Inselgeschichten: Von den Orkneys über Nordirland bis nach Wales – Ärmel-Kanal News

His Royal Highness the Duke of Edinburgh, born June 10 1921,
died April 9 2021.

Wir können diesen Post mit Nachrichten aus dem Vereinigten Königreich natürlich nicht beginnen, ohne einen kurzen Nachruf auf Prince Philip, den Britischen Royal, der uns schon deshalb ans Herz gewachsen ist, weil er nie ein Blatt vor den Mund genommen hat und erklärter Weise ein Gegner jeder politischen Korrektheit gewesen ist. Dass er viel mehr als das gewesen ist und die Regentschaft von Elisabeth II sicher nicht die Aura umgeben würde, die sie nach all den Jahrzehnten umgibt, das ist eine der Geschichten, die nun – nach seinem Tod – erzählt werden [Wer sich dafür interessiert, die Geschichten sind leicht zu finden.]

All dem wollen wir nicht viel hinzufügen. In den letzten Tagen ist eine Welle der Sympathie über die britischen Inseln geschwappt, und die Briten haben sich damit vergnügt, die besten Geschichten und Clips von und mit Prince Philip zu teilen. Wir haben eine kleine Auswahl getroffen und für unsere Leser zusammengestellt.

Die Aufmachung des Telegraph vom 10. April, sie bringt die Stimmung vielleicht am besten auf den Punkt. Links, die Vorderseite der Ausgabe vom 10. April, rechts die Rückseite.

Natürlich kann man nicht über Prince Philip schreiben, ohne eines oder zwei seiner Bonmots zum Besten zu geben. Tun wir das also:

“I wish he’d turn the microphone off.” (2001 hat Prince Philip diesen Satz vor sich hingemurmelt. Er wohnte einer Darbietung von Elton John bei.)


“”If the man had succeeded in abducting Anne, she would have given him a hell of a time while in captivity.” (1974 anlässlich eines gescheiterten Versuch, Princess Anne zu entführen).


“Where did you get that hat?” (Zur Queen am Tage ihrer Krönung.)


Dass Prince Philip viel zu ehrlich war und viel zu viel Humor hatte, als dass ihn Linke erträglich finden könnten, das zeigen auch die beiden folgenden kurzen Video Clips:


Beginnen wir unsere weiteren Nachrichten in Schottland, genau auf Orkney und auf den Shetlands:

Die beiden Inseln gehören nominell zum Verwaltungsgebiet von Schottland, sind somit Bestandteil des schottischen Haushaltes und den Regelungen, die in Holyrood, dem schottischen Parlament verabschiedet werden, unterworfen, in jenem Parlament, in dem die SNP, die Scottish National Party, eine Minderheitsregierung führt und seit Jahrzehnten ihr Leid darüber, dass der Zentralismus von Whitehall, also von London aus, jede schottische Initiative ersticke, klagt. Angesichts der weitgehenden Befugnisse in Sachen Gesetzgebung, die das schottische Parlament inne hat und die eigentlich jenseits des Rechts Steuern zu erheben, fast alles umfassen, ist diese Behauptung natürlich nonsense. Sie ist darüber hinaus reine Heuchelei, wie sich am Beispiel von Orkney und Shetland zeigt.

Die schottische Regierung, die so gerne unabhängig von der Zentralregierung in London sein will, sie hat in den letzten Jahren ihre eigene Rolle als Zentralregierung auf Kosten der lokalen Selbstverwaltungen, wie sie auf Orkney und Shetland vorhanden sind, sukzessive ausgebaut. Auf der einen Seite wurden die Finanzmittel, die auf beide Inseln zur Verwendung der dortigen Selbstverwaltung geschickt werden, reduziert, auf der anderen Seite ist der Anteil am Gesamthaushalt der Selbstverwalter, der Regelungen umfasst, die die schottische Regierung an die beiden Inseln mit der Maßgabe der Umsetzung weitergibt, von 34% im Jahre 2013 auf 61% im Jahre 2020 gestiegen. Langsame Erdrosselung lokaler Autonomie durch Vorgaben auf der einen und gekürzte Mittelzuweisungen auf der anderen Seite. Die unabhängigkeitsliebende SNP hat es nicht so mit der Unabhängigkeit, wenn es um den eigenen Hinterhof geht.

Und auf Orkney und Shetland hat man nun genug. Die lokalen Parlamente prüfen, wie Autonomie und Selbstbestimmung wieder hergestellt werden können, eine Prüfung, die explizit die Möglichkeit umfasst, Unabhängigkeit von Schottland zu erstreben und sich direkt, wie dies etwa für die Isle of Man der Fall ist, in Fragen von Außenpolitik und Sicherheit unter die Fittiche der Zentralregierung in London zu begeben. Mark Smith hat die Situation im Norden von Schottland für den “Herald” gut auf den Punkt gebracht:

“The answer – and it’s one federal unionists are constantly making – is a devolved system that maximises power at all levels, national and local. It’s an idea you can imagine attracting a lot of support in No-voting Shetland and Orkney – certainly more support than the status of Crown dependency or full independence, but the leaders of the SNP would never countenance it because they are essentially unitary nationalists. Their tactic is to rail against a state they say is centralised (but isn’t really) to create a new one that actually is.”


Im Westen von Mainland Britain findet sich Nordirland, und in Nordirland, Sie werden es gelesen haben, geht es derzeit des Nächtens zu, wie in Berlin Kreuzberg. Jugendliche randalieren, und in Deutschland wird erzählt, sie randalierten wegen der Folgen des Brexit, weil mit dem Brexit viel Bürokratie und viele Probleme nach Nordirland gekommen sei. Diese Erzählung ist eine logische Fortführung des Versuchs der EU, Nordirland als Faustpfand gegen das Vereinigte Königreich in die Verhandlungen über den Brexi einzuführen.

Erinnern Sie sich noch an den “Backstop”, von dem die Heuchler in Brüssel behauptet haben, er sei notwendig, um die Sicherheit in Irland und Nordirland zu gewährleisten und zu verhindern, dass es gewalttätige Auseinandersetzungen gebe?

Wenn nicht, dann können Sie hier nachlesen, was es mit dem Backstop auf sich hatte.

Der Backstop ist sang- und klanglos in der Versenkung verschwunden, als klar war, dass sich die Regierung Johnson und allen voran David Frost mit dem Backstop nicht erpressen lassen würden. Wie sehr Nordirland als Faustpfand für die machtpolitischen Interessen der Mikroaggressoren in Brüssel dient, das hat auch die Leichtigkeit deutlich gemacht, mit der die EU-Kommission angesichts des eigenen Versagens bei der Beschaffung von Impfstoffen gegen COVID-19 das Good Friday Agreement, das immer angeführt wurde, wenn die Kommission versucht hat, die britische Verhandlungsseite gefügig zu machen, in den Orkus gestopft hat. Was kümmert mich meine Heuchelei von gestern, so wohl die Maxime der EU und ihrer Komparsen in den Medienanstalten, die nun wieder munter und so als sei in der Zwischenzeit nichts geschehen, die alte Erzählung vom Brexit, der so schädlich für Nordirland sei, aus der Tasche ziehen.

Und das sind die Folgen des Brexit auch, nicht jedoch wegen des Brexit, sondern wegen der EU-Kommission und der Art und Weise, wie das Withdrawal Agreement von der EU-Kommission instrumentalisiert wird, um den Nordiren das Leben so schwer wie nur möglich zu machen. Das verfehlt seine Wirkung nicht. Die derzeitigen Krawalle spielen in Ballymena, Carrickfergus, Newtownabbey und Londonderry. Das sind Gebiete der Loyalists, also der Nordiren, für die eine Anbindung an das Vereinigte Königreich wichtig ist. Die Scharaden der EU-Kommission haben dazu beigetragen, dass sich vor Ort offenkundig die Meinung durchgesetzt hat, Nordirland sei in Gefahr, vom Vereinigten Königreich abgekoppelt zu werden.

Ben Habib macht diesen Punkt in einem Kommentar für den Express und nutzt die Gelegenheit, um einmal mehr darauf hinzuweisen, dass es im Good Friday Agreement keine Passage gebe, die harte Grenzen zwischen den beiden Irlands verbiete, es gebe nur Passagen, die militärische Einrichtungen an den Grenzen zwischen den beiden Irlands untersagten. Habib ist ehemaliger Abgeordneter im Europäischen Parlament. Dort saß er für die Brexit Party. Für Habib ist klar, dass die derzeitigen Unruhen von der EU heraufbeschworen wurden und angestachelt werden.

Das ist eine Deutung der Dinge.

Eine andere Deutung, die es in Deutschland sicher nicht zu lesen gibt, hat mit Sinn Fein, genau mit Bobby Storey, der in den 1990er Jahren für die IRA aktiv war, zu tun. Story wurde mitten im nordirischen Lockdown unter großem Trara und unter Bruch dessen, was als Lockdown-Regeln in Nordirland gilt, beigesetzt. Das Begräbnis, an dem führende Abgeordnete von Sinn Fein teilgenommen haben, wird von manchen als die Lunte bezeichnet, die gelegt wurde und nun nur noch angezündet werden musste. Diese Erklärung macht Sinn, wenn man sich vor Augen führt, dass diejenigen, die in Nordirland randalieren, in der Mehrzahl junge Männer sind, von denen man kaum annehmen kann, dass sie das Withdrawal Agreement und das Northern Ireland Protocoll kennen. Das führt zur dritten Deutung dessen, was in Nordirland vorgeht: Sammy Wilson, Abgeordneter der Democratic Unionist Party in Westminster hat sie gegeben: Die Scharaden der EU-Kommission haben die Grundlage gelegt, Frustration darüber, seit Monaten im Lockdown zu sein, kommt dazu, und dann wird nur noch derjenige benötigt, der sich beides zunutze macht:


In England tritt am Montag, den 12. April, Stufe II der Roadmap der Regierung aus dem Lockdown in Kraft, das bedeutet, dass

  • alle Geschäfte geöffnet werden;
  • alle öffentlichen Einrichtungen, Museen, Büchereien und Gemeinschaftszentren geöffnet werden;
  • Fitnesstudios wieder geöffnet werden;
  • Campingplätze, Bed&Breakfast, Ferienwohnungen können öffnen;
  • Gaststätten öffnen, dürfen zunächst aber nur im Außenbereich bewirtschaften,
  • Bis zu 30 Trauergäste können an Bestattungen teilnehmen (auch für den Duke of Edinburgh wird hier keine Ausnahme gemacht, nur für ehemalige Mitglieder der IRA),

Schließlich haben wir noch eine Geschichte aus Wales. Eigentlich ist es eine Geschichte aus Australien, eine alte Geschichte, in der Brian Robson aus Cardiff die Hauptrolle spielt. Frei nach Wales Online:

Es schien, der perfekte Plan zu sein.

Zumindest ist es Brian Robson, klammer Teenager aus Cardiff, der nach Australien ausgewandert war und 1965 wieder nach Hause zurückkehren wollte, so erschienen. Weil das Geld nicht für ein Flugticket ausgereicht hat, hat Robson eine Passage für Cargo gebucht, eine Kiste, die groß genug war, um ihn darin aufzunehmen, gemeinsam mit einem Songbuch der Beatles und ein wenig Wegzehrung. Die Idee hat sich als nicht sehr gute Idee herausgestellt. Nach mehreren Stunden, die er in seiner Kiste kopfüber auf dem Tarmak von Sydney Airport zugebracht hat, obwohl die Kiste mit einem “This side up” markiert war (was manche Leute zu provozieren scheint), ohnehin nicht mehr so gut auf seine Idee zu sprechen, wurde die Kiste mit Robson darin, nach Los Angeles umgeleitet, und Robson hat dabei gelernt, dass es im Laderaum eines Flugzeuges sehr sehr kalt wird. Er wäre fast erfroren und landete deshalb nicht nur in Los Angeles, sondern auch im Krankenhaus, in dem er, als er von seiner Tortur erwachte, zwei Angestellte des FBI am Ende seines Bettes vorfand. Beide waren der Ansicht, Robson müsse entweder jemand sein, der entführt worden sei oder jemand, der Unheil anrichten wolle.

Robson war nichts davon und als die Geschichte seines missglückten Versuchs, für wenig Geld von Australien nach Wales zurückzukehren, bekannt war, da war auch Robson bekannt. Nach seiner Rückkehr sei er so bekannt gewesen, nicht nur lokal, sondern regional, dass er seinen ersten Job als Schaffner im Bus aufgegeben habe. Die Frage, “Are you that bloke from Australia”, habe er einfach nicht mehr hören können. Heute ist Robson 75 Jahre alt und auf der Suche nach seinen beiden Kumpels, die vor 56 Jahren in Australien die Kiste zugenagelt haben, in der sich Robson nach Hause schicken wollte.

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