Böse Bayern? Die FaktenERfinder der ARD

Der Fakten(er)finder der ARD läuft heute gegen die Neufassung des Psychisch-Kranken-Hilfegesetzes in Bayern Sturm. Das Gesetz sei in höchstem Maße diskriminierend, so erfährt der Leser in Schriftgrad 14, nachdem ihm schon die Überschrift nahegelegt hat, dass es in Bayern darum gehe, psychisch Kranke „wegzuschließen, statt [ihnen] zu helfen“. Die Brachialvariante versuchter Manipulation im ARD Fakten(er)finder wird nur noch durch ein Originalzitat getoppt, das wir, ob seiner kompetenten Formulierung, im Original wiedergeben. Es lautet:

“Das, was man vorne gut gemacht hat, das hat man hinten mit dem Arsch wieder eingerissen.”

Ein Satz, der wie kein anderer das derzeitige Niveau der ARD zum Ausdruck bringt.

Uns soll es jedoch nicht um das unterirdische Niveau des ARD-Fakten(er)finders gehen, sondern darum, dass wir den begründeten Verdacht haben, dass beim ARD-Fakten(er)finder Daten erfunden werden.

Unter der Überschrift „Bayern hat bundesweit die höchsten Unterbringungszahlen“ ist Folgendes aus einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks, den die Fakten(er)finder zu ihrem gemacht haben, zu lesen:

„Zum Vergleich: Im Jahr 2015 landeten im Freistaat etwa 60.000 Menschen gegen ihren Willen in einer Psychiatrie – auf Platz zwei folgt Nordrhein-Westfalen mit knapp 48.000 Unterbringungen. NRW hat allerdings auch fast eineinhalb Mal so viele Einwohner wie Bayern.“

Wie immer, wenn die Fakten(er)finder Daten darbieten, tun sie das ohne Beleg. Das allein diskreditiert sie bereits. Aber das reicht noch nicht, denn es sieht sehr danach aus, als seien die 60.000 Unterbringungen, die die Fakten(er)finder für Bayern gefunden haben wollen, schlicht und einfach erfunden.

Beginnen wir zunächst damit, dass es – wie so oft in Deutschland – keine verlässlichen Daten dazu gibt, wie viele Menschen „untergebracht“ sind, wie es so schön heißt.

Das Problem ist zum einen eines des nicht-transparent-sein-Wollens, zum anderen eines des Föderalismus, denn grundsätzlich kann man in Deutschland nach zwei Arten weggeschlossen werden: Einmal nach § 1906 BGB und einmal nach dem jeweiligen Psychisch-Kranken-Hilfegesetz (PsychKG) der Länder. Die einzigen Daten, die es zu beiden zu finden gibt, stammen aus dem Jahre 2012. Man findet sie in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKE.

Demnach wurden 2011 in Deutschland 57.116 Personen nach § 1906 BGB untergebracht, davon 16.854 in Bayern und 13.184 in Nordrhein-Westfalen. Nach dem jeweiligen Landes PsychKG wurden nochmals 78.114 Menschen im Jahre 2011 untergebracht. Dieses Mal 11.177 in Bayern und 22.685 in Nordrhein-Westfalen. Demnach wurden in Bayern 28.031 psychisch Kranke im Jahr 2011 weggeschlossen und 35.869 in Nordrhein-Westfalen. Die Größenverhältnisse zwischen beiden Ländern waren noch 2011 demnach gerade anders herum als von den ARD Fakten(er)findern für 2015 behauptet.

Wären die Zahlen des ARD-Fakten(er)finders richtig, also die Zahlen, deren Ursprung die Fakten(er)finder verheimlichen, dann müsste sich die Zahl der in Bayern per Zwang untergebrachten innerhalb von 4 Jahren mehr als verdoppelt haben, ein Anstieg um 31.969 Untergebrachte, während im selben Zeitraum in Nordrhein-Westfalen nur ein Anstieg von 12.131 Untergebrachten zu verzeichnen gewesen sein dürfte, also rund ein Drittel des bayerischen Anstiegs.

Nun ist in Deutschland bekanntlich nichts unmöglich. Deshalb haben wir nach weiteren Daten gesucht. Diese findet man beim Bundesministerium für Justiz. Dort wird zum einen eine Statistik über die Unterbringungen nach § 1906 BGB geführt, und es gibt eine Zugangsstatistik für Amtsgerichte. Beide sind das Beste an Daten, was man finden kann. Und während die Statistik über die Unterbringung nach § 1906 BGB akkurate Daten liefert, weist die Statistik der Amtsgerichte nur anhängige Verfahren aus. Angesichts dieser Datenlage fragt man sich, wo die Fakten(er)finder überhaupt ihre Daten für 2015 gefunden haben wollen.

Die Anzahl der nach § 1906 BGB im Jahr 2015 Untergebrachten beträgt Bundesweit 56.646 Personen und somit bundesweit weniger als die Fakten(er)finder für Bayern gefunden haben wollen. Im selben Jahr haben die Amtsgerichte in Deutschland 133.329 Verfahren über eine Unterbringung nach PsychKG der Länder als anhängig gemeldet. Von den anhängen Verfahren enden ca. 75% mit einer Unterbringung, wenn man die Erledigungsarten der Verfahren nach § 1906 zur Grundlage nimmt. Somit bleiben von den 133.329 Verfahren 100.000 Verfahren, die mit einer Unterbringung enden. Rechnet man die 56.646 Untergebrachte nach § 1906 BGB hinzu, dann wurden 2015 156.646 Menschen in psychiatrischen Kliniken oder Entziehungsanstalten oder in geschlossenen Abteilungen von Pflegeheimen untergebracht. Nach den Zahlen, die die Fakten(er)finder unters Volk bringen wollen, entfallen davon auf Bayern und Nordrhein-Westfalen 108.000 also 69% aller Unterbringungen. Die verbleibenden 14 Bundesländern müssen sich entsprechend die restlichen 31% teilen, wenn die Zahlen der Fakten(er)finder nicht erfunden sind.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zahlen aber frei erfunden wurden, um zu zeigen, welch‘ üble Menschen die Bayern doch sind, wenn es darum geht, andere Bayern oder besser noch: Preußen wegzuschließen, ist jedoch sehr hoch. Denn: der Anteil der beiden Ländern an den 135.263 Menschen, die 2011 untergebracht wurden, betrug damals 47,2%. Innerhalb von vier Jahren muss der Anteil von Bayern und Nordrhein-Westfalen, wenn die Daten der Fakten(er)finder richtig sein sollen, sprunghaft angestiegen sein, was notwendig bedeutet, dass alle anderen Länder ihre Anstrengungen, einen Teil ihrer Bürger wegzuschließen, heftig reduziert haben müssen. Eine Annahme, die vor allem im Hinblick auf die Länder Bremen, Hamburg, Hessen, das Saarland und Schleswig-Holstein, die Unterbringungsquoten erreichen, die deutlich über denen von Bayern und selbst Nordrhein-Westfalen liegen, mehr als unwahrscheinlich ist.

Wir kommen somit zu dem Schluss, dass die Faktenfinder FaktenERfinder sind. Der Schluss ist einfach zu widerlegen. Es reicht, wenn die FaktenErfinder die Quelle ihrer Daten nennen, um das ER aus dem FaktenERfinder zu löschen.

Falls die Fakten(er)finder einmal Fakten suchen wollen, ein dazu nützlicher Beitrag finden sich in:

Henking, T. & Vollmann, J. (Hrsg)(2015). Zwangsbehandlung psychisch kranker Menschen. Berlin: Springer.

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Lohnlückenlüge wird nicht seltener: Trotzige Fake News in der ARD

Womit wurden Sie heute von öffentlich-rechtlichen Medien belogen?

Seit wir mit ScienceFiles im Jahre 2011 begonnen haben, hat uns die Lohnlückenlüge oder das Gender Pay Gap begleitet. Die Art und Weise, in der es das getan hat, erinnert an Bourdieus „Feine Unterschiede“ in denen beschrieben wird, warum man mit symbolischem Kapital kein kulturelles Kapital vorgaukeln kann – oder: Nur weil jemand es durch ein Studium und in öffentlich-rechtliche Medien geschafft hat, muss er weder intelligent noch fähig oder in irgend einer Form von Kommunikation und Nachrichtenübermittlung versiert sein. Tatsächlich haben uns die Art und Weise, in der über das „Gender Pay Gap“ berichtet wird, zu dem Schluss geführt, dass zumindest diejenigen, die sich mit diesem Thema in Medien und natürlich im Lager der Genderisten beschäftigen, nicht wirklich mit Verständnis, Einsicht, Intelligenz, you name it, bestückt wurden.

Fangen wir daher vorne an.

Das Gender Pay Gap als solches ist ein einfacher Verdienstunterschied, wie er zum Beispiel zwischen einem Müllfahrer und einer Mausschubserin in einem Ministerium besteht. Ersterer verdient weniger als Letztere. Über dieses Gap regt sich jedoch niemand auf.

Aufregung ergibt sich dann, wenn, wie gerade geschehen, das statistische Bundesamt die durchschnittlichen BRUTTOstundenlöhne veröffentlicht, also die Löhne vor Steuer, nicht danach (warum wohl nicht?). Dann ergibt sich regelmäßig, dass Männer mehr verdienen als Frauen. 21 Euro zu 16,59 Euro dieses Mal.

Besonders schlichte Gemüter sehen in diesen Verdienstunterschied eine Benachteiligung von Frauen. Aber der Unterschied ist natürlich keine Benachteiligung, sondern ein ganz normales Phänomen, dass sich z.B. daraus erklärt,

  • dass Männer mehr arbeiten als Frauen (in Vollzeit/Teilzeit);
  • dass Männer mehr Überstunden machen als Frauen;
  • dass Männer mehr in ihren Arbeitsplatz investieren als Frauen (unentgeltliche Mehrarbeit);
  • dass Männer in produktiveren Branchen arbeiten, die einen höheren gesellschaftlichen Mehrwert erbringen als Frauen (IT-Branche bei Männern, öffentliche Verwaltung bei Frauen);
  • dass Männer aufgrund ihrer längeren und ununterbrochenen Arbeitszeit mehr HUMANKapital ansammeln als Frauen, entsprechend mehr wissen und höher qualifiziert sind, was sich in einem höheren Lohn niederschlägt. Auch wenn es für Funktionäre aller Art, ob in Gewerkschaften oder Parteien, nicht nachvollziehbar ist, in der freien Wirtschaft erhält derjenige, der eine höhere Qualifikation, mehr Arbeitserfahrung und weniger Unterbrechungen in der Erwerbskarriere hat, einen höheren Lohn. Und das zurecht!

Nun hat sich zwischenzeitlich herumgesprochen, dass dann, wenn man den oben angesprochenen Unterschied im BRUTTOStundenlohn zwischen Männern und Frauen zur Hand nimmt und die angesprochenen Variablen in Rechnung stellt, vom Verdienstunterschied kaum mehr etwas übrig bleibt. Beim Statistischen Bundesamt verschwinden 15% von den 21%, und 6% bleiben übrig.

Wir haben seit 2011 viele Beiträge veröffentlicht, in denen wir auf die Idiotie hinter der Behauptung, die 21% Verdienstunterschied hätten irgend etwas mit Benachteiligung zu tun, hingewiesen haben. Langsam aber sicher ist diese Erkenntnis selbst bei öffentlich-rechtlichen Anstalten angekommen. Dass sich nur noch die größten Idioten trauen, die 21% überhaupt noch in einem Atemzug mit Benachteiligung in den Mund zu nehmen, geht mit Sicherheit auch auf unsere Arbeit zurück.

Und nun, da sich herumgesprochen hat, dass die 21% 21% und sonst nichts sind, nun stampfen die trotzigen Gören mit den Füssen auf und versuchen das, was Genderisten und andere Ideologen scheinbar am besten können: Sie lügen.

Nehmen wir zum Beispiel die folgenden Sätze, die heute in der ARD erschienen sind:

„Die Statistiker vermuten dahinter meist strukturelle Gründe: So würden in Berufen, die vornehmlich von Frauen ergriffen werden, oft auch geringere Gehälter gezahlt. Zudem arbeiteten Frauen häufiger als Männer in Teilzeit. Seltener finde man sie zudem in Führungspositionen. Hier könnten – so vermuten zumindest die Statistiker – auch Pausen zur Kindererziehung eine Rolle spielen“.

Die Statistiker die hier angesprochen sind, dass sind die öffentlichen Angestellten in der Presseabteilung des Statistischen Bundesamts, und die schreiben im Original:

„Demnach sind die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap unterschiedliche Branchen und Berufe, in denen Frauen und Männer tätig sind, sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Darüber hinaus sind Frauen häufiger als Männer teilzeit- oder geringfügig beschäftigt.“

Es findet sich keine Referenz auf die Kindererziehung, die Phantasie des ARD-Redakteurs. Vielmehr findet sich eine Referenz auf „ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation“. Das heißt im Klartext, dass Männer mehr verdienen, weil sie BESSER qualifiziert sind und weil sie die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um eine Leitungsposition einnehmen zu können, besser erfüllen. Die Frauen, die sich für die Erziehung von Kindern entscheiden, können hoffentlich besser Windeln wickeln als Männer, können im Beruf aber eben nicht dieselben Qualifikationen, Erfahrungen und Fähigkeiten in die Waagschale werden wie Männer.

Die Einschränkung, die „die Statistiker“ hier machen, „ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung“, ist eine erklärende Variable, die, wenn man sie berücksichtigt, den Verdienstunterschied von 21% zum Teil erklärt. Aber nicht nur das. Damit ist auch gesagt, dass berufstätige Männer im Durchschnitt (alle Aussagen beziehen sich natürlich auf den Durchschnitt aller Männer und aller Frauen) qualifizierter sind als Frauen und höhere Qualifikationen haben natürlich weitere Konsequenzen, die sich auf die Höhe des Lohnes auswirken. Aber dazu kommen wir gleich.

Nun, da es sich verbreitet hat, dass die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen nichts mit Benachteiligung, sondern mit unterschiedlichen Lebensentscheidungen, mit unterschiedlicher Motivation, Arbeits(erfahrung) und Arbeitsleistung zu tun haben, nun ist den Genderisten eine ihrer liebsten ideologischen Lügen abhanden gekommen. Was machen Genderisten in einer solchen Situation? Sie lügen weiter.

In der ARD nimmt das die folgende Form an:

„Trotzdem: Arbeitnehmerinnen bekommen nach den jüngsten verfügbaren Zahlen (2014) auch bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit pro Stunde sechs Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen. Diese Zahl wird nur alle vier Jahre genauer erhoben.“

Als Gary Becker die Idee hatte, man könne versuchen, Diskriminierung invers zu bestimmen, also darüber, zu versuchen, Unterschiede umfassend zu erklären und bei umfassender Erklärung das Residuum als Diskriminierung interpretieren, da hat er vermutlich nicht gewusst, was er damit anrichtet, wenn diese Idee in die Köpfe von statistisch Minderbemittelten gelangt.

Im vorliegenden Fall sind die 6% das Residuum. Sie stellen genau dann eine Benachteiligung dar, wenn die Bedingungen für Männer und Frauen konstant gehalten werden UND alle Variablen, die zur Erklärung des Verdienstunterschieds notwendig sind, auch berücksichtigt wurden. Das wurden sie aber nicht. Die eklatante Auslassung aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts, die man vor dem Hintergrund der jahrelangen Versuche, die Lüge vom Gender Pay Gap salonfähig zu machen, als bewusste Unterschlagung werten muss, findet sich in der folgenden Passage aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts:

Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2014 pro Stunde 6 % weniger als Männer.

Hier muss berücksichtigt werden, dass der ermittelte Wert eine Obergrenze ist. Er wäre geringer ausgefallen, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren für die Analysen zur Verfügung gestanden hätten, wie vor allem Angaben zu Erwerbsunterbrechungen.

Kurz: Die „Statistiker“ wissen, dass ihre Erklärung nicht vollständig ist, dass sie nicht umfassend ist, weil sie nicht alle Variablen, die für den Verdienstunterschied verantwortlich sind, berücksichtigt haben. Hätten sie das getan, die 6% wären mit hoher Wahrscheinlichkeit verschwunden. Wir haben dies vor Jahren nur unter Hinzunahme der Überstunden durchgerechnet und weg war er, der Gender Pay Gap.

Die Meldung in der ARD hätte demnach – wäre dem verantwortlichen Redakteur etwas an der Wahrheit gelegen – lauten müssen: Werden die Unterschiede in Arbeitszeit, Arbeitsleistung und Arbeitserfahrung, die es zwischen Männern und Frauen gibt, berücksichtigt, dann kann der höhere BRUTTOStundenlohn von Männern über durchschnittlich mehr geleistete Arbeitszeit, eine höhere Arbeitsleistung und eine größere Arbeitserfahrung von Männern, ein höheres Humankapital im Vergleich zu Frauen erklärt werden.

Mit anderen Worten: Es gibt keine Lohnlücke. Es gibt kein Gender Pay Gap. Es gibt eine Gender Pay Gap Lüge, die Mittelschichtsfrauen mit zweifelhafter Ausbildung verbreitet haben, um sich als Opfer inszenieren und Steuergelder abgreifen zu können.

Und um noch ein Argument oben drauf zu setzen mit Blick auf die in der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts angesprochenen Erwerbsunterbrechungen: Schon 2011 haben wir einen Beitrag veröffentlicht, in dem wir zeigen, dass sich Bildung für Frauen auf allen Bildungsstufen, also vom Hauptschulabschluss bis zum Hochschulabschluss MEHR lohnt als für Männer. Um die Frage zu entscheiden, wie sich Bildung auf das spätere Einkommen auswirkt, berechnen Ökonomen die sogenannte Bildungsrendite. Frauen haben in allen Bereichen eine höhere Bildungsrendite als Männer. Dass sie dennoch im Durchschnitt einen geringeren Stundenlohn erreichen als Männer liegt daran, dass das, was Ökonomen den „Reservation wage“ nennen, so hoch ist, dass es für Frauen als Anreiz dient, Arbeit für staatliche Alimentierung aufzugeben. Wer Elterngeld und Kindergeld und Muttergeld und… zahlt, der muss sich nicht wundern, dass die Bereitschaft von Frauen, sich im Beruf zu engagieren, gering ist, was sich in einem durchschnittlich niedrigeren Stundenlohn niederschlägt. Der Beleg für diese Behauptung stammt übrigens aus dem IAB, dem wissenschaftlichen Ableger der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit. Concetta Medolicchio und Thomas Rhein haben gezeigt, dass sich die Höhe von Kindergeld und Elterngeld negativ auf die Bildungsrenditen von Frauen auswirken. Der Text, den sie dazu geschrieben haben, ist in englischer Sprache. Solche Ergebnisse sollen schließlich nicht popularisiert werden. Kurz: Kindergeld und Elterngeld sind für Frauen ein Anreiz, die Arbeit einzustellen und sich in Fertilität zu üben. Weil sie nicht arbeiten, bleibt ihr Humankapital bestenfalls gleich, schlimmstenfalls verfällt es. Falls sie je wieder arbeiten, tun sie das mit deutlich weniger Humankapital als Männer und nicht zu letzt deshalb verdienen sie verdientermaßen weniger.

Bleibt noch nachzutragen, dass der DGB fordert, Berufen, die von Frauen dominiert werden, per Gesetz eine Lohnerhöhung zu verordnen. Wir fordern, das Gehalt von DGB-Funktionären per Gesetz zu halbieren und an diejenigen zu verteilen, die dieses Land trotz aller gewerkschaftlichen Hinderungs-Versuche am laufen halten, die Zugführer, die Kanalarbeiter, die Lkw-Fahrer, die Lageristen, Packer, Postangestellten usw.

Ein normaler Mensch, der zwei Zahlen sieht, die einen Unterschied zwischen zwei Gruppen z.B. im Verdienst darstellen, der wird denken, dass es für diesen Unterschied bestimmt gute Gründe wie höhere Produktivität gibt. Nur ein boshafter Mensch wird denken, die Angehörigen der Gruppe, die weniger verdient, werden absichtlich und in einer Form der konzertierten Aktion diskriminiert, von der man definitiv sagen kann, dass sie in großen Stil nur dann leistbar ist, wenn sie per Gesetz verordnet wurde. Genderisten sind anscheinend boshafte Menschen, verhärmte, vom Leben Enttäuschte, die die Schuld für ihr Scheitern anderen zuschieben wollen, Männern in ihrem Fall. Warum Männern? Freud könnte das erklären.

Medolicchio, Concetta & Rhein, Thomas (2011). The Gender gap of Returns on Education Across West European Countries. Nürnberg: IAB-Discussion Paper 20/2011.


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Zu wenig Tote: ZDF erfindet ermordete Kinder

Was uns wirklich fasziniert, ist die bei Gutmenschen verbreitete Eigenschaft, die morbide Eigenschaft, Tote zu erfinden. Offensichtlich sind sie der Meinung, ihrer Sache mehr Gewicht und mehr Brownie-Points zuweisen zu können, wenn der vermeintliche Missstand, über den sie sich aufregen, von ihnen phantasievoll vergrößert wird. So sind diejenigen, die angeblich für Schwule agitieren, wirklich ärgerlich darüber, dass alle wissenschaftlichen Belege, die man finden kann und die Dr. habil. Heike Diefenbach für ScienceFiles zusammengetragen hat, keinen Beleg dafür bieten, dass sich Schwule nicht häufiger selbst umbringen als Heterosexuelle. Dies, eigentlich ein Grund zur Freude, bringt ganze Gutmenschen-Welten zum Einsturz und stürzt sie so sehr in eine Sinnkrise, dass sie Zeter und Mordio schreien, um mehr tote Schwule als Heterosexuelle (zumindest verbal) zu bekommen.

Ein ähnliches Phänomen lässt sich im Hinblick auf die Opfer, die in den USA jährlich erschossen werden, beobachten. Als wären die 14.415 Mordopfer, die 2016 nach den Daten des FBI in den USA erschossen wurden, nicht ausreichend oder genug sein sollten, den Blutdurst des ZDF zu stillen, hat man beim ZDF noch ein paar dazu erfunden. Nicht zu allen Mordopfern, sondern nur zu ausgewählten.

Das ist eine weitere dieser morbiden Störungen, die manche Gutmenschen hegen und pflegen: Sie suchen sich eine gesellschaftliche Gruppe, die aus ihrer Sicht besonders vulnerabel ist oder die bereits unter dem Schutz ganzer Schwadronen wohlmeinender Gutmenschen steht und machen deren Probleme noch größer als sie vielleicht schon sind.

Das ZDF hat beschlossen, seinen Blutdurst am Beispiel derer, die in den USA mit Schusswaffen ins Jenseits befördert werden, auszuleben.

Dabei geht es jedoch nicht um Mordopfer an sich. Das fiese Gangmitglied, das erschossen wurde, interessiert nicht, auch dann nicht wenn es schwarz ist. Nein, der Mitleids- und Erregungsfaktor, den die ZDFler gerne hervorrufen wollen, er bezieht sich auf Kinder. Nicht auf alle Kinder. Die im ZDF bevorzugte Art für Kinder zu sterben, ist „bei Amokläufen ums Leben“ zu kommen. 7000 Kinder, so behaupten die ZDFler zu wissen, sind seit 2012 bei Amokläufen ums Leben gekommen. Eine interessante Zahl, vor allem wenn man bedenkt, dass es in den USA notorische Probleme damit gibt, eine Gesamtstatistik auf Ebene des Federal State zu erstellen, und wenn man dann noch in Rechnung stellt, dass es derzeit für 2017 beim FBI und im Department of Justice nur vorläufige Ergebnisse zu finden gibt, dann wird die Zahl noch interessanter.

Seit 2012 meint also nicht seit 2012, sondern bestenfalls von 2012 bis 2016. In diesen fünf Jahren sollen 7000 Kinder, keines mehr und keines weniger, bei Amokläufen ums Leben gekommen sein.

Das ist insofern erstaunlich, als das Gun Violence Archive, das von Gegnern des US-Waffengesetzes betrieben wird und entsprechend nicht im Verdacht steht, die Anzahl der Erschossenen zu untertreiben, für die Jahre 2012 bis 2016 jährlich nur zwischen 270 und 383 Opfer von „Mass-Shootings“ verzeichnet. Entweder die Amokläufe, von denen das ZDF berichtet, bestehen aus Einzeltäter und Einzelopfer, oder das ZDF lügt.

Tatsächlich kommen in den USA, je nach Quelle, die man zu Rate zieht, zwischen durchschnittlich 1.300 und 1633 Personen im Alter von 0 bis 19 Jahren jährlich durch Waffengewalt ums Leben. Nehmen wir diese doch sehr breite Definition für „Kinder“ einmal so hin, dann ergibt sich, dass je nach Schätzung in den fünf Jahren, auf die sich die Behauptung des ZDF beziehen kann, zwischen 6.500 und 8.165 Personen im Alter von 0 bis 19 Jahren ums Leben gekommen sind.

Bei den 0 bis 19 Jährigen handelt es sich nach der Behauptung des ZDF ausschließlich um Kinder, die in Amokläufen getötet wurden, 7000 an der Zahl. Die 7.000 wären im Rahmen der Zahlen, die wir auf Grundlage offizieller Quellen in den USA berechnet haben.

Aber: Von den zwischen 6.500 und 8.165 0-19jährigen Personen (Kinder in der Diktion des ZDF), die von 2012 bis 2016 erschossen wurden, wurden zwischen einem Drittel und der Hälfte durch Familienmitglieder und Bekannte erschossen, maximal 1.665 von Ihnen wurden Opfer in sogenannten „Mass Shootings“ und auch das nur, wenn man annimmt, dass ALLE Opfer in Mass Shootings ausschließlich Kinder (also das, was beim ZDF unter Kindern verstanden wird, Personen im Alter von 0 bis 19 Jahren) waren.

Es wird so oder so kein Schuh daraus.

Die Zahl von 7000 Kindern, die bei Amokläufen in den USA seit 2012 getötet worden sein sollen, ist eine freie Erfindung und durch keinerlei Daten zu stützen.

Das ZDF lügt.

Warum lügt das ZDF?

Eine Erklärung drängt sich auf.
Der Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, verspricht aus Sicht der Konsumenten billiger Bücher zum Thema Persuasion besonders dann Erfolg, wenn man die Naiven, die besonders mitgenommen werden, wenn die Zahl von Toten besonders hoch und das Alter der Opfer besonders niedrig ist, mit Zahlen fangen kann, die sie besonders furchtbar finden.

Man kann sich die tränenerstickte Stimme des Mitglieds der Grünen oder der LINKEN im Bundestag gut vorstellen, wie sie voller Anteilnahme die erfundenen Zahlen des ZDF präsentiert, um nicht nur sich selbst (und auf Kosten erfundener Toter) als guten Menschen zu produzieren, sondern Druck auf all die kalten Menschen auszuüben, die nicht einmal vom unschuldigen Tode ganz vieler Kindlein gerührt werden.

Man kann sich das anhören.
Man kann auch gleich angewidert abwenden.


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„Fast jeden Tag ein Anschlag?“, nein, fast jeden Tag eine öffentlich-rechtliche Manipulation

Wer zum Lügen zu feige ist, der versucht es mit der Suggestion. Ziel: anderen das als Gedanken nahelegen, was man, weil es eine Lüge wäre, selbst nicht aussprechen will.

So geht’s.
ARD Tagesschau von heute.
Folgendes Bild:

Folgende Schlagzeile:
„Fast jeden Tag ein neuer Anschlag“.

211 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte habe es in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 gegeben. Die Tagesschau berichtet das mit Bezug auf die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ). Die Tagesschau hat die Daten der NOZ zweitverwertet.

Wenn man Bild, Schlagzeile, das Wort „Anschlag“ und die „211 Attacken“ in eine Reihe stellt, dann ergibt sich ein konsistentes Bild entsteht, bei dem eine Gleichsetzung von 211 Attacken, die zu Anschlägen werden, die – wie im Bild dargestellt – ausgebrannte Asylbewerberunterkünfte zurücklassen.

Nun muss man wissen, dass in den Lageberichten des Bundeskriminalamt, aus dem die Zahlen, die die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet und die Tagesschau mit dem Ziel arglistiger Täuschung übernimmt, zwischen Straftaten gegen Asylunterkünfte und Gewalttaten gegen Asylunterkünfte unterschieden wird. Die 211 Attacken, sind nämlich keine Attacken und schon gar keine Brandstiftungen, wie ein boshafter Redakteur, dem es zu wenig ausgebrannte Flüchtlingsunterkünfte zu geben scheint, nahelegen will. Letzteres muss man daraus schließen, dass die Neue Osnabrücker Zeitung, auf die sich die Tagesschau bezieht noch ganz andere Zahlen veröffentlicht hat, nämlich:

„Seit Jahresbeginn (Stand 23. Oktober) registrierte das Bundeskriminalamt bundesweit 226 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Mindestens 213 dieser Übergriffe hatten laut BKA einen rechtsradikalen Hintergrund, bei einigen weiteren Taten wird das vermutet. Bei den meisten Taten handelte es sich um Sachbeschädigung (74) , Schmierereien und Propaganda (71) sowie Überfälle und Gewaltdelikte (32). Es waren aber auch 12 Brandstiftungen und zwei Sprengstoffexplosionen darunter.”

Ursprünglich war bei der Neuen Osnabrücker Zeitung auch von 211 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte die Rede. Diese Information, im ersten Abschnitt des Textes, ist die einzige Information, die der Tagesschau-Redakteur aufgenommen zu haben scheint. Reicht wohl, um das eigene Mütchen zu kühlen.

Bei der NOZ werden aus 211 Attacken innerhalb von drei Absätzen erst 226 Übergriffe, die dann zu mindestens 213 Übergriffen mit rechtsradikalem Hintergrund mutieren.

Die Attacken der Tagesschau, die mit Anschlägen bebildert und gleichgesetzt werden, transformieren bei der NOZ innerhalb weniger Abschnitte von Attacken zu Übergriffen, die sich bei genauem Hinsehen in 74 Sachbeschädigungen und 71 Propaganda-Delikte, also in der Regel Hakenkreuzschmierereien, verwandeln. Man tut den Begriffen der Attacke und des Anschlags doch arge Gewalt an, wenn man Schmierereien oder eingeworfene Fenster als solche bezeichnet.

Von den 211 Attacken, die für die Tagesschau auch allesamt Anschläge sind, die – wie die Bebilderung nahelegt – Brandstiftung zum Gegenstand haben, bleiben 12 Straftaten, bei denen es sich tatsächlich um Brandstiftungen handelt, übrig. Wenn man auf Grundlage von 7% der Straftaten, die man tatsächlich als Anschlag bezeichnen kann, eine Aussage macht, die 93% der „Straftaten gegen Asylunterkünfte“ zu Anschlägen und Attacken umdeutet, dann ist das kriminelle Energie, die ihrerseits in den nächsten Lagebericht des Bundeskriminalamts eingehen könnte. Titel des Lageberichts: Straftaten gegen die Wahrheit, Volksverhetzung und vorsätzliche Irreführung der Allgemeinheit.

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Meinungsmache durch Staatsfunk? Die Lügenpresse ist in der Mitte angekommen

Lügenpresse, Staatsfunk, Volkserzieher, diese Begriffe der politischen Rechten, so Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft in Tübingen, „verminten das Gelände“ für richtige Medienkritik und führten dazu, dass richtige Medienkritiker sich nicht mehr trauten, die Medien zu kritisieren, aus Angst, zu den falschen Medienkritikern gezählt zu werden.

Pörksen hat sich in der ZEIT aufgemacht zu beklagen, dass „der Verdacht, von den öffentlich-rechtlichen Medien und vermeintlich übermächtigen Journalisten manipuliert zu werden – vom rechten Rand bis in die Mitte der Gesellschaft“ gewandert sei. Da es letztlich für die Frage, ob Kritik berechtigt ist oder nicht, irrelevant ist, von wo sie kommt, weckt Pörksen hier schon Zweifel an seiner intellektuellen Unabhängig- und Kritikfähigkeit.

Aber: in dubio pro reo!
Betrachten wir also, was nach Ansicht von Pörksen den derzeitigen Diskurs über die deutschen Medien vergiftet. Es ist das Folgende:

  • Medien würden durch „Schmähvokabeln wie ‚Staatsfunk‘ zu Marionetten der Politiker gemacht. Es werde nahegelegt, dass Journalisten keine unabhängigen Akteure, sondern Lakaien der Politiker seien und entsprechend berichten würden, was Letztere sich wünschen.
  • Journalisten würden unter Rechtfertigungsdruck stehen und ständig betonen, dass sie nicht aus dem Bundeskanzleramt angerufen und auf Linie getrimmt worden seien.
  • Medien würden als „autoritäre Gatekeeper“, die „letztlich bestimmen, was sagbar und politisch durchsetzbar“ sei, beschrieben. Es werde behauptet, sie wären darauf ausgerichtet, ihren Konsumenten bestimmte Weltsichten zu vermitteln und sie gleichzuschalten.

Alle drei Vorwürfe, die Pörksen in seinem Beitrag auflistet, findet er moralisch verwerflich. Für keinen davon führt er den Beleg, dass er falsch ist. Dass politischer Druck auf Journalisten ausgeübt werde, um Journalisten zur genehmen Berichterstattung zu bewegen, ist für ihn ein ebenso absurder Gedanke, wie die Vorstellung, öffentlich-rechtliche Medien würden bewusst Inhalte verzerren und nicht objektiv berichten: die ganze Schar der Journalisten wäre also darin einig, die Position als Selegierer von Information für den Versuch zu nutzen, die Empfänger der Informationen durch entsprechende Aufbereitung oder Auslassung, durch leichte Verdrehung oder offene Bewertung zu manipulieren.

Das erscheint Pörksen lächerlich.
Natürlich kann das Kanzleramt nicht bei allen deutschen Journalisten anrufen. Natürlich sind vermutlich nicht alle Journalisten dem gemeinsamen Ziel, die Konsumenten ihrer Nachrichten zu manipulieren oder es doch zumindest zu versuchen, verpflichtet.

Ergo, so schließt Pörksen, seien die Vorwürfe an die Adresse der öffentlich-rechtlichen Medien unangebracht, ideologisch motiviert, mit rechtem Stallgeruch belastet und deshalb falsch.

Hier irrt Pörksen, und man weiß nicht wirklich, ob er aus gutem Glauben irrt oder deshalb irrt, weil er mit seinen drei Punkten einen Strohmann aufgebaut hat, den er vor der Meute abbrennen kann, um anschließend zu behaupten, er habe den Teufel getötet. In jedem Fall ist sein Beitrag von einem Bruch durchzogen: Die Aussagen, die er macht, werden von seiner Argumentation nicht getragen.

Man braucht seine Annahmen und die Beschreibung der Absurditäten, die angeblich hinter der Rede von der Lügen- oder Lückenpresse stehen sollen, nämlich gar nicht, um dennoch zu demselben Ergebnis zu kommen, dem Ergebnis, dass öffentlich-rechtliche Medien einen politischen Bias haben, bestimmte Nachrichten unterdrücken, einseitige Bewertungen vornehmen und insgesamt der politischen Agenda, wie sie von der Einheitsfront der linken Politiker, die von linksaußen bis in die CDU reicht, verpflichtet sind.

Um zu erklären, warum öffentlich-rechtliche Medien einen Bias haben und man eben nicht davon ausgehen kann, dass sie im Allgemeinen korrekt oder am Kriterium der objektiven Berichterstattung ausgerichtet berichten, reichen zwei Feststellungen:

  • Parteineigung von Politik-Journalisten in Deutschland

    Die meisten Journalisten ordnen sich selbst eher links ein. Der Anteil der Journalisten, die eine linke Ideologie pflegen ist höher als der derer, die liberale oder rechte Überzeugungen haben.

  • Journalismus ist ein Beruf, der wie der Beruf des Lehrers oder der des Hochschullehrers entprofessionalisiert wurde. Die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen in den Redaktionen von Zeitungen und bei öffentlich-rechtlichen Medien führen nicht dazu, dass die Besten sich dort einfinden. Vielmehr finden sich durchschnittliche, wenig imaginative und vor allem kaum mit Phantasie oder Kreativität belastete Durchschnittsjournalisten ein, die die Redaktion verwalten.

Diese beiden Annahmen, reichen aus, um den derzeitigen (ideologischen) Zustand der öffentlich-rechtlichen Medien zu erklären. Man braucht dazu keinerlei Annahmen darüber zu machen, dass Journalisten absichtlich die Konsumenten ihrer Nachrichten belügen (obwohl dies sicherlich vorkommt).

Amos Tversky und Daniel Kahneman haben ebenso wie Leon Festinger in vielen Studien belegt, dass Menschen Informationen eher aufnehmen, wenn sie in einem positiven Verhältnis zum eigenen Überzeugungssystem stehen. Das Kriterium für die Auswahl von Informationen ist entsprechend nicht deren Übereinstimmung mit der Wirklichkeit, sondern deren Übereinstimmung mit der Überzeugung dessen, der die Informationen auswählt.

Journalismus hat die Auswahl von Informationen zum Gegenstand. Die Idee einer objektiven Berichterstattung ist ähnlich abstrus wie die Idee von Leben auf der Sonne. Natürlich ist Journalismus selektiv. Guter Journalismus versucht, die vorhandene Selektivität dadurch zu beherrschen, dass er sich am Kriterium einer möglichst umfassenden Berichterstattung ausrichtet. Da man nicht umfassend berichten kann, besteht der einfachste Weg, dem Kriterium nahezukommen darin, den berichteten Gegenstand von mehreren Seiten, auf Basis mehrerer Aspekte zu analysieren oder im einfachsten Fall beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. „Guter Journalismus“, von dem Pörksen schreibt, für den er aber kein Kriterium nennen kann, besteht z.B. darin, nicht nur Gegner von Donald Trump zu Wort kommen zu lassen, sondern Trump die Möglichkeit zur Reaktion auf Vorwürfe einzuräumen. Guter Journalismus wäre auch dann gegeben, wenn Einordnungen erfolgen, wenn z.B. das Unglück von Fukushima nicht zum Anlass genommen worden wäre, um ausschließlich die Risiken der Kernenergie zu beklagen, sondern auch dazu, die Vorteile der Technologie mit der Tatsache zu verweben, dass nicht einmal ein Tsunami letztlich in der Lage war, eine großflächige atomare Katastrophe auszulösen.

Ideologische Überzeugungssysteme, so haben Tversky und Kahneman gezeigt, beeinflussen die Wahrnehmung von Fakten, beeinflussen die Auswahl von Fakten. Davor ist niemand gefeit, weshalb es notwendig ist, sich selbst zu kontrollieren oder sich in einem kritischen Umfeld zu bewegen, um gegebenenfalls auf einen vorhandenen Bias zugunsten der eigenen Überzeugung hingewiesen zu werden. In einem Markt sorgen die Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage dafür, dass Anbieter von Nachrichten, die sich durch einen zu starken Bias auszeichnen, die die Wahrheit zu sehr in einem ihnen genehmen Licht darstellen bzw. verzerren oder gänzlich einseitig darstellen, vom Markt verschwinden, denn es gibt alternative Anbieter, die keinen oder nur einen geringen Bias haben. Nun gibt es keinen Markt für Nachrichten in Deutschland, schon weil es keinen Wettbewerb zwischen Journalisten gibt, der den Namen verdient, schon weil Angestellte öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten unabhängig von der Nachfrage nach ihren Nachrichten sind. Im Extremfall können öffentlich-rechtliche Anbieter auch dann überleben, wenn niemand mehr ihre Texte oder Sendungen konsumiert. Egal, was sie schreiben, ihr Einkommen ist gesichert. Die Motivation, sich an Kriterien guten Journalismus‘ wie wir sie oben genannt haben, zu halten, ist daher gering. Die Versuchung, politisch-korrekte und vor allem unkritische Beiträge zu verbreiten, die letztlich die Sicht derer widerspiegeln, die im Aufsichtsrat der Sender sitzen und von denen Journalisten meinen, sie hätten die Schlüssel zu beruflichem Aufstieg und Nebenverdienst in der Tasche, ist somit groß, denn: Die Loyalität von öffentlich-rechtlichen Journalisten ist nicht bei den Konsumenten ihrer Nachrichten, sondern bei denen, die sie für relevant im Hinblick auf die eigenen Karriere ansehen. Bei ihnen dienen sie sich an. Mit welcher ideologischen Überzeugung sie sich andienen, das dürfte angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Journalisten sich politisch auf der linken Seite des Spektrums einordnet, offensichtlich sein.

Doch warum gibt es nicht zwischen Sendern oder zwischen verschiedenen Medien Unterschiede in der Berichterstattung? Warum sieht man sich als Konsument öffentlich-rechtlicher Medien einer Nachrichten-Einheitsfront gegenüber, die mit der Neugier und dem Engagement, der Suche nach Neuem, die man den Mitgliedern der menschlichen Spezies so gerne attestiert, nicht in Einklang zu bringen ist?

Die Antwort darauf gegen DiMaggio und Powell mit ihrem Konzept der Isomorphie.

Neues zu publizieren, etwas anders zu machen, sich zu exponieren, das alles sind Tätigkeiten, die mit einem Risiko verbunden sind. Wenn sich das Neue bei der eigenen Bezugsgruppe, den Vorgesetzten, den Kollegen nicht bewährt, das Andere abgelehnt wird und man sich dafür exponiert hat, dann kann es passieren, dass die eigene Karriere beendet ist, man anstelle der Produktion von Sendungen Archivarbeit leistet. Ein derartiges Risiko gehen in der Regel nur Menschen ein, die hoch motiviert sind und die davon überzeugt sind, dass ihre abweichenden Ideen zum Erfolg werden. Solche Menschen sind keine durchschnittlichen Standardjournalisten. Sie ragen aus der Menge heraus, machen eine entsprechende Karriere oder werden dann, wenn die Organisation Neues oder Anderes nicht toleriert, aus der Organisation entfernt oder sie wandern ab, z.B. in soziale oder alternative Medien.

Bei öffentlich-rechtlichen Medien scheint Letzteres der Fall zu sein. In jedem Fall kann man feststellen, dass ein akuter Mangel an herausragenden, an guten Journalisten vorhanden ist, dass alles im Durchschnitt versinkt. Das wiederum führt dazu, dass die Atmosphäre in öffentlich-rechtlichen Medienanstalten risikofeindlich ist. Mitarbeiter versuchen, Neues und Anderes zu vermeiden. Sie trampeln ausgetretene Pfade entlang, um auf Nummer sicher zu gehen – oder wie ein Leipziger Handwerker einmal gesagt hat: Mach‘ nichts anders, dann kommst Du auch in nichts hinein.

Dieses Bemühen um die Vermeidung von Unsicherheit trifft sich mit der Tatsache, dass die Mehrzahl der Journalisten einer linken Ideologie anhängt und führt im ersten Schritt dazu, dass in öffentlich-rechtlichen Medien ein linker Bias vorhanden ist. Mitarbeiter von ARD und ZDF bewegen sich in einem links-dominierten Nachrichtenfeld. Ihre Auswahl von Nachrichten und ihre Bewertung von Nachrichten erfolgt in diesem Rahmen. Die Einseitigkeit mancher Berichterstattung und die Auslassung von Informationen ist somit nicht hauptsächlich das Ergebnis des Vorsatzes, die Konsumenten der Nachrichten zu manipulieren, sondern Ergebnis des Versuches, Risiko zu vermeiden. Unter Wölfen ist es besser mit der Meute zu heulen als das Schaf zu geben.

Das Bemühen, mit der Auswahl von Nachrichten bzw. der eigenen Form von Journalismus kein Risiko einzugehen, hat noch drei weitere Effekte, die DiMaggio und Powell als koersive, mimetische und normative Isomorphie bezeichnet haben. Das Risiko, mit einer nicht-konformen Berichterstattung aufzufallen, kann dadurch minimiert werden, dass man kopiert, was andere berichtet haben und von dem bekannt ist, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Karriere des berichtenden Journalisten hatte. Das ist mimetische Isomorphie. Das Risiko nicht-konformer Berichterstattung kann auch dadurch verringert werden, dass man sich dem anpasst, was es als Klima in einer Redaktion gibt. Mehrheitlich ist dies ein linkes Klima. Schließlich kann auch Zwang ausgeübt werden, um eine abweichende Berichterstattung zu verhindern, z.B. von der Gewerkschaft im Sender, die Handreichungen verfasst, auf denen dargelegt wird, wie man bei Kollegen „falsche“ Einstellungen entdecken kann oder ein verdecktes Mitglied der AfD in der Redaktion enttarnen kann.

Alle drei Mechanismen führen zur Isomorphie, also zur Angleichung von Handlungen, Aussagen und letztlich Medienberichten.

Damit wäre der Zustand der öffentlich-rechtlichen Medien, wie er in Begriffen wie Lückenpresse, Lügenpresse oder Staatsfunk pointiert beschrieben wird, erklärt, ohne auch nur auf eine der Annahmen über geheime Verschwörungen, einen direkten Einfluss von Politikern auf Journalisten oder sonst etwas, das den Strohmann von Pörksen ausgemacht hat, zurückgreifen zu müssen.

Dass öffentlich-rechtliche Medien in dem bedauernswerten Zustand sind, in dem sie nun einmal sind, ergibt sich als logische Folge aus der Tatsache, dass die meisten Journalisten eine linke Überzeugung haben, sich entsprechend ein linkes Klima in Redaktionen ausbreitet, in Redaktionen, die mit durchschnittlichen Journalisten bevölkert sind, die nicht auffallen und nichts politisch Unkorrektes schreiben wollen und deshalb kopieren, was andere schreiben, sich an das Meinungsklima in der Redaktion anpassen und ansonsten versuchen, in nichts hinein zu kommen. Dass am Ende dann Berichte stehen, die ideologisch gefärbt sind, von Auslassungen und einseitigen Bewertungen durchzogen sind, ist Ergebnis der beschriebenen Faktoren und der Tatsache, dass Menschen aus Informationen eher diejenigen auswählen, die zu ihrer eigenen Überzeugung passen. Die Lückenpresse wäre somit das Ergebnis vorhandener Strukturen in öffentlich-rechtlichen Institutionen im Zusammenwirken mit Journalisten, die so durchschnittlich sind, dass sie nicht einmal damit ein Problem haben, dass sie nicht auffallen. Letztlich kann eine selegierte Population wie mehrheitlich linke Journalisten, die im eigenen Saft braten, eben keine Nachrichtenbreite anbieten, die der Diversität der Gesellschaft, die dieselbe in Redaktionen um ein Vielfaches übersteigt, gerecht wird. 

Selbst wenn man keine der von Pörksen genannten Aussagen zum Ausgangspunkt nimmt, keine direkte Einflussnahme der Politik, keine absichtlichen Versuche der Manipulation, kommt man somit zum selben Ergebnis: Deutsche Medien haben einen ideologischen Bias, der in Lücken, Auslassungen und Lügen resultiert, um die eigene Agenda zu befördern. Nun wissen wir natürlich, dass es gezielte Einflussnahmen gibt. Parteivertreter sitzen in Rundfunkräten. Ministerien versuchen, über allerlei Auftrags- und Legitimationsforschung und die nachfolgenden Pressemeldungen, die Berichterstattung zu beeinflussen. Politische Gefallen werden gegen Beiträge in Medien gehandelt. Die personellen Überlappungen zwischen Politik und Medienwirtschaft sind zu groß, als dass man nicht davon ausgehen müsste, dass die gemeinsame Sache gegen die Konsumenten der Nachrichten nicht an der Tagesordnung wäre. Die SPD unterhält einen Medienkonsern. Warum wohl? Zudem haben wir auf ScienceFiles viele Belege für falsche oder einseitige oder ideologisch verdrehte Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien zusammengetragen, so dass man auch annehmen muss, dass einige (?), manche (?), viele (?) Journalisten das Ziel der Manipulation von Nachrichtenkonsumenten verfolgen.

Wie man es dreht und wendet, es kommt ein Bias, eine Lücken-, eine Lügenpresse dabei heraus.


DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter W. (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in
Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

Lünenborg, Magreth & Berghofer, Simon (2010). Politikjournalistinnen und -journalisten. Aktuelle Befunde zu Merkmalen und Einstellungen vor dem Hintergrund ökonomischer und technologischer Wandlungsprozesse im deutschen Journalismus. Berlin: Freie Universität Berlin, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Arbeitsstelle Journalistik.

Tversky, Amos & Kahneman, Daniel (1986). Rational Choice and the Framing of Decisions. Journal of Business 59(4): S251-S278.

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