„Fast jeden Tag ein Anschlag?“, nein, fast jeden Tag eine öffentlich-rechtliche Manipulation

Wer zum Lügen zu feige ist, der versucht es mit der Suggestion. Ziel: anderen das als Gedanken nahelegen, was man, weil es eine Lüge wäre, selbst nicht aussprechen will.

So geht’s.
ARD Tagesschau von heute.
Folgendes Bild:

Folgende Schlagzeile:
„Fast jeden Tag ein neuer Anschlag“.

211 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte habe es in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 gegeben. Die Tagesschau berichtet das mit Bezug auf die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ). Die Tagesschau hat die Daten der NOZ zweitverwertet.

Wenn man Bild, Schlagzeile, das Wort „Anschlag“ und die „211 Attacken“ in eine Reihe stellt, dann ergibt sich ein konsistentes Bild entsteht, bei dem eine Gleichsetzung von 211 Attacken, die zu Anschlägen werden, die – wie im Bild dargestellt – ausgebrannte Asylbewerberunterkünfte zurücklassen.

Nun muss man wissen, dass in den Lageberichten des Bundeskriminalamt, aus dem die Zahlen, die die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet und die Tagesschau mit dem Ziel arglistiger Täuschung übernimmt, zwischen Straftaten gegen Asylunterkünfte und Gewalttaten gegen Asylunterkünfte unterschieden wird. Die 211 Attacken, sind nämlich keine Attacken und schon gar keine Brandstiftungen, wie ein boshafter Redakteur, dem es zu wenig ausgebrannte Flüchtlingsunterkünfte zu geben scheint, nahelegen will. Letzteres muss man daraus schließen, dass die Neue Osnabrücker Zeitung, auf die sich die Tagesschau bezieht noch ganz andere Zahlen veröffentlicht hat, nämlich:

„Seit Jahresbeginn (Stand 23. Oktober) registrierte das Bundeskriminalamt bundesweit 226 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Mindestens 213 dieser Übergriffe hatten laut BKA einen rechtsradikalen Hintergrund, bei einigen weiteren Taten wird das vermutet. Bei den meisten Taten handelte es sich um Sachbeschädigung (74) , Schmierereien und Propaganda (71) sowie Überfälle und Gewaltdelikte (32). Es waren aber auch 12 Brandstiftungen und zwei Sprengstoffexplosionen darunter.”

Ursprünglich war bei der Neuen Osnabrücker Zeitung auch von 211 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte die Rede. Diese Information, im ersten Abschnitt des Textes, ist die einzige Information, die der Tagesschau-Redakteur aufgenommen zu haben scheint. Reicht wohl, um das eigene Mütchen zu kühlen.

Bei der NOZ werden aus 211 Attacken innerhalb von drei Absätzen erst 226 Übergriffe, die dann zu mindestens 213 Übergriffen mit rechtsradikalem Hintergrund mutieren.

Die Attacken der Tagesschau, die mit Anschlägen bebildert und gleichgesetzt werden, transformieren bei der NOZ innerhalb weniger Abschnitte von Attacken zu Übergriffen, die sich bei genauem Hinsehen in 74 Sachbeschädigungen und 71 Propaganda-Delikte, also in der Regel Hakenkreuzschmierereien, verwandeln. Man tut den Begriffen der Attacke und des Anschlags doch arge Gewalt an, wenn man Schmierereien oder eingeworfene Fenster als solche bezeichnet.

Von den 211 Attacken, die für die Tagesschau auch allesamt Anschläge sind, die – wie die Bebilderung nahelegt – Brandstiftung zum Gegenstand haben, bleiben 12 Straftaten, bei denen es sich tatsächlich um Brandstiftungen handelt, übrig. Wenn man auf Grundlage von 7% der Straftaten, die man tatsächlich als Anschlag bezeichnen kann, eine Aussage macht, die 93% der „Straftaten gegen Asylunterkünfte“ zu Anschlägen und Attacken umdeutet, dann ist das kriminelle Energie, die ihrerseits in den nächsten Lagebericht des Bundeskriminalamts eingehen könnte. Titel des Lageberichts: Straftaten gegen die Wahrheit, Volksverhetzung und vorsätzliche Irreführung der Allgemeinheit.

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Meinungsmache durch Staatsfunk? Die Lügenpresse ist in der Mitte angekommen

Lügenpresse, Staatsfunk, Volkserzieher, diese Begriffe der politischen Rechten, so Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft in Tübingen, „verminten das Gelände“ für richtige Medienkritik und führten dazu, dass richtige Medienkritiker sich nicht mehr trauten, die Medien zu kritisieren, aus Angst, zu den falschen Medienkritikern gezählt zu werden.

Pörksen hat sich in der ZEIT aufgemacht zu beklagen, dass „der Verdacht, von den öffentlich-rechtlichen Medien und vermeintlich übermächtigen Journalisten manipuliert zu werden – vom rechten Rand bis in die Mitte der Gesellschaft“ gewandert sei. Da es letztlich für die Frage, ob Kritik berechtigt ist oder nicht, irrelevant ist, von wo sie kommt, weckt Pörksen hier schon Zweifel an seiner intellektuellen Unabhängig- und Kritikfähigkeit.

Aber: in dubio pro reo!
Betrachten wir also, was nach Ansicht von Pörksen den derzeitigen Diskurs über die deutschen Medien vergiftet. Es ist das Folgende:

  • Medien würden durch „Schmähvokabeln wie ‚Staatsfunk‘ zu Marionetten der Politiker gemacht. Es werde nahegelegt, dass Journalisten keine unabhängigen Akteure, sondern Lakaien der Politiker seien und entsprechend berichten würden, was Letztere sich wünschen.
  • Journalisten würden unter Rechtfertigungsdruck stehen und ständig betonen, dass sie nicht aus dem Bundeskanzleramt angerufen und auf Linie getrimmt worden seien.
  • Medien würden als „autoritäre Gatekeeper“, die „letztlich bestimmen, was sagbar und politisch durchsetzbar“ sei, beschrieben. Es werde behauptet, sie wären darauf ausgerichtet, ihren Konsumenten bestimmte Weltsichten zu vermitteln und sie gleichzuschalten.

Alle drei Vorwürfe, die Pörksen in seinem Beitrag auflistet, findet er moralisch verwerflich. Für keinen davon führt er den Beleg, dass er falsch ist. Dass politischer Druck auf Journalisten ausgeübt werde, um Journalisten zur genehmen Berichterstattung zu bewegen, ist für ihn ein ebenso absurder Gedanke, wie die Vorstellung, öffentlich-rechtliche Medien würden bewusst Inhalte verzerren und nicht objektiv berichten: die ganze Schar der Journalisten wäre also darin einig, die Position als Selegierer von Information für den Versuch zu nutzen, die Empfänger der Informationen durch entsprechende Aufbereitung oder Auslassung, durch leichte Verdrehung oder offene Bewertung zu manipulieren.

Das erscheint Pörksen lächerlich.
Natürlich kann das Kanzleramt nicht bei allen deutschen Journalisten anrufen. Natürlich sind vermutlich nicht alle Journalisten dem gemeinsamen Ziel, die Konsumenten ihrer Nachrichten zu manipulieren oder es doch zumindest zu versuchen, verpflichtet.

Ergo, so schließt Pörksen, seien die Vorwürfe an die Adresse der öffentlich-rechtlichen Medien unangebracht, ideologisch motiviert, mit rechtem Stallgeruch belastet und deshalb falsch.

Hier irrt Pörksen, und man weiß nicht wirklich, ob er aus gutem Glauben irrt oder deshalb irrt, weil er mit seinen drei Punkten einen Strohmann aufgebaut hat, den er vor der Meute abbrennen kann, um anschließend zu behaupten, er habe den Teufel getötet. In jedem Fall ist sein Beitrag von einem Bruch durchzogen: Die Aussagen, die er macht, werden von seiner Argumentation nicht getragen.

Man braucht seine Annahmen und die Beschreibung der Absurditäten, die angeblich hinter der Rede von der Lügen- oder Lückenpresse stehen sollen, nämlich gar nicht, um dennoch zu demselben Ergebnis zu kommen, dem Ergebnis, dass öffentlich-rechtliche Medien einen politischen Bias haben, bestimmte Nachrichten unterdrücken, einseitige Bewertungen vornehmen und insgesamt der politischen Agenda, wie sie von der Einheitsfront der linken Politiker, die von linksaußen bis in die CDU reicht, verpflichtet sind.

Um zu erklären, warum öffentlich-rechtliche Medien einen Bias haben und man eben nicht davon ausgehen kann, dass sie im Allgemeinen korrekt oder am Kriterium der objektiven Berichterstattung ausgerichtet berichten, reichen zwei Feststellungen:

  • Parteineigung von Politik-Journalisten in Deutschland

    Die meisten Journalisten ordnen sich selbst eher links ein. Der Anteil der Journalisten, die eine linke Ideologie pflegen ist höher als der derer, die liberale oder rechte Überzeugungen haben.

  • Journalismus ist ein Beruf, der wie der Beruf des Lehrers oder der des Hochschullehrers entprofessionalisiert wurde. Die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen in den Redaktionen von Zeitungen und bei öffentlich-rechtlichen Medien führen nicht dazu, dass die Besten sich dort einfinden. Vielmehr finden sich durchschnittliche, wenig imaginative und vor allem kaum mit Phantasie oder Kreativität belastete Durchschnittsjournalisten ein, die die Redaktion verwalten.

Diese beiden Annahmen, reichen aus, um den derzeitigen (ideologischen) Zustand der öffentlich-rechtlichen Medien zu erklären. Man braucht dazu keinerlei Annahmen darüber zu machen, dass Journalisten absichtlich die Konsumenten ihrer Nachrichten belügen (obwohl dies sicherlich vorkommt).

Amos Tversky und Daniel Kahneman haben ebenso wie Leon Festinger in vielen Studien belegt, dass Menschen Informationen eher aufnehmen, wenn sie in einem positiven Verhältnis zum eigenen Überzeugungssystem stehen. Das Kriterium für die Auswahl von Informationen ist entsprechend nicht deren Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, sondern deren Übereinstimmung mit der Überzeugung dessen, der die Informationen auswählt.

Journalismus hat die Auswahl von Informationen zum Gegenstand. Die Idee einer objektiven Berichterstattung ist ähnlich abstrus wie die Idee von Leben auf der Sonne. Natürlich ist Journalismus selektiv. Guter Journalismus versucht, die vorhandene Selektivität dadurch zu beherrschen, dass er sich am Kriterium einer möglichst umfassenden Berichterstattung ausrichtet. Da man nicht umfassend berichten kann, besteht der einfachste Weg, dem Kriterium nahezukommen darin, den berichteten Gegenstand von mehreren Seiten, auf Basis mehrerer Aspekte zu analysieren oder im einfachsten Fall beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. „Guter Journalismus“, von dem Pörksen schreibt, für den er aber kein Kriterium nennen kann, besteht z.B. darin, nicht nur Gegner von Donald Trump zu Wort kommen zu lassen, sondern Trump die Möglichkeit zur Reaktion auf Vorwürfe einzuräumen. Guter Journalismus wäre auch dann gegeben, wenn Einordnungen erfolgen, wenn z.B. das Unglück von Fukushima nicht zum Anlass genommen worden wäre, um ausschließlich die Risiken der Kernenergie zu beklagen, sondern auch dazu, die Vorteile der Technologie mit der Tatsache zu verweben, dass nicht einmal ein Tsunami letztlich in der Lage war, eine großflächige atomare Katastrophe auszulösen.

Ideologische Überzeugungssysteme, so haben Tversky und Kahneman gezeigt, beeinflussen die Wahrnehmung von Fakten, beeinflussen die Auswahl von Fakten. Davor ist niemand gefeit, weshalb es notwendig ist, sich selbst zu kontrollieren oder sich in einem kritischen Umfeld zu bewegen, um gegebenenfalls auf einen vorhandenen Bias zugunsten der eigenen Überzeugung hingewiesen zu werden. In einem Markt sorgen die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage dafür, dass Anbieter von Nachrichten, die sich durch einen zu starken Bias auszeichnen, die die Wahrheit zu sehr in einem ihnen genehmen Licht darstellen bzw. verzerren oder gänzlich einseitig darstellen, vom Markt verschwinden, denn es gibt alternative Anbieter, die keinen oder nur einen geringen Bias haben. Nun gibt es keinen Markt für Nachrichten in Deutschland, schon weil es keinen Wettbewerb zwischen Journalisten gibt, der den Namen verdient, schon weil Angestellte öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten unabhängig von der Nachfrage nach ihren Nachrichten sind. Im Extremfall können öffentlich-rechtliche Anbieter auch dann überleben, wenn niemand mehr ihre Texte oder Sendungen konsumiert. Egal, was sie schreiben, ihr Einkommen ist gesichert. Die Motivation, sich an Kriterien guten Journalismus‘ wie wir sie oben genannt haben, zu halten, ist daher gering. Die Versuchung, politisch-korrekte und vor allem unkritische Beiträge zu verbreiten, die letztlich die Sicht derer widerspiegeln, die im Aufsichtsrat der Sender sitzen und von denen Journalisten meinen, sie hätten die Schlüssel zu beruflichem Aufstieg und Nebenverdienst in der Tasche, ist somit groß, denn: Die Loyalität von öffentlich-rechtlichen Journalisten ist nicht bei den Konsumenten ihrer Nachrichten, sondern bei denen, die sie für relevant im Hinblick auf die eigenen Karriere ansehen. Bei ihnen dienen sie sich an. Mit welcher ideologischen Überzeugung sie sich andienen, das dürfte angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Journalisten sich politisch auf der linken Seite des Spektrums einordnet, offensichtlich sein.

Doch warum gibt es nicht zwischen Sendern oder zwischen verschiedenen Medien Unterschiede in der Berichterstattung? Warum sieht man sich als Konsument öffentlich-rechtlicher Medien einer Nachrichten-Einheitsfront gegenüber, die mit der Neugier und dem Engagement, der Suche nach Neuem, die man den Mitgliedern der menschlichen Spezies so gerne attestiert, nicht in Einklang zu bringen ist?

Die Antwort darauf gegen DiMaggio und Powell mit ihrem Konzept der Isomorphie.

Neues zu publizieren, etwas anders zu machen, sich zu exponieren, das alles sind Tätigkeiten, die mit einem Risiko verbunden sind. Wenn sich das Neue bei der eigenen Bezugsgruppe, den Vorgesetzten, den Kollegen nicht bewährt, das Andere abgelehnt wird und man sich dafür exponiert hat, dann kann es passieren, dass die eigene Karriere beendet ist, man anstelle der Produktion von Sendungen Archivarbeit leistet. Ein derartiges Risiko gehen in der Regel nur Menschen ein, die hoch motiviert sind und die davon überzeugt sind, dass ihre abweichenden Ideen zum Erfolg werden. Solche Menschen sind keine durchschnittlichen Standardjournalisten. Sie ragen aus der Menge heraus, machen eine entsprechende Karriere oder werden dann, wenn die Organisation Neues oder Anderes nicht toleriert, aus der Organisation entfernt oder sie wandern ab, z.B. in soziale oder alternative Medien.

Bei öffentlich-rechtlichen Medien scheint Letzteres der Fall zu sein. In jedem Fall kann man feststellen, dass ein akuter Mangel an herausragenden, an guten Journalisten vorhanden ist, dass alles im Durchschnitt versinkt. Das wiederum führt dazu, dass die Atmosphäre in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten risikofeindlich ist. Mitarbeiter versuchen, Neues und Anderes zu vermeiden. Sie trampeln ausgetretene Pfade entlang, um auf Nummer sicher zu gehen – oder wie ein Leipziger Handwerker einmal gesagt hat: Mach‘ nichts anders, dann kommst Du auch in nichts hinein.

Dieses Bemühen um die Vermeidung von Unsicherheit trifft sich mit der Tatsache, dass die Mehrzahl der Journalisten einer linken Ideologie anhängt und führt im ersten Schritt dazu, dass in öffentlich-rechtlichen Medien ein linker Bias vorhanden ist. Mitarbeiter von ARD und ZDF bewegen sich in einem links-dominierten Nachrichtenfeld. Ihre Auswahl von Nachrichten und ihre Bewertung von Nachrichten erfolgt in diesem Rahmen. Die Einseitigkeit mancher Berichterstattung und die Auslassung von Informationen ist somit nicht hauptsächlich das Ergebnis des Vorsatzes, die Konsumenten der Nachrichten zu manipulieren, sondern Ergebnis des Versuches, Risiko zu vermeiden. Unter Wölfen ist es besser mit der Meute zu heulen als das Schaf zu geben.

Das Bemühen, mit der Auswahl von Nachrichten bzw. der eigenen Form von Journalismus kein Risiko einzugehen, hat noch drei weitere Effekte, die DiMaggio und Powell als koersive, mimetische und normative Isomorphie bezeichnet haben. Das Risiko, mit einer nicht-konformen Berichterstattung aufzufallen, kann dadurch minimiert werden, dass man kopiert, was andere berichtet haben und von dem bekannt ist, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Karriere des berichtenden Journalisten hatte. Das ist mimetische Isomorphie. Das Risiko nicht-konformer Berichterstattung kann auch dadurch verringert werden, dass man sich dem anpasst, was es als Klima in einer Redaktion gibt. Mehrheitlich ist dies ein linkes Klima. Schließlich kann auch Zwang ausgeübt werden, um eine abweichende Berichterstattung zu verhindern, z.B. von der Gewerkschaft im Sender, die Handreichungen verfasst, auf denen dargelegt wird, wie man bei Kollegen „falsche“ Einstellungen entdecken kann oder ein verdecktes Mitglied der AfD in der Redaktion enttarnen kann.

Alle drei Mechanismen führen zur Isomorphie, also zur Angleichung von Handlungen, Aussagen und letztlich Medienberichten.

Damit wäre der Zustand der öffentlich-rechtlichen Medien, wie er in Begriffen wie Lückenpresse, Lügenpresse oder Staatsfunk pointiert beschrieben wird, erklärt, ohne auch nur auf eine der Annahmen über geheime Verschwörungen, einen direkten Einfluss von Politikern auf Journalisten oder sonst etwas, das den Strohmann von Pörksen ausgemacht hat, zurückgreifen zu müssen.

Dass öffentlich-rechtliche Medien in dem bedauernswerten Zustand sind, in dem sie nun einmal sind, ergibt sich als logische Folge aus der Tatsache, dass die meisten Journalisten eine linke Überzeugung haben, sich entsprechend ein linkes Klima in Redaktionen ausbreitet, in Redaktionen, die mit durchschnittlichen Journalisten bevölkert sind, die nicht auffallen und nichts politisch Unkorrektes schreiben wollen und deshalb kopieren, was andere schreiben, sich an das Meinungsklima in der Redaktion anpassen und ansonsten versuchen, in nichts hinein zu kommen. Dass am Ende dann Berichte stehen, die ideologisch gefärbt sind, von Auslassungen und einseitigen Bewertungen durchzogen sind, ist Ergebnis der beschriebenen Faktoren und der Tatsache, dass Menschen aus Informationen eher diejenigen auswählen, die zu ihrer eigenen Überzeugung passen. Die Lückenpresse wäre somit das Ergebnis vorhandener Strukturen in öffentlich-rechtlichen Institutionen im Zusammenwirken mit Journalisten, die so durchschnittlich sind, dass sie nicht einmal damit ein Problem haben, dass sie nicht auffallen. Letztlich kann eine selegierte Population wie mehrheitlich linke Journalisten, die im eigenen Saft braten, eben keine Nachrichtenbreite anbieten, die der Diversität der Gesellschaft, die dieselbe in Redaktionen um ein Vielfaches übersteigt, gerecht wird. 

Selbst wenn man keine der von Pörksen genannten Aussagen zum Ausgangspunkt nimmt, keine direkte Einflussnahme der Politik, keine absichtlichen Versuche der Manipulation, kommt man somit zum selben Ergebnis: Deutsche Medien haben einen ideologischen Bias, der in Lücken, Auslassungen und Lügen resultiert, um die eigene Agenda zu befördern. Nun wissen wir natürlich, dass es gezielte Einflussnahmen gibt. Parteivertreter sitzen in Rundfunkräten. Ministerien versuchen, über allerlei Auftrags- und Legitimationsforschung und die nachfolgenden Pressemeldungen, die Berichterstattung zu beeinflussen. Politische Gefallen werden gegen Beiträge in Medien gehandelt. Die personellen Überlappungen zwischen Politik und Medienwirtschaft sind zu groß, als dass man nicht davon ausgehen müsste, dass die gemeinsame Sache gegen die Konsumenten der Nachrichten nicht an der Tagesordnung wäre. Die SPD unterhält einen Medienkonsern. Warum wohl? Zudem haben wir auf ScienceFiles viele Belege für falsche oder einseitige oder ideologisch verdrehte Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien zusammengetragen, so dass man auch annehmen muss, dass einige (?), manche (?), viele (?) Journalisten das Ziel der Manipulation von Nachrichtenkonsumenten verfolgen.

Wie man es dreht und wendet, es kommt ein Bias, eine Lücken-, eine Lügenpresse dabei heraus.


DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter W. (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in
Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

Lünenborg, Magreth & Berghofer, Simon (2010). Politikjournalistinnen und -journalisten. Aktuelle Befunde zu Merkmalen und Einstellungen vor dem Hintergrund ökonomischer und technologischer Wandlungsprozesse im deutschen Journalismus. Berlin: Freie Universität Berlin, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Arbeitsstelle Journalistik.

Tversky, Amos & Kahneman, Daniel (1986). Rational Choice and the Framing of Decisions. Journal of Business 59(4): S251-S278.

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Ohne Obergrenze Diversität durch Flüchtlinge – Deutsche Träumerei in FAZ-moll

In Deutschland herrscht die politische Romantik. Politische und journalistische Romantiker sind voller Begeisterung für Flüchtlinge, die man in unbegrenzter Zahl in das doch reiche Deutschland lassen solle und könne. Und während die politischen Romantiker in der Großzügigkeit schwelgen, die sie sich durch die Erwerbstätigkeit und das Geld anderer leisten zu können glauben, präsentieren Journalisten voller Verzückung Beispiele von Ländern, die angeblich durch Vielfalt und die Aufnahme von Flüchtlingen Weltspitze geworden sind.

Einen Leser von ScienceFiles hat ein solcher Jubelartikel in der FAZ, in dem sich der Autor aufschwingt, den großen Nutzen zu feiern, den Flüchtlinge angeblich für Singapur bringen, so verägert, dass er sich ans Werk gemacht hat, um all die Teile der Realität, die politische und journalistische Romantiker ausblenden müssen, um ihre Wolkenkuckucksheime bauen zu können, zusammenzutragen. Das Bild von Singapur, das auf Grundlage der Fakten und Daten, die unser Leser zusammengetragen hat, zum Vorschein kommt, ist eines, das der verklärten Darstellung in der FAZ in jeder Hinsicht widerspricht und einmal mehr zeigt, wie weit verbreitet FakeNews in so genannten “Premiummedien” sind.

“[…] kaum ist der Physikerin Merkel die Quadratur des Kreises gelungen und man hat sich nun auf eine Art Obergrenze geeinigt, insbesondere dadurch,dass man die Obergrenze einfach nicht so nennt, erscheint dieser
heuschlerische Artikel in der FAZ: “Singapur ist die Hochburg für Arbeitsmigranten“:

Heuschlerisch, weil Arbeitsmigration mit der Aufnahme von Flüchtlingen gleichgesetzt wird.

In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie gut doch die niedrigqualifizierten Zuwanderer für SEA (South-East Asia) sind, insbesondere für Singapore. Der Artikel ist so geschrieben, und die Überschirft deutet das auch an, dass die viel schlauer sind als  wir und “beliebig” viele reinlassen und natürlich mehr Zuwanderung positive Wachstumseffekte hat.

Nichts ist weiter von der Realität in Singapore entfernt als das!

Ich bin kein Singapore-Experte, habe aber in den 1,5 Jahren, in denen ich dort gelebt habe, ein paar Dinge mitbekommen.
Unabhängig davon kann man sich nicht einfach aus einem Land eine Institution herausgreifen und diese dann international vergleichen, denn in der Regel steht diese Institution in vielerlei Hinsicht mit anderen Institutionen ökonomischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Natur in Zusammenhang. Vergleiche funktionieren ja oft nicht mal zwischen zwei deutschen Bundesländern, geschweige denn zwischen zwei Ländern in der EU. Wie abstrus es ist, wie im FAZ-Artikel geschehen, punktuell auf internationaler Ebene zu vergleichen, und dann auch noch einen Flächenstaat mit einem Stadtstaat mit Insellage, das versuche ich hier zu verdeutlichen.
Nachfolgend einige Punkte, die in dem FAZ-Artikel über Singapore nicht erwähnt [oder unterschlagen] werden, die aber für eine Diskussion um Arbeitsmigration evtl. nicht irrelevant sind, die mir SPONTAN einfallen:
  1. Das Land kann nur über zwei Brücken von Malaysia aus erreicht werden. Dort befinden sich zwei harte Grenzübergänge mit entsprechenden Kontrollen inklusive massiver Präsenz von Polizei, die mit (möglicherweise) geladenen MPs patroullieren.
  2. Wegen diesen strengen Kontrollen entstehen zwischen Johor Bahru (Malaysia) und Singapore jeden Morgen und jeden Abend kilometerlange Fahrzeug-, Roller- und Menschenschlangen. Kontrolle muss halt sein (siehe Foto).
  3. Man darf in das Land nur mit einem angebrochnen Zigarettenpäckchen rein und nur mit einem zu 75% gefüllten Tank ausreisen. Sonst drohen horrende Strafen.
  4. Es wird zwischen einer Einreise aus Malaysia und nicht-Malaysia unterschieden, also nach Einreiseland diskrimiert.
  5. Minimalste Mengen von Drogenbesitzt werden mit dem Tod bestraft (durch Erhängen): Soviel zum Thema Grenzkontrolle, die es in Deutschland in dieser Form nicht mal zu nicht-EU-Zeiten gegeben hat.
  6. Wer sich länger als 6 Monate in Singapore aufhält (natürlich nur mit einem Work Permit [Arbeitserlaubnis] möglich), muss einen medizinischen Check durchführen lassen – inklusive Röntgenuntersuchung, in dem auf Syphilis, HIV, Schwangerschaft und Tuberkulose getestet wird. Dies darf nur von einem in Sinagapore registrierten Arzt durchgeführt werden. Die Kosten trägt das Unternehmen, das die ausländische Arbeitskraft beschäftigen möchte.
  7. Wer falsche Angaben bei den Behörden macht, wenn es um die Arbeitserlaubnis geht, dem drohen Geldstrafren von bis zu 20.000 SGD [Singapore Dollar] oder Haftstrafen bis zu 2 Jahren.
  8. Über eine Einreise oder einen Aufenthalt ohne Pass spare ich mir die Erörterung.
  9. Auf Unternehmensebene: Unternehmen müssen für jeden eingestellten “unskilled” [ungelernter Arbeiter] nicht nur höhere levy bonds hinterlegen, also eine Art Versicherung oder Strafe für die Einstellung eines Niedrigqualifizierten bezahlen, es gibt auch eine Mindestquote für Hochqualifizierte, die man einstellen muss. D.h. ab einem bestimmten Moment darf man nur noch einen Niedrigqualifizierten einstellen, wenn man entsprechend auch Hochqualifizierte einstellt bzw. eingestellt hat. In Deutschland sprechen wir von einer Integrationspflicht der niedrigqualifizierten Asyl-Bewerber. Das ist das gegenteilige Arbeitsmarktkonzept.
  10. Diese high-skilled, low-skilled-Quoten sind unternehmensspezifisch und industriespezifisch geregelt:
  11. Die Arbeitskräften im Bereich “Construction” [Baugewerbe] bekommen oft nur 700 bis 1.000 SGD [Singapore Dollar], also 2,5€. D.h. es gibt einen Arbeitsmarkt, in den keine politische Lohnuntergrenze eingezogen ist. Damit kann der Arbeitsmarkt bei niedrigeren Löhnen auch deutlich mehr Menschen aufnehmen.
  12. A propos politisch: Singapore ist keine Demokratie.
  13. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar.
  14. Der aktuelle Spitzensteuersatz beträgt 22%. Dieser wird fällig ab einem Jahreseinkommen von 320.000 SGD also 200.000€. Einkommen darunter werden entsprechend niedriger besteuert.
  15. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in den sogenannten CPF [Corporate Pension Fund] ein, also in eine Art persönlichen Vorsorgefond. Dieser wird positiv mit ca. 4% pro Jahr verzinst und nicht etwa wie die deutschen Rentenbeiträge negativ.
  16. Man benötigt kein Auto, da Singapore mit dem MRT eines der modernsten und die ganze Stadt durchziehenden U-Bahnsysteme hat.
  17. Vom Staat bezuschusste Wohnungen, sogenannte HDBs, dürfen nur Singaporeans kaufen. Ausländer nicht. Die Untervermietung eines HDB ist nur den “Singapore Citizens” erlaubt, nicht einmal Personen mit einer Permanent Residence” [Ubegrenzte Aufenthaltsgenehmigung)], und es darf nur an Einheimische oder Malayen untervermietet werden. Also eine ganz eindeutige Diskriminierung nach Herkunftsland.

Zusammenfassend kann somit gesagt werden: In den Genuss sozialer Leistungen kommen in Singapore nur Staatsbürger und somit in der Regel diejenigen, die in Sozialkassen einzahlen, während es in Deutschland eher der Fall ist, dass Personen, die nicht in Sozialkassen einzahlen, Arbeitslose, nicht-Erwerbstätige, Frauen, Flüchtlinge (fast) besser gestellt sind, als diejenigen, die die Leistungen erarbeiten.

In Singapore trennt man ganz klar zwischen Einheimischen und Ausländern, was bei uns alles Verstöße gegen das AGG [Antidiskriminierungsgesetz] wären. Niedrigqualifizierte dürfen unter ganz bestimmten Bedingungen in ganz bestimmten Brachen arbeiten, und die Unternehmen werden für diese in Haftung genommen, nicht die Gesellschaft. Man nimmt einen Großteil seines Bruttolohns mit nach Hause und zahlt in seinen eingenen (kapitalgedeckten nicht umlagefinanhzierten) Rentenfond ein. Ähnlich auch bei Gesundheit und Arbeitslosigkeit. Jede Form von Vergehen, geschweige denn Straftaten, werden massiv bestraft und die Strafen durchgesetzt.

Die beiden Systeme von Deutschland und Singapore zu vergleichen, wie es im FAZ-Artikel getan wird, zumindest in der Überschrift, ist bar jeder Vernunft.

Der Satz aus dem Artikel “Dabei wird die Wanderung der Arbeiter – wie auch in Europa – von der Vielfalt der Region angeheizt: Das reichste Land Südostasiens ist 25 Mal wohlhabender als das ärmste.” hat wenn überhaupt nur etwas mit Einkommensvielfalt zu tun. Mit der Vielfalt von der in Deutschland gesprochen wird nicht. Denn hier geht es nur darum, dass alle in die Schweiz Südostasiens wollen, nämlich Singapore, weil man dort so gute Jobs und Löhne bekommt. Und da das die Singaporeans wissen, haben sie sich entsprechend geschützt. Seiner Verletzlichkeit und Begehrtheit bewusst, gibt Singapore einen deutlich größeren Teil seines BIPs für Militär aus als jedes andere südostasiatische Land:

Als Tourist freut man sich in Singapore “Little India”, “Chinatown”, das arabische Viertel um die “Arab Street” oder vorwiegend thailändische Menschen um den Golden Mile Complex (Beach Road) herum zu sehen und sich an der Vielfalt zu begeistern. Diese Vielfalt kommt aber nur durch diese Herkunftsland-bezogenen Viertel zustande.

Wir in Deutschland versuchen dies ja durch eine “gesunde Vermischung/Verteilung” zu verhindern. Auf der anderen Seite brodeln in diesen Viertel die Resentiments gegenüber anderen Kulturen und teilweise auch der religiösen Unterschiede, und eine Kleinigkeit bringt das Pulverfaß zum Überlaufen, wenn beispielsweise ein Bus einen Inder überfährt.

Dann bleibt sehr wenig von Integration und Vielfalt übrig.

Bis hierhin bezog sich meine Erörterung auf Arbeitsmigration in Singapore. Das Thema in Deutschland war aber auf die Aufnahme von Flüchtlingen bezogen. Und es ging in der politischen Diskussion in den letzten zwei Jahren um eine Obergrenze für die Asyl-Einwanderung. Nun wie sieht es da in Sinagpore aus? So:

Singapore nimmt keinen einzigen Flüchtling auf.

Daher benötigt man auch keine Willkommenskultur.

Den Rest, der reinkommt (Touristen und Arbeitkräfte), muss man nicht Willkommen heißen, denn die
wollen ja was von Singapore und nicht umgekehrt.

Und wozu führt das (zumindest bis Ende Januar 2017)? Man wird Magnet für
Hochqualifizierte

Andere Länder, andere Sitten.

Wir bedanken uns für diesen einsichtsreichen und informierten Leserbrief!

Nach Studie der Otto-Brenner-Stiftung: Medienmisstrauen gerechtfertigt

Absolution Teil X.

Wie viele angebliche Studien gibt es zwischenzeitlich, die einzig dazu erstellt wurden, öffentlich-rechtlichen Anstalten, deren Insassen für die Verbreitung von Sendeformaten bezahlt werden, Absolution zu erteilen und zu zeigen, dass doch und überhaupt die meisten und vor allem die Gebildeten und die nicht sozial deprivierten und die, die kein Schüler mehr sind und die, die nicht AfD-wählen und die, die mit der Demokratie zufrieden sind, mit den öffentlichen Medienanstalten zufrieden sind und sie für mehr oder weniger glaubwürdig halten, wir haben aufgehört zu zählen.

Dass es sich dabei nicht um Wissenschaft, sondern einzig und allein um Legitimationsforschung handelt, zeigt sich schon daran, dass nicht eine dieser angeblichen Studien die Frage gestellt hat, warum es in Deutschland eine nicht geringe Anzahl von Menschen gibt, die öffentlichen Anstalten und den Nachrichten, die sie verbreiten, nicht mehr glauben, ihnen nicht mehr vertrauen. Diese Frage ist der Rubikon, der Wissenschaftler von Legitimationsbeschaffern, die ihre Dienste meistbietend feilbieten, trennt.

Und gemessen an diesem Kriterium ist die neueste Studie, die ausgerechnet von den ARD Faktenfindern gerade gefeiert wird, keine Studie, sondern der neuerliche Versuch, diejenigen, die das, was öffentliche Anstalten verbreiten, nicht glaubwürdig finden, zu diskreditieren und zur Gefahr für die Demokratie zu stilisieren, die natürlich von der AfD ausgeht. Junk Science noch dazu.

Bezahlt hat dieses Mal die Otto-Brenner-Stiftung die Studie, die bestenfalls als verdünnter Aufguss der Mitte-Studien aus Leipzig angesehen werden kann, was angesichts der Personalunion der Studienautoren auch nicht verwunderlich ist. Die Autoren der Leipziger Mitte-Studien, die die Friedrich-Ebert-Stiftung finanziert, Oliver Decker, Johannes Kiess und der unverwüstliche Elmar Brähler, der auch im Jahre 27 nach der deutschen Einheit nicht einsehen will, dass er von empirischer Sozialforschung nichts versteht, sie haben dieses Mal noch Alexander Yendell an der Arbeit beteiligt. Herausgekommen ist derselbe Brei, der auch in Mitte-Studien verrührt wird. Nur wird dieses Mal nicht die Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte herbei geschrieben, dieses Mal wird das Internet in Bausch-und-Bogen zur Echokammer erklärt und eine Gefahr der Demokratie allein darin gesehen, dass Menschen ihre Informationen nicht mehr aus öffentlichen Anstalten beziehen, sondern es vorziehen, sich anderweitig zu informieren.

Wäre schon die Prämisse, dass öffentlich-rechtliche Medien-Anstalten für die deutsche Demokratie lebensnotwendig sind, nicht schon lächerlich genug, so setzen die Autoren dadurch, dass sie das Internet zur Echokammer erklären, noch eine Schippe Lächerlichkeit obendrauf und besonders lächerlich wird es dann, wenn diejenigen, die sich ausschließlich aus dem Internet informieren als Bewohner einer Echokammer verunglimpft werden, während die Autoren, die doch angeblich Wissenschaftler sein wollen, nicht davor zurückschrecken, öffentlich-rechtliche Medienangebote und solche, die von Tageszeitungen, die die Autoren für gut befunden haben, angeboten werden, als Nachrichten von Premiummedien zu bezeichnen.

Aber vielleicht haben Decker, Brähler und die beiden anderen ja gar nicht versucht, eine wissenschaftliche Studie zu schreiben. Vielleicht ist ihre Veröffentlichung ja eine Travestie auf Wissenschaft, eine Satire. Wäre dem so, es wäre beruhigend, dann müsste man nicht feststellen, dass die vier Autoren jede Form wissenschaftlicher Lauterkeit über Bord geworfen haben, um ihren Daten Gewalt antun zu können.

Beginnen wir mit dem, was die Faktenfinder der ARD, die Fakten nicht einmal finden würden, wenn man sie ihnen auf die Augen nageln würde, zum Ende ihres Jubelbeitrags über den Junk aus der Otto-Brenner-Stiftung schreiben:

“Die Ergebnisse bestätigen”, so der Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand, “dass es hinsichtlich der Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise der Medien trotz eines weiterhin hohen Zuspruchs vieler Menschen keine Entwarnung geben kann und darf”.
Großes Vertrauen bleibe zwar stabil und hoch, aber auch tiefes Misstrauen steige kontinuierlich an. Legrand warnte vor den Folgen für die Demokratie, wenn “ein relevanter Teil der Bevölkerung weder durch gemeinsame Werte und Überzeugungen, noch durch die Teilhabe an einer gemeinsamen Öffentlichkeit für die Gesellschaft erreichbar” sei.“

Die ganzen Folgen, die hier beschrieben werden, entstehen einzig daraus, dass die vier Autoren sich entschlossen haben, jene 12,4% (299) Befragte, die von sich sagen, dass sie Informationen ausschließlich aus dem Internet beziehen, als Bewohner einer Echokammer anzusehen und zu stigmatisieren. Denn merke: Du sollst das öffentlich-rechtliche Angebot nicht ausschlagen. Denn das öffentlich-rechtliche Angebot ist gut, während das Angebot im Internet des Teufels und verderblich ist.

Nicht nur, dass die vier Autoren diese lächerliche Stigmatisierung von Internet-Nutzern vornehmen, die letztlich nur etwas über das Verhältnis der Autoren zu modernen Medien aussagt, sie versuchen die Leser darüber hinweg zu täuschen, dass sie Artefakte interpretieren:

„Es finden sich mehr Angehörige der jüngeren Jahrgänge, weniger der mittleren Jahrgänge und kaum Ältere. Das begründet zum Teil auch den ebenfalls zu findenden höheren Anteil an Berufstätigen und Schüler*innen in der Echokammer (gegenüber Rentner*innen). Teilweise kann damit ebenfalls der geringere Anteil an Menschen mit Studium oder Abitur erklärt werden, denn der Anteil der Schüler*innen führt zu einer großen Gruppe von Menschen ohne Schulabschluss. Trotzdem fällt insgesamt der Anteil mittlerer Bildung gegenüber niedrigen und hohen formalen Abschlüssen auf. Entsprechend sind auch Angehörige unterer Einkommensgruppen in der Echokammer überrepräsentiert.“

Wie die Daten der vier Autoren zeigen, sind unter den ausschließlichen Internetnutzern mehr Berufstätige, mehr Schüler und Studenten, mehr Arbeitslose und kaum Rentner als unter denen, die andere Medien ausschließlich oder zusätzlich zum Internet nutzen. Die Gruppe der Rentner ist übrigens die Gruppe, in der die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihre größte Anhängerschar rekrutieren. Da Schüler und Studenten qua definitionem noch in Ausbildung sind und die Autoren ausgerechnet Spaltenprozent interpretieren, also die Gruppe der Internetnutzer als Basis benutzen, sind alle Aussagen zu Ausbildung und Einkommen Unsinn, denn die Daten sind rechtszensiert und es ist nicht bekannt, welchen Schulabschluss die Schüler und welches Einkommen die Schüler und Studenten zum Abschluss ihrer Ausbildung erzielen. Hätte man reliable Angaben machen wollen, hätte man die Schüler und Studenten herausrechnen müssen.

Das ist nicht der einzige Lapsus, den die vier Autoren begehen. Der nächste Lapsus, den wir auf Anhieb und ohne Suche gefunden haben, ist ein noch größerer Lapsus und er zeigt, dass es in der vermeintlichen Studie nicht darum geht, Ergebnisse oder noch besser: Erklärungen zu liefern, sondern darum, bestimmte Ergebnisse zu liefern.

Die folgende Abbildung findet sich auf Seite 25 der vermeintlichen Studie.

Eine kleine Aufstellung der Fehler:

  • Wenn die Parteipräferenz abgetragen wurde, dann zeigt die Abbildung nicht, wie Menschen wählen, die mangelndes Vertrauen in die Medien haben, sondern welche Parteipräferenz sie haben. Die Parteipräferenz hat mit der Wahlentscheidung zum Leidwesen der meisten Wahlforscher kaum mehr etwas gemein.
  • Mangelndes Vertrauen wurde nicht gefragt. Es wurde gefragt, wer öffentlich-rechtliche Medien für nicht glaubwürdig hält. Glaubwürdigkeit von und Vertrauen in öffentlich-rechtliche Medien sind unterschiedliche Konzepte.
  • Das nicht gefragte Vertrauen zudem als mangelndes Vertrauen zu bezeichnen, zeigt die ideologische Ausrichtung der Autoren, ihre Bewertung der Tatsache, dass eine Gruppe von Befragten öffentlich-rechtliche Medien für nicht glaubwürdig hält. Darin kann man nur dann einen Mangel sehen, wenn man öffentlich-rechtliche Medien zum Olymp der Information stilisieren will.

Es ist schon erstaunlich und verweist darauf, dass die Leipziger Mitte-Studierer ihre Ergebnisse im Akkord und ohne große Sorgfalt produzieren, dass man mit drei Angaben drei falsche Angaben machen kann.
Ob dahinter Schludrigkeit oder der Versuch steckt, Daten zu manipulieren, ist letztlich egal, denn es zeigt in jedem Fall, dass die Studie der Otto-Brenner-Stiftung keinen Pfifferling wert ist.

Sehr deutlich wird dies auch, wenn man die Abbildung, wie wir das getan haben, einmal in Fallzahlen übersetzt und zeigt, wie viele Befragte hier Pate gestanden haben, um ein Ergebnis zu produzieren, das man nicht anders als belanglos bezeichnen kann.

Wer Prozentwerte auf Basis von einem, drei, vier, sieben oder 10 Befragten ausweist, der hat seine Reputation als Sozialforscher verspielt und ist entsprechend nicht mehr ernst zu nehmen. Damit ist die angebliche Studie der Otto-Brenner-Stiftung, eine Junk Studie und endgültig ein Fall für den Papierkorb.

Anregungen? Hinweise? Kontaktieren Sie ScienceFiles

Zuschauer verschaukeln: SWR sucht Strohmann für vorgefertigte Meinung

Die neue Sendung des SWR trägt den Titel „Mal ehrlich“.

In der neuen Sendung des SWR sollen Bürger „mit ihren Sorgen und Meinungen, Erfahrungen und Wünschen im Zentrum stehen“.

Der SWR will diese Sendung seinen Zuschauern als Einblick in die Welt der normalen Menschen mit ihren Sorgen und Nöten verkaufen.

Hinter dieser Fassade steckt jedoch eine perfide Form von Täuschung, denn beim SWR wird gezielt nach Statisten gesucht, die vorgegebene Meinungen gegen ein Honorar vertreten.

Die folgende Suchmeldung wurde uns anonym zugespielt.

Sie zeigt, wie man bei öffentlich-rechtlichen Sendern versucht, Zuschauer zu verschaukeln oder pfälzischer ausgedrückt: zu verarschen, indem ihnen vorgegaukelt wird, das, was sie sehen, wären authentische Erfahrungen, Sorgen und Nöte von Menschen, die sich in ihrer Sorge an den SWR gewendet haben. Tatsächlich handelt es sich um bezahlte Statisten, die sich zu einem vorgegeben Thema gemeldet haben und gegen Bezahlung eine vorgegebene Meinung vertreten.

Widerlich!

Hier der Suchtext:

“Wir suchen für ein neues SWR-TV-Format eine/einen Alleinerziehenden, der sagt, dass sie/er aufgrund der Kindererziehung oder -ausbildung kein Geld für die Rente hat. Und mit Schrecken an die eigene Rente denkt. Bedingung: Die Person muss aus Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg kommen. Sie bekommen 150€ für Ihre Meinung und wir übernehmen Ihre Anreise nach Mannheim zur Sendung.

Hintergrundinfos zur Sendung:
Am 06. September startet mit „mal ehrlich…“ eine neue Gesprächssendung beim SWR, in der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Sorgen, ihren Meinungen, Erfahrungen und Wünsche[n] im Zentrum stehen. In jeder Sendung, die 60 Minuten dauert und aus Mannheim gesendet wird, soll ein aktuelles und relevantes Thema behandelt werden. Hier werden die Bürger, Zuschauer und Betroffene vornehmlich zu Wort kommen, um ihre Erfahrungen, Probleme und Forderungen zum jeweiligen Thema zu benennen. Politiker und Experten sind zwar auch eingeladen, stehen hier aber eher Rede und Antwort. Die erste Sendung am 06.09.2017 soll sich mit der Frage befassen: „…macht meine Rente mich arm?“, das Thema, das die SPD für den kommenden Bundestagswahlkampf auserkoren hat. Kontakt: Beate Zimmermann b.zimmermann@encanto.tv 0221.925785-34″

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