Geborene Kriminelle? Was macht Straftäter zu Straftätern?

Moses Sithole (ABC-Mörder), Adolf Seefeldt (Onkel Tick-Tack), Kurt-Friedhelm Steinwegs (Monster vom Niederrhein), Irene Becker (Schwester Tod), Elfriede Blauensteiner (Schwarze Witwe), Enriqueta Marti i Ripolés (Vampir von Barcelona), Maria Catherina Swanenburg (Goeie Mie) – Sie alle sind Serienmörder.

Wieso werden Menschen zu Serienmördern? Allgemeiner: Wieso werden Menschen zu Kriminellen? Noch allgemeiner: Wieso begehen Menschen Straftaten?

Die Kriminologie bemüht sich seit vielen Jahren, diese Fragen zu beantworten. Die Antworten, die dabei gegeben wurden und werden, lassen sich grob wie folgt unterscheiden:

Lern-/Subkulturtheorien:
Kriminalität ist ein erlerntes Verhalten, das dann gezeigt wird, wenn kriminelles Verhalten für Akteure die Normalität darstellt, wenn sie sich in einer Subkultur aufhalten, in der mehr kriminelle als nicht-kriminelle Handlungsangebote vorhanden sind.

Anomietheorien:
Kriminalität ist ein Mittel, um das Fehlen legitimer Mittel, die zur Erreichung bestimmter gesellschaftlich hochbewerteter Ziele notwendig sind, auszugleichen.

Handlungstheorien:
Wer sich kriminell verhält, der verbindet mit seinen Handlungen einen Nutzen, d.h. der Nutzen, den er mit kriminellem Handeln zu erreichen versucht, ist höher als der Nutzen, den er sich von nicht-kriminellen Handlungsalternativen verspricht.

Soziale Defizittheorien:
Kriminelles Verhalten ist auf Defizite in der Erziehung von Kindern zurückzuführen (fehlende Kontrolle) bzw. das Ergebnis sich bietender Opportunitäten, die wiederum durch mangelnde Überwachung oder durch Zeichen eines generellen Verfalls befördert werden.

Psychische Defizittheorien:
Straftäter sind psychisch gestörte Persönlichkeiten, die entweder Probleme haben, gesellschaftliche Normen zu internalisieren oder Schwierigkeiten mit ihrer Selbstkontrolle haben.

Die Liste der Ansätze ist nicht vollständig. Es ließen sich noch eine Reihe anderer Ansätze aus z.B. Kriminalgeographie oder Psychiatrie anführen. Allen Ansätzen ist jedoch gemeinsam, dass delinquentes Handeln nicht als unveränderliches Faktum angesehen wird, sondern als Ergebnis von Umständen, Gelegenheiten, Entscheidungen, von Lernen, psychischen Problemen usw. In jedem Fall ist Kriminalität veränderlich, können – so die Ansicht – Straftäter resozialisiert werden bzw. wie im Rahmen behavioristischer Ansätze lange Jahre gehofft: durch negative Verstärker um-konditioniert werden.

Und dann gibt es noch, wie in jeder Wissenschaft, die Schmuddelkinder. Die Theoretiker, die Ansätze, die entweder aufgrund historischer Erblast verpönt oder aufgrund politisch unkorrekter Ansichten gemieden werden.

Biologische Ansätze in der Kriminologie.

Biologische Ansätze sind die Schmuddelkinder der Kriminologie, wegen historischer Erblast und weil es nicht politisch-korrekt ist anzunehmen, Kriminalität sei bereits im Erbgut angelegt.

Die historische Last der biologischen Ansätzen geht auf Cesare Lombroso zurück. Lombroso hat Schädel vermessen und Gesichtszüge beschrieben und ist zu dem Schluss gekommen, dass der klassische Kriminelle durch eine Reihe von Merkmalen ausgezeichnet ist: Diebe sind für Lombroso z.B. wie folgt charakterisiert: „… ihr Auge ist klein, unruhig, oft schielend, die Brauen gefältet und stoßen zusammen, die Nase ist krumm oder stumpf, das Haar seltener dicht, die Stirn fast immer klein und fliehend, das Ohr sehr oft henkelförmig abstehend“ (Lombroso 1894 zitiert nach Lamnek 1993: 68). Die Beschreibung macht schon deutlich, dass Lombroso seine Diebe und Mörder in bestimmten ethnischen Gruppen häufiger und in seiner eigenen ethnischen Gruppe seltener gefunden hat. Das macht ihn zur persona non grata. Und biologische Ansätze in der Kriminologie gleich mit.

Nun ist das wissenschaftliche Kriterium, das über die Bewährung einer Theorie bestimmt, weder deren politische Korrektheit noch deren Freiheit von historischer Erblast, sondern die Frage, ob sie mit der Realität übereinstimmt, ob aus ihr Aussagen abgeleitet werden können, die sich in der Realität bestätigen. Auch deshalb regt sich nunmehr Widerstand unter der Gilde der Neuro-Kriminologen, die seit Jahren, wie sie sagen, Indizien für eine genetische Grundlage von Kriminalität sammeln. Ob diese Indizien einen wissenschaftlichen Test bestehen, ob sie ausreichen, um eine genetische, eine biologische Grundlage von Kriminalität festzuschreiben, das sind Fragen, die bislang von Kriminologen weitgehend gemieden werden.

Schon darum hat es sich Sam Harris zur Aufgabe gemacht, die Erforschung der biologischen Grundlagen der Kriminalität bzw. die Forschung zur Frage, ob es sie gibt, vom Ballast der Vergangenheit zu befreien:

“What I am noticing here, and what I’ve called a moral panic, is that there are people who think that if we don’t make certain ideas, certain facts, taboo to discuss, if we don’t impose a massive reputational cost in discussing these things, then terrible things will happen at the level of social policy. That the only way to protect to our politics—again, this is a loaded term, but this is what is happening from my view scientifically—is to be intellectually dishonest.”

Der Gegenstand, den Harris hier anspricht, betrifft nicht nur biologische Ansätze in der Kriminalität, er betrifft eine Vielzahl von Forschungssträngen, die nicht verfolgt werden, weil sie als politisch nicht korrekt gelten. Wie immer, wenn totalitäre Ideologien in Gesellschaften die Oberhand gewinnen, gibt es mehr oder weniger offene Denkverbote, die u.a. dazu führen, dass Genderblödsinn an die Stelle von Forschung, die es zu verfolgen lohnt, tritt. Gesellschaften, die Denkverbote ausgesprochen und durchgesetzt haben, sind in der Regel gescheitert, früher oder später gelingt es nicht mehr, die anstehenden Probleme zu lösen, was kein Wunder ist, wie man schnell merkt, wenn man versucht, in Gender Studies eine Antwort auf irgendeine Frage zu finden, die von gesellschaftlicher Relevanz ist.

Eine Frage, die wir an dieser Stelle unseren Lesern stellen wollen, ist die folgende: Was glauben Sie, ist die Erklärung für kriminelles Verhalten, die am ehesten zutrifft?

Welche Erklärung von Kriminalität trifft am ehesten zu?

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Macht Luftverschmutzung kriminell?

Crime is in the air“.

Malvina Bondy, Sefi Roth und Lutz Sager von der London School of Economics sind auf eine nicht ganz neue, natürlich politisch korrekte Idee gekommen. Im Bemühen, innerhalb des politischen Mainstreams zu bleiben und keine Forschung zu betreiben, die politisch kontrovers werden könnte, haben sie untersucht, wie sich die Luftverschmutzung auf Kriminalität auswirkt. Daten aus 624 Londoner Polizeirevieren haben sie mit Daten von 96 über London verteilten Messstationen kombiniert. 455.520 erfasste Straftaten auf Revierebene werden von den drei Autoren mit Messwerten der Luftqualität aus den drei Messstationen kombiniert, die dem Zentrum des Reviers am nächsten liegen (Aus den drei Werten wurde ein Durchschnitt berechnet).

Und dann wird analysiert und siehe da: Kriminalität variiert mit Luftverschmutzung. Wo die Luftverschmutzung intensiver ist, ist auch die Kriminalität höher. Das ist gewöhnlich die Stelle, an der wir darauf hinweisen, dass man als Wissenschaftler dann, wenn man eine Korrelation gemessen hat, eine Theorie benötigt, um eine Kausalität zu begründen.

Und siehe da. Die drei aus London haben eine Theorie. Die Rational-Choice Theorie.

Hohe Luftverschmutzung, so hypothetisieren sie, führe zu gesundheitlichen Problemen, verkürzten Lebenserwartungen und relativiere auf diese Weise die individuelle Nutzenfunktion: Wer wegen Luftverschmutzung früher stirbt, der ist für Abschreckung durch Strafe nicht so empfindlich wie derjenige, dem wegen geringer Luftverschmutzung ein längeres Leben winkt – sofern ihn nicht ein Herzinfarkt beim Lesen unsinniger Studien dahinrafft. Wer wegen Luftverschmutzung früher stirbt, sofern er früher stirbt als jemand, der saubere Luft genießt, für den habe der kurzfristig durch Kriminalität erzielbare Gewinn einen höheren Nutzen, was Kriminalität wahrscheinlicher macht.

Die Argumentation ist eine individuelle, eine, die sich noch dazu durch eine Engstirnigkeit auszeichnet, die Kevin McConway, Professor für angewandte Statistik, in einer ersten Stellungnahme sehr vornehm in die Worte packt, dass die Autoren nicht sicher sein könnten, dass sie alle relevanten Variablen in ihrem Modell erfasst haben.

Das ist ein typisches britisches Understatement, denn natürlich gibt es viele Variablen, die einen Effekt auf Kriminalität ausüben, die Einzelne in bestimmten Situationen Straftaten begehen sehen, während andere in identischen Situationen nie auf die Idee kämen, sich kriminell zu verhalten. Bei atmosphärischen Variablen wie der Luftverschmutzung, die alle in einem Gebiet in gleicher Weise beeinträchtigen, ist dieses Problem noch verschärft: Warum verhalten sich nicht alle kriminell, wenn die Luftverschmutzung einen Effekt auf Kriminalität haben soll?

Warum nur manche?

Not even Dickens thought about pollution as cause of crime, Dickens, the author of the Pickwick Papers!

Derartige Fragen stellen sich die drei Londoner Autoren nicht. Sie sind so von ihren Ergebnissen eingenommen, dass sie nicht einmal bemerken, dass die Rational-Choice Theorie eine individualistische Theorie ist, die Annahmen über die Bedingungen individuellen Verhaltens macht, Annahmen darüber, wann welche individuellen Präferenzen zu welchen Handlungen führen. Ergo müsste man erklären, wann, wie und unter welchen Umständen ein Mensch in Gebiet X bemerkt, dass er höherer Luftverschmutzung ausgesetzt ist als ein Mensch in Gebiet Y, wie er diese Wahrnehmung mit seiner Disposition Straftaten, zu begehen, verbindet bzw. wie diese Wahrnehmung seine entsprechende Disposition beeinflusst und – vor allem – wie diese Disposition sich dann in Straftaten transformiert, wo die Gelegenheiten, Motive und Kenntnisse herkommen, die eine Straftat erst ermöglichen, denn wir wollen ja nicht annehmen, dass Luftverschmutzung nicht nur einen Kurzschluss in Gehirnen von manchen Menschen auslöst, der sie – motivlos – kriminell werden lässt, weil nämlich die selbe Luftverschmutzung Gelegenheiten zur Kriminalität gleich mitliefert, die Bank für den Überfall, den Passanten für den Raub, den Bekannten für die Prügelei und natürlich auch gleich die Kenntnisse, die notwendig sind, um Raub, Diebstahl oder Betrug zu begehen.

Aber genau das tun die drei aus London. Sie nehmen an, dass Luftverschmutzung auf all die genannten Variablen, Täter, Motiv, Gelegenheit und Fähigkeiten in gleicher Weise wirkt. Und mehr noch, sie rechnen mit Aggregatdaten. Sie haben nicht einmal Daten über individuelles Verhalten. Sie haben Kriminalitätsraten für ein Gebiet und Daten zur Luftverschmutzung für ein größeres Gebiet und auf dieser Grundlage wird nun wild spekuliert oder interpretiert:

“This paper investigates the potential link between ambient air pollution and crime.
Using two separate identification strategies, we find that daily variation in air pollution is positively linked to higher crime rates in London. We also find that pollution affects most crime types but appears to have larger effects on crimes which are less severe. Based on the rational choice model and our empirical results, we conclude that the underlying channel for our findings is likely to be higher discounting of future punishment on high pollution days. … Our results suggest that improving air quality in urban areas by tighter environmental policy may provide a cost effective way to reduce crime. … Finally, given the link between air pollution and crime, our results therefore suggest that examining the effects of air pollution on health impacts alone, may lead to a substantial underestimation of its societal costs.”

Was hier behauptet wird, ist ein direkter Effekt von Luftverschmutzung auf Kriminalität, der daraus geschlossen wird, dass Daten auf Ebene von regionalen Einheiten mit theoretischen Erwägungen über individuelle Präferenzen zusammen geworfen werden. Das ist methodischer Unsinn, der aus der Korrelation zwischen Luftverschmutzung und Kriminalität nichts anderes macht als eben diese Korrelation, von der nach wie vor zu zeigen wäre, dass sie sinnvoll ist. Natürlich wird man gesellschaftliche Kosten durch derart haltlose und blödsinnige Spekulationen nicht reduzieren, wie die Autoren meinen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit erhöhen.

Es ist leicht, diesen Junk zum Einsturz zu bringen. Luftverschmutzung in Städten, zumal in Städten wie London, hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Verkehr und Heizung. Je mehr Verkehr in einem Gebiet vorhanden ist und je mehr geheizt wird, desto höher die Luftverschmutzung und desto mehr Menschen halten sich in einem Gebiet auf. Je mehr Menschen sich aber in einem Gebiet aufhalten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit kriminellen Verhaltens, denn wo viele Menschen sind, sind auch viele Diebe, Räuber, Schläger… und viele Gelegenheiten. Höhere Luftverschmutzung und höhere Kriminalität in einem Gebiet und im Vergleich zu einem anderen, haben somit dieselbe Erklärung: Mehr Menschen. Weg ist er, der Zusammenhang zwischen Kriminalität und Luftverschmutzung.

Aber wir haben keinen Zweifel, dass die Londoner Studie, die den Zeitgeistnerv in den meisten Redaktionen der sogenannten deutschen Qualitätsmedien treffen wird, dort eifrig aufgenommen wird.

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Steigende Tendenz: Jeder Dritte Verurteilte ist ein Ausländer

„WIESBADEN – Im Jahr 2016 verurteilten Gerichte in Deutschland insgesamt 737 873 Personen rechtskräftig wegen eines strafrechtlichen Verbrechens oder Vergehens. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das 1 614 Personen beziehungsweise 0,2 % weniger als im Vorjahr (739 487).“

Soweit die Pressemeldung des Statistischen Bundesamt vom heutigen Tag. Die Grundlage der Pressemeldung ist die gerade veröffentlichte Strafverfolgungsstatistik für das Jahr 2016. Interessanter Weise begnügen sich die Bundesstatistiker bei ihrer Pressemeldung und ganz gegen ihre sonstigen Gewohnheiten damit, die Ergebnisse nach Alter und Geschlecht aufzuschlüsseln. Eine Aufschlüsselung nach Nationalität, also unterschieden nach Deutschen und Ausländern unterbleibt.

Derartige Unterlassungen machen uns stutzig.
Also haben wir recherchiert und die Gelegenheit genutzt, um eine Zeitreihe auf Grundlage der Strafverfolgungsstatistiken der Jahre 2000 bis 2016 zu erstellen. Das Ergebnis findet sich in der folgenden Abbildung:

Wie man sieht, geht der Anteil der Deutschen unter den Verurteilten seit 2007 kontinuierlich zurück, während der Anteil der Ausländer unter den Verurteilten kontinuierlich steigt. Wir haben in der Abbildung den Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung mit abgetragen, so dass man sehen kann, dass die Zahl der vor Strafgerichten verurteilten Ausländer rund dreimal höher ist als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

Und beide steigen: Sowohl der Anteil ausländischer Verurteilte als auch der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung. Ersterer ist seit 2000 von 27,9% auf 32,5% gewachsen, letzterer von 8,9% auf 12,2%. Die Strafverfolgungsstatistik hat eine Vorlaufzeit von rund zwei Jahren, d.h. die Verurteilten aus dem Jahr 2016. die in der Statistik ausgewiesen sind, haben in der Regel in den Jahren 2015 oder 2014 die Straftaten begangen, wegen derer sie sich nun vor Gericht verantworten mussten. Wir haben auf dieser Grundlage einmal eine kleine Projektion vorgenommen und den Anteil der ausländischen Verurteilten auf Basis einer Vorlaufzeit von nur einem Jahr für 2017 berechnet. Im Ergebnis sind wir bei einem Anteil ausländischer Verurteilter von 35,67% angekommen.

In den Jahren von 2000 bis 2016 haben vor allem die Verurteilungen von Ausländern für Diebstahl und Unterschlagung  (+45,4%) und in der Kategorie der anderen Vermögensdelikte (+13,5%) zugenommen. Genaue Analysen haben wir noch nicht durchgeführt.

Warum das Statistische Bundesamt in seiner Pressemeldung die von uns zusammengestellten Fakten nicht wenigstens für das Jahr 2016 dargelegt hat, ist eine … vielleicht keine offene Frage, sondern das Ergebnis von Lückenstatistik, die nun nachdem es die Lückenpresse bereits gibt, auch um sich greift.

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Der andere Nutzen von Kindern: Requisite bei Taschendiebstahl

Die folgende Pressemeldung der Polizei in Köln ist uns nicht nur deshalb aufgefallen, weil der Schreiber einen sprachlichen Witz an den Tag legt, den man gar nicht mehr gewohnt ist.

Als Wissenschaftsblog mit einer Redaktion, die einen Kriminologen enthält, sind wir brennend an der Art und Weise, wie Diebe ihren Diebstahl planen und durchführen, interessiert, schon um den Diebstahl dann als rationale Handlung erklären zu können, die minutiös geplant und umgesetzt und eben nicht spontan ist.

Und während Carroll und Weaver (1989) für ihre Feldstudie per Annonce Ladendiebe suchen mussten und mit diesen durch Supermärkte getingelt sind, um herauszufinden, nach welchen Kriterien und in welchen Situationen sie einen Diebstahl umsetzen, können wir Material aus erster Hand – von der Polizei in Köln analysieren: Ergebnis: Kleinkinder dienen als Requisite, die öffentlich verordnete Kinderliebe wird von den Dieben schamlos ausgenutzt, wohlwissend, dass kaum jemand auf die Idee käme, sich zu beschweren, wenn ihm von klobigen Kinderwägen der Weg verstellt wird, so dass sie eine für den Diebstahl optimale Situation schaffen können, in der sie das Opfer, das zudem aufgrund seiner Wehrlosigkeit ausgesucht wurde, in aller Ruhe bestehlen können. Wer sich fragt, wie man kulturelle Stereotype, die von Gutmenschen gesetzt werden, ausnutzen kann – so:

Köln (ots) – Der ein oder andere Mitbürger freut sich geradezu diebisch über Nachwuchs. Zumal sich in Kinderwagen drapierte Babys und Kleinkinder nicht dagegen verwahren können, von ihren Eltern prompt als Requisite für die Begehung von Eigentumsdelikten missbraucht zu werden. So geschehen am Dienstagnachmittag (24. Oktober) in einem Bus der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) in Höhenberg. In diesem Falle allerdings klickten bei der perfiden Tätergruppe die Handschellen.

Gegen 15.20 Uhr war ein KVB-Bus der Linie 153 vom Mülheimer Friedhof kommend in Richtung Vingst unterwegs. An der Haltestelle Fuldaer Straße stieg der spätere, polizeilich bereits vielfach als Langfinger aufgefallene Haupttäter (35) zu. In seiner Begleitung befanden sich drei Frauen mit Kinderwagen und Babys sowie ein weiterer Komplize (23). Nicht zufällig, denn zeitgleich beabsichtigte eine ältere Kölnerin (70) mit über die Schulter gehängter Handtasche ebenfalls, in den Bus zu gelangen. Noch im Eingangsbereich wurde die Seniorin dann von den arbeitsteilig vorgehenden Taschendieben durch ein künstliches Gedränge mit den Kinderwagen eingekeilt. Scheinheilig verwickelte nun eine der “Jungmütter” die 70-Jährige in ein Gespräch, während ihre Mittäter und Mittäterinnen das weitere Geschehen nach allen Seiten absicherten.

Zum Leidwesen der Diebe jedoch hielt sich in dem Bus ebenfalls ein Zivilfahnder der Kriminalpolizei Köln auf. Und dem war dieses tätertypische Auftreten der Gruppe wohlbekannt. Nachdem der 23-Jährige auch Außenstehende durch das vorgeblich kinderfreundliche Aufblasen eines grünen Luftballons abgelenkt hatte, angelte sich der 35-Jährige die Geldbörse der Kölnerin aus deren Umhängetasche. Hierbei hatte er sich zur Abschirmung seine Jacke über den Arm gelegt.

An der Haltestelle Vingst stiegt die Tätergruppe aus – und kümmerte sich fortan wieder “rührend” um die als Staffage mitgeführten Kinder. Als die Verdächtigen in Richtung Kuthstraße Ecke Heßhofplatz laufen wollten, stellte der Beamte sie zur Rede. Am Festnahmeort mit Verstärkungskräften stellten die Polizisten die – was Wunder – im Grünen liegende Geldbörse der 70-Jährigen sicher. Haupt- und Mittäter sowie die beiden “Mütter” (18, 28) wurden vorläufig festgenommen. Das Portemonnaie mit Bargeld in dreistelliger Höhe wurde der Geschädigten zurückerstattet.
Die Festgenommenen müssen sich nun in einem Strafverfahren wegen Taschendiebstahls verantworten – der 35-Jährige vor einem Haftrichter. (cg)
Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Köln
Pressestelle
Walter-Pauli-Ring 2-6
51103 Köln

Telefon: 0221/229 5555
e-Mail: pressestelle.koeln(at)polizei.nrw.de

www.koeln.polizei.nrw.de
Original-Content von: Polizei Köln, übermittelt durch news aktuell „

Literatur

Carroll, John & Weaver, Frances (1989). Shoplifters’ Perception of Crime Opportunities: A Process-Tracing Study. In: Clarke, Ronald V. & Cornish, Derek B. (eds.): The Reasoning Criminal. Rational Choice Perspectives on Offending. New York: Springer, pp.19-38.

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Flüchtlingskriminalität: Landeshauptstadt München belügt ihre Bürger

Ein Leser hat uns auf eine Faltblattreihe der Stadt München aufmerksam gemacht, die den Titel trägt „Das wird man doch noch fragen dürfen“. Eine Frage, die man in München noch fragen darf, lautet: „Sind Ausländer und Flüchtlinge krimineller als Deutsche?“ Die Antwort können wir vorweg nehmen: Ja. Allerdings wird diese Antwort im Faltblatt der Stadt München nicht direkt gegeben. Vielmehr wird die Antwort umschrieben, und es werden Daten des Polizeipräsidiums München in einer Weise interpretiert, die man nur als Fälschung bezeichnen kann.

Das Faltblatt folgt dem alten Trick: Zunächst etwas zugeben und es dann Stück für Stück zurücknehmen: „Richtig ist“, so steht es im Faltblatt, „im Münchner Sicherheitsreport – der Tatverdächtige erfasst, aber nicht die wirklich Verurteilten – erscheinen gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung mehr Ausländer als Deutsche.

Dass Tatverdächtige nicht mit Verurteilten gleichgesetzt werden können, ist zwar richtig, gilt aber nicht nur für ausländische Tatverdächtige, sondern auch für deutsche. Es hat einen Grund darin, dass Staatsanwälte je nach Arbeitsbelastung mehr oder weniger liberal von der Möglichkeit einer Einstellung des Verfahrens Gebrauch machen. Entsprechend bleibt so mancher Tatverdächtige, selbst wenn er ein Straftäter ist, ohne Verurteilung. Das Bemühen, Kriminalität von Flüchtlingen als etwas darzustellen, das, selbst wenn es in den Daten erscheint, aber dennoch etwas anderes ist als wenn es sich um Kriminalität von Deutschen handelt, es ist bereits nach wenigen Zeilen unverkennbar.

Falls sie sich wundern, dass in der Frage Ausländer und Flüchtlinge vermengt werden: Das hat seinen Grund. Denn nachdem zugestanden wurde, dass Flüchtlinge und Ausländer häufiger unter den Tatverdächtigen zu finden sind als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht, kommt die Behauptung, dass „Fremde viel schneller angezeigt werden als Einheimische“. Diese Behauptung wird Christian Pfeiffer in den Mund gelegt, und wir haben keinen Grund zu bezweifeln, dass Pfeiffer ähnlichen Unsinn von sich gegeben hat. Tatsächlich gibt es einige wenige Studien, die zeigen, dass Ausländer bei bestimmten Straftaten, z.B. bei Leistungserschleichung oder bei Ladendiebstählen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Täter ermittelt zu werden. Sie werden jedoch nicht schneller angezeigt als Deutsche. Wäre dem so, dann müsste man annehmen, dass das Personal der Münchner Verkehrsbetriebe deutsche Schwarzfahrer laufen lässt, während es ausländische Schwarzfahrer anzeigt. Die Faltblattmacher der Stadt München bezichtigen somit Angestellte der Stadt München der Rechtsbeugung und des Rassismus. Interessant.

Wie dem auch sei, die zitierten Ergebnisse wurden für Ausländer gefunden, nicht für Flüchtlinge. Ob es sich bei Flüchtlingen so verhält, wie es sich bei Ausländern verhält, zumal Flüchtlinge freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln haben, ist eine offene Frage. Dazu gibt es keinerlei Forschung. Und weil es keine Forschung gibt, deshalb haben die Faltblattmacher aus München hier die Wahrheit etwas gedehnt und Ausländer in den Fragetext eingeführt. Und nun, da die Wahrheit soweit gedehnt wurde, dass sie fast schon zur Lüge geworden ist, können wir die Ausländer auch vergessen.

Nun wird im Faltblatt darauf hingewiesen, dass Flüchtlinge ja in erster Linie junge Männer sind. Junge Männer sind die Bevölkerungsgruppe, die überproportional häufig als Tatverdächtige erfasst wird. Indes gilt dies für alle jungen Männer, deutsche, nichtdeutsche und geflüchtete. Entsprechend kann man daraus keine Entschuldigung für die im Vergleich zu deutschen jungen Männern höhere Kriminalitätsbelastung von jungen männlichen Flüchtlingen in München basteln.

Und weil das alles nicht klappt, deshalb geht man bei der Stadt München zum offenen Verdrehen von Daten, fast zum Datenfälschen über:

50,3% der von Flüchtlingen begangenen Straftaten seien Bagatelldelikte, Vermögens-, Fälschungsdelikte oder Straftaten von geringer Tatschwere. Zwar seien 29,9% der Straftaten, die von Flüchtlingen begangen wurden, Rohheitsdelikte, aber diese würden vor allem gegenüber anderen Flüchtlingen begangen. Ist also nicht so schlimm, so die Stadt München. (Wie sich Gewalt unter Flüchtlingen zur Behauptung, als Flüchtling schneller angezeigt zu werden, verhält, ist eine Frage, die man wohl nur bei der Stadt München beantworten kann).

Wir zitieren nun aus dem Sicherheitsreport der Stadt München, dem auch die Faltblattmacher der Stadt München angeblich ihre Daten entnommen haben. Die Gegenüberstellung dessen, was im Sicherheitsbericht steht, mit dem, was die Faltblattmacher daraus gemacht haben, offenbart einen unglaublichen Drang, die Kriminalität von Flüchtlingen zu verbergen, wegzureden, zu leugnen, einen Drang, den man nur manisch und irre nennen kann.

Hier nun, was die Münchner Polizei zur Kriminalität von Flüchtlingen zu sagen weiß:

„Der größte Straftatenanteil tatverdächtiger Zuwanderer im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München liegt mit 29,9 % (23,2 %) im Bereich der Rohheitsdelikte. In 46,9 % (38,0 %) der durch Zuwanderer begangenen Rohheitsdelikte befand sich der Tatort in einer Asylbewerberunterkunft. Der überwiegende Anteil aller Rohheitsdelikte wurde zum Nachteil anderer Zuwanderer begangen.

Der Anteil des Deliktsbereichs Vermögens- und Fälschungsdelikte entwickelte sich mit 22,9 % (20,2 %) ähnlich wie 2015. Fast die Hälfte entfiel mit 45,6 % (46,4 %) auf Leistungserschleichungen.

Der Anteil der Straftaten gem. Nebengesetzen nahm um +1,5 % Punkte auf 14,7 % zu. Von den 866 Straftaten gem. Nebengesetzen sind 833 Rauschgiftdelikte. Fast ein Drittel der Tatorte dieser BtMG-Verstöße liegt am Münchner Hauptbahnhof oder in dessen Umfeld (Vgl. Ziff. 2.2.1, S. 67).”

Rauschgiftdelikte zählen bei der Stadt München offensichtlich zu Bagatelldelikten, ebenso wie Betrug, Veruntreuung, Unterschlagung und Urkundenfälschung, die in der Klasse der Vermögens- und Fälschungsdelikte enthalten sind. Wer seinen Pass fälscht oder andere betrügt, gilt in München demnach als Bagatellstraftäter.

In einem weiteren Sicherheitsreport des Polizeipräsidiums München ist die Entwicklung der Straftaten durch Flüchtlinge für die Jahre 2015 und 2016 dargestellt und etwas näher ausgeführt als dies im offiziellen Sicherheitsreport der Fall ist. Demgemäß hat sich die Anzahl der tatverdächtigen Flüchtlinge in München von 3.856 im Jahr 2015 auf 5.898 im Jahr 2016 erhöht. Die Anzahl der Straftaten, die Flüchtlingen zugeordnet werden können, ist im selben Zeitraum um 2.042 Delikte gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Flüchtlinge in München von 27.310 auf 33.656 gewachsen. Berücksichtigt man diese Zunahme, so kamen 2015 auf rund 7 Flüchtlinge ein Tatverdächtiger, während 2016 auf 6 Flüchtlinge ein Tatverdächtiger kam. Die Anzahl der Tatverdächtigen unter Flüchtlingen nimmt also zu. Ebenso und zur Besorgnis der Münchner Polizei steigt die Anzahl der Rohheitsdelikte, die von Flüchtlingen begangen werden, massiv an. Der Zuwachs von 2.042 Delikten zwischen 2015 und 2016 wird zu 42,6% (869 Straftaten) durch Rohheitsdelikte verursacht, davon sind 768 Straftaten Körperverletzungen.

Wenn man die Frage, die die Faltblattmacher der Stadt München sich selbst stellen, somit ehrlich beantworten will, dann muss man feststellen:

• Die Anzahl der tatverdächtigen Flüchtlinge ist gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung überproportional hoch. Daraus folgt, dass Flüchtlinge häufiger als Tatverdächtige ermittelt werden als Deutsche.

• Die Anzahl der Rohheitsdelikte, die von Flüchtlingen untereinander und gegenüber Dritten begangen werden, ist von 2015 auf 2016 stark gestiegen. Auch hier finden sich überproportional viele Flüchtlinge unter den Tatverdächtigen, denen z.B. eine Körperverletzung oder ein Raub zur Last gelegt wird.

Sind Flüchlinge krimineller als Deutsche?, so lautet das, was man in München „doch noch fragen“ darf. Die Antwort, die man offensichtlich nicht geben darf, lautet: Uneingeschränkt ja. Flüchtlinge sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil in München krimineller als Deutsche. Daran gibt es nichts zu deuteln.

Dieses Ergebnis wird noch dadurch bestätigt, dass ausländerrechtliche Straftaten, die nur von Flüchtlingen begangen werden können, nicht berücksichtigt sind.

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