Soziale Gerechtigkeit? Rund 12% der Rentner sind weiter erwerbstätig

„Die Rente ist sicher“, so hat Norbert Blüm einst getönt. Aber: „Reicht die Rente auch zum Leben?“, so muss man heute, da die Gesetzliche Rentenversicherung für diejenigen, die ihr Leben lang arbeiten und Beiträge einbezahlen, zu einem Verlustgeschäft geworden ist, fragen.

Nichts geworden, mit dem ruhigen Lebensabend, ist es für 11,6% der Personen im Alter von 60 bis 85 Jahren, die sich eigentlich im Ruhestand befinden. 11,6% von ihnen gehen weiter einer Erwerbstätigkeit nach. Im Jahr 1996 waren es noch 5,1% der Rentner zwischen 60 und 85 Jahren, die einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Somit ist der Anteil der erwerbstätigen Rentner um 127% gestiegen, hat sich also relational mehr als verdoppelt.

erwerbstaetig-im-ruhestand-2Wie im gesamten Erwerbsleben, so liegt auch die Last der Erwerbstätigkeit im Rentenalter abermals und mehrheitlich auf Männern. 14,7% der Männer und 8,6% der Frauen im Ruhestand gehen weiter einer Erwerbstätigkeit nach. Das entsprechende Gender-Pension Gap wartet noch darauf, von den immer um Gerechtigkeit bemühten Genderisten entdeckt und beklagt zu werden.

Die auch im Ruhestand fortgesetzte Erwerbstätigkeit, so kann man aufgrund der Daten schließen, hat vermutlich mehrere Ursachen.

Wir sind hier auf Annahmen angewiesen, denn wie so oft, wenn es um aktuelle und brennende soziale Probleme geht, findet wissenschaftliche Forschung in Deutschland nicht statt. Hier werden lieber zwei Springerstiefelträger, die in einem Kaff im Osten der Republik gesichtet worden sein sollen, zum Anlass genommen, um eine Armada staatlich finanzierter Rechtsextremismuskämpfer zu netzwerken und zum Schattenboxen abzurichten.

Ein Teil der Rentner, vor allem in akademischen Berufen setzt die Berufstätigkeit auch nach Erreichen des Rentenalters fort, vermutlich, weil die Betreffenden nicht wissen, was sie sonst tun sollten.
Ein Teil der Rentner, die z.B. in Berufen der Land- und Forstwirtschaft tätig sind, setzen ihre Erwerbstätigkeit vermutlich fort, weil die entsprechenden Berufe mit Schmutz- und Handarbeit verbunden sind und auf der Hitliste der bevorzugten Berufe der MeMeMe und der Snowflake-Generationen, die lieber als Bürokaufmann Drehstühle wärmen wollen, kaum mehr zu finden sind.

Erwerbstaetig im Ruhestand1.pngEin Teil der Rentner ist gezwungen, trotz Rente einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, um seinen Lebensstandard zu halten und nicht in Altersarmut zu sinken. Dies zeigt sich z.B. daran, dass Selbständige unter den auch im Ruhestand noch Berufstätigen überproportional häufig zu finden sind, es zeigt sich aber vor allem daran, dass Tätigkeiten im Bereich von Verkaufs- und Dienstleistungsberufen oder Hilfstätigkeiten von den rüstigen Rentnern, die eigentlich ihren Ruhestand genießen sollten, überproportional ausgeübt werden.

Man kann somit festhalten, dass Zahlungen aus der gesetzlichen Rente für zunehmend mehr vor allem männliche Rentner nicht ausreichen, um den Lebensabend in dem, was man Würde nennt, zu verbringen. Vielleicht trösten sich die vornehmlich männlichen Rentner auf dem Weg zur Arbeit damit, dass aus ihren Abgaben in die Rentenkasse allerlei Transferempfänger finanziert wurden (und werden), die keinen oder nur einen geringen Beitrag in die Rentenkasse geleistet haben und vielleicht tröstet es die entsprechenden arbeitenden männlichen Rentner, dass sie nach aller Wahrscheinlichkeit früher sterben werden, als z.B. die nicht erwerbstätigen Frauen, die sich auf die Aufzucht von Kindern spezialisiert und deren Rentenansprüche die erwerbstätigen Rentner zeit Lebens finanziert haben: Damit der Nachwuchs dann die Rente finanziert, die nun nicht ausreicht, um einen Ruhestand ohne Erwerbstätigkeit zu genießen.

Über Michael Klein
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14 Responses to Soziale Gerechtigkeit? Rund 1214 der Rentner sind weiter erwerbstätig

  1. rote_pille says:

    Der Staat ist keine Vereinigung freier Bürger oder so, sondern eine riesige kriminelle Organisation. Deshalb ist dieses „ich habe eingezahlt also steht mir auch das und das zu“ totaler BS. Wenn jemandem Eigentum gegen seinen Willen genommen wird, handelt es sich um Raub. Niemand hat irgendwas eingezahlt, sondern er wurde ausgeraubt und es wurden gleichzeitig Lügen und Euphemismen verbreitet, um Widerstand vorzubeugen. Gangster geben das geklaute Geld so aus wie sie es für richtig halten, und nicht die Opfer. Warum tun Leute ständig so, als würde irgendwas nicht laufen wie es geplant war? Ist der Bedarf an Illusionen so groß? Macht die Wiederholung der staatlichen Lügen von wegen „Einzahlung“ den Gedanken erträglicher, dass man faktisch nur ein Opfer ist, das gegen seinen Willen total abgezockt wird und praktisch nichts tun kann, damit das aufhört? Wird die persönliche Ehre dadurch wiederhergestellt, dass man sich selbst belügt? Oder wird vielleicht die eigene Arbeit als Zumutung aufgefasst, sodass Verluste bei der Entlohnung als unerträgliche Kürzung der einem zustehenden Entschädigung betrachtet werden?

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  3. Tapmedie Ulpanius says:

    Erklärt doch bitte mal, was soziale Gerechtigkeit sein soll.
    Ich hab das bisher so verstanden: Soziale Gerechtigkeit ist, wenn alle – unabhängig von der geleisteten Arbeit – das gleiche erhalten, oder???

  4. Pingback: Zahl der Familiennachzüge steigt an – Wohnungen werden knapp | inge09

  5. CEMLO says:

    Senioren, denen ihr Lebensstandard so wichtig ist, mögen weiter von der Utopie ‚Soziale Gerechtigkeit‘ schwärmen.

    Die übrigen können die Freizeit mal nutzen sich richtige Gedanken zu machen:
    „Soll das schon alles gewesen sein? Kann ich noch was tun, wodurch ich über
    mein Klein-Bürger-Dasein hinauswachse?“

    Ja, der Berg an ungelösten Problemen wird täglich größer.
    Los jetzt, Senior, die Lebensgeister rufen Dich.

  6. Pingback: Soziale Gerechtigkeit? Rund 12% der Rentner sind weiter erwerbstätig – MoshPit's Corner

  7. Roland says:

    Sie schmeißen in letzter Zeit ja viel mit großen Prozentwerten um sich.

    Ich kann mir darunter nur nichts mehr vorstellen. Was bedeutet ein relationaler Anstieg um 127% ? Ich bin schlecht in Mathe – ich brauche da von irgendjemanden ne Schritt für Schritt Erklärung. Ich sehe hier ein Anstieg um 6,5% oder ich sehe hier nur eine Gegenüberstellung von 5,1% (1996) und 11,6% (heute) wobei die errechnete 127% nichts weiter aussagt als das 11,6% mehr als das doppelte so hoch ist, wie 5,1% … was eine Verpackung banaler Erkenntnis in brisant anmutenden Prozentwerten wäre.

  8. Dr. Hans Ney says:

    Rentner-Pay-Gap oder die Rückkehr des Zehnten

    Das Äquivalent der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers besteht aus dem Bruttolohn zuzüglich
    Arbeitgeberanteilen der Sozialversicherungen, kurz gesagt den Personalaufwendungen des Arbeitgebers. Diese Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen, insbesondere die Rentenbeiträge kommen dem Arbeitnehmer, zwar zeitlich verzögert, zu Gute.
    Dies ist beim Rentner nicht vollständig der Fall. Aufgrund § 172 6.Buch Sozialgesetz streicht die Rentenversicherung den Arbeitgeberanteil des Rentenversicherungsbeitrags ohne Gegenleistung für den Rentner ein. Da ich unterstelle, dass der Rentner diesen Beitrag genauso erarbeitet wie der Nichtrentner, wird dem Rentner ein nicht unwesentlicher Teil seines Arbeitsäquivalentes vorenthalten.

  9. Jürg Rückert says:

    Die Rentner, die in der Rente weiterhin einer Arbeit nachgehen, das sind eben die fitten. Und nichts macht fitter als Hunger. Runter mit dem Cholesterin!

  10. markus says:

    Ach, herrje. Ich habe eben mal Altersarmut und Rentner gegoogelt. Die Paarung schafft es auf 160 000 Treffer.

    Gibt man Altersarmut und Pensionär ein, kommt man nur noch auf 8 000 Treffer. Allerdings hatten die obersten 5 Treffer, wenn man sie angeklickt hat, dann doch nur wieder über Altersarmut von Rentnern berichtet. Und das waren vermutlich die aussagekräftigsten Treffer, die Google zustande gebracht hat.

    Markus ( https://der-5-minuten-blog.de )

  11. Pingback: Dies & Das vom 18. Februar 2017 | freistaatpreussenblog

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