Das miese Geschäft mit dem Mitleid – Diesmal Täuschung aus dem BMZ

#ichwillfair [Die deutsche Sprache ist nicht jedermanns Sache], #WeltohneHunger, so tweeted das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit unter einer Abbildung, auf der angeblich gezeigt wird, wer an einer Tafel Schokolade verdient. Die armen Kakaobauern, die sich des Mitleids des BMZ, wenn schon sonst nichts, sicher sein können, sie verdienen nur 6 Cent am Preis einer Tafel Schokolade. Noch schlechter schneiden staatliche Behörden ab, die nur 4 Cent am Preis einer Tafel Schokolade verdienen. Spitzenverdiener sind der Handel und die Hersteller von Schokolade.

Das ist, wie das BMZ meint, nicht fair.

Wir meinen, es ist nicht fair, nicht in Ordnung, wenn das BMZ hier Grafiken verbreitet, die ein Bild vermitteln, das der Realität nicht entspricht und den Anteil deutscher staatlicher Raffgier an den 89 Cent vollständig zu unterschlagen.

Wir haben deshalb ein paar Posten zusammengestellt, die das BMZ mutwillig unterschlägt, um die Meldung, die bösen Kapitalisten sind daran schuld, dass Kakaobauern hungern müssen, verbreiten zu können.

Fangen wir mit Schokolade an. Schokolade besteht aus mehr als Kakao.

In der Regel enthält Schokolade:

  • Kakaobutter,
  • Kakao
  • Nüsse, Erdnüsse,
  • Trockenmilch
  • Vanille
  • Honig,
  • Zucker,
  • Mandeln,
  • (Rosinen)

Diese Zutaten müssen beschafft werden. Das kostet Geld. Und die Zutaten vereinigen sich nicht selbständig zu Schokolade. Jemand muss sie mischen und die Schokolade herstellen, dafür fallen direkte Arbeitskosten an;

Um die Schokolade herzustellen, braucht man nicht nur Arbeitskräfte, man braucht

  • Maschinen,
  • eine Halle drumrum,
  • Energie,
  • Es fallen zusätzliche Personalkosten für die Überwachung der Produktion und den Unterhalt der Maschinen an.
  • Die Maschinen verlieren zudem mit jeder Betriebsstunde an Wert …

Wenn man Schokolade hergestellt hat, benötigt man Verpackungsmaterialien, Maschinen, die die Verpackung um die Schokolade wickeln und in Kartons, die man beschafft hat, setzen, man benötigt Lagerarbeiter und entsprechenden Lagerplatz, Maschinen zum Transport der Schokolade, eine interne Logistik. Auch dafür fallen Kosten an.

Dann werden Verwaltungsmitarbeiter benötigt, die sich um die Löhne der Arbeiter kümmern, den Nachschub an Zutaten und Verbrauchsmaterialien usw. organisieren, die Abrechnungen erstellen, nicht zuletzt die, die das Finanzamt haben will und vieles mehr. Damit sie das tun können, benötigen sie einen Schreibtisch, einen Computer, Möglichkeiten der Telekommunikation und vieles mehr, was beschafft und gewartet und wenn es kaputt ist, ersetzt werden muss. Nicht zu vergessen, die Mitarbeiter der Verwaltung wollen auch bezahlt werden. So wie die Mitarbeiter von Logistik und Marketing, die sich um den Absatz von Schokolade kümmern, um Regalplätze in Supermärkten kämpfen, Werbung schalten und dafür sorgen, dass die Schokolade aus der Fabrik in Läden gelangt. Dazu benötigt man Fahrzeuge, die wiederum Benzin verbrauchen usw. Schließlich müssen all die Gebäude, in denen Material gelagert, Schokolade hergestellt, Schokolade gelagert, Mitarbeiter Verwaltungsarbeiten unternehmen usw. finanziert und unterhalten werden.

Das sind eine ganze Menge Kosten, die entstehen, um eine Tafel Schokolade zu produzieren und in den Laden zu bringen. Und an jedem dieser Posten verdient der Staat. Für Anschaffungen fällt Umsatzsteuer an. Für die Mitarbeiter sind Lohnsteuer und Sozialabgaben zu entrichten. Dazu kommen Gewerbesteuer, Grundsteuer, Feuerschutzsteuer, Köperschaftssteuer, Stromsteuer …

Hätte das BMZ all diese Kostenarten berücksichtigt, dann wäre es nichts geworden, mit der schäbigen Mitleidsgrafik, die die armen Kakaobauern gegen die reichen Unternehmen ausspielt, die sich angeblich am Verkauf von Schokolade eine goldene Nase verdienen. Berücksichtigt man die Hand, die der Staat über seine verschiedenen Steuern in der Tasche all derer hat, die hier als diejenigen dargestellt sich, die an Schokolade verdienen, dann ergibt sich ein anderes Bild, dann verdient der Staat an einer Tafel Schokolade mindestens 16 Cent, hinzu kommen die 4 Cent für staatliche Behörden im Anbauland. Damit wären wir bei ca. 20 Cent staatliches Verdienst an einer Tafel Schokolade. Dem Schokoladenhersteller bleibt in der Regel ein Nettogewinn von zwischen 6 und 10 Cent pro Tafel.

Wenn dem BMZ so viel an den Kakaobauern liegt, warum wirbt man dann nicht dafür, das horrende steuerliche Verdienst an Schokolade zu verringern und die Differenz den Kakakobauern zu Gute kommen zu lassen.

Es wird niemanden wundern zu erfahren, dass sich derart falsche und verzerrte Darstellungen, die allesamt den Staat als denjenigen, der ohne etwas zu Produktion, Herstellung und Vertrieb beizutragen, am meisten daran verdient, vergessen, in Unterrichtsmaterialien findet. Offensichtlich denken die Verantwortlichen, die Indoktrination klappe nicht in gleichem Maße, wenn man Schülern reinen Wein einschenkt.

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12 Responses to Das miese Geschäft mit dem Mitleid – Diesmal Täuschung aus dem BMZ

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  2. Ria Lora says:

    Ich kaufe aus Prinzip keine sogenannten Fair-Produkte, weil sie eben nicht fair für den Bauern abgerechnet werden. Punkt.

  3. Werner Runkel says:

    Vielen Dank für die Richtigstellung! Beinahe wäre ich auch auf die platte Darstellung des BMZ hereingefallen – ich sehe mit einem Mal gleich viele Dinge anders.

  4. Gereon says:

    Ob die sich son schönes Schaubild auch mal zum Benzinpreis trauen?

  5. oprantl says:

    Ich zahle zwar hin und wieder Steuern zur Finanzierung der kaiserlichen Marine, obwohl wahrscheinlich längst abbezahlt und eh abgesoffen, aber von Feuerschutzsteuer habe ich bis heute noch nichts gehört.
    Man braucht halt nur etwas über Schokolade zu lesen, und schon lernt man diese Steuer kennen…

  6. archenlaender says:

    Interessant finde ich, dass bei der Gegenüberstellung im Unterichtsmaterial der Fair-Trade-Handel zusammen mit den Weltläden mehr abgreift (26 Anteile), als der Handel bei der herkömmlichen Schoki (22 Anteile).
    Hinzu kommt, dass diese Anteile höher bewertet werden müssen, da die Fair-Trade-Schokolade meist teurer verkauft wird.

    • Sebastian says:

      Laut der Grafik des BMZ liegt der Anteil des Handels bei der Billigschokolade bei etwa 43 %, nicht bei 22 %.
      Ihre Zahlen zugrundegelegt wundert mich der höhere Anteil der Weltläden dagegen nicht, denn die Absatzmenge dieser Läden ist deutlich geringer – je weniger Absatz, desto mehr Profit muss man mit der einzelnen Ware erwirtschaften, damit es sich lohnt.

      Aber auch das ist nur ein Teil des Bildes, schließlich wird Fairtrade längst auch im Supermarkt verkauft, und zwar nicht nur Bananen, sondern auch Schokolade (z. B. Lidl).

  7. Nomsm says:

    Es fehlt noch das duale System Deutschland.

  8. Sebastian says:

    Dass der deutsche Staat an einer Tafel Schokolade nur 18% an Steuern verdient (vorausgesetzt, sie wird in Deutschland produziert), finde ich fast schon traurig, die Gewinnmarge der Händler dagegen ist überraschend hoch. Bei dem harten Wettbewerb in Deutschland sollte man meinen, dass die Supermärkte weniger als 43 % Profit mit ihren Produkten machen.

    Die Grafik sagt aber auch leider nicht, wie viel diese 6 ¢ in Kaufkraftparität ausmachen. Das wäre m. E. die “fairere” Angabe.

    • Michael Klein says:

      Die Supermärkte machen keinen Profit, sondern Umsatz.
      Die angegebenen Prozentwerte sind keine Gewinnmargen.
      Wenn Sie den Text gelesen hätten, wüssten Sie das.
      Dass Supermärkte 43% Profit mit ihren Produkten machen ist a) falsch, weil es nicht Profit, sondern Umsatz ist, b) falsch, weil man von Schokolade nicht auf Waschpulver schließen kann.

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