Glyphosat und Bier, Grüne und BfR: Ideologie und Unkenntnis treffen Sachverstand und Fakten

Heute einmal ohne viel Kommentar von unserer Seite die Reaktionen auf die wenig überraschenden Berichte der Stiftung Warentest, nach denen in Bier Glyphosat in geringen Mengen nachgewiesen werden kann.

Auf diese Feststellung kann man auf mehrere Arten reagieren:

  • Man kann sie auf Grundlage von Sachverstand kommentieren.
  • Man kann versuchen, ideologischen Gewinn daraus zu schlagen.
  • Man kann sie auf Grundlage von Unkenntnis bewerten.
  • Man kann die Folgen, die sich mit dieser Feststellung verbinden, ableiten.
  • Man kann hysterisch werden.

Wer wie reagiert hat, das zu entscheiden überlassen wir unseren Lesern ebenso wie die Beantwortung der Frage, wo Sachverstand und wo ideologisch überhöhte Unkenntnis zu finden sind.

Wir stellen einfach das, was diejenigen, die in der Fraktion der Grünen, vermutlich aufgrund einer Art Sachverstands-Deprivation zu „Sprechern“ Ernannten (womit der Anspruch „Sachverstand“ verbunden ist), zu Glyphosat im Bier-Sample der Stiftung Warentest sagen, dem gegenüber, was Wissenschaftler, die sich seit Jahren mit der Erforschung der Folgen und Wirkungsweise von Glyphosat beschäftigen, beim Bundesinstitut für Risikobewertung zu Glyphosat im Bier sagen.

Pressemeldung der Grünen im Bundestag

“Zur Glyphosatbelastung alkoholfreier Biere bei Untersuchungen von Stiftung Warentest erklären Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik, und Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik

Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik

“Die Bierbrauer müssen jetzt den guten Ruf des Bieres retten und ihren Zulieferern vorschreiben, Glyphosat von den Äckern zu verbannen. Menschen, die sich mit alkoholfreiem Bier erfrischen wollen, wollen Bier und keine Extraportion Pestizide. In Bier gehört nach dem Reinheitsgebot nur Gerste, Hopfen und Wasser, kein Glyphosat.”

Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik

„Glyphosat hat in Bier nichts zu suchen. Wirklich glyphosatfreie Lebensmittel werden wir nur bekommen, wenn die Bundesregierung den versprochenen Glyphosat-Ausstieg endlich angeht. Stattdessen wird der klammheimlich immer mehr verwässert. Agrarministerin Klöckner stand von Anfang an nicht dahinter, zuletzt hat auch noch Umweltministerin Schulze still und leise das konkrete Ausstiegsdatum aufgegeben. Konkrete Einschränkungen bei den laufenden nationalen Glyphosat-Zulassungserneuerungen? Fehlanzeige, ausdrücklich nicht geplant! Der neue Test zeigt einmal mehr, wie allgegenwärtig der Pflanzenvernichter inzwischen ist. Und er zeigt, dass es auch anders geht: nur die Bio-Biere im Test sind glyphosatfrei.“

Pressemeldung des Bundesinstituts für Risikobewertung

Aufgrund einer Veröffentlichung der Stiftung Warentest wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mehrfach zum gesundheitlichen Risiko von Glyphosatrückständen in Bier gefragt. In einer Untersuchung hatte die Stiftung in 18 alkoholfreien Bieren und zwei alkoholfreien Craftbieren Glyphosat nachgewiesen. Die Gehalte lagen im Bereich der Mengen, die auch in den Jahren 2016 und 2017 bei Untersuchungen im Auftrag des Umweltinstituts München e.V. bei den 14 absatzstärksten deutschen Bieren auf Glyphosat auftraten. Der höchste Wert lag in den 2018 getesteten Bieren bei 28 Mikrogramm je Liter Bier. Glyphosatrückstände in Bier sind aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar. Glyphosat ist ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff für Getreide, wobei Rückstände in Bier maximal in Höhe der für Getreide unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors festgesetzten Rückstandshöchstgehalte vorkommen dürfen. In Deutschland darf Glyphosat bei Braugerste nicht zur Reifebeschleunigung vor der Ernte (Sikkation) angewandt werden. Nur bei dieser Art der Anwendung sind messbare Rückstände zu erwarten. Diese Regelung gilt jedoch nicht in allen EU-Staaten, so dass bei importierter Braugerste Rückstände von Glyphosat möglich sind.

Selbst der höchste bisher berichtete Glyphosatgehalt in Bier (30 Mikrogramm pro Liter im Jahr 2016) ist so niedrig, dass die hieraus rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen (60 kg Körpergewicht) mehr als 1000-fach niedriger liegen würde, als die derzeit als unbedenklich geltende lebenslänglich duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) oder die akute Referenzdosis (ARfD, das ist diejenige Substanzmenge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne ein erkennbares gesundheitliches Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher aufgenommen werden kann). Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken. Glyphosatgehalte von 30 Mikrogramm pro Liter Bier und darunter stellen nach dem derzeitigen Stand des Wissens kein gesundheitliches Risiko dar.

Konsequenz für alle anti-Glyphosat-Aktivisten: 1000 Liter Bier an einem Tag trinken. Wer es überlebt, der hat bewiesen, dass die Grünen Recht haben und Glyphosat im Bier gefährlich ist.

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12 Responses to Glyphosat und Bier, Grüne und BfR: Ideologie und Unkenntnis treffen Sachverstand und Fakten

  1. MrAndystueve says:

    Vielleicht sollte der Gesetzgeber Leuten wie Künast, Roth, Hofreiter, Göring-Heckhart und anderen die Dosis von 1000 Litern pro Tag verbindlich verordnen. Dann wären wir die kurzfristigst los und mehr Unsinn als in den nüchtern abgegebenen Statements wäre auch nicht zu befürchten. Würde dazu eine Initiative wie ” Delirium ist Menschenrecht” oder ähnliches gründen und Spenden sammeln. Na dann prost

    • Brockenteufel says:

      Ist ja wie oben beschrieben, nur in alkoholfreien Bieren nachgewiesen! In alkoholhaltigen Bieren, und nur die nehme ich zu mir, scheint ja das Problem nicht zu bestehen.

    • Michael Klein says:

      Bitte unbedingt ein “nachhaltig” und ein “ökologisch” vor das Delirium setzen!

  2. Stadtbekannter Säufer says:

    Vorsicht! In Deutschland darf alkoholfreies Bier 0,5% Alkohol enthalten. Macht den Test mit den 1000 Litern nur, wenn ihr 5 Liter Alkohol vertragt.

    • Hannes says:

      Selbst Obstsäfte, Milchprodukte, Gemüsesaft, Marmelade sind hochgiftig, sie enthalten nämlich oft auch geringe Mengen an Alkohol. Also auch hier aufpassen und hiervon möglichst keine 1000 Liter am Tag verzehren.

  3. Heiner says:

    Der immer wiederkehrende Hype um die Giftigkeit von Glyphosat ist nur eine riesige Nebelkerze, um vom viel größeren Problem z.B. der ungesteuerten Migration abzulenken. (Rein statistisch sterben übrigens derzeit in Deutschland mehr Leute durch Messerstiche von “neu hier lebenden Einzeltätern” als durch die landesweite Ausbringung von Glyphosat überhaupt erkranken, geschweige denn sterben.)

    Mit dem spitzen Bleistift und für alle Innumeraten mal kurz durchgerechnet:

    In 100 ml Roundup easy (handelsübliches Konzentrat) sind 17 Gramm Glyphosat. Das Konzentrat ist zu verdünnen, wobei 20 ml auf 1 Liter Wasser kommen (3,4 g). Somit sind in 100 ml gebrauchsfertiger Lösung 0,34 g. Das reicht für 2 m² zu behandelnde Fläche, also gut ein halbes Ehebett (Da vernichten sie dann allerdings nur das Moos, was sich in ihrem Eheleben vielleicht angesetzt hat, aber nicht den, der drin liegt. *gg*).
    Die letale Dosis (LD50, also die, bei der die Hälfte der Tiere sterben) liegt bei der Ratte bei 4,3 bis 5 g/kg KG. (Die hohe Menge liegt daran, daß nur 15-36% überhaupt aufgenommen werden, der Rest wird einfach so wieder über den Kot ausgeschieden.)
    Nehmen wir an, der Mensch wäre eine Ratte, dann müßte er bei 80 kg 344-400 g reines Glyphosat schlucken, um zu sterben.
    (Macht keiner, da können sie die Schwiegermutter mit andren Giften wesentlich schneller beseitigen. Und wenn ihnen die Schwiegermutter als Ziege erscheint: auch da liegt die LD 50 bei 3,5g/kg KG also bei gut 1,6 Litern reinem (!) Roundup easy, die sie ihr irgendwie über den Mund einflößen müssen. So blöd kann die gar nicht sein, daß sie das nicht im Tagesverlauf merkt! Und selbst dann liegt die Wahrscheinlichkeit noch bei 50%, daß sie überlebt! Fangen sie also erst gar nicht damit an! *gg*)

    Die FDA (amerikanische Zulassungsbehörde) nimmt den schlechtesten Tierversuch, bei dem irgendein (und damit meint man jeden, auch nur am geringsten zu beobachtenden, inklusive teratogene, also erbgutverändernde und kanzerogene, krebsauslösende) Schaden im Tierversuch auftritt, teilt den Wert durch 100 und legt damit die ADI fest (tägliche maximale Aufnahme).
    Die EU und die deutschen Behörden ziehen diesen Wert nochmals runter, so daß man nach hier gültiger ADI-Norm am Tag als 80 kg schwerer Mensch bei 0,3 mg/kg KG also 24 mg = 0,024 g aufnehmen muß, um diese Norm zu erfüllen. (Wir erinnern uns x 100, dann entsteht der geringste (!) Schaden, macht 2,4 g/d also weniger als das, was in einem Liter gebrauchsfertiger Lösung drin ist. Aber man trinkt so was ja selbst bei größter Hitze nicht. Die dermale Resorption liegt übrigens bei 2%, wenn sie das auf die Finger bekommen und nach kurzer Zeit wieder abspülen, passiert ihnen also auch kaum was und als Badezusatz zum Schwiegermutterloswerden ist es damit auch wieder mal völlig ungeeignet! *gg*)

    Und so kommt es dann auch, daß bei der berühmt berüchtigten “Glyphosat in der Muttermilch-“Studie”” der Grünen (2016), die mit einem ungeeigneten und dafür nicht zugelassenen Meßverfahren maximal 0,43 ng/ml Glyphosat in der Muttermilch nachwies, ein 4 Kilogramm schwerer Säugling am Tag hätte gut 2780 (!)Liter Muttermilch trinken müssen, um überhaupt die deutsche ADI-Norm zu erreichen (nach amerikanischer Norm übrigens rund 16200 Liter). Welcher Säugling trinkt am Tag so viel und welche Mutter gibt so viel Muttermilch am Tag? (Auflösung: Eine Frau hat am Tag im Schnitt 1-2 Liter Muttermilch (einzelne beobachtete Spitzenleistung bis 6 Liter/Tag), eine moderne Milchkuh gibt am Tag etwa 50 Liter, also im Jahr etwas mehr als 18000 Liter). Deshalb hat auch die “Nationale Stillkommission” (was es in Deutschland nicht alles an Kommissionen gibt!) alles für unbedenklich erklärt.

    Fazit:

    Im letzten Jahr wurde mit großem Brimborium 500 Jahre Reformation gefeiert. Zur gleichen Zeit lebte der in Deutschland mittlerweile dem Vergessen anheim zu fallende Paracelsus (Theophrastus Bombast von Hohenheim 1493/94-1541). Irgendwie schwindet auch die Erinnerung an seinen berühmtesten Satz:
    „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“

    • oprantl says:

      Und was mache ich jetzt mit meinen Globuli ?
      Liabs Hahnemännchen, hilf !

      • Heiner says:

        Die Globuli unbedingt nur in homöopathischen Dosen einnehmen! Die bestehen vor allem aus Zucker! Und Zucker ist ja bekanntlich auch an allem Leid der Welt schuld! 🙂

      • archenlaender says:

        Sie meinen sicher, dass durch die Verdünnung von Roundup easy, das Ausbringen auf die Fläche, die geringe Aufnahme in die Pflanzen und das Verbleiben einer Restmenge im Bier die Wirkung von Glyphosat potenziert wird? Von 170 g/l auf 30 Mikrogramm/l, das enspricht ja nahezu einer D7-Potenzierung – kein Wunder, dass das Zeug für die Grünen des Teufels ist!

  4. Pingback: Unseren täglichen Grenzwert gib uns heute. – Der Waidler

  5. user10 says:

    Zu dem Bericht habe ich eine fachliche Anmerkung: Der Auffassung, dass Glyphosat soweit unbedenklich ist, stimme ich zu. Ich stimme aber nicht zu, dass Glyphosat, wenn auch nur theoretisch, durch Zusatz ausländischer Braugerste in Bier gefunden werden könnte. Bei deutscher Braugerste ist es per se ausgeschlossen.

    Das was unter Einsatz ausländischer Braugerste gefunden werden könnte, wäre allenfalls das Abbauprodukt des Glyphosats, das AMPA. Denn Glyphosat baut sich innerhalb weniger Wochen zu AMPA ab. Ich wüsste nicht, dass Gerste innerhalb weniger Tage zu Bier vergoren werden könnte. Also findet man nur AMPA. Geht man auf die Mitteilungen der entsprechenden Labore so findet man im Kleingedruckten auch den Hinweis, dass nicht nach Glyphosat gesucht wird, sondern nach AMPA.

    Jetzt ist AMPA aber nicht nur das Abbauprodukt von Glyphosat, sondern das Abbauprodukt A L L E R Phosphonate. Somit ist AMPA also auch das Abbauprodukt der Phosphonate die in fast allen Reinigungsmitteln, Geschirrspülmitteln und Waschmitteln enthalten sind. Jetzt dürfte auch klar sein, was die Stiftung Warentest tatsächlich gefunden hat: Sie hat Spuren der Reingungsmittel gefunden, mit denen die Anlagen zur Bierherstellung immer wieder gereinigt werden, nämlich das AMPA aus den Reinigungsphosphonaten.

    Dass in den Bio-Bieren kein AMPA gefunden wurde ist somit auch logisch: Biobrauereien dürfen diese Reingungsmittel nicht benutzen. Sie benutzen stattdessen energieaufwendigere Verfahren.

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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