BREXIT-News: Merkel muss draußen bleiben

Wissenschaft ohne empirische Basis, ohne Information ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist so, auch wenn es eine Vielzahl von angeblichen Wissenschaftlern gibt, die ohne Bezug zur Realität verbal marodieren. Im Gegensatz dazu lebt Manipulation von der Desinformation oder davon, dass bestimmte Informationen einfach nicht berichtet oder unterschlagen werden. Die Manipulation durch Auslassung ist vermutlich die wichtigste Form der Manipulation, denn wer nicht weiß, dass bestimmte Fakten die Darstellung, die er gerade liest, in Frage stellen, der wird die entsprechende Darstellung nicht in Frage stellen.

Britain may leaveIm Zusammenhang mit dem britischen BREXIT kann man beobachten, dass die Berichterstattung in deutschen Medien etwas einseitig ist, dass die Argumente der „Leave-Campaign“ entweder nicht vorkommen, oder wenn sie vorkommen, dann in einer verschrobenen Art und Weise, die den Eindruck vermitteln soll, diejenigen, die in Britannien gegen die weitere Mitgliedschaft in der EU sind, seien ein Haufen von Rassisten und politischen Analphabeten, die darauf warten, Populisten, nein, Rechtspopulisten, wie der Namenszusatz lautet, der z.B. Nigel Farage in deutschen Medien gegeben wurde, hinterherlaufen zu können.

Nun ist die Leave-Campaign etwas, was dem politischen Mainstream in Großbritannien langsam aber sicher an die Nerven geht, was vielleicht erklären mag, warum David Cameron sich zu dem Hinweis verstiegen hat, das Verlassen der EU durch Britannien erhöhe die Kriegsgefahr in Europa, ein Hinweis, den wiederum Boris Johnson, der ehemalige Bürgermeister von London insofern erheiternd fand, weil er sich deutsche Panzer, die Frankreich überrollen, nicht wirklich vorstellen könne (und das, obwohl Johnson gar nicht weiß, dass die Panzer der Bundeswehr entweder Schrott sind oder aus anderen Gründen nicht mehr fahren).

Neben der Manipulation durch Auslassung gibt es die Manipulation durch falsche Bewertung, wie sie derzeit in der Welt zu besichtigen ist, in der behauptet wird, die BREXIT-Anhänger würden die „anti-deutsche-Karte“ spielen. Die anti-deutsche Karte besteht darin, dass Ian Duncan Smith behauptet, David Cameron habe bei den Nachverhandlungen in Brüssel auf Druck von Angela Merkel eine Passage gestrichen, die eine Begrenzung des Zuzugs von Migranten ins Vereinigte Königreich vorsah. Was an der pointierten Berichterstattung über diese Behauptung von Ian Duncan Smith, einem Parteikollegen von David Cameron, der bis vor kurzem noch Secretary of State for Work and Pensions, also Arbeitsminister im Kabinett Cameron war, anti-deutsch ist, wird ein Geheimnis der Welt bleiben, das sich vermutlich vor dem Hintergrund der spezifischen Vorlieben des jeweiligen Redakteurs erklärt.

Wie dem auch sei, die Welt versucht das Bild der anti-deutschen BREXIT-Anhänger zu vermitteln, die, ja was eigentlich, Deutsche am liebsten von hinten sehen oder mit den Deutschen den Briten Angst machen wollen, eine Vorstellung, die gerade für allgemeine Heiterkeit in der ScienceFiles-Redaktion sorgt. Im Gegensatz dazu, so muss man nach der Lektüre der Berichterstattung in Welt und anderswo vermuten, sind diejenigen, die mit Cameron in der EU verbleiben wollen, germanophil nicht -phob und dürsten danach, ihren Streit für den Verbleib mit deutscher Unterstützung zu führen.

Das ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil. Ein Leak aus Downing-Street Number 10, das seinen Weg zu den Kollegen von Guido Fawkes gefunden hat, zeigt, dass z.B. Angela Merkel draußen bleiben muss.

“Cameron is said to have asked the German leader to keep out of the referendum campaign. The source says a heated Cameron argued that an intervention from her would not help his case to the British people.

Es scheint, die britische Welt hat sich gegen Deutschland verschworen. Ian Duncan Smith weist darauf hin, dass die deutsche Regierung andere Regierungen nicht gerne dabei sehen, wie sie ihre Grenzen schließen. Das ist antideutsch. Und David Cameron denkt, wenn Angela Merkel seine Partei ergreift, dann hat er die Abstimmung über den Verbleib in der EU schon verloren. Wie undankbar die Briten doch sind. Selbst gutgemeinte deutsche Ratschläge von Angela Merkel, warum sie unbedingt in der EU bleiben sollen, wollen sie nicht annehmen, weisen sie zurück. Oder ist am Ende die Berichterstattung über den Streit um BREXIT in deutschen Medien tendenziös, um nicht zu sagen manipulativ, ja fast schon paranoid?

 

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10 Responses to BREXIT-News: Merkel muss draußen bleiben

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  2. Lernender says:

    “Und David Cameron denkt, wenn Angela Merkel seine Partei ergreift, dann hat er die Abstimmung über den Verbleib in der EU schon verloren.”

    Das kann ich absolut nachvollziehen. Tipp an Cameron, er muss sich den geballten Zorn der EU-Mischpoke auf sich ziehen um – nur halbwegs – glaubhaft zu bleiben.
    Was AM betrifft, ..absolut niemand kann mir mehr weismachen, das die Frau, in ihrer Gestik, ihrem Habitus und ihrem Blick und ihrem Gestammel, wenn sie mal nichts abliest,noch alle Latten am Zaun hat..

  3. Jürgen Stillger says:

    Die Meinungslenkung gegen Merkelabtrünnige in Deutschland ist genauso sinnvoll wie Folter gegen Kirchenabtrünnige im Mittelalter. Die Machthaber gewinnen etwas Zeit. Wofür und um welchen Preis?

    Sinnlos ist die gefärbte Berichterstattung über das Pro und das Contra eines Brexit schon deshalb, weil die Deutschen genau darüber überhaupt nicht abstiimen werden. Wir dürfen ja nicht mal über unsere eignen Belange abstimmen! Schon gar nicht unter Merkel.

  4. Zum Thema dt. Presse und Qualität, wenn man wieder die falsche Seite am gewinnen ist, hätte ich auch was beizutragen. Die Spiegel “Pressestimmen” zu Trumps Sieg bei den Republikanervorwahlen: http://www.spiegel.de/politik/ausland/trump-gewinnt-vorwahlen-in-indiana-die-pressestimmen-a-1090745.html

    Dort wird ein langer Facebookeintrag von einer gewissen Elisabeth Warren zitiert, einer linkslastigen Demokratin und ausgeschiedene Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Frage: Was bitte hat die Meinung dieser Frau bei den Pressestimmen zu suchen?

  5. hgb says:

    Hatte nicht schon ein Dichter gesagt: To stay or not to stay, that is the question?

  6. Die Auflösung des deutschen Nationalstaats, das Aufgehen in der europäischen Gemeinschaft und Wiedergutmachung durch europäische Einigung ist Staatsdoktrin in Deutschland – und (ungesteuerte) Mediendoktrin. Diese Berichterstattung ist erwartbar – insbesondere nach der praktischen Erfahrung mit der Berichterstattung über Griechenland.
    Dagegen hilft nur der Konsum britischer Medien.

    Persönlich kann ich Douglas Murray empfehlen. Deser Herr ist quasi der menschgewordene Albtraum für deutsche Medienschaffende und steht zufällig in Totalopposition zur hiesigen Berichterstattung.

    • Reiner Steppkes says:

      Wenn hinter dem Wort “ungesteuerte” noch ein Fragezeichen stände und vor dem Wort “zufällig” der Zusatz “nicht ganz”, ja dann könnte ich Ihnen voll zustimmen.

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