ARD Finanzierung: Intransparenz, Manipulation, Täuschung oder Unvermögen?

ARD braucht 400 Millionen Euro pro Jahr mehr.

Na dann!

Uns würden schon ein paar Milliönchen pro Jahr mehr reichen.

Und Ihnen?

Aber wir sind nicht die ARD, deshalb haben wir keinen, den wir zwangsverpflichten können, die 400 Millionen Euro, die zu 1,6 Milliarden Euro über die nächsten vier Jahre werden sollen, zu bezahlen, nicht einmal die paar Milliönchen, die wir gerne hätten, können wir erzwingen.

Weil die ARD 400.000.000 Euro pro Jahr mehr „braucht“, deshalb gibt es einen Beitrag auf tagesschau.de, in dem von einem 2.400 Seiten dicken Zahlenwerk die Rede ist. Auf einer oder mehreren dieser 2.400 Seiten steht: Die ARD braucht 400 Millionen Euro pro Jahr mehr!

Was auf den restlichen 2.399 Seiten steht? Niemand weiß es.

Am wenigsten weiß es wohl Astrid Corall vom NDR, der die Aufgabe zugewiesen wurde, den ARD-Zwansgfinanzierenden schmackhaft zu machen, dass es die öffentlich-rechtliche Durchschnittskost in Zukunft mit 400 Millionen Euro mehr zu finanzieren gilt.

Das macht man, so steht es wohl in der öffentlich-rechtlichen Handreichung zur Manipulation von Gebührenzahlern, am besten dadurch, dass man außer den 400 Millionen Euro, die man zwangsläufig nennen muss, keine weiteren großen Zahlen nennt und ansonsten nur Gründe für die Steigerung nennt, denen eine hohe Akzeptanz zugewiesen wird:

  • ARD_Karte.svgLöhne sind gestiegen. Das ist immer gut. Wer will schon, armen Arbeitnehmern ihren Lohn beschneiden.
  • Umstellungsprojekte, das klingt auch gut, vor allem, wenn das, was umgestellt wird, sowieso auf geteilte Meinungen stößt. Umstellung hat etwas von Aufbruch, von besser machen. Wer würde nicht dafür bezahlen wollen?
  • Außerdem: „Seit sechs Jahren sind die Rundfunkgebühren nicht gestiegen, Anfang April sank der Beitrag sogar erstmals in der Geschichte“. Das kann so nicht weitergehen. Deshalb: 400 Millionen Euro mehr – pro Jahr.
  • Und von „Zeit zu Zeit“ braucht die ARD halt doch mehr Geld, „um die Programmqualität zu halten“. Der ist gut – oder?.
  • Deshalb gleich noch einmal: „Gutes Programm kostet Geld“!
  • Ein Teil der Mehreinnahmen kommt Kitas zugute. Wie schön – oder? Vor allem mit Blick auf den Livestream aus der Kita – Programmqualität halt!
  • Trotz all der Gründe, die eigentlich zwingend mehr Geld für die ARD nach sich ziehen, gibt man sich bei der ARD umgänglich: „Wir sind uns bewusst, dass das Geld der Beitragszahler wirklich sehr knapp ist. Aber ich glaube, wr haben da wirklich Maß gehalten und möchten auch weiterhin ein gutes Programmangebot machen“ [man beachte das „weiterhin“]. Das sagt Lutz Marmor, der Intendant des NDR, der muss es wissen. Und einmal ehrlich: läppische 400 Millionen Euro im Jahr, das ist schon maßgehalten.

Und bei all den guten Gründen und all der Begründung dafür, dass es gar nicht anders geht, als der ARD 400.000.000 Euro pro Jahr mehr zu spendieren, hat kaum einer der Leser bemerkt, dass im Beitrag von Corall nur insgesamt zwei Informationen enthalten sind: 400.000.000 Euro pro Jahr mehr will die ARD. Eine Steigerung um 2,2% ist das:

„Das Zahlenwerk der ARD ist gut 2400 Seiten dick. Detailliert steht dort, wie viel Geld der Senderverbund in den kommenden vier Jahren aus seiner Sicht benötigt. Und das sind knapp 400 Millionen Euro mehr pro Jahr als jetzt – das entspricht rund 2,2 Prozent.“

Da kann niemand sagen, in Beiträgen öffentlich rechtlicher Sender würden – in diesem Fall die Leser – intellektuell überstrapaziert. Das Motto Öffentlich-Rechtlicher lautet wohl eher: intellektuelle Unterforderung der Leser auf dem Niveau der Programmmacher.

Da machen wir nicht mit.

Statt dessen haben wir ein Rätsel für unsere Leser, denn bei all der Begründung der Wichtigkeit, Unausweichlichkeit und Unabwendbarkeit der zusätzlichen Finanzierung von 400.000.000 Euro ist doch glatt vergessen worden, die Höhe der Mittel, die derzeit der ARD zufließen und damit die Basis der Prozentuierung, zu benennen.

Deshalb unser Rätsel:

Zwei Daten haben sich in den Beitrag verirrt:

400.000.000 Euro will die ARD mehr.

400.000.000 Euro mehr entsprechen nach den Angaben im Beitrag einer Steigerung von 2,2%.

Wie hoch ist das Budget der ARD, das auf Grundlage dieser beiden Zahlen berechnet werden kann?

Wer unfairer Weise rumgoogled und den ergoogelten Wert mit seinem errechneten Wert vergleicht, kann zu dem Ergebnis kommen, dass man bei der ARD nicht Prozentrechnen kann oder bewusst falsche Prozentzahlen angibt.

Es mag stimmen!

Wie viel Geld verbraucht die ARD pro Jahr?

 

Über Michael Klein
... concerned with and about science

14 Responses to ARD Finanzierung: Intransparenz, Manipulation, Täuschung oder Unvermögen?

  1. Pingback: [Kritische Wissenschaft] ARD Finanzierung: Intransparenz, Manipulation, Täuschung oder Unvermögen?

  2. Horst Laven says:

    Vielleicht könnte man Geld sparen, wenn man nur noch Interviews mit
    Gender-Protes-Tanten sendet!
    Satire off

  3. rote_pille says:

    Schätze, dass kein anderes Staatsorgan es schafft so viel Hass auf sich aufzubauen wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Das ist bemerkenswert, bei dem harten Wettbewerb und der Vielfalt an „Innovationen“, mit den andere Staatsorgane ihnen die Poleposition streitig machen.

  4. Ina Müller says:

    … Und die Griechen wollen jetzt die Finanzierung der eigenen Fernsehanstalten am dt. Vorbild ausrichten? Keine gute Idee: http://m.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-905375.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com/

  5. Sven H. Schillings says:

    Die Aussage, daß der Rundfunkbeitrag seit 6 Jahren nicht mehr gestiegen sei, ist schlichtweg falsch, da erst 2013 auf die sog. Haushaltsabgabe umgestellt wurde, die einen hohen Mehrbetrag von ca. 1,6 Mrd. € in die Kassen spülte. Diese wurde bewußt auf ein Treuhandkonto gezahlt und NICHT dem ÖRR überlassen. Das nun plötzlich 400 Mio. € jährlich mehr gefordert werden, ist schon starker Tobak. Vor allem angesichts des extrem hohen Gehaltsgefüges der Festangestellten und der üppigen Altersvorsorge.
    Bei so hohen Gebühren darf ich im übrigen doch darum bitten, daß einfachste Prozentberechnungen auch im Hause ARD möglich sein sollten oder scheute man einfach nur davor zurück, den Bürgern die korrekte Erhöhung von ca. 8% zu nennen? Woher kommt wohl der Begriff „Lügenpresse“?
    Anfrage nebenbei: Warum ist seit kurzem die Bewertungsmöglichkeit von Kommentaren nicht mehr möglich?

    • 4 * 400Mio. wären 1,6Mrd.
      Vielleicht hängt das damit zusammen, man will das Geld abholen.
      https://sciencefiles.org/2015/08/29/ard-will-leser-verschaukeln/

      Um 2,2% will man erhöhen und hat das mit dem Geld auf dem Treufußkonto verwechselt. Ja, eine krude Theorie, aber luschtich.

      Carsten

      [Professor(inn)en]
      Meines Erachtens kann man sie aber schon nach dem jetzt geltenden Recht rauswerfen. Wissenschaftliches Fehlverhalten ist ein Dienstvergehen, und betrügerisch erschlichene Ernennungen können zurückgenommen werden.
      Rainer

  6. hol says:

    Als Meine Mutter2014 Verstarb, hatten wir der GEZ dies sofort mitgeteilt, darauf hin hatte diese ein Guthaben von35€ festgestellt. Aber zwei wochen später verlangte die GEZ die Gebühr für Januar 2015. Undin den Anschreiben wurde nicht ich angesprochen, sondern meine verstorbene Mutter, und dies in den Mahnungen bis Ostern 2015. Solche leute haben kein Recht in irgend einer Argumentation die Moral anzusprechen, denn sie haben selber über haupt keine!

  7. Journalisten und rechnen, Welten treffen aufeinander. Man sieht doch, daß das nicht stimmen kann. Und noch eines, Tagesschau, Propagandaschau, selektive Wahrnehmung.

    KEF:Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten
    Sie wurde 1975 eingerichtet und besteht aus 16 unabhängigen Experten

    Können nicht rechnen, da verläßt sich ein Eggsberte auf den anderen — wundert mich nicht.
    Und der hier kann also auch nicht rechnen:

    Letztlich ist die 2,2 stark untertrieben — hat also ein Gschmäckle — wundert mich auch nicht.

    „Haben Maß gehalten“

    jaja
    Warum haben die das in Anführungszeichen gesetzt?

    Ersetzen wir jetzt Mathematik durch Umfragen? „Was meinen Sie, was da rauskommt?“ „Wäre es nicht gerechter, wenn drei mal vier fünf ist?“ Das würde dem Zeitgeist so passen!

    Trotzdem, schönes Wochenende!

    Carsten

    Es gibt Ziehungsbeamte und Vollziehungsbeamte

  8. Martin says:

    Tja,es ist unbestritten, dass der Verein staatstragende Aufgaben erfüllt. Mit dem Geld muß ja auch immer mehr die „Freie Printpresse“ querfinanziert werden. Die Illusion einer freien Presse lässt sich nicht aufrecht erhalten, wenn der ÖR allein seine Propaganda über uns auskippen muß.

  9. A.S. says:

    Bei solchen Meldungen frag ich mich immer: Wo sind da die ganzen Raffgier-Schreier, die sonst bei jedem Konzern sofort zur Stelle sind. Irgendwie sind für die Raffgier-Schreier auch manche gleicher. Nicht dass das überraschend wäre, aber etwas aufregen tut es schon.

  10. Pingback: ARD will Leser verschaukeln | ScienceFiles

  11. hgb says:

    Jetzt ist es raus: Auch das ZDF braucht mehr Geld. Auch das ZDF ist ganz bescheiden und nimmt nicht alles. Auch das ZDF will knapp 400 Millionen € mehr. Auch das ZDF will nicht, daß das Geld vom Treuhandkonto da hin zurück geht, wo es hin gehört: zu den (Zwangs-)Beitragszahlern.

    http://www.focus.de/kultur/kino_tv/medien-zdf-meldet-383-millionen-euro-finanzbedarf-an_id_4914530.html

    Quiz-Frage: Was wird mit dem Solidarbeitrag, der Steuer auf die Steuer, geschehen?

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