“Klimawandel-Leugner” sind ein Fall für die Psychiatrie – oder sind die Therapeuten krank?

Psychische Störungen sind weit verbreitet…

Denken Sie an die Menschen, die es schaffen, sich in den Glauben zu wiegen, dass alles ganz eindeutig bekannt sei. Dass klar sei, wer die Guten und die Bösen sind. Menschen, die dann Worte schreiben wie: „ein breiter Konsens seriöser Forschung“. Menschen, die sich davon überzeugen können, dass die „Apokalypse“ bevorsteht, und die deshalb alles daransetzen wollen, die „Spirale des menschengemachten Klimawandels“ abzuwenden, um angemessen „auf die drohende Zerstörung der Welt“ zu reagieren. Menschen, die diese gerade beschriebene, für sie ganz offenkundig „existenzielle Grenzsituation“ zum Anlass nehmen, um all diejenigen, die anderer Ansicht sind als sie, diejenigen die die „Apokalypse“ verleugnen, die „die menschliche Verursachung des Klimawandels als Lüge abweisen“, die den „menschengemachten Klimawandel verharmlosen“, ihm nicht die „oberste Priorität einräumen“ wollen, zur akuten „Eigen- oder Fremdgefährdung“ erklären. Menschen, die ihre eigene, offenkundige Psychose damit bekämpfen wollen, dass sie alle normalen, dass sie einen „Großteil der Weltbevölkerung“ der die These vom menschengemachten Klimawandel – im Gegensatz zu ihnen – für einen Witz hält, zu Kranken erklären.

Es ist wie ein Aufstand im Irrenhaus, gleicht dem Versuch, das Perverse zu normalisieren und mündet in den Satz: „Die Patienten – das sind wir alle“.

Diese Erkenntnis hat Fabian Chmielewski auf der zweiten Seite eingeholt, der zweiten Seite seines doch bemerkenswerten Versuches, die Normalität, das Bestehen auf die Übereinstimmung zwischen Behauptungen und Daten, also die Verleugnung der Apokalypse, die immerhin schon in der Bibel vorhergesagt wird, und die seither und in regelmäßigen Abständen ausgerufen und angerufen wird, ohne dass sie sich freilich einstellen will, zu pathologisieren.





Das Klima-Ende

Die Verleugnung der Apokalypse – der Umgang mit der Klimakrise aus der Perspektive der Existenziellen Psychotherapie“, so der Titel des Beitrags des Diplom Psychologen, von dem sich Chemielewski offenkundig, wenn man seinen Beitrag ernst nimmt, eine Erhöhung seines Selbstwerts verspricht. Selbstwert zu schaffen oder zu erhalten, so doziert er, sei das zentrale Motiv von Menschen, also auch von ihm. Insbesondere, wenn existenzielle Krisen aufträten, wenn der Mensch „sich der eigenen Sterblichkeit bewusst” werde, dann komme es zu „zentralen Konflikten“. Der von Chmielewski für gegeben erachtete und von Menschen gemachte Klimawandel ist eine solche „existenzielle Krise“, in der sich Chemielewski wohl seiner eigenen Sterblichkeit bewusst geworden ist, weshalb er von “Apokalypse” spricht, von der „drohenden Zerstörung der Welt“, der „Verleugnung der Realität“: Die Erde stehe am Abgrund.

Dieser fast schon mythische Glaube an eine unglaubliche Menschenmacht, die um ein Vielfaches stärker ist, als alle Energie, die die Sonne aufwenden könnte, um das Klima auf der Erde zu beeinflussen, führt bei Chemielewski dazu, dass er die Legitimität von Kritik an dieser absurden Idee leugnet. Die Angst vor der Apokalypse und dem eigenen Tod im Fegefeuer der menschengemachten Klimakrise, treibt ihn so weit, diejenigen, die seinen Wahn nicht teilen, pathologisieren zu wollen, sie zum Behandlungsgegenstand seiner Zunft der Psychotherapeuten zu machen, also derjenigen, die wenn sie andere behandeln wollen, immer einen Teil von sich behandeln, denn, wie Chemielewski sagt: „Die Patienten, das sind wir alle“.

Derartige selbstreferentielle Zuschreibungen einer Erkrankung, können nur aus einem wirklich verwirrten Gehirn entspringen, so dass uns Chemielewski davon überzeugt hat, dass er ein Patient seiner eigenen Diagnose ist.

Er sollte sich daher einer Therapie unterziehen, die – wir folgen hier seinen Vorschlägen – darin bestehen kann, seine “existenzielle Neurose” durch die Aufnahme einer weniger für ihn belastenden Tätigkeit, z.B. als Bauarbeiter zu bekämpfen. Ein Bauarbeiter ist meist an der frischen Luft. Er sieht jeden Tag die „kleinen Erfolge“, die Chemielewski zur Heilung vorschlägt. Ein Bauarbeiter erlebt, im Gegensatz zu einem Psychotherapeuten, der ohnehin nur ändern kann, was geändert werden will, täglich Selbstwirksamkeit, z.B. in Form einer Mauer, die stabil ist. Eine solche Errungenschaft kann dann, wie Chemielewski das vorschlägt, sofern er dazu in der Lage ist, als „kleine Heldentag“ gefeiert werden, so dass auch Chemielewski dazu fähig sein sollte, langsam aber sicher seine Todesfurcht zu überwinden und der Tatsache seiner Sterblichkeit wie ein Mann gegenüberzutreten. Die Notwendigkeit dafür, Selbstwirksamkeit ausgerechnet bei den Kindern von FridayForFuture zu suchen und ausgerechnet dadurch, den „engagierten jungen Schülern“ zu attestieren, dass sie die Weisheit und Wahrheit mit Löffeln gefressen haben, sie entfällt dann und Chemielewski hat etwas, worauf er stolz sein kann: Eine selbst gemauerte Mauer.

Diese von uns entwickelte Therapiemethode für Psychotherapeuten, die die eigene Existenzangst kurz vor das Durchknallen geführt hat, holt den armen Wicht aus seinem „Erduldungs-Modus“ ab, jenem Modus, der sein Leiden an der nahenden Apokalypse begründet und gibt ihm einen Lebenssinn aus Mörtel und Backstein, und er wirkt gegen den „Vermeidungs-Modus“, dem Chmielewski anheim gefallen ist, der Angst vor dem Zweifel, der Angst, alles könnte ganz anders, nichts sicher, am Ende im Schwung, veränderlich, oder gar: derzeit im Wandel sein, oh, Schreck, entgegen.

Für diese Therapie verlangen wir nicht einmal Geld.





Dieser Blogpost basiert vollständig auf dem Beitrag „Die Verleugnung der Apokalypse – der Umgang mit der Klimakrise aus der Perspektive der Existenziellen Psychotherapie“, den Fabian Chmielewski im Psychotherapeutenjournal, das von der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten herausgegeben wird, veröffentlicht hat.

Wir wenden ausschließlich die Konzepte und Folgerungen an, die Chmielewski angewendet hat und zeigen, dass nicht diejenigen, die am menschengemachten Klimawandel zweifeln, therapiebedürftig sind, sondern derjenige, der den normalen Zweifel anzweifelt und sich ansonsten als Herbeirufer der Apokalypse betätigt. Diese Vorgehensweise zeigt, dass der wissenschaftliche Gehalt des Textes von Chmielewski gleich null ist. Es handelt sich bei seinem Text um einen ideologischen Text, den wir als Ergebnis einer Psychose ansehen, was den Vorteil hat, dass man auf Grundlage von ICD-10 diagnostizieren und behandeln kann und nicht wie Chmielewski eine neue psychische Störung erfinden muss.

Es ist erschreckend, dass textueller Unrat wie der von Chmielewski im 21. Jahrhundert unkommentiert in der Zeitschrift eines Berufsverbandes erscheinen kann. Es zeigt, wie weit die wissenschaftlichen Standards in Deutschland gesunken sind, wobei natürlich in Rechnung gestellt werden muss, dass die entsprechenden Standards in der Psychotherapie nie besonders hoch waren.

Air Tuerkis hat sich auf der Achse des Guten diesem Vorgang gewidmet. Wer daran interessiert ist, der kann es hier nachlesen. Im Gegensatz zu uns hat Tuerkis den Text von Chmielewski ernstgenommen. Das ist uns beim besten Willen und ab einer bestimmten Häufung von Blödsinn nicht mehr möglich.



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