Kippt die Energiewende? Jenseits der Corona-Heiligsprechung von Merkel warten massive Probleme

“Wie lange kann etwas auf der Kippe stehen, bevor es kippt? Im vergangenen Jahr konstatierten wir angesichts der 2018er-Befragungsergebnisse genau dies: dass die Energiewende auf der Kippe stehe. Nun, ein Jahr später, müssen wir feststellen, dass die Situation noch schlechter, noch gravierender geworden ist. Die Umsetzung der Energiewende wird von noch mehr Menschen als zu teuer, zu chaotisch und zu ungerecht empfunden.”

Das schreiben nicht wir, das schreiben diejenigen, die ihr Auskommen, das ihnen die Energiewende beschert hat, in Gefahr sehen. Das Zitat finden sich im Fazit des vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) herausgegebenen Nachhaltigkeitsbarometers. Weil Nachhaltigkeit nicht auf eigenen Füßen stehen kann, schon gar nicht als Manifestation eines Instituts, werden Institut und Barometer vom Land Brandenburg und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Zwei Quellen von Steuergeldern: Doppelt genäht, hält besser. Rent Seeking ist eine wahre Kunst in Deutschland. Diejenigen, die sie beherrschen, machen jedes Unternehmen, das sich, anders als die Günstlinge von Zahlungen aus Ministerien dem Wettbewerb stellen muss, neidisch: Wer hat das schon: Mehrere Abnehmer, die alle für DASSELBE Gut bezahlen.



Das aktuelle Gut, das BMBF und das Land Brandenburg in trauter Eintracht finanziert haben, nennt sich “Nachhaltigkeitsbarometer” und besteht aus einer Umfrage, die von Forsa durchgeführt wurde. Wir wollen nicht vergessen, dass auch Umfrageinstitute an den Früchten des Rent Seekings von Nachhaltigkeitsgewinnlern teilhaben wollen. Dieses Mal ist es Forsa. Emnid oder Infratest kommen ein anderes Mal bei einem anderen der unzähligen, von Steuerzahlern am Leben gehaltenen “Institute”, die Umfragen in Auftrag geben, um sich eine Legitimation zu verschaffen, an die Reihe.

Zurück zum Nachhaltigkeitsbarometer, das, da es im Haushaltsplan als Posten steht, auch durchgeführt und dessen Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Misslich für diejenigen, die sich volle Unterstützung und begeisterte Zustimmung erhoffen, es sei denn, man macht aus den schlechten Nachrichten insofern gute Nachrichten, als man sie zum Anlass nimmt, das eigene, lukrative Anliegen, zum Allgemeingut zu erklären, das durch schlechte Politik gefährdet ist, gefährdet deshalb, weil die Bürger, die rund 6.500, die von Forsa für das Nachhaltigkeitsbarometer befragt wurden, die Nase voll haben. Das “Nachhaltigkeitsbarometer” greift übrigens auf das Haushalts-Panel von Forsa zu, ist also als longitudinale Studie konzipiert, wenngleich es kein einziges Ergebnis gibt, das die univariate Ebene deskriptiver Betrachtung verlässt. Man muss deshalb annehmen, das Paneldesign dient einzig dazu, die Kosten in die Höhe zu treiben, nicht dazu, Ergebnisse, z.B. wie sich die Akzeptanz von Kernenergie bei INDIVIDUELLEN Befragten über Zeit verändert hat, zu generieren.

Aus dem 36-Seiten Bericht haben wir die Ergebnisse herausgefischt, die wir für besonders bemerkenswert halten und auf deren Grundlage man zeigen kann, dass die Energiewende, was die Akzeptanz bei Bürgern angeht, in Deutschland auf dem letzten Loch pfeift. Die COVID-19 Krise wird für viele Bürger mit Kosten verbunden sein, die ihnen zusätzlich bewusst machen, dass die Energiewende dazu geführt hat, dass die Stromversorgung in Deutschland nicht nur zur teuersten in Europa geworden ist, sondern auch zur störungsanfälligsten. Der große Blackout ist keine Frage des ob, sondern eine Frage des “wann”.



Wenn man Umfragen analysiert, die im Auftrag von Lobbyisten für den Gegenstand der Umfrage in Auftrag gegeben wurden, dann tut man gut daran, sich die Fragen genau anzusehen. Die folgende Abbildung zeigt die Antworten auf die Frage: “Wenn Sie an Ihren persönlichen Beitrag zur Energiewende denken,welche der folgenden Aussagen trifft am ehesten auf Sie zu?” Gefragt wird also nach dem “persönlichen Beitrag”. Gleich die Antwortkategorie, die am häufigsten gewählt wird und angeblich hohe Akzeptanz der Energiewende zeigen soll, hat aber gar nicht den persönlichen Beitrag zum Gegenstand. Vielmehr wird Befragten die Möglichkeit geboten, in der Menge unterzugehen, sich als Mitläufer einzuschließen, vollkommen unabhängig vom persönlichen Beitrag (Text: “Die Energiewende ist eine Gemeinschaftaufgabe, bei der jeder, mich eingeschlossen, in der Gesellschaft einen Beitrag leisten sollte”, siehe Abbildung). Die Zustimmung zu Antwortkategorie 1 wird auch dadurch erhöht, dass die Antwortkategorien 2 und 3 so formuliert sind, dass sie abschrecken müssen: Wer bezeichnet sich schon gerne als Trittbrettfahrer bzw. merkt es nicht, wenn er sich als solcher kategorisiert (nur 8% – Text siehe Abbildung). Und wer gibt sich in diesen von Pseudo-Moral so durchtränkten Zeiten als jemand zu erkennen, dem alles egal ist, so lange es keinen Einfluss auf sein Leben hat (3% Text siehe Abbildung). Nach einem solchen Bombardement mit gezinkten Antwortmöglichkeiten ist es kein Wunder, dass nur 5% zugeben, dass sie sich an der Energiewende nicht beteiligen wollen. 

Ist Ihnen gerade an der Formulierung “möchte mich daran nicht beteiligen” etwas aufgestoßen? Das ist ein besonders fieser suggestiver Trick, der die ganze Umfrage durchzieht: Die Energiewende wird als etwas dargestellt, das es nicht zu hinterfragen gibt. Sie ist Faktum. Sie wird den Befragten als Positivum präsentiert, Befragten, die die erwarteten Antworten, wie man im weiteren Verlauf gut sehen kann, beherrschen, die wissen, dass sie der Umwelt und den nachfolgenden Generationen zuliebe behaupten müssen, sie wären für Windkraft und würden all die Formen ineffizienter Energieerzeugung unterstützen, die wenigen einen großen Gewinn und vielen hohe Kosten dafür bringen. Insofern ist die Umfrage von Forsa nicht viel anderes als die Abfrage von auswendig gelerntem Stoff. Und so wenig wie einem die Glocke von Schiller gefallen muss, obwohl man sie auswendig kennt, so wenig kann man von den Antworten, die Befragte, die im Hinblick auf ihre Fähigkeit, politisch korrekte Floskeln aufzusagen, abgefragt werden, auf Zustimmung zur Energiewende schließen. Wollte man wissen, wie Befragte tatsächlich zur Energiewende stehen, dann würde man sie genau die Grundlage hinterfragen lassen, die in der Forsa-Umfrage als unumstößlich und unhinterfragbar präsentiert werden.

Aber – wie immer – ist es nicht möglich, selbst in noch so suggestiven und mit den dark arts der Umfrageforschung arbeitenden Umfragen, zu verhindern, dass Widersprüche in den Daten aufscheinen. Das tun sie unwillkürlich. 

Nehmen wir zum Beispiel die folgende Frage, die auf semantischen Differenzialen beruht, teuer – kostengünstig, chaotisch- geplant, ungerecht – gerecht, elitär – bürgernah, schlecht – gut. Faktisch gibt es hier genau zwei Gegensatzpaare, gerecht – ungerecht, schlecht – gut, der Rest ist Humbug, mit dem versucht wird, noch miserablere Ergebnisse zu verhindern. Das Gegenteil von teuer ist billig, nicht kostengünstig. Warum man die Relation aus Kosten und Nutzen, die in kostengünstig eingeschlossen ist, teuer gegenüberstellt? Weil man hofft, dass die Verbindung von Kosten und günstig mehr Zustimmung produziert als das korrekte Adjektiv “billig”. Das Gegenteil von chaotisch ist nicht geplant, sondern nicht chaotisch. Wer Planwirtschaften kennt, der weiß, dass Planung häufig mit Chaos einhergeht, es gerade nicht ausschließt. Schließlich ist das Gegenteil von elitär nicht bürgernah, sondern, na, was wohl? Richtig: populär, egalitär….

Wie auch immer und trotz aller Vorkehrungen halten 47% der in Jahr 2019 Befragten die Energiewende für eher schlecht, nur 32% halten sie für eher gut. Und das, obwohl angeblich die Zustimmung zur Energiewende so hoch ist. Welches Ergebnis, das in ein und derselben Umfrage gewonnen wurde, ist nun Humbug, das, nachdem die Zustimmung zur Energiewende hoch ist oder das, nachdem eine Mehrheit der Befragten die Energiewende für schlecht hält? Haben Sie im übrigen den kleinen graphischen Trick bemerkt, mit dem versucht wird, die Gegensätze geringer zu machen? Die Ergänzung von “weiß nicht/keine Angabe” auf der rechten Seite der Abbildung, die den direkten Vergleich der Antworten schon deshalb erschwert, weil auch die Mittelkategorie in grau gehalten wurde? 68% der Befragten halten die Energiewende für eher zu teuer, 66% halten sie für eher chaotisch, 56% für eher ungerecht, 52% für elitär. Kann man einer Politik schlechtere Noten als diese ausstellen? Und dieselben Leute, die diese Ergebnisse veröffentlichen sind der Ansicht, ihre Ergebnisse würden zudem zeigen, dass “die Unterstützung der Energiewende … in der deutschen Bevölkerung weiterhin sehr hoch” ist. 

Lobbyisten wollen eben eine ganz eigene Sicht der Realität präsentieren, und benötigen dazu Umfrage-Material, das entsprechend darstellbar ist, das eine Realität gaukelt, wie die, die durch die folgende Frage gegaukelt werden soll.

Es ist aus unserer Sicht erstaunlich, dass so viele Befragte sich trauen, auf diese Frage “nein” zu sagen, wo es doch um den Klimaschutz geht, die nachwachsenden Generationen, landunter in Hamburg, Wasser bis zu den Alpen, weil Grönlands Eisschild schmilzt und Temperaturen von 40 Grad im Schatten auf der Zugspitze, auf der es bekanntlich keinen Schatten gibt – so die Erzählung. Nach dem Trommelfeuer der letzten Jahre, nach all den Lügen, Verdrehungen, der Panikmache, nach all dem, was die Klimahysteriker an Geschützen aufgefahren haben, trauen sich immer noch Befragte zu sagen: Sie wollen für den Klimaschutz keine höheren Kosten tragen. Erstaunlich.

Der Manipulation der öffentlichen Meinung sind offensichtlich recht enge Grenzen gesetzt.



Auf den ersten Blick zeigt die Abbildung oben nicht nur ein erstaunliches Maß an Resistenz gegen Klimahysterie, sie zeigt auch die Abnahme dieser Resistenz mit zunehmendem Einkommen. Was von den Autoren des Berichts natürlich als Zustimmung zu noch höheren Kosten für Energie gewertet wird, ist nichts anderes als eine Form des modernen Ablasshandels. Da Klimahysterie eine Variante von Sozialismus ist und Sozialismus egal, in welcher Spielart er gerade daherkommt, immer vom Neid auf Besserverdienende getragen ist, sich Besserverdienende in politischen Systemen, in denen Sozialisten präsent sind, einem Stakkato von Medien und Politikdarstellern, von Aussagen, die von Hass und Drohung (Reichenabgabe) getragen sind, gegenübersehen, ist die Bereitschaft zu höheren Preisen, die hier mit dem Einkommen steigt, als eine Form des Freikaufens zu sehen. Wir zahlen mehr, wenn ihr uns in Ruhe lasst. Die Hoffnung, die sich damit verbindet, entspricht der Hoffnung, man könne ein Rudel Haifische dadurch vertreiben, dass man ihm Fleischbrocken zuwirft.

Da unsere Interpretation der Ergebnisse natürlich erheblich von dem abweicht, was die Lobbygruppe, die hinter dem Nachhaltigkeitsbarometer steht, als Interpretation der Ergebnisse verkaufen will, bedarf es noch einer letzten Begründung unserer Ansicht, dass mit der Forsa-Umfrage, der forcierten Umfrage (a) abgefragt wurde, ob die Befragten auch den Energiewende-Katechismus aufsagen können, wissen, welche Antworten die politisch-korrekten auf die gestellten Fragen sind und (b) ein Umfragerahmen vorgegeben wird, in dem es keinerlei Möglichkeit gibt, der Prämisse, nach der die Energiewende unabwendbar, unumkehrbar und vor allem: gut sei, zu widersprechen. 

Den Beleg für diese Ansicht liefern die Autoren der Umfrage selbst:

Letztlich wird mit dem Nachfragebarometer die Ergebenheit der Befragten in ihr Schicksal gemessen. 78% sehen für sich ohnehin kaum bis keinen Einfluss auf die Energiewendepolitik, 75% sehen kaum oder keine Mitwirkungsmöglichkeit bei dem, “was die Regierung im Bereich Energiewende tut”. Drastischer kann man das eigene Unterworfensein unter autokratische Strukturen, die immer noch als Demokratie verkauft werden, seine eigene Wahrnehmung der Machtlosigkeit kaum zum Ausdruck bringen. Alle Fragen, die im Rahmen der Forsa-Umfrage gestellt werden, müssen daher vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Mehrheit der Befragten ohnehin der Meinung ist, sie könne an der Energiewende nichts mehr ändern, die Energiewende sei über ihre Köpfe hinweg beschlossen worden, man müsse sich nun damit so gut es eben geht, arrangieren. Somit wird keine Zustimmung, sondern die Bereitschaft, sich zu arrangieren, gemessen und vor diesem Hintergrund ist das miserable Zeugnis, das die Befragten bei der ersten Gelegenheit, dem, was als Energiewende bezeichnet wird, ausstellen, erstaunlich. 

Das sich-in-sein-Schicksal-Ergeben wird unterbrochen, durch einen fast schon revolutionären Akt sprachlichen Widerstands. Die Grundlage für aktiven Widerstand ist damit gelegt. Es bedarf nur noch des Initialereignisses, des Anlasses, um den Widerstand auch offen zu Tage treten zu lassen. Ein länger anhaltender Blackout würde dazu vermutlich genügen. Die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19 Krise wohl auch, denn es mag in Deutschland erste Lockerungen geben, in den Nachbarländern und den großen Absatzmärkten der deutschen Unternehmen jedoch nicht. Nun, da Inlandsnachfrage gefordert wäre, wird es sich rächen, dass die deutsche Regierung seit Jahrzehnten den Anteil ihres eigenen Einkommens, über den die Bürger frei verfügen können, systematisch reduziert hat.


Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) (2020). Soziales Nachhaltigkeits-Barometer der Energiewende 2019. Potsdam: IASS.




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