Manche Deutsche lieben es, manipuliert zu werden

Vor wenigen Tagen haben wir einen Tweet der taz kritisiert, der eine Form der Manipulation darstellt, die man getrost als weit unter der Gürtellinie ansehen kann. Von Moral und Anstand zu sprechen, verbietet sich in diesem Fall von selbst.

Der Tweet lautet:
„In Zeiten von Trump und AfD ist der Blick zurück wichtiger denn je. Über Euthanasie in der NS-Zeit“

Im Tweet wird also ein Zusammenhang zwischen AfD, Trump und der Euthanasie in der NS-Zeit hergestellt. Im verlinkten Text kann man dann die Geschichte von Walter Frick nachlesen, der angesichts seiner Einberufung in die Wehrmacht wohl die Nerven verloren hat. Er wurde in die Nervenheilanstalt Bernau eingeliefert und ist dort kurze Zeit später verstorben. Ein Opfer von Euthanasie, wie seine Verwandten vermuten.

Was hat die Geschichte mit Trump und der AfD zu tun? Warum bringt die taz die Geschichte eines in der Nervenheilanstalt vermutlich oder vielleicht Ermordeten mit der AfD und Trump in Verbindung? Eigentlich ist der brachiale Versuch der Suggestion: Wenn die AfD an die Macht kommt, dann werden wieder Behinderte in der Anstalt umgebracht, [AfD mit Trump austauschbar] zu offensichtlich, als dass man ihn übersehen kann.

ManipulationstechnikenDas Problem mit suggestiver Manipulation, wenn sie dermaßen dumm angestellt wird, wie im Beispiel der taz, besteht nun darin, dass man es auch wörtlich nehmen und mit der vermeintlichen Euthanasie von Walter Frick beginnen kann, um aus der Geschichte in der taz auf den Tweet zu schließen und daraus die offensichtliche Empfehlung abzuleiten, aus der Vergangenheit zu lernen und aus Sicht der taz Behinderte wie Trump oder die Mitglieder der AfD per Euthanasie zu beseitigen.

Wir haben uns für die zweite Variante entschieden, um die taz in ihrer ganzen Armseligkeit bloßzustellen. Und wir mussten einmal mehr lernen, dass es offensichtlich in Deutschland Leute gibt, die uns Kommentare schicken, die selbst dieser Armseligkeit etwas abgewinnen können und behaupten, der Tweet sei gar nicht so gemeint, sei eigentlich ganz in Ordnung, jedenfalls kein Aufruf zur Euthanasie.

Angesichts dieses Ausmaßes an, sagen wir: Naivität, kann man nur Folgern, dass die entsprechenden Kommentatoren entweder dumm sind (oder bei der taz arbeiten) oder es lieben, manipuliert zu werden. Oder sie haben kein Problem mit Manipulation, so lange sie die politisch Andersdenkenden betrifft.

Wie kann man geistige Tiefschläfer wecken?
Wir haben uns für die taz-Brachialmethode entschieden und die ideologische Passung, die im taz Tweet vorhanden ist, gestrichen.

Was würden Sie wohl sagen angesichts eines Tweets wie:

In Zeiten von AIDS und LSBTI ist der Blick zurück wichtiger denn je. Über Euthanasie in der NS-Zeit:
Der Link führt auf die Geschichte von Walter Frick.

Oder wie wäre es damit:

In Zeiten von LINKE und Bündnis90/Grüne ist der Blick zurück wichtiger denn je: Über die Ermordung politisch anders Denkender während der Stalinistischen Säuberungen.

Oder, auch ganz nett:
In Zeiten von Feminismus ist der Blick zurück, wichtiger denn je: Miles wird von seiner Erzieherin ermordet.

Wie wäre es damit:
In Zeiten von Migration ist der Blick zurück, wichtiger denn je: Die Zerstörung Roms durch keltische Migranten.

Einer geht noch:
In Zeiten von Dummheit ist der Blick zurück, wichtiger denn je: Die Zerstörung der Bibliothek von Alexandria durch Caliph Omar.

Lust auf Brachialsuggestion wider den politischen Mainstream?

Schicken Sie uns ihren taz-Tweet als Kommentar!

Über Michael Klein
... concerned with and about science

21 Responses to Manche Deutsche lieben es, manipuliert zu werden

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] Manche Deutsche lieben es, manipuliert zu werden

  2. Tazkes says:

    Nein die Leute haben es schon richtig verstanden.TAZ wünscht sich offenbar das Trump und AFD der Euthanasie zum Opfer fallen.Ist aber nichts neues bei den Linken.Hat sich doch ein bekannter Linke Führer in England die Vergasung von Arbeitern die nicht genug leisten bringen gewünscht….hatte Hitler die Idee etwa von ihm?

    • corvusalbusberlin says:

      „Manche Deutsche lieben es, manipuliert zu werden“
      Manche?

      • Jakob Sparrov says:

        Betrifft „MANIPULATION“
        Nicht nur Deutsche!
        So gesehen, beweist das Ergebnis der „Wahlwiederholung der Stichwahl zur Bundespräsidentenwahl“ (dieses Wortkonstrukt stand auf den Wahlinformationen!), dass Österreicher DOCH deutsches Blut in sich haben! Ha, ha, ha!
        Dieses Wortkonstrukt dürfte für gehörige Verwirrung bei einigen „mündigen“ Wählern gesorgt haben, was dann auch sicher mit zu diesem Wahlausgang beitrug. Allein etwa 20% der 45.000 Erstwähler (wurden erst heuer 16) sind DEVINITIV Analphabeten! Werden die nicht manipuliert, sind sie aus eigener Kraft und eigenem Antrieb einfach kaum bis gar nicht (über)lebensfähig! Und beim Rest schauts kaum besser aus, auch wenn sie Buchstaben und Zahlen halbwegs „domptieren“ können!
        Was kann also ein, auf den ersten Blick zynisches, Torschild eines anrüchigen Ortes, Anfang der 1940er in Osteuropa, tatsächlich gemeint haben?
        Irgendwie hat dieser tiefere Sinn heute wieder erschreckende Aktualität und das gleich in mehrere politische Richtungen!

  3. hgb says:

    In Zeiten des Gleichheits- und Solidaritätswahns ist der Blick zurück wichtiger denn je: Das Leben in der DDR

  4. Herr Unbekannt says:

    In Zeiten von TAZ & Co. ist der Blick zurück wichtiger denn je. Über Medien in der NS-Zeit:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_St%C3%BCrmer http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/die-gleichschaltung-der-medien-im-dritten-reich/

    • Brockenteufel says:

      Diese Gleichschaltung haben wir doch auch in unserer heutigen Zeit, vielleicht nicht ganz so offensichtlich. Dazu brauchte es keine „NS-Zeit“.

  5. taz-dumme Manipulation trifft auf gute Menschen, die sich progressiv wähnen, wenn sie für möglichst umfassende Euthanasie plädieren. So durfte unlängst in Belgien ein Kind euthanasiert werden. Auch in den 30er Jahren galt Euthansie als progressiv. Die Nazis sprangen also nur auf einen schon rollenden Zug auf. Überhaupt waren die Nazis, was den Zeitgeschmack anging, eine sehr progressive Bewegung. Einzig bei der bildenden Kunst hauten sie daneben. Goebbels musste sich da der hitlerischen Postkartenidylle beugen.

    • rote_pille says:

      Hätten Sie das Kind versorgt? Wenn nicht, dann wäre die Beschwerde darüber pure Heuchelei.

      • corvusalbusberlin says:

        Ich hatte schon genug zu tun, 2 völlig „normalen“ Kindern – was auch immer darunter versteht, zur Seite zu stehen. Mit einem behindertem Kind wäre ich völlig überfordert gewesen.

    • rjb says:

      Es handelt sich wohl um diese Geschichte:
      http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-09/belgien-sterbehilfe-todkrankes-kind
      oder auch
      http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/erstmals-sterbehilfe-fuer-todkrankes-kind-in-belgien-14440053.html
      http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/belgien-erstmals-sterbehilfe-fuer-minderjaehrige-geleistet-a-1112751.html
      um mal drei „Qualitätsmedien“ anzuführen. Was fällt an den Meldungen auf?

      1. Übereinstimmende Textteile lassen darauf schließen, daß in den erstenbeiden Artikeln im wesentlichen eine Agenturmeldung abgschrieben wurde.

      2. Als Voraussetzung für Sterbehilfe nach der belgischen Regelung wird genannt: „Sie ist dann möglich, wenn die Eltern sowie Ärzte und Psychologen zustimmen. Voraussetzung ist außerdem, dass das Kind nachweislich eine rationale Entscheidung getroffen hat und im Endstadium einer unheilbaren Krankheit mit unerträglichen und nicht zu lindernden Schmerzen ist. “

      Die Einheitsaufmachung der Artikel bedingt inzwischen offenbar, daß ein Bild dabei sein muß. Keines der 3 Bilder in den 3 Artikeln hat jedoch mit dem Thema zu tun. In dem Zeit-Artikel sieht man eine Säuglingshand in der Hand eines Erwachsenen. Wenn die später genannten Voraussetzungen für Sterbehilfe zutreffen, dann ist aber schon die Behauptung, es gäbe keine Altersgrenze, schräg. Denn das Erfordernis einer rationalen Entscheidung des Kindes ist unterhalb eines entsprechenden Alters unerfüllbar. Korrekterweise müßte man wohl von Sterbehilfe für Minderjährige schreiben und nicht von Sterbehilfe für Kinder. Die Fotos mit Babyhand suggerieren, in Belgien könnten jetzt Neugeborene mit Behinderung abgemurkst werden. Das ist offensichtlich nicht so, jedenfalls nicht legal, aber um das zu erfahren, muß man schon den ganzen Artikel lesen. Für den, der nur die Überschrift und das Bild registriert, ergibt sich ein falscher Eindruck. Laut dem Spiegel-Artikel habe es „sich eher um einen Teenager als um ein Kind gehandelt“, im Haupttext. Im Vortext ist es einfach ein Teenager. Das Bild im Spiegel-Artikel zeigt „Pflegekräfte im Dienst“ an einem Krankenbett in einer Intensivstation und geht am Thema anders, aber nicht weniger weit vorbei als die Bilder mit den Händen.

      In den ersten beiden Artikeln ist aber zumindest der Einleitungssatz aufs Thema bezogen, während im Spiegel-Artikel dem Leser zuallererst mitgeteilt wird, was er zu empfinden habe: „Es ist ein Fall, der erschüttert…“

      Erschütternd sind die auch hier festzustellenden manipulativen Tendenzen, und die Assoziationen zu Euthanasiepraktiken der Nazis, und von da aus weiterflottierend zum Kunstverständnis des Reichsbrüllaffen, sind die hierzulande unausweichliche Fortsetzung der von diesen Tendenzen induzierten Denkschwäche.

  6. merxdunix says:

    In Zeiten staatlich verordneter Vollverblödung ist ein Blick zurück wichtiger denn je: auf das Selbstwertgefühl!

  7. Schluchtenschei..er says:

    Ja, es ist doch schön bequem, nicht denken zu müssen und sich allabendlich das Gehirn vor der Glotze benebeln zu lassen. So gelang es einem Völkchen aus Vorderasien mit einem 2 Jahrtausende alten und einem Dogma seit Ende WK 2, die Gehirne der sogenannten westlichen Welt total mit einem Bazillus zu infizieren, dessen Saat nun aufgeht. So dachte ich, nur die Westdeutschen wären verblödet, aber der Bazillus hat auch die Österreicher getroffen. Dieses Volk, welches den WK 1 auslöste, an dessen Folgen Europa heute noch leidet, hat die Chance der Wiedergutmachung verpasst und damit auch sein Ende eingeleitet. Wie irre kann diese Masse Mensch noch sein?

  8. Peter Merbitz says:

    In Zeiten von Energiewende-Wahn und Technik-Angst ist ein Blick zurück wichtiger denn je: Leben in der Steinzeit.

  9. Rainer Brandl says:

    In Zeiten des EEG ist der Blick zurück wichtiger denn je: die Windmühlen und Wilhelm Busch „Schein und Sein“

  10. jensstreubel says:

    In Zeiten von Pisa, der fortschreitenden Verdummung in Deutschland und unserem ach so gutem Schulsystem ist ein Blick zurück, wichtiger denn je: Was passiert, wenn Lehrer zu gut unterrichten?

    http://www.gds-news.de/2016/08/11/was-passiert-wenn-lehrer-zu-gut-unterrichten-strafversetzungen/

    • corvusalbusberlin says:

      @jendstreubel
      Was diese junge Lehrerin sagte, fand ich sehr interessant, wenn es auch vielen bekannt ist. Ich frage mich , warum spielen alle dieses Spiel mit dem Leistungsdruck mit?
      Mein Sohn (geb.1970) hatte keinerlei Leistungsdruck und präsentierte mir eine 5 mit dem gleichen Stolz , wie die Kinder heute, die eine 1 nach Hause tragen.

      Was bedeuten diese dämlichen Zensuren, wenn sie außerdem nur für den einen Tag der Leistungsabfrage gelten?

      Bereits mit 10 Jahren machte mir mein Sohn klar, dass er nicht gedenke, das Abitur zu machen. Und ich akzeptierte das. Er machte dann eine kaufmännische Lehre im Sportbereich mit gutem Abschluss – aber aus sich selbst heraus.

      Meine Tochter, die ich nur selten habe lernen sehen, machte ein gutes Abitur und studierte dann Jura.
      Warum quält man die Kinder heute so? Mir scheint, sie sollen das erreichen, was den Eltern nicht vergönnt war. Nur mit welchem Recht?
      Von vielen kommt dann, meine Kinder sollen es einmal besser haben. Warum ?

      Als wenn man dazu das Abitur nötig hätte.

  11. nilpferd says:

    In Zeiten von Masseneinwanderungen von anderen Kulturen ist ein Blick zurück wichtiger denn je: Die Neubesiedelung Amerikas.

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