„Rentner blockieren große Wohnungen“ – Sozialisten träumen wieder von Volkseigentum

Gruppendenken, Männer und Frauen, Weiße und nicht-Weiße, Junge und Alte, Arme und Reiche, Mieter und Vermieter, führt über kurz oder lang dazu, dass Gesellschaften die gemeinsame Basis entzogen wird. Gesellschaft ist – in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes – ein individuelles Projekt, ein Zusammenschluss der Bürger zur Schaffung von Sicherheit, Eigentum und Wohlstand.

Der sozialistische Entwurf von Gesellschaft, den Friedrich von Hayek in seinem Buch „Road to Serfdom“, das als “Weg zur Knechtschaft” und nicht „Weg in die Knechtschaft“, wie es richtig wäre, übersetzt wurde, grundlegend in seinen falschen Annahmen, boshaften Prämissen und katastrophalen Folgen bloßgestellt hat, ist ein anderer.

Quelle

Der sozialistische Entwurf von Gesellschaft ist eine Reminiszenz an die Romantik, an die Volksgemeinschaft, wie sie Ferdinand Tönnies beschrieben und in dem Satz verewigt hat, dass in ihr der Wille der Vielen in den Willen der Volksgemeinschaft transzendiert werde.

„Im soziologischen Sinne kann man den Staat, zumal wenn er, wie das Deutsche Reich, aus Wunsch und Wille einer lebendigen Volksgemeinschaft hervorgegangen ist, das organisierte Volk nennen, wenn das auch kein Rechtsbegriff ist; der Staat als Persönlichkeit gedacht enthält wenigstens die Anlage dazu, mit dem Volke sich gleichsam zu vermählen und in einigem Maße zu verschmelzen“, schwärmt Tönnies.

Bei Sozialisten ist der transzendierte Wille im Staat und seinen Institutionen verkörpert. Alles, was der Staat plant, muss entsprechend gut und richtig sein, jedes Gesetz, jede Maßnahme, jede Regelung im sozialistischen Staat ist kodifiziertes Gutes. Als Inkarnation des Guten thront er über den gesellschaftlichen Gruppen, denn die sozialistische Gesellschaft kennt keine Individuen, sie kennt nur Gruppen. Die Gruppen zerfallen in Anspruchsberechtigte und Abtretungspflichtige oder, nach alter Marxistischer Tradition in die, die etwas haben, und die, die das, was andere haben, gerne wollen. Der sozialistische Staat teilt die sozialistische Volksgemeinschaft nicht nur in diese Gruppen ein, er plant und teilt auch den Anteil, den sozialistische Parteiführer, nachdem sie sich ihren Anteil genommen haben, noch verteilen wollen, zu.

Die sozialistische Gesellschaft wird entsprechend zu einem Verteilungsspiel, dessen Gleichgewichts-Zustand dann erreicht ist, wenn alle gleich wenig haben. Sozialistische Gesellschaften treffen sich immer auf dem geringsten Nenner, sie sind Gesellschaften der Verlierer, heute sagt man wohl: Modernisierungsverlierer.

Alles nicht-Regulierte ist im sozialistischen Staat negativ. Alles nicht-Regulierte produziert Verteilungsprobleme, die den staatlichen Eingriff fordern. Wenn ein großer Teil des Einkommens für Mieten aufgebracht werden muss, dann ist dies nicht das Ergebnis zu geringer Verdienste oder zu hoher Steuern, die das Einkommen so dezimieren, dass Erwerbstätige nur einen Bruchteil dessen, wofür sie gearbeitet haben, erhalten. Im sozialistischen Staat sind hohe Mieten Ausdruck von Mietwucher, egal, ob die Mieten im internationalen Vergleich in ihrer Höhe eher als lächerlich zu bezeichnen sind.

Dass das Angebot an preiswerten Mietwohnungen, das durch den starken Zuzug von Personen, die nach billigen Miet-Wohnungen Ausschau halten, ob sie als Flüchtlinge, Studenten oder sonstige Geringverdiener kommen, zudem verknappt wird, ist im Sozialistischen Staat nicht Ausdruck einer verfehlten Planung, sondern im Gegenteil, Ausdruck von zu geringer Planung, denn die Aufteilung von Wohnfläche an Wohnungssuchende ist offenkundig nicht sozial-optimal.

Ergo geht es im sozialistischen Staat darum, diejenigen zu finden, die mehr Wohnfläche besetzen, als sie besetzen dürfen, wenn man eine vom sozialistischen Staat normierte Wohnfläche von, sagen wir 30 Quadratmeter pro Person zu Grunde legt.

Ein Kommuniqué in der sozialistischen Presseagentur „Focus“, nachdem ein ebensolches im sozialistischen Boulevardblatt „Stern“ weitgehend unbeachtet geblieben ist, hat nun ein Gruppe ausgemacht und der Horde derjenigen, die auf die Wohnfläche anderer neidisch sind, vorgeworfen: „59 Quadratmeter pro Kopf: Rentner blockieren große Wohnungen”, titelt der Focus und schreibt weiter: „In Deutschland fehlt es nicht nur an Wohnungen, sondern auch an Wohnraum [der gute alte sozialistische Wohnraum]. Sieben Prozent der Deutschen wohnen in zu kleinen Wohnungen, wie eine neue Studie ermittelt [Was man nur auf Grundlage einer entsprechenden Standardisierung, also Zuweisung von „korrekter“ Wohnfläche ermitteln kann]. Gerade ältere Menschen haben dagegen oft eine zu große Wohnung“. [Gemessen an welcher Vorgabe die Wohnung zu groß ist, wird bewusst offengelassen, damit im Text suggeriert werden kann, die „älteren Menschen“ wollten ohnehin in kleinere Wohnungen umziehen.]

Wie immer, wenn Sozialisten planen und umverteilen wollen, werden zwei antagonistische Gruppen benötigt. Für die Gruppe der Wohnflächen-Anspruchsberechtigten werden „alleinerziehende Mütter“, die ihre für die sozialistische Gesellschaft so wichtige Fortpflanzungswilligkeit unter Beweis gestellt haben und nun „zunehmend auf Wohngemeinschaften ausweichen müssen“, den Wohnflächen-Abtretungspflichtigen, den Rentnern gegenübergestellt, die „oft allein in einer Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung“ leben.

Das sozialistische Verteilungsproblem ist einfach beschrieben: Hier leben alte Menschen, die zwar ihr Leben lang gearbeitet und Steuern gezahlt haben, auf mehr Wohnfläche als ihnen nach neuester Meinung im sozialistischen Gleichheitsstaat zusteht, dort sind vermeintlich Bedürftige, alleinerziehende Mütter, die niemand dazu genötigt hat, sich “Wohnraumprobleme” zu schaffen, die zur Krone der Gesellschaft aufgeplustert werden in Wohngemeinschaftsnot (dass dann, wenn zwei oder drei alleinerziehende Mütter mit ihren oft schlecht (wenn überhaupt) erzogenen Kindern in einer Wohngemeinschaft leben, Mord und Totschlag wohl nur durch Intervention von außen verhindert werden kann, ist nachvollziehbar, aber der Anteil der Alleinerziehenden, die in einer Wohngemeinschaft leben, dürfte sich derzeit im Promillebereich bewegen, wäre dem anders, der Focus hätte entsprechende Zahlen präsentiert).

Wenn es darum geht, sozialistische Verteilungsprobleme zu lösen, dann sind Individuen im Weg. Paul G., der Rentner in der 75 Quadratmeterwohnung, der mit seiner Wohnung Erinnerungen an glückliche Tage verbindet, ist der individuelle Störfaktor in der Gruppenrechnung, die Rentner oftmals in „zu großen Wohnungen“ leben sieht. Ein Missstand, der behoben werden muss, und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass er auch behoben werden wird, wie im deutschen Sozialismus so üblich, zum Wohle der sozialistischen Gemeinschaft und unter heftiger Produktion von individuellen Spänen, weil gehobelt wird.

Nun, nachdem der Bann gebrochen und die Meute der zu Anspruchsberechtigten Erklärten nach Rentnern Ausschau halten kann, die „in zu großen Wohnungen“ leben, kann der notwendige moralische Druck aufgebaut und mit Herz-Schmerz-Geschichten von Alleinerziehenden untermauert werden, so dass sich über kurz oder lang kaum ein Berliner Rentner (wir nehmen Berlin als Beispiel, weil der Sozialismus in der Stadt schon am weitesten gediehen, die demokratischen Grundwerte schon am deutlichsten ausgehebelt sind) mehr traut, in einer zwei- oder drei-Zimmerwohnung zu wohnen und freiwillig auszieht. Wer nicht auszieht, dem werden dann vermutlich durch ein neues Wohnraum-Anspruchsberechtigungs-Durchsetzungsgesetz Beine gemacht, denn in der sozialistischen Volksgemeinschaft gibt es nur Volkseigentum.

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