Handreichung zum Staatsschmarotzen (Teil I, Serie: Bloß keine schmutzigen Hände)

Ein Staat, der seine Bürger zum Guten und Richtigen zu erziehen können glaubt: Nie war das Schmarotzen einfacher.

So einfach geht’s in 10 Schritten:

The Snout in the Trough

1. Erfinden Sie ein soziales Problem.

2. Gründen Sie eine Interessenvertretung für die armen Menschen, die durch das erfundene soziale Problem von Ihnen zu Leidtragenden, zu Opfern gemacht wurden.

  • Erfolgreich erfundene soziale Probleme nehmen ihren Ausgangspunkt bei Minderheiten. Minderheiten, die zu selten sind, als dass die Gefahr direkten Kontaktes für allzu viele Bürger gegeben ist; Minderheiten, deren Angehörige nicht zahlreich genug sind, um sich unabhängig von Ihrer Interessenvertretung Gehör zu verschaffen.

3. Suchen Sie Verbündete in den Parteien. Da Sie für die gute Sache einer Minderheit einstehen, von der die meisten Politiker keinerlei Ahnung haben und ihr Anliegen Politikern verspricht, sich moralisch inszenieren zu können, sollte dies kein Problem sein.

4. Empfehlen sie dringend die Widmung von Steuergeldern, um das furchtbare soziale Problem, das sie in (1) erfunden haben, zu bekämpfen und versprechen sie den Politikern wirkungsvolle Abhilfe zu schaffen. Dieses Versprechen ist leicht einzuhalten, da Sie das soziale Problem ja erfunden haben.

5. Um die Steuermittel, die zur Bekämpfung des erfundenen sozialen Problems bereitgestellt werden, auch einheimsen zu können, benötigen Sie:

a. Einen eingetragenen Verein (wegen der Gemeinnützigkeit);
b. Einen schriftlichen Antrag, in dem sie ein Projekt, das das erfundene Problem bekämpfen soll, darlegen und vor allem dessen Kosten aufschlüsseln.
c. Eine Anschrift und eine dazugehörige Räumlichkeit.
d. Am besten einen Verbündeten bei Kirchen oder sonstigen Seelsorgern ohne eigene Sorgen.

6. Um das soziale Problem, das sie erfunden haben, wirkungsvoll zu bekämpfen, benötigen sie zunächst Sachmittel und Gelder für Mitarbeiter, die sich in der ersten Phase in das erfundene Problem einarbeiten und der Öffentlichkeit eine Vielzahl von Anekdoten präsentieren, die das Problem verdeutlichen sollen.

7. Die Anekdoten sind auch dazu geeignet, die Dringlichkeit einer Anschlussfinanzierung an die zeitlich begrenzte Förderung ihres Projekts zu verdeutlichen.

8. Nachdem Sie ihre Mitarbeiter aus öffentlichen Mitteln für die nächsten drei Jahre finanziert haben und die Mitarbeiter die Anekdoten, die die Dringlichkeit des erfundenen sozialen Problems aufzeigen, gesammelt haben, halten Sie ein Netzwerktreffen ab, dessen Ziel darin besteht, Verbündete, die sich vorstellen können, das erfundene soziale Problem für sich auszunutzen, zu finden. Derartige Verbündete findet man leicht unter denen, die ihrerseits auf Kosten der Steuerzahler leben und ständig auf der Suche nach neuen Töpfen sind, aus denen sie ihre Gier nach Steuergeldern befriedigen können.

9. Am Ende des Netzwerktreffens muss ein vielseitiges Papier stehen, das von allen Teilnehmern getragen wird und in dem die Notwendigkeit einer intensiven Bekämpfung der Ursachen des sozialen Problems dargelegt wird. Da die Ursachen des sozialen Problems nicht bekannt sind, weil sie es ja gerade erfunden haben, müssen Sie eine Finanzierung von Studien fordern, deren Ziel darin besteht, sich dem Problemfeld zu nähern. Im Hinblick auf das Potential des Schmarotzens an Steuergeldern besonders zu empfehlen sind Methoden-Mixe, von allem etwas, qualitativ, quantitativ, konspirativ. Politiker sind beeindruckt. Die Kosten sind hoch. Die Ergebnisse können so wortreich präsentiert werden, dass kaum jemand merkt, dass es sie nicht gibt. Was will man mehr?

10. Schließlich müssen sie die Arbeit in der ersten Phase evaluieren. Dazu fragen sie einfach ihre Mitarbeiter, ob sie mit dem Erreichten zufrieden sind und präsentieren die große Zufriedenheit, die dabei herauskommt, als großen Erfolg des Projektes, der belegt, dass der einmal begangene Weg weitergeführt und vor allem weiterfinanziert wird.

Das sind die 10 Schritte, die sie gehen müssen, um sich ein Leben auf Kosten der Steuerzahler zu sichern. Der Vorteil dieser Vorgehensweise: Sie kommen in keinerlei Kontakt mit denen, für die Sie ein soziales Problem erfunden haben. Niemand wird Sie jemals danach fragen, ob ihr Projekt für diejenigen, die Ihr soziales Problem zu Leidtragenden erklärt hat, irgend eine Verbesserung erbracht hat. Politiker sind glücklich, Geld der Steuerzahler für eine gute Sache ausgeben zu können. Die Verwaltung der geldgebenden Ministerien ist glücklich, dass die Evaluation so positiv ausgefallen ist und Journalisten sind glücklich, dass sie darüber berichten dürfen, wie sehr ihr Projekt doch die Welt zu einer besseren Welt gemacht hat.

Falls Sie keine eigenen Ideen dazu haben, welche sozialen Probleme man erfinden kann, hier ein paar Beispiele:

  • Rechtsextremismus im Süden von Brandenburg und seine Folgen für den Nordwesten von Brandenburg.
  • Transsexuelle (oder Intersexuelle) als Opfer von Ablehnung in Nachtclubs.
  • Der Rassismus der weißen Männer und das daraus folgende Leid der ostelbischen Bäuerinnen.
  • Postkoloniale Verwerfungen in den Auen des Mittelrheins: Der Fall Cheikh Lo.
  • Antidemokratisches Denken unter Sinti und Roma als Folge von Ausgrenzung und Verfolgung im Dritten Reich.
  • Kinderarmut: Das Leid der Kinder, die sich kein Smartphone leisten können.
  • Aufbruch ins Ungewisse: Die psychosoziale Begleitung von Flüchtlingen an ihrem ersten, zweiten dritten bis dreißigsten Arbeitstag.
  • Psychosen durch Wortgebrauch. Hilfe für die Opfer radikaler Sprache.
    Usw.

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