Bundesministerium: Veranstaltungsgerechtigkeit für Behinderte (und Frauen)

Irrsinn, ist er erst einmal normalisiert, verbreitet sich in Windeseile. So haben wir aus einem Paket, das uns ein Leser zugeschickt hat, einen „Leitfaden_Organisation_Veranstaltungen“ herausgegriffen, den das Umweltbundesamt im Namen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erstellt hat.

Nachhaltigkeit ist wichtig, das wissen wir alle. Weniger wissen schon, was Nachhaltigkeit eigentlich sein soll, wenige wissen, warum das, was etwas mehr kennen, wichtig ist und kaum jemand kann den Begriff der Nachhaltigkeit auch nur ansatzweise sinnvoll verwenden.

Der sinnentleerte Gebrauch von Nachhaltigkeit hat im Leitfaden aus dem Umweltbundesamt, den folgenden sprachlichen Auswurf gefunden:

„Nachhaltigkeit muss stets berücksichtigen, welche Folgen sich für die Zukunft ergeben. Dies gilt sowohl hinsichtlich ökologischer, ökonomischer als auch sozialer Aspekte. Nachhaltigkeit betrifft alle Betrachtungsebenen und muss daher auf der lokalen Ebene genau so verwirklicht werden, wie im überregionalen oder sogar globalen Bereich. Hierzu kann jeder auf seiner Ebene beitragen.“

Da Folgen sich gewöhnlich erst einstellen, wenn etwas getan wurde (oder sich etwas ereignet hat), die Folge einer Handlung aus Sicht der ungetanen Handlung nachgerade in der Zukunft liegt, kann die Folge sich nicht für die Zukunft, sondern nur für die Handlung ergeben. Das hat zur Konsequenz, dass man die Folgen einer Handlung zwar mit Wahrscheinlichkeit, nicht aber mit Gewissheit berücksichtigen kann. Ob etwas in der Zukunft einen Nachhall finden wird und wie der Nachhall aussehen wird, sind eben Fragen, die man erst in Zukunft beantworten kann.

Beachten Sie dabei vor allem „alle Betrachtungsebenen“ von der lokalen und globalen bis zu Ihrer Ebene. Wobei? Keine Ahnung.

„Dieser Leitfaden will den OrganisatorInnen und PlanerInnen von Veranstaltungen (wie z. B. Konferenzen, Tagungen, Gipfeltreffen etc.) Hilfestellung geben, um die mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit notwendigen Erfordernisse zu erkennen.“

Was dann folgt reicht von der Anreise mit ÖPNV zu Veranstaltungsorten über die zertifizierte Unterbringung der Teilnehmer bei Stückholzheizung und deren Verpflegung mit ökologisch geprüfter Nahrung, dem ökologischen Sourcing und der entsprechenden Abfallbeseitigung bis zum Umgang mit Wasser und demselben mit Gastgeschenken. Und dann kommen wir bei den sozialen Aspekten an.

Das Wort „sozial“ hat in Deutschland immer mehr die Bedeutung von Mildtätigkeit (vielleicht auch gut) angenommen. Als sozial gilt, wer denen, die wenig oder gar nichts haben, etwas abgibt, wer Kranke füttert und für Behinderte sorgt. Soziale Aspekte, die sich auf Gesellschaftsmitglieder erstrecken, die besondere Fürsorge benötigen, weil sie den Unbillen eines nachhaltigen Lebens nicht gewachsen sind, sich aus eigener Kraft nicht in der Normalität des Alltags zurechtfinden können, so dass es notwendig scheint, ihnen auf Schritt und Tritt unter die Arme zu greifen, um die Folgen ihrer sozialen Unpässlichkeit zu lindern, haben auch Frauen, ohne Ausnahme und generell und offensichtlich als generelles Mängelwesen zum Gegenstand. Der Gebrauch ökologischer Pappbecher hat gendergerecht zu erfolgen, um Frauen den Zugang zu öffentlichen Trinkgelagen zu erleichtern. Gendergerechte Messer hindern Frauen daran, sich anstatt ihr Brot zu schneiden. Und gendergerechte Zugänge zum Veranstaltungsort sorgen dafür, dass nicht nur Behinderte Barriere frei sind.

„10. Soziale Aspekte

Einführung

Nach wir vor keine gendergerechte Müllentsorgung.

In diesem Handlungsfeld werden Fragen der behindertengerechten (Barrierefreiheit) und geschlechterspezifischen (Gender Mainstreaming) Durchführung von Veranstaltungen behandelt. Die Berücksichtigung der Bedürfnisse behinderter Menschen soll deren eigenständige und aktive Teilnahme an Veranstaltungen ermöglichen. Mit Kabinettbeschluss vom 23. Juni 1999 hat die Bundesregierung auf der Grundlage des in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG festgelegten Staatsziels die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Leitprinzip ihres Handelns anerkannt und beschlossen, diese Aufgabe mittels der Strategie des Gender Mainstreaming zu fördern. In Ausführung dieses Beschlusses wurde am 26. Juli 2000 in § 2 der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien die Verpflichtung aller Ressorts festgelegt, diesen Ansatz bei allen politischen, normgebenden und verwaltenden Maßnahmen der Bundesregierung zu beachten. Auch im Bundesgleichstellungsgesetz ist in § 2 der Grundsatz des Gender Mainstreaming verankert. Von Konferenzen können wichtige Impulse in Richtung „Gender Mainstreaming“ ausgehen. Dies betrifft in erster Linie die Einhaltung eines geschlechtergerechten Sprachgebrauchs.

Ziele
• Berücksichtigung der Bedürfnisse behinderter Menschen
• Berücksichtigung der Grundsätze von Gender Mainstreaming bei der Veranstaltungsvorbereitung und -durchführung Wesentliche Maßnahmen
• Möglichst barrierefreier Zutritt für RollstuhlfahrerInnen zu Veranstaltungen
• Möglichst rollstuhlgängige WC-Anlagen
• Für Personen mit anderen Handicaps (z. B. Seh- und Hörbehinderte) sind im Bedarfsfall Maßnahmen umzusetzen, die ihre Teilnahme ermöglichen.
• Geschlechtergerechte schriftliche und mündliche Formulierungen“

Moderner Paternalismus, im Namen von Gender Mainstreaming und Nachhaltigkeit kennt keine autonomen und selbstbewussten Frauen, nur kleine Weibchen, die sich in der großen Lichterwelt unwohl fühlen und denen man helfend unter die Arme greifen muss. Die einzige Form von Frauendiskriminierung die uns bekannt ist, nennt sich konsequenter Weise „Gender Mainstreaming“.

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10 Responses to Bundesministerium: Veranstaltungsgerechtigkeit für Behinderte (und Frauen)

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  2. Gereon says:

    Ich verlange jetzt endlich mit Friede Springer finanziell gleichgestellt zu werden!

  3. Dr. Klaus Eckhard says:

    Das Wort Nachhaltigkeit kann ich nicht mehr hören und habe mir auch vorgenommen darauf nicht mehr zu reagieren. Es ist das moderne Wort für das Jenseits. In diesem Leben, das wir alle, besonders aber die Jungen nur einmal haben, verzichten, Energie sparen, mit dem Fahrrad fahren, in kein Flugzeug steigen, ökologisch essen, wofür.. für eine bessere Zukunft des Planeten, die niemand kennt. Und natürlich zahlen, zahlen…

    • Sozialisten sind halt mehr an ihren Utopien (oder Dystopien) und zukünftigen Generationen interessiert, als an denen, die jetzt leben. Die jetzt leben, müssen eben verzichten und leiden (und die sozialistischen Planer finanzieren), damit wir alle nicht wissen, wie es morgen sein wird, aber alle glauben können, dass es ganz schon sein wird und die nächsten Generationen unser Leid und unseren Verzicht nicht nötig haben und vor allem keine sozialistischen Planer finanzieren müssen… Utopie eben.

      • Sven Kuchary says:

        Noch schlimmer ist es: Sozialisten machen die Mittel zum Selbstzweck, und machen aus untauglichen Mitteln Utopien. Wie z. B. der Euro reines Mittel zur Zahlungserleichterung wäre, so ist nun seine “Rettung” Selbstzweck. Für diese und andere Utopien werfen sie Unsummen von anderer Leute Geld zum Fenster heraus, und verursachen Kolleratalschäden überall. Der Zweck heiligt die Mittel: Die Maßnahmen zur Erfüllung der kommunistischen Heilserwartung kosteten bis jetzt mehr Leichen als die heilige Inquistion.

    • “Es ist das moderne Wort für das Jenseits.”
      Wie bei der katholischen Kirche oder auch bei anderen organisierten kirchlichen Institutionen. Der bescheidene Mensch, besser der Gutmensch, der regelmäßige Kirchgänger und Kirchenspender landet im Jenseits.
      Aber keiner kann mir sagen, was mich bei der “Auferstehung von den Toten” dort erwartet.
      Da wird doch wohl eine Auswahl getroffen – Einzelzimmer – Zweibettzimmer und dann Zimmerer größerer Behausungen und beten , beten, beten.
      Ne, ich glaube, das ist nix für mich und darum genieße ich so weit wie möglich die Gegenwart.

  4. David says:

    zum Punkt “Geschlechtergerechte schriftliche und mündliche Formulierungen”: Aus Frankreich dringt gerade die Kunde, daß Genderschreib im Verwaltungsbereich nicht mehr genutzt werden soll/darf. Weil gerade diese “geschlechtergerechte schriftlichen und mündlichen Formulierungen” z.B. für Leute mit Sehbehinderungen ganz schwierig zu handhaben sind.

    Wenn ich mir das Gendergeschreibsel so anschaue, dann kann ich das mehr als gut verstehen. Das ist Schwachsinn, vorsätzlich unleserlich gemacht, damit es niemand verstehen kann – möchte man doch nicht bei eben diesem Schwachsinn erwischt werden.

    Ob hier in Deutschland eine Diskussion wie in Frankreich geführt werden darf? Was ist sozusagen das höhere Gut – das Gendern oder das Verhalten gegenüber Behinderten?

  5. Man bekommt den Eindruck, dass man die Gleichstellung von Frau-sein und Behindert-sein schon erreicht hat. Ob das das erhoffte Ziel war?

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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