Wie die ARD ihre Online-Leser belügt

Wissenschaft bedeutet, empirische Fakten als Fall einer allgemeinen Regel zu erklären. Wissenschaftlicher ausgedrückt, singuläre Sätze sollen aus allgemeinen Sätzen abgeleitet werden. Ein solcher singulärer Satz lautet z.B.: Die EEG-Umlage wird erhöht, um satte 8,3% und von 6,35 ct/kWh auf 6,88 ct&kWh.

windkraftgegenerDie EEG-Umlage ist die Methode, mit der die Bundesregierung eine Umverteilung vornimmt: Geld aus den Taschen von Stromkunden wird in die Taschen von denen verteilt, die erneuerbare Energien erzeugen und davon mehr als üppig leben und komplett ohne Risiko, denn obwohl die Hersteller erneuerbarer Energien von sich behaupten, sie seien Unternehmer, sind sie doch keine, denn das, was Unternehmer ausmacht, das unternehmerische Risiko, das damit einhergeht, dass Preise fallen und Nachfragen sinken oder ganz versiegen können, die Erzeuger erneuerbarer Energien, sie tragen es nicht: Ihren Abnehmern wird die erneuerbar erzeugte Energie aufgezwungen: Netzbetreiber und Stromkonzerne sind verpflichtet, Energie aus erneuerbaren Rohstoffen mit Priorität abzunehmen (deshalb stehen moderne Gaskraftwerke still) und die Preise des Stromes, den sie erzeugen, sind garantiert, egal, ob die Strompreise an den Börsen fallen, die Erzeuger erneuerbarer Energie erhalten immer Höchstpreise und als Ergebnis einer geradezu genial-zynischen Konstruktion, die sich Lobbyisten haben einfallen lassen und willigen Politikern aufgeschwatzt haben, wird der Strom für Stromkunden umso teurer, je billiger er an Strombörsen gehandelt wird.

Das ist natürlich eine Erklärung für die in Deutschland europaweit nach Dänemark höchsten Strompreise, die weder den Apologeten der Wunder grüner Energie noch der Bundesregierung gefallen kann, bei der man nicht in den Ruch geraten will, Werkzeug in der Hand von alternativen Energielobbyisten zu sein. Also bedient man sich der öffentlich-rechtlichen Anstalten, in denen willige und vielleicht auch mutwillige Journalisten nur zu gerne bereit sind, die Schuld für die hohen Strompreise an diejenigen zu verteilen, die nun wirklich nichts dafür können, die aber gerne genutzt werden und gut genutzt werden können, weil es in Deutschland eine Vielzahl von kognitiv auf bescheidenem Niveau verharrenden Ideologen gibt, die immer noch denken, der Feind sitze in Unternehmen oder Konzernen und nicht in Regierungen, die politische Gefallen nach Lust und Laune verteilen. Für die neuerliche Erhöhung der EEG-Umlage ist die Schmutzarbeit, die üblichen angeblich Schuldigen zu diskreditieren, Werner Eckert vom SWR zugefallen. Er hat Folgendes zu berichten:

“Die sogenannte EEG – die Umlage für Wind- und Sonnenstrom und andere erneuerbare Energien – steigt im kommenden Jahr. Und zwar um einen halben Cent pro Kilowattstunde von 6,35 auf 6,88 Cent. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Strom teurer wird. Denn parallel dazu sind die Einkaufspreise für Strom an der Börse gesunken und zwar mindestens um den gleichen Betrag. Geben die Energieunternehmen das an die Kunden weiter, könnte alles gleich bleiben.
Allerdings ist es eher wahrscheinlich – und die Erfahrung zeigt das -, dass die meisten die Chance für eine weitere Preiserhöhung nutzen. Kunden können sich dagegen nur wehren, wenn sie zu jenen Anbietern wechseln, die stabil günstige Tarife anbieten.“

Ob Eckert es nicht besser weiß oder mutwillig lügt, ist eine Frage, die wir seit wir einen stellvertretenden Chefredakteur einer westdeutschen Zeitung getroffen haben, der dachte, Darwin sei ein Wal, nicht mehr spontan beantworten wollen. Es ist auch egal, denn Faktum ist, was Eckert sagt, ist falsch, stimmt nicht, ist eine Lüge.

Beginnen wir die Aufklärung mit der EPEX, der European Power Exchange in Paris. Dort kann man Strom verkaufen. Die Preise schwanken stark zwischen 0,67 ct/kWh am frühen Sonntagmorgen und 4 ct/kWh am späten Mittwochmorgen. Im Wochendurchschnitt gibt es Strom für 2,5 ct/kWh zu kaufen.

EEG SubventionenDie Erneuerbare Energien Umlage, die jeder private Stromverbraucher in Deutschland zu entrichten hat, beläuft sich bereits auf 6,345 ct/kWh und soll weiter auf nunmehr 6,88 ct/kWh steigen, d.h. allein das, was Deutsche bezahlen müssen, um die Energiewende zu finanzieren, ist schon derzeit um 152% mehr als der Strompreis an der Strombörse in Paris. Und das Witzige ist, damit haben sie noch keine einzige Kilowattstunde gekauft.

Mit der EEG-Umlage, die Stromkunden abgezwackt wird, finanzieren die privaten Stromverbraucher horrende Preise für die alternativ erzeugte Energie, z.B.

  •  15,4 ct/kWh für Strom, der in Offshore-Windanlagen erzeugt wurde. Der Preis wird in § 50 EEG garantiert. Der garantierte Abnahmepreis für offshore produzierte Windenergie liegt 445% über dem Preis, zu dem man Strom an der EPEX kaufen kann. Die 445% Mehrkosten tragen die privaten Stromverbraucher.
  • 9,23ct/kWh für Strom aus Solarenergie, garantiert in § 51 EEG. Der Preis liegt 269% über dem durchschnittlichen Strompreis an der EPEX.
  • 8,9 ct/kWh für Strom aus Windenergie, der an Land erzeugt wurde. § 49 EEG regelt die entsprechende Höhe. Der garantierte Abnahmepreis liegt 256% über dem Strompreis an der EPEX.

Deutsche Stromverbraucher sind also dazu verdammt, Strom zu weit höheren Preisen zu kaufen als es notwendig wäre.

Aber es kommt noch besser. Erzeuger alternativer Energie können ihren Strom direkt an der EPEX vermarkten. Natürlich erhalten sie dann den Marktpreis, der deutlich geringer ist als der Abnahmepreis, der ihnen im EEG garantiert wird, 445% geringer im Fall von offshore erzeugter Windenergie. Aber das macht nichts. § 34 EEG ist überschrieben mit „Marktprämie“. Wer direkt vermarktet, der wird dafür belohnt, und zwar dadurch, dass die Stromkunden dazu verpflichtet werden, die Differenz zwischen dem Marktpreis an der EPEX und dem garantierten Abnahmepreis über die EEG-Umlage zu tragen.

Das Perfide an dem ganzen System besteht nun darin, dass die Erzeuger erneuerbarer Energien den Strommarkt mit ihrem Strom überschwemmen, was dazu führt, dass der Preis, der an der EPEX für Strom zu erzielen ist, sinkt. Die Differenz, die die Steuerzahler in Deutschland über die EEG-Umlage auszugleichen haben, wird entsprechend immer größer, was zu dem absurden Zustand führt, dass die EEG-Umlage steigt, der Strom für private Verbraucher in Deutschland immer teurer wird obwohl der Strom an Strombörsen immer billiger wird.

Die Ursache dafür, dass Strom in Deutschland immer teurer wird, liegt also nicht darin, dass Stromkonzerne die tiefen Preise, zu denen Strom an Börsen gehandelt wird, nicht an ihre Kunden weitergeben, sondern darin, dass die nämlichen Kunden steigende Ausgleichszahlungen zu finanzieren haben, um die Differenz zwischen den niedrigen Börsenpreise und den horrenden Preisgarantien für Erzeuger alternativer Energien zu decken.

rent-seeking-gordon-tullock-paperback-cover-artGordon Tullock, von dem das Konzept des Rent Seeking stammt, er hätte seine Freude an diesem perfiden System, mit dem Lobbyisten es nicht nur geschafft haben, ihren alternativen Strom von Preisschwankungen auszunehmen, sie haben es auch geschafft, jede Verbindung von erzeugter Menge und Preis zu kappen, denn egal, wie viel sie produzieren und egal, wie tief die Preise an internationalen Börsen ob des Überangebots an alternativ erzeugtem Strom fallen, ihnen kann es egal sein, denn ihr Preis ist garantiert: die Stromkunden zahlen dafür, müssen dafür zahlen.

Das EEG-Gesetz sorgt also dafür, dass eine kleine Clique von alternativen Stromerzeugern nicht nur keinerlei unternehmerisches Risiko tragen muss, es sorgt auch dafür, dass sie auf Kosten der Stromkunden munter die Menge an alternativ-erzeugtem Strom erhöhen können, denn das Marktgesetz, nachdem die erzeugte Menge den Preis drückt, gilt nicht für alternative erzeugten Strom in Deutschland. Ein geniales System des rent seeking, bei dem die Allgemeinheit dazu verurteilt ist, den Profit einiger weniger zu finanzieren.

Aber Deutschland hat Journalisten wie Werner Eckert, die gerne bereit sind, sich vor den Lobbykarren spannen zu lassen, aus Unkenntnis oder mutwillig, um weiter zu behaupten, dass der hohe Strompreis die Schuld der Stromkonzerne ist, denn man weiß ja, wie gierig Konzerne sind und wie sehr am Wohlergehen ihrer Bürger Regierungen und deren Mitglieder interessiert sind … Journalisten wie Eckert sind offensichtlich darum bemüht, der Märchensammlung der Gebrüder Grimm auch nach deren Tod noch täglich neues Material anzufügen.


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