Staatspropaganda: Faktenfinder mit Haltungsschaden

Ein Fundstück aus dem World-Wide-Web.

Patrick Gensing, für alle, die ihn nicht kennen, ist bei der ARD für den Faktenfinder, also das Format zuständig, das angeblich Falsches im Internet richtigstellen soll.

Er ist, was man als dem öffentlich-rechtlichen Bock bezeichnen könnte, der zum Gärtner gemacht wurde, denn:

Leider hat derjenige, der für diese schöne Collage verantwortlich ist, einen Fehler gemacht. Das Originalzitat lautet:

„Ich bin ein großer Freund von Journalismus mit Haltung, weil ich mich daran viel besser abarbeiten kann. Ich glaube, dass man die Leute eher gewinnen kann, wenn im Journalismus eine Haltung vertreten wird, als wenn da irgendwie einfach nur Fakten angehäuft werden. Das ist in meinen Augen auch überhaupt nicht Journalismus. Einfach nur Fakten zu liefern und sagen, wir können das nicht beurteilen und wissen das nicht. Das zu beurteilen ist doch genau unser Job.“





Reduzieren wir die Passage auf die entscheidenden Inhalte:

  • Haltung ist im Journalismus wichtiger als Fakten.
  • Mit Haltung gewinnt man die Leute eher.
  • Haltung besteht darin, Fakten zu BEWERTEN.

Wer glaubt Gensing eigentlich, dass er sei? Wie kommt er auf die Idee, er könne seine Position, die er innehat, um Fakten zu berichten und Informationen bereitzustellen, dazu missbrauchen, seinen Konsumenten keine Fakten bereitzustellen, sondern die eigenen Bewertungen, also auf der Grundlage der Gensingschen-Haltung verzerrte Fakten?

Die Großmannsucht nimmt bei öffentlich-rechtlich sich Verdingenden megalomanische Ausmaße an.

Mit seiner Überzeugung, dass man als Journalist Fakten nach eigenem Gutdünken verzerren und vor dem Hintergrund der eigenen Haltung, also der eigenen ideologischen Überzeugung, bewerten müsse, um auf diese Weise, “die Leute” zum eigenen ideologischen Lager und zur eigenen ideologischen Sichtweise zu bekehren, steht Gensing übrigens in guter Tradition.

Der Versuch, „Leute zu gewinnen“, also Konsumenten von Medien vorzugeben, was sie als richtig zu denken haben, ihnen die richtige Haltung mitzuliefern, dieser Versuch ist sehr alt und unter dem Namen „Propaganda“ bekannt. Mit seinem Bemühen, den Konsumenten öffentlich-rechtlicher Sender keine Fakten zu vermitteln, sondern Haltung, also bewertete (und damit verzerrte) Informationen, die es Konsumenten unmöglich machen, sich eine eigene, eine unabhängige Meinung zu bilden und ihnen vorgeben, was sie bitteschön zu denken haben, wie sie Fakten zu bewerten haben, wie man die Fakten richtig bewertet, reiht sich Gensing in eine Phalanx, eine lange Phalanx ein, er steht damit in einer wirklich deutschen Kontinuität.

Wir zitieren:

„Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus dieser Tatsache heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig solange zu verwerten, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.“

Der gleiche Haltungsjournalist, wie man heute wohl sagen würde, fährt fort und schreibt:

„Je bescheidener dann ihr wissenschaftlicher Ballast [man kann hier Fakten statt wissenschaftlicher Ballast einsetzen] ist, und je mehr sie ausschließlich auf das Fühlen der Masse Rücksicht nimmt [also Haltung vermittelt], umso durchschlagender ist ihr Erfolg [umso eher kann man die Leute gewinnen]. Dieser ist aber der beste Beleg für die Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer Propaganda und nicht die gelungene Befriedigung einiger Gelehrter oder ästhetischer Jünglinge. Gerade darin liegt die Kunst der Propaganda, dass sie die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse [also deren Haltung] begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse findet [also die Leute gewinnt].“

Die Übereinstimmungen zwischen dem, was Gensing sagt und dem, was in den Zitaten als Aufgabe und Umsetzung von Propaganda beschrieben wird, springt den Leser förmlich an.

Zwischen den beiden Zitaten und dem, was Gensing sagt, liegen 77 Jahre.
Die beiden Zitate stammen aus dem Jahre 1938.
Das Buch, in dem sie sich finden, trägt den Titel „Mein Kampf“.
Es wurde von Adolf Hitler geschrieben.

Wir haben die beiden Stellen aus dem empfehlenswerten Buch von Thymian Bussemer „Propaganda: Konzept und Theorie“, das 2005 beim Verlag für Sozialwissenschaften in Wiesbaden erschienen ist, zitiert. Die entsprechenden Zitate finden sich auf den Seiten 177 und 178.



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