2020: Wind ist “wichtigste” und unzuverlässigste Stromquelle – ARD-Jubeltext demontiert

Wie schön es für Ideologen doch ist, wenn die Wirklichkeit zur Ideologie zu passen scheint.

Wie hart es dagegen sein muss, wenn die schöne Traumwelt, die die Wirklichkeit der Ideologie angepasst hat, in sich zusammenfällt.

Die Jubelmeldung der ARD-tagesschau in aller Kürze:

“Wind ist wichtigste Stromquelle […]

Nicht die Kohlekraftwerke haben im vergangenen Jahr den meisten Strom in Deutschland produziert, sondern Windkraft-Anlagen. Erneuerbare Energien erreichen inzwischen einen Rekordanteil.

Windenergie ist im Jahr 2020 zu Deutschlands wichtigster Stromquelle geworden. […]

Der Anteil der Windkraft am Energiemix lag bei 25,6 Prozent, der Anteil von Kohle bei 24,8 Prozent …”

Die Jubelmeldung der ARD-tagesschau basiert auf dieser Pressemeldung des Statistischen Bundesamts. Die Pressemeldung wurde mehr oder minder abgeschrieben. Das Statistische Bundesamt hat – wie jedes Jahr – etwas ziemlich Nutzloses gemacht: Die produzierte Gesamtstrommenge für 2020 ausgerechnet und für die einzelnen Energieträger als prozentuale Anteile dargestellt. Nun ist die Nachfrage nach Strom über ein Jahr gesehen nicht immer gleich, ebensowenig ist die Stromerzeugung besonders bei angeblich erneuerbaren Energieträgern (wie erneuerbar Windkraft ist, sieht man an den Problemen, die es mit der Entsorgung von Windrädern gibt) über das Jahr gesehen gleich, ganz im Gegenteil.

Die folgende Abbildung zeigt Nachfrage und Produktion von Strom in Deutschland:

Wie man der Abbildung sehr gut entnehmen kann, hat Windkraft saison. Im Frühling und im Sommer ist mit Windkraft nicht allzuviel anzufangen. Entsprechend muss die Stromversorgung auf anderen Wegen sichergestellt werden. Wie man auch sieht, steigt im Frühling und im Sommer die deutsche Abhängigkeit von importiertem, vor allem aus französischen Kernkraftwerken importiertem Strom. Es nutzt also nichts, viel Strom mit Windkraft zu produzieren, wenn man zum einen nicht sicherstellen kann, dass die benötigte Menge an Strom aus Windenergie über ein Jahr gesehen auch KONSTANT produziert werden kann und wenn man nicht sicherstellen kann, dass die produzierte Menge über das Jahr gesehen auch die Nachfrage zu decken im Stande ist (Anders formuliert: Dass im Februar viel Strom aus Windenergie produziert wurde, das nutzt ihnen im Juli, wenn Windflaute ist, wenig). Wer sich auf Windkraft oder Solarenergie verlassen will, der kann auch gleich den Strom rationieren.

Hinzu kommt eine kleine Schweinerei, die sich hinter der Formulierung “ins heimische Netz eingespeist” verbirgt.

Dazu eine weitere Abbildung, sie zeigt den Saldo von importiertem und exportiertem Strom im Verlauf des Jahres 2020:

Dargestellt ist der Saldo aus exportiertem und importierten Strom. Wie man sieht, wird immer dann mehr Strom exportiert als importiert, wenn Windkraft Strom produziert, also im Herbst und im Winter, und immer dann mehr Strom importiert als exportiert, wenn Windkraft weitgehend ausfällt, also im Frühling und im Sommer. Mit anderen Worten: Strom aus Windkraft wird dann, wenn durch Windkraft am meisten Strom produziert wird, exportiert (schon weil man den Wind nicht drosseln kann) und dann, wenn Strom aus Windkraft wegen Windflaute ausfällt, muss Strom importiert werden, damit die Deutschen nicht im Dunkeln sitzen.

Der Stromimport ist über das Jahr 2020 gesehen um 19,7 % auf 48 Terrawattstunden gestiegen. Gleichzeitig ist der Export von Strom um 8 Prozent auf 67 Terrawattstunden gesunken. Die wachsende Abhängigkeit von importiertem Strom wird auch in diesen Zahlen deutlich (im Jahr 2020 ist die Abhängigkeit von Importen 27,7% gewachsen), ebenso wie die Unfähigkeit der ARD tagesschau, Daten korrekt aus einer Tabelle zu übertragen, deutlich wird. Das Statistische Bundesamt hat die folgenden Zahlen veröffentlicht:

Bei der ARD-tagesschau ist folgender Text daraus geworden:

“Die exportierte Strommenge sank um acht Prozent, übertraf aber mit 67 Milliarden Kilowattstunden immer noch die Importe. Sie legten um 19,7 Prozent auf 40,1 Milliarden Kilowattstunden zu.”

Einerseits führt ideologischer Eifer zeitweise dazu, dass man die Ergebnisse der eigenen Ideologie besser darstellen will als sie sind, das ist eine Erklärung dafür, dass – wer auch immer diesen Bericht der Tagesschau verfasst hat – die falsche Zahl für importierten Strom, nämlich 40,1 nicht 48 entnommen hat, man irrt sich nämlich als Ideologie immer zu seinen ideologischen Gunsten. Andererseits ist die Kompetenz der Mitarbeiter bei MS-Medien nicht unbedingt üppig gesät, so dass das falsche Datum auch auf entsprechende Unfähigkeit zurückzuführen sein kann.

Was meinen Sie, was zutrifft: Unfähigkeit oder ideologischer Eifer?

Wie dem auch sei, wenn Windkraft weiter ausgebaut wird, dann sollten Sie sich für Frühling und Sommer einen Generator zur Stromerzeugung zulegen.



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