Geborene Kriminelle? Was macht Straftäter zu Straftätern?

Moses Sithole (ABC-Mörder), Adolf Seefeldt (Onkel Tick-Tack), Kurt-Friedhelm Steinwegs (Monster vom Niederrhein), Irene Becker (Schwester Tod), Elfriede Blauensteiner (Schwarze Witwe), Enriqueta Marti i Ripolés (Vampir von Barcelona), Maria Catherina Swanenburg (Goeie Mie) – Sie alle sind Serienmörder.

Wieso werden Menschen zu Serienmördern? Allgemeiner: Wieso werden Menschen zu Kriminellen? Noch allgemeiner: Wieso begehen Menschen Straftaten?

Die Kriminologie bemüht sich seit vielen Jahren, diese Fragen zu beantworten. Die Antworten, die dabei gegeben wurden und werden, lassen sich grob wie folgt unterscheiden:

Lern-/Subkulturtheorien:
Kriminalität ist ein erlerntes Verhalten, das dann gezeigt wird, wenn kriminelles Verhalten für Akteure die Normalität darstellt, wenn sie sich in einer Subkultur aufhalten, in der mehr kriminelle als nicht-kriminelle Handlungsangebote vorhanden sind.

Anomietheorien:
Kriminalität ist ein Mittel, um das Fehlen legitimer Mittel, die zur Erreichung bestimmter gesellschaftlich hochbewerteter Ziele notwendig sind, auszugleichen.

Handlungstheorien:
Wer sich kriminell verhält, der verbindet mit seinen Handlungen einen Nutzen, d.h. der Nutzen, den er mit kriminellem Handeln zu erreichen versucht, ist höher als der Nutzen, den er sich von nicht-kriminellen Handlungsalternativen verspricht.

Soziale Defizittheorien:
Kriminelles Verhalten ist auf Defizite in der Erziehung von Kindern zurückzuführen (fehlende Kontrolle) bzw. das Ergebnis sich bietender Opportunitäten, die wiederum durch mangelnde Überwachung oder durch Zeichen eines generellen Verfalls befördert werden.

Psychische Defizittheorien:
Straftäter sind psychisch gestörte Persönlichkeiten, die entweder Probleme haben, gesellschaftliche Normen zu internalisieren oder Schwierigkeiten mit ihrer Selbstkontrolle haben.

Die Liste der Ansätze ist nicht vollständig. Es ließen sich noch eine Reihe anderer Ansätze aus z.B. Kriminalgeographie oder Psychiatrie anführen. Allen Ansätzen ist jedoch gemeinsam, dass delinquentes Handeln nicht als unveränderliches Faktum angesehen wird, sondern als Ergebnis von Umständen, Gelegenheiten, Entscheidungen, von Lernen, psychischen Problemen usw. In jedem Fall ist Kriminalität veränderlich, können – so die Ansicht – Straftäter resozialisiert werden bzw. wie im Rahmen behavioristischer Ansätze lange Jahre gehofft: durch negative Verstärker um-konditioniert werden.

Und dann gibt es noch, wie in jeder Wissenschaft, die Schmuddelkinder. Die Theoretiker, die Ansätze, die entweder aufgrund historischer Erblast verpönt oder aufgrund politisch unkorrekter Ansichten gemieden werden.

Biologische Ansätze in der Kriminologie.

Biologische Ansätze sind die Schmuddelkinder der Kriminologie, wegen historischer Erblast und weil es nicht politisch-korrekt ist anzunehmen, Kriminalität sei bereits im Erbgut angelegt.

Die historische Last der biologischen Ansätzen geht auf Cesare Lombroso zurück. Lombroso hat Schädel vermessen und Gesichtszüge beschrieben und ist zu dem Schluss gekommen, dass der klassische Kriminelle durch eine Reihe von Merkmalen ausgezeichnet ist: Diebe sind für Lombroso z.B. wie folgt charakterisiert: „… ihr Auge ist klein, unruhig, oft schielend, die Brauen gefältet und stoßen zusammen, die Nase ist krumm oder stumpf, das Haar seltener dicht, die Stirn fast immer klein und fliehend, das Ohr sehr oft henkelförmig abstehend“ (Lombroso 1894 zitiert nach Lamnek 1993: 68). Die Beschreibung macht schon deutlich, dass Lombroso seine Diebe und Mörder in bestimmten ethnischen Gruppen häufiger und in seiner eigenen ethnischen Gruppe seltener gefunden hat. Das macht ihn zur persona non grata. Und biologische Ansätze in der Kriminologie gleich mit.

Nun ist das wissenschaftliche Kriterium, das über die Bewährung einer Theorie bestimmt, weder deren politische Korrektheit noch deren Freiheit von historischer Erblast, sondern die Frage, ob sie mit der Realität übereinstimmt, ob aus ihr Aussagen abgeleitet werden können, die sich in der Realität bestätigen. Auch deshalb regt sich nunmehr Widerstand unter der Gilde der Neuro-Kriminologen, die seit Jahren, wie sie sagen, Indizien für eine genetische Grundlage von Kriminalität sammeln. Ob diese Indizien einen wissenschaftlichen Test bestehen, ob sie ausreichen, um eine genetische, eine biologische Grundlage von Kriminalität festzuschreiben, das sind Fragen, die bislang von Kriminologen weitgehend gemieden werden.

Schon darum hat es sich Sam Harris zur Aufgabe gemacht, die Erforschung der biologischen Grundlagen der Kriminalität bzw. die Forschung zur Frage, ob es sie gibt, vom Ballast der Vergangenheit zu befreien:

“What I am noticing here, and what I’ve called a moral panic, is that there are people who think that if we don’t make certain ideas, certain facts, taboo to discuss, if we don’t impose a massive reputational cost in discussing these things, then terrible things will happen at the level of social policy. That the only way to protect to our politics—again, this is a loaded term, but this is what is happening from my view scientifically—is to be intellectually dishonest.”

Der Gegenstand, den Harris hier anspricht, betrifft nicht nur biologische Ansätze in der Kriminalität, er betrifft eine Vielzahl von Forschungssträngen, die nicht verfolgt werden, weil sie als politisch nicht korrekt gelten. Wie immer, wenn totalitäre Ideologien in Gesellschaften die Oberhand gewinnen, gibt es mehr oder weniger offene Denkverbote, die u.a. dazu führen, dass Genderblödsinn an die Stelle von Forschung, die es zu verfolgen lohnt, tritt. Gesellschaften, die Denkverbote ausgesprochen und durchgesetzt haben, sind in der Regel gescheitert, früher oder später gelingt es nicht mehr, die anstehenden Probleme zu lösen, was kein Wunder ist, wie man schnell merkt, wenn man versucht, in Gender Studies eine Antwort auf irgendeine Frage zu finden, die von gesellschaftlicher Relevanz ist.

Eine Frage, die wir an dieser Stelle unseren Lesern stellen wollen, ist die folgende: Was glauben Sie, ist die Erklärung für kriminelles Verhalten, die am ehesten zutrifft?

Welche Erklärung von Kriminalität trifft am ehesten zu?

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10 Responses to Geborene Kriminelle? Was macht Straftäter zu Straftätern?

  1. Jakob Sparrov says:

    Werte Foristen, werter Autor!
    Ich möchte auf folgenedes Faktum hinweisen, das schlussendlich immer zu Kriminalität führt und das ist die “Gelegenheit”. Ich zäum das Pferd sicherheitshalber von “oben” nach “unten” auf, denn ich kann ALLE Mißstände mit ein bißchen Intelligenz sehr wohl auch halbwegs ideologisch korrekt zum Ausdruck bringen!
    Also: Ab einer gewissen Summe wird jeder EU-Abgeordnete weich! Beispiel: Honoriger österreichischer Minister in Brüssel, ein Jahr unbedingte Haft!
    Und ganz “unten”? Einzig und allein die “Gelegenheit” sich hier in Europa schamlos auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern und Nichtverfolgung von Straftaten führt zu einer dermassen hohen Ausländerkriminalität! AUSSCHLIESSLICH! Und zieht fragwürdige Charaktäre an wie Honig die Bären oder Scheisse die Schmeissfliegen!
    Alle anderen zur Auswahl stehenden Punkte würden bedeuten, dass sich diese Leute in gleichem Umfang in ihren Herkunftsländern genau so mies verhalten, wie bei uns! Das tun sie DEFINITIV nicht!
    Medikation:
    Ein EXTREM verschärftes Strafrecht (tatsächlich wäre die Scharia, angewandt von Christen hier in Europa ausschliesslich auf Muselmanen – Devise: grober Keil auf groben Klotz – ein vielversprechendes “Heilmittel”) und ein peinharter Umgang mit diesen Delinquenten, GENAU SO wie mit Kriminellen in ihren Heimatländern verfahren wird, und der Spuk hat alsbald ein Ende!
    Unter einem gewissen IQ wird nur mehr die Sprache des Knüppels verstanden um die Ordnung (halbwegs) aufrecht zu erhalten (Sinngemässe Aussage eines afrikanischen UN-Diplomaten zu den Zuständen auf seinem Heimatkontinent)
    Ich ersuche dieses Faktum unbedingt zu berücksichtigen!

  2. Jakob Sparrov says:

    P.S.:
    Kurz und bündig:
    Gelegenheit macht Diebe! (Alte Volksweisheit)
    oder spitzfindiger (Valentin, L.Thoma?)
    “Der Hund ist der Wurst gegenüber nicht Souverän!
    Könnte man durchaus weiterspinnen:
    Der Strassenstreuner aus Bagdad oder Damaskus, Tripolis oder Tunis kann der Wurst gegenüber gar nicht souverän sein, das widerspräche seiner Natur! Also Wurst wegsperren, Hund disziplinieren!
    Im Gegensatz dazu der wohlerzogene Deutsche Schäferhund aus dem Villenviertel Berlins, Hamburgs oder Münchens, der ist sehr wohl der Wurst gegenüber Souverän, aber nur solange, bis er sich unbeobachtet und nicht mehr überwacht fühlt, he, he! Fazit: Auch besser die Wurst gleich wegsperren!
    In diesem Sinne!

  3. Eloman says:

    Ich denke, pauschale Antworten gibt es nicht. Bei einem Serienmörder gibt es andere Gründe als bei einem Betrüger.

  4. jheinke says:

    Welche Erklärung von Kriminalität trifft am ehesten zu?
    Alle 7 angebotenen Alternativen treffen zu – jede Variante kann man bei Kriminellen finden, ohne jeden Zweifel.
    Das heißt nicht, dass man die Suche nach einer Antwort jetzt aufgeben muss.
    Nicht-kriminelles Verhalten ist immer ein Ergebnis gelungener Erziehung: Ohne Erziehung ist jeder Mensch kriminell, sobald er sich Vorteile davon verspricht.
    ABER:
    Die Erziehung zu nicht-kriminellem, mithin zu ethischem (moralischem) Verhalten gelingt nicht bei jedem, sie kann gar nicht bei jedem Menschen dieser Erde gelingen.

    Einen Menschen zu ethischem (moralischem) Verhalten erziehen zu können setzt bei ihm ein Mindestmaß an intellektuellen Fähigkeiten voraus – in Kulturen, deren Mitglieder einen IQ von 80 oder darunter haben, ist das nicht möglich, dort gibt es nicht einmal den sprachlichen Begriff für ehrliches, verbindliches Verhalten (siehe z.B. die Erkenntnissse der Philosophie-Professorin Gedaliah Braun aus ihren Lehrjahren in Schwarzafrika). In solchen Gemeinschaften wird kriminelles Handeln ausschießlich aus Angst vor Strafe unterlassen, nie aus innerere Überzeugung.

    Wehe uns, wenn wir zulassen, das dieses Niveau in Westeuropa weiter einwandern kann.
    Dann werden wir es nicht nur mit einer überwältigenden Zunahme der Kriminalität zu tun bekommen (haben wir schon), dann wird unsere gesamte bisherige Kultur zusammenbrechen.

  5. A.S. says:

    Man könnte auch ganz anders an die Sache herangehen und sagen: Das Strafrecht macht Leute zu Straftätern. Schließlich ist es eine reine Definitionsfrage wer Straftäter ist und wer eben nicht.

    Beispiele:
    Wer seine Homosexualität auslebt, war vor gar nicht langer Zeit noch ein Straftäter. Heute undenkbar.

    Oder nehmen wir das Schlagen von Kindern. Wer seinem Kind klar machen will/muss, dass es nicht einfach auf die Straße rennen darf und dazu einen Klaps auf den Hintern oder gar eine Ohrfeige verwendet, galt früher als fürsorgendes Elternteil. Heute ist das eine Straftat.

  6. Es gibt ja Menschen die keine Empathie emfinden…anscheinend nicht können.Fehler im Hirn…

  7. dralexisco says:

    Ist es denn etwa nicht evident, daß es sich um eine komplexe Problematik handelt? Also i.d.R. ein multifaktorielles Geschehen? Daher finde ich es ärgerlich, mit einer Abstimmung konfrontiert zu werden, bei der man auschließlich die Möglichkeit hat, eine einzige Ursache zu benennen.

    • Michael Klein says:

      Deshalb lautet die Frage: Welche Erklärung von Kriminalität trifft am EHESTEN zu. Das schließt multifaktorielle Ursachen gerade nicht aus.

      • dralexisco says:

        Das “EHESTEN” habe ich durchaus wahrgenommen. Dennoch hielte ich die Auswahl nur einer der angebotenen alternativen Erklärungen nur dann für sinnvoll, wenn man überzeugt wäre, daß diese Erklärung auch in einem multifaktoriellen Geschehen stets oder zumindest meist eine herausragende Rolle spielt, und in den verbleibenden Restfällen immerhin als Cofaktor beteiligt ist.
        Und diese Voraussetzung erfüllt m.E. keine der angebotenen Erklärungen. Vielmehr bin ich der Auffassung, daß es für jede Erklärungsalternative sowohl konkrete Einzelfälle gibt, in denen sie die dominante Ursache darstellt, als auch Fälle, in denen sie vollkommen unbeteiligt ist.
        Anders sieht es wahrscheinlich aus, wenn man nicht nach einer allgemeinen Erklärung für Kriminalität sucht bzw. fragt, sondern die Fragestellung auf verschiedene Untergruppen eingrenzt, z.B. nach Deliktart und/oder Altersgruppe unterscheidet, und/oder lokal und/oder zeitlich/historisch begrenzt untersucht; da halte ich unterschiedliche, aber jeweils typische Konstellationen für sehr wahrscheinlich.

  8. Peter Meyer says:

    Jede Theorie hat was für sich, ohne alleinerklärend zu sein, daher sollte man die Einzeltheorien zu einer Gesamttheorie zusammenfassen. Für nahezu jede Theorie finden sich Beispiele in der Praxis:
    Subkulturen: es gibt Clans, in denen die Kinder zu Dieben ausgebildet werden
    Erziehung: oft werden Kinder, denen in der Erziehung keine Grenzen gesetzt werden, gewalttätig.
    Psychische Störung: wird regelmäßig bei Serienvergewaltigern festgestellt
    Fin. Deprivation: die Erpressung oder der Banküberfall aus Verzweiflung
    Gelegenheit: Korruption, Unterschlagung, Vorteilsnahme
    Mangelnde Kontrolle: Erschleichen von Sozial- und anderen Leistungen (Überschneidung mit “Gelegenheit”)
    Biologie: findet sich bereits in den Stories von den “4 Gerechten” bzw. “3 Gerechten” bei Edgar Wallace

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