jedem verliehen wird, der sagt: “Ey, diese UN und ihre Ziele, die finde ich echt gut!” Schon ist man auch gut.

Aus drei Oberzielen werden entsprechend 17 globale Ziele, der Korb der umfassenden Gutheit, der bestimmt, was den guten Menschen ausmacht und worauf man sich spezialisieren muss, wenn man aus dem Topf der UN und nachgeordneten nationalen oder supra-nationalen Töpfen finanziert werden will.

Hier also die Werthierarchie der UN, die 17 wichtigsten globalen Ziele, beschlossen in unser aller Namen von der Versammelten Gutheit der UN-Vollversammlung:

  1. UN global goalsKeine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gute Gesundheit und Wohlbefinden
  4. Qualitätsbildung
  5. Geschlechtergleichheit
  6. Sauberes Wasser und Zugang zu sanitären Anlagen
  7. Bezahlbare saubere Energie
  8. Angemessene Arbeit und ökonomisches Wachstum
  9. Entwicklung von Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. Verringerte Ungleichheit
  11. Nachhaltige Städte und Gemeinschaften
  12. Verantwortlicher Konsum und verantwortliche Produktion
  13. Klimahandeln
  14. Schutz des marinen Lebens
  15. Schutz des Lebens an Land
  16. Frieden und Gerechtigkeit, starke Institutionen
  17. Partnerschaft zur Erreichung der Ziele

Nun wissen Sie, wo die Gutheits-Verdienste winken, und Sie wissen, wie sie zu sein haben, um gut zu sein. Gegen Armut müssen sie sein und für Qualitätsbildung! Gegen Hunger und für Gesundheit und Wohlbefinden. Für Geschlechtergleichheit, die ist besonders wichtig, viel wichtiger als sauberes Wasser und Zugang zu sanitären Anlagen. Wer die Wahl hat zwischen einem Projekt zur Herstellung von sauberem Wasser und einem Projekt zu irgendwas mit Geschlecht, der wählt natürlich nicht das saubere Wassser. Frieden und Gerechtigkeit, die sind ganz unwichtig, rangieren auf Platz 16, am Ende der Werthierarchie. Und wir lernen: Geschlechtergleichheit hat nichts mit Frieden und Gerechtigkeit zu tun.

Das sind nur einige der Widersprüche und Eigentümlichkeiten der UN-Werthierarchie, die zeigen, es geht nicht darum, das, was hier zusammengestellt wurde, zu erreichen oder umzusetzen, sondern darum, symbolische Politik zu betreiben, die diejenigen erfreut, die mit dem Bauch und nicht mit dem Gehirn zu denken versuchen und die einer Horde von Profiteuren die Möglichkeit eröffnet, sich mit ihren Projekten am warm glow zu beteiligen und z.B. Gender Mainstreaming in Länder zu bringen, in denen die Mehrheit der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen hat. Wie gesagt: Geschlechtergleichheit kommt vor sauberem Wassen.

Im übrigen rufen wir alle Kranken und alle, die sich nicht wohl fühlen, dazu auf, damit aufzuhören und die Erreichung von Global Goal 3 der UN nicht länger zu boykottieren!

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5 Responses to Jetzt wird alles gut: Die UN hat es beschlossen!

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  2. hgb says:

    Irgendwann frisst das System seine Kinder.

  3. rote_pille says:

    Da kann man nur Philipp Rösler zitieren: “Dummheit KANN man NICHT verbieten!”

  4. dentix07 says:

    Was mir sofort ins Auge fiel:
    3. Gute Gesundheit und Wohlbefinden

    Da die WHO eine Sonderorganisation der UN ist, dürfte für diese die WHO Definition von Gesundheit maßgeblich sein, die da lautet:
    „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“
    („Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“)

    Mal abgesehen davon, daß nach dieser Definition niemand gesund ist/gesund sein kann und die WHO sich damit eine Sisyphusaufgabe auferlegt (welche aber den unschätzbaren Vorteil hat die eigene Organisation und die Positionen darin auf ewig festzuschreiben), frage ich mich was denn dann bitteschön, GUTE Gesundheit ist?
    Ein Zustand über-vollständigen (!) körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens? Also nicht nur 100%iges Wohlbefinden, sondern 150%iges, 200%iges, körperlich, geistig und sozial? Ein Super-Wohlbefinden?
    (Das ist/war selbst Superman nicht vergönnt! 😉 )

    Kennen die Verfasser (das dürften kaum die “World Leaders” selbst gewesen sein, sondern Zuarbeiter, Assistenten, Sekretäre) die Gesundheitsdefinition ihrer eigenen dafür zuständigen Organisation nicht?
    Und die “World Leaders” nicken das ab?
    Also haben auch sie keine Ahnung – oder sind zu doof – was sie da eigentlich verkünden (lassen)!?

    Und dann noch: 5. Geschlechtergleichheit, aber 10. verringerte Ungleichheit!
    Die Geschlechter sollen gleich sein, aber ansonsten soll die Ungleichheit nur verringert werden!? Fürchtet da jemand Beseitigung von Ungleichheit (außer zwischen den Geschlechtern) könnte ihn evtl. seine höhere Position, den höheren Status kosten?

    Na ja, die Forderungen 12 und 13 durften natürlich nicht fehlen da sich mit ihnen so schön die Bevormundung und Erziehung der (ungleicheren! 🙂 ) Menschen begründen läßt!

    Bin ja mal gespannt wie Deutschland in ein paar Jahren bezüglich 4. Qualitätsbildung (ist damit eigentlich die Bildung von Qualität oder qualitative Bildung gemeint?), 7. Bezahlbare saubere Energie, 8. Angemessene Arbeit und ökonomisches Wachstum und 9. Entwicklung von Industrie, Innovation und Infrastruktur dastehen wird?

    • Gassenreh says:

      Gender Mainstreaming strebt nicht – wie häufig behauptet – die ultimative Gleichberechtigung an, sondern die Gleichstellung, also letztlich nicht die Chancengleichheit, vielmehr die (nivellierte) Ergebnisgleichheit an.
      Die einseitig theoretisierende Gender Mainstreaming-Ideologie begeht den fundamentalen Irrtum, die als entscheidende menschliche Gegebenheit vorliegenden und prägenden neurophysiologischen Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann völlig auszuklammern bzw. zu negieren.
      [Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4; EUR 7,90]

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