White-Profiling: Yahoo Boys – Schwarze Kriminelle – Weiße Opfer

Eine hanebüchene Geschichte, kaum Kenntnisse in Programm-Sprachen, wenig technischen Sachverstand, Webseiten voller sprachlicher Fehler, zudem dilettantisch gemacht, das sind die Zutaten, aus denen Reichtum gemacht wird, solcher:

Hushpuppi, der hier vor einem Teil seines “Eigentums” posiert und salbungsvolle Nachrichten an diejenigen versprüht, die ihm auf Instagram folgen, ist einer der erfolgreichsten Yahoo-Boys. Als er auf Veranlassung des FBI in den Arabischen Emiraten festgenommen wurde, wurden zudem 40 Millionen US-Dollar Bargeld, 13 Luxusautos mit einem Gesamtwert von 6,8 Millionen US-Dollar, 21 Computer, 47 Smartphones und die Adressen von rund 2 Millionen potentiellen Opfern von Hushpuppi sichergestellt. Denn: Hushpuppi ist ein Scammer.

Olalekan Jacob Ponle, der auf Instagram als MrWoodberry bekannt ist und hier lässig vor seinem Lamborghini steht, wurde in Dubai festgenommen. Auch er gehört zu den Topverdienern unter den Scammern, er ist ein Yahoo-Boy.



Im Jahr 2020, so schätzt das FBI wurde mit Scamming bislang 24 Millionen US-Dollar erbeutet, die Schätzung bezieht sich auf Scamming, in dessen Verlauf die Beute über BitCoins gewaschen wird. Zahlen für den Zeitraum von 2013 bis 2016, die die Verluste von Privatleuten und kleinen Unternehmen umfassen, sind schon erheblicher: 5,3 Milliarden US-Dollar sollen nach Angaben des FBI in den vier Jahren mit Scams gestohlen worden sein.

Scammer wie Ponle oder Hushpuppi, der im bürgerlichen Leben Ramon Olorunwa Abbas heißt, sind die Erfolgreichen in einem Wirtschaftszweig, der weitgehend in Nigeria betrieben wird (wenngleich man als Erfolgreicher dann in die Emirate oder nach Dubai geht, um seinen Reichtum zu genießen). Sie sind die Spitze eines Eisberges, der viele tausend Gesichter hat und der eine Reihe unterschiedlicher Methoden benutzt, um an das Geld anderer Leute heranzukommen.

Die Täter

Lexus rx330

Okechukwu Nnadi hat die Universität mit einem Abschluss verlassen. Er, wie viele andere Yahoo Boys, zieht die Kriminalität dem regulären Beruf, der in Nigeria mit der ständigen Gefahr, arbeitslos zu werden, verbunden ist, vor: “Weißt Du wie lange ich brauche, um mir ein Auto wie dieses zu leisten, wenn ich für 38.000 Naira (105 US-Dollar) im Monat arbeiten gehe?”, fragt er einen Interviewer von ZAM? Das Auto, das er meint, ist ein Lexus Rx330, das Markenzeichen erfolgreicher Scammer in Nigeria.

Im Interview mit ZAM beschreibt er, wie einfach es ist, europäische oder US-amerikanische Opfer um ihr Geld zu erleichtern. Yahoo Boys wie Nnadi leben in Gruppen. Sie haben alle dasselbe Ziel, dieselbe Tätigkeit, wechseln sich ab, arbeiten rund um die Uhr, teilen sich die Kosten für die Unterkunft und den Generator, der notwendig ist, um den Strom für die Computer und den Lebensstil zu erzeugen. Angst vor Verhaftung hat Nnadi nicht. Man müsse den Polizisten nur ein wenig Liebe zeigen, so sagt er, und bleibe unbehelligt.

Die US Sicherheitsfirma “Crowdstrike” hat vor nicht allzu langer Zeit einen Bericht über die Yahoo-Boys-Szene veröffentlicht. Darin beschreibt sie die Yahoo-Boy-Szene als Ansammlung dezentraler Jugendbanden, in denen sich die Aktiven in unterschiedlichen Bruderschaften finden, Bruderschaften wie z.B. Black Axe. Black Axe hat ein Aufnahmeritual: Wer aufgenommen wird, erhält einen neuen Namen. Die “Bruderschaft” ist inklusive, hat eigene Musik, eigene Kleidung, selbst eine eigene Sprache. Und sie alle haben keinerlei Schuldbewusstsein. Reiche Weiße um ihr Geld zu betrügen, ist der schnelle Weg zu dem Geld, das den Yahoo-Boys nach ihrer eigenen Ansicht zusteht.



Westliche Kids lieben Yahoo-Boys: Olu Maintain verherrlicht in diesem Video den Lebensstil der Yahoo-Boys. Die Kommentare darunter, viele von Kids aus westlichen Staaten, zeugen von keinerlei Erschrecken oder gar Kenntnis der Methoden, um zum beschriebenen Reichtum zu gelangen (Vielleicht kann die Investigativabteilung des NDR, die so gerne schnüffelt, ein wenig bei Yahoo-Boys schnüffeln…).

Der Nachschub an Yahoo-Boys in Nigeria ist laufend. Das schnelle Geld, das man leicht verdienen kann, das man leicht dokumentieren kann, das Status verspricht, gepaart mit einem korrupten politischen System, in dem Politiker vorleben, dass es vor allem darauf ankommt, Geld zu haben, nicht darauf, wo es herkommt, wirkt wie ein Sog. Die Polizei, oftmals Komplize und selten gewillt, etwas gegen Yahoo-Boys zu unternehmen, wird gemeinhin nur auf Druck von außen tätig, wie er im Kontext der Verhaftung von Ponle und Abbas, in dessen Verlauf sechs weitere high Profile Yahoo-Boys in Nigeria verhaftet wurden, vom FBI aufgebaut wurde. Während die meisten Yahoo-Boys junge Männer mit Hochschulabschluss sind, sind die meisten Helfer der Yahoo-Boys, ohne die es nicht möglich wäre, Geld über diverse Konten zu transferieren und dann verschwinden zu lassen, junge Männer mit Hochschulabschluss, die in Banken arbeiten. Auch sie bleiben von der Polizei weitgehend unbehelligt.

Die Masche

Nigerianische Scammer zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie das “social engineering” beherrschen. Sie sind technisch nicht besonders firm, sie können in der Regel weder Code lesen noch schreiben, ihre Scams sind nicht sonderlich automatisiert, ihre Stärke besteht im social engineering, darin, sich schnell auf die Bedingungen, die sie vorfinden, einzustellen, sagt James Bettke von Secureworks, der sich seit Jahren mit den verschiedenen Methoden der Scammer beschäftigt.

Social Engineering besteht z.B. aus Sweet talk. Damit, mit einem Fake Profile auf einer Dating Site, mit vielen Bildern muskulöser schwarzer Typen, gelingt es Nigerianischen Scammern deprivierte Frauen der weißen Mittelschicht zu ködern. Eine davon wurde gerade aus einer mehr als 15 Monate dauernden Gefangenschaft in einem Hotelzimmer in Lagos befreit. Die US-Amerikanerin hatte auf Facebook Chukwuebuka Obiaku kennengelernt und war eigens eingeflogen, um Obiaku zu heiraten. Die Kosten der Heirat betragen für sie 48.000 US-Dollar, die Obiaku von ihren Konten und ihren Kreditkarten abgeräumt hat. Hinzu kommen noch erhebliche Kosten, die den Freunden der Frau entstanden sind, die der Armen auf Basis eines Fake-Hilferufs von Obiaku finanziell zur Hilfe geeilt sind. Romance Scam ist eines der Felder, auf denen die Absolventen der nigerianischen Hochschulen sehr schnell, sehr viel Geld verdienen. Man sollte meinen, diese Art des Betrugs ist hinreichend bekannt. Aber offensichtlich ist kein Mittel gegen die Einbildung gefeit, die vornehmlich weiße Witwen zu ereilen scheint, wenn sie auf einen afrikanischen Mann, dessen Fake-Bilder ihn als gut gebaut ausweisen, treffen.

Dass der Scam hinreichend bekannt ist, kann man auch über den 419 Scam – pay a little, get a lot – denken. Sie kennen das:

Man soll es nicht glauben, aber mit dieser Masche lässt sich immer noch schnell und viel Geld verdienen, nicht nur Yahoo-Boys werden nach wie vor damit reich, sondern auch ihre Helfershelfer in den Banken.



Das erträglichste Geschäft, in dem sich auch Hushpuppi befunden hat, besteht jedoch darin, Kleine und Mittlere Unternehmen um Geld zu betrügen. Die Vorgehensweise hier basiert darauf, sich Zugang zum eMail-Netzwerk eines Unternehmens zu verschaffen, etwas, wozu offenkundig nicht viel Qualifikation notwendig ist, wie Kunden von Yahoo und Btinternet wissen. Die Scammer können versuchen, die Identität von jemandem, der Zugang zum Netzwerk hat, zu stehlen, ihn fortan zu spielen, wie auch immer sie Zugang zu den eMails eines Unternehmens und dem Unternehmensserver gefunden haben, sind sie erst einmal dort, dann haben sie vor allem eines: Geduld. Sie wühlen sich durch tausende von eMails, um relevante Daten zu finden, fälschen Briefköpfe, fälschen Absender, arbeiten mit eMail-redirects und schicken Unternehmen Rechnungen mit dem gefälschten Briefkopf eines Lieferanten und mit einer der Kontoverbindungen der Scammer. Auf diese Weise gelingt es, die größten Batzen zu sichern. Besonders akribische Scammer stehlen Bankinformationen und nutzen sie, abermals auf Grundlage gefälschter Firmenunterlagen.

Regelrecht elaboriert sind Scammer-Maschen, die in Ghana ihren Ursprung haben, nicht etwa, weil Ghanaer das Scamming für sich entdeckt haben, sondern weil Nigerianer eine Außenstelle in Ghana errichtet haben. Ghana verdient den größten Teil des nationalen Einkommens über den Verkauf von Gold. Also liegt es nahe, sich als Goldhändler auszugeben, mit gefälschten Geschäftsadressen, gefälschten Testimonials und Gold zu verkaufen, das es gar nicht gibt. Auch diese Masche ist erfolgreich. Viele an Gold Interessierte, zahlen einen Vorschuss, um sich die Lieferung zu sichern und deren reibungsloses Passieren durch den Zoll zu gewährleisten. Sie bezahlen für eine Lieferung, die es überhaupt nicht gibt.

All diese Maschen offenbaren eine erstaunliche Fähigkeit der Scammer, sich an die psychologischen Bedürfnisse ihrer Opfer anzupassen, ihren Opfern das zu liefern, was sie gerne hätten, sie bei ihren eigenen Vorurteilen abzuholen. Nicht selten wird die Bereitschaft, von vor allem weißen Frauen, Geld zu überweisen, davon getragen sein, dass man dem armen schwarzen, (auf dem FakePhoto) gut aussehenden Mann helfen will, um sich selbst gut fühlen zu können und sich vielleicht noch andere Hoffnungen auf ewige Dankbarkeit und Gratifikationen der unterlegenen schwarzen Menschen zu machen. Die ignorante Sichtweise, die sich z.B. bei denen findet, die Schwarze für zu verletzlich und zu machtlos halten, als dass sie in der Lage wären, sich gegen Weiße zur Wehr zu setzen, bei denen, die überall Rassismus am Werk sehen und in ihren kühnsten Träumen nicht zu dem Gedanken im Stande sind, dass es unter Schwarzen auch Kriminelle geben könnte, so wie unter Weißen, die Irren, die denken, nur Weiße wären zum Rassismus fähig, was notwendig den Gedanken voraussetzt, dass die weiße der schwarzen Kultur überlegen sei, sie sind alle Teil eines Scammer-Erfolgs, der Schwarze reich werden sieht, “filthy rich”, wie es unter ihnen heißt und manche Weiße oft genug als die Idioten exponiert, die sie nun einmal sind.

Ausgenommen sind hier explizit die Unternehmen, die mit zum Teil sehr gut gemachten Fälschungen in die Bezahlung von Rechnungen für tatsächlich erhaltene Leistungen getrickst werden, wobei die Bezahlung auf ein Fremdkonto umgeleitet wird.

Die Nigerianische Scammer-Wirtschaft ist ein florierendes Geschäftsfeld. Die Zahl der willigen Opfer groß. Die Bedingungen in Nigeria, Korruption, viele junge Männer mit Hochschulabschluss und wenig Aussicht auf einen guten Job, gesellschaftliche Wertschätzung für Reichtum in einer Weise, von der Kommunisten in Deutschland in ihren Feindbildern nicht einmal träumen, eine Polizei, die lieber mitverdient, als das Business zu zerschlagen, sie alle tragen dazu bei, dass eine neue Form von Jugendbanden, vielleicht auch eine Form von Männerbünden entsteht, deren Ziel darin besteht, auf dem Rücken von Weißen reich zu werden. Ein Ziel, das viele von ihnen unbehelligt und erstaunlich schnell erreichen. Während in Europa und den USA ein eingebildeter Rassismus bekämpft wird, in dessen Zentrum die Stilisierung von Schwarzen zum Opfer einer weißen Kultur steht, machen von Nigeria aus Schwarze Weiße zum tatsächlichen Opfer einer schwarzen Kultur, in deren Zentrum ein nicht eingebildeter Scam steht. 

Was die investigativen Abteilungen der so üppig finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender wohl dazu sagen?

P.S.
Yahoo-Boys ist der Name, unter dem die Scammer in Nigeria bekannt sind.



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