Die neue Lässigkeit oder die neue Bigotterie?

Vor einigen Tagen haben wir darüber berichtet, dass sich die deutschen Parteien für das Jahr 2016 eben einmal einen Zuschuss von 160,52 Millionen Euro genehmigt haben. Damit Sie die Bevölkerung mit Wahlutensilien, Bleistiften und sinnlosen Broschüren, die niemand lesen will, zu müllen können.

160,52 Millionen Euro sind kein Pappenstil, so sollte man meinen, aber offensichtlich sind sie das für manche Zeitgenossen in Deutschland. So hat uns heute der folgende Kommentar zum oben angesprochenen Beitrag erreicht:

AnonymityDr. Sommer: Naja, davon ab das es nur die direkte Mittelvergabe ist und die ganzen Durchstechereien, der GEZ Betrug, sinnlosen Unifakultäten und die korrupte Mittelvergabe an Spezl und Amigos usw. nicht einschließt sind es nur Peanuts.
160 Mio bei ca. 500 Mrd. Etat sind (500 x 10 ^9 / 160 x 10 ^6) 0,032 Promille bzw 32 ppm.
Das macht den Kohl nicht fett.

Das ist die neue Lässigkeit, die Lässigkeit, die man auch als Form von Unverantwortlichkeit (oder grenzenloser Naivität oder Bigotterie) beschreiben kann, die nach unserer Ansicht daraus erwächst, dass man denkt, persönlich keinen Schaden vom Missbrauch von Steuergeldern zu haben. Letztere fließen üppig, und warum soll man nicht das Geld, das andere hart erarbeiten mussten, für Unsinn aller Art ausgeben? Weshalb sich verantwortlich für das Geld der Leute zeigen, die es erarbeitet haben? Weshalb ihnen Respekt dafür zollen, dass sie so blöd sind, die Peanuts zu erarbeiten, die für anderen den Kohl nicht fett machen, wenn sie veruntreut werden?

Diese neue Lässigkeit, sie hat etwas, logische Konsequenzen nämlich, logische Konsequenzen der folgenden Art:

Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2014 insgesamt 2.179 Morde in Deutschland aus. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind im Jahr 2014 868.356 Menschen gestorben. Die Ermordeten machen also gerade einmal 0,25% der sowieso Gestorbenen aus. Wozu Mord als Straftat verfolgen? Wozu Geld und Manpower in die Ermittlung der Täter investieren und Letztere auf Kosten der Steuerzahler und bei freier Logis in staatlichen Beherbergungsanstalten unterbringen? 0,25%, die machen den Kohl nicht fett.

Oder der folgenden Art:

Die Steuereinnahmen des Bundes beliefen sich 2014 auf 643,617 Milliarden Euro. Die Höhe der hinterzogenen Steuern betrug nach Schätzungen im Jahr 2014 rund 13 Milliarden Euro. Das sind 2% der Steuereinnahmen. Peanuts also. Wozu die Finanzfahndung unterhalten und gutes Geld ausgeben, um die Steuereinnahmen um Schlappe 2% zu erhöhen?

Seien wir also etwas lässiger, und folgen der Empfehlung, die ein Kommentator, der sich als Dr. Sommer bezeichnet, gegeben hat. Das macht das Leben einfacher. Wozu also darüber nachdenken, ob man an Krebs erkrankt ist. Statistisch betrachtet ereilt Krebs die meisten in der zweiten Lebenshälfte, und die drei Jahre, die man sich durch einen Chemotherapie quält, die machen die Kohl nicht fett. Überlassen wir die Krebserkrankten ihrem Schicksal, denn im Gesamtkontext der Lebenserwartung, die trotz Krebs in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen ist, machen die paar Krebstote den Kohl nicht fett.

Und warum regen sich Deutsche darüber auf, dass Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Das muss man im größeren Kontext sehen. Flüchtlingsströme hat es immer gegeben, Völkerwanderungen so lange es Menschen gibt. Ordnet man die paar Millionen Syrer, die nach Deutschland gekommen sind, in den historischen Kontext, der Milliarden Menschen migrieren sieht, dann fällt die Menge gar nicht ins Gewicht, macht sie den Kohl nicht fett.

Wozu, wie ein anderer Kommentator vor einiger Zeit angemerkt hat, sich über den Genozid, den Chinesen in Tibet angerichtet haben, aufregen. Immerhin wurden die Tibeter aus einem feudalen System in ein sozialistisches kollektiviert. Dass sie dabei gestorben sind, macht im Gesamt der kulturellen Revolution keinen Unterschied und mit Sicherheit den sozialistischen Kohl nicht fett.

Und überhaupt, ihr mickrigen Erdlinge. Was ist schon die Erde im kosmischen Konzert. Anstatt über die vermeintliche Klimaerwärmung zu lamentieren, solltet ihr Euer Leben bis zum nächsten Sonnensturm, zur nächsten geomagnetischen Umpolung der Erde genießen. Denn: Dieser kleine Steinklumpen im Gesamt des Universums, er macht den Kohl nicht fett.

HG Wells zeitmaschineDie Frage des nicht fetten wollenden Kohls, die Frage der neuen Lässigkeit, sie ist eng verknüpft mit der persönlichen Betroffenheit. So kann man annehmen, dass Dr. Sommer sicher nichts dagegen hätte, wenn man ihm das Gehalt pfändet, um die Parteien davon zu finanzieren. Es macht den Kohl ja nicht fett. Er hätte vermutlich auch kein Problem damit, dem Mörder seines Vaters die Hand zu schütteln. Sterben wir nicht alle? Und Steuerhinterziehung, Firlefanz, jeder macht es und es macht den Kohl nicht fett, so wenig, wie Krebsbehandlungen, Letztere sind sowieso unsinnig, verlängern ein sinnloses Leben um wenige durchlittene Monate, Monate, die man besser vergisst, also: Euthanasie von Dr. Sommer bei Krebsdiagnose, denn der vorzeitige Tot hat keinen besonderen Einfluss auf die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung.

Oder hätte Dr. Sommer doch ein Problem damit, wenn er persönlich mit den Folgen seiner Nonchalance konfrontiert würde? Vermutlich schon, denn die neue Lässigkeit, sie ist nur möglich, wenn die Folgen davon, andere zu tragen haben. Diejenigen zum Beispiel, denen Steuern abgezogen werden, die sie besser in die eigene private Alterssicherung investieren würden. Aber das geht nicht, denn sie müssen schon Parteien finanzieren, und Genderlehrstühle, und Netzwerke voller sinnloser Existenzen, die gegen dies und das zu Felde ziehen ohne den Nutzen davon angeben zu können und natürlich all die Profiteure des Systems, die Vereinnahmer von Subventionen für alternative Energie und … alles wichtiger als die eigene Existenzsicherung und alles etwas, das den Kohl nicht fett macht.

 

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